mit dem Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Bierttljährlichrr Bezugspreis; bet Der Gqyebkion 3 SRf„ bet allen Postämtern 2,25 M. ^ttL Bestellgeld).
ZnserttonSgebübr: die gespaltene Zeile oder veren Raum IS Pf,.
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Marburg
Setmta«, 30. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben maL
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, llmversttStS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
41. Jahrg. j
Erstes Blatt.
Das Avounemeut
inuf die „Oberheffifche Zeitung", SaS größte, meistgelesenste und weit« verbreitetste Blatt Marbnrgs «nd der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe« beste« Erfolg.
Heisische Bauern in der O'tmark.
Durch das Ansiedelungsgesetz ist auch den hessischen Bauern Gelegenheit geboten, sich im Osten Deutschlands unter außerordentlich günstigen Bedingungen Land zu erwerben, und zahlreiche hessische Kleinbauern und Bauernsöhne haben die gute Gelegenheit wahrgenom- men, sich mit verhältnismäßig geringen Mitteln eine bessere bäuerliche Existenz zu verschaffen. Das neu geschaffene Dorf Ostwehr im Kreise Hohensalza ist fast ausschließlich von Hessen bewohnt, welche hauptsächlich aus den Kreisen Eassel-Land, Hofgeismar, Wolfhagen, Rotenburg und Gersfeld (Rhön) stammen. Diese Ansiedler sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage sehr zufrieden, und sind des Lobes voll über die dortigen Verhältnisse. So schreibt ein Ansiedler aus Ostwehr, welcher aus Weimar, Landkreis Cassel, stammt, am 20. Dezember 1906 in einem Briefe nach der alten Heimat u. a. folgendes:......
Das vergangene Jahr war hier durchweg ein gutes Erntejahr, so daß der hiesige Landmann mit Befriedigung rückwärts schauen kann. Unser Gemeinde-Areal umfaßt rund 3000 Morgen und ist eingeteilt in 33 größere und kleinere Wirtschaften. Ein erheblicher Teil der Gemeinde» fläche wird als Wiese und dann als Weide benutzt. Ein kleiner Teil bestcht aus Wald. .Etwa zwei Drittel der gesamten Gemeindefläche wird bewirtschaftet. Hauptsächlich wird hier Roggen und Gerste gebaut, weniger Weizen und Hafer. Als Hackfrüchte werden viel Rüben und Kartoffeln gezogen. Der Roggen gedeiht bei uns lehr gut, wis wohl selten in einer Gemeinde des deutschen Vaterlandes. Die Roagenernte betrug im Durchschnitt 10 Ztr. pro Morgen. Der Breis betrug im September 7 Mark und im November 7,50 Mark pro Zentner. Die Gerste Ist hier ebenfalls reich tragend, so daß 12 Ztr. pro Morgen der ungefähre Durchschnitt, aber 15 Zentner keine Seltenheit ist. Der "Preis für .Gerste (Braugerste) beträgt augenblicklich 8 bi» 8,50 Mark. Auch der Hafer wird dieses Jahr sehr schön, und brachte 12 Ztr. pro Morgen, st Ztr. 7,50—8,00 Mark. Die Rüben gedeihen hier vorzüglich, so daß 200 bis 250 Ztr. pro Morgen keine Seltenheit sind. Im Vorjahre erzielte ich mit Dioidenden-Anteil 1 Mk. 1 Pfg. pro Ztr. und erhielt 40% Rübenschnitzel franko zurück.
y) lNachdruck verboten.)-
Ueber alles die Kunst.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung).
XIX.
Alfred hatte nach dem Verlassen der Oper seinen Spaziergang länger ausgedehnt, als sonst. Ein unerklärliches Angstgefühl beklemmte ihm die Brust, als atme er noch immer die schlechte, schwere Luft des Opernhauses. Er hatte schon mehrmctts die Seine-Allee vom Chatelet bis zur Place dela Concorde durchmessen. Immer stiller wurde es um ihn her. Kein Omnibus, keine Straßenbahn unterbrach mehr mit ihrem Ge» klingel, ihrem rollenden Geräusch den Frieden der wundervollen, sternklaren Frühlingsnacht. Er konnte sich ungestört dem Genüsse der reizvollen Umgebung überlassen. Der schöne Strom, der gerade und stolz zwischen monumentalen Bauten und weiten Plätzen dahtnfließt, verliert sich endlich in dämmrige Ferne, wo die Hügel von St. Cloud aufragen. In den Bäumen über ihn rauscht es geheimnisvoll, innige aneinander geschmiegte Liebespaare huschten verstohlen an ihm vorüber, ein einzelner verspäteter Nachzügler eilte hastenden Schrittes das Trottoir entlang seinem heimischen Herde zu.
