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Marburg
Sonntag. 6. Januar 1907.
Erschrak wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. «uz. Koch, UnwerfitStS-Buchdruckerel
Marburg, Markt 2L — Telephon 55,
42. Jahrg.
Zweites Blatt.
Preuße« als Germanisator.
Irr seiner Rede Zugunsten der Polen am 5. . Dezember 1906 im deutschen Reichstage sagte der erste Führer der deutschen Sozialdemokraten und der auch Geld spendende Gönner der russischen Revolutionäre, der Abgeordnete August Bebel und lebhafter Zustimmung seiner Parteigenossen „Preußen ist stets der al le r sch lech - teste Germanisator gewesen."
Geschichtliche Kenntnisse hat Bebel durch die- . seit Ausspruch nicht dokumentiert; sein Gönner '■ Mommsen würde entsetzt sein, wenn er noch lebte und so etwas hörte. Volksversammlungen kann man täuschen, indem man unsinnige Behauptungen, die gerade zum Hetzen passen, mit falscher Wissenschaft verbrämt; ehe man aber sein historisches Wissen im Reichstage leuchten lassen will, sollte man sich's wohl überlegen, ob man sich nicht durch geradezu falsche Ausführungen der weitesten öffentlichen Blamage aussetzt.
Bebel macht sich die Geschichte selber, und -war so, wie sie ihin für seine politischen Zwecke gerade paßt. Alles andere ist für ihn — „Geschichtsfälschung!" — Da es ihm in der diesjährigen Polendebatte paßte, Preußen als den allerschlechtesten Germanisator zu bezeichnen, so tat er es eben, und die Genossen jubelten ihm Beifall zu. Was kann es ihnen auch schaden, wenn sie damit aller Melt zeigen, daß sie gerade so viel oder so wenig von der Geschichte verstehen, wie Bebel?! Der Abgeordnete August Bebel hat mit jenem angeführten Satz bewiesen, daß er überhaupt noch bis heute nicht weiß — was Preußen ist! Die ganze Ausdrucksweise an (ich ist falsch, und kann von jemand, der die preu- sische Geschichte kennt, nicht gebraucht werden! Meint er mit Preußen, das nach seiner Ansicht der allerfchlechteste Germanisator sein soll, den Ordettsstaat, das spätere Herzogtum und Königreich Preußen, oder den preußischen Staat, das vereinigte Brandenburg-Preußen, das Preußen seit 1701? —
Für den Beweis dafür, daß Preußen als Germanisator geradezu vorbildlich dasteht, ist das allerdings gleichgittig; aber die ganze Unkenntnis Bebels auf historischem Gebiete darf man wohl noch in das richtige Licht stellen, wenn es dem Herrn beikommt, öffentlich in Wissenschaft glänzen zu wollen. Sämtliche Historiker der Welt müssen für diese Glanzleistung im Reichstage nur ein Lächeln haben — als ein vernichtendes Urteil.
Daß der deutsche Ritterorden, welcher das Ordensland Preußen germanisierte, ein schlechter Germanisator war — hat noch niemand behaupten können, der auch nur eine Ahnung von dieser Kolonisation hat.
Die Preußen, welche der Orden vorfand, als er 1231 die Weichsel überschreitend, bis Memel hinauf das Land deutscher Kultur erschloß — waren gar keine Germanen, sondern Littauer. Preußen, das eigentliche Ordenspreußen, ist demnach ein in historischer Zeit germanisierter, kein ursprünglich germanisches Land. Daß diese Germanisierung in mustergültiger Weise vor sich ging, davon zeugt das halbe Hundert neugegründeter Städte, die gebändigte Weichsel mit ihren fruchtbaren Niederungen und der zähe Widerstand einzelner Plätze, so Danzigs, Elbings, Thorns und gegen die Jahrhunderte hindurch fortgesetzte gewaltsame Polonisierung. Davon weiß Herr Bebel also nichts, und da er im Reichstage mit erhobener Stimme behauptete, niemals etwas gegen besseres Wissen zu sagen, so ist sein Wissen in diesen Dingen nur sehr klein, und es erscheint dringend notwendig, dasselbe in Bezug auf Preußens Geschichte zu vergrößern, bevor er wieder im Reichstage über dieses Gebiet reden will.
