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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Jahrg.

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Vierteljährlicher Bezugspreis^ btt der Expedition 2 Mk^ bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejci. Bestellgeld).

ZnstrttonSgtbühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck tmb Verlag' Joh. klug. Koch, UtnversitLtS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch. 9. Januar 1907

. Zweites Blatt.

h ; Das Avonuemeat

auf dieOberheffifche Zeitung", daS Hrötzte, meistgelesenste «ad Weit­verbreitetste Blatt Marburgs und ber Umgegend kostet vierteljährlich nur 2 25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.

Ausländische Lügenberichte ans Tanger.

Der Korrespondent derRh,-Wests. Ztg." schreibt seinem Blatte unter dem 28. Dezember:

Eo lange die bedenklichen Vorkommnisse und Zwischenfälle, von denen die französisch-spanische Rote säbelte, nicht aufs genaueste präzisiert wer­den, so lange die Möglichkeit einer Verschlimme­rung der Lage der Fremden und des Ausbrechens ernsier Unruhen nicht an der Hand bestimmter Tatsachen und auf Grund allgemein gültiger Vernunftschlüffe erwiesen wird, kann man der französischen und der spanischen Negierung den Vorwurf nicht ersparen, daß sie zur Begründung einer vielleicht folgenschweren Maßregel nichts weiter als inhaltslose Worte verwandt hat. Das war meine lleberzeugung, als ich von Madrid abreiste und wochenlang in der französischen und spanischen Preffe vergeblich nach einer meinen Zweifel beseitigenden Auskunft gesucht hatte Zch hoffte, daß mir diese in Tanger unverzüglich zu teil werden würde. Aber auch hier ist mein Bemühen vergeblich gewesen. Ueberall habe ich gefragt: wie ein Narr harre ich noch heute auf Antwort.

Weder an diplomatischer Stelle, noch bei den Vertretern der Presse, die doch die berüchtigten Nlarmnachrichten in die Welt gesandt hatten und noch senden, konnte ich etwas Positives über dis angebliche Unsicherheit der Fremden erfahren. Die Diplomaten verwiesen mich auf die Presse, und die Berichterstatter dieser beriefen sich auf die französisch-spanische Note. Sobald ich den Versuch machte, den den verschiedenartigsten Meldungen zu gründe liegenden Tatbestand fest­zustellen, stieß ich entweder auf etwas harmloses und an sich Unbedeutendes oder auf Luft, d. h. die Nachrichten waren der Phantasie irgend eines oder mehrerer Berichterstatter entsprungen. So ist alles, was Raisuli zugeschrieben wird, reine Dichtung: wenn er bestimmte Pläne und Absichten hat, so wird er sich wohl hüten, sie den fremden Schwätzern mitzuteilen. Man vergleiche doch einmal, was die verschiedenen Korrespon­denten über Raisuli sagen und man wird finden, daß cs mindestens ebenso viele verschiedene Raisulis als Berichterstatter gibt; denn jeder konstruiert sich seinen Raisuli nach seinem beson­deren Privatgeschmack; ja, der Raisuli eines und desselben Zeitungsschreibers ist nicht immer der gleiche, mit den Launen der Phantasie wechselt der Charakter Raisulis. Auch heute flunkert man genau so, wie vor Monaten. Fast alle Bericht­erstatter unterhalten mit Raisuli eine draht- itnb apparatlose Televhonverbtndung. Das gilt in erster Linie von dem Vertreter der Agentur identer, der an Fruchtbarkeit seiner Phantasie fast alle Sensationsmacher In den Schatten stellt. So meldete er jüngst, daß man in allen Moscheen im Umkreise von 30 Meilen verkündet habe, daß eine christliche Invasion bevorstehe, und daß öffentliche Ausrufer das Volk ermahnten, sich auf den heiligen Krieg vorzubereiten usw. Diese schreckliche Nachricht ist von Anfang bis Ende er­logen. Das Gleiche läßt sich von einer Meldung derVofsischsn Zeitung" sagen, wonach das Vorkommnis zwischen dem amerikanischen Ge­sandten und dem Vertreter Raisulis, der einen Dieb durck)prügeln ließ und wogegen jener pro­testierte, wesentlich dazu beigetragen habe, das diplomatische Korps zu veranlaffen, Maßnahmen gegen die Gewalttätigkeiten Raisulis zu ver­langen. Der amerikanische Gesandte hat den Zwischenfall mit dem Vertreter Raisulis mit kei­nem Wort erwähnt; die Konferenz des diplo­matischen Korps, die keine Kenntnis von dem Fall hatte, konnte sich darum auch nicht mit ihm beschäftigen. Wie an diesen beiden Beispielen, so könnte man auch in allen übrigen Zeitungs- msldungen Nachweisen, daß sie entweder aus der Luft gegriffen sind, oder an sich unbedeutende Vorkommnisie in maßloser und tendenziöser Weise entstellen.

