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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und

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Marburg

Freitag. 21. Dezember 1906.

Erscheint wöchentlich sieben «al.

Druck und Verlag' Joh. «lug. Koch, UnwrrfitLtEuchdruckerei 41. Jahr«.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Erstes Blatt.

An die ReichstagswShler.

Vor Eintritt in die Wahlbewegung pflegen Me politischen Parteien und die Vertretungen einiger am Ausfälle der Reichstagswahlen in­teressierter uvirtschaftlicher Verbände Aufrufe zu veröffentlichen, um ihre Mitglieder und Freunde über die auf Tagesordnung stehenden Fragen laufzuklären und ihnen für den Wahlakt eine be­stimmte Stellungnahme zu empfehlen, ließet 'die Richtung dieser Instruktionen kann nach den Letzten Ereignissen im Reichstage auf Seiten Iber ordnungsparteilichen Gruppen nicht der ge- jringftc Zweifel herrschen, gilt es doch, unter 'Aufbietung aller Kräfte die vaterländisch ge­tunten Wähler in Massen an die Urne zu füh- 'ren, damit sie durch ihre Abstimmung Männer !in den Reichstag entsenden, die von nationalem '(Eifer erfüllt, der Regierung die Durchführung der hohen Aufgaben ermöglichen, denen die Mehrheit des letzten Reichstages leider das 'Placet verweigert hat.

Wir teilen an dieser Stelle zwei Aufrufe mit, bereit Inhalt den Beifall aller derer haben .wird, die für die Grösse und Macht des beut« jschen Reiches eintreten.

Der erste ist erlassen vom Vorstände der -Deutschen konservativen Partei, «gegeben zu Berlin, am 18. d. M., und lautet wie »folgt:

i,Der Reichstag ist aufgelöst,

weil- er der Regierung nicht die Truppen lind ^Mittel bewilligte, die eine energische unb« völlige Unterdrückung des Ausstandes in Deutsch-Südrvestasrika erfordert.

Zum ersten Male ist die Reichstagsauflösung ißlfo auch aus Gründen erfolgt, die in das Gebiet 'der auswärtigen Politik, der Wahrung unserer gewaltig gewachsenen überseeischen Interessen lgehören. Mit gerechter Entrüstung .hat der ^Reichskanzler vor der entscheidenden Abstim- stnung der Opposition zugerufen:Soll sich das ^deutsche Volk kleiner zeigen, soll das deutsche l$olf kleiner dastehen als andere Völker?" Das !ist die Frage, auf die das deutsche Volk selbst >am 25. Januar Antwort geben soll. Denn das ^Deutsche Reich, das noch vor drei Jahrzehnten ifast allein auf seine Erohmachtstellung in feuropa angewiesen war, hat heute Rücksicht zu ^nehmen nicht nur auf seinen Kolonialbesitz, son­dern auch auf seine nach Milliarden zu schätzen­den überseeischen Interessen.

> Wir Konservative aber können und werden die Reichsleitung nicht im Stiche lassen in ihrer Aufgabe, des Vaterlandes Ehre, Macht und na­tionale Würde zu wahren und durchzusetzen, sei

|84 lRachdruck verboten.)

lieber alles die Kunst.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung).

_ Als man sich endlich erhebt, um in den ev feuchteten Gängen des Gartens auf- und abzu- iwandeln, sieht sie auch Stanislas aus der Laube treten, aus der sich jetzt die zarte, in lichtes Blau gehüllte Gestalt Giselas löst Der Graf verneigte sich vor ihr, wie sich verabschiedend, und sie eilt mit schnellen Schritten dem Hause zu. Ihr Weg führt sie an Marga vorüber, aber sie scheint sie nicht zu sehen. Doch fällt es Marga auf, wie bleich ihr Antlitz zwischen dem dunklen Haar im Mondschein schimmert.

Wie eine glückliche Braut sieht sie nicht aus. Der Baron hat währenddessen seinen Reffen aus­gesucht und nimmt ihn unter den Arm, ihn in einen abgelegenen Gang ziehend.

Run?" fragt er begierig.

