mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und KirchHain.
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Erscheint wöchentlich sieben jiaL
Truck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Nnivcrj'tät?-Buchdrlicker:i 41.
Marburg, Markt 21. — Lelepbon 55. ”
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Marburg
Sonntag. 30. Dezember 1906.
Zweites Matt.
Unsere überseeische Politi!.
Die frohe Weihnachtsbotschaft von der Unter, werfung der Bondelzwarts in Deutsch-Südwest- «frika bedeutet zweifellos einen guten Schritt vorwärts zur Beendigung des nun schon dreijährigen Helgen Ringens in Südwestafrika. Nach dem Siege, den General v. Trotha am Watsrbergs im August 1904 erfocht und nach der siegreiche,'. Verfolgung Morengas durch Hauptmann Bech im Mai 1906 ist dies der größte Erfolg der deutschen Waffen in Südwest, und er ist von einem unserer ältesten und erprobtesten Afrikaner erfochten. Diese Tatsache wird zweifellos auch die große „Partei der Nichtwähler" im deutschen Vaterlande aufrütteln und ihr zum Bewußtsein bringen, wie sehr es sich hier um eine rein vaterländische Angelegenheit handelt. Andererseits darf man den Wert dieser Unterwerfung auch nicht überschätzen, und nichts wäre falscher und verkehrter, als daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß das Zentrum und die Sozialdemokratie doch eigentlich ganz recht gehabt hätten, als sie die vom großen Generalftabe gestellte Forderung ablehnten. Denn, wie uns geschrieben wird, ist •ce sehr zweifelhaft, ob auch der Rest der noch int Felde stehenden Banden und somit der ganze Stamm der Bondelzwarts sich unterwirft. Die- k»t letztere besteht ja aus zwei untereinander stets uneinigen Parteien, den Leuten von Warmbad und denen in den Karrasbergen, die auch 1903 bei Ausbruch des Aufstandes gespalten waren. Aus den Vorgängen nach dem Tode des alten Kapitän Wilhelm, dem sein ältester Sohn Abraham, folgte, entsinnt man sich ja/daß dieser "den Aufstand der Großleute, die sich Mo- rcnga und den Brüdern Morris anschlossen, nicht verhindern konnte, und als Morenga und Morris von ihrer.: Stamme vertrieben waren und Johannes Christian, den der Gouverneur Leutwein als einen ruhigen und zuverlässigen Charakter schildert, Kapitän des Stammes in Warmbad wurde,, zeigte sich dessen Einflußlosig- keit in recht deutlicher Weise. Er konnte nicht verhindern, daß Morenga und Morri«, die aus der Kopkolonie mit einigen Anhängern zurückgekehrt waren, ihre Räubereien aufs neue begannen, und daß die Bondelzwarts, nicht als Ganzes, sondern in einzelnen Gruppen, sich ihnen anschlossen. Auch jetzt muß man berücksichtigen, daß die Nähe der englischen Grenze den. Bondelzwarts jederzeit wieder die ^Bewaffnung ermöglicht. Die „Hamburger Nachrichten" schildern deshalb die Lage sehr zutreffend, indem sie schreiben:
i Auf den eigentlichen Krieg wird die Ergebung der rund 150 Bondelzwarts wenig Einfluß «haben, so lange noch die anderen Banden unter ^Abraham Morris, Simon Köpper und Fielding
- A. CaptivB of the Bulqarian brigands by Martin Wilfs.
