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und Kirchhain. -
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Marburg
Sonnabend 22. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Nerlag' Joh. Aug. Koch, Unlversrtäts-Vuchdmckerei 41. Jahrg.
Marvurg, Markt 2L — Telephon 55.
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jtuf die „Oberhessifche Zettnug", daS Srötzte, meiftgelcsenste und weiters reitelste Blatt Marburgs «nd her Umgegend kostet vierteljährlich nur is.2ü Mk. Inserate haben besten Erfolg.
Zur Erwiderung.
Der Wahlkampf ist eröffnet. Sofort nach der Auflösung des Reichstages sind seitens des bis- shcrigen Vertreters unseres Reichstagswahlkrei- ifes alle Vorbereitungen getroffeir worden, sich jbtts Mandat für die nächste Legislaturperiode ßti sichern, obwohl es Herrn v. Eerlach gewiß klar ^geworden ist, daß er sich durch feine Haltung im ^Reichstage in direkten Widerspruch zu den Wün- sfchen und Interessen des größten Teiles unserer Bevölkerung gesetzt hat. Trotzdem es ihm auch »nicht verborgen geblieben sein dürfte, daß ein Teil seiner ursprünglichen „Freundschaft" mit seiner A '. Politik zu machen, unzufrieden geworden ist. Das aber verschlägt bei ihm nichts, er Mill eben das M. d. R. auf seiner Visitenkarte Leibehalten und all die Ehren und.pekuniären Vorteile genießen, die neuerdings ja mit dem jSftnre eines Reichstagabgeordneten verknüpft -sind. So sehen wir ihn denn eifrig bei der Arbeit, durch agitatorische Künste das wettzumachrn, Mas ihm dazu fehlt, die Herzen und Stimmen Jim Sturme zu erobern. Daher die pomphaft an- ,gekündigte Wahlversammlung, die durch die Witz- Legier der studierenden Jugend so starken Zulauf «hatte, daher auch der in echt Berliner Reklamestil gehaltene Bericht in der, ihm von seinen Auf- -traggebern zur Verfügung gestellten Zeitung? -Diesmal präsentierte sich Herr v. Eerlach offen ials das, was er schon lange vorher gewesen, als ^Vertreter des Berliner Vörsenfreisinns, von dem er ja seiner Zeit aufgeboten worden war, den diesen Herren unbequemen scharf - nationalen iWettersturm zu beschwören, der aus dem Hessen- jlands hervorbrauste. Durch seine glatte Dialektik und durch die geschmeidige Art seines Wesens, !mit der er der politischen Richtung aller Wähler
nicht zum wenigstens den Sozialdemokraten — Rechnung zu tragen wußte, war es ihm denn <tudj unter kluger Benutzung der Uneinigkeit
85 lNachdruck verboten.)^
Ueber alles die Kunst.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung).
Sir liebte ihre Mutter nicht, konnte sie nicht lieben, noch mehr, in ihrem Herzen regte sich ein Gefühl. wovon sie sich schaudernd abwandte. War es Haß, war cs Verachtung? Konnte ein Kind solche Gefühle gegen die eigene Mutter hegen? War das möglich, war das nicht sündhaft? Wie schwer kämpfte sie mit diesen Gefühlen! Mit dem Aufgebot aller ihrer Kraft suchte sie dieselben zu besiegen. Vergeblich! Wenn sie ihre Mutter an der Seite dieses Nemethy dahin- schreitsn sah, schön, heiter, glänzend, wenn sie beobachtete, wie heimlich rasche Blicke des Einverständnisses zwischen ihnen gewechselt wurden, bann wallte es in ihr auf und ihr war, als wüßte sie vor Abscheu ersticken. Wenn dieser Mann nicht in ihrer Nähe wäre, der Verderber ihrer Mutter, der Mörder ihres Vaters, sie könnte vielleicht vergessen und vergeben. War's doch immer die Mutter! Aber so, es' war stärker als sie, sic fühlte, daß sie an diesen Qualen zugrunde gehen müsse, und manchmal war ihr's, als wäre der Tod ihre einzige Rettung. Lieber sterben, als so weiter leben! Zum Ekel war ihr gestern wieder dieses aufgedrungene Fest geworden. Sie hatte es dulden müßen daß Sta- Nislas Kaminski sie zu Tische führte, daß er mit jihr in einer abgeschlosienen Laube allein den Kaffee einnahm. Und dann die faden Schmei- icheleien, die sie anhören mußte, die Blicke, mit Jbcnen er sie anzusehen wagte, die Seufzer, die er ausstieß! Immer näher war er ihr gerückt, sodaß sie sich seiner Berührung fast nicht entziehen konnte. Und war's vielleicht auch nur ein Handkuß gewesen, den er beabsichtigte, es hatte sie gedünkt, als nähere sich ihr ein häßliches Reptil, vor dessen kalter Berührung sie zurückschauderte. Sobald sich die Gelegenheit bot, war sie aufgesprungen und hatte sich in ihr Zimmer geflüchtet.
