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M. 289

Vierteljährlicher Bezugspreis; der ver Expedition 2 MH, bei allen Postämtern 2,25 M. <ejcU Bestellgeld).

JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zelle oder oeren Raum 15 Pfg, Neclamen: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Dienstag, 11. Dezember 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Lug. Koch, UmversMS-Buchdruckerek Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Zweites Blatt.

Marburg und Umgrgeud.

/(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrecht! nur mit der deutlichen Quellenangabe .< l »Oberhess. Ztg." gestattet)

. Marburg, 10. Dezbr.

* Verein Frauenbilbnng Frauenstudium, Abteilung Marburg. Wir erinnern auch an dieser Stelle an unsere morgen (Dienstag) abends 8 Uhr in der Fachschule stattfindende Mitgliederversammlung. Fräulein v. Lengerkes Referat über Bertha von Suttner wird sicher allgemein Interesse erregen, da es uns mit einer der eigenartigsten Frauen der Gegenwart be­kannt machen wird, die kürzlich die Aufmerk­samkeit weitester Kreise auf sich gelenkt hat, als ihr in Anerkennung ihrer großen Verdienste der Friedenspreis der Nobelstiftung zuerkannt wurde. Aus verschiedenen Gründen haben wir unsere Mitgliederversammlung diesmal auf den Dienstag statt auf den Mittwoch legen muffen. Gäste find uns, wie immer, herzlich willkommen.

* Stellenvermittlung für ehemalige Tchntz- Iruppsnangehörige. Der Königlich Bayerische Verkehrsminister hat die Eeneraldirektion der Königlichen Staatseisenbahnen sowie die Ee­neraldirektion der Königlichen Posten und Te­legraphen ermächtigt, den Aufnahmegesuchen von Bewerbern aus den ehemaligen Angehöri­gen Kaiserlicher Schutztruppen in den afrikani­schen Kolonien, wenn siegeeignet sind, nach Tun­lichkeit und im Vorzüge vor den Gesuchen ande­rer Zivilbewerber Rechnung zu tragen, auch wenn die Beteiligten früher nicht im Verkehrs- dicnste gestanden hab^r. Die Bewerbungen sind unmittelbar an die zur Personalaufnahme zuständigen Verkehrsdienststellen zu richten. Von Firmen haben sich weiter zur Beschäftigung ehe­maliger Schutztruppenangehöriger bereit erklärt: Rob. Reichest, Militär- und Tropen-Zeltefabrik, Berlin G. 2, Stralauerstraße 52 (Insbesondere Cegelmacher, Schlaffer und Tischler). Vergwerks- gesellschaft Dahlbusch, Zeche Dahlbusch bei Gel­senkirchen. (In erster Linie Bergleute, ferner Schlosser, Schmiede, Maurer und Tagearbeiter).

§ Für Steuerzahler. Zum ersten Male tre­ten für das Steuerjahr 1907 dis Bestimmungen der Steuernovelle vom 19. Juni 1906 inkraft. Durch diese ist das bisher gütige Steuer-Ver­anlagungsgesetz ganz wesentlich abgeändert worden. Für jeden Steuerzahler ist es deshalb von großer Wichtigkeit, mit den neuen gesetz­lichen Bestiinmungen vertraut zu sein. Nur bei Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen wird der Steuerzahler in der Lage sein, sich gesetz­mäßig einzuschätzen, die Veranlagung nachzu­prüfen und zu hohe Einschätzung erfolgreich ab­zuwenden. Das im Verlage von L. Schwarz u. Co., Berlin 8. 15, Dresdener Straße 80, er­schienene Buch: Das neue preußische Einkom­mensteuergesetz vom 19. Juni 1906, gütig ab Steuerjahr 1907, bringt die neuen Bestimmun­gen. Preis 1,20 <M.

