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Marburg

Freitag, 4. Januar 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UniversMS-Buchdruckere!

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42 Jahrg.

Das Abonnement

auf dieOberheffifche Zettnng", daS grötzte, meistgelesenste und weit' v er breite tste Blatt Marburgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.

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Die Erbschaft -es alten Jahres.

Unbekümmert um die Jahreswende nehmen die politischen Kämpfe ihren Fortgang. Noch kurz vor Schluß des alten Jahres ist durch die Annahme der Algeciras-Akte in den verschiedenen Ländern die Marokko-Komödie durch ein neues Uebereinkommen formell endgiltig erledigt wor­den. Eine andere Frage ist es jedoch, ob auch durch die feierliche Hinterlegung der Algeciras- alte wirklich das erreicht worden ist, was mit der Einberufung der Marokko-Konferenz bezweckt wurde. Gewinnt es nicht fast den Anschein, als ob der Franzose als Mandatar der Großmächte mit der selbstverständlichsten Miene im scherifi- schen Reiche gerade das vorzubereiten sucht, was ihm durch den Einspruch der Mächte für's Erste verwehrt wurde! Indessen solange Frankreich nicht allzugröblich aus seiner Rolle als Friedens­engel für Nordmestafrika herausfällt, darf die Möglichkeit eines Konfliktes als ausgeschaltet gelten, der ernste internationale Verwickelungen herbeizuführen drohte. Der Friede zwischen den Großmächten blieb ungestört, und auch bei Be­ginn des neuen Jahres sind politische Momente, die zu Besorgnissen Anlaß geben konnten, im Gebiete der internationalen Lage nicht er­kennbar.

Umso zahlreicher und ernster sind freilich die ^nnerpolitischen Schwierigkeiten her Nationen, umso gespannter die auf das -Jahr 1907 gerichteten Erwartungen, das in vie­len Fällen ein Ergebnis der Krisen und eine ab­schließende Entscheidung über die schwebenden politischen Tagesfragen bringen muß. In Deutschland stehen, und zwar unter unge­wöhnlichen Verhältnissen, Neuwahlen zum Reichstag vor der Tür. Ungewöhnlich ist der 'Zeitpunkt, in dem diese Wahlen stattfinden, un« «gewöhnlich der Anlaß, da die Auflösung des Reichstages zum ersten Mal in Rück­sicht der auswärtigen Politik erfolgte, Ungewöhnlich endlich, weil durch den Wahlkampf nicht über eine einzelne Regierungs­vorlage, sondern über die höchsten und heiligsten Interessen einer Nation, über das Sein oder Nichtsein der nationalen Stellung und Zukunft ! ............ »

(13 (Nachdruck verboten.).

Ueber alles die Kunst.

Roman von Elarissa Lahde.

(Fortsetzung). >

XXL

- Es war noch ziemlich früh am folgenden Tage, als an die Tür des Schlafkabinetts der Gräfin beklopft wurde, die aus unruhigem Schlummer pmporfuhr. Ein jäher Schreck überfiel ste, jkähmte sie fast. Endlich mußte doch eine Nach­richt von Gisela kommen, endlich mußte ste er­fahren, ob ste die unglückliche Tochter als Tote feu beklagen habe. Und doch zitterte sie vor die­ser Nachricht, als bringe sie ihr das Gericht. War hoch jede Ungewißheit der von ihr gefürchteten Gewißheit vorzuziehen.

Auf ihr Herein öffnete die Jungfer die Tür, ünd hinter dieser ward das hübsche Gefickt Friedas fichtbar, das merkwürdig verändert, wie pon Glück durchstrahlt, aussah.

Frieda," stieß die Gräfin auffahrend her- bsT.was bringen Sie? Sie sehen ja strahlend aus."

;Ich bringe eine frohe Kunde, gnädigste Grä­fin," rief das Mädchen und Tränen der Freude feuchteten ihre Augen. Unsere Komtch lebt!" -Ste lebt? O, Frieda, wo ist ste? Ist sie zier oder wohin soll ich gehen?"

Sie winkte der Jungfer, ihr eilig die Kleider tu reichen, während Frieda berichtete.

