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mit dem Krersdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
_______ ^ormtaaSbettsaer AArrsLrirteS
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Marburg
Smmtafl, 16. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversMs-Buchbruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
"Jahrg.
Viertes Blatt.
Eltern, Lehrer und Schulen.
Kaum etwas ist in ünserm kritischen Zeitalter so sehr umstritten worden als die Schule. Tie Volksschule sowohl wie die höhere Schule. Neide aber in verschiedener Weise. Bei der ersteren handelt es sich vornehmlich um die Frage: Konfessionelle oder Simultanschule. Der Streit beruht hier im letzten Gründe auf dem zwar ost ausgesprochenen aber gewiß übertriebenen Satze »Wer die Schule hat, hat die Zukunft." Man beachtet nicht, das; der Einfluß der Schule gegenüber dem Elternhause naturgemäß weniger Bedeutung hat. (Vgl. Polnischer Schulstreit.) Im höheren Schulwesen könnte nun eigentlich von allen Seiten, nachdem auch vom Gymnasialverein die Gleichberechtigung aller llstufigen Anstalten prinzipiell anerkannt ist, der Streit um die Schulgattung ruhen. Wenn trotzdem immer neue Angriffe gerade das Gymnasium treffen, so hat nian den Eindruck als ob von gewisser Seite die völlige Beseitigung angestrebt werde. Einer der stärksten Rufer im Streit gegen das „altbewährte" Gymnasium, wie er es höhnisch bezeichnet, ist Ludwig Gurlitt, der mit Wonne alle Lebenserinnerungen hsranzieht, 'n denen die Verfasser sich ungünstig über «' Schule äußern. „Stoch jüngst empfahl er ein solches Buch im „Tag", aus dem er Stellen anführt wie die folgende:
„Run sehe man unsere heutigen Gymnasiasten, die womöglich schon vom sechsten Lebensjahr ab dis Vorschule besuchen, eingepfercht in traurige, »ft licht- und luftlose Räume, zunt Turnunterricht widerwillig geführt, weil freudlos, trüge und kraftlos, nichts wissend, als was ihnen ein gepaukt wurde, ohne jede Kenntnis des Lebens, krankhaft nach einer Erlösung verlangend aus einem Kerker, nicht selten sich mit Selbstmordgedanken tragend. Die meisten üou ihnen haben das Aussehen von Mehlwürmern, wie jemand es treffend nannte: wenn sie aber die Schule wirklich durchgemacht haben, was nur wenigen gelingt, sind es ost nur — bebrillte Krüppel. Ich habe es erlebt, daß ein unbegabter, aber höchst fleißiger Schüler in der Tertia namens Woltsrs- dorf vor Uebcranstrengung wahnsinnig wurde. Das Gymnasium müßte aufhören, ein Prokrustesbett zu fein. . . . Denken lehrt nicht die Schule, sondern das Leben und die eigene Geisteskraft ganz von selbst. Vor allem darf der Verstand des Schülers nicht durch verfrühtes Denken und Grübeln verwirrt werden."
Im weiteren bezeichnet der Verfasser die Schule wie sie in seiner Erinnerung erscheint als „Schlammbad". Da unsere Schulen heute sowohl in hygienischer Beziehung als auch in Unter- richtsfragen bedeutend besser dastehe.', al" die Schulen der frühere« Jahre, so muß man, wenn man in diesen trüben Bildern zurückschließen toi ff, annehmen, daß unsere heutige Generation
Marburger Erinnerungen.
Don L. M ü l l e r.
Die letzte Hinrichtung ta Marburg.
