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Jß. 299
Airrtcljährlicher Bezugspreis; btt per Edition 2 Mb, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).
ZnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfz.
Rcclamen: die Zeile 80 Pfg.
Marburg
Sonnabend. 22. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag- Joh. Aug. Koch, UmversttLtS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
41. Jahrg.
Zweites Blatt.
MarLursi und Ningrgend.
^Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 btl üirheberrechtS nur nvt der deutlichen Quellenangabe ‘ »Oberhess ytg.“ gestattet)
Marburg, 21. Dezbr.
- * SonLer-Personenzüge. Zur Bewältigung des um Weihnachten und Neujahr eintretenden verstärkten Reiseverkehrs werden im Bereiche des Eisenbahndirektionsüezirk Cassel in den Tagen vom 22. Dezember 1906 bis 2. Januar 19C7 eine Reihe Sonder-Personen-üge gefahren und zwar auf den Strecken Elze-Göttingen-Cassel, Bestwig-Cassel, Cassel-Bebra, Cassel-Marburg, Cassel-Sangerhausen, Soest-Holzminden, Holz- ininden-Seeien und Amalienhütte-Marburg. Diese Vorzüge halten auf denselben Stationen wie die Hauptzüqe und werden inbezug auf Fahriarten wie die Hauptzüge behandelt. Die Reisenden werden dringend ersucht, diese Vorzüge zu benähen und darauf aufmerksam gemacht, das; diese Vorzüge die Anschlüsse auf den Aeberganasstationen sicherer erreichen, als die naonolaerlden f>auvtzüge. Die genauen Ab- fahrts- und Ankunftszeiten sind aus den auf den Stat'^en ausgehänaten roten Bekanntmachungen ersichtlich. — Die sonst nur Montags und an den Tagen nach Festtagen verkehrenden Arbeiterzüge fallen cm Montag, den 24. Dezember, ci;5, verkehren jedoch am Donnerstag, den 27. Dersmber 1906. Die Werktags verkehrenden Züge fallen nur am Dienstag, den 25., und Mittwoch, den 26. Dezember, aus.
# Geflügelzucht. Auf der Eeflügel - Ausstellung in Dillenburg erhielten folgende Ge- flügelzüchter Auszeichnungen: Euischmidt, Marburg 1. Preis auf weiße Italiener) H. Kraus, Goßfelden 1., 3. und 4. Preis auf weiße Wyan- dottes.
* Falsche Zwanzigmarkstücke sind anläßlich des Weihnachtstrubels in Berlin in den Verkehr gebracht worden. Die Stücke sind aus vergoldetem Kupfer hergcftcllt und tragen das Bildens Kaiser Wilhelms IL nebst der Jahreszahl 1889; die Randumschrift „Gott mit uns" ist gepnnzt. In der Ausführung sind Kaiserbildnis, Zahlen und Schrift vorzüglich gelungen, doch find die Falschstücke von den echten Goldstücken sehr leicht am Gewicht zu erkennen. Die echten Zwanzigmarkstücke wiegen bekanntlich je 8 Gramm, die Falsifikate dagegen nur die Hälfte.
* Marburger Märkte. Die Märkte der Stadt Marburg sind für 1907 wie folgt bestimmt: 4. Februar, 25. Mürz, 1. Mai, 2, Juli, 1. Oktober, 19. November und 31. Dezember Krammarkt und 21. März und 12. September Pferdemarkt; 21. Februar. 14. März, 18. April, 16. Mai, 20. Juni, 11. Juli, 8. August, 5. September, 10. Oktober und 28 November Schweinemarkt.
* Durchschnittspreise für Hafer, Heu und Stroh. Das Amtsblatt der königlichen Regierung bringt folgende Nachweisung der für die Lieser- unasverbände des Regierungsbezirks Cassel fest- gestellten Durchschnittspreise der höchsten Tagespreise für Hafer, Heu und Stroh mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für Vergütung der im Monat Dezbr. 1906 verabreichten Fourage maßgebend sind.
Bezeichnung des Liefer ungS- verbandes.
Hauptmarktort.
Durchschnittspreis pro Gentner
Hafer
Heu
M\*
Stroh
Jt\4
Stadtkreis Cassel
Cassel
9 03
2 84
2 68
Landkreis Cassel
dgl.
9 03
2 84
2 68
Kreis Eschwege
Eschwege
8 58
2 73
2 63
„ Witzenhaus.
dgl.
8 58
2 73
2 63
, Fr'hlar
Fritzlar
9 19
4 20
3115
„ Homberg
dgl.
