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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkaiu

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vierteljährlicher Bezugspreis, tiet oer Exrrdirion 2 Mk., b« allm Postämtern 2,25 Mk. .excl. Bestellgeld).

IllsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder oeren Raum 15 Pfg, Reclanien: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Dienstag 25. Dezember 1906.

Erscheint wSchentlich Neben mal.

Druck imb Verlag» Joh. Äug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

41. Jatzrg.

Erstes Blatt.

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Das Abonnement

auf dieObertzesfifche Zeitung", das größte, meistgelesenste n»d weit' verbreitetste Blatt Marburgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe« beste« Erfolg.

Und Friede auf Erden!

Mieder schmücken wir den Tannenbaum mit Hellen Kerzen und mit Silberglanz; wieder hal­ten von stolzen Domen und vom bescheidensten Dorfkirchlein die Glocken über die schneebedeckte, diesmal echt weihnachtliche Landschaft hin: wiederum tönt es von allen Kanzeln, dringt es zum Palast wie zur ärmsten Hütte:Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Und doch will uns scheinen, als ob der schöne Dreiklang dieser Verheißung niemals weniger berechtigt gewesen wäre, als gerade in diesen Tagen des Unglau­bens, baßerfüllter Kämpfe und neidvoller Er­bitterung. Dem unbeirrten, tieferdringenden Blicke aber entgeht doch die tröstende Wahrneh­mung nicht, daß in alle dem Gären und Brodeln ein Neues nach Licht und Leben drängt, das in Wahrheit nur eine Bestätigung der uralten Ver- heifjung ist.

Gewiß - der Kalube an Gott, als dem Er­halter der Welt ist nicht nur der geistig veröde­ten Sozialdemokratie, sondern auch sehr vielen gebildeten Kreisen entschwunden, die doch be­rufen wären, den tiefsten Grund dieser Dinge am besten zu erkennen und ihrem Volke als Führer in dieser wichtigsten Frage aller Zeiten voranzugehen. Aber blind und taub müßte sein, wer nicht die geradezu leidenschaftliche Gegen­strömung eines reuevollen Zuriicksehnens nach dem Tröste der Religion erkennen wollte, das durch unser Volk sich zieht!

Gewiß: die Welt starrt in Waffen, unser Vaterland ist mehr, wie je heute rings von Fein­den umdroht und unser Volk von parteipoliti­scher Fehde so sehr zerrissen, daß es schier das Augenmaß für die Forderungen der nationalen Ehre zu verlieren drohte. Aber noch ist trotz alledem und alledem das Deutsche Reich der Hüter des europäischen Friedens, den es seit seiner Begründung zu bewahren verstanden hat, und noch beweisen gerade unsere innerpolitischen Gegenroartskämpse, daß wir in schicksalsschweren Augenblicken über alles Trennende der Parteien hinweg doch in den großen nationalen Ausgaben ANS zusammenzufinden verstehen.

Gewiß: unser Parteileben ist durchzittert von neidvollen Verwünschungen, die bis in das Fa­milienleben hineindringen. Wer einen Blick auf die demokratischen Blätter wirft, die dem

(Nachdruck verboten ),

Heimkehr.

Eine Weihnachtserzählung

von Hans Albrecht-Cassel. ' '

(Schlich.)

Bestürzt stand Kelburg vor ihr. Die weiche Gluckesstimmung, die ihn auf dem Wege zur Heimat beseelt, mischte sich mit tiefem Mitleid für dieses Mädchen, das er nun als verlassene, von Kram gebeugte Waise wiedersah. In solcher Empfindung streckte er ihr die Hand entgegen, und für einen Augenblick gab sie zaghaft und scheu die ihre.

Seien Sie stark, solch schweres Leid zu tra­gen, Fräulein Welbner", sagte er warm.Ich verstehe die Größe Ihres Verlustes. Und wenn es Ihren Kummer zu erleichtern vermag, so sa­gen Sie mir mehr vielleicht, daß ich Ihnen helfen, Ihnen raten kann."

Aus ihren feucht schimmernden Augen traf ihn ein inniger Dankesblick.