Am 14. Oktober 1864 fand seit länger denn l fünfzig Jahren zum erstenmalc wieder in Marburg d-s traurige Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung statt. Auf demselben Berge unweit der Stadt, wo vor einem Jahre viele Menschen in gehobenster patriotischer Stimmung zur bOjährigen Feier des 18. Oktober um ein hochloderndes Freudenfeier versammelt waren, umstanden Tausende von Menschen das notdürftig restaurierte Schaffst, den sog. Rabenstein, um die Hinrichtung eines zum Tode verurteilten Ludwig Hilberg mitanzuschauen. Schon früh morgens, noch vor Tagesanbruch, durchzogen Massen von Landleuten aus näheren und entfernteren Orten die Straßen unserer Stadt, während schon am Abend vorher der letzte Bahn- zug manchen Fremden und von Cassel zwei Kompagnien Militär vom Regiment Kurfürst hierher geführt hatte. Am 14. Oktober morgens wurde das- Militär durch die Reveille unter Gewehr gerufen, es begab sich nach dem Amtsgerichtsgefängnis neben der Kugelkirche. Während die Einen den Soldaten folgten, begaben sich die Anderen nach der bei dem Hansenhaus gelegenen Richtstätte, wo sich das Schasid' und der Richtstuhl, ein einfacher viereckiger Stuhl mit niederer Rück- und Armlehne aufgestellt befand. Ein Wagen mit langem viereckigen Kasten stand feit 6 Uhr unterhalb der Richtsiätte zur Aufnahme des Leichnams bereit/ Zwischen 7 Lnd 8. Übt blickte die Sonne unverhüllt über un-
zum großen Teil aus Krüppeln besteht. Daß die Anforderungen an die Schulen gestiegen wären, läßt sich mit dem besten Willen nicht behaupten, das wird jeder Aeltere bestätigen. Aus solchen Erwägungen heraus kann jeder einzelne selbst, wenn er nicht agitatorisch veranlagt ist, sehen, wohin Verallgemeinerungen oder Ueber- treibungen in dieser Beziehung führen. Doch darf man ruhig hier die Sache als Unzufriedenheit mit der Schule selbst betrachten. Diese Vorwürfe werden wohl von einzelnen gegen bestimmte Schularten besonders erhoben, ihr Geltungsbereich ist im Grunde aber ein allgemeiner und wird auch so aufgefaßt. Gegen das Gymnasium geht der Feldzug in erster Linie, weil es noch bei manchen als völlig veraltet und unzeitgemäß gilt.
Diese Kritik der Schule hat eine ganze Literatur in Flugschriften und Zeitungsartikeln hervorgerufen, wobei sich allerdings das Schau- fpiel oft wiederholt, daß der eine als Allheilmittel preist, was der andere eben verworfen hat. Aus dieser Wühlarbeit kann nur ein unschönes Verhältnis zwischen Schule und Haus entstehen, das gewiß nicht im Jnteresie des Erziehungswerkes selbst liegt. Denn die Grundlage eines gedeihlichen Zusammenwirkens ist zweifellos das Vertrauen zum mindesten auf den guten Willen des Erziehers. Wie wenig aber findet man den Gedanken bei Eltern, daß in der Schule Menschen bemüht sind, die Kinder vorwärts zu bringen? Jetzt ist es wohl dahin gekommen, daß die Eltern mit den Söhnen und Töchtern z u s a m m e n in der Schule eine große feindliche Macht sehen, di« ein glückliches Dahinleben stört, ein böses Schicksal, mit dem man zu ringen, über das man zu seufzen oder mit den Zähnen zu knirschen hat, das sich breit und anmaßend in den Weg pflanzt, so daß man nur Vi aller Enge und Pein sich vorbei bewegt. „Und so wird denn auch jedes fehlende Gelingen als Wirkung dieser feindseligen Uebermacht betrachtet, für das Gelingen aber zollt man keinerlei Dank". Diese Charakteristik der allgemeinen Stimmung, die wohl jeder als richtig erkennen rvird, finde ich in der Schrift des bekannten Pädagogen Wilhelm Münch „Eltern, Lehrer und Schulen in der Gegenwart" (Berl. Alex. Erntet 1906). Münch untersucht diese Fragen eingehend. Hoffen wir, daß sein Buch von vielen gelesen wird. Allerdings ist heute die Neigung sich objektiv und ruhig über etwas unterrichten zu lassen, nicht eben groß besonders in Fragen, die mit Glück agitatorisch behandelt werden. Hier hört man am liebsten Angriffe, je lauter desto bester. Das aber wird der Leser bei dem Verfasser nicht finden. Er beschönigt zwar das, was wirklich gebsstert werden muß und kann in hygienischer Beziehung z. B. keineswegs, er berührt Fragen der Verständigung zwischen Eltern und Lehrern, dis nicht oft genug erfolgen könne, vor allem sucht er den Unmut der Eltern zu erklären. Immer aber kommt er zu Urteilen, dir von den Behauptungen unsrer modernen Kritiker wesentlich abweichen. Zwar mit Münchs An-
serc Gegend hernieder, als Glockengeläute die Abfahrt des Deliquenten zu feiner letzten Reife ankündete.