Erst vor kurzem haben die Masuren polnischen sozialdemokratischen Agenten brav heimgeleuchtet, die königstreuen preußischen Masuren! — Von diesen Vorgängen innerhalb seiner Partei scheint Herr Bebel auch nichts zu wissen, sonst müßte ihm doch dieser Vorgang, der die Eermani- sierung so gut illustriert, zu denken gegeben haben.
Und ist denn Herrn Bebel die Geschichte Pommerns und die segensreiche Eermanisationstätig- keit, die Preußen dort ausgeübt hat, ganz unbekannt geblieben? Zu Rügenwalde ist Erich XIII. König der drei nordischen Reiche, geboren und gestorben, äu Stettin saßen auch Bommern«
Herzöge, zu Wolgast, Stolp ebenfalls, früher auch zu Danzig — alles Pommern und Wenden! — Daß Pommern heute germanisiert ist, wird wohl niemand bestreiten wollen, selbst Bebel nicht, und diese Germanisierung hat doch wohl unter brandenburgisch-preußischem Einfluß stattgefunden?! —
Als die preußischen Städte 1454 vom deutschen Orden abfielen und unter eigener deutscher Verwaltung den König von Polen zum Schutzherrn gewählt hatten, brach Polen auf dem Reichstage zu Lublin 1569 die beschworenen Verträge, und in Polnisch-Preußen, dem heutigen Westpreußen, wurde — polnische Wirtschaft eingeführt, mit solchem Erfolg, daß überhaupt jede Kultur unter« ging.
Da hat denn Preußen nach der ersten Teilung Polens 1772 fein Eermanisierungswerk an dem alten deutschen Lande nochmals begonnen und aus ihm gemacht, was es heute ist. Aller und jeder Fortschritt dort ist Preußenwerk! Die Einwohnerzahl hat sich vervielfacht, Kulm hatte 1772 kaum 2000 Einwohner, Bromberg lag in Trümmern, Thorn hatte 1793 5000 Einwohner. Unter preußischer Herrschaft wurde das arg darnieder- liegende Land in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer hohen Blüte gebracht. Von diesem großen Germanisierungswerk Preußens hat Herr Bebel nie etwas gehört, oder sollte er etwa meinen, daß die Polen es waren, die dort Recht und Ordnung schufen, Eisenbahnen bauten und Urheber der heutigen Blüte gewesen sind?! Für so naiv halten wir Herrn Bebel doch nicht.
Sozlaldemo'raLisÄe Lüsten.
Die sozialdemokratischen Blätter werden nicht müde, Einzelfälle aufzuzählen, die Zeugnis davon geben, daß noch immer Rot und Elend auf der Welt zu finden sind. Sie wollen dadurch tnt Wahlkampfe den Eindruck Hervorrufen, als ob die seit 1879 betriebene Wirtschaftspolitik so böse Folgen gehabt hätte, daß sie berechtigt seien, von „Hungerwahlen" zu sprechen, in Wrrklrch- keit zeigen sie allen, die die Verhältnisse kennen, nur, daß ihre Verlogenheit auch jetzt, wo es sich wieder um die Erringung von Mandaten zum Reichstag handelt, keine Grenzen kennt. Wenn irgend ein Zeitpunkt ungeeignet ist, dre Wtrt- schastspolitik des Reiches als verfehlt hinzustel- len, so ist es der gegenwärtige. Wir wollen davon absehen, auf das infolge dieser Politrk erzielte Wachstum des Ein- und Ausfuhrhandels hinzuweisen, wir wollen davon absehen, darauf aufmerksam zu machen, daß eine Wirtschaftspolitik nicht schlecht sein kann, bet der eine jährlich der Bevölkerung zuwachsende Zahl von 800 000 Köpfen Beschäftigung findet, wir wollen auch nicht die zahlenmäßig nachzuweisende Steigerung der Wohlhabenheit der gesamten deutschen Beoölkerungsschichten in den letzten Dezennien anziehen, wenn aber eine solche Knappheit von zur Verfügung stehenden Arbeitskräften herrscht wie jetzt, wenn die Nachfrage nach schaffenden Händen dasAngebot