mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag 23. Dezember 1906.
Zweites Blatt.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch, UnwcrsttätS-Buchdruckerei 41. Jllhrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Das politische Wunderkind.
„An ihren „Taten" sollt ihr sie erkennen?" feinem gewandten Redner, der über parlamen- Rarische Erfahrung verfügt und einigen Anhang besitzt, wird es nicht schwer fallen, in öffentlichen .Versammlungen Beifallsstürme zu entfesseln: dergleichen Triumphe sind leicht zu erringe.!. Nicht selten aber sind solche Worthelden „Blender", deren Taten nicht den schönen Worten entsprechen, die sie mit anscheinend herzfrischer Be- geisterung in die Massen schleudern. Ihre Re- en sind vielfach ans gekünstelten Wendungen zusammengesetzt und auf den Effekt zugespitzt — auf gut Deutsch gesagt „Mache". Dies ist auch ter Eindruck, den wir von der, in der „Hess. sLand-szeftung" mit pomphaften Druck und schwelgenden! Behagen wiesergegebenen Rede Erhalten haben, mit der sich Herr Hellmut von 'Eerlach den Marburgern abermals als Rerchs- stagrkandidat präsentierte. In seinen Ausführungen hat der national-soziale Hospitant der Freisinnigen Vereinigung nichts unversucht gelassen, sich als nationalgesinnten Mann hinzu- ftellen, der treu zu Kaiser und Reich hält; denn ses waren ja Vertreter des Bürgertums und der 'akademischen Jugend, vor denen er sprach, und ■•eine Arbeiter, denen er in „rötlichem Ccwande" Hätte erscheinen müsien. So konnte er das '.„grosse Wort gelassen aussprechen", daß es eine ungeheure Frivolität sei, von ihm zu behaupten, er stünde nicht treu zu Kaiser und Reich. Worte aber sind, wie schon gesagt, billig und .stehen einem berufsmässigen Agitator in Menge zur Verfügung.
Entsprechen aber von Eerlachs Taten allenthalben seinen Worten, verdient er das Vertrauen, das er, als ob es etwas ganz Selbstverständliches wäre, für sich in Anspruch nimmt? Mm dies festzustellen, möchten wir einige „olle Kamellen", wie's bei Fritz Reuter heisst, unfern Reichstagswühlern wieder ins Gedächtnis zurückrufen. Wohl wissen wir, daß es der bisherige Vertreter unseres Reichstagswahlkreises nicht gern hat, an die wunderbare Wandlungsfähigkeit seines politischen Charakters erinnert zu werden, daß er sich in seinen Reden der Antworten auf diesbezügliche Vorwürfe stets mit eleganten Wendungen zu entziehen weiss, uns dass er eine Reihe von Presssünden, begangen in einem Blatte, für das er al» Redakteur ver- antwcrtlich zeichnete, mit der kindlichen Bemerkung abzutun beliebt, daß er — nichts davon
gewußt habe. Jedennoch wir halten jene „Er- inneru"gen" r'cht für so belanglos, als dass man sie der Vergessenheit überlassen dürfte. An ihren „Taten" sollt ihr sie erkennen, so mutz man das bekannte Bibelwort interpretieren. Die Taten des Herrn v. Eerlach als Politiker mögen dafür zeugen, ob er wirklich der Mann ist, dem die Vertretung unseres nationalgesinnten Wahlkreises im Reichstage anvertraut werden darf.