In der Barfüßerstraße, unterhalb der Querstraße stand ein Leiterwagen bereit, der den mit einem schwarzen und weißen Totengewande und eben solcher Mütze bekleideten Hilberg aufnehmen sollte. Diesem gegenüber setzten sich nun zwei Geistliche im Ornat, nämlich Pfarrer Kolbe und Pfarrer Wille. Voraus ritten zwei Gendarmen und das Militär begleitete zu beiden Seiten den Wagen, dem eine unabsehbare Menschenmenge folgte. Hinter dem Wagen fuhr eine Chaise mit den Eerichtsherren, dem Assessor Henkel, dem Aktuar Pfeiffer und hem Eerichts- diener Lieding. Der Zug bewegte sich durä> die Untergaste, Weidenhaufen über den Cappler Berg. An der Richtstätte angekommen, wurde diese vom Militär umstellt, der 72jährige Scharfrichter Schwarz aus Hannover erwartete mit seinen zwei Gehilfen den Deliauenten, welchem die beidev Geistlichen vom Wagen halfen und zur Richtstätte führten, wo ihn die Sonne zum letzten Male bescheinen sollte. Etwas seitwärts gegenüber liegt der Dammelsberg, in welchem Hilberg vor drei Jahren den Mord begangen hatte. Pfarrer Kolbe zeigte ihm noch diesen Berg, dan' knieten die Geistlichen mit Hilberg niedc- zum Gebet und Pfarrer Kolbe hielt dann, mi' vernehmbarer Stimme eine Ansprache an den Verurteilten, der ganz zerknirscht und für geistlichen Zuspruch empfänglich, nun Absolution und Segen empfing.
Der Richter brach den Stab und übergab Hilberg dem Nachrichter. Derselbe setzte Hilberg auf den Stuhl und während der Geistliche die
sehen als Pädagoge werden viele moderne Leute bald fertig werden, wenn sie es nur schon mit seinen Gründen wären, um mit Lessing zu reden. Immer sorgfältig prüfend führt er seine Leser von einer Konfliktsfrage zur andern, von eenen ich hier einiges berühren will:
Wenn gefordert wird, daß mehr den Neigungen der Schüler nachgegeben werde bei der Auswahl der Lernstoffe, so fragt Münch: „Ist es vielleicht als ein Irrtum zu betrachten, daß von fester Nötigung während der Jugendjahre ein Wert für die Charakterbildung zu erwarten fein?" Die fast feindliche Stimmung gegenüber den Lehrern erklärt M. daraus, daß die Eltern diese meistens nur aus der Darstellung ihrer Kinder kennen, die natürlich einfach als richtig akzeptiert wird. Sie sehen zudem nur die häusliche Mühe, die schlechten Noten, Mitteilungshefte, die Angst vor dem Extemporale usw., von den stillen Einwirkungen der Lehrer nichts. „Daß im Unterricht selbst Wohlbedattes und vernünftig Durchgefaßtes vorgeht, daß cs im ganzen doch auf ein jedenfalls nicht unfreundliches Zusammenwirken zwischen Lehrenden und Lernenden hinausläuft, daß dabei die Kräfte abgeschätzt und die Zumutungen abgepaßt werden, kann man von jener Art von Perspektive aus nicht gewähren!" Was man dann am Lehrer alles Tadelnswertes findet, wie Münch es gewistenhast registriert, könnte zum Lachen reizen, wenn die Sache in ihren Folgen zuweilen doch nicht gar zu ernsthaft wäre. Mit Recht betont er, daß verschiedene Stände verschiedene Klagen haben, allgemein ist man aber von der Parteilichkeit des Lehrers felsenfest überzeugt. Für die Hausarbeiten, die bekanntlich der tüchtige, modern «Lehret ganz vermeiden soll, bricht Münch dann eine Lanze und hebt richtig hervor, daß Familien, in denen keine Beschwerden jener Art empfunden und ausgesprochen werden, sich meistens als diejenigen erweisen, in denen am meisten Ernst, Bildung und Ordnung vertreten ist.
