mit
uitb Kirchhain.
JK 302
Vierteljährlicher Bezugspreis- bet oer Expedition 2 Mü, b« allm Postämtern 2,25 Mk. <e$ti. Bestellgeld).
InserttonSgebühr: die gespalteneZeüe oder oeren Raum 15 Pfg, Reclamcn: bk Zelle 30 Psg.
Marburg
Freitag 2^. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Ang. koch, UnivcrsitLtS-vuchdruckeret 41. ^tt6rd* *
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ”
Das Abonnement auf die „Oberheffische Zeitung", das Srötzte, meistgelesenste und weitverbreitetste Blatt Marburgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.
Der Kouqostaat.
Bet dem verdienten Interesse, das bei uns die Auflösung des Reichstages und die ersten Dorbereitungen zu den Neuwahlen geweckt haben, ist ein Ereignis der internationalen Politik von nicht zu unterschützender Tragweite ziemlich unbeachtet geblieben. Fast zur selben Zeit, nämlich, da der Vorhang über den in 1903 gewählten deutschen Reichstag fiel, hat die belgische Kammer einstimmig beschlossen, Belgien sei zur Annexion des Kongostaates den bestehenden Verträgen entsprechend bereit, und dis Matzregeln zur Uebernahme sollen alsbald getroffen werden. Die belgische Regierung hat diesem Beschlüsse zugestimmt, nur über die Haltung König Leopolds verlautet noch nichts.
Der Kongostaat ist bekanntlich von der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft gegründet worden, die von Stanley unter dem Protektorat Leopolds II. von Belgien geleitet wurde. Namentlich durch Verträge mit zahlreichen Häuptlingen ist ein ungeheueres Gebiet Zentral, afrikas zu einem einheitlichen Staate vereinigt worden. Im Jahre 1885 nahm König Leopold unter Zustimmung der belgischen Kammer den Titel Souverän des Kongostaates an. Die auf Bismarcks Betreiben Ende 1884 und Anfang 1885 in Berlin abgehaltene internationale Konferenz sicherte dem Handel aller Nationen völlige Freiheit. Zur Erschließung des gewaltigen Reiches nahm König Leopold wiederholt Vorschüsse von Belgien, die bis auf 32 Millionen Francs stiegen. Als Gegenleistung verzichtete er in seinem Testament vom Jahre 1889 zu gunsten Belgiens auf den Besitz des Kongostaates und in einem Kodizill vom Jahre 1891 erhielt Belgien obendrein noch das Recht, das afrikanische Rie- senreich schon nach zehn Jahren zu übernehmen. Als es dann 1901 zu entscheiden hatte, ob es von diesem Rechte Gebrauch machen wolle, wurde die Besitznahme vorläufig noch htnausgeschoben. Die Linke der belgischen Kammer hielt aber an der Forderung, möglichst baldiger Besitznahme, mit zäher Ausdauer fest und dieser Forderung rst nun auch die Rechte sowie die Regierung beige- treten.
lieber dieses einmütige Vorgehen von Regierung "nd Kammer kann man sich nur freuen. Nahmen doch die Versuche der Engländer, auch
ÜÜ
Er
(Nachdruck verboten.), lieber alles die Kunst.
Roman von Clattssa Lohd«.
(Fortsetzung).
Und dort saß die leichtfertige Mutter mit Marga und Nemethy und vergaß ihres verzweifelten Kindes. Doch wie er wieder von feinem Platz hinunter schaute in die Loge, da dünkte ihn plötzlich, als sähe die Gräfin doch blaß und ver- fallen aus, und das Lächeln, mit dem sie sich an ihre Gäste wendete, hatte etwas Eezwunge- nes, fast Schmerzliches. Hatte sie doch mehr Teilnahme für ihr unglückliches Kind, als er voraus-
* uyd ließ sie sich nur von dem brutalen Wrllen dieses Mannes so sehr beherrschen, daß sie nur noch tat, was er befahl?
Im Vestibül unten drängte und stieß sich die hlnausetlende Menge. Alles suchte so schnell wie möglich aus der schwülen Lust des Hauses ins Freie zu gelangen. Alfred hatte Mühe, sich durch das flutende Gedränge seinen Weg zu bahnen, ohne doch verhüten zu können, hier und da anzu- stoßen und um Pardon bitten zu müssen.