Am Pont-des-Ärts blieb Alfred einen Augenblick stehen. Der Blick von der Brücke aus übte stets eine besondere Anziehungskraft auf ihn. Von dort kann man am weitesten auf« und ab« -wärts den Lauf des Flusses verfolgen. In der "Mitte der Brücke angelangt, lehnte er sich, in das Ausschauen des reizvollen, nächtlichen Bildes versunken, über das Geländer. Die Laternen des Pcntneuf schimmerten hell zu ihm herüber 4!nd nebelhaft hob sich die Statue Heinrichs IV. «ns dem Dunkel empor, dieses vielgeliebten KL- Aigs, der dennoch untex dem Stahl eines Mörders verbluten mußte. Charakteristisch für das
Durch den starken Rübenbau sind wir Alle in der Lage, große Rindvichbestände zu halten. Der Kartoffelbau ist sehr lohnend und daher besteht hier eine sehr starke Schweinezucht. Vor kurzem fragte ich in einer Eemeindesitzung gelegentlich wie viel Schweine in unserem Orte ständen, da stellte sich heraus, daß 350 schlachtreife Schweine und mindestens ebensoviel Fasel-Sckweine vorhanden waren. Die Fleischpreise sind ungefähr wie folgt: Schlachtreife Bullen wurden bezahlt mit 86 Mark Lebendgewicht. Gut« Kühe kosten 350—450 Mark pro Stück. Die Schweine wurden im Sommer mit 58 Mark pro Ztr. Lebendgewicht bezahlt, fetzt freilich nur mit 40—50 Mark. Die Butter kostet durchweg 1.20—1,30 Mark.....
Betreffs meiner eigenen Wirtschaft teile ick mit, daß ich 130 Morgen Land besitze, ferner 5 Pferde, 2 Fohlen, 23 Stück Rindvieh, 28 Schweine, 40 Hühner. Ich erntete im lebten Jahre 400 Ztr. Roggen. 100 Ztr. Gerste, 150 Ztr. Hafer. 2000 Ztr. Rüben und 600 Ztr. Kartoffeln. — Soweit der Brief. In seiner alten Heimat besaß der Briefsckreiber ca. 20 Morgen. E s leuchtet ein, daß unter diesen Verhältnissen kein Bauer mehr nach Amerika ausMwandern braucht, sondern hier im deutschen Vaterland« die Scholle findet, die ihn sicher crnähtt. Auch hier in Hessen findet das Anstedslnnoswerk immer mehr Anklang, und viele hessische Bauern haben schon Besick- tigungsreisen nach dem Osten unternommen. Unklug bandelt man, wenn man allein eine solche Reile unternimmt. Viel besser ist es. man beteiligt sich an den gemeinschaftlichen Besick- traungsreisen. welche der Vertrauensmann der Königlicherh»Slnsiedelungskommisnon. Herr W. Schaumburg-Cassel, in jedem Frühjahr veranstaltet. Man reist hierbei billiger und zweckmäßiger. Auch hört man dann einmal das Ur- teil der Att-'-eilenden. Räßeres über die nächste Vesichttgsreile. welche im Mai stattsindet, sowie über die Anstedelunosbedinaunaen erführt man kostenlos bei dem ^Vertrauensmann der König, licken Ansiedelungs-Kommi-sten Herrn W Schgumbura-Cassel, Friedenstraße 11.
Urlaub für Arbeiter der Staatsbahn.
Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Rach einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 19. ds. Mts. kann Arbeitern der Staatseisenbahnverwaltung bei guter Führung jährlich ein Erholungsurlaub erteilt werden, der bei Arbeitern, die mindestens 5 Jahre im Staatseisenbahndienst beschäftigt v"d in Hilfsunterbeamtenstellen tätig sind, je nach ihrer Verwen- düng bis zu 6 und 8 Tagen, bet allen übrigen Arbeitern des Betriebes und Werkstättendienstes, sofern sie mindestens 7 J.'.hre beschäf- tigt sind, 6 Tage betragen darf. Wie die Er- klärungen der Regierung bei Gelegenheit bet Beratung des Eisenbahnetats im Abgeordneten
französisch- Volk! Heiß aufwallend im Haß wie in der Liebe, und doch ein liebenswürdiges Volk, dem man nicht gram sein kann, wenn man unter ihnen weilt.
