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mit km Mtts-latt für die Kreise Marburg und Kirckbai«
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vierteljährlicher BezugspreiSr btt oer Expchition 2 Mk^ bet allen Postämtem 2,25 Ml. <eitu Bestellgeld).
ZnserttonSgrbühr: die gespaltene Zelle oder veren Rarnn 15 Pfg.
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Marburg
Donnerstag 20. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck tmb «erlag- Joh. klug. Koch, UmversttätS-Buchdruckttei • 41.
Marburg, Markt 2L — Telephon 65. ■O“*f*H*
Zweites Blatt.
Marl-Nrn Uild Unigtgend.
^(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 drl IrheberrechtS nur mit der deutlichen Ouellenaugabr V .Oberhcjs. Ztg.- gestattet)
Marburg, 19. Dezbr.
* * ®°n der Post. Sonntag, den 23. Dezember, jpno die Paketschalter wie an Werktagen geöff- met,' ebenso finden die Paketbestellungen in der Stadt, rote an Werktagen statt. Im weiteren -wird in allen Landorten eine Bestellung (Briete !und Pakete) allsgefiihrt.
§ Verleihung. Dem Rentmeister und Stadtverordneten Mal hier wurde der Charak- ;ter Rechitungsrat verliehen.
i G. Genehmigung einer Brandkasse. Der Rrandkasse der. Verbandes mittlerer Juftizbe- ,amten Deutschlands, mit dem Sitze in Hanau, wurde soeben vom Aufsichtsamte für Privat- verstcherungen in Berlin die Erlaubnis zum .Geschäftsbetriebe erteilt.
- Aus dem Reichsgericht wird uns geschrieben: Wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges ist am 22. Mai vom Landgerichte Marburg der Schreinermeister Volpert Seip aus Wollmar zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Der Zeuge I. hatte ihn verklagt. Um den Termin zu Hintertreiben resp. ein Versäumnisurteil zu vermeiden, telegraphierte er an das Gericht, der Termin solle verlegt werden und unterzeichnete das Telegramm mit dem Namen des I. Der Richter ließ sich aber nicht täuschen und verurteilte Seip. — Die vom Angeklagten eingelegte Revision wurde heute vom Reichsgericht als'unbegründet verworfen.
* Preutz. Klaffen-Lotterie. Die Erneuerung der Lose zu der am 10. Januar n. I. beginnenden 216. Königl. Preussischen Klaffen-Lotterie hat unter Beifügung der Lose der 5. Klaffe der 215. Lotterte baldigst zu erfolgen.
* Truppenübungsplatz. Zur Erwerbung eines Truppenübungsplatzes für das 11. Armeekorps, für den nunmehr das Gelände bei Ohrdruf ausgewühlt ist, im Reichshaushaltsetat für 1907 die Summe von 2 000 000 Mark eingestellt. Diese 4. Rate dient lediglich zum Erwerb der Grundstücke, für die diese stattliche Summe nutzer Abrechnung der Verkaufserlöse für die mit an- gekausten, zum Abtrieb kommende» Holzbestände und abzubrechenden Baulichkeiten vorgesehen ist. Im ganzen sind, wie die „Hess. Morgenztg." meldet, für den Erwerb und die Einrichtung dieses Truppenübungsplatzes 11 Millionen vorgesehen. Für die neuen Kasernen in der Frankfurter Straffe ist eine achte Rate von 450 000 Mark angefordert.
83 (Nachdruck verboten.)
Heber alles die Kunst.
Roman von Clariffa Lohde.
«Fortsetzung'.
Die Gräfin steht am Eingang der Laube, hinter ihr der junge Prinz. Sie lächelt, aber ihr Lächeln hat etwas Gezwungenes und aus ihren dunklen Augen sprüht ein heißer Strahl des Zornes dem Baron entgegen.
„Lassens' uns hier niedersetzen, Durchlaucht," lagt sie mit erzwungener Ruhe. „Sie erlauben doch." weitdet sie sich an den Baron.
Der Prinz hat schon galant einen Stuhl herangerückt. Er selbst setzt sich an ihre Seite.
„Und nun, Marga, bitte, reichen Sie uns den Kaffee mit Ihren jungen hübschen Händen, wie Sie eben meinen Vetter Nemethy so liebenswürdig bedient haben."