Seiber finden diese von der englischen, sran- ßösischen und spanischen Preffe verbreiteten Lü­gennachrichten auch Unterkunft in den deutschen Zeitungen und bewirken, daß bas deutsche Volk sich ganz falsche Vorstellungen von den Zuständen in Tanger und Marokko überhaupt macht. Dies ist um so mehr zu bedauern, da Deutschland in Marokko ganz allein steht und sämtliche nicht­

deutschen Berichterstatter auf höheren Befehl hin deutschfeindlich gesinnt sind und die deutsche Marokkopokitik und ihre hiesigen Vertreter fort­gesetzt verdächtigen. Im Jntereffe Deutschlands wäre es dringend zu wünschen, daß man den nicht-deutschen Meldungen über Marokko mit größerer Vorsicht, als dies bisher geschieht, be­gegnet.

Eine Unsicherheit der Fremden besteht weder innnerhalb noch außerhalb Tangers und hat niemals bestanden. Selbst zu den spätesten Nachtstunden kann man sich frei und unangefoch­ten, selbst in den engsten und entlegensten Gaffen, bewegen. Ueberall stößt man auf Wachtposten, die schon vor Beginn der Abenddämmerung ihren Dienst aufnehmen und erst am Hellen Mor­gen in ihr Quartier zurückkehren. Außerdem durchziehen mehrere, bis zu 20 Mann starke Pa­trouillen fortgesetzt die Stadt. Von den Ein­geborenen hat man nichts zu befürchten, wohl aber von den fremden Strolchen und Radau­brüdern, den Gaunern und Zuhältern, gegen die die marokkanische Polizei ohnmächtig ist. Euro­päische Spelunken und Lasterhöhlen sind die ganze Nacht geöffnet und die Stätten wüster Lärm- und Skandalszenen. Man hätte nur sehen sollen, wie gewiße Christen ihr Weihnachtsfest gefeiert haben! Besoffene torkelten zu allen Tages- und Nachtstunden durch die Straßen; manche Spanier sind drei Tage nicht aus ihrem Rausch herausgekommen. Manche Wirte halten selbst während des Tages ihre Kneiveit aus Angst vor radaulustigen Landsleuten geschloffen. Die stets zu Skandalszenen Anlaß gebende Weih« rachtsmeffe fand nicht statt, da im verfloffenen Jahre der Unfug in der Kirche gar zu arg ge­wesen war. Unter den Spaniern ereigneten sich fünf Bluttaten; es gab zwei Tote und verschie­dene Schwsrverwundete. Gewiß wäre es wün­schenswert, wenn das diplomatische Korps für eine strenge Ueberwachung der Fremden und die Unterdrückung der von Europäern unterhaltenen Lasterhöhlen sorgen würde; für die Ruhe und Ordnung der Eingeborenen sorat die marokka­nische Polizei auch ohne ausländische Offiziere in ausgezeichneter Weise.

Deutsches Reich.

Die Börsensteuer hat in den ersten zwei Dritteln des laufenden Finanzjahres einen Er­trag von 33,2 Millionen Mark erbracht. Sie ist damit nicht auf der Höhe des Vorjahres ge­blieben. Zwar hat die Einnahme aus dem Stempel für Wertpapiere gegenüber dem gleichen Zeiträume des Vorjahres immer noch ein Mehr von 1,3 Millionen Mark aufzuweisen gehabt, die aus dem Stempel für die Kauf- und sonstigen Anschakkungsgeschäfte ist dagegen um <>,o Milli­onen Mark zurückgeblieben, sodaß sich das We­niger gegen den Ertrag der ersten zwei Drittel 1905 auf rund 2 Millionen Mark beläuft. Es scheint so, als wenn auch der Ertrag des ganzen Jahres 1905 diesmal nicht erreicht werden wird. Bleiben die Einnahmeverhältniffe im letzten Dritel wie im ersten, so werden aus der Börsen­steuer für das Finanzjahr 1906 49,8 Millionen Mark gewonnen werden können. Danach würde diese Einnahmequelle gegen den Ertrag von 1905 immer noch mit einer halben Million zurück- bleiben, wie denn wohl überhaupt die 50,3 Mill. Mark des Jahres 1905 nicht sobald wieder ganz erreicht werden dürften. Gegenüber dem Etats­anschlage, der sich auf 48,1 Millionen Mark be­läuft. würde aber immer noch ein Mchr von 1,7 Millionen Mark herauskommen. Es ist also bisher immer noch Aussicht vorhanden, daß die Börsen st euer auch im laufenden Finanzjahre auf den Finalabschluß der Reichshauptkasse günstig ein« wirken wird.