ganz bedeutend übertrifft, so kann doch die Wirtschaftspolitik, unter der ein solches Vorkommnis zu beobachten ist, nicht schlecht fein. Oder will die Sozialdemokratie, daß die Arbeiter unbeschästtgt sind? Für ihre Verhetzungszwecke wäre ihr allerdings ein solcher Zustand angenehmer als der jetzige. Man wird sich erinnern, daß die Sozialdemokratte in früheren Jahren jedesmal im Winter, wenn eine Anzahl Saisonarbeiter der Witterung wegen feiern mußten, diese Tatsache zum Anlaß nahmen, im Reichstage Interpellationen über die angeblich herrschende Arbeitslosigkeit ernzu- bringen. Namentlich der verstorbene Liebknecht tat sich nach dieser Richtung hervor. Man wird sich auch erinnern, daß bei diesen Gelegenheiten die ärgsten Brand- und Hetzreden auf der Reichs- tagstribüne gehalten wurden. Und in letzter Zeit? Selbst in den Wintern der letzten Jahre hat es die doch wahrlich keine Hetzgelegenheit versäumende Sozialdemokratie nicht über sich vermocht, über Beschäfttgungslosigkeit der Arbeiter zu klagen. Es hätte sich auch in der Arbeiterschaft selbst ein so starkes Gelächter über die sozialdemokratischen Führer erhoben, daß diese für einige Zeit in der Versenkung hätten verschwinden müssen. Upd in einer solchen Zeit andauerndster und lohnendster Beschäftigung soll die Wirtschaftspolitik es verschuldet haben, daß „Hungerwahlen" stattfinden? Man merkt es der Sozialdemokratie an, daß sie um eine zugkräftige Wahlparole verlegen ist. Auch in den breiten Vevölkerungsschichten sitzt ein feines Gefühl für die Frage der nationalen Ehre.
Die Sozialdemokratie ist in Sorge, daß auch hier das Gefühl für des Vaterlandes Ehrs zum Durchbruch kommt Um dies zu verhindern, will sie glaub« machen, daß die heutige Wirtschaftspolitik als Folge den Hunger gehabt habe, während umgekehrt in Wirklichkeit infolge dieser Politik fine Arbeitsgelegenheit
und eine Wohlhabenheit in das Vaterland gekommen sind, wie sie vor einigen Jahrzehnten gar nicht geahnt wurden. Daß jedes Elend und jede Not beseitigt sind, wer wollte das behaupten? Aber Not und Elend in Einzelfällen find überhaupt nicht aus der Welt zu bringen, solange es noch den Unterschied von fleißigen und faulen, sparsamen und verschwenderischen Menschen gibt. Und wenn die Sozialdemokratie behauptet, sie vermöchte dies, so zeigt sie eben nur, daß sie eine Skrupellosikeit pflegt, um die sie nicht zu beneiden ist.
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Deutsche- Reich.
Berlin, 6. Januar.
Der Kaiser übermittelte dem aus dem Frontdienste scheidenden Großadmiral von K.o e st e r sein Oelbtldnis, das der Porträtmaler Schwartz gemalt hoi,' das Offizierkorps der Flotte überreichte einen silbernen Tafelaufsatz, der das Flottenflaggschiff „Kaiser Wilhelm II." darstellt.
— Dom Bundesrate. In der am 3. d. M. unter dem Vorsitz de» Staatsministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Grafen von Posadowsky- Wehner abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurden die Vorlagen, betreffend Abände« rung der Ausführungsbestimmungen zur Bekämpfung der Cholera und betreffend Entwürfe von Desinfektionsanweifungen für gemeingefährliche Krankheiten, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Zustimmung fand der Ausschutzbericht, betreffend Verleihung der hn § 11 des Schutzgebietsgesetzes vorgesehenen Rechte an die Ostafrikakompagnle. Auch wurde über einige Eingaben Beschluß gefaßt.
