mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbair; '____________________ SonntaaSdetlaaer ZMuKrirteS ' ' ' *
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Honen. Schluß 6% Uhr.
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Auf der Tagesordnung stand zunächst die dritte Lesung des Entwurfs zur Ausführung der Eeneralakte von Algeciras. Der Entwurf wurde nach kurzen Bemerkungen des Abg. von Strombeck (Zentrum) in der Eesamtabstim« mung einstimmig angenommen. Nach Erledigung von Rechnungssachen wandte sich das Haus I Mr dritten Beratung der Vorlage über das llr- I heberrecht an Werken der bildenden Künste und I der Photographie.
I Eine Generaldiskussion fand nicht statt. In I der Einzelberatung wurde eine Reihe von Para- I graphen ohne Erörterung angenommen. Der schon in zweiter Lesung umstrittene § 23 besagt:
I »Für Zwecke der Rechtspflege und der öffent- I lichen Sicherheit dürfen von den Behörden Bild- | Nisse ohne Einwilligung des Berechtigten, sowie des Abgebildeten oder seiner Angehörigen vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zur Schau gestellt werden." Dazu lag vor ein Antrag der Sozialdemokraten: „Hinter dem Worte „dürfen", die bei der zweiten Lesung gestrichenen Worte: „nur auf richterliche Anordnung" wieder einzuschalten, sowie zweitens: auch die „Anfertigung von Bildnissen (ohne Einwilligung des Berechtigten) in den Paragraphen einzubeziehen.
| Auch soll dem Paragraphen noch der Satz hin- zugefügt werden: „Die richterliche Anordnung darf nur auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen erteilt werden." Abg. Stadthagen (Soz.) sprach die Befürchtung aus, die Beschlüsse zweiter Lesung öffnen der Polizeiwillkür ein neues Tor, und warnt vor zu weitgehenden Eingriffen in die persönliche Freiheit. Staatssekretär Graf Posadowsky erwiderte, §23bringe lein neues Recht. Sollte der sozialdemokratische Antrag angenommen werden, so könne er nicht die Zustimmung der verbündeten Regierungen zu der Vorlage in Aussicht stellen. Abg. Henning (kons.) bat gleichfalls um Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages. Darauf wurde § 23 nach den Beschlüssen zweiter Lesung unter Ablehnung des sozialdemokratischen Abänderungsantrages angenommen.
Im weiteren Verlauf der Debatte wurde noch ein Antrag des Abg. Dr. Müller -Meiningen (frs. Vp.) angenommen, nach dem der Entwurf I erst am 1. Juli (Vorlage: Januar) 1907 in Kraft treten soll. Schließlich wurde die Vorlage I in der Eesamtabstimmung einstimmig angenom- I men. Letzter Gegenstand war die dritte Lesung I der Novelle zur Gewerbeordnung (Ersatz für den I Befähigungsnachweis int Baugewerbe). Abg. I Sch rader (frs. Vgg.): Das ganze Baugewerbe I wird durch die Vorlage der Polizeiaufsicht unter- I stellt, nur weil bisher einige Mißstände vorge- I kommen sind. Wir werden den Entwurf ab- I lehnen. Negierungskommissar Eeh.-Rat Spiel- I Hagen bestritt, daß allgemein von einer Po- I lizeiaufsicht die Rede sein könne. Abg. B ö t t g e r I (natl.): Meine Freunde stehen auf dem Boden I der Vorlage. Auf Anfragen des Redners er- I widerte Geheimrat Spielhagen: Es fei be- I teils mitgeteilt worden, daß der Entwurf auch I für juristische Personen gilt. Eine Umgehung I des Gesetzes werde auch diesen nicht gelingen. I Schicken Sie einen Strohmann vor, so wird auch I von diesem hinreichende Kenntnis gefordert, und I die Gesellschaft setzt sich der Gefahr aus, daß ihr I
Von anderer Seite verlautet bereits» daß die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Oberlandesgerichtsrat Roeren sicher sei.