Hier ist sie nicht, gnädigste Gräfin. Sie lebt Aber. Der Herr Berger ist hier. Er bittet die gnädige Gräfin, im Auftrage der Komteß spre­chen zu dürfen."

' Das so freudig belebte Gesicht der Gräfin leigte Enttäuschung.

: Borger? Er wußte also? Dieser Fremde dar mit den geheimsten Verhältnissen ihres 'mnsos bekannt geworden? Wie peinlich, wie ^schämend!

Aber doch überwog ein Gefühl innerer Be- feiung alles andere. Wie ein Alpdruck war et

des Deutschen Reiches entschieden werden soll. Von dem Ergebnis der Wahl wird es abhängen, ob in unserm Vaterlande ein dauernder innerer Friede die Leidenschaften und Feindseligkeiten des Wahlkampfes ablösen wird oder ob dieser Kampf von neuem anheben und zu noch hefti­geren Zusammenstößen zwischen denen, die eines Namens, eines Volkes, einer Sprache und einer nationalen Gemeinschaft sind, führen soll.

Wird ein solch trauriges Schicksal unserm Va­terlande im neuen Jahre nicht erspart, so darf sich das deutsche Volk wenigstens damit trösten, daß im Auslande vielfach ähnliche Verhältnisse obwalten. In E r o ß b r i t a n n i e n ist der Konflitt zwischen Oberhaus und Unterhaus, der sich nach den Erklärungen der Thronrede zu einem Konflikt zwischen dem Oberhause und der Krone entwickelt hat, durch Kompromisse und Verzichte nur künstlich verdeckt, sein Ausbruch nur hinaus­geschoben. Wahrscheinlich schon im Februar wird der strittige Gesetzentwurf, den diesmal das Oberhaus gegen den mit erdrückender Mehrheit gefaßten Beschluß des Unterhauses ablehnte, wie­der erscheinen. Dann muß es entweder zu einem neuen Appell an die Wähler kommen, wobei na­türlich auch der Gegensatz zwischen Freihandel und Schutzzoll eine gewichtige Rolle spielen wird, oder es wird die völlige Umgestaltung der legis­lativen Verhältnisse durchgesetzt, die im Unter­hause bereits kurz vor Schluß der Session in der Richtung eines Gesetzentwurfs angekündigt wurde, der für gewisse Fälle dem Unterhause das Recht gewähren soll, die vom Oberhause verwor­fenen Vorlagen nochmals zu beraten und durch eigene Beschlußfassung zur gesetzlichen Geltung zu bringen. Selbstverständlich würde eine Lö­sung der Krisis in dem Sinne, daß das Oberhaus als politischer Faktor ausgeschaltet werden soll, ebensowenig wie eine Neuwahl ohne ernste Kom­plikationen von statten gehen.

Frankreich sieht mitten im Zeichen des Kulturkampfes. Die Regierung ist insofern der ärgsten Schwierigkeit ledig, als sie ihren Stand­punkt ein für allemal festgelegt hat und unver­brüchlich daran festgehalten wird. Der Konflitt lastet weniger auf der Regierung, als auf den katholischen Staatsbürger» der Repu­blik, die nicht wissen, ob sie dem Gebot der welt­lichen oder kirchlichen Autorität Folge geben sollen. Durchgedrungen ist dagegen die Einsicht, daß die von der französischen Regierung gefor­derten Verstärkungen für die Land- und See­wehr bewilligt werden müssen, und im neuen Jahre wird die französische Republik eifrig be­strebt sein, durch einen umfangreichen Ausbau seiner Kriegsflotte, diesmal auch durch Linien­schiffe und Kreuzer größter Abmessungen, der

von ihr gewichen, so brauchte ste nicht mehr das Schuldgefühl, ihr Kind in den Tod getrieben zu haben, weiter mit sich durchs Leben zu schleppen.

Alfred war schon etwas ungeduldig gewor­den, daß man ihn so lange in dem Salon warten lieh. Da plötzlich öffnete sich die Tür und Marga trat ein. Sie war in dunkle Seide, aber sehr sorgfältig gekleidet. Mit staunenswerter Unbefangenheit schritt sie auf ihn zu, er aber wich unwillkürlich vor ihr zurück.