Sperrung der deutsch.südwestasrikauischen Grenze. Nach einer Meldung aus Kapstadt hat die Kapregierung die Grenze von Deutsch-Süd- westafrika bis zur Erledigung der Streitfragen gegen die Ausfuhr geschloffen. Die Bemühun­gen hiesiger Kaufleute, dies zu verhindern, blie­ben erfolglos.

Durch schlimme Rot geeint Posen, 6. Januar. Die Deutschen in der Provinz Posen haben einen gemeinsamen Wahlaufruf erlassen, in welchem es heißt:In unserer Hei­mat, wo das Deutschtum' in schwerem Kampfe steht, gilt es unsere Kraft zu zeigen und darzu- tun, daß uns die Vormacht noch nicht genommen ist. Wir können deutsche Wahlsiege nur errin­gen, wenn wir einmütig und geschloffen da- stehen. DurOirungen von diesem Bewußtsein haben die unterzeichneten Vereine sich für die Reichstags- und Landtagswahlen zu gemein­samem Vorgehen zusammengetan. Sie erwar­ten nunmehr mit voller Zuversicht, daß dieser Verständigung in deutscher Treue entsprochen werde. Wir fordern von jedem deutschen Wäh­ler, daß er, eingedenk seiner unabweisbaren Pflicht gegen das Deutschtum und gegen das

deutsche Vaterland, am Wahltage seine Stimme für den vereinbarten deutschen Kandidaten ab­gibt." Unterzeichnet ist der Aufruf vom Bünde der Landwirte, dem Konservativen Zen­tralverein, den freisinnigen Bezirksverbänden von Posen und Bromberg, dem Verband der Vereine deutscher Katholiken und dem Ost­markenverein.

Marburq und Umgrgeud.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberheff. Ztg." gestattet)

Marburg, 8. Januar.

* Anmeldung zur Rekrutierungsstammrolle. Diejenigen jungen Leute, welche im Jahre 1907 das 20. Leben fahr vollenden, haben die Pflicht, sich zur Aufnahme in die Rekrutierungsstamm­rolle anzumelden. Diese Meldung muß in der Zeit vom 15. Januar bis einschließlich 31. Ja­nuar erfolgen. Das Nähere ist aus der diesbe­züglichen Bekanntmachung im Kreisblatt zu er­fahrest.

* Die Landwirtschaftskammer für den Reg.« Vez. Cassel hält am 21. und 22. d. M. im Lese­museum in Cassel ihre 13. Vollversammlung ab. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Prüfung der Wahllisten betr. Nachwahlen. 2. Ueber die Fleiickteuerung. Berichterstatter: Herr Dr. Etaehly. 3. Jahresbericht über die Tätigkeit der Ackerbau-Kommission. Berichterstatter: Herr Professor Haselhoff. 4. Jahresbericht über die Tätigkeit der Pferdezucht-Kommission. Bericht­erstatter: Herr Rittmeister Deichmann. 5. Jah­resbericht über die Tätigkeit der Geilügelzuast- Kommission. Berichterstatter: Herr Ritterguts­besitzer Maertens. 6. Jahresbericht über die Tätigkeit des Viehzucht-Inspektors. 7. Jahres­bericht über die Tätigkeit der Obstbauanstalt und Stand der Obstbaues im Kammerbezirk. Berichterstatter: Herr Garteninspektor Huber. 8. Jahresbericht über die Tättgkeit des Vereins- ausschuffes. Bericktterstatter: Herr Oekonomie- rat Gerland. 9. Jahresbericht über die Tätig­keit des Genoffenschaftsausschuffes. Berichter­statter: Herr Oekonomierat Rexerodt. 10. Jah­resbericht über die Tätigkeit des Vorstattdes. Berichterstatter: fiert Oekonomierat Gerland. 11. Vorlage der Rechnung für 1905, Antrag auf Erteilung der Entlastung und auf Wahl von 3 Revisoren. 12. Vorlage des Nachtragsetats für das Rechnungsjahr 1906. 13. Abänderung des Besoldungsplanes für die Kcnnmerbeamten. 14. Vorlage des Etats für das Rechnungsjahr 1907. 15. Berichterstattung Über die Tätigkeit der Viehzentrale. Berichterstatter: Herr Ritterguts­besitzer Neutze. 16. Antrag auf Abänderung der Pferde-Vrämiierungsordnung. Berichterstatter: Herr Rittmeister Deichmann. 17. Ergänzung der Kaffenordnung, betr. Stellvertretung des Ge­neralsekretärs bei längerer Abwesenheit durch den Geschäftsführer. 18. Abänderung des Sta­tuts für die landwirtschaftlichen Winterschulen und das landwirtschaftliche Wanderlehrwesen. Herr Dr. Staehly. 19. Heber die Abänderung des Jagdgesetzes. Berichterstatter: Herr Dr. Staehly.