— Der preußische Landtag wird am 8. Jan. d. 1.12 Uhr mittags, durch den Kaiser persönlich im Weißen Saale des Berliner Schlosses eröffnet werden. An den Eröffnungsatt schließen sich die ersten Plenarsitzungen beider Häuser de» Landtages. Das Herrenhaus nimmt in dieser Sitzung die Wahl des Präsidiums, der Schriftführer usw. vor und nimmt geschäftliche Mitteilungen entgegen und vertagt sich nach dieser Sitzung auf unbestimmte Zett, falls ihm bis dahin keine Vorlagen zugegangen sind. Im Abgeordnetenhaus wird in der ersten Plenarsitzung Finanzminister Frhr. von Rhein- baben den Etat mit der üblichen Etatsrede vorlegen. An den folgenden Tagen finden keine Plenarsitzungen statt, damit den Fraktionen Zeit gelassen wird, zum Etat Stellung zu nehmen. Die erste Beratung des Etats im Plenum dürfte am Sonnabend (12.) ober Montag (14. Januar) erfolgen. Man rechnet 6 Tage für diese Beratung, nach Schluß der ersten Etatslesung dürften wiederum wegen der bevorstehenden Reichstagswahlen bis zum 28. Januar einige Tage freibleiben. Mit der Zeit mutz sehr sparsam um- gegangen werden, da um den 5. Februar wiederum wegen der Stichwahlen einige Tage ausfallen. Für den Etat wird ein Kontingentier- ungsplan aufgestellt werden, der die Fertigstellung und Ueberweifung des Etats an das Herrenhaus spätestens am 9. März ermöglicht. Das Abgeordnetenhaus hat für 2. und 3. Etatslesung also nur 5 Wochen Zeit.
— Der braunschweigische Landtag für de« Cumberlander? Die „Kölnische Ztg." meldet aus Braunschweig: „In den Verhandlungen zwischen dem Regentschaftsrat und der Staatsrechts- kommisston des braunschweigischen Landtages ist eine überraschende Wendung eingetreten. Der Regentschaftsrat tritt einmütig für die Ueber- weisung des Thronfolgestreites an den Bundesrat ein, während die Landtagskommission den Regentschaftsantritt des jüngsten Sohnes des Herzogs von Cumberland unter Umgehung des Bundesrats verlangt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß einer der beiden Teile nachgeben wird."
— Zur Bekämpfung der allpolnischen Bestrebungen. Aus Berlin wird der „Köln. Ztg." folgendes berichtet: In amtlichen Kreisen ist man sich nicht zweifelhaft darüber, daß die Regierung zur Fortführung der Ansiedlungspolitik in den vom Polentum bedrohten Landesteilen für den 1. April dieses Jahres neue Mittel anfordern muß, da bis zu diesem Zeitpuntt der Ansiedlungsfonds bis auf einen geringfügigen Rest erschöpft sein wird. Im landwirtschaflichen Ministerium sand gestern wieder eine Beratung der verschiedenen bei der Auffüllung des An« siedlungsfonds beteiligten Ressortminister statt, und dieVerhandlungen sind nun soweit gediehen, daß über eine neue Polenvorlage in nächster Zelt im Staatsministerium beraten werden wird. Auch darüber scheint in amtlichen Kreisen kaum
noch ein Zweifel zu bestehen, daß die bisherige Anstedlungspolttik in mancher Beziehung fehlerhaft gewesen ist und daß es in Zukunft, um zu einem vollen Erfolg zu gelangen, in verschiedenen Richtungen einer Abänderung der bisherigen Maßnahmen bedarf. Ob hierbei auch eine Verstärkung der bisherigen Machtmittel de» Staates notwendig fein wird, um zum Ziele zu gelangen, wird eingehend erwogen. Irgendein Weg, um das fortwährende, ungesunde Steigs« der Erundstückpreise infolge der Tätigkeit der Anstedlungskommission zu hindern, wird aller, dings wohl gefunden werden müssen.