,Zch erwarte die Gräfin," sagte er mit einer so eisigen Stimme, daß sie sich nicht mehr dar­über täuschen konnte, sie hatte die Macht über diese junge, ihr einst so ergebene Seele für im­mer verloren. Fester preßten sich ihre Lippen aufeinander.

Ich komme im Auftrage meiner Freundin," entgegnete sie mit hochmütigem Tone, das Wort Freundin scharf hervorhebend,die mich bitten ließ, ste zu entschuldigen, daß sie nicht gleich er­scheinen könne. Sie ist leidend und hat sich so- even erst erhoben."

Er neigte zustimmend, ohne sich vom Platze zu rühren, das Haupt.

Sie rauschte mit hocherhobenem Kopfe an ihm vorüber, dann aber wandte sich noch einmal zurück.

Ich hatte die Absicht, Ihnen zu danken, Herr Berger, da man mir sagte, Sie brächten eine langersehnte gute Botschaft. Die Art und Weise Ihrer Begegnung mir gegenüber macht jedoch einen Dank meinerseits unnötig, und, wer weiß auch," konnte sie sich nicht enthalten boshaft hin- zuzufügen,ob Sie überhaupt Dank verdienen."

Alfred schoß alles Blut in den Kopf, seine Hände ballten sich unwillkürlich, aber er be­zwang sich. Jedes Wort an sie wäre in diesem Augenblick ihm wie eine Entwürdigung vorge­kommen.

Sie war verschwunden, und wieder durchschritt Alfred in steigender Aufregung den prächtigen, mit kunstvoller Schönheit geschmückten Salon. Sein Blick streifte alle diese Herrlichkeiten, ohne sie zu sehen. Rur ein Bild schwebte ihm 90&

Freundschaft der ersten Seemacht möglichst wür­dig zu werden.

In Rußland dauern Raubanfälle und re; volutionäre Anschläge noch immer fort. Die Reichsdumawahl steht vor der Tür, aber niemand kann voraussehen, ob der zweite Versuch, die lei­denschaftlich erregten Massen einer ruhigen Aera der Reformen, gemeinsamer Arbeit zum Wohle des Vaterlandes zuzuführen, besser gelingen wird, als der erste.

In Oesterreich-Ungarn sind die Aus­gleichsverhandlungen zwischen den Regierungen beider Reichshälften noch nicht zum Abschluß ge­kommen, und allem Anschein nach wird das auch nicht so bald der Fall fein, da die Ofen-Pester Regierung nach wie vor auf Forderungen besteht, die in Wien unannehmbar erscheinen.

Die große Mehrzahl der europäischen Staaten ist also durch innere Aufgaben und Schwierig­keiten so sehr in Anspruch genommen, daß zur Aufrollung von Fragen der auswärtigen Politik, die im vergangenen Jahre fast ununterbrochen auf der Tagesordnung standen, im neuen Jahr für's Erste keine Neigung vorhanden sein dürfte.

Arm Gerlach, her Verleumdete.

Herr von Gerlach ist schlimm daran, er wird schmählich verleumdet", wie er sagt nämlich.Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen", sagt schon Schiller von der Jungfrau von Orleans.

Uns fordert er jetzt auf, ihm eineWand­lung" seiner Anschauungen nachzuweisen, setzt aber vorsichtig hinzu innerhalb der letzten 10 Jahre. Im übrigen sucht er den Anschein zu erwecken, als ob et sich mit einem Schritt vom Konservativen zum Linksliberalen, vom Anti- zum Phtlosemitenentwickelt" habe. Immer wieder betont er stolz den Mut der Ueberzeugung, als ob dieser an sich von uns ver­urteilt worden wäre. Etwas anderes ist es doch wohl, wennirgend einer" seine Meinung än­dert, als wenn dies ein Mann tut, der mit allen Mitteln sich krampfhaft bemüht, eine politische Rolle zu spielen. Wie kann ein solcher Mann auf feste politische Freunde zählen wollen, der von vornherein sagt, daß seine Meinung sich jeder Zeit ändern kann. Was würde aber der frühere, konservative Herr von Gerlach dem er­widert haben, der ihm erklärt hätte, seine An­schauungen seien falsch, die Argumente Bebels und Gen. seien so verächtlich nicht?? Für den, tätigen Polittker scheint uns eine so bedeutende Verwandlungsfähigkeit ein sehr bezeichnendes Moment zu sein, das dem Herrn nicht vergessen werden soll. Für so wichtig halten wir außer­dem v. G.'s Wandlungen in ihren einzelnen Phasen nicht und es bedeutet wieder eine äußerst geschickte Verschiebung des Gesichtspunktes, wenn

das des armen, unglücklichen Kindes, das in Todesangst einer Botschaft von ihm harrte, einer guten Botschaft, denn eine andere bedeutete Ver­nichtung für sie.

