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Marburg
Dienstag, 8. Januar 1907.
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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch. UniversttätSEuchdruckere!
Marburg, Markt 2L — Telephon 65.
42. Jahrg.
Das Aöouaement auf die „Oberhejfifche Zeitttng", daS grStzte, Meistgelesenste nnv werl- verbreitetste Blatt Marburgs «nd der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben beste» Erfolg.
Im Januar 1907.
Jan ns, der rück- und vorwärts, in Vergangenheit und Zukunft schauende altlatinische Na- lionalgott stand voreinst in Rom hoch in Ehren, also dast die Römer den ersten Monat des Jahres ihm zu Ehren Januarius benannten, was zur Folge hatte, daß auch wir Deutschen als Erbe» der römischen Kultur — und der lateinischen Monatsnamen noch heute das Jahr unter dem Zeichen des zwieköpfigen Janus beginnen. Rur wenige freilich pflegen sich daran zu erinnern, und doch könnte diese klassische Reminiszenz nichts schaden,' denn aus der Janussage spricht ein alt- römischer Zug, der den — trotz glücklich errungener Reichseinheit immer noch zwiespältigen und ewig unzufriedenen — Urenkeln der alten Eer- rnanen eindringlich zur Nachachtung zu empfehlen. Dem Janus nämlich war in Nom im gpauen Altertum ein Heiligtum geweiht mit doppeltem Durchgänge, der eine für die Gehenden, für die Kommenden der andere. Dieser Tortempel ward in Kriegsläuften geschlossen; denn dann war nach der kindlichen Vorstellung der Alten, Janus nicht daheim, sondern weilte draußen bei den Römern int Felde, um den Legionen zum Siege zu verhelfen. Eine echt nationale Symbolik; denn das Schließen des Janustempels sollte auch der Zwietracht Tür und Tor versperren, damit jeden Augenblick die gesammelten Kräfte des römischen Volkes für die Cache des Vaterlandes zur Verfügung ständen. Strengster „Burgfriede" also war geboten, sobald römische Mannschaften gegen auswärtige Feinde unter Massen standen! Mir Kinder des „aufgeklärten" 20. Jahrhunderts haben keine Ursache, den naiven Glauben der alten Römer an den doppelköpfigen Pförtner des jungen Jahres zu belächeln, sondern sollten uns aus dem sinnigen Mythus eine Lehre für unser politisches Verhalten ziehn. Steht nicht auch deutsche Jungmannschaft im Feld, weit über See, auf afrikanischer Erde, um ein Gebiet zu schützen, übe: das der deutsche Aar seine Fittiche gebreitet hat, damit diesLand unferm mächtig anschwellcn- den Volke eine zweite Heimat werde! Während aber unsere tapferen „Süd-wcstafrtkaner" sich unter furchtbaren Mühsalen mit Hereros und Hottentotten in den, von heißer Tropenglut erhitzten Sandwüsten herumschlugen, wobei nicht wenige mit ihrem Blute ihre Treue zu Kaiser und Reich besiegelten, herrschte daheim kein
45 (Nachdruck verboten.!
Heber alles die Kunst.
Roman von Clarisfa Lohde.
lFortsehungl.
— Wie niedrig dachte Marga von Alfred und Elisabeth, die sie doch besser kennen mußte.
Ach, und das alles jetzt, wo ihre Seele wahrlich Grund hatte, sich mit anderen als solchen hämischen Voraussetzungen zu beschäftigen, jetzt, kurz vor dem wichtigsten Schritt des Weibes, der ihr Leben an das des erwählten Gatten fesselt, und int Hinblick auf den über dem elterlichen Haufe schwebenden Todesschatten.
Der Kranken Ohr hatte richtig gehört. Was der eine Sinn verloren, hatte der andere an Feinheit gewonnen.
Es waren wirklich Elisabeth und Gisela, die jetzt fast alle Tage kamen, um den Abend bei der Rätin zuzubringen. Zwischen der kranken Rätin und der mehr am Gemüt als am Körkper leidenden Komteß hatte sich ein eigenartiges Verhältnis entwickelt.