Die Forderung individueller Behandlung, so, wie „besonders zärtliche Eltern namentlich bei solchen Kindern, deren Individualität in der häuslichen Sphäre infolge von Ungeschick, Gleichgültigkeit oder falscher Liebe sich allzu unbehindert hat entwickeln dürfen, das wünschen" ist allerdings nicht zu erfüllen: es kann sich hier nur um möglichste Entwicklung des Wertvollen und Abschleifung des Ungünstigen, „das doch auch zur individuellen Anlage gehört", handeln. Besonders sei noch hervorgehoben sein Wort über Erprobungen und Prüfungen, und die Wahrheit über die so viel geschmäbten Musterschüler, die eo ipso später entgleisen müssen nach Ansicht vieler Leute, sodaß es geradezu ein Verdienst ist, nicht zu ihnen gerechnet zu werden.
Es wirkt herzerfrischend, einmal kräftige Töne über die immer weiter um sich greifende weichliche Behandlung unserer Jugend, der man schon gar keine ernste Arbeit mehr zuzutrauen wagt, zu finden. Klagen Über nachgiebige El-
Bitte des „Vater Unser" sprach: „Vergib uns unsere Schuld usw." trennte der Scharfrichter den Verbrecher das Haupt vom Rumpfe. Die Zuschauer, deren Zahl sich auf etwa 10—12 000 beliefen, von denen die wenigsten aus Marburg waren, harrten während des ganzen Aktes mit lautloser Stille. Der Akt der Hinrichtung erfolgte mit dem Klockenschlag 8 Uhr.
Die Vorgeschichte dieser Hinrichtung hatte ein besonderes Jnteresie dadurch erregt, daß der Angeklagte Hilberg von den Geschworenen schon einmal mit 6 gegen 6 Stimmen für nicht schuldig erklärt, und demgemäß sofort in Freiheit gesetzt wurde. Als er sich später anschickte, einen Mili- [ tärpaß für die Reise.nach Amerika''zuu>-.rLrÄGn, wurde er, da sich inzwischen nTeitete Verdachtsgrunde ergeben hatten, in Casiel verhaftet. Jene vorhergegangene Freisprechung, sowie die lange Untersuchungshaft in der er feit September 1861 gesessen, waren für die Geschworenen (von 1864) und da Hilberg bei seiner Verurteilung noch kein Geständnis abgelegt hatte, ein Grund, daß sie ihn der Landesherrlichen Gnade empfahlen. Als nun diese nicht erfolgt war, gelang es dem Pfarrer Kolbe, Hilberg zu einem vollständigen Geständnis seiner entsetzlichen Tat zu bewegen, das er auch vor dem Präsidenten dem Obergerichts-Rat Eggena wiederholte.
Am 13. Juni 1864 hatten die Verhandlungen vor dem Schwurgericht zu Marburg gegen Hilberg, angeklagt des Mordes seiner Geliebten Dorothea Wiegand begonnen. Das Gericht bestand aus dem Oberappellationsrat Neuber, dem Obergerichtsrat Zinke, dem Ober-Eerichtsassessor Steinhauß und Wilhelmi als Ersatzrichter und dem Staatsanwalt Brauns. Der Obergerichts
tern sind ja ganz sicher nichts neues, aber gerade wenn man bei allem, was trän in Elternkreisen von der Jugend wünscht und an ihr tadelt, zuerst an die Schulen denkt und Anlaß zur Kritik nimmt, so ist es nur gerecht, daß Vater und Mutter bei sich selbst die Sonde anlegen und fra- gen, ob sic ihre Erziehungspflicht erkennen und ausfüllen. Was man da jeden Tag wahrnehmen kann, ermutigt nicht sehr. Kinder i« Wirtschaften, Theatern und bei sonstigen aufregenden Eenüsien sind leider keine Seltenheit mehr, und jeder Lehrer wird bestätigen können, daß die Leistungen vieler Schüler nicht am Sonnabend, wo doch eine arbeitsreiche Woche hinter ihnen liegt, sondern am Montag, wo sie doch ausgeruht wiede-kommen sollten, am schlechtesten sind. Körperliche und geistige Arbeit übt und stärkt die Organe, unzeitiger Genuß aber muß schwächen. Merkwürdiger Gegensatz! Immer und immer wieder hört man, daß es im Leben hart hergeht und der Kampf des Lebens immer heftiger wird und kräftige Männer fordert, und doch sucht man die Kinder in weiten Kreisen nicht zu stählen, sondern gerade jede Arbeit ihnen zu erleichtern, wenn sie nicht augenfälligen Vori '.l mit sich bringt. Der Gedanke, daß Uebung auch einen Wert für das Leben hat, scheint noch nicht durchgedrungen zu sein.