Nichts, Onkel ESza!" schüttelt der Graf ver­drossen den Kopf. Sie ist ein Steinbild; die süssesten Worte vermögen ihr kein Leben einzu­hauchen."

Hat sie dir etwa von neuem einen Korb ge­geben?"

Sie liess es gar nicht dahin kommen, dass ich so etwas wagen konnte."

So hast du es wieder ungeschickt angesan- gen?" grollt bet Baron.Ich sehe schon, ich muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Einen Abschluss mutz sie.endlich haben. Du autorisierst mich doch, dein Freiwerber zu sein?"

Du?" rüst Graf Stanislaus ganz erfreut. Du wolltest wirklich?"

Ja, das hast du wohl nicht erwartet. Aber ich habe meine Gründe, nicht länger zu warten, Denn staune nicht zu sehr auch ich habe

es zum Schutze des Deutschen Reiches selbst, sei es zu dem seiner teuer erkauften, mit dem Blute zahlreicher Söhne unseres Landes tapfer erkauften, mit dem Blute zahlreicher Söhne un­seres Landes tapfer verteidigten Kolonien. Denn deren wirtschaftliche Erschlie­ßung und Besiedelung ist nur unter dieser Vorbedingung erreichbar. Rur dann können wir von einer, den Verhältnissen jener Länder angepatzten, zielbewutzten und geordneten Ver­waltung erwarten und hoffen, dass sie, unseren finanziellen Mitteln Rechnung tragend, die Ent­wicklung unserer Kolonieen zum Nutzen des deut­schen Mutterlandes im Rahmen der versassungs- mätzigen Verantwortlichkeit der Regierung wahrnimmt und fördert.

Wir lehnen unzulässige Eingriffe in diese Verantwortlichkeit, insbesondere in die Kriegs­führung und die Kommandogewalt über die be­waffnete Macht ab und dulden eine Nebenregie- rung dabei nicht, von welcher Seite ober parla­mentarischen Partei dies versucht werden möge.

Wir wünschen eine kraftvolle Regierung ur-d eine zielbewusste, klare Politik i m Innern, wie nach Außen.

Wir wählen also in den Reichstag auch nur solche Männer, die treu bleiben unserer natio­nalen Aufgabe der Erhaltung einer starken militärischen Macht zu Lande und zu Wasser, um uns den Frieden gegen jeden Gegner zu schützen und zu erhalten. Rur solche Männer, die entschlossen sind, auch weiter die Förderung jeder ehrlichen Arbeit im Lande, insbesondere die Interessen der Landwirtschaft, des Ha"awerks, des gesamten Mittelstandes unter Schonung ihrer finanziellen Kräfte hoch zu halten und eine Steuer- und Handelspolitik zu fordern, die dem Rechnung trägt. Wir un­terstützen auch fernerhin eine gesunde So- zalpolitik im Sinne der Kaiserlichen Bot­schaft Wilhelms des Ersten, verlangen aber ihre einfachere, billigere und bessere Ausgestaltung unter grösserer Berücksichtigung der Interessen des Mittelstandes und unter Erhaltung der Lebensfähigkeit und des Gedeihens nicht bloß bet Arbeiter, sondern auch der Arbeitgeber.

Im Kampfe für unsere, durch die Sozial­demokratie schwer bedrohten nationalen Güter und Ideale, sowie bet sozialen unb staatlichen Autoritäten erwarten wir von ber Reichsgewalt energische unb wirksame Maßregeln, die mehr als bisher jenen vaterlanbslosen, mit ber christ­lichen Kultur des Deutschen Reiches in Wiber- sptuch stehenben Bestrebungen entgegenwirken. Auf also zum Wahlkampfe für Deutschlanbs Ehre, Kraft unb Ansehen gegen alle feint Gegner I"

Der nnbete Aufruf, der vom engeren Vor­stände des Bundes der Landwirte ausgeht, hat folgenden Wortlaut:

Lust, in den heiligen Ehestand zu treten. Doch wünsche ich, dich vorher im sicheren Hafen zu sehen, da du, wenn ich heirate, keinen Erbonkel mehr hast."

