merer, Zimmerleute sagte. Und daraus machte man mit der Zeit Zimbern oder (Kimbern und gewissen italienischen Patrioten hat das gan- gut in den Kram gepatzt. Vor meinen Fenstern werden Pfähle für einen Tiefbau in die Erde gerammt und die Arbeiter zählen „oans, zwoa, drei" u. s. f., aber da fährt auch schon der Gebietende, ein Gegner des Deutschtums, dazwischen: „Hier wird italienisch gesprochen!" An Sonn- und Feiertagen erkennt man so recht deutlich die Anhänglichkeit der Menge am alten Deutschtum. Da wird „cimbrisch" gesprochen, daß es eine Freude ist und niemand kanns ihnen verbieten. „Es gibt Tage, wo wir im Postamt nichts anderes als „cimbrisch" reden," sagte mir unlängst der Postmeister von Roana, auch ein biederer (Kimber.
Und für die Namenumänderung, die allmähliche Verwelschung trägt man mir alles mögliche Beweismaterial zu. Da gibts Rodighiero im Ueberflutz und woher stammt dieser Name nach Ansicht der Hiesigen? Aus Rotacker ward Not- äckero und aus diesem Rodighiero. Dies sei der Uebergang! Ich zsible dis deutschen Namen zu Dutzenden, den Santz, den Schneckle, den Tönle, den Crisch und sofort, ich höre die Bauern von ihrer Kuah reden und vom Rotz, vom Bua, vom Gerfta, vom Habro (man sieht die Verwelschung aus Hafer), ich war Zeuge, wie ein alter Kim» berngaftlvirt, der in Oesterreich viele Jahre seines Lebes verbrachte und den Oesterreichern viel verdankt, das Bild des Kaisers Franz Joseph gegen da- Ansuchen seines Bürgermeisters und des Karabinieri-Narfchalls, es von der Wand he,unterzunehmen, verteidigte: „Mein alter Beppi hat so viele Jahre dort gehangen er mag auch ferner dort hängen bleiben!" Und die beiden Prorestler mußten unverrichteter Sache abziehen und der „alte Beppi" hängt nach wie vor ruhig neben dem italienischen Königspaar. Ich meine, wir könnten dadurch noch einiges zur Erhaltung und Stärkung dieses alten Deutschtums tun, daß wir billige Schriften in seiner Mundart, ein Stück seiner Geschichte, ein kleines Wörterbuch in cimbrisch, hochdeutsch und italienisch unter dasselbe brächten. Das würde Nutzen nach hüben und drüben tragen und ohne Italien seine Bürger zu entziehen, den Hetzern den Boden wegnehmen. Ja, auch Italien würde dabei gewinnen, denn der von deutscher Kultur getragene ist immer noch der italienischen Negierung ein guter Bürger gewesen und das weiß man auch in Rom, wo man das Eimbernvolk ob seiner deutschen Tugenden hoch einschätzt. Als der arme König Humbert von Frevlerhand getötet ward, da waren es die alten „Kimbern", die sich mit einem rührenden Totenzettel, der in „Kim» drisch" und Italienisch abgefatzt war, einfanden und unter ihrer rauhen Hülle das gute deutsche Herz für ihren so schählich umgebrachten Landes- Herrn schlagen ließen.
Marburg und Urug-gond.
(Nachdruck aller Origmatartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrecht- nur nüt der druilichen Quellenangabe .Lberhess. ytg.* gestattet»
Marknra, 20. Dkzbr.
* Für Steuerzahler. Wie gewöhnlich, so werden auch im nächsten Jahre vom 4. bis Ä. Januar die Steuererklärungen der Steuerpflichtigen mit Einkommen von mehr als 3000 Mark abgegeben werden müssen, nur die diesmaligen Formulare sind entsprechend der inzwischen in Kraft getretenen Einkommensteuergesetznooelle in einigen Punkten abgeändert worden. Um die Erklärungen richtig abgeben zu können, wird es si) empfehlen, den den Erklärungsaufforderungen beigegebenen Auszug aus den finanz- ministeriellen Ausführungsanweisungen recht gründlich durchzusehen. Da die Novelle auch die verschiedensten Erleichterungen namentlich bezüglich der Abzüge gebracht hat, so liegt ein derartiges Studium im Interesse der Steuerpflichtigen selbst. Zum ersten Male wird in der Erklärung die Angabe des im letztverflossenen Kalenderjahre empfangenen Gewinnanteils aus Gesellschaften mit beschränkter Haftung verlangt. Es darf darauf aufmerksam gemacht werden, datz auch die Ausfüllung dieser Rubrik für die Steuerpflichtigen von Vorteil ist. Nach der Einkorn mensteuergesetznovelle wird nämlich von Mitgliedern einer in Preußen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, der auf Gewinnanteile der E. m. b. H. entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur auf solche Steuerpflichtigen Anwendung, die eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Eeschäftsgewinn besonders bezeichnet haben.