(?5 hat wohl niemals verwirrtere politische Zustände gegeben, als die sind, welche das unglückliche Mazedonien in Blut und Tränen baden. Die Schutzmächte hofften durch Reformen und durch das Dnbahnen einer Autonomie die iMazedonicr zu beglücken, aber der Rassenhaß «der verschiedenen christlichen Völkerschaften ließ sbishec alle Anstrengungen nach dieser Richtung 4>in scheirein. Die bulgarischen Komitadfchis haben sich durch die scheußlichsten Mordtaten gegen Türken, Griechen und Serben besonders verhaßt gemacht; ihr Ziel ist es, das Bulgaren- tum als vorherrschende Macht in Mazedonien hinzustellen. Das bedrohte griechische Element, .das bei den türkischen Behörden nicht überall de:: genügenden Schutz fand, raffte sich auf und Lewaffnet-' Scharen von Armatolen als eine Contre - Guerilla, die jede Mordtat der Bul- Saren rächen sollte. Die Türkei beherrscht Maze- onien nur durch zerstreute, türkische Kolonien )i<ib durch ihre tapferen Truppen, die aber bisher kricht in der Lage waren, dem Lande Sicherheit bnd Frieden zu geben. Die Türkei ist zu einer Dcheineristenz herabgesunken. Diese türkischeEtbik paß» nicht für Europa, sie würdigt das Weib jum Tier herab, und der Koran verbietet es, paß den Christen Gleichberechtigung gewährt fterde. Rur die türkische Schwachs ist die Ursache, paß die Greuel barbarischer Zeiten nicht wieder ?iiti£amnten. Voraussichtlich kann nicht eine älutonomie, sondern nur eine Anatomie in Ma- edouien helfen! Der Norden den Bulgaren, .0. Süden den Griechen, der Nordwestcn den
im Felde stehen. Daß diese sich bald ergeben, halten wir schon deshalb für ausgeschlossen, weil sie, wie z. V. sicher Simon Köpper, auf dem das Blut der in seinem Lande ermordeten Weißen lastet, etwas auf dem Kerbholz haben. Sie werden daher bis zur letzten Patrone weiterkämpfen und dann ihre Zuflucht wohl auf englischem Gebiete suchen gleug Samuel, Morenga usw. Hinzu kommt, daß die Hottentotten, wie wir heute morgen schon erwähnten, ihre Haupt- und Lieblingsbeschäftigung in; Zagen und Rauben — „Kriegführen", wie sie cs nennen — sehen, und daß ihnen dies Leben Gewohnheit und Bedürfnis geworden ist. An eine bedeutende Verminderung der Truppen im Süden der Kolonie wird man deshalb noch nicht denken könne», so sehr es auch erwünscht wäre. Wenn man die Truppen dort läßt, dann allerdings darf man wohl die „Zuversicht" hegen, wie cs in der amtlichen Meldung heißt, daß der Krieg bald zu Ende gehen wird; aber sonst nicht.
Gleichwohl versuchen die Parteien der Mehrheit vom 13. Dezember, diesen neuen Erfolg der Regierung zu ihren Gunsten auszulegen. Das wird ihnen schwerlich gelingen: denn an der Tüchtigkeit unserer Afrikaner hat ja außer den Demokraten niemals jemand gezweifelt, und wenn ihnen ein Teilerfolg gelungen ist, so'ist damit doch nicht bewiesen, daß die Mehrheit Recht hatte, die grundsätzlich der Regierung im Widerspruche zu den militärischen Autoritäten aus Machtdünkel und Besserwisserei vorschreiben wollte, wieoiel Truppen zur Niederwerfung des Aufstandes notwendig wären. Die Regierung hat ja die allmähliche Verminderung der Truppen zugesagt. Wie verkehrt es aber gewesen wäre, diese Verminderung im Augenblick vorzunehmen, liegt doch auf der Hand. Die Von- delzwarts würden sofort zu do» Waffen zurückkehren, sobald auch'nur die Kunde von einer solchen Vermin.derung nach Afrika dränge. Außerdem aber handelt es sich bei diesem ganzen Kampfs in Südwestafrika gar nicht in erster Linie um die Hottentotten, sondern um unser Ansehen in aller Welt. Es muß immer wieder darauf hingrwiesen werden., daß dieser Aufstand ein Krieg ist, den England in seiner versteckten und hinterhältigen Weise mit uns führt. Nichts wäre deshalb verkehrter, als übel angebrachte Sparerei gerade an diesem Platze. Der Zeitpunkt der Verminderung der Truppen muß unter allen Umständen der Heeresleitung überlassen werden, nicht aber einem „obersten Kriegsrate" aus Mitgliedern oppositioneller Parteien.