Ihre Teilnahme tut mir wohl. Sie sind so gut, so edel mir gegenüber, und ich ich habe Ihnen so sehr wehe getan. Ja, gewiß ist es gut, daß uns das Schicksal nochmals einander begea- nen ließ! Soeben hatte ich von der Heimat Ab­schied genommen für lange Zett vielleicht für immer."

Ich vergaß", fiel er mit el«e» Anflug von Bitterkeit ein.Sie sind Künstler!?» und Ihr Beruf führt Sie in die Welt, lr des Leben hinaus."

Nein," kam es stockend über iore Lippen, Wj bin keine Künstlerin, bin es nie gewesen. Der Weg, der vor mir liegt, ist ein anderer verborgen und beschwerlich!"

Ich verstehe nicht . .

So will ich Ihnen mein Geschick erzählen.

Die haben ein Recht, es zu kennen."

Bauern- un.d Vürgerstande nicht Licht und Luft zum Leben gönnen, der möchte wohl zweifeln an der seligen Botschaft, die den Menschen ein Wohl­gefallen verheißt. Und doch lehrt uns ein Ver­gleich mit anderen Völkern gerade in dieser Hin­sicht, wie sehr viel besser es in Deutschland als anderswo bestellt ist. Kein Volk der Erde hat für die Zufriedenstellung der ärmeren Volks­klassen so seine Pflicht getan, wie das Deutschs und keins kann an dem großen Weltweihnachten mit so gutem Eewiffen vor den Lenker der Ge­schicke treten als wir.

So wollen wir durch diese Zwolfnächte hin­durch der Verheißung neuen Frühlings entgegen­schreiten im Vertrauen auf den alten Gott, in der Liebe zu unseren Mitmenschen und in dem festen Entschlüße, den Frieden nach Außen und Innen zu hüten. Aber freilich werden wir das nut können, wenn wir den Frieden recht ver­stehen: nicht als die feige Kampfesfcheu entarte­ter Weichlinge, sondern als die Trutzkraft schwertgegürteter Starker, die im Bewußtsein ihres guten Rechtes einer Welt von Feinden spotteten. Das gilt auch in geistiger Hinsicht. Denn nicht durch ein müdes Sichverlieren an die immer weiter fressende Entartung kann unser Volk zum dauernden Frieden gelangen, sondern nur, indem es mit dem Schwerte der lleber- zeugung streitbar für seine höchsten sittlichen Güter ficht.

Starrt sie auch in Stahl und Eisen, goldne Zeit folgt der von Erz: und zum Lohn, der ihm verheißen, dringt mit Kampf ein männlich Herz! Dazu, Herr den Segen spende Deiner Burg, dem Wald, der Au; netz an dieser Zeiten Wende

. sie mit deiner Sälde Tau!"

Deutes Keich.

Berlin, 24. Dezember.

Der Kaiser horte am Sonnabend vormit­tag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs. Marine-Amts und des Chefs des Marine- Kabinetts.

Dom Bundesräte. In der schon erwähn­ten, am 20. d. M. unter dem Vorsitz des Staats- Ministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Gra­fen v. Pofadowsky Wehner abgehaltcnen Ple­narsitzung des Bundesrats wurden noch die Vor­lagen, betreffend den Entwurf eines Gesetzes über den Hinte^Lliebenenverficherungsfonds u**b den Reichsinvalidenfonds und betreffend die Verleihung der im § 11 des Schutzpebietsgesetzes vorgesehenen Rechte an die Ostafrikakompagnie, den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Die Einberufung des preußischen Land­tages. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht eine königl. Verordnung vom 21. Dezember, wonach der preußische Landtag auf den 8. Januar 1907 einberufen wird.

Dr. Stüoel auf Reisen. Belin, 23. Dez. Aus Christiania wird gemeldet: Der deutsche Gesandte Dr. Stübel reist heute auf Urlaub

Er schwieg und senkte nur zustimmend das Haupt.

So standen sie bei einander' rings war es still, das Dörflein bninten lag in tiefem Frie­den, kein Laut durchdrang die abendlicheWinter- einsamkcit.