* Hessenland. Dcr Inhalt der Nr. 24 des „Hessenland" ist folgender' Speck, Wilhelm. Am Weihnachtsabend (Gedicht). — Lobe. Ein neues Buch von Wilhelm Speck. — Bethge, O. Sächsische und fränkische Siedelungen in Hessen (Schluß). — Woringer. Zwei hessische Offiziere. — Grotefend, Emmy Luise. Auf dem.
Heimweg (Novellette). — Aus Heimat und Fremde. — Hessische Bücherschau. — Personalien. — An die Leser.
* Lange Nächte. Der Tiefstand in der Tagesabnahme am Wend ist erreicht. Das Tagesgestirn verschwindet jetzt und während der nächsten acht Tage um 3 Uhr 52 Minuten, von da ab täglich etwas später. Am Morgen geht die Sonne hingegen noch bis Ende dieses Monate später auf, die Abnahme beträgt bis Ende De- zember eine Viertelstunde. Erst vom 6. Januar ab ist dann auch morgens eine langsame Zunahme des Tages wahrzunehmen.
Hessen-Nassau und Nachbargebiote.
Eassel. 18. Dez. Im Wahlkreise Eschwege- Schmalkalden-Witzenhausen unterstützen der Bund der Landwirte und die Konservativen bereits im ersten Wahlgange den Kandidaten der Deutsch-Sozialen, Raab.
Hohensolms (Kr. Wetzlar), 19. Dez. In seiner letzten Sitzung hat unser Kreistag beschlossen, zuständigen Ortes vorstellig zu werden, daß die Solmstal-Bahn Wetzlar—Brandoberndorf— Grävenwiesbach in die Nebenbahnvorlage für 1907 ausgenommen und ihre Weiterführung von Wetzlar über die im Kreise Wetzlar gelegenen Orte Aßlar—Lechtingen—Hohensolms nach dem im Kreise Biedenkopf liegenden Gladenbach in Aussicht genommen werde. Der Anschluß un- seres babnlofen Hohenlolmser Landes ist mehr als begründet und bestimmt lohnend. Schon längst dachten wir, durch Weiterbau der Sieber« tal-Vahn hierher eine Bahnverbindung nach Gießen zu erlangen. (Eieß. Anz.)
Wiesbaden. 19. Dezember. Ein Opfer fernes Berufes ist der 22 Jahre alte Sanitätsunteroffizier Wilhelm Kreutzler von bet hiesigen Ar- tillerie-Abteilung geworden, indem er durch einen an Typhus erkrankten Füsilier des 80. Regiments, dessen Pflege er freiwillig übernommen., angesteckt wurde. Der Soldat genast unter der Pflege des mutigen Sanitätsunteroffiziers, dieser aber erlag der tückischen Krankheit innerhalb 8 Tage. Gestern nachmittag wurde bet Brave — ein geborener Wiesbadener — mit militärischen Ehren bestattet. Die 6. Batterie des 1. nassauischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 27, Oranien. stellte mit der Regimentsmusik die Trauerparabe. (W. T.)
Offenbach, 19. Dez. Der Reichstagsabgeord- nete Dr. Becker von Sprenblingen für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg hat eine Wiederwahl abgelebnt. Sollte er bei feinem Entschluß beharren, so findet die Neuaufstellung eines Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien morgen abend statt.