Der Reichstag selbst wird erkennen müssen, daß das ungewöhnlich hohe Vorrecht der Immunität auch doppelte Pflichten auferlegt. In I England gilt es dieserhalb als Anstandspflicht, solche Aeußerungen, durch die Dritte in ihrer I Ehre beleidigt sind, entweder zu widerrufen oder I außerhalb des Hauses zu wiederholen, um dem I Beleidigten Gelegenheit zur Klage zu geben. I Würde dies auch bei uns als selbstverständliches I Gegenstück der Immunität betrachtet, so könnte nicht Bebel sein häßliches Angebertum int I Reichstage treiben, indem er auf Briefe hin, die er, wie int Falle Prey, sogar vernichtet hat, die unerhörtesten Behauptungen als Tatsachen verkündet. Es ist längst soweit gekommen, daß dieser Eewohnheitsverläumder seine Gewährsmänner grundsätzlich verschweigt; daß er, der jetzt Gelder zur Unterstützung der russischen Revolution sammelt — nicht, wie bisher zugunsten der durch die Revolution Geschädigten, sondern ganz offen für die Mörder und Bombenwerser — auf jeden albernen Küstenklatsch hin ehrenwerte Beamte und Offiziere der größten Ruchlosigkeiten mit einem geradezu sadistischen Behagen beschuldigt. Gegen all' diese Anwürfe gibt es für die Angegriffenen keinen Schutz, da er jeder Herausforderung vor die Schranken des Gerichtes beharrlich ausweicht.
Haben wir wirklich Anlaß, die Vorrechte solcher Ehrabschneiderei beharrlich auch noch zu erweitern?
Der Ernst der Frage ist damit aber nicht erschöpft. Die Befürworter der weitergehenden i Immunität fordern ja gerade, daß die Abgeordneten in keiner Angelegenheit, die ihnen in Ausübung ihres Mandats mitgeteilt wird, zur Zeugnisabgabe verpflichtet sein sollen. Der Fall Wistuba-Roeren aber empfiehlt diesen j Wunsch nicht gerade zur Berücksichtigung! !
Im Gegenteil muß der Reichstag selbst darauf bedacht sein, eine Instanz zu schaffen, die I darüber wacht, daß nicht das Abgeordnetenman- I dat so unerhört gemißbraucht werde, wie Herr I Roeren es damit getan hat, daß er zugunsten | eines Eeschichtenzuträgers in eine schwebende I Untersuchung einzugreifen versuchte. I
Es ist in hohem Grade dankenswert, daß das I Zentrum in dieser Angelegenheit von Herrn I Roeren abgerückt ist. Denn der Gedanke wäre I unerträglich, daß eine einflußreiche und in ihren I Zielen ernst zu nehmende Partei mit solchem I unerhörten Mißbrauche des Mandates sich ein- I verstanden erklären könnte. I
I „Wie sollte auch einer Fremden gelingen, was I die eigene Mutter nicht vermag? Du allein I trägst die Schuld!"
„Sprich nicht so, Köza," bat die Gräfin, ihre dunklen Augen mit flackerndem Feuer über sein finsteres Antlitz streifen lassend. „Die Verhältnisse sind's, die sie mir entfremdet haben. Vielleicht ist ihr in Pest doch etwas zu Ohren gekommen."
Er legte die Hand auf die Augen und starrte zu Boden.
। „Das wäre möglich," sagte er dann leise und seine Stimme hatte etwas Gepreßtes, wie es ihm sonst nicht eigen, „die einzige Erklärung für des Mädchens Verhalten."
„Dann aber ist es aussichtslos, sie zu unserem Willen bekehren zu wollen."
„Aussichtslos?" Er blickte auf und ein so drohender Ausdruck lag in feinemAuge, daß selbst die Gräfin davor erschrak. „Du meinst, ich werde mich von diesem kleinen Mädchen besiegen, niederwerfen lassen? Niemals, Aglaja, niemals!"
Eie sah ihn mit angstvollen Blicken an.
„Was willst du tun?"
„Das weiß ich noch nicht. Vorläufig gebe ich es dir auf, deine Tochter willfährig zu machen. Das ist das Wenigste, was ich von dir verlangen kann. Für Stanislaus muß auf alle Fälle gesorgt werden und du weißt, meine Einkünfte I |tnb durch die Expatriierung, die ich mir deinet- wegeit auserlegen mußte, augenblicklich sehr geschmolzen."
„Wie aber soll ich das anfangen, Eöza? Ich kann doch nicht Gewalt brauchen, noch eine Weite Schuld auf mein Gewissen zu laden! Ist I es nicht genug, daß ihres Vaters Blut unseret- wegen geflossen?"