§ Milchfälscher. Mit einem besonders argen Fall von Milchoerfälschung hat sich die Straf­kammer von Augsburg zu befaffen gehabt. Die Bauerntochter Josefa Pröller von Westheim hatte wiederholt der zum Verkauf gebrachten Milch Waffer zugesetzt, und zwar in erheblichen Mengen. Das Schlimmste aber ist, daß sie nicht einmal reines Waffer nahm, und so fanden sich Brocken von Kot und anderen unappetitlichen Dingen in der Milch vor. Josefa Pröller wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt' der Staatsanwalt hatte drei Monats beantragt.

§ Verficht bei Katzen. In Friedebach bei Pößneck büßte die Familie des Landwirtes und Rechnungsführers Hermann Barth dadurch ihr l1Zi Jahre altes Töchterchen ein, daß sich die Hauskatze wahrend der Nacht auf das Gesicht des schlafenden Kindes gelegt hatte. Als die Mutter dazu kam, war das Kind bereits dem Erstickungstode erlegen.

Kirchhain, 6. Dez. Am 2. Januar 1907 be­ginnt an der hiesigen Lehrschmiede ein neuer Kursus von dreimonatiger Dauer. Der Kursus schließt mit einer Prüfung ab, durch deren Be- jstehen der Befähigungsnachweis zur selbstän­digen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes er- »worben wird. Der theoretische und praktische fllnterricht wie auch die Prüfung sind unent­geltlich. Die Kursisten erhalten wöchentlich 1 Mark Taschengeld. Für Prämien bei der Prü- !fung stehen 50 Mark zur Verfügung. Für Unter­kunft und Kost haben die Kursisten selbst zu sor- !ßen. Jeder Kurfist hat mitzubringen, bezw. aus .eigenen Mitteln zu beschaffen: ein Schurzfell, itinen Hufhammer, ein englisches Rinnenmesser,

einen Falzhammer, einen Stempel und ein Lehr­buch nach Anleitung des Leiters der Lehr­schmiede. Anmeldungen find bis zum 15. De­zember d. I. an den Leiter der Lehrschmiede, Veterinärrat Stamm in Kirchhain einzureichen. Der Anmeldung sind beizufllgen: eine Geburts­urkunde, ein Unbescholtenheitszeugnis und eine Bescheinigung des Lehrmeisters, daß der Auf­nahmesuchende drei Jahre ordnungsmäßig das Schmiedehandwerk erlernt hat.

* Rosenthal, 8. Dez. Bei der diesjährigen außerordentlichen Viehzählung wurde in hie­siger Gemeinde gezählt ein Bestand von 59 Pferden, 939 Stück Rindvieh, 12 Schafe und 1053 Schweine. In 1904 wurden gezählt: 67 Pferde, 856 Stück' Rindvieh und 866 Schweine. Demnach weniger an Pferden 8 Stück, mehr an Rindvieh 83 Stück und mehr an Schweinen 187 Stück. Gestern abend 7 Uhr hielt ein Ab­gesandter des Bundes der Landwirte im Saale des Wirtes Happel hier eine Versammlung ab, welche von hier und auswärts verhältnismäßig gut besucht war. Der Redner, Herr Riffe, aus Westfalen, verbreitete sich eingehend über natio­nale Wirtschaftspolitik und zeigte an der Hand von Zahlen, daß die neuen Zolltarifsätze nicht schuld an der Verteuerung der Lebensmittel seien; vielmehr trage der Zwischenhandel an den Schlachtviehhöfen, die kostspieligen Bauten von Schlachthäusern und deren Verzinsung und die Steuern, welche die Städte auf die Lebens- inittel gelegt hätten, die Schuld daran, daß so hohe Fleischpreise gezahlt werden müßten. Zum Schluffe forderte der Redner auf, beim Vieh­verkauf den Zwischenhandel auszuschalten und genoffeuschastlich eine Viehverwertung in die Wege zu leiten. Nachdem für Rosenthal eine Ortsgruppe d. B. d. L. neugegründet und für die Nachbärgemeinden Vorstandswahlen vorge­nommen worden waren, schloß der Redner die Versammlung mit einem. Hoch auf den Kaiser, in welches die Versammlung kräftig einstimmte.