Lange konnte er sich von dem Zauber dieses Anblickes nicht trennen. Als er sich endlich roanh'., um auf den Strom hinabzusehen, bemerkte er zu seiner Ueberraschung, daß nicht fern von ihm eine weibliche Gestalt, ebenso wie vorhin, tief über das Geländer geneigt, den Lauf des Flusses zu verfolgen schien. Oder hatte das junge Geschöpf dort — denn daß sie jung und schlank war, erkannte er trotz des bis zum Boden herabwallenden Mantel, der sie umhüllte — etwa andere dunkle Absichten und ist er ihr nur ein hindernder Zeuge, dessen Fortaehen sie ai- warten will, um die geplante, unselige Tat unter dem Schutze der Nacht zu vollführen? Vor ihn: taucht' das Bild der nahen Morgue auf, wo er am Tage vorher gerade eine aus dem Wasser gezogene L siche gesehen. Unter der Pont-des- Arts mit seinem niedrigen, gußeisernen Geländer, über das sich leichter in die Tiefe schwingen läßt, als über das gemauerte der anderen Brücken, genießt den traurigen Ruf, von bett Selbstmördern bevorzugt zu werben.
Ein tiefes Mitleid erfaßt ihn. So jung noch und schon sterben wollen? Welch trauriges Ge- schick mag die Aermste in den Tod treiben? Langsam näherte er sich der noch immer regunoslos in das Wasser Starrenden und jetzt sieht er deutlich, daß es nicht der Blick in die Ferne ist, die sie gefesselt wie ihn, nein, ihr Kops ist tief gesenkt über das murmelnd dahinströmende Wasser, als lausche sie einer Stimme von unten, einer lockend rufenden Stimme: Komm herab — komm herab!
Sie hat seine nahenden Schritt- nicht ge» hott. Er steht schon neben ihr.
Da kommt plötzlich Leben tti die bewegungslose Gestalt. 6tt schnellt emp»rfc ihre Hände
Hause im März ergeben, war diese Maßregel schon seit längerer Zeit geplant. Sie entspricht den blonderen Anforderungen des Betriebsund Werkstättendienstes, sowie dem Vorgang anderer öffentlicher und privater Bettiebe ähnlicher Att und wird von den Eisenbahnarbeitern freudig begrüßt werden.
Zur ArSeiterwohnungssrage.
Die Landesversicherungsanstalt der Rheinprovinz hat sich seit langem der Förderung des Arbeiterwohnungswesens durch Hergabe bedeu- tender Kapitalien energisch angenommen. Der Vorstand der Anstalt hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Vorschläge befaßt, zur Rückzahlung von Darlehen für Arbeiterhäuser die Lebensversicherung mit heranzuziehen. Das ist in der Weite gedacht, daß die Arbeiter, statt ihr Hypothekenkapital in der üblichen Weise allmählich zu tilgen, der Landesversickerunasan- stalt eins Lebensversicherung über denselben Betrag übertragen; das Hmwtbekenkavital wird bann bei Eintritt bes Versscherungsfalles sofort ganz an die Versicherungsanstalt zurückgezahlt. Ist die Versicherung — wie sich wohl meisten, empfehlen dürfte — auf den Todes- und Erlebensfall gestellt, und erlebt der Arbeiter den Ablaus der Versicherungsdauer, so ist et damit schuldenfreier Eigentümer des Haukes, wie sonst: stirbt er aber vorzeitig, so hat die Familie durch den schuldenfreien Besitz des Hauses einen außerordentlich wertvollen wirfichaftlicken Rückhalt und ist der heute wohl vorkommenden Notwendigkeit enthoben, daß erst teilweise obbezahlte Haus veräußern oder sebr dickst vermieten zu müssen, um Zinsen und Tilgung weiter entrichten zu können. Die ersten beiden Fälle von Beleihungen dieser Art wurden vom Vorstände der Versicherungsanstalt genehmigt.
Zur braunschweigischen Angelegenheit.