— Eine Richtigstellung. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Mehrere Zeitungen bringen die Nachricht, daß den vom Preußischen Landes-Kriegerverbande wegen Nichtannahme der sogenannten Kieler Beschlüsse ausgeschlossenen über ISO westfälischen Kriegervereinen vom Minister des Innern das Recht der Fahnenführung entzogen sei, falls nicht die nach- trägliche Annahme der Beschlüsse erfolge. Diese Nachricht ist unzutreffend. Ausgeschlossen sind von dem Preußischen Landes-Kriegerverbande — wie von dieser Seite mitgeteilt wird — wegen Nichtannahme der Beschlüsse des Kieler Abge- ordnetentages — Erhöhung der Beiträge auf 3fl Pf. für das Jahr und Kopf — überhaupt keine Kriegervereine. Es sind nur einige wenige Ser- eine, die keine Zweifel darüber ließen, dstz sie dem Landesttiegerverbande nicht mehr angehören wollten, int vorigen Sommer in den Listen gestrichen worden.
— Die Sammlungen für das Elisabeth-Haus in Windhuk haben nach Mitteilung der D. K. ®. bis Anfang Januar 116 000 Mark ergeben. Weitere Beiträge nimmt die Deutsche Kolouialgesell- schast, Berlin W. 9, Schellingstr. 4, entgegen.
— Ein Versuch zur Berbilligung der Fleischpreise. Der Rat der Stadt Dresden hat am dortigen Schlachtviehhof eine städtische Verkaufsvermittlung für Schlachtvieh aller Gattungen eingerichtet, um einzelnen Viehbesttzern und landwirtschaftlichen Viehvereinigungen unter Gewährung größter Sicherheit die Möglichkeit zu bieten, Schlachtvieh zum unmittelbaren Verkauf auf den Markt zu bringen. — Wenn die Kom« munalverwaltungen, vor allem die der Großstädte, sich alle zu dieser Maßnahme bequemen wollten, so würde, wie die „T. R." bemerkt, eine der Hauptursachen für die Verteuerung des Fleisches beseitigt sein.
— Die Einfuhr russischen Geflügel» ist jetzt wieder in vollem Umfange aufgenommen. Seit Ende vorigen Monats haben die deutschen Hand-, ler mit der Zufuhr von Puten und Hühnern be- gönnen, so daß die wöchentliche Zufuhr 27 000, bis 30 000 Stück beträgt. Die Zufuhren an russischen Gänsen haben ihr Ende erreicht und beginnen erst im Juni wieder. Auf dem Magerviehhof in Friedrichsfelde betrug die Einfuhrziffer während der Monate Juni bis Dezember 1906 an russischen Gänsen Über 3 Millionen Stück.
Ausland.
— Zusammenschluß der Deutschen in Rußland. Au» Riga wird geschrieben: Durch W „Kaukasische Post" ist bekannt geworden, daß inj nächster Zeit eine Vertreterversammlung dev deutschen Vereine in Rußland in Moskau stattfinden soll. Aus einer Erklärung des deutschen Vereins in Kurland geht hervor, daß sich die Angelegenheit noch im Stadium der ersten Vorbereitung befindet, indes tatsächlich von den neu« gegründeten deutschen Hilfsvereinen in den baltischen Ostseeprovinzen die Anregung zu einer Zusammenkunft gegeben wurde, die aus Gründen der Rechtserreichbarkeit für alle Beteiligten in Moskau abgehalten werden soll. Voraussichtlich wird diese Versammlung also wohl erst im Frühjahr stattfindcn; für das Deutschtum in Rußland kann sie von sehr segensreichen Folgen sein.
— Born Ausbau des madjarischen Rational« staaies. Fott mit allen großösterreichischen, allen „kaiserlichen" Erinnerungen! Das ist ein Kampfruf, man dem man sich in Ungarn, feit hier die Madjaren ihren Nationalstaat" ausbauen, überall eine billige Volkstümlichkeit erwerben kann. Wer in Ungarn vom „Kaiser" Franz Josef spricht, statt ibn den „aettönten un- garif*en König" zu nennen, gilt alsVaterlands- verräter. Darum wird auch das alte Lied ..Gatt erkalte %ranx den Kaiser" mitiamt schönen, Haydnschen Melodie von jedem Patrioten mit fanatischem Eifer verfolgt. Militärkane^en. die es an Festtagen spielen, brüllt man rücksichtslos nieder — so erst am letzten Stevkanstaae hl Ofen — Ofifziere undSoldaten der gemeinsame«