„Farbe bekennen" ist die erste Forderung, die von den Wählern an einen Reichstagskandi- bnten gerichtet werden kann und muß. Ut*b siehe, da finden wir bei dem bisherigen Vertreter Marburgs eine Buntscheckigkeit, die an das Farbsnspiel eines Chamaeleons erinnert, jener kuriosen Echse, die, wie Bruder Studio sagt, aller „fünf Vierminuten" ihre Färbung zu ändern vermag. Erst konservativ, dann christlich- und später national-sozial und schliesslich freisinnig von jenem Kouleur, die wir hauptsächlich in der Flagge des freihändlerischen Börsentums finden. Das ist doch eine artige Mauserung, mit der freilich Herr v. Eerlach leider nicht ganz allein steht; denn sein politischer Freund, der Pfarrer a. D. Naumann hat ziemlich denselben Entwicklungsgang durchgemacht und ein dritter, Herr Maurenbrecher, ist sogar im Schoße der Sozialdemokratie gelandet. Aber Herr v. Eerlach wird vielleicht einwenden, dass man trotz alledem gut reichs- und kaisertreu sein könne. Allein im Jahre 1903 war v. Eerlach der Verfechter einer liberal-sozialdemokratischen Verbrüderung und empfahl auch später, nach dem Vorbilde seines Freundes Naumann/) dessen er öfters in seinen Reden gedachte, im Falle einer Stichwahl das Eintreten für den Sozi als das kleinere Liebel, sodaß man ihn scherzhaft als adeligen „Genossen" im Bürge, rocke bezeichnet hat. Man sollte meinen, dass ihm dieser Liebesdienst für die „Roten" den Dank und die Anerkennung der „Genossen" eingetragen hätte. Allein dem war nicht so: die „Eenossen" trauten ihm miß und belegten ihn wegen seiner aufdringlichen Anbiederungsversuche in ihren Organen mit dem anmutigen Titel eines „politischen Leichenfledderers", ja das Hauptorgan der Sozis der „Vorwärts" widmete Herrn v. Eerlach, den unermüdlichen Verfechter einer liberal-sozialdemokratischen Verbrüderung folgendes Sprüchlein: „In befriedigter Ruhe sitzt nun der literarische Kabarettist in seinem Logensitz und hält — sich für einen großen Politiker. Ist aber nichts weiter, wie ein kindisch herausgeputzti.r eitler Schwätzer, der aus der Politik ein zier
*) Ein Komet also, welcher sich von einem anderen Jrrsterne Licht borgt!
liches Spiel machen möchte. Leider findet er keine Mitspieler."
Indessen Herr von Eerlach könnte einwenden, daß diese, ehrlichen Männern bedenkli,,en Seiltänzerkünste nur taktische Massnahmen gewesen seien, um zu seinem Ziele, zu einem Reichstagsmandate zu gelangen, daß er aber sonst sich leis voll und ganz und aus festester Ueberzeug- ung als reichstreu und kaisertreu erwiesen habe. Dann hätte aber Herr v. Eerlach in seiner Eigenschaft als Chefredakteur des famosen Demokratenorgans, der Ullsteinschen „Berliner Zeitung" sich als nationaler und reichstreuer Schriftleiter bewähren und dadurch viel Gutes stiften können. Dem aber ist nicht so gewesen! Ein liberales Blatt, die „Weier-Zeitung' der Herr von Gerlach wohl schwerlich den Vorwurf gehässiger Entstellung machen konnte, beschäftigte sich in ihrer Ausgabe vom 12. Februar 1904 mit dem Chefredakteur v. Eerlach und schrieb Folgendes:
„Die sozialdemokratische Poesie in den von ehemaligen National,sozialen, jetzt Freisinnigen redig'erten Blättern stark steigende Wut in allen Kreisen, nicht nur in freisinnigen, obwohl diese am empörtesten sind, weil jene Hetzpoesie in ihre Reihen verpflanzt ist. Uns wird abermals ein Schnndgedicht aus der Berliner Zeitung des Herrn von Eerlach ein« gesandt, zwar sckon vom 24. Januar, aber es ist noch nicht zu spät, es an den Pranger zu stellen. Das Gedicht heißt „Briefwechsel zwischen einem Herero und dem Feldwebel Müller." Der Herero schreibt: (Nun folgt eine idyllische Schilderung des früheren Naturzustandes.) Dann geht es weiter. (Wir zitieren jedoch nur einen Teil der abscheulichen Verse):
Da ward — zu unserm Missvergnügen — Die deutsche Flagge hier gehisst — Wir sagten uns: „Man muss sich fügen Da es doch nicht zu ändern ist!"