Und gesenkten Blickes, wie mit sich selbst redend, begann Gertrud Welbner zu erzählen:

Es ist Ihnen bekannt, daß die ersten Er­folge. die ick> fand, die Aussichten, die man mei­ner musikalischen Begabung zu eröffnen wußte, meinen Vater bestimmter, "mich zur Künstlerin ausbilden la''en und daß ich in der Provin- zia stodt K. eine tüchtige Lehrerin fand, wäh­rend in einem vornehmen Institut meine geistige und gesellschaftliche Erziehung gefördert wurde. Kmn Opfer erschien meinem Vater zu hoch, um mich dem Ziele zuzufübren, das er sich gesteckt. Sein einziges Kind sollte gefeiert und berühmt in der Welk dasteben, wenn er die Augen schloß, so sagte er des Oefteren. Ich selbst vermochte, trltz aller Anerkennungen, die man mir gab, diesen Wunsch nicht zu teilen. Richt aus eigenem Antrieb hatte ich diesen Weg betreten, ich fügte mich dem Willen meines Vaters und brachte der Kindespflicht des Gehorsams ein schweres Opfer. Und damals schrieb ich Ihnen meinen letzten Brief....

Bald fand mein erstes öffentliches Auftreten itn. Konzertsaal statt. Sorgfältig vorbereitet, erzielte cs immerhin einen achtungswerten, äußeren Erfolg. Man hatte mir reichlich Beifall gespendet, und dis Tageszeitungen brachten an- erkeunends. wohlwollend abgefaßte Referate. Rur ein einziges Blatt äußerte Bedenken und Zweifel, und schrieb, es fehle meiner Vortrags­weise des Oefteren am rechten Empfinden, am tiefen, eigenen Verständnis, und über diesen Mangel täusche auch eine sorgfältige Schulung nicht hinweg.

nm.) Deutschland ab, nachdem er gestern Mittag beim König Abschiedsaudienz gehabt hatte. Vorgestern Abend hat ein Abschiedsdiner statt­gefunden, an dem das diplomatische Korps teil­nahm. Das scheint, bemerkt ein Berliner Blatt, ein dauernder Urlaub werden zu wollen.

Gescheitertes Wablkompromiß. Aus Darm, stadt wird derKöln. Ztg." gemeldet: Die Ver­handlungen der freisinnigen und national- liberalen Partei für das Großherzogtum Hessen haben sich infolge der ablehnenden Haltung der Freisinnigen endgültig zerschlagen. 'Im Wahl­kreis Darmstadt ist der Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Osann als nationalliberaler Kandidat aufgestellt.

Rücksendung von Petitionen. Mit der Auflösung des Reichstags sind nicht bloß die ihm unterbreiteten Entwürfe und Anträge gegen­standslos geworden, sondern auch alle Peti­tionen, die nicht im Plenum zur Erörterung und Beschlußfassung gelangt waren, darunt'r solche die bereits im vorigen Winter und Früh­jahr eingegangen waren. Der Direttor des Reichstags ist gegenwärtig damit beschäftigt, alle Eingaben dieser Art den Absendern mit dem Bemerken zurückzustellen, daß sie wegen der Auflösung zu einer Beschlußfasiung nicht geführt hätten. Es handelt sich um eine ganz erhebliche Zahl von Petitionen.

DasBißchen" Sozialreform. Das Reich als Arbeitgeber zahlt für die staatliche Kran­ken-, Unfall- und Invalidenversicherung seiner Arbeiter und sonstigen Ang^tellten jährlich be­reits mehr als drei und eine halbe Million Mk. an Beiträgen. Die hauptsächlichsten Verwalt­ungen, die dabei in Frage kommen, sind die Reichseisenbahn-, die Militär-, die Marine- und die Postverwaltung. Auf diese vier entfällt nach dem neuesten Etatsentwurfe eine Jahres- beitragssumme von rund 3 652 000 M und zwar zahlt die Reichseisenbahnverwaltung 1176 000 M, die Militärverwaltung 1068 000 M, die Marineverwaltung 722 000 «At und die Postvec- waltung 686 000 Jl. Einige andere kleinere Betriebsverwaltungen wie di: Reichsdruckerci haben für den gleichen Zweck Ausgaben zu leisten, allerdings geringfügige Summen, die obige Gesamtsumme wird dadurch aber noch -- höht. Die Anforderungen, die unsere sozial- poKtische Gesetzgebung außerdem an die Einzel- staaten als Arbeitgeber stellt, übersteigen die vorstehend angegebenen Beiträge des Reichs noch ganz erheblich. Rechnet man hierzu die großen Kosten, die Reich und Bundesstaaten zur Herstellung von Arbeiterwohnungen aufgew. i« bet haben, so kann man stch einen Begriff davon machen, wieviel Millionen jährlich nur von Reichs und Staats wegen für die Wohlfahrt der Arbeiter ausgegeben werden. Der von den So­zialdemokraten vik^geschm^hteGegenwarts- staat" ist also inbezug auf die Arb"'terfürsorre doch wohl recht rührig und leistungsfähig. Das