Anfangs war Gisela nur scheu und wider- rvillig der Aufforderung Elisabeths gefolgt, sie nach dem Grünewald zum Besuch der Freunde zu begleiten. Es war ja die Familie Margas, derjenigen, die Nemethys Gattin werden wollte, dieses Mannes, den sie haßte und verachtete. Wie sollte sie sich den etwa an sie gerichteten Fragen gegenüber verhalten? Aber die Rätin sowohl, wie auch die übrigen Mitglieder der Familie waren viel zu zartsinnig, um Fragen zu stellen. Hatte Elisabeth doch selbst der Gräfin nur andeutungsweise von dem Zerwürfnis der Komteß mit der Mutter und dem Vormund Mitteilung gemacht, ohne die andern Verhältnisse zu berühren. Und nun hatte der ganze milde Zauber, der von der sanften Dulderin ausging, nicht verfehlt, seine Wirkung auf Giselas zerstörtes Gemüt zu üben. Elisabeth hatte das gehofft und diese läoffnuirg war in Erfüllung gegangen.
„Burgfriede", die Zwietracht vielmehr erhob ihr häßliches Haupt, und die Mehrheit der deutschen Volksvertreter verweigerte dem Kaiser die Mittel, das angefangene Werk der Sicherung unseres süd-westafrikanischsn Besitzes endgültig durchzu- führen. Häßliche Reden wurden gehalten und schmähliche Verdächtigungen ausgesprochen. Darauf mutzte die tönende Halle des Streits und der babylonischen Meinungsverwirrung, der Reichstag, geschlossen werden.
Unter dem Zeichen des Janus stehen die Wahlen zum neuen Reichstage. Leider hat das deutsche Volk die Lehren seiner mehrtausend- jührigen Geschichte bis zum heutigen Tage nur allzuwenig berücksichtigt, sonst würde es nicht immer wieder den falschen Propheten Glauben schenken, die durch trügerische Vorspiegelungen die Meinungen der Volksgenossen verwirren, also daß große Kreise in hartnäckigem Unverstände ihre Mitwirkung an den hohen Aufgaben verweigern, zu denen unser Volk vom Schicksal berufen erscheint. Es ist die alte Mär vom Rattenfänger von Hameln! Die Pfeife listiger Parteiführer schrillte und übertönte bei so vielen wackeren Burschen und Männern den Mahnruf des deutschen Gewissens und der deutschen Treue. Auch diesmal wieder werden sich geschwätzige „Berufspolitiker" bemühen, den nationalen Glauben int Volke zu erschüttern und wirtschaftliche Angelegenheit einzelner Berufsstände als wichtigere Fragen in den Vordergrund zu drängen. Wie früher schon werden sie mit tönenden Worten versichern, daß sie dem deutschen Volke Befreiung von wirtschaftlichen und sonstigen Fesseln erwirken, daß sie es „vorwärts" bringen wollen. Allein ihre Worte find selten mehr, al» tönender Schall, und die Erfolge, die sie nach einer beendeten Reichstags- session dem deutschen Volke zu Füßen legen können, stehen in keinem Verhältnisse zu ihren großen Versprechungen uni) bestehen zumeist nur aus verhältnismäßig geringfügigen, zeitweiligen Vorteilen: denn die Hauptbeschäftigung jener Art von Volksvertretern beschränkt sich fast ausschließlich.auf unfruchtbares Nörgeln und Neinsagen und entbehrt der großen Ziele, deren eine Nation bedarf, um wirklich vorwärts zu kommen. Letzteres aber ist in unseren Tagen nötiger, als je zuvor; denn die neuzeitlichen Erfindungen und Kulturfortschritte haben nicht wenig zur Umwälzung aller politischen Machtverhältnisse beigetragen, und nirgends bewährt fick) drastischer das Sprichwort: „Stillstand ist Rückschritt", als im Werdegänge der Nationen. Darum ist das fortgesetzte Gezeter unserer linksstehenden Parteihäuptlinge über die „überflüssige" Kolonialpolitik und über weltpolitische „Ueberspannlheiten" nichts anderes, als ein Beweis politischer Unreife und — Rückständigkeit!