Endlich erschien di« Gräfin. Sie wat, wie Marga, in dunkle Seide gekleidet, und auf ihren Zügen malte sich wirklickrs Leid, die Sputen einer durchwachten Nacht. Hastig schritt sie ihm entgegen und reichte ihm die Hand.

Sie lebt? Wiederholen Sie es mir. ehe Sie etwas anders sagen! Meine Gisela lebt?"

Ja, sie lebt, gnädigste Gräfin," entgegnete er gemessen.Das heißt, ihr Körper lebt, ihre Seele wandert noch in den Schatten des Todes."

Was soll das heißen?" schrie sie auf und ließ sich kraftlos in die seidenen Kissen des Sofas gleiten, ihm winkend, gleichfalls Platz zu neh­men.Sie geben mir das Leben und den Tod zugleich. Wo ist sie, was ist mit ihr geschehen? Ihr muß doch irgend ein Unglück zugestoßen sein!"

Kein anderes Unglück, gnädigste Frau Gräfin, als dasjenige, das sie sich selbst antun wollte. Ein glücklicher Zufall, oder, sagen wir lieber, Gottes gnädige Fügung, führte mich zu dersel­ben Zeit über den Pont-des-Arts, als sie im Be­griff wat, sich in die Seine zu stützen."

Er hatte diese Worte mit möglichster Ruhe und Gelassenheit gesprochen, aber doch drangen sie wie ein Dolchstoß in das Herz der leicht­sinnigen Frau.

Sie war totenbleich geworden.

Gisela wollte wollte wirklich?"

Sich den Tod geben ja, Frau Gräfin."

Und Sie, Herr Berget, retteten mein Kind?" Jetzt verließ sie alle ihre Fassung. Sie barg das Antlitz in ihrem Taschentuch und weinte heftig. Es waren erlösende Tränen: eine plötz­liche Weichheit überkam sie. Sie streckte Alfrä» beide Hände entgegen und sagte mit tiefer Be­wegung:

Ich danke Ihnen, Herr Berger, danke Ihnen aus tiefstem Herzen!"

Alfred fühlte feinen Mut ein wenig gewach-

v. Gerlach jetzt versucht, das nut für den blinden Parteifanatiker nicht Anstößige des Hin- und Herpendelns durch feine geschickte Frage zu ver­tuschen. Es kommt doch darauf an, daß dl« Wahrscheinlichkeit gegeben ist, daß die Wand- lung auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Un­fertige Menschen wählt man aber nicht zu Ver­tretern. Herr v. Gerlach ereifert sich dabei über die persönliche Kampfesweise, vielleicht stellt er uns ein Handbuch darüber zu, was man gegen ihn schreiben darf und was nicht, dann wäre er jedenfalls vor unangenehmen Ueberraschungen sicher.