1000 Mark Belohnung. Am 20. Dezember 1906, nachmittags 1% Uhr, ist die 22jährige Luise Becher aus Dünebusch im Kreise Alten­kirchen auf dem Wege von Wissen nach ihrer Heimat int Walde überfallen und ermordet wor­den. Die Leiche wies einen Schrot- und einen Kugelschuß und eine Anzahl schwerer Schnitt- und Sttckwunden aus. die mit einem sehr schar­fen dolchartigen Werkzeug hervorgebracht fein müssen. Als Täter kommt ausschließlich ein Mann in Betracht, der von mehreren Zeugen kurz vor der Tat in der Nähe der Becher ge­sehen worden war. Er wird folgendermaßen be- schtieben: Größe etwa 1,65 bis 1,70 Meter, Alter 30 bis 35 Jahre. Gestalt kräftig, gesetzt, Gang etwas vornübergeneigt. Haare und Augen­brauen dunkelblond, starker blonder Schnurr­bart, ovales Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe, frische volle Wangen, Kleidung: schwarzer wei­cher Filzhut, dunkler Ioppenanzug, dunkelgrauer Mantel. Die Person soll wie ein herumziehender Geschästsmann ausgesehen haben. Der Mörder mutz selbst eine beträchtliche Verletzung davonge­tragen haben, da seine Fußspur im Schnee von einer Blütspur begleitet war. Die Fußspur zeigt folgende Maße: ganze Länge von der Hacke bis zur Stiefelspitze: 29 Zentimeter, Absatzlänge 9 Zentimeter, Absatzbreite 7 Zentimeter, mitt­lerer Abstand zwischen Absatzkante und Sohle 6 Zentimeter. Der rechte Fuß zeigt an der äußeren Sohlenkante eine mehr als gewöhnliche Biegung nach außen. Diese Fuß- und Blutspur führte von dem Tatorte über die Brücke nach Rödderstein, Birken und Wittershagen, wo sie sich verlor. Auf die Ermittelung des Täters ist von der Staatsanwalkschaft in Neuwied eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Nachrich­ten sind der Staatsanwal^chaft oder dem Amts­gericht zu Wissen zu übermitteln. >,

* Krieger - Kameradschaft Marburg. Man schreibt uns: Die Kriegerkameradschaft hielt ent Samstag eine sehr stark besuchte Versammlung ab, wobei unter anderem auch die geschäftliche Abrechnung über die FestspieleBarbarossas Er­wachen" vorgelegt wurde. Der Ertrag war ein zufriedenstellender und wurde die aufgewendete Mühe und Arbeit auch hierin belohnt. Weiter brachte der Vorsitzende Robert Becker auch einen Artikel derParole",Zur Reichstagswahl", zur Verlesung und forderte alle Anwesenden auf, daß jeder seinen Mann stellen und nur einem reichstreuen Manne seine Stimme geben möchte. Obwohl bi» Kriegervereine keine Politik treiben, so haben wir doch durchaus nicht nötig, unsere Gesinnung zu verbergen. Allen Kriegervereins­mitgliedern in Stadt und Land rufen wir zu: Zeiget es mit der Tat, daß wir treue Staats­bürger sind, die fest stehen zu Kaiser und Reichl

* Heffenland. Der Inhalt der Nr. 1 des Heffenland" ist folgender: Falckenheiner, W. lieber den Todestag der Mutter Philipps des Großmütigen, Landgräfin Anna von Mecklen­burg. Pfaff, F. Die streitbaren Anwälte. Ein Beitrag zur Geschichte der hessen-pader« bornilchen Erenzbettebungen am Ende des 16. Jahrhunderts. Herbert, M. Hessendörflein (Gedicht). Brauns, Prof. Dr. Reinhard. Aus dem Leben eines hessischen Offiziers vor hundert Jahren. Herbert, M., Cbattenkind (Gedicht). Zöllner, Ernst. Aus dem Mitten ÄunftlebeiL Helüsche Totenschau von 1906. Aus Heimat und Fremde. Hessische Vücherschau. Per­sonalien.