Sie war nicht wieder zu der Gesellschaft zu- tiüfadeütLunb man batte fie aewähren lassen.
der Wähler gelungen, den Wahlkreis Böckels zu erobern. Wenn er nun jetzt, wo er sich offiziell als „Liberaler"präfentiert, alle umschmeichelt, die in ihrem Herzen einen liberalen Zug verspüren, so kann man's vielleicht wieder erleben, daß er auch anderen politischen Gruppen ein „Dienerchen" macht und bei etwaiger Stichwahl den „Genossen" um den Bart geht, deren Empfindungen er ja in früheren Wahlversammlungen dadurch zu schonen suchte, daß er das Kaiserhoch auszubringen unterließ, das am Mittwoch von Seiten des Vorsitzenden des national-sozialen Vereins in patriotischer Weise ausgeöracht worden ist.
Was aber die Anulkung des „Oberhesien" in der Rede des Wahlwerbers anlangt, so kann von der Oberhessifchen Zeitung nicht wohl verlangt werden, daß die Mitglieder ihrer Cchriftleitung Herrn v. Eerlach zur Belebung seiner Versammlung dienen, der Oberhesie aber, nämlich der Oberhessische Bauer wird am Tage der Wahl schon Abrechnung halten mit dem Vertreter jener politischen Richtung, die den Freihandel als unbedingte Notwendigkeit fordert und die in dem Schacher mit dem nationalen Grundbesitze, wie die gerade in letzter Zeit sich wieder häufenden Güterschlächtereien im schönen Heffenlande beweisen, keine Schädigung der nationalen Wohlfahrt erblickt.
Was uns nottut, ist ein Mann, der.nicht blos nationale Phrasen hinausschmettert, sondern auch national fühlt und handelt, und den Beweis hierfür ist Herr Hellmut v. Eerlach mit seiner Wippschaukelpolitik seinen früheren Wählern schuldig geblieben.
Der Retchslmushaltsetatsenlwurs für 1907
liegt nunmehr fix und fertig vor. Ihm zufolge is die Finanzlage des Reichs durchaus nicht rosig, trotzdonr die neuen Steuern ein beträchtliches Loch zugeftopft haben. Bekanntlich kennt das Reichsbudget kein Defizit. Diejenigen ordentlichen Ausgaben, die nicht durch Reichseinnahmen gedeckt werden können, müßen von den Einzelstaaten in den Matrikuiarum- lage» aufgebracht werden. Die letzteren sind demnach der Eradmesier für die Lage der Reichsfinanzen. Rach dem Etat für 1906 betrugen die ungedeckten, also nicht durch Ueberweisungs- steüern ausgeglichenen Matrikularbeiträge 81,8 Millionen Mark, in dem für 1907 sind sie auf 57 Mill. Mark normiert. Insofern ist der Etat für 1907 etwas bester als der für 1906, wenn auch an sich noch ungünstig genug. Bedenkt man aber, daß in den Etat fülLJOOfi als Ertrag der neuen Steuern 61,7 Mill. Mark eingestellt sind,
Aber der Nachklang dieser peinvollen Stunden hatte ihr die Nachtruhe geraubt. Jetzt fühlte sie sich müde und erschöpft.
