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Der pelitische Teil
biete der inneren «nd auswärtige« Politik, deren Fragen von einem streng nationalen, im besten Sinne konservativen, aber wo er angebracht ist auch frei- milligen Standpunkte beband-lt w rdrn. Jetzt, wo eine neue NetchstagSwalll vor der Türe siebt, ist eS notwendig, sich über dis politischen und Parteiverhältn ffr immer genügend zu informieren. Daß wir unsere Leser im echt uatiouale« Ginne über diese Vorgänge unterrichten, dürste die Geschichte unseres Blattes gewährleisten.
Der allgemeine u. unterhaltende bringt spannende Romane, kleinere '**" FeniveronS. Theater- u Mnstk- und Knnftdesprechnugeu, Hochschal- «achrichteu, ferner tn zwanaloier Reihen- folge erscheinende Rn«dscha«artikel populär-wiss nickaitlichkn Inhalts, tneol- zintsche, juristische usw. Rundschau, Aus Schule tut» Kirche, Heer und Motte, AuS der Frauenwelt und jur die Frauen, die vielen Anklang gesunden haben. •
Der lokale und probinzieAe Teil enthält die neuesten Ereignisse in der Stadt, aus der Umgebung, der Provinz und den angrenzenden Gebieten, Ver- sammluuatz. und Dereiusbertchte, interessante Rnch ichte« auS allen Gebieten des öfkturtfcen Lebens, besonders Zeit- «nd Streitfragen ans der Kommnnglpolittk.
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Ein Mahnwort vor dem Wahlkampfe.
In den Frieden der Weihnacht tönt es hinein, das Getöse beginnenden Kampfes! In wenigen Wochen bereits soll die Entscheidung darüber gefällt werden, ob das deutsche Volk, dem Rufe seines Kaisers folgend, zu ehrlicher Mitarbeit an den hohen nationalen Ausgaben entschioffen ist, die derzeit alle Kräfte der Reichsregierung in Anspruch nehmen.
Am 25. Januar des neuen Jahres bereits fetten die Neuwahlen zum Reichstage stattfin- den, die eine Aenderung der bisherigen Mehrheitsverhältnisse in der verfassungsmäßigen Vertretung des deutschen Volkes ergeben muffen; denn, wie von unterrichteter Seite verlautet, ist die Reichsrcgierung im anderen Falle entschlossen, den Kampf durch einen wiederholten Appell an die Wähler fortztrführen. Dazu aber darf es nicht kommen! Ganz abgesehen von der schweren Beunruhigung des ganzen wirtschaftlichen und innerpolitischen Lebens des deutschen Volkes, muß unter allen Umständen eine abermalige Beschämung der Regierung angesichts des hohnvoll grinsenden Auslandes vermieden werden!
Von jeher ist der Fluch des deutschen Volkes die Uneinigkeit und Zwietracht der einzelnen Stämme uitd politischen, wie wirtschaftlichen Gruppen gewesen, die sich nur durch die eiserne Notwendigkeit zufammenschweißen ließen. Diese gefährliche Neigung zur Eigenbrödelei und Sonderpolitik, die im Laufe der Jahrhunderte unser Volkstum oft wiederholt an den Rand des Abgrundes gebracht hat, ist leider auch heute noch nicht überwunden, weil der deutsche Michel im Vergleich zu anderen Rationen nichts oder doch nur wenig aus seiner eigenen Geschichte gelernt hat. Immer und immer wieder vergißt er, daß in großen Fragen der Einzelne sich seiner LieblingswLnsche begeben muß, wenn Erfolge errungen werden sollen, die im letzten Grunde doch ihtn selbst wieder zu Gute kommen.