Das braunschweiaische Staatsminrsterium erläßt in den amtlichen „Brnunlckw. Anz." ein Dementi wcaen einer dieser Tage von den „Braunkchw. Reuest. Nacht." gebrockten Mitteilung. Die „Braunlchw. R. R." hoben mitgeteilt, am 19. und 20. d. M. hätten ttn+er Anwesenheit des preußischen Gesandten v. Bülow und des braunschweigischen Benollmächtioien zum Bundesräte, Geh. Reqierungsrat Boden im Ministerium Beratungen des Reoentlckaftsrates Über die jüngste Antwort des Herzogs von Cumberland statt gefunden. Das Restrltat dieser Sitzungen bestehe in dem Beschlüsse, daß bet Rcgent- schgfsrat beabsichtige. die braunschweigische Tbronfolaeftaoe dem Bundesrat votlegen zu lallen. Das Ministerium läßt nun erklären, daß der preußische Gesandte nie einet Sitzung des Regentschaftstates oder des Staatsmini» stettums, auch nickt am 19. oder 20. d. Mts., beiaewohnt hak. Dies zu versickern, sollte eigentlich nt*f nötig lein. Daß der preußische Ge-
umfassen krampfhaft das Gitter. Schon schwebt ibr Körner über bet Tiefe, da. ein Heller Aufschrei. zwei kräfttge Arme reißen sie zurück.
„Armes Mädchen!" ruft Alfred voll weichen Mitgefühls.
Sie zuckt beim Klang seiner Stimme zusammen. dann wendet sich ihm ein geisterhaft bleiches Antlitz zu.
Ein Sckteckensrnf entführt seinen Lippen:
„Komteß Palfv!"
Ein stummes Ringen:
„Lassen Sie mich!" fleht sie.
„Nein, ick lasse Sie nickt," erklätt er entschieden, „nickt eb»r. als bis ich Sie wieder ruhig in Sicherheit weiß!"
„Gehen Sie," stöhnt sie qualvoll auf, „ich mag nickt weiter leben! Wo«« meine Qualen verlängern!" Ein heftiges Zittern dutckfähtt den zatten Leib. Er trägt sie bis zu der nächsten Bank und läßt sie dott sanft niedergleiten. Einen Moment schließt sie wie betäubt die Augen, übet sein ernstes Antlitz geht es wie ein tiefes Weh.
„Fassen Sie sich, Komteß," bittet er leise. „Ich ahne ja alles, alles was Sie gelitten haben."
Sie schlägt die Hände vors Gesicht und bricht in heftiges Schluchzen aus.
„Liebe, arme Konteß." beschwört et sie, indem er versucht, ihr sanft die Hände von den Augen fottzuzieben, die er ermutigend in den seinen preßt:,, Weinen Sie nicht so! Sie sind ja nicht verlassen. Gott hat mich hergefühtt, Ihnen zu helfen."
„D, mir kann niemand helfen," stöhnte sie schmerzvoll auf.
^Vielleicht doch, Komteß," erwiderte et ernst. „Lassen Sie uns überlegen. Sie haben mich manchmal s<hon in Ihr Verttauen gelogen, ich bin Ihnen ja kein Fremder mehr. Sagen Sie mir, roa» ich für Sie tun soll. Ich bin zu allem bereit/
sandte, der sonst in Oldenburg wohnt, in bei gegenwärtigen, politisch bewegten Zeit öftei und länge: als sonst in Braunschweig weilt, brächten seine Amtspflichten mit sich. Aus die« fern Grunde wäre er auch kürzlich hier gewesen. Er verkehre bann aber nur mit den einzelne« Mitgliedern des Ministeriums, besonders abetz mit dem Vorsitzenden desselben, zu dessen Get schSftskreis die auswärtigen Angelegenheiten gehören. — Am Schlüsse des Dementis heißt es: Ein endgültiger Beschluß darüber, ob bl^ Entscheidung bes Bundesrates über die bräunt rckwcigiscke Thronfolgeftage jetzt anzurufen sek, ist vom Regentschastsrat noch nicht gefaßt. I
Aus der Reichs Hauptstadt