Marga errötet. Die Gräfin hat also gesehen! Ueber des Barons Züge fliegt es wie ein Hohn. Er sucht in letzter Zeit gern die Gelegenheit, die Gräfin ein wenig zu quälen. Diese zwei schönen Frauen, die sich Freundinnen nennen, in einen gegenseitigen eifersüchtigen Groll hineinzutreiben, bereitet ihm sichtlich Vergnügen. Das gibt seinem unausgefüllten Leben ein wenig Reiz und seine Eitelkeit ergötzt sich daran, noch immer, trotzdem er bereits ein hoher Vierziger ist. die alte Macht über weibliche Herzen zu erproben.
\ Marga schenkt mit ein wenig zitternder Hand, doch innerlich vollständig gefaßt, den Kaffee für die Gräfin und den Prinzen ein. Es erfüllt sie mit innerer Beruhigung, zu wiffen, daff sie nun bald der in letzter Zeit in der Stim- Mung gegen sie sehr wechselnden Freundin wird ientraten können, nicht mehr von ihrem Wohl- Dollen oder Mißfallen abhängig sein wird.
„Uebrigens wollt' ich Ihnen noch eine Neuig-
als 300 Einwohner und dessalb scheint die Be- dürfnisfrags auch nicht „brennend" geworden zu sein.
Hann.-MLnden, 17. Dez. Der Familie des Königl. Hegemeisters v. Radzeewski auf dem benachbarten Forsthaus Haart wurde die Nachricht zuteil, daff ihr ca. 22 Jahre alter Sohn (Gärt- ner auf dem Rittergute Fahrenbach bei Witzenhausen) als Leiche in der Feldmark dortfelbst erstarrt aufgefunden worden ist.
Heiligenstadt, 17. Dez. Vom Eisenbahnzuge getötet wurde, wie schon kurz gemeldet, Sonnabend Abend in der Nähe von Uder auf der Halle—Eaffeler Bahnstrecke ein 20jähriges Mädchen aus Burgwalde. Das Mädchen kthrte mit dem Abendpersonenzuge von Witzenhausen, wo es als Zigarrenarbeiterin die Woche hindurch tätig gewesen war, zurück und ging von der Haltestelle Uber aus dem Bahnkörper entlang, um den Nachhauseweg abzukürzen. In der Nähe von Schönau überschritt das Mädchen die Gleise. Da kam gerade der l>-Zug Berlin—Frankfurt- Basel angesaust, der die Unglückliche erfaßte und zermalmte.
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Vermischtes.
Weihnachtseinkäufe in Amerika. Die großen amerikanischen Warenhäuser, die eine ganze Welt im Kleinen umschließen, und in denen man alles kaufen kann, von einem Veilchenstrauß bis zu einem Sarg, haben auch in diesem Jahre neue Methoden ersonnen, um die weihnachtlichen Käufer anzulocken. Bei Wanamaker in Newuork z. B., dessen Warenhaus in seinem Musiklaal eine der größten und schönsten Orgeln der Welt besitzt, werden täglich Kirchenkonzerte veranstaltet. und die bekanntesten musikalischen Virtuosen sind dafür gewonnen. Ebenso ist eine große Gemäldeausstellung eingerichtet worden, in bet eine Sammlung von Gemälden und Reliquien gezeigt wird, die sich auf die französische Revolution beziehen. Freikonzerte und Kunstausstellungen bilden auch bei anderen Warenhäusern die Hauptattraktionen. Die Notwendiakeit dieser Veranstaltungen wird man nur schwer begreifen, denn der Andrang bei den Weihnachtseinkäufen ist in allen großen Städten Amerikas ein so ungeheuerer, daß die größte Schwierigkeit nicht darin besteht, Käufer berbeftulocken, sondern dafür zu sorgen, daß sie aut bedient werden und überhaupt ihre Einkäufe machen können. Vielfach werden in diesem Jahre die Läden vor Weihnachten die ganze Nacht offen gehalten, um den Bewohnern der Umgegend die Möglichkeit billiaer Einkäufe zu gewähren.
Getreide - Wschenderickt
der Preikberichtstelle des Deutschen Landwirt- schaftSrots vom 11. bis 17. Dez°mber 1906.