, Unmutig wandte sich der spitzenumhüllte Kopf etner am Arm eines Kavaliers dem Augana zu- ftrebenden Dame nach ihm zu. Er zuckte zusammen, zwei klare, blaugraue Augen trafen di« feinen. „Marga!"
Hatte er ihren Namen gerufen, war er nur schmerzlich in seinem Innern erklungen? wußte es nicht. Hastig eilte er vorwärts. Er sah noch, wie sie die Lippen fest zusammenpreßte, wir es kn ihrem Gesichte aufzuckte, als wolle sie In ihrer kühl überlegenen Weise ihm zurufen: ' , „Was willst du von mir? Es ist gekommen, wie es kommen mußte. Wir gehören nicht zusammen, du und ich."
;__Und er nickte wie zustimmend vor sich hin.
hier wieder einmal im Trüben zu fischen, immer keckere Gestalt an. Getreu der alten Parole: „Afrika englisch vom Kap bis Kairo" strebt« England seit langem nach einem Streifen Landes vom Tanganjika-See bis zum Albert Edward-See zum Bau einer Kap-Kairo-Bahn und wollte sich in diesem Teile des Kongostaates natürlich auch gleich den nötigen politischen Einfluß sichern. Als es dieses Ziel nicht im Handumdrehen erreichte, wälzte sich alsbald eine Flut von Anklagen u^d Enthüllungen gegen den Kongostaat, ein nicht eben sonnenklares Wässerchen, das insbesondere von der englischen Kongo- Reform Assoziatton kräftig gespeist wurde.
Selbst zr'.gegeben aber, daß vielleicht die eine oder andere Klage nicht ganz des Grundes entbehrt, so ist es doch stets verdächtig, wenn sich John Bull „im Namen der Menschlichkeit" über Staaten oder Unternehmung-n entii., -t, l,e - seinen Plänen im Wege stehen. John Bull ist vielzusehr Politikus, um sich nicht zu sagen, daß zur Behauptung eines so ungeheueren Ländergebiets, wie des sog. Kongostaates, Verträge allein niü>t genügen, sondern daß dazu vor allen Dingen eine achtunggebietende Macht von Nöten ist. Von einer solchen konnte natürlich bei einem so eigenartigen Gebilde, wie dem „Kongostaate" keine Rede sein: denn wenn es auch der sog. Kongoregierung gelungen ist, durch ihre zahlten Svldnertr„ppen Schilderhebungen mißvergnügter Regcrstämme zu bew"ll igen, so würde ihre Ohnmacht sofort allenthalben klar geworden sein, wenn ft; in Konflikt mit einer weltumspannenden Großmacht, wie Großbritannien geraten wäre.
Allein sollte durch den Beschluß der belgischen Kammer, den Kongostaat zu annektieren, die Situation so sehr viel besser geworden sein? Was kann ein Zwerg, wie das „geduldete" Belgien g-gen den Riesen Albion ausricht >.n, der ihm den Kongostaat vor der Rase wegnehmen k'mnte, ohne daß die Regierung in Brüssel zu anderen Maßregeln, als papierenen Protesten greifen würde. Die einzige Garantie für oie Fortdauer des sog. Kongostaates wäre in d:r erwähnten Kongoakte zu erblicken. Jedoch die Beschlüsse der Berliner internationalen Konferenz waren ja nur darauf gerichtet, dem Handel und den industriellen Unternehmungen der Angehörigen der beteiligten Nationen volle Freiheit zu sichern! Wie nun aber, wenn es englischen Einflüssen gelingen sollte, den belgischen Liliputaner zur Aufgabe seiner „Schutzherrschaft" zu bewegen — selbstverständlich unter Wahrung der in Berlin garantierten internationalen Handelsfreiheit?
Sage niemand, daß das deutsche Reich an dieser Frage kein Interesse habe? Dem deutschen Reiche kann es ganz gewiß nicht gleich- giltig sein, wem die Briten ihre vorherrschende politische (man denke an den stillschweigenden
Dann fühlte er plötzlich den kühlen Windzug von draußen sein Haupt umwehen, und ohne sich noch einmal umzublicken, eilte er weiter die Rue de l'Opera hinunter dem Seinekai zu.