Diese werden natürlich stets bemüht sein, mit' Eniphase über die „u ngeheurcn Opfer" zu jammern, die dem deutschen Volke für die „afrikanische Sandwuste" zugemutet würden. Aber der „deutsche Michel" möge sich durch solche Phrasen nicht irre machen lasten; er soll lieber Kolonialgeschichte studieren, um einzusehen und zu begreifen, daß das deutsche Reich, wenn's nicht hinter den Weltmächten Zurückbleiben will,
Serben, das Land nn den Quellen des Vadar und die Gegenden bei Ucskiib und Dibra den Albanesen! —
Eine jetzt erschienene, englische Broschüre eröffnet uns einen Einblick in das Treiben der bulgarischen Komitadfchis: ..Nachdem ich längere Jahre in Mazedonien gelebt habe und Gefangener der bulgarischen Räuber gewesen bin, so sagt der Verfasser, Mr. M. Mills, habe ich wohl mehr Gelegenheit gehabt, als andere Engländer, die Propagandisten kennen zu lernen, und die mazedonische Frage zu studieren. Einem Fremden ist sehr schwer, die Unruhe und Angst der Törten richtig zu würdigen, wenn gelegentlich Fremde einen Einblick in ihre Administration tun möchten, — sie bleibt ein versiegeltes Buch.
Ich war durch viele Fahre Beamter des türkischen Tabakmonopols und meine Geschäfte führten mich Jn fast alle Gehenden der Provinz, meine Sprackckcnntn'm unterstützte mich, aber ich hielt mich von der Politik fern.
Erfüllt von traditioneller, englischer Frei- heitsliebe, war ich zuerst für die bulgarische Bewegung eingenommen, aber bald sah ich ein, daß die Bulgaren für ganz andere Dinge fechten, als sie Europa glauben machen wollen, und daß sie unendlich mehr Jammer und Elend über Mazedonien bringen, als die türkische Mißwirtschaft das tut.
Die re rgrvsen Fragen sind in Mazedonien entscheidend, jedes Mitglied der griechischen Kirche, ob geborener Grieche oder nicht, gilt als hellenischer Untertan, ein Jeder aber, der dem bulgarischen Exarchat anhängt, wird als Vulgare angesehen. Die Räuberbanden, welche die
Kolonialpolitik treiben muß. Mit gerechter Entrüstung hat der Reichskanzler der Opposition zugerufen: Soll sich das deutsche Volk kleiner zeigen, soll das deutsche Volk kleiner dastehen, als andere Völker? Das ist auch dis Frage, auf die das deutsche Volk selbst jetzt bei den Wahlen eine Antwort geben muß. Was ist in der Tat unser Krieg in Deutsch-Südwcst im Vergleich mit <en Kolonialkriegen, die die Engländer, Franzosen und Holländer geführt haben! Wie gering sind im Verhältnis zu den enormen Aufwendungen dieser Kolonialmächte die Opfer, die wir bisher an Geld und Blut für unsere Kolonien gebracht haben. Darüber aber kann kein Zweifel herrschen, daß Deutschland jetzt wieder, wie schon so oft in der Geschichte, an einem Wendepunkt sicht, wo wir unter den scharfen Augen der Konkurrenten aus dem Welt- marktc und in der Weltpolitik zeigen ncüssen, ob wir eine Großmacht bleiben wollen oder nicht. Während noch vor zwei Jahrzehnten unsere Stellung in Europa fast allein für uns in Betracht kam, haben wir jetzt daneben Rücksicht zu nehmen auf unsere Kolonien und auf unsere viele Milliarden betragenden überseeischen Interessen. Zudem Hai uns das in der Weltgeschichte einzig dastehende schnelle Wachstum Japans und der Vereinigten Staaten von Amerika mit einem Schlage vor politische und wirtschaftliche Aufgaben gestellt, von deren erfolgreicher Lösung unsere Zukunft wesentlich bedingt sein wird. Wer kann sagen, welche Entwicklung Japan noch nehmen, ob es seine jetzt so dominierend gewordene Stellung in Osiasien weiter ausdehnen, ob es das chinesische Riesen- reich militärisch und irrousirietl organisieren und we .;en Anteil es sich am Welthandel erobern wird? Der amerikanische Imperialismus hat nach bent pazifischen Ozean hinübergegriffen, -mit bet Besetzung Panamas den Anfang zu einer großen kontinentalen Okkupaiionspolitik gemacht und bietet seins ganze Kraft auf, die Aufgaben einer Weltmacht zu erfüllen. Das in dem furchtbaren Kriegs niedergerungene Rußland setzt seins kolonisatorische Tätigkeit in Mittelasien, wo es bereit? Gebiete von der viel- sachsn Ausdehnung unserer Schutzgebiete *t- rvorben hat, mit ruhiger Energie fort. England erweitert und sichert seinen Besitz, in dem die Sonne nicht untergeht. Frankreich endlich gründet sich ein Kolonialreich, gegen welches das alte Rönrerreich nur eine Provinz ist. — Und Deutschland, das, nur um es mit niemand zu verderben, stets bescheiden zurückgestanden hat, soll nicht einmal die wenigen Kolonien festhal- ten können, die cs bis jetzt erworben hat?