Dennoch ließ sie sich von der Jungfer ankleiden und bat nur, das Frühstück in ihrem Zimmer einnehmen zu dürfen. Sie wünschte nicht, daß man einen Arzt hole, konnte ihr doch kein Arzt helfen, da sie ihm nicht sagen durfte, was sie krank und elend bis zum Sterben mache. Dann legte sie sich auf die Chaiselongue und nahm ein Buch zur Hand. Das war für sie die einzige und beste Kur, das erfrischte und beruhigte die aufgeregten Nerven, man lich ihr hierin den Willen.
Die Gräfin kam wie gewöhnlich, sich nach ihr umzusehen, und war zufrieden, sie bei der gewohnten Lieblingsbeschäftigung zu finden.
Ich fahre zum Louvremagazin, einige Einkäufe zu machen. Möchtest du mich begleiten?" Gisela dankte, sie fühlte sich sehr angegriffen, habe Migräne. Ruhe allein tue ihr dann gut. Die Gräfin entfernte sich, Gisela hörte ihren Wagen fortrollen. Nun brauchte sie keine Störung mehr zu fürchten. Tiefer versenkte sie sich in das ihr damals von Alfred empfohlene philosophische Werk, desten Lektüre stets beruhiaend auf sie wirkte, weil es ihre Gedanken weit über die Alltäglichkeit erhob.
Wie oft hatte sie in ihrem Innern schon Alfred gedankt, daß er fie darauf aufmerksam gemacht. In der lichten Sphäre des Denkens, das sich ihr darin erschloß badete sie ihre Seele rein von dem Staub der Welt, in der sie leben mußte.
Doch heute konnte fie sich dieser Erquickung nicht lange erfreuen, denn die Jungfer meldete Baron Nemethy, der die Komteß um eine Unterredung bitten ließ.
Was wollte er von ihr? Sie sei nicht wohl, ließ sie ihm zurücksagen. Ob der Herr Baron nicht einen andern Tag wählen möchte.
Es wäre dringend, lautete seine Antwort. Sie wagte ihn nicht abzuweisen, als Vormund hatte er das Recht, Einlaß bei ihr zu begehren. Hastig ließ sie sich ein Kleid von der Jungfer reichen und folgte zitternd der an sie ergangenen Aufforderung.
die Summe der in den Etat für 1907 eingesetzten neuen Steuern aber selbst unter Weglassung der neuen Posteinnahmen 135,4 Mill. Mark ausmacht, so wird man die erwähnte Differenz noch unter einem Gesichtswinkel betrachten müssen. Im Reichsfinanzreformgesetze vom 3. Juli 1906 ist, wenn auch nur mittelbar, zum Ausdruck gekommen, daß der Gesetzgeber als eine für die Einzelstaaten erträgliche Summe ungedeckter Matrikularbeiträge die von etwas über 24 Millionen Mark ansieht. Dieser Betrag wird im Etat für 1907 um 33 Mill. Mark überschritten, und wenn diese Millionen auch den Einzel- staaten vorläufig gestundet werden würden, so müssen die letzteren doch immer damit rechnen, daß, falls keine bessere Zeiten für die Reichsfinanzen eintreten, sie zur Zahlung des ganzen ungedeckten Betrages herangezogen werden. Dabei sind die Steigerungen der ordentlichen Ausgaben gegenüber dem Vorjahre gar nicht so beträchtlich. Bei den fortdauernden Ausgaben betragen sic 116,3, bei den einmaligen 26,9 Mill. Bei den ersteren wird aber zu erwägen sein, daß die Ausgabeerhöhungen bei der Post mit 40,1 und bei der Eisenbahn mit 7,3 Mill, durch die Einnahmesteigerungen dieser Betriebsverwaltungen selbst gedeckt werden, und daß die beträchtliche Erweiterung der Ausgaben des Reichsschatzamtes um 27,2 Mill. Mark auf die gesetzlich vorgeschriebens Deckung des Witwen- und Waisenfonds entfällt. Es bleiben also einige vierzig Millionen übrig, die in Betracht kommen. Und davon sind wieder 9 Millionen für die Deckung der Zinsen der Reichsschuld und 5,2 Millionen für den Allgemeinen Pensions- fonds bestimmt, zwei Summen, die doch auch lediglich Konsequenzen darstellen, die gezogen werden müssen. Von den übrigen Ausgabesteigerungen fallen 17,2 Millionen