9 19
4 20
3 15
, Ziegenhain
dgl.
9 19
4 20
3 15
, Fulda
Fulda
8 93
2 89
2 89
, Hünfeld
dgl.
8 93
2 89
2 89
» Gersfeld
dgl.
8 93|
2 89
2 89
„ Schlüchtern
dgl.
8 93
2 89
2 89
Stadtkrs. Hanau
Hanau
9 35
3 54
312
Landkreis Hanau
dgl.
9 35
3 54
3112
Kreis Gelnhausen
dgl.
9 35
3 54
3 >12
, Hersfcld
Hersfeld
8 40
3 41
315
, Hofgeismar
Hofgeismar
8 91
2 70
2 !48
„ Wolfhagen
dgl.
8 91
2 7(
2'48
, Marburg
Marburg
8 66
3 15
2 63
, Kirchhain
dgl.
8 66
3 15
2 68
, Frankenbg.
dgl.
8 66
3 15
2;63
, Rotenburg
Rotenburg
8 67
2 89
2 49
, Melsungen
dgl.
8 67
2 89
2 49
„ Rinteln
Rinteln
8 93
3 15
2 36
. Schmalkld.
Schmalkld.
9 98l
3 68
3 15
Bauerbach, 20. Dez. Vor einigen Tagen war ein höherer Beamter der Oberpostdirektion Cassel im hiesigen Orte, zwecks Besichtigung des Terrains zur Telephonanlage. Sicherem Vernehmen nach soll die Leitung im nächsten Frühjahr gebaut werden, was mit Freuden zu begrüßen ist.
□ Dagobertshausen, 19. Dez. Gestern fand dahier eine größere Treibjagd statt, wobei erlegt wurden 6 Stück Rehwild, 16 Hasen, 1 Fuchs und 1 Haselhahn.
Rauschenberg, 17. Dez. Zum Bezirksfchorn- steinfeger für den Kehrbezirk Marburg wurde Schornsteinfegermeister Henkel Hierselbst bestellt, t Amöneburg, 20. Dez. Unsere Kleinen, die die Bewahr-Anstalt der barmherzigen Schwestern besuchen, werden am nächsten Sonntag nachmittags 5 Uhr das Weihnachtsspiel „Geburt Christi" zur Aufführung bringen.
+ Momberg, 20. Dez. Herren von Marburg und Neustadt hielten gestern im hiesigen Wald und Feld eine größere Treibjagd ab, die ein günstiges Ergebnis lieferte. Zur Strecke kamen 1 Rehbock, 7 Rehe und 29 Hasen.
X Laasphe, 19. Dez. Bei dem Bahnbau Freudenberg-Rothemühle ging ein Schuß zu früh los. Ein Arbeiter blieb sofort tot, zwei wurden lebensgefährlich verletzt.
Heffm-Nasiau und Nachbargebiete.
Homberg, 18. Dez. Der Kreistag hat be- fchlossen, daß zur Bestreitung schon erwachsener und in nächster Zeit zur Auszahlung gelangender Ausgaben der Rest der noch 1906/07 zu erhebenden Kreisumlagen mit 37% Prozent der Staatssteuer erhoben werde. Die Beträge müssen binnen drei Wochen der Cemeindekasse entnommen und an die Kreiskommunalkasie ab« geführt werden. Höchstbeträqe zahlen die Städte Homberg mit 1085,19 Jl und Borken mit 326 M. wahrend die Orte Niederavpenfeld nur 5,65 «M. und Hergesfeld nur 9,45 M zahlen. — Die das gan-e hindurch in unserem Orte herrschende Rotlaufseuche der Schweine will nicht schwinden, ja man darf wohl getrost behaupten, daß sie eher zu- als abnimmt. Die Fleischpreise sind etwas beruntergegangen.
Cassel, 19. Dez. Wieder eingeliefert wurde in das hiesige Untersuchungsgefängnis im Laufe des gestrigen Tages der wegen Mordes an dem 12jährigen Schulmädchen Martha Ebenau unter Anklage stehende Gelegenheitsarbeiter Augult Mai. Der Eingelieferte hatte bereits am 18. Oktober vor dem hiesigen Schwurgericht gestanden, um sich wegen des ihm zur Last gelegten Verbrechens zu verantworten. Er hatte sich in dieser Sitzung bekanntlich dermaßen geberdet, daß das Gericht auf da» Gutachten des Kreisarztes Medizinalrats Dr. Heinemann hin beschlossen hatte, den Angeklagten zur Untersuchung seines Geisteszustandes 6 Wochen der Landesirrenanstalt zu Marburg zu überweisen. Dem Vernehmen nach ist der Angeklagte auf Grund der Beobachtungen in Marburg Seitens der gerichtlichen Irrenärzte für zurechnungsfähig erklärt worden. Man wird also nicht fehlgehen in der Annahme, daß der Mordprozeß gegen Mai in der nächsten Schwurgerichtsperiode im ersten Vierteljahr des Jabres 1907 zur abermaligen Verhandlung und Aburteilung gelangen wird.