Wir brauchen unbedingt Kolonien, d. h. Neuland in anderen Erdteilen, wenn nicht der Geburtenüberschuß unseres Volkes dem Deutschtum, wie in früheren Zeiten, verloren gehen und als Kulturdünger anderen Natiotten
Zu den Füßen der Kranken sitzen, ihren liebevollen Worten lauschen, ihr blasses und doch so friedvolles Antlitz anzuschauen, das war lange Zeit das vornehmste Verlangen Giselas geblieben, der Balsam, der sich lindernd auf die Wunde ihres Herzens legte. In eine ganz andere Welt sah sie sich versetzt, in ein Leben, das sie bsber, in der Fülle des Reichtums aufgewachsen, nicht gekannt, nur geahnt hatte. Elisabeth hatte mit innerem Bangen die verwöhnte, vornehme Dame in die schlichte Behausung in der Pfalzburger Straße geführt. Da Alfred fort war, konnte sie es Gisela wenigstens einigermaßen behaglich machen. Für die Jungfer war glücklicherweise noch ein Zimmer im Hause zu beschaffen gewesen. Frieda liebte die Komteß aufrichtig, die so unglücklich war. Sie stand Elisabeth treulich bei, Gisela, die sich anfangs gar nicht von den schrecklichen Aufregungen der letzten Tage in Paris zu erholen vermochte, innerlich aufzurichten. Ein Brief ihres einstigen Bewerbers, des Grafen Kaminski, trug viel zu ihrer Beruhigung bei. Er schrieb ihr aus freien Stücken, daß er es tief bedauere, ihr einen Zwang auferlegt zu haben, der sie zu einem so furchtbaren Entschluß getrieben.
Allmählich fing sie wieder an, von Frieda begleitet, dir Muleen Berlins zu besuchen. Abends dann, wenn Elisabeth 'ihre Pflichten an der Schule beendet hatte, wurde öfters ein Wagen genommen und man fuhr irgend wohin ins Freie wo der Menschentrubel nicht zu groß war. Bald aber dachte Gisela nur noch daran, die Rätin im Grünewald zu besuchen. Nirgends war es stiller, nirgends fand sie mehr Ruhe und Trost, als bei der Kranken. Wenn diese ihr mit der abgezehrten Hand liebevoll über das Haar strich, löste sich der furchtbare Druck von ihrer Seele, dann konnte sie weinen, still weinen, ohne das wilde, verzweiflungsvolle Schluchzen, dem sie sich noch oft stundenlang hingab. Und die Rätin fragte nicht, warum sie meine, sondern ließ sie schweigend gewähren. Einmal jedoch, als die Tränen sich gar nicht stillen wollten, hatte sie
zugute kommen soll, welche dadurch zu Macht und Ansehen gelangen. Wem fiele hierbei nicht bas Beispiel der Vereinigten Staaten ein, die nicht zum wenigsten durch den starken Einschuß deutschen Blutes und deutscher Arbeitskraft so hoch gekommen sind, daß sie sich uns schon längst als Konkurrenten auf wirtschaftlichem Gebiete fühlbar gemacht haben! So sind uns bereits ungezählte Millionen deutscher Volksgenossen in aller Welt verloren gegangen, weil das Mutterland nicht mächtig genug war, sie vor Aufsaugung und Vergewaltigung durch andere Nationen zu bewahren.
Unser größter deutscher Dichter, G o e t h e, hat ein Wort von hoher politischer Weisheit gesprochen, als er im Jahre 1814, also nach lleberwin- dung der französischen Zwingherrschaft in seinen Aphorismen äußerte: „Möchten die Deutschen... wie jetzt die ausländische Sklaverei, so auch den inneren Parteisinn... untereinander besiegern Dann würde kein lebendes Volk ihnen gleich geachtet werden!" Diese Mahnung des Dichterfürsten sollte niemals in Vergessenheit geraten; denn sie ist so recht geeignet, jeden einzelnen Deutschen stolz auf sein Volkstum zu machen. Wer aber etwas auf fein Volk und Vaterland hält, der wird dem Rufe des Reichskanzlers folgen und am Tage der Reichs- tagswahl nur einem solchen Bewerber seine Stimme geben, der in allen nationalen Fragen unbedingt zuverlässig ist und jederzeit herzhaft cintritt für des Reiches Herrlichkeit.
Kur ReiMaBWM.