XVIII.
Die Gräfin trat mit ihrer Gesellschaft noch keineswegs den Heimweg an. Man begab sich zum Caf6 Anglais, um dort zu soupieren, die guten französischen Weine regten bald die Geister an, das heiße ungarische Blut tat das seine, die Gesellschaft zu ausgelassener Lustigkeit anzustacheln. Nur die Gräfin war still und in sich gekehrt. Jedes Wott, jeder Blick, den Nemethy und Marga wechselten, gab ihr einen Stich ins Herz, sie hätte aufschreien mögen vor innerem Weh und mußte doch alles geduldig ertragen.
„Wo ist Ihr Humor geblieben, Gräfin Paliy," fragte einer der ungattschen Herren, der sie früher gekannt und dem die seltsame Wandlung der Dame auffiel.
Ja, wo? dachte sie und antwottete unter dem mahnenden Blicke Nemethys:
„Man kann nicht ungetrübt ftoh sein, wenn man ein leidendes Kind daheim weiß."
„Ist die Komteß schon lange krank? Ich hörte, sie würde sich bald verloben und war daher erstaunt, so betrübendes von ihr zu hören." „Die Verlobung wird auch und wie ich hoffe, in den nächsten Tagen stattfinden können," nahm Nemethy das Wort.
„Und darf man den Namen des Glücklichen erfahren?"
„Er sitzt hier unter uns," lächelte Nemethy mit einem bezeichneten Blick auf seinen Neffen:
„Ah, gratuliere, gratuliere," lächelte Nemethy ren, ihr Glas gegen den jungen Grafen erhebend, der errötend dantte. Er fühlte sich seines Bräutigamsstandes noch gar nicht so sicher, um Glückwünsche entgegennehmen au können. _
Beistand, der britischerseits den aufständischen Hottentotten gewährt wurde, die man frei auf britisches Gebiet htnüberwechseln ließ) und wirtschaftliche Stellung auf dem „schwarzen Erdteile" durch neue Eebietserwerbungen oder durch — Annexionen vorbereitende — Verträge noch mehr verstärken würden; denn das könnte nur auf Kosten der Sicherheit und der wirtschaftlichen Entwickelung unserer eigenen Schutzgebiete geschehen.
Daher ist es sehr zu wünschen, daß deutscherseits die Augen offengehalten werden, um etwaigen Anschlägen gegen den „Kongostaat" bei Zeiten die Spitze abzubrechen.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Dez.
— Der braunschweigische Regentschaftsrat hat die staatsrechtliche Kommission des Landtages zum 28. Dezember einberufen, um deren Zustimmung einzuholen, bevor er wegen der Thronfolge an den Bundesrat herantritt.
— Die Frachtvergünstigung für frisches Fleisch, welche kürzlich in Kraft getreten ist, soll vom 1. Januar an derart erweitert werden, daß auf Enffernungen von 101 Kilometer an für Wagenladungen von 5 und 10 Tonnen ein besonderer Ausnahmetattf eingeführt wird. Der neue Tarif gilt im Binnenverkehr der preußisch- hessischen, bayerischen, sächsischen und oldenbur- gischen Staatseisenbahncn, der Reichseisenbahnen, der Militäreisenbahnen und der anderen im Tarife angeführten Bahnen, sowie im Wechselverkehre dieser Bahnen untereinander.
— Zur Verlängerung des deutsch-spanischen Handelsabkommens. Wie aus Madrid gemeldet wird, ist durch die Verlängerung des deutschspanischen Handelsabkommens bis jum 30. Juni 1907 bis zu diesem Zeitpunkt für die Warenetn- fuhr im Verkehr beider Länder die Meistbegünstigung gewährleistet.