Carlshafen, 18. Dez. Eine Frau W. in Her- stelle, deren Mann in einer benachbarten Holzfabrik arbeitete, hatte diesem, um ihn los zu werde, Pbosphor in das Mittagessen gemischt. Als der Mann nach dem Genuß Schmerzen verspürte, begab er sich sofort ins Krankenhaus nach Beverungen, wo durch Gegenmittel weitere Gefahr abgewandt wurde. Der Staatsanwalt bat die Sache in Händen.
Hanau, 18. Dez. Das in der letzten Zeit viel genannte Ehrengeschenk des deutschen Kaisers a« den Papst Leo XIII. zum 50jährigen Bischofs- Jubiläum desselben war ein kostbarer Bischofsring mit wertvollem Steinschmuck. Dieses Ehrengeschenk wurde im Januar 1893 in Hanau von der Bijonteriefirma Eebr. Schatt ausgeführt, die Gravierung besorgte die Firma Vaumgardt u. Killmer in Hanau. Der Ring war int Charakter des 18. Jahrhunderts gehalten, für di« Gestaltung im allgemeinen waren die Kunstfor- men der Fredericianischen Zeit zugrunde gelegt, da sie mit dem Schliffe des in Betracht kommenden Brillanten am besten zu vereinigen waren. Um den Ring mit dem Anlaß feiner Stiftung bleibend zu bezeichnen, wurden die Abzeichen der kaiserlichen und päpstlichen Würde, sowie di« Namenszüge des Stifters und des Empfänger« um den Kern der Fassung angeordnet. Die Fassung des sehr wertvollen Brillanten von 18l,/M Karat bestand aus fein ziseliertem, schrLgliegen- dei.r Blattwerk in Eelbgold, die umgeschlo"-— Ränder der Blätter faßten die Kante des r Der Ring selbst war in Rotgold gehalten, rend die Emblemen in Grüngold behandelt waren. Die Schönheit des fehlerlosen Brillanten! war durch alle Mittel einer kunstverständige^ Fassung zur höchsten Wirkung gesteiaert.
Ulfa bei Nidda, 18. Dez. Endlich ist di« Spannung, die schon über 14 Tage die Gem'"-' der hiesigen Einwohnerschast in größter Aufregung erhält, gewichen, und das rätselhaft« Verschwinden des Schmeinehändlers Georg Hofmann aufgeklärt. Waldarbeiter fanden Hofmann im Harbwalde zwischen hier und Borsdorf erhängt in einem Fichtendickicht, nicht weit von der Straße Hungen-Ridda. Man fand bei der Leiche noch die Uhr und in der Tasche f-r- 31 Mark. Rett'buch und Brieftasche wurden vom Gericht mitrrenommen. Von Geld wurde außer jenen 81 Mark nichts entdeckt, weder in der Täschchen, obwohl nachgewiesen ist. daß Hofmann in Frankfurt einige Tausend Mark einkosstert hat. Trobdem liegt sicherlich Selbstmord vor, den der Bedauernswerte in einem Anfall von Schwermut begangen hat. Trotzdem aber müßte darüber ?r»?«räruua apschassen werden, wo di« Barmittel, die der Tote in der Brieftasche trug, und der neue Geldbeutel, den Hofmann bei sich führte, hinaekommen sind. Der Unalü-ksiche fiat sich — wie bis jetzt festgestellt ist — durchaus keiner Veruntreuungen schuldig gemacht, wie bisher angenommen mu^-de Mafil bat sich bi« ießt eine bedeutende Schuldensumme berausaestellt. doch steht dieser ein noch größeres unbelasteter Vermögen in Grundstücken und Ausständen aeaenfificr. kwfmann wurde beute beerdiat; über das Vermögen Hofmann ist der Konkurs erklärt worden. fFranf. Gen.-Anz.j
Gedenket der Vöglein! Laßt sie nicht verbunaern!
Verantwottlich für die Redaktion: Dr. Johannes Otto in Marburg.
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