Graf Ctanislas fährt ganz erschrocken herum. Bisher hat et die Werbung um die Komteß ziem­lich lässig l.trieler Seine Schulden drücken ihn zwar unangenehm aber so lange et den reichen Onkel im Hintergrund wußte, war er sicher ge­wesen, daß dieser ihn nnicht im Stiche lassen würde Run aber steht die Sache fteilich anders, er ist ein ruinierter Mann, wenn der Onkel hei­ratet und u die Hand der Komteß nicht gewinnt.

Wie? Du beglückwünschest mich gar nicht?" höhnt der Baron, sich an seines Neffen Erschrek- ken weidend.

Ich wettz ja noch gar nicht, wer die Glück­liche ist!" stottert der Graf, wenn ich es auch er­rate."

So? Errätest du es wirklich?"

Nun, die Eoufine Aglaja! Eine andere kann es doch nicht fein."

Ach, meinst du? Warum kann es keine an­dere fein?"

Jetzt blickt der Graf ganz erstaunt zum On­kel auf.

Erlaube, Onkel Gtzza, nach dem, was ich von Eurer Vergangenheit gehört habe" er zögert.

Nun? Nur heraus mit bet Sprache, Stanis­las! Wir finb Männer unb brauchen baßer mit» einanber nicht Verstecken zu spielen. Ich will mit Offenheit vorangehen. Ja, es ist wahr, was man sich zugeflüstert hat, ich unb Aglaja, wir haben uns geliebt. Ich war ihr Sklave lange Zeit."

Stanislas kann trotz seiner Niedergeschlaaen« heit doch ein leises Auflachen, nicht verbeißen. Du ein Sklave, Onkel ESza? Das glaubt dir doch niemand, der dich kennt.'' t

Der Reichstag ist aufgelöst! Seine Auf­lösung kommt überraschend, trifft aber den Bund der Landwirte nicht unvorbereitet. Schon am 28. Mai 1906 lehnte die Mehrheit des Reichs­tages unbegreiflicherweise die südwestafrikanische Eisenbahn von Kubub nach Keetmanshoop ab und verursachte dadurch dem Reiche für die Ver­pflegung der deutschen Truppen in Südwest­afrika die größten Schwierigkeiten und die un­nötige Ausgabe vieler Millionen.

Sie verlangte jetzt bei Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten das Bestimmungs­recht Über die Anzahl der Truppen, die da» Deutsche Reich zur völligen Niederwerfung des südwestafrikanischen Aufstandes und zur An­bahnung einer friedlichen und gedeihlichen Ent­wickelung unserer südwestafrikanischen Kolonie dort belassen soll und lehnte die Bewilligung derjenigen Truppenzahl ab, die die Reichsregie­rung nach dem Urteil der Sachverständigen des Generalstabes als dazu unbedingt erforderlich bczeichnkt hatte.

Hiermit nahm die Reichstagsmehrheit für sich das Recht in Anspruch, in der nationalen Frage der Verteidigung deutschen Besitzes ihr Urteil über dasjenige ber Reichsregierung unb ihrer militärischen Autoritäten zu stellen. Sie hat bamit bet Regierung die Behauptung deut­schen Besitzes, der mit viel teurem deutschem Blute gewonnen und bis jetzt gehalten ist, zur Unmöglichkeit gemacht und hat die Wahrung deutscher Ehre gefährdet. Die verbündeten Re­gierungen haben dies durch Auflösung des Reichstages mit Entschiedenheit zurückgewiesen. Mir sind überzeugt, daß alle Mitglieder de» Bundes der Landwirte Über diesen hierdurch bekundeten festen Willen ber verbünbeten Regie­rungen, bie Stellung unb bas Ansehen des Deutschen Reiches in der Welt kraftvoll zu be­haupten erfreut sind unb dass hier, wo es sich um bie Ehre bes Deutschen Reiches hanbelt, kein Bunbesmitglieb zurückstehen wirb, ben verbün­deten Regierungen in dieser nationalen Frage das zu gewähren, was sie verlangen.