Das Ausland bekundet bei mäßigem Verkehr vorwiegend Stetigkeit. Die schwankende Tendenz der amerikanischen Börse war ohne Einfluß, die Forderungen unnachgiebig. Daß die im ganzen
Retch gefallenen Schneemengen den Saaten de» ersehnten Schutz gewähren, ist umso erfreulicher, als sich die Temperatur, besonders in den nordöstlichen Landesteilen, ziemlich tief unter dem Nullpunkt hielt. Damit rückt das Ende der. Binnenschiffahrt immer näher: vorläufig abek bleibt die Unterbrechung derselben auf dir Weichsel beschränkt. Trotzdem die herrschende Witterung für das Dreschen sehr geeignet ist, hat das Angebot keineswegs die im Dezember gewohnte Zunahme erfahren, oder gar eine« drängenden Charakter angenommen. Bei Roggen blieb es vielmehr andauernd hinter der Nachfrage zurück. Die erhöhten Preisansprüche für das inländische Erzeugnis stießen angesichts des nahezu überall berrschendett Warenmangel« nirgends auf Widerstand, zumal auch für russischen und Donau-Roggen feste Preise gefordert un । bewilligt wurden. Weizen wurde überall mäßig zugefübrt, und der Absatz vollzog sich meist glatt ohne Vreisverluste für die Eigner, aber auch, obne ihnen gegenüber der Vorwoche besonder-» Vorteile ztt bringen. Für die in den Preisen unveränderten Angebote des Auslandes bestand wenig Interesse: auch am Rhein und i« Südbeutschland hat die Kauflust merklich nachgelassen, nachdem bet bisher ungestörte Fortgang der Rheinschiffahrt ausreichende Vorbereitungen für die Winterversorgung ermöalichl zu haben scheint. Die Auswahl in mittleren und geringen Gersten ist überall reichlicher, und der Versuch der Käufer, billiger anzukommen, blieb nicht ohne Erfolg, während feine Sorten fortgesetzt Hobe Preise erzielen. Inländische und russische Futtergerste findet trotz anziehender Forderungen flotten Absatz. Die Ansprüche der Proviantämter haben, besonders unter den geringeren Hafersorten, ziemlich aufgeräumt: Ersatzanschaffungen im Jnlande ließen sich indes nur zu merklich höheren Preisen bewerkstelligen.
68 stellten sich beute die ffletreibepreife in Mark pro InOO Kilogr. an den nachgenannten Orten, wobei das Mehr (-H bezw. Weniger (—) gegenüber der Vor Woche in Klammern () beigefüat ist, wie iolat-
Weizen Roggen Hafer Berlin 180 (-) 162 (-) 173 (-)
Leipzig 177 (-) 169 (4-1) 170 (4-1) Hamburg 176 (-) 161 (-) 176 ' )
Hannover 178 (-) 163 (-) 175 (45)
Köln 181 (-) 167»/, f-) 178 (-.
Mannheim 192*/, (4-*/,) 167'/, (4-1) 174 (-)
Frankfurta.M. 182 ( ) 167*/, (4-1) 178»/,'-)
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* * dann muß ich hinaus — na, und ein Rief« wW bin ich dock auch u-.cht. Und wenn ich mich MM doch nie eitä'te und immer frisch und munter Ä bin, dann dank ich das nur d-n Fays dritten ©oberer Mineral-Pastillen. Die hab' ich im« MM mer bei mir. und bin ich draußen, dann haV » * ich immer eine Pastille im Mund. Da8 schützt ww vor Erkältungen, dnz nützt dem ganzen Orga« m nismuS. Die Schachtel kostet außerdem nur
i 65 Pfg. und das ist keine Ausgabe wenn trän dM dafür gesund und froh bleiben kann. In allen Apotheken, Drogen- und Mineralwasserhandl. === zu haben. Man hüte sich vor Nachahmung.
Hessrn-Nsssau und Nachbargebiete.
□ Fulde, 18. Dez. Nach außergewöhnlich — faft 5 Monate — langem Ausbleiben, kam vot wenigen Tagen die von dem hiesigen Domkapitel vald nach dem Tode des letzten Fuldaer Bischofs eingesaudte „Bi schoss liste" zurück, auf der sämtliche für die Wahl in Betracht kommenden Kandidaten präsentiert wurden. Die Spannung in den interessierten Kreisen war um so größer, als die Wahl, die spätestens 3 Monate nach dem Vakantwerden des Bischofsstuhles geschehen sein soll, diesmal von der Regierung so sehr hinausgeschoben wurde. Aus letzterem darf man schließen, daß die Regierung zwecks Streichung „minder genehmer,, Kadidaten von der Liste sich zu eingehenden vorherigen Informationen veranlaßt sah. Das Domkapitel hat nun definitiv Samstag, den 2 9. Dezember, morgens 9 Uhr, als Termin für die Wahl des neuen Bischofs festgesetzt. Dieselbe findet in einer geheimen Sitzung der Domkavitulare in einem Nebcuraums des Domes zu Fulda statt.