Am 25. Januar also, dem Tagender im Kalender als „Pauli Bekehrung" bezeichnet ist, zum Gedächtnis daran, daß sich Saulus, der grimme Feind der christlichen Sache in den gläubigen Paulus verwandelte, sollen die Neuwahlen ftattfinden. Möchte der Name des Tages von guter Vorbedeutung sein: „Für Kaiser und Reich,gegen alleFeinde des nationalen Gedankens," das sei die Losung, mit der wir in den Kampf ziehen wollen, der gegenüber alles Trennende, insbesondere alle wirtschaftlichen Fragen zurückzustellen sind. Der nationale Gedanke aber ist keine bloße Phrase, kein Phantom, wie die Sozis und die Mannen und Mitläufer des Freisinns, die fo oft mit ihnen marschierten, dem Volk weiszumachen suchten, indem sie die Aufmerksamkeit der Wählerma^cn auf rein wirtschaftliche Probleme und Einzelsragen zu lenken bemüht waren. Das sieht man recht deutlich bei Völkern, die ihrer Eigenart entsprechend, frühzeitiger, als wir, Naiivnalgefühl entwickelt haben. Mit der Betonung ihrer Nationalität gegenüber anderen Völkern sind sie auch, wie die Engländer zu vorherrschender Macht auf wirtschaftlichem Gebiete gelangt; denn es ist ein Erfahrungssatz — gegen den alle Heer- und flottenseindlichen Reden freisinniger und sozialdemokratischer Volksverdreher ohnmächtig bleiben werden. Ein Staatsgebilde ohne politische Machtmittel, ohne Durchschlagskraft, wird auch wirtschaftlich seine Selbständigkeit nicht behaupten können, sondern muß zum geduldeten Neutralstaate oder zum Anhängsel an eine Großmacht herabsinken. Ohne stehende Heere und moderne Flotten ist insbesondere die Existenz einer sog. Weltmacht heute nicht mehr denkbar. Auch die Kolonien sind vom heutigen Standpunkte der Wirtschaftspolitik aus unbedingt nötig; denn bei der schnell- wachsenden Vevölkerungsziffer, wie sie insbesondere unser deutsches Vaterland aufweist, gilt es Raum u. Daseinsmöglichkeiten für spätere Geschlechter zu schaffen, die vielleicht auf heimischer Scholle nicht mehr auszudauern vermögen. Den bekannten Gegnern unserer kolonialen Bestrebungen aber geht der weite Blick völlig ab, sie haben, wie immer, die gegenwärtigen Verl>-.t- niffe vor Augen und erklären alles Geld für weggeworfen, was nicht sofort reichen Zinsertrag gewährt. Daß aber auch auf kolonialem Gebiete nur ein Staat dauernd Erfolg haben kann, der eine genügende politische Macht in die Wagschale werfen kann, das wird über kurz oder lang das Schicksal des -Kongostaates erweisen, den der politisch vollständig ohnmächtige Klein
staat Belgien jetzt in eigene Regie nehmen will. Was wird der Erfolg dieser Anmaßltng des kleinen Gernegroßes sein? John Bull, der seinerzeit mit größtem Aerger die Etablierung jener wundersamen Schöpfung König Leopolds in Zentralafrika ansehen mußte, wird nach dem Ableben des königlichen Großunternehmers dessen endgültiger Erbe sein, hat er doch bereits vor kurzem durch anglo-ägyptische Soldaten kongolesische Söldner von einem vorgeschobenen Posten verdrängen lassen. Dies nur als Beispiel, daß ohne Macht, insbesondere ohne genügendes Truppenaufgebot überseeische Vesitzun- gen nicht gehalten werden können.
Mit Halbheiten kann eben nie etwas Ganzes, Großzügiges geleistet werden. Das sollte sich der deutsche Michel auch in Hinblick auf die polnische Bewegung gesagt sein lassen, die vielfach, insbesondere von freisinniger Seite, als die „verzweifelte Gegenwehr eines schändlich unterdrückten Volkstums" betrachtet wird, während doch das Polentum, wie sein Auftreten in Rheinland- Westfalen erkennen läßt, längst zum Angriff übergeLängen ist, und da, wo es — wie z. B. in Galizien — vorherrscht, in rücksichtslosester Weise andere Nationalitäten, vor allem aber das Deutschtum zu vergewaltigen strebt.
Kolonialpolitik und Polenpolitik sind zwei Fragen von so hoher Bedeutung, daß sie als Prüfsteine der nationalen Gesinnung der Wähler zum deutschen Reichstage betrachtet werden müssen. Nun hat zwar jüngst in der entscheidenden Sitzung, die zur Auflösung des Reichstages führte, die kleine politische Gruppe des Börsenfreisinns, in die der gegenwärtige Vertreter unseres Wahlkreises nach mancherlei Irrfahrten Hineingeraten ist, für den Regierungsantrag gestimmt, allein jene Partei hat so oft Schwankungen und Wandlungen ihres Kurses durchgemacht, daß man bei ihr stets auf Ueberraschungen gefaßt sein muß. Allen wahrhaft national gesinnten Wählern kann daher nur dringend empfohlen werden, tönenden Phrasen und Brandreden derer, die sich noch heute nach ihrem Uebertritte zur Freisinnigen Vereinigung, um harmlose Wähler irre zu führen, fo gern national-sozial nennen, ihr Ohr zu verschließen. Ernster als je ist die Lage! An alle wahrhaften Freunde des Vaterlandes ergeht daher die Mahnung, bei der bevorstehenden Neuwahl zum Reichstage einem wahrhaft nationalfühlenden Manne ihre Stimme zu geben, der auch in seiner Person Bürgschaft dafür bietet, daß er dereinst als gewählter Vertreter unseres Reichstagswahlkreises zu feinem Teile mitarbeitet, den nationalen Bestrebungen der Reichsregierung zum Siege zu verhelfen!
Deutsch?' Reich.
Berlin, 19. Dezember.
— Der Kaiser, der gestern früh mit der Kaiserin, von Kiel kommend, wieder im Neuen Palais eintras, hörte vormittags den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Abends nahm der Kaiser an dem alljährlichen Parforcejagd-Diner in den Räumen des Kaiserlichen Automobilklubs in Berlin teil.
— Die Arbeiten am preußischen Staatshaus« haltsetatsrntwurfe für 1907 sind so gefördert, daß seine Fertigstellung demnächst erwartet werden darf. Die Drucklegung wird dann noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Man wird jedoch damit rechnen können, daß, wenn >er preußische Landtag am 8. Januar sich zu seiner neuen Tagung versammelt, er auch den Etatsentwurf vorfinden wird. Der Brauch, wonach der Finanzminister selbst den Etat mit einer einleitenden Rede im Abgeordnetenhause einbringt, soll auch diesmal gewahrt werden. Man nimmt an, daß, namentlich wenn das Abgeordnetenhaus, wie bereits in den letzten Jahren, auch im nächsten eine Beratungskontingentierung vornimmt, es ohne größere Schwierigkeiten inöglich sein wird, den nächstjährigen preußischen Etat rechtzeitig fertigzustellen, was umso erwünschter wäre, als es nunmehr feststeht, daß der nächstjährige Reichshaushaltsetat vor dem 1. April nicht verabschiedet werden wird.
— Die Nichtwähler bei der Reichstagswahl könnten dem Parlament ein anderes Aussehen geben. Nach der amtlichen Wahlstatistik waren im Jahre 1903 bei einer Bevölkerung von 56% Millionen (56 367 178) 12% Millionen Wahlberechtigte (genau 12 531210), davon haben sich der Wahl enthalten fast drei Millionen, (genau 2 997 384) oder 23,9 Prozent. Also ungefähr der vierte Teil der Wahlberech
tigten hat seine Stimme nicht in die Wagschalß gelegt. Zu welchen Parteien mögen diese Enft haltsamen gehören?
Gewißlich wird fit sog. „bombensicheren* Wahlkreisen, wie es z. B. einige Zentrumswahl- kreise am Niederrhein und in Bayern sind, ein Teil der sieggewohnten Parteianhänger nicht zur Urne gekommen sein, weil der Sieg ja „so wie so sicher sei." Aber mehr noch werden Anhänger der seit Jahrzehnten unterliegenden Minderheitsparteien sich den Gang zum Wahltisch er* spart haben, weil ja „doch nichts zu machen ist". Die meisten aber werden in mancherlei Wahlkreisen umherwohnen und könnten, wenn sie aus ihrer Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit aufgeweckt würden, weithin im Vaixr- lande eine Wendung zum Segen herbeiführen. Darum gilt es für die nationalen Parteien neben der ernsten Pflicht des gemeinsamen Kampfes unter Ausschaltung einer kleinlichen FrUk« tionspolitik vor allem auch, die große Schar der Wahlenthaltsamen aufzuwecken. Alle Man« zur Stelle!