„Wirfst du mir das auch noch vor?" fuhr er I ?uf und stampfte mit dem Fuß wild den Boden. ■
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Marburg
Mittwoch» 12. Dezember 1906
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hörte gestern Vormittag in Berlin die Vorträge des Chefs des Jngenieur- und Pionierkorps, des Präses der Artillerie« Prüfungs-Kommission und des Kriegsministers. Im Laufe des Nachmittags wollte der Kaiser sich nach dem Neuen Palais begeben und abends an dem Couleurfest beim Offizierkorps des Leib- Garde-Husaren-Regiments in Potsdam teilneh- men. — Am heutigen Dienstag hat sich der Kaiser mittelst Sonderzuges nach Bückeburg zur Hofjagd begeben.
— Der Bundesrat erteilte in der gestrigen Sitzung seine Zustimmung dem Ausschußbericht« betreffend den Entwurf einer deutschen Arzneitaxe für 1907, sowie dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Feststellung des Reichshaushalts» etats für das Rechnungsjahr 1907, nebst de» Hauptetat und der erläuternden Denkschrift.
I einmal so viel Einfluß auf dein eigenes Kind, ! um sie zu dieser Heirat zu bewegen, an der mir, I wie du weißt, soviel liegt."
„Ich kann sie ebensowenig zwingen wie du, I der du doch ihr Vormund bist."
I „Zwingen nicht, aber überreden solltest du sie. Soviel Talent hätte ich dir wenigstens zugetraut, aber auch darin habe ich mich geirrt. Du bist nichts als ein Luxusweib, wie die Modernen es heute nennen. Du kannst den Mann ruinieren, wie mein Beispiel beweist, aber wenn er Hilfe, Beistand von dir verlangt, versagst du."
। „ESza!" schrie sie auf und warf sich, ihn mild umschlingend, an seine Brust. „Nicht so, nicht so, ich bitte, dich, schweig! Ist das die Liebe, die du mir geschworen?"
Er drängte sie sanft, aber entschieden zurück.
„Das könnte ich auch dich fragen. Meine Liebe habe ich dir bewiesen. Meine ganze Existenz, meine Zukunft habe ich dir geopfert. Nun ist die Reihe an Dir. Nun zeige die Kraft deiner Liebe, deinen Opfermut." I
„Sag, was ich tun soll, Eöza! Du weißt, ich I bin ganz ein Geschöpf deines Willens. Aber ver- I lange nichts Ilnmögliches." I
Er hatte sich ihr gegenüber niedergelassen, I ein Bein über das andere gelegt. Seine dunklen, I unter den buschigen Brauen fast verborgenen I Augen hefteten sich finster auf sie, hielten sie wie I im Banne. I
„Unmögliches! Das also ist's? Das mir zu I sagen, entbotest du mich her? Ich ahnte es schon, stieß er heftig hervor. I
„Za, Marga war eben hier. Auch ihre I Überredungskunst ist an der Hartnäckigkeit des I Mädchens gescheitert." I
Ein leiser Fluch drängte sich über des Barons Lippen. A
I «Ich glaube fast, es wäre dir damals ebenso I recht gewesen, wenn ich gefallen wäre statt seiner. I War es etwa meine Schuld, daß du so unvorfich- I tig warst, meine Briefe nicht gleich nach ihrem I Empfange zu verbrennen, wie ich es dringend I geraten?"
] „Es war mit solch ein Glück," murmelte I sie, „die Briefe zu lesen, wenn ich allein war. I Sie waren so durchglüht von Leidenschaft, da- I mals."
I Um seine zusammengepreßten Lippen zuckte es spöttisch.
„Hätte ich gewußt, daß die Folge meinet Stilübungen eine solche sein würde, ich hätte sie sicher unterlassen. Aber damals ahnte ich noch nicht, welch ein unbesonnenes Kind du warst und geblieben bist, trotz des ergrauenden Haars."
„Ich habe das graue Haar um deinetwillen i bekommen, Undankbarer," stieß sie hervor. „Deine Leidenschaft hat mir die Jugend geraubt."