Aus der Rhön, 11. Dez. Es hat feinen guten Grund, warum der Oberpräsident mit dem Re- gierunqsr'tästbcnten diesen Spätsommer unsere Geaend b-reiste und sick> die soa. „kahle Rhön" etwas naher ansah. Die Regierung will dir Staatsmittel vermehren, die bisher nur in kleineren Summen zur Aufforstting der kahlen Höhen und öden Flächen in der Rhön flüssig waren — das rhönischs unnutzbare Vergland soll im volkswirtschaftlichen Interesse, teils auch zum Schutz gegen rauhe Winde und Unwetter, kultiviert, sorsttechnisch behandelt werden. Die Rhön war früher sehr waldreich, allein es wurde zuviel Holz geschlagen. Dadurch hatten z. V. bei einem Wolkenbruch die Wassermassen freie Bahn und rissen bei ihrem Zutalsturze von den früher fruchtbaren Hängen die Muttererde weg. So sind die vielen kahlen, öden, brachen Flächen entstandeit, deren Aufbesserung jetzt Sorge der Regierung int Zusammengehen mit den Kreisbehörden, Gemeinde- und Großgrundbesitzerver- bänden, sowie Waldgenossenschaften ist.
Wiesbaden, 17. Dez. Der Eisenbahnzusammenstoß bei Kostheim anfangs November hat, wie jetzt festgestellt wird, der Eisenbahnverwaltung einen Schaden von fast dreivierte! Millionen verursacht.
Limburg, 17. Dez. Auf Anregung des Land- rais Büchting ist im großen Rathaussaale eine Ausstellung mustergültiger Baupläne und Modelle zu Kleinwohnungen aufgestellt. Es ist das dieselbe Ausstellung, die der Zentralvorstand des Gewerbevereins für Nassau am Ende des verflossenen Jahres im Vortragssaale der Gewerbeschule zu Wiesbaden veranstaltete und die bei allen Besuchern ungeteilte Anerkennung fand.
Hachenburg, 17. Dez. Eine Stunde hinter Hachenburg, im Tale der Nister fKroppacher Schweiz), gibt es noch 7 Dörfer beisammen, welche keine Eastroirtschaft besitzen: in unserer genußsüchtigen Zeit gewiß eine Seltenheit. Freilich zählt das größte derselben nicht mehr
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leit mitteilen, Marga," fährt die Gräfin fort und ihre Augen blicken mit unverhohlener Schadenfreude zu dieser hinüber. „Ihr junger Verehrer aus Berlin, der schöne Mensch, der Berger, ist hier in Paris, sah ihn heute Vormittag, als ich den Boulevard des Italiens hinunterfuhr, auf dem Trotttoir gehen. Ich vergaß es, dies Ihnen zu sagen in dem Trubel der Gesellschaft."
Sie hat es in Wahrheit nicht vergessen, sondern die Mitteilung absichtlich nicht gemacht, um das in Nemethys Gegenwart zu tun.
Margas Stirn verfinstert sich. Dennoch gewinnt sie es über sich, scheinbar gelassen zu antworten:
„Ja, ich wußte, daß er hierher kommen würde. Er befindet sich auf einer Studienreise." Nemethys Augen hefteten sich feit auf Margas Gesicht, das unter seinem Blick leicht die Farbe wechselt. Und wieder zuckt es wie Hohn um seine Lippen:
„Ach, bet heuchlerische Tugendphilister," spottet er. Die Gräfin lacht hell auf, auch bet Prinz, ein noch sehr junger, ziemlich schüchterner Herr, stimmt in das Lachen ein.
Jetzt glaubt Marga_ doch für den einst Geliebten eintreten zu müssen.
„Da beurteilen Sie meinen, Jugendfreund ^doch falsch. Herr Baron," sagt sie.
„Verzeihung, Gnädigste! Ich weiß ja, er ist für die Damen nut um so anziehender, je mehr er in Idealität macht. Hinter den Ohren hat er's aber jedenfalls ebenso dick, wie andere junge Männer. In dem Punkt, verehrtes Fräulein, glaube ich, ob er auch Ihr Jugendfreund ist," et betonte dies Wort etwas spöttisch, „daß ich als Mann über einen Mann ein besseres Urteil besitze. So holde unschuldige Damen lassen sich von diesen scheinbar nur auf den Höhen der Kunst und Wissenschaft wandelnden Jünglingen gar zu leicht täuschen. Wir wissen besser, was sich hinter der Maske der Tugend bei unfern Geschlecht so
oft verbirgt. Sünder sind wir alle, glauben Sie mir!“
Marga schüttelt den Kops.