Nun dröhnte durch die stillen Hügel Der laute Ton des Flintenknalls —, Wir Männer, wir bekamen Prügel Und unsre Frauen ebenfalls.
Beschützt, beschirmt vom dsullchen Rare Ertrugen wir so manches still;
Wir tauschten für Euano-Ware Den importierten, strengen Drill. Ist gar so sträflich die Bestrebung Zu der ein Freiheitsdrang uns riet? Denn national ist die Erhebung, Die sich in unserm Stamm vollzieht! Wir wollen Herr'» sein auf den Fluren, Wir buben jetzt die Knechtschaft satt! Was taten andres denn die Buren, Die Deutschland so bewundert hat?
Feldwebel Müller schreibt:
Auf bet, wat du hier hinjekleistert, Erwidert dir mein hoher Mund: Ick bin janz kolossal bejeistert, Hast du 'ne Ahnung — schwarzer Hund? Dank' deinem Schöpfer uff den Knien, Det ick mir noch nich einjeschifst, Bin ick erst mang die Kolonien, Paß uff, wenn dir bet Müller triffti Det is nu meine höchste Wonne, Mnd davor jeb' ick fern mein Blut: Den Schimpf von Forbachs Trainkolonne Den mach' ick bei die Wilden jut!
Ick zeige mir in meinem Jlanze Und schimpfe in dem Schutzgebiet Det selbst mit einjeklemmten Schwänze Der Löwe in die Wüste flieht.
Ick packe dir an deine Kehle,
Det man dir schrei'n hört bis Berlin, Denn schwarz is deine Kaffernseele Wie Webers Trauermajazin.
Das Machwerk ist unterzeichnet: Der Rolank von Berlin."
Eine solche Hetzpoesie wirkt besonders empörend in dem Augenblick, wo unsere Mannschaften, in gewissem Sinne die Elite der Nation, freiwillig heröeigeeilt sind, um das Lebe» unserer Landsleute in Südwestafrika gegen di< Rohheit der Wilden zu schützen.
Wir fragen: ist die Gemeinschaft mit de« Veranstaltern einer solchen Hetzpoeste noch aufrecht zu erhalten?"
Daß Herr von Eerlach sich als Meister auf der Schwippjchaukel bewährt hat,- ist schon von uns berührt worden. Ein drastisches Beispiel politi- siher Vielseitigkeit aber hat er sich im Juni 190-1 geleistet. Damals erschien in den beiden Zeitungen des Herrn v. Gerlach, in jener schon et» i wähnten sozialliberal-demokratischen „Berliner \ Zeitung" und in det Hessischen Landeszeitung'' i hietselbst ein Bericht über die Frühjahrsparad« bet Berliner Garnison, der von der „Oberhesf. Ztg." in der Fassung beider Blätter wiederge- geben wurde. Während der Bericht in dem Marburger national-sozialen Blatte durchaus loyal gehalten war, hatte die „Berliner Ztg." den ihrigen mit boshaften Ausfällen gegen dasdeutscheHeer gewürzt, und hatte außerdem in einem von hämischem Geifer et- füllten Leitartikel die Einrichtung der Truppenschauen in den Staub gezogen.
Wit geben im Folgenden die Kraftstellen wieder:
„Wo kommen nut alle die Menschen her? Woher die vielen Leute, die an einem Wetk-
f (Nachdruck verboten )
Heimkehr.
Eine Weihnachtserzählung von Hans Albrecht-Cassel.
Ein hellet Wintertag ging zu Ende.
Auf dem verschneiten, einsamen Waldwege -lagerten bereits die Schatten bet Dämmerung und trieben einen rüstig dahin schreitenden Wanderer zur Eile an.
Es war dies ein hochgewachsenet, schlanker Mann, der Ausgangs der 20er Iahte stehen mochte. Sein von einem blonden Vollbart umrahmtes Gesicht trug einen ebenso geistvollen, wie gewinnenden, ftenndlichen Ausdruck, und die gewiss sonst blassere Färbung dieses Antlitzes, das den Gelehrten sofort verriet, hatte det rasche Gang in der Winterkuft gerötet. Et trug einen Reisemantel, weichen, breitrandigen Filzhut, und während sich die Rechte auf einen derben Stock stützte, trug er mit der Linken eine Gepäck tasthe.