Aus dem Kreise Kirchhain, 4. Jan. Ma« schreibt uns: Wie bereits hin und wieder in die- fern Blatt erörtert worden ist, haben sich im Ohmtale in letzter Zeit sogenannte Meliora­tionsgenossenschaften gebildet, die den Zweck ver­folgen, zu nasse oder durch zu hohen Erund- wasserstand versumpfte Wiesen und Ackerlän­dereien durch Einrichtung von sachkundiger Hand bearbeiteter Entwässerungsanlagen gründlich z« verbessern, und so diese bisher fast ertragslosen Eelänoebezirke zu fruchtbaren, die Arbeit loh­nenden Wiesen- und Ackerflächen untzuwandeln, ein Bestreben, das namentlich in unserem Dljnu tale alle Förderung verdient. Vekaitntlich sind zu nasse und sumpfige Wiesenflächen im Ohm­tale recht reichlich vorhanden. Zuverlässigem Vernehmen nach sind noch weitere derartige Me­liorationsgenossenschaften in der Bildung be­griffen und ist Aussicht auch auf deren Zustande­kommen vorhanden. Möchten sich nur überall sachkundige Männer finden, die sich diesem für unsere Gegend so wichtigen Bestrebungen in führender Weise annehmen. Denn gerade an diesen leitenden Persönlichkeiten fehlt es vielfach in den hier in Betracht kommenden Kreisen. Namentlich könnten hierbei sich die Herren Geist­lichen und Lehrer wie auch andere geeignete Per­sönlichkeiten durch Aufklärung über die Notwen- diakeit und Nützlichkeit der Meliorationen sehr verdient machen. Wie sehr die Behandlung der Entwäfferungsfrage im Kleinen wie im Großen in unserem Ohmtal not tut, ist bereits seit vielen Jahren oft genug und eingehend be­handelt worden und es kann als hocherfreuliche Tatsache festgestellt werden, daß diese Anreg­ungen vielfach auf recht günstigen Boden gefallen und wohl zur Ursache der oben besprochenen Ge­nossenschaftsbildung geworden sind, mindestens aber ihr Teil dazu beigetragen haben. Jeden­falls wird es in Kreisen der in Betracht kom­menden Landwirte mehr und mehr zur Klarheit daß in der bisherigen alten Weise nicht fortge« wirtschaftet werden darf, wenn nicht ein merk­licheres Zurückbleiben erkennbar werden soll. Die Erfahrungen der Neuzeit int Meliorations« . wesen, in der auch hier in Frage kommenden Technik, müssen auch bei uns mehr Eingang fin­den und in sachgemäßer Weise zur Anwendung kommen. Es würde dann mancher bisher fast wertlose, versumpfte und versäuerte Eelände- bezirk unseres schönen Tales, fruchtbarer und ge­segneter Boden werden, der die Arbeit reichlich lohnen und seinem Besitzer Freude machen würde, was bis dahin leider nicht überall der Fall ist. Es erscheint auch zweckmäßig, daß diese Meliora­tionen zunächst im Kleinen mit Entwässe­rungsanlagen kleiner Bezirke beginnen, um so den Beweis zu liefern, was an Verbesserungen auf diesem Gebiete im Kleinen geschehen kann, und welche wirtschaftlichen Vorteile den Besitzern aus diesen Melioratioen im Kleinen zu teil werden. Wo auch nur bisher solche Entwässe­rungsanlagen von sachkundiger Hand ausgeführt worden find, da haben sie sich glänzend bewährt und hier im Ohmtale wird es sicher nicht ander» sein. Auch hier wird man seine Freude an der Ausführung solcher Meliorationen erleben. Daß die Bildung von Meliorationsgenossenschaften staatlichersetts nach jeder Richtung hin gefördert, wird, ist so selbstverständlich, daß dies einet näheren Erörterung nicht bedarf. Nur muß sei­tens der in Betracht kommenden Grundbesitzer