Wollen wir Deutschen aber die Behauptung unserer Kolonien jenseits der Meere auf die Dauer sicher stellen, wollen wir deutsche Ehre und deutsche Geltung in ber weiten Welt auf­recht erhalten, wollen wir, mit einem Worte, Weltpolitik treiben, so können wir da» nur auf der Grundlage einet gesun­den Heimatpolitik, welche dem deutschen Volke diejenigen Volksschichten und Berufsstände erhält, die seine wahre und unvergängliche Volkskraft bilden und bereit Sicherung und Stärkung die unerläßliche Voraussetzung einet kräftigen Außenpolitik ist. Dazu bedürfen wir des nachdrücklichsten Schutzes der vaterländischen Arbeit auf allen Gebieten, in Gerechtigkeit und voller Parität, ohne Privilegien und ohne Be­nachteiligungen einzelner Berufsstände. Daher

Und doch war ich'». Die Verhältnisse mach­ten mich dazu."

Und warum heiratetest du sie nicht, gleich nachdem das Trauerjahr vorüber war?"

Nemethy wandte sich dem Neffen zu und blickte ihm mit spöttischem Lächeln ins Gesicht.

Warum ich es nickt tat? Weil da» Anden­ken ihres Mannes zwilchen uns steht und bann, um ganz offen zu sein, war ich ihrer damals schon ein wenig müde."

Damals schon? Ein so schönes, temperament­volles Weib?"

Der Baron pfeift leise durch die Zähne.

Ich war ihrer müde, ja!"

Und jetzt?"

Jetzt werde ich mich fteimachen, trotz aller Gegenwehr. Ick kann diese Sklaverei nicht län­ger ertragen. Und deshalb heirate ich, nur des­halb. Hab ich's nicht eher getan, so war'» nut die Rücksicht auf dich. Es sollte mir wirklich leid tun, wenn mein Plan, dich fest in den Sattel zu heben, mißlänge."

Ums Himmels willen, Onkel!" tust jetzt Graf Stanislas.Du bietest dich mit zum Frei­werber an, vielleicht aber möchtest du die reiche Beute für dich selbst einfangen."

Bewahre, mein Junge, das brauchst du nicht zu fürchten," lachte bet Graf auf.Das Mäd­chen mag mich ebenso wenig, wie ich sie. Aber ich finde vielleicht ein Mittel, sie gefügig zu machen."

Der Graf seufzt auf.Ich wünschte, das alles wäre nicht nötig."

Freilich," nickt Nemethy,wer aber fein Geld so leichtsinnig vergeudet wie du, der hat keine Wahl mehr."

Graf Stanislas blickt stirntunzelnd zu Boden.

Ich weiß Onkel ©Axa, dass ich mich in alle» ergeben muß, wa» du bestimmst."

So ist'» recht, mein Junge, verlaß dich »ur

müssen der deutsche Mittelstand und die deutsche Landwirtschaft auch bei dieser Wahl unbeirrt und mit Festigkeit darauf bringen, daß solch» Kandidaten gewählt werden, die mit der Er­füllung der vaterländischen Pflicht, den verbün­deten Regierungen die nötigen Mittel zur Ver­teidigung deutschen Besitzes zu gewähren, die ge­festigte Ueberzeugung verbinden, im deutschen Heimatlande selbst eine volks- und staatserhal- tenbe wahre Heimatpolitik treiben zu müssen, und die entschlossen finb, biefe Ueberzeugung rückhaltlos zu vertreten. Ohne biefe Politik wer­ben bie Wurzeln bet brutschen Kraft verdorren, wird das Reich feine Stellung in der Wett nicht behaupten können! Somit wird der Bund der Landwirte in den Wahlkampf eintreten müssen mit der Parole: Gebt dem Reiche, was das Reich gebraucht an Macht und Mitteln, um deutsche Ehre und deutschen Besitz zu wahren und zu ver­teidigen! Wählt aber nur solche Abgeordnete, welche unerschütterlich gewillt finb, Mittelstand und Landwirtschaft und damit die Quelle deutscher Kraft dem Vaterlande zu erhalten! Tue jeder seine Pflicht, fehle keiner an ber Urne; benn jede feßtenbe Stimme kommt ben Gegnern zugute!"