Hesseu-Najsan lmd Nachbargebiete.

Sich, 7. Dez. Gestern fand im Gasthof zum Lamm eine Sitzung des Eisenbahn-Komitees der projektierten Strecke Lich-Erünberg unter dem Vorsitze des Kreisamtmanns Dr. Merk-Gießen statt, zu welcher der Vorsitzende Moll-Erünberg und sämtlicheMitgieder erschienen waren. Kreis- amtmann Dr. Merk redete in einem Referat über die in der Bahnangelegenheit bis jetzt ge­tanen Schritte. Er erklärte am Schluffe, daß, nachdem die Firma Berg u. Co. in Berlin bezw. die Aktiengesellschaft der Butzbach-Licher Eisen­bahn, die Konzessionserteilung bei der Eroßh. Regierung nachgesucht habe, dem Bahnbau kei­nerlei Hindernisse mehr im Wege ständen, denn die Bewilligung der von dem Finanzminister Exzellenz Enauth zngesicherten 90 Proz. Staats­zuschuß würden zweifellos von den Landständen bewilligt werden. Allgemein wird insbesondere bei den an der Strecke liegenden Gemeinden die Nachricht von dem nach jahrelangem Harren, er­folgenden Ausbau der Linie Lich-Grünberg mit Freuden begrüßt werden; mancher alte Groll wird nun verschwinden und alte Freundschaften in Stadt und Land wieder erstehen. (Gieß. Anz.)

Limburg, 7. Dez. In Elz und Staffel (We- sterwaldbahn) wurden heute Nacht die Vabn- hofskaffen beraubt und etwa 50 M erbeutet. Um die Verfolgung zu erschweren, zerstörten die Ein­brecher die Morse-Apparate. Unter Zuhilfe­nahme des Telephons gelang die Festnahme von drei Verdächtigen in Niedernhausen, wohin fie von Limburg aus mit dem Zuge gekommen waren.

Göttingen, 7. Dez. Das Personalverzeichnis der Universität ergibt für das laufende Winter­semester einen Bestand von 1831 Studierenden, während das Wintersemester 1905/06 nur 1709 immatrikulierte Studierende auswies. Außer den 1831 Immatrikulierten haben noch 183 Per­sonen die Erlaubnis zum Hören erhalten, dar­unter 115 Frauen, sodaß die Gesamtzahl der Berechtigten 2014 beträgt. Von den 1831 Im­matrikulierten studieren 100 ev. Theologie, 430 Rechtswiffenschaft, 185 Medizin, 506 alte und neue Philologie und Geschichte, 384 Mathematik und Naturwiffenschaften, 83 Chemie, 39 Land­wirtschaft, 25 Kameralia, 31 Pharmazie, 36 Zahnheilkunde, 12 die übrigen Studienfächer.

Mainz, 6. Dez. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung teilte Oberbür­germeister Dr. Köttelmann in Bezug auf die in einer hiesigen Kochschule vorgekommenen Ver­giftungserscheinungen It.Frkf. Ztg." mit, daß nach einer Erklärung der Medizinalbehörde es vollständig ausgeschlossen sei, daß die Vergif­tungserscheinungen durch genossene Speisen ver­ursacht worden seien, daß vielmehr die Wahr­scheinlichkeit vorliege, daß die Vergiftungserschei­nungen durch Kohlenoxydgas veranlaßt worden

seien, das den in der Küche aufgestellten zahl­reichen Easkochherden entströmt sei Eine stark besuchte Generalversammlung des Landwirt­schaftlichen Provinzialvereins für Rheinhessen beschloß mit großer Majorität den Verein vor­läufig nicht aufzulösen.

Siegen, 6. Dez. Die heute Abend zu Ende gegangene Stadtverordnetenstichwahl der drit­ten Abteilung endete mit der Niederlage des Kandidaten der Christlichen-nationalen und der deutschen Handlungsgehilfen gegen den bisheri­gen Vertreter der Handwerkerpartei. Die Wahl- , beteiligung war sehr schwach.