UMmml - soziales G rule!spiel.
(Ein Wort zur Erwiderung).
Auf unseren Artikel, der sich mit der politischen Haltung des bisherigen Vertreters unseres Wahlkreises im Reichstage beschäftigte, hat sich
Provinz verwüsten,. werden von bulgarischen Komitees bezahlt, häufig stehen Offiziere des Heeres an ihrer Spitze, und Bulgarien läßt diese Leute ungehindert die Grenzen passieren; im Winter find die Trinkhöhlen von Sofia ihr Hauptquartier, im Frühjahr erscheinen sie in Ma-- * '"'n. nm die Bevölkerung durch Mord und Brand gefügig zu machen. Ein lautes Geschrei erhob sich, als die Griechen Gegenmaßregeln trafen, aber würden denn Engländer nicht auch so handeln? Was mich anbetrifft, so weiß ich nicht, warum mich die bulgarischen Räuber solcher abscheulichen Torturen unterworfen haben, ich war völlig neutral geblieben." —
Wir übergehen die Geschichte des Mr. W. bis zu seiner Gefangennahme. Am 4. Juli 1905 wohte er im Kloster St. Raoum, am See von Ochrida, 50 Meilen (cngl.) von Monastir, als Gast des griechischen Metropolitan, — 2 Offiziere und 50 Soldaten lagen in diesem größten und reichsten Kloster des griecknichen Patriarchats als Schutzwache im Ouartier.
Bei einem Spaziergang wurde Mr. Mills von bulgarischen Räubern gefangen genommen und in robefter Weise behandelt, dann und wann trat einer der Komitadfchis an ihn heran und schlug ihn mit dem Gewehrschloß auf den Kopf, so daß sein Haar bald mit Blut befleckt war. Er dachte an das Schicksal eines jungen Griechen aus Eoposko, welcher erst der Augen und der Zunge beraubt und dann durch fünfzig Messerstiche getötet worden war. Mr. Mills erfuhr später, daß er von einem befreundeten Bulgaren bei Koritza erkannt worden sei, und daß dieser Mann dem Gouverneur Meldung erstattet habe, aber das chatte bfcta Mr. Mills
Herr v. Gerlach so geäußert, wie nach seiner Kampfesweise zu erwarten stand. Den Hauptfragen ist er als gewandter Akrobat ausgewiche»' und hat es nicht an Knallphrasen und Donner-- Worten „bierehrlichen" Zornes fehlen lasten, darauf berechnet, ruhig denkende Staatsbürger über den eigentlichen Kern der auf der Tagesordnung stehenden Frage hinweg zu täuschen. Mil wortreicher Entrüstung wehrt er sich dagegen für zwei Ctilproben eines Berliner Blattes verantwortlich gemacht zu werden, für da» er früher als Schriftleiter verantwortlich zeichnete. Herr v. Gerlach gebärdet sich dabei, als 06 man ihm vorgeworfen hätte, der Veröffentlichung jener Machwerke persönlich nahe gestanden zu haben! Aber „der Ton macht die Musik"/ und die Musil wurde in obbemeideten Falle von der Kapelle vorgetragen, bereit „bewwcrschder" Leiter e r war. Hütte er sich die Mühe genommen, seine» Musikanten ordentlich Takt beizubringen, so würden diese nicht so wüste Disharmonien er- zeugt haben. Aber das ist ja eben das Charakteristische an der von Herrn v. Gerlach geschürten Bewegung, daß sie die Begriffe verwirrt und unklare Empfindungen weckt, sodaß seinen eigenen Gesinnungsgenossen und Beaustragten dcks Gefühl dafür verloren geht, ob so schmähliu-e Reimerei, wie das „Hererogedicht" oder jeneBer- ächtlichmachung der Truppenschau mit der Devise „Nation a l" in Einklang gebracht werden können, die. Herr von Gerlach in seinem Wappen, natürlich in dem seiner Partei„gruppe" führt. Das sind keine leeren Phrasen, wie sie immer und immer wieder von der gegnerischen Seite mit tönendem Wortschwalle in politischen Versammlungen, deren Besucher nur allzuoft den Eindrücken agitatorischer Kraftworte erliege», hinouszeschrien werden, sondern logische Le- Irachtunaen über recht bezeichnende Tatsachen.