In diesen patriotischen Kundgebungen, bie ihre naße Verwandtschaft nicht verleugnen, ist wohl alles gesagt, was in dieser Zeit hoher po­litischer Erregung das Herz jedes Vaterlands» freundes bewegt. Möge die Veröffentlichung der beiden Aufrufe mit dazu beitragen, alt« nationalgesinnten Wähler ob sie den vorbezeichneten Verbänden angehören ober nicht zu veranlassen, ihre Pflicht zu tun unb einem wahrhaft vaterländisch gesinnten Manne ihre Stimme zu geben! Wie wir Horen, ist die Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten» aller staatserhattenben Gruppen geplant, dessen Nominierung binnen Kurzem erfolgen dürste.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Dez.

Der Kaiser hörte gestern Vormittag im Königl. Schlosse zu Berlin die Vorträge des Fi­nanzministeriums und des Chefs des Zivilkabi­netts. Nachmittags um 3 Uhr wohnten die Majestäten bet Einweihung ber Heiligen Geist- Kirche in Moabit bei. Abenbs folgte der Kaiser einer Einladung des Generals v. Arnim zum Diner.

Die oldenburgiss- Regierung unb bie Fleikchteuerung. Wie aus Oldenburg vom 18. b. M. berichtet wirb, antwortete der Minister Willich im oldenburgtschen Landtage auf eine sozialdemokratische Interpellation folgender­maßen:Die Eroßherzogliche Regierung erkennt an, daß die seit längerer Zeit herrschende Fleisch­teuerung auf weite Kreise bet städtischen Bevöl­kerung in wirtschaftlicher Beziehung un«

auf mich! Doch nun genug, man beobachtet uns. Finde dich morgen Vormittag hier ein, ich hoffL alles wird bann in Ordnung fein." i

XVI.

Komteß Gisela hatte eine schlechte Nacht ge­habt. Sie fühlte sich in Wahrheit krank. Sii konnte einet inneren Angst nicht mehr Herr roeti ben, bie ihr bas Leben fast unerträglich machtq Wenn sie nut fort könnte aus diesen Verhälft nissen. Nicht mehr zu sehen brauchte, was ißt ein täglicher Schmerz war, den Bericht ißtei Mutter mit dem verhassten Nemethy, unb nut) noch bie Qual bet unentwegten Bewerbung bie* fes Stanislas Kaminski. Wie oft hatte sie bi< Mutter schon beschworen, sie nicht an biefe« Mann zu fesseln, nicht Hoffnungen in ihm zu er* wecken, bie sie nie zu erfüllen vermöge. Ms Gräfin beharrte habet, daß et ein Verwandte» fei, ben sie nicht fortmeifen könnte, ba sie, Gisela, bes jungen Mannes Liebe doch rühren müsse, bet trotz ihrer ihm zu Weihnachten widerfahteneck Abweisung immer noch nicht die Hoffnung auft geben wolle, ihre Liebe bennoch zu erringen.

Als wenn sie so thöricht wäre, so etwas glauben! Wußte sie doch genau, was ihn an ihrs Seite bannte, ihr Gelb unb seine berangierten Verhältnisse. War sie benn ein Kinb, baß man folchr Torheiten ihr einzutchen suchte? Hatte bi< Mutter so wenig Achtung vor ihrem Charakters

Unb nun gestern gar! Wie gern wäre M dem Fest ferngeblieben! Liebte sie doch die Ein» famkett, die ihr einziger Trost wat. Wenn fi< sich in ihre Bücher vertiefen oder in Begleitung tßter Jungfer Paris durchstreifen, an der Schön» heit der Stadt, an ihren Kunstschätzen sich freuest durfte, vergaß sie für einen Moment, was sie M drückte, was ibr wie eine Last auf dem Herzen lag, daß sie keine Heimat hatte, daß sie eint Waise war fett des Vater» lobe, obwohl bist Mutter ihr noch lebte. IForts. folgt.) '