„Das glaubst du ja selbst nicht und die ergrauten Haare stehen dir nicht so übel," fuhr er in demselben spöttischen Tone fort. „Ich rote dir, sie nicht zu färben, wozu du neulich die Absicht äußertest. Hörte ich doch von deinen Verehrern, daß dieses früh ergrauende Haar deiner glutvollen Schönheit noch einen besonderen Reiz , hinzufüge. Doch das beiseite. Ich wünsch« ernstlich von dir, daß du an die Vergangenheit { nicht mehr rührst. Daß es zum äußersten kam, war allein deine Schuld, das wiederhole ich dir nochmals. Wenn du mein Billet, das dir mein Kommen während der Abwesenheit deines Mannes meldete, nicht auf deinem Schreibtisch hät- test liegen gelassen, wäre die ganze Katastrophe nicht eingetreten und uns jene schmachvoll« Ueberraschung durch ihn erspart geblieben. S« mußte es enden, wie es geendet hat, zu meinem Leide geendet hat. Denn im Grunde hegte ich
Karlamentarti^-s.
Deutscher Reichstag.
* Berlin, 10. Dez.
Am Vundesratstisch: v. Tschirschky, Graf Posadowsky.
Erscheint wöchcntllch siebe« mal.
Druck und Verlag: Joh. Stug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 41. StflfiTfl» Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Erstes Blatt
Immunität.
Das Zentrum und die Linke des Reichstages haben, wie bekannt, eine Interpellation eingebracht und planen die Ausdehnung der Immunität der Reichstagsabgeordneten.
Man wird nicht behaupten können, daß die Vorgänge bei der Beratung des kolonialen Nachtragsetats im Volke die Ueberzeugung von der Notwendigkeit oder auch nur von der Nützlichkeit einer solchen Erweiterung verstärkt haben.
Das Auftreten des Herrn Roeren ist gerade kn dieser Beziehung mehr als bezeichnend. Zunächst sind die groben Beleidigungen, die er gegen den Kolonialdirektor Dernburg aussprach, ganz einzig dastehend, selbst in der wenig ruhmvollen Geschichte des gegenwärtigen Reichstages. Kein Sozialdemokrat hat bisher noch einem anwesenden Mitglieds der Neichsregierung Worte wie „Börsenjobber" und dergleichen ins Gesicht geschleudert. Es war deshalb auch in hohem Grade bedauerlich, daß der Präsident Graf Ballestrem nicht sofort einen Ordnungsruf über den Redner verhängte, zumal er von der Rechten auf die Notwendigkeit eines solchen Ordnungsrufes aufmerksam gemacht wurde. Immerhin war dies noch nicht das Schlimmste; denn Herr Dernburg war ja anwesend und in der Lage, selbst Herrn Roeren gebührend zurechtweisen zu können. Auch seine Gegner werden ihm einräumen müssen, daß er dies mit ebensoviel Takt und Würde, als mit Entschiedenheit getan hat.
Sehr viel peinlicher wirtte es aber, daß Herr LMsen, der doch selbst ein recht hohes Richter- ™ bekleidet, einen außerhalb des Hauses ! stehenden jüngeren Juristen unter dem Schutze der Immunität einen „grünen, dummen Assessor" schimpfte. Wir haben diese Seite der Sache bisher mit Zurückhaltung behandelt, da wir es als selbstverständlich betrachteten, daß Herr Oberlandesgerichtsrat Roeren sich beeilen werde, diese grobe öffentliche Beschimpfung zurückzu- nehmen. Leider ist das bis zur Stunde noch nicht geschehen. Der Beleidigte, Assessor Brückner von der Kolonialabteilung, ist in einer recht I Lblen Lage. Er kann Herrn Roeren nicht for- I dem, da dieser ein erklärter Gegner des Zwei- I kampfes ist. Er kann ihn auch nicht verklagen, I da die Aeußetung unter dem Schutze der Jmmu- I nität gefallen ist. I
Dagegen könnte freilich der Justizminister I groar nicht den Herrn Reichstagsabgeordneten, I wohl aber den Herrn Oberlandesgerichtsrat | deutlich darauf aufmerksam machen, daß eine I solche Beschimpfung, wenn sie außerhalb des I Reichstags gefallen wäre, mit der Wahrung der I Standeswürde unvereinbar erscheinen würde! — I