Wenn der Versuch gemacht werden sollte, dies als Nebensächlichkeit hinzustellen, bezw. bei Seite zu schiebe», so mochten wir die Frage aufwerfen: Ist cs national gedacht und gehandelt, wenn sich Herr v. Gerlach. gleich den Mitgliedern der freisinnigen Vercft-tgnng, bei der er als „Cin- lieger" Zuflucht gelumt hat. um sich vor drohender Vereinsamung zu.schütten, in der Frage des polnischen Schnlstreiks auf Seite der Pollakcit, jener ansgesvrocheite» Reichsfeinde, geschlagen hat, angeblich um sich als ,.l i b c r o I e r" Mann zu bewähren? Mit der unklaren Phrase von der „Freiheit" sucht man deutschen Männern den Kopf zu verdrehen, damit diese abermals einen Erwählten in den Reichstag senden, der zu fernem Teile mithilft, die Macht der Polen zu stärken, die doch jederzeit entschlossen sind, die deutsche Kuliurarbrit in der Ostmark in Trümmer zu schlagen, um ihren volnischen Nationalstaat zu proklamieren! Ist das deutsch und national gedacht?
Wenn aber die N a t i o n.a l -Sozialen damit krebsen gehen, daß ihr „Einziger" im Reichstage bei der Abstimmung über den Nachtragsetat für Südweitafrika wacker für die Regierungsvorlage eingetreten sei unb sich badurch als nationalgesinnter Mann betätigt und als cntschlosie- ncr Gegner der beiden Parteien bekannt habe, denen wir die Auflösung des Reichstages verdanken, so muß immer wieder betont werden, daß man jenes freisinnige Votum nicht allzuhoch !--i— ■ -------S
nichts genützt und dem Bulgaren das Leben gekostet.
Furchtbare Entbehrungen und Hunger blieben ihm nicht erspart. Man verlangte von ihm, daß er durch Briefe das Zurückziehen der Truppen fordere, anderenfalls würde man ihn töten. Sein Lösegeld wurde auf 6000 £ festgesetzt, und er sollte seine Obren verlieren, wenn diese Summe nicht bald vom britischen Konsul bezahlt werden würde. Er glaubte etwa fünf Wochen in einem entsetzlichen Kerker zugebracht zu ha- 6en, als er in ein Delirium verfiel. Später teilten ihm die Bulgaren mit, daß seine Briese zwar dem Kommandanten der Gendarmerie übergeben worden seien, daß dieser letztere aber deit Tatbestand verheimlicht habe. Einige Tag« darauf wurde er aus dem Kerker geführt und auf die Erde geworfen, einer der Bulgaren hielt seinen Kopf, ein anderer kniete auf seinem Leib, und ein dritter schnitt ihm mit einem Mester das links Ohr ab. Die Zuschauer waren unzufrieden darüber, daß bei dieser Operation ein kleiner Teil des Ohrläppchens am Kopfe sitzen geblieben war.
Schließlich gelang es Mr. Mills zu entkommen und einige Türken zu treffen, welche ihm als Tabakbauern bekannt waren. Die sehr zweideutigen türkischen Bebörden versuchten es, sich als feine Retter aufzuspielen und führten ihn nach Resna in Sicherheit; später fälschten sie in ihren Berichten die Aussagen der Zeuge», oder zwangen diese Leute zu unwahren Aussagen, und das Ende vom Liede war ein Jrads der hohen Pforte mit dem Verbot, den Mr. Mills niemals wieder in türkischen Diensten zu verwenden.