— Zur Lage in Deutsch Südwestasrika. Berlin, 26. Dezember. Bei den Verhandlungen über den Nachtragsetat für Südwestafrika im Reichstag wurde von den Vertretern der verbündeten Regierungen und des Großen Eeneralftabes die Versicherung abgegeben, unsere dort noch kämpfenden Soldaten möglichst schnell im gleichen Tempo mit den Fortschri.ien der kriegerischen Operationen weiter zu vermindern und heimzusenden. Vom fcvy chauplatz ist gestern folgende Meldung eingettoffen: D:r Stamm der Bondelzwart» Hot sich unterworfen: Johannes Christian mit seinem nächsten Anhang hat sich dem Oberst- le'llnan' v. Esto-ff in H-'.rachab's gestellt. Die Zahl der Männer beträgt 120, die der abgegebenen kleinkalibrigen Eewyre 105. Zerstreute Banden und Stammesangehörige, die aus britischem Gebiet zurückkehren, sind in die Un- r1 ss । j "v । । । । gj ■'■■■a
Es war lange nach Mitternacht, als man endlich aufbrach. Die Gräfin hatte ihren Wagen da und verabschiedete sich daher von den Herren. Marga drückte sich schweigend in die Ecke des Coupös, und auch die Gräfin verhielt sich völlig still. Trotzdem sie sich äußerlich freundlich begegneten, waren sie doch beide bewußt, daß mit der Werbung Remethys um Margas Hand das Freundfchastsband zerrissen fei, das sie vereint hatte.
Zur Verwunderung der Heimkehrenden strahlte ihnen aus dem Vestibül der gräflichen Villa helles Licht entgegen. Die Tür zum Vorgatten stand offen und schon beim Herannahen de» Wagens zeigten sich dunkle, spähend herausschauende Gestalten im Rahmen derselben.
Die Gräfin fuhr erschreckt von ihrem Sitze empor. Ein banges Ahnen stieg in ihr auf.
„Um Himmels willen, Frieda," schrie sie angstvoll auf, als die Jungfer, die von der Oper gleich nach Hause geeilt war, ihr entgegenstürztei „Ist der Kamt-?- etwas passiert?"
„Sie ist so. gnädigste Gräfin," schtte das Mädchen jammernd auf. „Wir fanden ihr Zimmer leer."
Die Gräfin war todesblaß geworden.
„Gisela fort?" wollte sie, als könne sie es gar nicht fassen. „Aber wohin denn, wohin?"
„Ja, wenn ich das wüßte," klagte die Jungfer. ,Memand hat sie gesehen, niemand eine Ahnung, wie sie aus dem Haufe gekommen."
Die Gräfin faßte die Jungfer am Arm und ließ sich von ihr in das Haus geleiten, die praktische Marga fragte den Portier und die andere Dienerschaft aus, ob sie nicht irgend einen Anhalt hätten, wohin die Komteß sich gewendet Haven könne, aber auch sie erfuhr nichts anderes, dL was die Jungfer schon mitgeteilt hatte.
»Baron Nemethy und Graf Kaminski müssen sofort benachrichtigt werden." entschi«
terwerfung einbezogen. Kein Bondelzwart darf Schußwaffen tragen. Die Unterworfenen solle« bei Keetmannshoop und Kalkfonllein Lokationen erhalten und dort unter militärischer Aufsicht in Lagern gehalten wetten. Die Durchführung der Unt:rwerfungsbestimmungen wird noch einige Zeit erfordern. Auch stehen noch einzeln« Banden von anderen Stämmen, wie Simon Copper und Fiedling, im Felde. An den hiesigen leitenden Stellen hegt man in Uebereinstlm- mung mit dem Oberkommando in Südwestafttka die Zuversicht, daß nunmehr der Krieg rasch zuEndegehenwird und die kolonisatorische Arbeit in den weiten von ihm berühtten Gebieten wieder beginnen kann. Diese günstig« Wendung bestärkt zugleich die Ansicht, wie falsch die Haltung der Mehrheitsparteien im verflossenen Reichstage war. Der mit der Wahrung des Vudgetrechts der Volksvertretung motivierte Zentrumsantrag, trotz jener Versicherung der verbündeten Negierungen und des Kriegskommandos, eine bestimmte Zahl für die im Felde stehenden Truppen im voraus gesetzlich vorzuschreiben, erscheint nun erst recht als ungerechtfertigt und nur aus dem unsachlichen Bedürfnis einer parlamentarischen Machtprobe erklärlich, dem sich die Regierung nicht fügen durfte. Der Festigkeit der verbündeten Regierungen ist es nächst der geschickten Kriegsführung und dem tapferen Ausharren unserer Truppen zu danken, daß der Süden des Schutzgebietes gegen kleinmütige Bedenken uns erhalten worden ist. — Nach einem heute aus Keetmannshoop eingegangenen Telegramm vom 25. Dezember sind in Heirachabis weitere 35 Männer mit 19 kleinkalibrigen Gewehren eingetroffen.