Karlshafen, 19. Dez. Ein Schlachtefest mit bitterem Nachgeschmack hatte die Familie W. dieser Tage erlebt. Die zum Schlachtetest nötigen Gewürze verschaffte man sich vom nächsten Kaufmann, dessen Frau dieselben verabfolgte. Letztere vergriff sich aber und gab statt Majoran Wermut, womit nun die Leberwurst gewürzt wurde und wodurch selbige einen so gallig bitteren Geschmack erhielt, daß beim Genuß derselben einem bas Wasser im Munde misamenlief und Tränen in die Augen traten. Aber damit nicht genug: auch die anderen Wurstsorten und Fleischwaren, die in demselben Kessel aekocht wurden, find von der ausgekochten bitteren Brülle durchdrungen und ungenießbar geworden.
Eisenach, 19. Dez. Ein Schadenfeuer gerftörte den Lackiererraum der Fabrzeuafabrik. Das fertige Material wurde meist gerettet. .
Hochsckulnackrickten.
X Der ordentliche Professor der Augenheilkunde an der Breslauer Universität, Geh. Med.- Rat Dr. meb. Wilhelm Uhthoff, der einen Ruf nach Bonn erhalten hat, hat sich entschlossen, seinem bisherigen Wirkungskreis treu zu bleiben. An der rheinischen Hochschule sollte et den zum 1. Oktober 1907 vom Lehramte zurücktretenden Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Th. Saemisch ersetzen.
X Die landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin wird in diesem Winter von 926 Studierenden, darunter 20 Damen, besucht, gegen 898 Studierenden und 19 Damen im vorigen Winter. Darunter beftnden sich 320 Landwirte (387), 411 Geodäten (359), 156 Hörer der landwirtschaftlich-technischen Gewerbe (162), 96 Hörer bet naturwissenschaftlichen Fächer (40).
Handel und Industrie.
Preiserhöhungen für Äupferbtr he und -Rohre. Der Grundpreis für Kupferbleche wurde laut Mitteilung bet „Rh.-W. Ztg." auf 256 M und für Kupferbleche auf 281 M erhöbt.
Vermischtes.
Der Pfefferkuchen des Kaisers. Das Weih« nachtsgeschenk des 1. Garde-Regiments zu Fuß an den Kaiser wird diesmal Prinz Eitel-FriÄ» tich als Führet der Leibkompagnie feinem kaiserlichen Vater im Neuen Palais bei Potsdam überreichen. Nach altem Brauch werden nicht allein die kaiserlichen Prinzen mit Pfefferkuchen bedacht, sondern es ist in jedem Jahre der Leibkompagnie des genannten Truppenteils vergönnt, das würzige Gebäck auch dem Kaiser bat« gubringen. Schon unter König Friedrich bem Großen wurde dieser Brauch gepflegt. Am Bor« mittag des heiligen Abend überreicht bet Kommandeur bet Leibkompagnie an der Spitze einet Abordnung dem Kaiser als dem Chef des Regiments die Kuchen, die als ein Gruß des ganze» Heeres gelten dürfen. Die 30 Zentimeter lange» und 18 Zentimeter breiten Kuchen tragen de» aus Marzipan geformten Eardestern nebst einet ebenfalls in Marzipan aufgetragenen Widmung: sie werden in weißen, mit Spitzen verzierten Kartons überreicht. Der für den Kaiser bestimmte Pfefferkuchen ist um ein geringes größer als die übrigen Kuchen, die den Prinzen al« Festgruß dargebracht werden. Mit der Herstellung dieser Weihnachtskuchen ist feit Jahre» ei e alte Potsdamer Konditorei oetraut.
„Conrad, 's Kübele rinnt." Man schreibt aui Württemberg: Bei den württembergischen Landtagswahlen haben die Demokraten nach dem neuen Wahlgesetz ziemlich schlecht abgeschnitten in den Hauptwahlen und mit ihrer Glanzzeit ist es vorbei, nach den Aussichten, welche die Stich, wählen bieten. Der schwäbische Humor hat sich im Verein mit bet Industrie dieses Wahlergebnisses bereits angenommen und eine Wahlpostkarte produziert, auf welcher bet demokratische Führer, Reichstagsabgeordneter Conrad Haußmann als Obermelker dargestellt ist, besten Kübel rinnt. Im Zentrum oder „Zintrom", wie es bte Schwaben aussprechen, herrscht eitel Lust un' Freude ob bet gelungenen Verhöhnung ihre Gegner, wähtenb bie ziemlich kleinlaut geroor denen, sonst so selbstbewußte Demokrötle sich ktiminalisch ärgere tber die saudomme Poschtkari
Einqeflanjsene Bücher und Schriften (Eine einaebm?- Besprechung blei, unser Ermessen Vorbehalten. Rücksendung unser« langtet Eingänge findet w«tt.)