auf das Reichsheer und 9,7 Mill. Mark auf die Marine. Auch bei der Erhöhung der einmaligen ordentlichen Ausgaben sind Heer und Marine hauptsächlich, aber an sich in durchaus nicht sehr beträchtlichem Maße beteiligt. Man gewinnt den Eindruck, als ob an den vorgenannten neuen Abgaben beträchtliche Abstriche nicht werden gemach! werden können. Und trotzdem die unerträgliche Belastung der Einzelstaaten mit ungedeckten Matrikularbeiträgen! Man wird es demnach verstehen, daß in der Denkschrift zum nächstjährigen Reichshaushaltsetat auf die Notwendigkeit neuer Steuern aufmerksam gemacht wird. Wie alle diese neuen Steuern aussehen werden, ist nicht bekannt. Nur daß sich dabei eine Reform der Maischbotiichbesteuerung befinden wird, ist sicher. Man wird aber wohl nicht in der Annahme fehlgehen, daß seitens der Regierung Vorschläge auf diesem Gebiete noch in der laufenden Reichstagstagung werden gemacht werden. Nicht dringend genug kann davor gewarnt werden, die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben etwa durch Erhöhung einzelner
Ihre Nerven waren so gespannt, daß fie zu gereiften drohten. Aber fie beherrschte stch, sie mußte stch beherrschen. Er sollte nicht den Triumph, haben, zu sehen, wie sehr sie ihn fürchtete.
Mit der kühlen abweisenden Starrheit, die sie stets dem Baron gegenüber zeigte, emfing sie ihn in ihrem Salon. Er sah sehr ernst aus. Nichts von dem Spott, den Gisela so besonders verabscheute, lag auf seinen Zügen.
„Verzeihen Sie, Gisela," redete er sie an, „daß ich Sie belästige, aber schon lange wünschte ich eine Aussprache mit Ihnen, die bis jetzt zur Notwendigkeit geworden ist. Ihre Frau Mutter hielt mich bis heute davon zurück. Aber ich darf nicht weiter zögern."
„Es ist kein glücklich gewählter Moment'" unterbrach sie ihn kühl, „ich bin leidend und sehe mich genötigt, um Schonung zu bitten."
„Die beste Schonung für uns alle," entgegnete er, „wäre die Beendigung eines Zustandes, der von Tag zu Tag unerträglicher wird."
Sie sah ihn befremdet an. Was soll das heißen, wohin zielten seine Worte?
„Seien Sie offen mit mir, Gisela," fuhr er schneller fort. „Ich weiß gar nicht, wodurch ich Ihr abweisendes Verhalten verursacht habe, denn ich bin mir bewußt, Ihre Interessen als Ihr Vormund mit bestem Wissen und Willen vertreten zu haben; aber ich empfinde es täglich, daß ich Ihnen ein Stein des Anstoßes bin. Wollen Sie mir die Gründe sagen, die Sie zu einem solchen Verhalten gegen mich veranlassen?"
„Die Gründe?" stieß fie noch mehr erbleichend hervor. „Das fragen Sie, Baron Nemethy, Sie?"
,Za, ich, der ich den Vorzug habe, das Vertrauen Ihrer Mutter zu genießen, die mich zu Ihrem Vormund bestellt hat."
„Gerade deshalb, weil Sie dieses Vertrauen genießen," stammelte ich.
„Deshalb beehren Sie mich mit Ihrem Hasse? Seltsam!"
„Wie? Sie wagen?"
»Und warum sollte ich es nicht wagen?"
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Dez.
— Der Kaiser hörte vorgestern, wie aus Potsdam gemeldet wird, die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des General- stabs der Armee.
— Kaisers Geburtstag. Da Kaisers Geburtstag diesmal auf einen Sonntag fällt, hat der Staatssekretär des Reichsmarineamts die Verfügung erlassen, daß in sämtlichen Marinewerkstätten usw. am bevorstehenden 24. Dezember wie sonst an Kaisers Geburtstag bei voller Löhnung die Arbeit ruhen soll.
— Tod eines konservativen Reichstagsavge« ordneten. Der konservative Neichstagsabgeord- nete Rittergutsbesitzer Sigismund von Dallwitz, der seit 1893 den Wahlkreis Ostprignltz vertrat, ist gestern im Alter von 76 Jahren gestorben.