„Dem muß ich in diesem Fall widersprechen. Für Alfred Verger verbürge ich mich. Et ist so, wie er scheint."
„Ei wirklich? So genau kennen Sie ihn?"
Wie schneidend, wie anklagend das in ihr Ohr klingt.
„Ich bin fast mit ihm ausgewachsen. Da lernt man sich wohl kennen," sagte sie.
Er beißt die Zöbne zusammen und wirft ihr einen stechenden Blick zu. Dann meint et ironisch:
„Jugendfreundschaft heißt bei den Deutschen immer auch Jugendliebe und da möchte ich Ihr Herz. Gnädigste, nicht durch weitere Zweifel kränken."
„Nun ja, rott haben uns geliebt," bekennt sie jetzt, mit dem an ihr gewohnten Stolz den Kopf Miriitfmerfenb.
„Ach, wie amüsant," lächelt der Vrinz und klemmt sein Monocle fester in das Auge, die kühne junge Dame mit Interesse betrachtend, die in Gegenwart anderer Verehrer offen ein solches Bekenntnis auszusprechen wagt.
„Das ist brav," nickt nun auch die Gräfin ihr zu, „daß Sie Farbe bekennen. Da bet junge Berger doch wahrscheinlich Ihretwegen herge- kommen ist. stebt wohl bie öffentliche Verlobung in naher Aussicht unb wir dürfen gratulieren.
Margas Brauen ziehen sich ärgerlich zusammen.^ Cie versieht bie Gräfin sofort. Diese will ein Hindernis zwischen ihr unb dem Baron aufrichten. Sie siebt schon im Grille die Aussicht, bie sich ihr eben so lockend eröffnet hat, wieder schwinden. Ist das die Freundschaft, die Aglaja ihr geschworen, die Verschwiegenheit, die sie ihr gelobt? Jetzt weiß sie, was sie bisher nur geahnt: zwischen der Gräfin und Nemethy besteht ein geheimes Band, das bet Baton zu lösen be
absichtigt. Aglaja aber will ihn nicht freigeben, gönnt ihr nicht seine Liebe. Das ist's, was rote ein Schatten zwischen ihre Freundschaft getreten. Aber sie ist nicht bie Natur, sich so ohne weiteres zurückschieben zu lassen. Ja, Nemethy hat Recht gehabt, als et sagte, sie wisse, was sie wolle. Und jetzt, da Re so weit gegangen, gibt es lein Zurück mehr für sie. „Sie irren. Aglaia," erwidert sie daher fest. „Ich sagte: Wir haben uns geliebt. Doch schon als wir in Berlin Abschied von einander nahmen, wußten unb bekannten wir es uns, daß wir nicht füreinander paßten."
„Alle Achtung! Das nennt man Offenheit!" lachte der Prinz.
Nemeil > bat sich schweigend verhalten. Jetzt blickt er plötzlich auf.
„Ich bin froh," meint et bedeutsam, „daß nach diesem Bekenntnis Fräulein Margas der Besuch des Herrn Bernet in diesem Hause nicht mehr in Aussicht steht."
„Ich meinerseits bedauere das aufrichtig," widerknricht bie Gräfin. „Ein fo braverMensch! Ich habe ihn immer gern gesehen."
„Dann haben Sie vergessen, Cousine, daß außer Fräulein Marga auch noch eine andere junge Dame in Ihrem Hause lebt. • um betet« willen Sie mit mir es begrüßen müssen, baß bet Verkehr des jungen Herrn hier unmöglich geworden."
Nemethvs Blick gleitet dabei zu einer gegenüberliegenden Laube, wo Stanislas Kaminskis dunkler Kopf sichtbar wird. Jetzt verstummt die Gräfin.
„Er läuft beute Sturm auf die Fellung, wie es scheint," flüstert der Baron leise Marga zu. „Keine bessere Gelegenheit kann ihm geboten werden, als hier in den verschwiegenen Lauben."
Marga hat nur halb hingehört, sie fühlt nur, toie seine Hand heimlich die ihre sucht, und errötet heiß.
' lForisetzung folgt.)