** Viele sind augenblicklich in größter Verlegenheit um passende Weihnachtsgeschenke für Herten. Dieser weiß der beliebte „Häusliche Ratgeber" in bet soeben erschienen Nummer 49 durch diesbezügliche Vorschläge abzuhelfen.
** Was sagen bie Netzte über Kaffee und Tee? Längst schon gelten in ärztlichen Kreisen Kaffee und Tee nicht mehr als bie harmlose» Getränke, für bie sie noch in den meisten Volks- kteisen angesehen werden. Deutlich lehrt da« eine Broschüre „Eenußrnittel — Genuß- gifte?", welche jüngst im Verlag Elwi» Staude, Berlin W. 35, erschien.
Vergnügungs-Anzeiger SSntgltche» Theater zu Lasset. Sonntag, 23. Dezember, 2% Uhr: „Die Glock« vom Helfenstein." — 7 Ühr: „Walleinsteins Lager."
Dienstag. 25. Dezember, 6% Uhr: „Tristan und Isolde."
Mittwoch, 26. Dezember, 2V2 Uhr: „Hänsel und Gretel." — 7 Uhr: „Die Jungfrau vo» Orleans."
Donnerstag, 27. Dezember, 7y2 Uhr: „Die lustigen Weiber von Windsor."
Freitag, 28. Dezember, 7 Uhr: „Wilhelm Teil." Sonnabend, 29. Dezember, ?y2 Uhr: „!Der Trompeter von Göttingen."
Sonntag. 30. De-embet, 2V„ Hbt: ..Die GGcke vom Helfenstein." — 7y2 Uhr: „Riaoletto." Montag, 31. Dezember, 6 Uhr: „Husarenfieber." Dienstag, 1. Januar, 6y3 Uhr: „Tristan und Isolde."
Brieskaste« bet Rebaktion.
Dentstb-nationaler Handl«ngs-Gehülfen-B«- 6anb. Wurde bereits vor einigen Tagen in unserer Zeitung veröffentlicht.
Sonntagsjäger in H. Wit haben die Äatte erhalten und würden den Inhalt auch gern be« nullen, wenn wir daraus klug werden könnten. Gruß.
Gedenket der Vöglein! Laßt sie nicht verhungern!
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Johannes Otto in Marburg.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbain. 6dttttfaa56rilM<s ÄwnfMtoXatt, *
in
298
Vierteljährlicher Bezugspreis; btt der Expedition 2 Bet Mm Postämtern 2,25 M. «.ejeu Bestellgeld).
ZnserttonSgebühr: die gespaltmeZeile oder vermRaum 15 Pfg.
Reclainm: die Zeile 30 Pfg.
Marburg
Freitag, 21. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh.Aug.Koch, UmversttätS-vuchdruckerck Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
41. Jahrg.
Zweites Blatt.
Das Abonnement (auf die „Oberhrsstsche Zeitung", das größte, meistgelesenste nnd weit- -verbreitetste Blatt Marburgs «nd -der Umgegend kostet viertsljshtlich nur ls.25 Mk. Inserate habe« beste» Erfolg.