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Vermischtes.

Magdeburg, 9. Dez. Ein verschollenes Dorf wurde bei Ausgrabungsarbeiten in der Nähe von Erxleben entdeckt. Gegenwärtig ist man mit der Freiegung der Beerdigungsstätte beschäftigt, wobei man zahlreiche Urnen und Knochenüberreste gefunden hat, die auf eine . Übergangsperiode von der heidnischen zur christlichen Zeit hindeuten. Das Dorf soll Ri- dörp geheißen haben und im 13. Jahrhundert zerstört worden sein.

K i e l, 9. Dez. Amtlich wird mitgeteilt, daß Petersburg und Kronstadt durch Eis gesperrt sind und der Schiffsverkehr dorthin beendet ist.

Trient, 9. Dez. In den Südalpen herr­schen warme Winde; auf der Ponalestraße sind viele Lawinen niedergegangen. Aus dem Jseo- See herrscht starker Sturm; ein Schiff ist ge­scheitert.

Ein Studentenstreik. Man schreibt den2. N. N." aus Mailand: Die Studenten der alten Universitätsstadt Pavia hielten eine Protestver­sammlung gegen das Ministerium des öffent­lichen Unnterrichts ab, weil es die Kliniken des Hospitals von Pavia und besonders die Knnik für Geburtshilfe arg vernachlässigt hat. Der Rektor der Universität, Prof. Camillo Eolzi, versuchte, die aufgeregten Studenten zu beruhi­gen und versprach ihnen, veriönlich dafür wirken zu wollen, daß das Ministerium ihre berechtig­ten Wünsche erfülle, da er sonst demissionieren würde. Die Studenten ließen sich jedoch nicht mehr beruhigen und erklärten, daß sie streiken würden, bis ibre Wünsche erfüllt seien. Sie zogen darauf mit großem Tumult zur Universi­tät, wo sie alles kurz und klein schlugen, sodaß in dem Gebäude kaum noch eine Scheibe unver­sehrt ist. Im Saale des Mathematik-Profes­sors, Antonio Bordoni, wurde sogar die große, schwere Schiefertafel zertrümmert.

Kirchenraub. In der Nacht zum Montag wurde in die alte Sendlingerkirche zu München eingebrochen. Die Täter, deren es jedenfalls drei bis vier waren, raubten kirchliche Geräte und Meßgewänder im Gesamtwerte von 8000 bis 10 000 dl. Der Einbruch erfolgte durch das in einem stillen Winkel gegen die Khidlerstraße zu gelegene Sakristeifenster, dessen Eisengitter mittelst Säge und Feile 6e|eitigt und dessen Scheiben eingedrückt wurden. Die Diebe unter­suchten alles aufs genaueste, packten die kost­barsten Sachen ein und trennten von den min­der wertvollen Meßgewändern die goldenen Quasten, Fransen und Besätze ab. Gestohlen wurde u. a. ein Meßkelch im Werte von 1000 H, den Staotpfarrer Reiner zum 25jährigen Prie­sterjubiläum von seiner Pfarrgemeinde erhielt. Ferner ein Meßgewand im Werte von 1600 bis 1700 M, das auf der Ausstellung in Chicago mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden "mr. Es ist das Geschenk einer Engländerin und hätte am kommenden Samstag zum ersten Male benützt werden sollen. Eines der Ziborien hat einen Wert von 1200 M. Weiter fielen den Tätern kostbare, für Festlichkeiten bestimmte Altartücher, Vorhänge usw. zur Beute. Wohl das kostbarste Stück des Kircheninventars, ein großer silberner, schwer vergoldeter und mit echten Edelsteinen besetzter Kelch im Werte von 40005000 Jt ist glücklicherweise, da er unter alten Sachen versteckt lag, ihrer Aufmerksamkeit entgangen. