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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch, 19. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, llmversttLtEuchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahr«.
Erstes Blatt.
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!Der Kernpuntt der Kolonialreform.
• In der „Ostpreußischen Zeitung" vetöffent- »ticht Fritz Bley einen Aufsatz, der nicht nur auf ine Verhandlungen der Reichskommisston zur -Untersuchung der Rechtsverhältnisse der Kolo- mialkonzsssionen, sondern damit zugleich auf die innerste Fehlerquelle unserer bisherigen Kolomalpolitik ein sehr bezeichnendes Licht wirft, löt weist eingangs darauf hin, daß auch jetzt noch diese Frage den Kernpunkt der aufbauenden Reform bilde und daß deshalb auch alle 'Kolonialskandale, alle Reibereien in der Kom- ,Mission und alle Machtproben einzelner Parteien auf die Dauer die Aufmerksamkeit des Volkes nicht ablenken können von der Mißwirtschaft* unb dem Bodenwucher der spekulierenden Konzessionsgesellschaften. Die zur Untersuchung der südwestafrikanischen Landgesellschaftenfrage eingesetzte gemischte Kommission hatte sich bekanntlich bereits am Montag, 3. Dezember, zunächst mit der „Siedlungsgesellschaft" des Herrn Voh- scn beschäftigt. Bei dieser Gesellschaft trat die Rechtsfrage nach der Ungültigkeit oder Verwirkung der Konzession in den Hintergrund, da die Gesellschaft, allerdings erst nach einer lebhaften Agitation der nationalen Kolonialfreunde gegen sie, sich entschlossen hatte, ihre Landkonzession von noch 18 000 Quadratkilometer freiwillig dem Staate zurückzugeben, der fie ihr im Jahre 1892 bezw. 1896 geschenkt hatte.
Der Entschluß ist der Gesellschaft natürlich schwer geworden, und er schien bet ihren in der Landkommission fitzenden Vertretern und Freunden, den Herren Vohsen, v. Vornhaupt, v. Bennigsen u. a., auch noch gar nicht sehr fest zu sein, denn sie bekämpften zum Teil ganz offen die Absicht des Staates auf Zurücknahme des Landes, zum Teil wenigstens den von der jetzigen Kolonialregierung und von den nationalen Kolonialpolitikern vertretenen Standpunkt, daß die Landgesellschaften sowohl das Mutterland wie die Kolonie in ihrer Entwickelung schädigen, «nd daß insbesondere die Siedelungsgesellschaft durchaus nicht die Kolonie nützliche Tätigkeit entfaltet hat, deren sie sich selbst so laut gerühmt hat. Die Herren wehrten sich gegen die Beseitigung der Gesellschaft aus allen Kräften und mit allen Mitteln. Auf die Kommission machte es einen in hohem Grade peinlichen Eindruck, daß der erste Berichterstatter, Herr v. Bennigsen, sich ganz und gar im Sinne der Siedelungsgesell-
Z2 (Nachdruck Verboien.)
lieber alles die Kunst.
Roman von Elarissa Lohde.
(Fortsetzung).
Als Susanne diesen Brief der Mutter vorlas, waren die Geschwister Berger gerade anwesend. Bitter zuckte cs um Alfreds Mund, als sein Name erwähnt wurde. Trotz des Sturmes der Genüsse, in denen Marga lebte, ttotz der Prinzen und Grafen, von denen sie umgeben war, dachte sie wirklich noch an eine so unbedeutende Persönlichkeit, wie ihn. Das hätte er kaum erwartet. Oder war es nur müßige Neugier, wohl gar der Wunsch, daß er schon cw- gereist »nd damit aus dem Kreise ihrer Familie ausgeschieben sei? Vielleicht.
„Wirst du Marga in Paris aufsuchen, Alfred," fragte die Rätin mit ihrer sanften Stimme. Ich hörte so gern aus unbefangenem Munde, wie sie dort lebt."
„Aber sie schreibt ja so ausführlich, Frauchen," warf der Rat ein, der jetzt alle seine freien Stunden bei den Seinigen zubrachte. „Genaueres wird Alfred uns auch nicht berichten können. Doch hoffe ich, es wird ihn selbst interessieren, seine Jugendfreundin dort wiederzusehen."
Wie fern doch der alte Rat den Vorgängen des letzten Jahres stand! Er ahnte nichts von alledem, was sich unter seinen Augen abgespielt hatte.
| Aber Alfred war froh darüber. Der brave Mann hätte vielleicht doch über die wechselnde Laune seiner Marga einigen Kummer empfunden. Es war besser so, viel besser. Marga hatte mit der Verheimlichung ihres Verlöbnisses lrecht behalten.
Endlich kam denn auch für ihn der Tag des Abschieds. Er war tief bewegt. Das Scheiden vo.l der Schwester, von dem kleinen Kreise, wurde ihm schwer, umso mehr, da er eine Kranke verließ, die wicderzusehen er kaum Höften durfte. Und er verehrte die arme Dulderin wie eine .Mutter, Sie war ihm das Vorbild edelster
schäft aussprach, und es muß ausdrücklich anerkannt werden, daß der dem Zentrum angehörige zweite Berichterstatter, Herr v. Savigny, im Gegensätze hierzu eine sehr klare Schilderung der Sachlage gab, die den Kommisstonsmitgliedern ermöglichte, sich ein durchaus unbefangenes Urteil zu bilden.
Wie bekannt, wurde die Sitzung am 8. Dezember abgebrochen, damit beide Berichte nebst den gestellten Anträgen im Druck den Mitgliedern zugänglich gemacht werden konnten.
In der zweiten Sitzung, deren sehr lebhafte Erörterung am 10. Dezember über fünf Stunden dauerte, ließen die Herren von den Land« gesellschaften alle Künste spielen. Sie scheiterten aber an der sehr festen Haltung der Vertreter des Zentrums und an den sehr deutlichen Erklärungen des Kolonialdirektors Dernburg und des Gouverneurs v. Lindequist, die über die Schädlichkeit der Gesellschaft keinen Zweifel ließen und ihr für den Fall, daß sie das Land nicht gutwillig wieder herausgebe, „andere Mittel" ankündigten. Geradezu niederschmetternde für die Vertreter der Spekulationsgesellschaften, und die ganze Lage wie mit einem Scheinwerfer aufhellend, wirkte die Mitteilung, daß Herr von Bennigsen seit Jahren als Direktionsmitglied der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika den Landgesellschaften nahe gestanden hat. Die Siedelungsgesellschaft ihrerseits tat noch ein übriges, um die Lage zu klären. Rach dem von der Kommission am Schlüsse angenommenen Anträge des Herrn v Savigny verbleiben der Siedelungsgesellschaft: außer ihrem Aktienkapital von 300 000 Mark ihr bisheriger Reingewinn von 632 000 Mark, also mehr als das Doppelte ihres Kapitals, ferner die Farmen „Hoffnung" und „Unverzagt", sowie die Nebenfarmen „Opembamewa" und „Kaukurus", die wiederum einen Wert von 100 000 Mark darstellen. Alles übrige der Gesellschaft gehörige Land soll dagegen an den Fiskus des Schutzgebietes kostenlos zurückfallen und die Konzession im übrigen für erloschen erklärt werden. Die Gesellschaft macht damit, wie man sieht, ein geradezu glänzendes Geschäft, zumal ihre Rück- lagen nunmehr wieder flüssiges Bargeld werden. Trotzdem war sie nicht damit zufrieden, sondern beanttagte durch ihr Verwaltungsratsmitglied, Herrn v. Bornhaupt, die Kommission möge ihr die Anerkennung des Reiches für ihre bisher geleistete Tätigkeit aussprechen und sie bitten, in dieser Tätigkeit fortzufahren. Dieser Antrag verstärkte aber lediglich bei der Kommission die bereits herrschende peinliche Empfindung. Denn wenn es überhaupt bereits seltsam erschien, daß
Weiblichkeit, wie es, ach, so selten zu finden ist. Schiede ihr stilles, friedliches Bild aus diesem Kreise, dann schied auch das beste aus ihm, der Brennpunkt, um den sich alles drehte, der lichte Geist, von dem schon ein Schimmer der Ewigkeit verklärend auf seine Umgebung fiel.
Sic legte die Hand auf des Jünglings Haupt, der sich scheidend vor ihr neigte: „Gott sei mit Dir Alfred," sagte sie. „Kehre so wieder, wie du jetzt fortgehst, an Leib und Seele gesund!"
„Das gelobe ich," sagte er ernst. „Ich werde die Güte, die ich von dir, von all den Deinen empfangen, die Watte, die du eben zu mir ge- sprachen, nie vergessen. Sie sollen mir zum Leitstern werden, dessen Bild mir auch im Dunkel der Nacht den rechten Weg weisen soll, daß ich ihn nicht verfehle." Die Kranke fühlte die jungen Lipve-' warm und innig auf ihrer Hand ruhen. Tränen stahlen sich in die verloschenen Augen, aber sie trocknete sie rasch. Der Scheidende ging ja den Glücke entgegen. Die Reise erfüllte den so lange gehegten Wunsch seines Herzens, wie sollte sie ibn da traurig stimmen wollen?
Mit einem Lächeln winkte sie ihm noch zu, als er fortging. Das war der letzte Eindruck, den er von ihr hatte und den er unverlöschlich in der Seele bewahrte.
XV.
Eine wunderbare Frühlingsnacht breitete sich über die weiten Plätze und Straßen des Seinebabels. Der Mond ist aufgegangen und wetteifette mit demStrahl der zahlrei^en elektrischen und Gasflammen. Eine beitere Menne bewegte wogte auf den Kais und Boulevards hin und her, das fortwährende Rollen der Fiaker und Omnibusse betäubt das Ohr. *
Der Karten, der die Villa Palfy in der Avenue Victor Hugo umgibt, strahlt in buntfarbiger Pracht.
Man hat eben im weitgeöffneten Earten- saal das Diner eingenommen. Jetzt strömt alles hinaus, Paar nach Paar, überall lachende Stim- wten, glänzende Augen. Der Champagner hat seine Wirkung getan, man befindet sich io. ani- miertefter Stimmung.
di« Herren v. Bornhaupt und von Bennigsen als stimmberechtigte Mitglieder an dieser Beratung einer Untersuchungskommisfion über die Rechtsverhältnisse ihrer eigenen Gesellschaft teil- nahmen, so setzt der Antrag Bornhaupt dem geradezu die Krone auf. Unter eisigem Schweigen wurde er mit allen gegen die Stimme des Antragsstellers abgelehnt. Es gibt keinen Grund, über diese Tatsachen nicht zu sprechen, zumal fie auf den Reichstagstribünen und in der Presse rundweg erörtert wurde. Insbesondere hat auch Herr v. Bennigsen in der „Kölnischen Zeitung" einen freilich sehr „gefärbten" Bettcht über die Kommissionssitzung veröffentlicht.
Die weitere Verhandlung der Kommission gestaltete sich zu einem geradezu vernichtenden Urteile über die Landgesellschaften. Mit der höchst bezeichnenden Ausnahme der Sozialdemokraten und Freisinnigen sprachen alle Redner unzweideutig aus, daß diese Gesellschaften das Aufblühen der Kolonien unterbunden haben und daß mit dem bisherigen System der Ver- schenkung von kolonial-fiskalischem Vermögen ein Ende gemacht werden muß. Cs war eine kleine Zahl überzeugter Kolonialpolitiker, die seit Jahren und Jahren unermüdlich gegen die Nebenregierung Verwahrung eingelegt hatte, deren Einfluß leider auch den Kolonialrat und den Ausschuß der deutschen Kolonialgesellschaft beherrschte. Der Beschluß vom 10. Dezember ist deswegen von so grundsätzlicher Bedeutung, weil die nunmehr ihrer Konzession verlustig erklärte Siedelungsgesellschaft gerade es war, die in dem Ausschüsse der Deutschen Kolonialgesellsckast durch ihre Vertreter das entscheidende Wort führte. Das Reich kann mit dem Ausgange dieser Verhandlungen wahrlich zufrieden sein. Daß die alten Vorkämpfer der kolonialpolitischen Reform, unter denen der Verfasser in der Front gestanden hat, mit Genugtuung auf den hinter uns liegenden Kampf zurückblicken, wird kein Redlicher und Wohlmeinender ihnen verübeln wollen.
Wenn aber jetzt zur Wahlparole der Ruf erhoben wird: „Für die Kolonien!" so soll man im Lande die Augen offen halten, damit nicht wieder der Vock zum Gärtner gemacht wird!
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Dez.
— Stapellauf des Linienschiffes Schleswig- Holstein. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, ist das Kaiserpaar gestern von Potsdam nach Kiel gefahren. Der Zweck dieser Reise war die Taufe des jüngsten Linienschiffes der kaiserlichen Ma-
Der Star des Abends, ein junger Fürstensohn aus mediatisiertem Hause, hat der Gräfin seinen Arm gereicht. Sie steht berückend schön aus in ihrer weißen, mit Perlen geschmückten kostbaren Robe. Ein Brillantstern blitzt in dem hochgebauschten dunklen Haare, das auf die Mitte der Stirn in einer Locke herabfällt.
Auch Marga glänzt in einer, eben aus dem Atelier eines berühmten Schneiderkünstlers hervorgegangenen Toilette. Sie ist etwas voller geworden und der Pattser Schnitt enthüllt noch etwas mehr von ihren Reizen, als vordem ihre Berliner Toiletten.
Ein silberschimmernder Stoff über grünlichem Grunde gibt ihr etwas Nixenhaftes, besonders da das Haar durch die Kunst des Friseurs in noch goldigerem Schimmer glänzt, als ihn ihr die Natur gegeben hat. Die Brillanten, die der Gräfin schönes Haupt schmücken, fehlen ihr zwar noch sie mag den einfachen Schmuck, den fie von Hause mitgebracht, nicht anlegen und zieht es deshalb vor, denselben durch kunstvolle Arrangements von Blumen und Spitzen zu ersetzen. Ne- methy führt Re, er legt vertraulich seine Hand auf die ihre und flüstert ihr allerhand Schmeichelhaftes ins Ohr, was ihr das Blut in Hals und Wangen treibt.
„Reizend," sagt er, „reizend! Gerade so gefallen Sie mit. Dieses leichte, verschämte Erröten und doch das Wissen im Blick!"
„Herr Baron!" wehrte sie.
„Ach, spielen wir uns doch keine Komödie vor schöne Marga," lächelte er. „Unter dem Wissen, süßes Kind, verstehe ich ja nur, daß Sie wissen, was Sie wollen. Solche Frauen imponieren mir und deshalb imponieren Sie mir auch."
Er nimmt mit ihr in einer der grünumrantten Lauben Platz, in denen auf marmornen Tischen Kaffee und Likör serviert ist. Die Zweige blühender Glizynien neigen sich über ihre Häupter, Rosen und Reseden senden berauschende Düfte.
Er zieht sie an seine Seite, wagt es, den Arm um sie zu legen. Sie zittert unter seiner Berührung und ftndet dock nicht die Kraft, sie zu- rückzuweisen. Za, et oat Macht über fie ge«
rtne. Nachdem die Majestäten das Schlachtschiff „Deutschland" besichtigt hatten, wurde vonnib- tags 11 y2 Uhr auf der Germaniawerft das Linienschiff Q in Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin, zahlreicher Fürstlichkeiten, der Spitze«! der Zivilbehörden der Provinz Schleswig-Holstein und der Stadt Kiel, der Marine- und Mt- lttärbehörden, sowie einer zahlreichen Festversammlung von Stapel gelassen. Die Äatf ett«; taufte das Schiff auf den Namen „Schles«! w i g - H o l st e i n". Die Taufrede hielt Herzog | Ernst Günther.
— Widerlegte Tendenzgeriichte. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In der ausländischen Presse wird mit einem angeblichen Telegramm der Kaisers an den Reichskanzler über die Auf«! lösung des Reichstages Unfug getrieben. Aus! dem Inhalt dieser Depesche wird mit dem An-' schein wörtlicher Wiedergabe der Satz angefühtt: »Ich jage die ganze Bande zum Teufel". Der Londoner „Daily Expreß" beschäftigt sich tu- zwei Nummern des längeren mit dieser Geschichte; wir begegnen ihr aber auch in Wiener Blättern. Selbstverständlich handelt es sich um eine plumpe Erfindung. Dem Reichskanzler ist ein Telegramm des Kaisers, das die angeführte oder eine ähnliche Wendung enthielt, nicht zugegangen. Während der letzten Reichstagssitzung traf beim Reichskanzler überhaupt keine kaiserliche Draht«- mitteilung ein. — Auch die von uns bereits als unglaublich bezeichnete Sensationsmeldung, daß sich in dem nicht veröffentlichte« Teile des Hohenloheschen Tagebuches eine Aufzeichnung befinde, aus der hervorgehe, daß der' deutsche Kaiser, um das Zentrum für die Mill« tärvorlage von 1893 zu gewinnen, dem Papst«' ein Geldgeschenk von einer halben Million Frs. gemacht habe, ist als eine Erfindung zu betrachte. Die „Frff. Ztg." äußert sich aufgrund Münchener Informationen dahin, daß jedenfalls die im Auftrage des Kaisers erfolgte! Uebetteichung Jubiläumsgeschenkes (in Gestalt. eines Bischofsringes) anläßlich des 50 Jahrestages der Bischofsweihe Papst Leo XIII. durch Generaloberst von Loö den Anlaß zu jener Mär gegeben habe. — Die beiden Sensationsmeldungen bedeuten Versuche, dem deutschen Volke das Bild des Kaisers zu verdunkeln. Di« Nationale Presse kann nicht scharf genug gegen solche Ausstreuungen Stellung nehmen.
— Die Antwort des Eumberländers. Die „Braunschw. Neuest. Nachr." melden, der Herzog von Cumberland habe dem braunschweigische«: Staatsministerium eine Antwort zugehen lasses in der er erklätte, er halte seine Ansprüche auf.
wonnen, der stolze, dunkle Ungar, auch sie steht schon unter dem Banne seiner Augen. Sie weiß das und geht ihm seit einiger Zeit scheu aus dem Wege.
„Schenken Sie ein, holde Hebe," lächelte er ihr zu, während fein Blick heiß und begehrlich auf ihrer schönen Gestalt ruht. „Und sollte ich den Tod im Augenblick Ihrer Schönheit trinken, ich tränke ihn gern, Marga! Lassen Sie die Sprödigkeit, warum fliehen Eie mich? Hat di« Taube Furcht vor den Fängen des Adlers? Glauben Sie mir, der Adler zieht die Krallen ein und legt sich mit lauft gealättetem Gefieder ihr zu Füßen, wenn sie ihn erhört."
Seine Hand faßt die bebende Margas, di« ihm eben die Tasse hinreicht, und drückt heiße Küsse auf dieselbe.
Herr Baron, soll ich die Laube verlassen?" wehrt sie ihm leise.
Er blickt fie flehend an.
„Ich glaube wahrhaftig, Sie tötens, Marga. Sie gehören zu den selbstbewußten Weibern, die sich nie ganz vergessen können, auch in der glühendsten Leidenschaft nicht. Ick weiß ja. Sie erwidern meine Gefühle, leugnen Sie nicht. Was die Lippen verschweigen, haben mit die klaren, schönen Augen schon lanae verraten. Aber Si« mehren sich nach, weil Sie wir nicht trauen, Marga. Wenn ich nun sage: Sie haben unrecht, mit zu mißtrauen. Ich bin ein ehrlicher Man« und werbe ehrlich um Ihre Liebe und Ihre Hand."
Wie ein elektrischer Schlag durchfährt es sie. Ihre Lippen öffnen sich ohne ein Wort zu finden. Sie hat nie daran gedacht, daß des Barons aufdringlicher Bewunderung ernste Absichten zugrunde liegen könnten. Das fetzt die Sache sofort in ein anderes Licht. Baronin Nemethy, die Gemahlin eines ungarischen Magnaten! Das hebt sie ja zu dem Gesellschaftskreise empor, nach dem sie strebt. Ein tiefnebigtes Gefühl bes Stolzes leuchtet ihm aus ihren Augen entgegen.
Da fühlte sie ihre Hanb heftig gepreßt. !
„Still," hört sie ihn hastig flüstern, „jetzt kei« Wott! Ich werde sprechen, wenn es Zeit ist."
IFottsetz««- folgt.)