Dr. H.
Vermischtes.
Kriegers Heimkehr! Im schwarzen Anzug, mit Zylinderhut, die Brust mit Kriegsdenkmün- zen geschmückt, in der Hand einen Lorbeerkranz — so trat vor einigen Tagen mit vor Freude, Stolz und Sehnsucht zuckendem Gesicht ein alter Landmann auf den Bahnsteig des Seehausener Bahnhofs, um seinen aus Südwestafrika heimkehrenden Sohn in Empfang zu nehmen. Endlich lief der Zug ein, und gleich daraus hielt der Alte seinen strammen, von der südlicken Sonne gebräunten Sohn in den Armen und schmückte ihn mit dem Lorbeerkranz. Dann zog et de» Arm des Heimgekehrten durch den seinen und verließ freudig und stolz unter einem kräftigen Hurra der Reisenden, die sämtlich aus den Fenstern sahen und zum Teil auf dem Bahnsteiz standen, den Bahnhof.
Der saubere Eemeinderat. Eine köstliche Blüte deutschen Dorflebens stellt die folgende Bekanntmachung eines Dorfbüttels dar, die das „Schlettst. Tagebl." wiedergibt: „Es wird noch- c-mol bekannt gemacht, daß d'Lytt am Samschdi de Drack for ehre Hyser e-weckmache fette, u« wenn's noch-c-mol vorkummt, daß nett gebutzt esch, ze leid sich d'r Gemeindcroat drena." Da die Bürger anständige Leute sind, die ihren Eemeinderat ehren, schaffen sie alle den „Drack" von ihren Häusern fort, damit dem Eemeinderat das ..Hineinlcoen" erspart blieb.
In der französischen Stunde. „Wie Heisig „ich", Fräulein Emilie?" — „„Je!"" — „Eu>' Wie beißt „du", FräuleinAntonie?" — „„Tu!"". — „Ent! Wie heißt „er", Fräulein Matta — (Zerstreut): „Eduard!"
Verantwortlich für^di^Redaktion: Dr. Johannes Otto in Marburg.
anwalt Wolff war Verteidiger des Angeklagteil. Der Zuhörerraum war beständig überfüllt, Hebet die täglichen Verhandlungen wurden, da es noch keine Zeitungen gab, täglich von der Kochschen Druckerei Berichte ausgegeben. Jeder Bericht kostete y2 Silbergrofchen.
Hilberg war angeklagt: am 9. September 1861, die wie ihm bewußt, von ihm schwangere Dorothea Wiegand, auf dem Dammelsberg bet' Marburg getötet zu haben und zwar mittelst Durchfchneidung des Halses. Hilberg war der Sohn eines armen Leinwebers in Ockershausen, am 31. Juli 1837 geboren und 27 Jahre alt. Nach dem Tode seines Vaters lernte er in Barmen das Schuhmacher-Handwerk, diente dann als Soldat bei dem 1. Regiment in Casiel und war 1861 bei seiner Mutter, die in Ockershause» ein verschuldetes Häuschen mit etwas Länderei hatte. Bei der Schwurgerichtsverhandlung machte der Angeklagte durch sein freches widerwärtiges Betragen einen sehr unangenehme» Eindruck, seine Antworten gab er immer in einer straffen militärischen Haltung ab. Sei» Gesicht zeigte dabei ein höhnisches Lächeln, feie Temperament war zum Jähzorn geneigt.
Das Ergebnis bet Verhandlung faßte der Präsident in einem zweistündigen Vortrag zusammen, worauf den Geschworenen die Frage» vorgelegt wurden. Der Obmann Kaufman» Witzcl von Frankenberg verkündete den Wahrspruch der Eeschworencn, sie erkannten den Ludwig Hilberg mit sieben gegen fünf Stimmen für schuldig die Dorothea Wigand meuchlings ermordet zu haben. Das Gericht verurteilte ih«^ wie schon mitgeteilt, zum Tode mittelst Hin- richtunL durch das Schwert,