— Der Wahlaufruf der Reichspartei beschränkt stch ganz auf den der Auflösung zu Grunde liegenden Streitpunkt und sicht in de» Verhalten des Zentrums einen Mißbrauch der parlamentarischen Macht. Er fordert auf, tw diesem Wahlkampf die Meinungsverschiedenheiten. vor der großen nationalen Pflicht zurücktreten zu lassen. Auf sonstige politische Frage» geht der Aufruf nicht ein.
— Aus Südwest-Afrika heimgekehrt. Der Postdampfer „Ernst Wörmann" ist gestern Nachmittag mit 160 aus Deutsch-Südwestafrika heimkehrenden Unteroffizieren und Mannschaften an Bord in Cuxhaven eingetroffen.
— Eine zynische Unwahrheit sozialdemokratisch:- Agitatoren. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." teilt Folgendes mit: „In den gestrigem Wahlversammlungen der Berliner Sozialdemn kraten ist die Zerstörung der nationalen Gesinnung unter den deutschen Arbeitern wieder mit Hochdruck in Angriff
Einnahmeansätze, vielleicht bei den Zöllen, zm erzielen. Der Etatsansatz bei den Zöllen ist in den letzten Jahren so gesteigert worden, doch wenig Aussicht besteht dieWirklichkeit werde über die Schätzung hinausgehen. Papierne Finanzreformen sind nichts wert. Das hat man woA zur Genüge in den Zeiten zu beobachten Go- legenhett gehabt, in denen außer mit ungedecktem Matrikularumlagen noch mit Zuschußanleihe» operiert werden mußte. Die letzteren sind im nächstjährigen Etat zwar vermieden, gestundet« Matrikularumlagen sind aber auch keine schönem Finanzmaßnahmen. Jedenfalls stellt der Etat für 1907 einen ntzuen Ansporn zur Herbeiführung einer völligen Sanierung der Reichsfinanzen dar.
„Weil Eie Achtung vor dem Namen meiner Vaters haben sollten."
Er zuckte ein wenig zusammen.
„Ach, das ist's! Jetzt verstehe ich l Man hat Ihnen in Pest Gerüchte zuqetragen, Märchen, di« man sich bei jedem tragischen Ereignis zu erzählen pflegt. Sprechen wir nicht weiter davon!"
Ihre Blicke ruhten wie erstartt auf dem Antlitz des Barons. Welche Stirn mutzte er haben, ihr so entgegenzutreten, ihr, der Tochter de« Mannes, den er verraten, der um seinetwillen sein Leben verloren hatte. Hätte sie nicht mit eigenen Augen gesehen, sic hätte selbst zu zweifeln angefangen, ob nicht alles, was man sich i» Pest über ihn und ihre Mutter zuflüsterte, Vee- leumdunq sei. Aber er ahnte ja nicht, daß st» mehr wisse, als alle andern.
Nemethy war cinigemale im Zimmer auf und abgegangen. Jetzt blieb er vor ihr stehen.
„Die Tatsache bleibt also, daß ich ein Gegenstand des Hasses, des Abscheues für Sie bin, daß Sie mich weit von sich fottwünfchen."
„Ich begreife nicht —" warf sie tonlos ein.
„Ich werde mich sofort klar und deutlich erklären. Sie werden zugeben, daß die Lage, in der wir alle hier uns augenblicklich befinden unhaltbar ist. Sie selbst fühlen sich unglücklich im Hause Ihrer Mutter und Ihre Mutter krankt innerlich daran, daß fie mit Ihnen nicht die nah^ Verbindung zu finden vermag, die zwischen Mutter und Tochter einzig natürlich ist. 6td glauben nun, ich sei der Störenfried, der a»| diesem Mißverhältnis die Schuld trage. Viel« leicht haben Sie recht und ich bin deshalb hier^ um Ihnen meine Vorschläge zu unterbreite»! die eine Wandlung dieser unerträglichen Ver-i hältnisse herbeiführen könnten. Wollen Sie milch anhören?"
Er hatte sich einen Stuhl ihr gegenuberge- rückt und machte es sich bequem in demselben.! Sein dunkles Auas ruhte dabei forschend unch kalt auf dem bleichen Antlitz des jungen Mädchens, das ihm ein benommenes „ja" zunickte.
lFortfetzuna iolgt.)