Ich fühlte am besten selbst, wie zutreffend diese Kritik war obwohl me'n Vater sie nicht gelten lasten wollte. Wie schon früher, ver­suchte meine gute Mutter auch jetzt, auf meine Bitte, ihn umzustimmen, mich nach Hause zuruck- kehren zu lasten. Verliebens! Wie vorauszu- kehen war, berief er sich auf die hohen Kosten, Die er nicht umsonst aetragen haben wollte, zu­mal nach dem bisheriacn, Erfolg verheißenden Ergebnis meiner Ausbildung.

So setzte ich also meine Studien fort, dock noch ohne jene Hingabe, die zum rechten Gelin­ge "'ich gewesen wäre.

Rack weniaen Monaten, in der Wintersaison des letzten Jahres, trat ich in einem Konzerte unserer Landeshauptstadt auf. Der Verlauf jenes Abends würde für meine Zukunft entschei­dend fein, hatte man mir getagt, und mit großer Banaiokeit, die ich nur schwer zu beherrschen vermo^>te. erschien ick vo- asönicwden, verwöhnten Publikum der Großstadt im Konzert- saal. Was ich gefürchtet hatte, trat ein: Mein Auftreten bedeutete einen völliaen Mißerfolg. Das Publikum verhielt stch kühl, die strenge Kri­tik der vielgelesenen Blätter aab mir nur knappe Mittelmäßiakeit, die allenfalls an eine dank­barere Zuhörerschaft in der Provinz, doch nicht hier sich Hervarwagen sollte.

Bedauernd und achselzuckend legte der Ver­treter der Konzertaaentur mir diese Rezensionen vor. Ach, ich wußte es allein und ohne dies, daß eine künstlerische Laufbahn mit verschlos­sen blieb.

Nicht so mein Vater: er sah in dem Miß­lingen nur die Folge meiner Nachlässigkeit, eines kindischen Trotzes gar, er verlangte größeren Fleiß, regeren Ehrgeiz von mit.---

Ungeachtet meiner Mutter und meiner eige­nen Einwendungen hielt er an seinem Plane fest. Dem häuslichen Leben entfremdete er sich

Bißchen" Sozialrcform, das den in deutscher N^chs- und Staatsbetrieben beschäftigten Ar» beitem zugute kommt, ist also doch wohl nicht z« verachten.