Von den abgegebenen 9% Millionen Stirn* men erhielten über eine Million:
Sozialdemokraten
3 010771
ob. 31,7 Pro»
Zentrum
1875 273
19,7
w
Nationalliberalen
1317 401
w
13,9
w
Weniger als eine Million:
Deutschkcnservative
948 448
N
10
w
Deutsche Reichsp.
333 404
W
3,5
w
Freis. Vereinigung
243 230
»
2,6
w
Freis. Volkspartet
538 206
w
5,6
•
Deutsche Volksp.
91217
w
1,0
w
Polen
347784
H
3,7
w
Antisemiten
244 543
M
2,6
w
Bd. d. Landw.
118 759
19
1,2
w
Bauernbund
111 375
H
1,2
w
Andere Parteien
248 024
»9
2,6
99
— Die Auflösung des Reichstages und dis Deutsche Kolonialgesellschaft. Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Herzog Johan« Albrecht zu Mecklenburg erläßt nachstehend« Aufruf an die Mitglieder der Gesellschaft:
An die
Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft!
Der deutsche Reichstag ist aufgelöst, aufgelöst ans Anlaß einer kolonialen Forderung! Dis Mehrheit der bisherigen Volksvertreter hat versagt da, wo nationale Ehre und einfachste Pflicht gegenüber unseren in harten Kämpfen ihr Blur und Leben für des Reiches Wohlfahrt opfernde« südwestafrikanischen Truppen einstimmige Annahme der Regierungsvorlage erheischte. War dock, nur das zum Unterhalt und zur Kriegsbereitschaft bet Trupepn unerläßlich Notwendige gefordert und nur verlangt, daß soviel Truppe» auf dem Kampfplatz belasten würden, als nach reiflichster und sachlichster Prüfung durch die Regierung zur möglichst baldigen Beendigung der an Blut- und Keldopfem so überreichen Kampfer erforderlich sind.
Nicht genug ist gewürdigt worden, daß mit dem ablehnenden Beschluß unseren tapferen Kriegern dort draußen der in blutigen Gefechte« und unerhörten Strapazen errungene Lorbeer des Sieges wieder entristen und sie gezwungen werden sollten, vor den wilden räuberische« Hottentotten das Feld zu räumen. Unsere Ansiedler sollten aufs neue schutzlos den Wilden z« Plünderuna und grausamem Martertode ausge- liefert werden.
Dieser Beschluß bedeutet ein Waffenstrecke« Deutschlands vor aufrührerischen Räuberbanden, ein unrühmliches Zurückweichen vor geringem Feinde, ein Ansporn Unseren andere« Neidern und Gegnern, UNS als leichte Beute z« betrachten.
Dis Regierung hat erklärt, die Verantwortung für diesen Beschluß nicht übernehmen z« können, und denReichstag aufgelöst, weil sie nur die Mittel zur Erfüllung einer nationalen Aufgabe ge, ordert habe.
Sie hat damit zugleich anerkannt, daß unsere Kolonien einen sehr viel höheren Wert für die Weltstellung unseres Vaterlandes bedeuten, als bisher von weiten Kreisen des Volkes, ja scheinbar von ihr selbst zugestanden worden war.
Uns, den Mitgliedern der Deutschen Kolo- nialgesettschaft, die wir von jeher unsere Kolonien als ein wertvolles Gut des deutschen Volkes erkannt haben, erwächst nun die Pflicht, bei diesem ernsten Anlaß diese unsere Anschauung öffentlich zu bezeugen, sie in immer weitere Kreise zu tragen und zum Siege zu führen.
Treten wir alle, wie und wo wir können, mit allen Kräften für unsereKolonien ein! Dann wirb es uns auch beschieden sein, in den Reichstag eine Volksvertretung einziehen zu sehen, die in ihrer Mehrheit unsere Kolonien gleich hoch bewertet wie wir. Koloniale Fragen sind keine Fragen der Partei; sie sind Fragen der Volkswirtschaft und der nationalen Politik: sie be-