Auf Wunsch aus verschiedenen Kreisen geben wir im Folgenden eine kurze Darstellung des bisherigen .'ebensganges des Kandidaten der deutschsozialen Antisemiten, des Dr. Böhme, wieder. *
Dr. B. ist, wie der Führer seiner Partei, der bisherige Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg, geborener Ostpreuße; an höheren Lehranstalten seiner Heimat erhielt er seine Schulbildung. Nach bestandenem Abiturientenexamen studierte Dr. B. Volkswirtschaft und Geschichte an den Universitäten Straßburg, Leipz.g und Berlin. An letzterer promovierte er als Schüler von Gering, Schmoller und Wagner mit einer Arbeit „Gutsherrlich-bäuerliche Verhältnisse in Ostpreußen", die in Schmollens Forschungen erschien. Er war dann einige Zeit als Assistent von Professor Gering bei den großen Veröffentlichungen über die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes beteiligt, die im Auftrage des preußischen Gtaates herausgegeben wurden. Eine Frucht dieser Studien ist der gemeinsam von ihm und Professor v. Wenckstern heraus!, gebene Band über die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes in Ostpreußen. Als
leise mahnend gesprochen: es wäre nicht recht, sich so dem Schmerze hinzngeben. Was sie auch bedrücke, sie müsse Herr zu werden versuchen. Und sie führte ihr vor, wieviel sie vor so vielen ihrer Mitmenschen voraus habe, einen begabten Geist, die Mittel, ihn auszubilden und was noch viel mehr heißen wolle, die Mittel, Gutes zu tun, die Leiden anderer zu lindern. „Ach," schloß sie, „was hätte ich darum gegeben, wenn ich in den Jahren meiner Kraft die Mittel gehabt hätte, der Not, wo ich sie sah, beispringen zu können. Immer nur hatte ich den guten Willen, dem ich nur selten, zu selten bte Tat folgen lassen konnte."
Da hatte Gisela nicht mehr an sich halten können, sondern in ausbrechendem Jammer geklagt, was für ein unglückseliges Fatum über ihrem Leben schwebe, das Verhältnis zu ihrer Mutter. Sie könne kein Herz zu ihr fasten, könne es nicht, wieviel Mühe sie sich auch gäbe, ja schlimmer, sie hege ein Gefühl gegen sie, das an Abneigung grenze.
„Armes, armes Kind!" hatte die Kranke gesagt und nur zärtlich das Haupt des Mädchens gestreichelt, das sich an ihren Knien barg. „Ich will nicht fragen, woraus Ihre Abneigung gegen die eigene Mutter entspringt. Ich weiß, daß Sie gerecht genug sind," fuhr sie mit leiser, eindringlicher Stimme fort, „um nicht ohne gewichtige Gründe einem solchen Gefühle in Ihrem Herzen Raum zu geben. So weit habe ich schon in Ihr Inneres geschaut. Aber bedenken Sie, daß Sie sich nicht zum Richter Ihrer Mutter aufwerfen dürfen. Denken Sie an die schönen Worte uirsers Heilandes: Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Jede Sünde trägt ihre Strafe in sich selbst, glauben Sie mir, liebes Kind! Und menn es auch oft anders zu fein scheint, wenn man ins Herz, in die tiefsten Geheimniste des Lebens hineinschauen könnte, würde man doch immer bestätigt finden, daß die Schuld den Frieden und damit das Glück ausschließt. Es wird die Zeit kommen, wo sich Ihre Mutter nach der Liebe ihres Kinder sehnen wird, und bann, liebe
weitere Arbeit wäre die am Anfang 1906 cu schienene Schrift über Industrie und Handels» Verträge zu nennen. Mit dieser Wissenschaft- lichen Tätigkeit ging eine praktische Hand in Hand. Go war er ein Jahr in Frankfurt a. Jt. in der Armenpflege tätig, wo ihm besonders di« Eroßstadtverhältniste vertraut wurden, er schlotz dort seine Tätigkeit mit der Leitung bet Ar- beitslosenzählung zu Frankfurt a. M. ab, beten Ergebnisse von ihm in einem kleinen Schriftchen verarbeitet würben. Er folgte bann einem Rufe des Bundes bet Landwirte als wissen« fchaftlicher Hilfsarbeiter. Hier war ihm all Hauptgebiet die Bearbeitung der Handwerker« frage zugewiesen, die er in Praxis und Theorie, namentlich auch als ständiger East aller Hand- wertertage studierte und in zahlreichen Artikeln in der handwerkerfr-mndlichen Weife behan- delle, wie sie aus feinen Versammlungsreden bekannt ist. Die ihm Anfang 1905 angeboten« Kandidatur im Kreise Marburg veranlaßte ihn, seine Veamtentäligkeit auszugeoen, um dem Vorwurf der Abhängigkeit von einer Organisation zu begegnen. Seit dieser Zeit war er in verschiedenfacher Weise tätig, so als Mitarbeiter beim Reichsverband gegen die Sozialdemo» tratie, dessen soeben herausgegebenes Handbuch für nichtsozialdemokratische Wähler neben Mitgliedern der verschiedensten Parteien auch ihn zunr Verfasset hat.