Was sonst gegen die Argumente seiner Partei und zur Bearündung unseres politischen Stand­punktes geschrieben wird, liest er wobl nicht, das weiß er natürlich auch besser, wenigstens tut et so. Daß wir aber der Person des Herrn von Gerlach, soweit sie in das politische Leben un­serer Heimat eingreift, unsere Beachtung schen­ken, dafür haben wir unsere guten Gründe. Bei Pfarrer Naumann bekämpft man einen festen politischen Standpunkt, bei Herrn von Gerlach wenigstens in der Wahlzeit und im Wahlkreise nicht. Fast ist für diesen gerade jetzt wirklich maßgebend, was dieHess. Landes- zeftung,, alles nicht bringt, im Gegensatz zu ihren Gesinnunasschmestern im übrigen Deutsch­land. Mik welch' hämischen Worten wurde z. B. f ü h e r dieTätigkeit des Reichsverbandes ge- aen die So-i.ald-^okrats<" *'feitet. wo dieser Verein seine in unserem Sinne segens­reiche Tätigkeit so gewaltig entfaltet, und also für den Feind am meisten Gelegenheit zur Kritik bietet, liest man keine hä­mischen Auslassungen darüber mehr, hat man viöv'ich die Notwendigkeit des Ver­eins eingesehen.? Eerlachs Stellung zur Sozial­demokratie, die hierdurch schon genf,r<cnb gekenn­zeichnet war, ist oft Anlaß zu Erörterungen in unserer Zeitung gewesen, die Antwort darauf bestand in Schimvien über Unehrlichkeit rc. Wir baten um klare Worte über seine Stellung und darum, uns auch nur eine unwahre Behauptung hierüber nachzuweisen. Antwort darauf: Wieder- schimpfen. Es erübrigt sich zu zeigen, wie unter diesen Umständen ein sachlicher Kampf ausfallen muß.

Wie sehr es Herr von Gerlach versteht, die fraglichen Gesichtspunkte zu verschieben, dafür ist seine Behandlung des von uns gebrachten Ein­gesandtsHerr von Gerlach und Herr von Liebermann" ein neuer Beweis. Es wird woh! auch ihm fiat geworden fein, daß darin die Art gegeißelt werden sollte, heute zu verbrennen, was man gestern angebetet hat, einen Storni hämisch anzugreifen, dem man vorher allerlei Ehren verschaffen wollte. Ob allerdings hier auch mehr als 10 Jahre dazwischen liegen?! Der Hauptgefichtspunkt wird aber geschickt durch allerhand Anmerkungen über seine ehrenrät- lich: Ausschließung aus dem V. D. St. verdeckt.

Jeder festen Formulierung seines Stand­punktes weicht der geschmeidige Herr mit einet

sen. Diese Frau war doch nicht allen Gefühle» bar. Hier durfte er noch hoffen, den rechten Ton zu finden, um ihr Herz nachgiebig zu machen. Wohin haben Sie sie gebracht? Sie verbirgt sich vor ihrer Mutter! Ja, ich ahne alles. Sie hat Ihnen erzählt, hat mich angetlagt."

Er machte eine abwehrende Bewegung.

Wenn mich die Komteß ihres Vertrauens wirklich so weit gewürdigt hätte, würde doch alles, was sie gesagt, für ewig in meiner Brust verborge» bleiben. Aber sie hat es nicht getan, konnte es wohl nicht tun, denn wie ich vorhin schon sagte, ihre Seele ist krank."

Sie ist geistig gestört?" unterbrach ihn di« Gräfin beklommen.

Das wäre zu viel gesagt. Aber die größt« Schonung wird notwendig sein, um sie vor schwerer Nervenkrankheit zu bewahren."

Man wird sie also in eine Anstalt bringen müssen, Herr Berger. Oder haben Sie es viel­leicht schon getan?

Nein, ich habe sie nach Deutschland geleitet.*

Nach Deutschland?" Jetzt schnellte die Grä­fin empor.Zu wem? Wohin?"

Vorläufig nach Köln, wo meine Schwester sie empfangen hat und bereit ist, sie mit sich nach Berlin zu nehmen, üis sie ganz genesen ist."

Das, das tonn tdj unmöglich gestatten," fließ die Gräfin hervor, unmöglich!"

Alfred erhob sich.

Dann, Frau Gräfin, fürchte ich, daß Sie Ihre Tochter nicht mehr Wiedersehen werden."

Sie wollen mir mein Kind vorenthalten. Herr Berger?"

Keineswegs, Frau Gräfin. Sie wissen, Ich befinde mich auf einer Studienreise, bin als« nicht imstande, noch ferner für die Wünsch «Ihrer Tochter einzutreten. Ich kann weiter nichts tun, als im Namen eines Kindes, das sich an das Mutterherz wendet, die Bitte an Sie zu richten, sie nicht zum zweitenmale zu einem Verzweif­lungsschritt zu treiben. Geben Sie nach, Frau Gräfin, geben Sie Ihrer Tochter wenigstens Zeit, sich «iederzufindenl" sForts. folgt.)