„Es wird früh Nacht und der Weg von der Bahnstation ist weit", sprach er vor sich hin, „gut, daß ich bald am Ziele bin — bei der Mutter und daheim!"
Er lächelte glücklich vor sich hin. Ja, ein Wiedersehen bei Heimat ist so schön! llnd wenn man sich dort von treu liebenden Herzen erwartet weiss, wenn man am Weihnachtsabend die Mutterliebe noch sein eigen nennt und durch diese beglückt werden rann — o Menschenherz, wie reich bist du, und hätte dir die Welt, das Leben viel geraubt — wenn du noch eine Heimat hast!
Die dunklen Stämme des Hochwalds lichteten sich und rief atmend trat nun der Wanderer hinaus an den Waldesrand. Wie in stille Andacht versunken, blieb er stehen.
Sind) langer Trennungszeit sieht er sie wieder: Das liebe Waldtal und fein Heimatdorf!
Inmitten der rings emporstrebenden Berge .liegt es eingebettet in Eis und Schnee, und eng
schmiegen sich die Häuser und Eehöfte an das alte, verwitterte Dorfkirchlein, das hoch empor- steigt über sie alle und ernst und mahnend gen Himmel weift. Und plötzlich schweben feierliche Klänge zum Einsamen dort droben am Hochwaldsaume hinauf — ernst, und doch so mild und friedenroll — man läutet das Weihnachtsfest ein. . . .
Und Jener breitet bei dieftm Clockenklang wie in seliger Freude die Arme aus, als wolle er bas Bild der Heimat mit all seiner Liebe und seinem wonnigen Frieden, mit den Erinnerungen an Vaterhaus, Kindheit und Jugend umarmen und es nimmer lassen. — Sein Blick sucht ei t Häuschen, dicht bei der Kirche — ja, dort zeigt es sich mit feinem spitzen Giebel, und einige erhellte Fenster blinken hinaus in die sinkende Nacht. Dort steht gewiß bereits die alte Mutier, des Sohnes wartend, am festlich geschmückten Tannenbaum — dort wird er sie in kurzer Fri-t liebend ans Herz ziehen können und mit if'r fröhlich fein, wie einst, in den Tagen der Kinderzeit. Er ist ja ihre ganze Freude, ihr Stolz, ihr Liebstes auf der Welt, seit der Vater starb! Und in der Brust wallte es ihm heiß empor, und in feuchtem Glanze schimmern seine Augen — o du unersetzliche, unendliche Mutterliebe! . . .
Er wandte sich zürn Geben. Schnell schritt er auf wohlbekanntem Pfad die Höhe hinab.
Auf halbem Weoe zum Dorfe hin befand sich hier eine Ruhebank, und unwillkürlich wurde ihm die Erinnerung daran wach, daß er einst an dieser Stelle den schönsten Traum von Jugend und Glück geträumt. Hier hatte er einst mit seiner früheren Spielgefährtin, der einzigen Tochter des reichen Erosshofbauern, das Versprechen der Siebe und Treue fürs Leben getauscht. Es war an einem sonnigen Maientag — der Vögel Sang ertönte rings von blüten- schwsren Zweigen und im goldenen Sonnen- glanz lachte die Welt. Vorbei war alles, verschwunden wie jener sonnige Frühlingstag!
Er hätte es so gut, so ehrlich und treu mit
Gertrud Welbner gemeint! Als leine Gattin heimsühren wollte er sie, sobald es ihm gelungen, nach Beendung seiner Studien eine feste Anstellung zu finden. Und nun, da das so heiß erstrebte Ziel erreicht, da er als Bibliothekar im Dienste des Staates eine sichere Lebensstellung sich errungen, hatte Gertrud längst sich von ihm gewandt.