Für die nationalpolitische Gleitung Dr. B.'S ist bezeichnend, daß et als Student Mitglied bet Vereine deutscher Studenten zu Leipzig unt Berlin war und auch jetzt ihr A. H. ist. In beiden nahm er eine führende Stellung ein und auch in bet großen akademischen Oeffentlichkett hat er seinerzeit als Vorsitzender des Bismarck- ausschusses bet gesamten Berliner Hochschulen, als Votsitzenber bet akademischen Lesehalle zi' Berlin und erster Vertreter bet national- Partei für bie studentisch-nationale Sache ge wirkt.
Rach Beendigung seiner Studienzeit hat et bann als freiwilliger Mitarbeiter an zahl« reichen nationalen Vereinen, Flottenverein ufcv. in demselben Sinne gearbeitet. Et gehört b:K Kreise jener nalionalgesinnten Männer an, bi< unter bet Leitung von Dr. Friedrich Lange, dem Herausgeber bet „Deutschen Zeitung" und Generalleutnant v. ßiebert, bem Vorsitzenden des Vereins zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, sich feit dem Winter 1905/06 an einem „nationalen Abend" zu treffen pflegten zur Besprechung aller bet Fragen, bie unser Volk angehen. In sozialpolitischen Fragen unterhielt et enge Beziehungen namentlich mit Lic. Mumm, dem Führer bet christlich-nationalen Arbeiter.
Gisela, bann, bas versprechen Sie mit, weise« Sie bie Bittende nicht zurück. Es ist und bleibt doch eine Unnatur, wenn Mutter und Kind sich in Haß voneinander trennen."
Gisela antwortete nicht, aber ihre Ttäneit hatten zu fließen aufgehött, und ihre Lippen hatten sich fest und warm auf die Hand bet Kranken gepreßt.
„Ja, wenn sie meinet begehrt!" Das Work klang in ihrer Seele nach. Aber wirb bas ja geschehen? Und wenn sie ungerufen zu bet Mut* ter zurückkehrte, würbe bann nicht wieder derselbe Zweifel eintreten, wie vorher?. Freilich, Nemethy wat fort und auch Stanislas Kaminski hatte sie freigegeben, aber würde sie sich wieder in dieses Leben ewigen Rausches, ewiger Zerstreuung finden können? Manchmal benä« bete sie sogar Elisabeth um ihre mühevolle Tätigkeit in bet Schule. Sie nützte boch bet Welt, sie hatte einen Lebenszweck.
„Einen solchen müssen Sie sich auch schaffen, Komteß," hatte Elisabeth ihr geraten, als sie sich einmal in biefem Ginne ihr gegenüber äußerte.
„Ja, bas will ich. Aber um ernstlich studieren zu können, fehlen mit noch die Vorkennt- nisse."
„Die können Gie privatim nachholen," meinte Elisabeth, bet batait gelegen wat. bem junge* Mädchen eine geregelte Beschäftigung zu verschaffen, die ihr das beste Heilmittel für ihr ti4 niedergedrücktes Gemüt schien.
Nun wurde eifrig Umschau nach geeignete* Lehrkräften gehalten, und diese fanden sich bald« Eifrig ging die Komteß an ihre Studien, morgens lebte sie allein bet Arbeit, um bann dis Abendstunben bei ben ihr so teuer geworbene* Menschen, bei bet ihr so innig verehrten Rattik zu verbringen.
Seitbem war es wie eine stille Ruhe über sie gekommen. Sie wurde von Tag zu Tag gesunder und die Schatten wichen allmählich von ihr« Seele.
,_______^Fortsetzung folgi.^