die Ausübung des Gewerbes dauernd entzöge« Wird. — Die Verhältnisse im Tiefbau wäre« einer der Gründe, weshalb wir den Befähigungsnachweis nicht einführen konnten. Hier muß auch die Gesellenprüfung unter Umständen genügen, wenn nur der Betreffende sonst über hinreichende Kenntnisse verfügt. Abg. F rahme (Soz.): Der Entwurf trägt zünftlerischen Charakter. Daß der Entwurf nicht auch zugleich Bauarbeiterkontrolleure bringt, ist beschämend, Abg. Pauli-Potsdam (kons.): Die Bedenken die in Arbeitergeberkreisen gegen den Entwurf noch bestanden, find durch die heutige Erklärung des Regierungskommissars zerstreut. Von einem zünftlerischen Charakter des Entwurfs kann nid# die Rede sein; die alten Zünfte wollen wir nicht wieder beleben. Aber auch das Handwerk hat das Recht zur Organisation. (Sehr wahr! rechts.) Bei einem größeren Bau in Halle stürzte das Gerüst ein, obwohl das Material gut war und obwohl die sozialdemokratischen Arbeiter eine besondere Arbeiterschutzkontrolle eingesührt hatten. (Hört! hört!) Da scheint es doch, als »6 die Arbeiter nicht unter allen Umständen die besten Baukontrolleurs sind. Fehler werden 6d den Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorkom« men. Man darf aber nicht sagen, daß des Profits wegen die Arbeitnehmer die Schutzbestimmungen außer Acht lassen. Die Sozialdemokratie will lediglich ihre kleinen Agitatoren zu Arbeiterkontrolleuren wählen. Wir stimmen den Beschlüssen zweiter Lesung zu. (Beifall rechts.) Abg. Erzberger (Zentrum): Wir nehmen die Vorlage als Abschlagszahlung hin. Wäre die Sozialdemokratie nicht eine einseitige Klassenpartei, so müßte sie schon um der Gerechtigkeit willen hier dringliche Wünsche des Handwerks erfüllen. Der sozialdemokratische Bauarbeiter« schutzantrag ist unannehmbar, obwohl sein Ziel zu billigen ist. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Frohme schloß die Generaldiskusston. In der Einzelbesprechung wurde der Entwurf nach kurzen Bemerkungen des Abg. Cuno (frs. Vp.) angenommen, ebenso in der Eesamtabstimmung. 1
Damit war die Tagesordnung erschöpft. ti Dienstag 1 Uhr: Fleischteuerungsinterpella-
25 tNachdruck verboten.)
lieber alles die Kunst.
Roman iwi Lohde.
(Fortsetzung).
XII.
. Die Gräfin hatte einen Boten an Baron Nemethy gesandt mit der Bitte, sofort zu ihr zu kommen. Und nun saß sie und harrte seiner, die Hände im Schoß gefaltet, ein Bild der Verzweiflung.
Cie brauchte nicht lange zu warten. Noch war kaum eine halbe Stunde verflossen, als er ihr gemeldet wurde. Sie ließ ihn zu sich ins Boudoir bitten. Das tat sie sonst nicht. Hatte sie doch In der letzten Zeit ihres Aufenthaltes in Ungarn gelernt, sich vor den Dienstboten in acht zu nehmen, selbst den Schein zu vermeiden. Und sie wollte hier in dem fremden Lande, wo sie überall freundlich auch von ihren Standesgenossen ausgenommen worden war, sich nicht die Stellung verderben.
„Nun?" fragte Baron Nemethy, während er bei seinem Eintritt seinen forschenden Blick über ihre erregtenZüge gleiten ließ, „was befiehlt die gnädige Gräfin von ihrem ergebensten Diener? Sehr spät aufgestanden, wie ich sehe, zu aufgeregt gewesen, begreife! Wieviel Herzen hat die Allergnädigste gestern wieder gebrochen?"
Es lag durchaus keine Zärtlichkeit, sondern nur beißender Spott in den Worten des Barons.
„Laß das Eöza," bat sie, die Hand wie abwehrend gegen ihn ausstreckend. ,/Du weißt, ich kann diesen Ton nicht von dir vertragen. Nimm doch ein wenig Rücksicht auf mich."
„Nimmst du etwa Rücksicht auf mich?" ent- aegnet er finster. „Meinen Wünschen wird in fctaei Weise Rechnung aetraaen. Du hast nicht 1