Er lächelte bitter. Des MädLens Vater mar ja nicht nur ein reicher, sondern ein hochmütiger, rücksichtsloser Mann — bet arme Lehrersohn war ihm gewiß für sein einziges Kind zu gering! Der Alte hatte hochfahrende Pläne mit seiner Tochter im Sinn, und da sie schon als Kind große Begabung für Musik und Gelang gezeigt, so hatte er sich's in den Kopf gesetzt, aus ihr eine Künstlerin werden zu lassen.
Was wusste bietet Mann non den Dornenwegen der Kunst, von den Kämpfen, die es kostet, bis wenige Auserwählte hinauf gelangen zur umstrittenen Höhe des Ruhmes, der Ehren! —
Man brachte Gertrud in eine vornehme Pension der Provinzstabt, und ihre Ausbildung wurde einer berühmten Künstle'' - ~twer traut. Damals erhielt er einen Abschied s von Gertrud. Sie bat ihn um Verzeihung, da sie dem Willen ihres Vaters in Kindespflicht folge. Welt und Leben würden sie und ihn vielleicht die Hoffnungen bet Jugend vergessen lassen. Vielleicht! Nur zürnen möge er ihr nicht.--
Seit jener Zeit waren Jahre vergangen. Er hatte Gertrud Welbner nicht roiebergefeben. Dann erfuhr er aus einem Briefe feiner Mutter, bass Gertrud nach Hause zurückgekehrt sei und ihr Vater auf ben Tob erkrankt darnieder liege. Und im letzten Briefe schrieb ihm die Mutter, baß sie ihm bei seiner Ankunft zum Weihnachtsfeste vieles zu erzählen habe, denn in der Heimat habe sich mancherlei geändert. ...
Wie ost hatten sich seine Gedanken seitdem mit Gertrud beschäftigt! Immer von neuem drängte sich die Erinnerung an eine Zeit glückseliger Wonne, froher Zukunftshoffnung fernem
©eiftc auf. Er konnte sie nicht leicht vergessen, wie man etwa einen reizvollen Traum veraißt...
Unter solchen Betrachtungen hatte der Wanderer sich der Bank genähert, und betroffen, fast erschreckt hemmte er plötzlich den Schritt.
Neben jener Bank stand eine in tinee Schwarz gekleidete weibliche Gestalt, unbeweglich wie in tiefes Sinnen versunken. Schmerz« volle Betrachtungen mussten die Ernsame bewegen denn sie hielt ein Tuch vor das Antlrh gevresst uno cs klang dem Ankömmling am ‘'alb unterdrücktes Schluchzen entgegen. Dre offenbar sorgfältig gewählte Kleidung von städtischem, modischen Schnitt, welche die ebenmässige Figur jener Unbekannten umschloss, ließ ihre Grfc^ei= nung an diesem Orte und zu dieser Stunde noch befremdlicher sei«.
Mit artigem Grusse trat et naher. Hastig wandte sie sich ihm zu — und ein jähes Erkenne» durchzuckte ihn beim Anblick dieses unmutigen, blassen Mädchengesichtcs.
„Gertrud!" rief er halblaut. „FräuleinWelb- neJ ,
Dis Angerufene erkannte ihn sogleich. Der starre Blick, den sie auf ihn gerichtet, suchte den Boden, in tiefen, langen Atemzügen hob un» senkte sich ihre Brust. Wie eine Schuldbewußte stand sie vor dem Manne, und leise, tonlos gas sie zur Antwort:
„Ta, ich bin's ... <5le haben sich nicht ge* täuscht, — Herr Franz Kelburg?"
Er war zu ihr herangetreten.
„Ein seltsames, unvermutetes Wiedersehen, sagte er, und tiefe Bewegung klang in seiner
„Sie tragen Trauerkleldung", fuhr er fort „Ist Ihr Vater ..." ..... t
„Ja, mein Vater starb! Und Ich — ich habe nun auch keine Mutter mehr! ..." ;
Wie ein wilder, verzweiflungsooller Auf-j schrei brach» von ihren Lippen. Ein heftig« Beben durchflog ihren Körper und Tränen perlten auf ihren Wangen. (Schluß folgt.), ;