— Zur Frage der Fleischteuerung schreibt die „Neue polit. Korrcsp.": Es dürfte nunmehr zur Genüge klar gestellt sein, daß die von dem preu- snlch-n Landmirt^cbastsmivisterium erlassene Verfügung keinerlei Verschärfung der bevor- stebenden Einfuhrverbote für Vieh und Fleisch,, sondern ausschließlich die Oeffnung der Grenze« gegen Dänemark, Schweden und Norwegen für frisches und zubereitetes Fleisch bezweckt hat. Wenn damit ein Teil der Zusicherungen eingelöst ist, die der Reichskanzler bei Gelegenheit' de- Interpellation im Reichstags hat abgeben, lassen, so sind auch in allen übrigen Punkt-«' diese Zusicherungen teils erfüllt, teils der Erfüllung nahe. Insbesondere hören wir, daß der Bundesrat in allernächster Zeit über eine, sehr beträchtliche Herabsetzung der Gebühren für die Untersuchung des in das Zollinland ein»; gehenden Fleisches Beschluß fassen wird. Diese. Herabsetzung soll zunächst für einen begrenzte«' Zeitraum erfolgen und zwar deshalb, weil schon' bei Erlaß der Gebührenordnung eine Revision- in Aussicht genommen war, und dieser dauernden Ermäßigung der Gebühren durch die im Interesse der Linderung der Fleischnot erfolgte' provi'-"-ische Regelung nicht vorgegriffen wer« den soll.
Marga in ihrer energischen Art. Der Kutscher, hatte zum Glück noch nicht ausgespannt und jagte nun nach dem nicht zu entfernten Hotel- in dem die Herren Wohnung genommen. •
Nun erst folgte Marga der Gräfin, die Hände»' r'naend im Salon auf- und abschritt. '
Beruhigen Sie sich dock. Aglaja," mahnte sie, „noch kann sich alles aufklären." ;
„Natürlich aufklären," jammerte die Gräfin,. Marga mit ihren Augen anstarrend. „Das können Sie saoen, die Sie nicht wissen .wie einer. Mutter zu Mute ist, und wie soll es sich wohk aufklären? Sie ist fort, allein in die Nacht hin» aus, in der großen, fremden Stadt. Da ist nichts mehr zu hoffen, sie ist verloren und wir, mit; tragen die Schuld daran."
Marga zuckte ungeduldig die Achseln, sie fand die Gräfin unsagbar schwach und hilflos. .
Nicht lange mehr und das Rollen der Räder wurde hörbar, das die Ankunft der gräfli-he«' Equipage ankündigte. Marga atmete erleichtert' auf, ihr wurde es unheimnlich in der Nähe deri klagenden Mutter, der wie vorwurfsvoll sie an- starrenden Dienerschaft. *
„Welch Glück," sagte Stanislas Kaminski, als er mit dem Onkel in dem Wagen Platz nalm„ „daß wir nickt noch, wie unsere ungarische«,' Freunde e» wollten, in ein anderes Caf6 gez gefahren sind. Das würde weder die Cousine° Aqlafa, nock die arme Eifel, wenn sie überhaupt wieder gefunden wird, verziehen haben." i
„Ich fürchte, ich fürchte, mein Junge," sagte Nemethy zum erstenmale völlig depremiert, „wir! finden die Gisel überhaupt nicht wieder."
„Du meinst, Onkel —"
„Daß sie auf irgend eine Weise uns «nkj schlüpft ist. Das Mädchen war ein Eisenkopf,' sie setzte ihren Willen durch, «nd wäre es lieber! der Tod, den sie statt deiner umarmen nrüßte."
lForffetzung folgt.) .