Wtdeutsches Leben in Oberitalien.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß der Deutsche inmitten fremder Nationen leider nut allzu sehr geneigt ist, seine Sprache und sein Volkstum 'aufzugeben. Jedoch gibt es hiervon erfteulicher- jweise auch zahlreiche Ausnahmen. So haben sich Jett den Zeiten der Völkerwanderung her noch Spuren deutschen Wesens, ja ganze deutsche Sie- jbelurgen in Oberitalien bis auf den heutigen :Iag erhalten, ein Beweis von ungeheurer natio- Italer Zähigkeit und Treue. Allein, wie steter 'Tropsenfall auch den härtesten Stein zermürbt 'und aushöhlt, so ist in den letzten Jahrzehnten , aurf) in den altdeutschen Gemeinden der Lombardei ein langsames Vordringen der welschen Art auf Kosten des Deutschtums zu verzeichnen gewesen. Ein vorzüglicher Kenner der nationalen Verhältnisse in Oberitalien, Herr Ewald Paul in Asiago hat hierüber in dem Monats- blaite des Allgemeinen deutschen Schulvereins, betitelt: „Das Deutschtum im Auslande", einen j lehrreichen Aufsatz veröffentlicht, den wir wegen des allgemeinen Interesses, den die Darlegungen gewiß bei allen nationalgesinnten Lesern er- ! wecken werden, an dieser Stelle wiedergeben wollen. Herr Ewald Paul schreibt:
Ein starker Stamm deutschen Lebens ist in italienischen Erenzlanden im Absterben. Ich rede nicht von den Tredici Komuni, den „Dreizehn Gemeinden" bei Verona, die nur noch karge Spuren, schwache, sehr schwache Reste deutscher Wesenbeit aufweisen, wohl aber verweise ich auf die Seite Komuni, die „Sieben Gemeinden" des Kimbernhochlandes oberhalb Vicenza, wo heute noch Hunderte und Aberhunderte die altdeutsche, nur zu einem kleinen Teil verwelschte Mundart sprechen und wo die Masse der Bergbauern deutschfreundlich ist und den „Kloanen Kateckns- mus" und deutsche Kirchenlieder und deutsche Gebete noch immer in Ehren hält. Die Herrenkliquen haben freilich den Kampf gegen dieses ölte Deutschtum aufgenommen und sie sind eifrig Bei der Rodearbeit, deren Ausgang auch nicht zweifelhaft ist, da die Macht gebietet und dem Drucke non oben keine Eegenstütze von unserer Seite gestellt wird. Das einfache Volk sieht sich im Kampfe vereinsamt und so verwelscht es allgemach. Aber diejenigen, die da sagen, daß heute schon in den meisten dieser sieben Gemeinden das altdeutsche Wesen erstickt sei — und auch deutsche Besucher haben sich bei einem flüchtigen, !vielleicht nur stundenwährenden Aufenthalt unter Verhältnissen besonderer Art und auf italienische Angaben fußend, verleiten lassen, das zu glauben! — sind im Irrtum oder sagen bewußte Ilnmahrheit. Der Wunsch ist den Italienern der Vater des Gedankens. Das habe ich, der ich sechs Jahre zu Etndienzwecken hier weile, also mitreden darf, in einem >Protestartikel in der „Deutschen Alpcnzeitung" gesagt und das wiederhole ich an dieser Stelle, um vielleicht den einen oder anderen zur deutschen Kulturpflegearbeit in dieser Richtung anzuregen. Ich sagte damals, daß der „Kloane Katechismus", der den alten Kimbern galt, neugedruckt zu werden verdiene, damit er in die vielen Häuser komme, die nach ihm begehren. Nun wohl, Italiener selbst haben diese Arbeit inzwischen unternommen, ein italienischer Buchdrucker, der alles andere denn deutschfreundlich ist, ließ ihn wieder auferstehen, was gewiß deutlich genug das Verlangen nach diesem alten deutschen Buche beweist.
!lnd die Pfarrer haben mir Bausteine über Bausteine zugetragen für meine Studien, alte Kirchengesänge und Geschichtchen von Sitten und Gebräuchen und gerade diese Geistlichen, fast durchweg altem deutschen Stamme entsprossen, sind noch schätzbare Förderer des Alten. Ich nenne da den wackren Arciprete von Rotzo, den ebenso eifrigen von Siege (dem welschen Asiago) und andere mehr. Man soll sie nur hören, wenn sie mit den alten Bauersleuten zusammensitzen vnd „cimbrisch" reden!
Cimbrisch? So werden manche unsere Leser fragen. Nun ja, das Hochland hat nun einmal den Namen des cimbrischen bekommen, aber mit den Kimbern des Mario haben diese guten Leute «nichts zu tun. Das Wort hat sich durch einen ßrrtum eingewurzelt: als unsere Stammesge- ssiossen hier Wurzel schlugen, waren sie Holzarbeiter, Kimbern, wie man im Mittelalter für Zim