DieAuspowerung" der Arbeiter durch

Sozialdemokratie.Die Sozialdemokratie sucht im Wahlkampfe aus zwei Behauptungen möglichsten Nutzen zu ziehen, einmal aus der. daß die auch von ihr nicht zu leugnende Besse­rung der Lebenshaltung der Gesamtheit der Reichsangehörigen bei den breiten Schichte« nicht zu finden sei, und aus der, daß die Reichs und Staatssteuern gerade die Arbeiterschaft zu drücken geeignet seien. Mit diesen Behaup­tungen wird die Sozialdemokratie im Wahl­kampfe um so lieber operieren, als sie geeignet sind, die breiten Masten zu erregen und auf di«, sozialdemokratischen Leimruten zu locken. Und doch treffen beide Behauptungen nicht zu. Der beste Beweis für das Gegenteil liegt in der Sozialdemokratie selbst. Es ist n o t o r i s ch und durch Zahlen vielfach belegt, daß die Arbeiter ganz gewaltige Summen jährlich an die sozialdemokratischen Kassen a b f L h r e n. Gewiß gibt ein großer Teil der Arbeiterschaft diese Summen nicht freiwillig her, der Terrorismus der von den sozialdemo­kratischen Agitatoren in allen Arbciterkrcisen und namentlich in den Betrieben ausgeübt wird,, veranlaßt auch Arbeiter, die das Geld lieber für' ihre Familie verwenden möchten, an die sozial­demokratische Patteikaffe und an die sozialdemo­kratischen Gewerkschaften Beiträge zu entrichten. Ob aber freiwillig ober nicht, diese Surn- menwerdengezahlt und zwar v o n d e n - selben Schichten, von denen die Sozial­demokratie behauptet, eine Besserung der Lebenshaltung sei bei ihnen nicht zu fin^ den. Wäre dies tatsächlich nicht der Fall, so. würde es mit vollem Rechte auf die Aus­powerung durch sozialdemokra­tische Steuern zurückzuführen sein. Run ist aber, wie der Augenschein lehrt, das Gegen­teil richtig. Man braucht doch nut die Kleidung und die Wohnungen der Arbeiter bet Gegen­wart mit denen der Vergangenheit zu verglei­chen, um die Besserung bet Lebenshaltung fest-' zustellen. Also nicht bloß diese ist erfolgt, die Arbeiterbevölkerung erübrigt trotzdem soviel daß sie der Sozialdemokratie noch gewaltig» Summen in den Schoß werfen kann, von denen! d'r Agitatoren leben. Und wie verhält es sich! mit dem besonderen Druck der Reichs- und! Staatssteuern? Von der direkten staatliche« Besteuerung sind die breiten Schichten größten­teils überhaupt befreit. Was die indirekte be­trifft, so kann sie unmöglich derart drücken, wie' behauptet wird, sonst würden die Arbeiter docH nicht diesozialdemokratischenKassei^ o ausfüllen können, daß diese Partei ür den Reichstagswahlkampf wohk Iber den reichsten Fonds verfügt. Ange- ichts dieser Tatsache ist es überhaupt ein Non- ens, von einem Stillstand, ja von einem Rück« chritt in der Lebenshaltung der Arbeiter und

mehr und mehr. Zu der geheimen Enttäuschung, di" er durch mich erlitten, kamen Sorge und Ver­druß über Mißerfolge in der Landwirtschaft und geschäftliche Verluste. In der nahen Kreisstadt verbrachte er oftmals die Nächte in Gesellschaft angeblicher Freunde beim Wein und Spiel. Seine in den letzten Jahren nicht mehr feste Ge­sundheit ging schnell bergab, und dann---

Ein Telegramm der Mutter tief mich nach Hause. Ich leistete Beistand am Krankenbette meines Vaters, versöhnte mich mit ihm und gab das Versprechen, die Mutter nicht mehr zu ver- laffen. Wir wollten das Gut verkaufen, uns in K. niederlasten. Dort würde ich durch Musik- stunden mir eine selbständige Stellung verschaf­fen müffen. Von unserem Vermögen blieb nach Ordnung aller Schuldforderungen nicht öiet, und meiner geliebten Mutter sollten Not und Sorge fern bleiben an ihrem Lebensabend.

So dachten wir Gott hat es anders be- schloffen, und ich beuge mich feinem unerforsch- lichen Ratschluffe.

Bald nach dem Tode meines Vaters trug man die Mutter zur letzten Ruhstatt auf den Kirchhof nun stehe ich ganz allein, verlasse« in bet Welt.--

Sie rang gewaltsam nach Fassung.

Und nun, da Sie alles wissen richten Sie mich nicht mehr bewahren Sie mit aber eine milde Erinnerung--leben Sie wohl?"

Statt einer Antwort ergriff er ihre Hand und hielt sie mit starkem Drucke fest. Ein kur­zes Schweigen entstand.

Fräulein Gertrud, das alles habe ich nicht gewußt, nicht geahnt Ihre Mitteilungen mußten mich überraschen, denn ich war zwei Jahre lang der Heimat fern und verlebte das letzte Weihnachtsfest, auf einer Studienreise be, griffen, in Paris . . . Eie haben Schweres, otet Ährveres erlitten", fuhr er fort,aber feien Eie