wird bet „Köln. Ztg." geschrieben: Angesichts bet gewaltigen Umwälzungen, die jetzt gerade die Geschäftsstadt des eigentlichen Berlins in der Nähe der Leipzigerstraße erfährt, wo das Privathaus auf dem Aussterbeetat ist, fragt sich mancher Vorübergehende vielleicht, für welchen Preis in dieser Gegend wohl noch ein „bescheidenes Heim" zu haben ist. Die Antwort wird auch für mittlere Börsen wenig tröstlich lauten, denn die Grundstückpreise find hier überall au| das Gewaltigste gestiegen: fie werden noch weiter steigen, wenn erst die Untergrundbahn, deren Bau jetzt den Leipziger Platz in einen Trümmerhaufen verwandelt hat, die Gegend noch begehrenswerter gemacht hat. Das Wertheimlche Haus am Eingang der Leipziger Straße kostet ba.3 kleine Sümmchen von 33 Millionen; 18 Millionen gehen davon auf Grund und Boden. Al--- die Aschinger-Gesellschaft vor einiger Zeit in bet Bellevuestraße, Königsgrätzer und Potsdamer Straße einige Grundstücke für ihre beiden großen Neubauten ankaufte, erhöhte fick ihr Grundbesitz auf den Gesamtwert von 21 Millionen. Man kann da wirklich sagen, daß jeder Bflasierstein auf und um den Leipziger Platz herum -eine Stange Gold wert ist. Und jedes der großen GeicköktsbärOe'-. die fick letzt reibenweise in der Leipziger Straße erbeben, hat seinen MiMonenwett. der nickt abnimmt, je mehr man nach Osten, nach der Gegend des Spittelmarktes Zm Geoe"ttil, denn hier beginnt das vielbegehrte Konfettionsvieriel, wo die Beherrscher der Mode Haus an Haus wohnen. Ein Grundstück von nur einigermaßen ansehnlicher Größe ist auck hier unter einer Million Mark schwerlich zu haben: der Quadratmeter des Bodens in dieser Gegend, den man vor hundert fahren auf 3 Mark berechnete, kostete um 1860 etwa 150 bis 200 Mark, 1896 das Siebenfache (1400 Mark) und beträgt jetzt wohl ganz gewiß bedeutend mehr. Für Philosophen bet Wertzuwockssteuer liegt das eigentliche Studienfeld außerhalb der Slodt an ihrer Perivherie: indessen gibt es für sich auch in der „goldenen" Gegend des Hausvogteiplatzes und des Sptttel- marftes noch interessante Beobachtungen. Selbst in bet Nähe des Aleranderplatzes in der Königs- straße (also in sehr guter Gescküfisaeqend) wurde vor wenigen Fahren ein Stückchen von
„Vergebens, alles vergebens! Für mich gibt es keine Rettung!"
„Sagen Sie das nickt! Wir werden einen Weg zur Rettung finden!" ,
.Ich fthe keinen als den Tod. Denn liebet Sterben als in bas Haus meiner Mutter zurück- kehren bie Ketten von neuem um mich schmieden lassen,' die meine Seele wund gedrückt, mich in die Nackt der Verzweiflung getrieben haben.
„Zurück zu Ihrer Mutter, nein, das sollen Sie nicht," tröstete er, ihr ermutigend die Hand drückend. Wit müssen einen anderen Ausweg finden."
„Einen anderen Ausweg? ^>ch weiß kernen.
„So lassen Sie mich darüber Nachdenken.
Alles vergebens! Man wird mich, wohin ich auch gehe, zu finden wissen und mich gewaltsam in das Haus meiner Mutter zurück-
„Nein, nein, nut Ruhs und Fassung! Ich beswmöre Sie, vertrauen Sie mit!"
„Ja, Ihnen vertraue ich," entgegneie st« innig, zu ihm aufblickend, „vertraute Ihnen, seit ich Sie näher kennen gelernt habe.
Ein Gedanke steigt plötzlich in Am auf. Elisabeth, wenn sie, die Gute, Teure, ihm bet« stehen wollte, bann müßte es gehen.
„Werden Sie tun, was ich Ihnen vor« schlage?" fragte et nach einer Pause.
Sie nickte nut.
„So hören Sie . Ick geleite Sie zu mein« Schwester. Bei ihr werden Sie eine neue Htt- mat finden, bis bie traurigen Verhältnisse ttt Ihrem Mutterhause sich geklart haben."
Zu Ihrer Schwester?" fragt sie nachdenklich. ,5a, wenn das möglich wäre! Sie haben mit so viel Liebes von ihr erzählt."
„Sie ist lieb und brav und treu, sie wiÄ Cft m'-' -'nen Armen"empfangen."
(Fortsetzung folgt.).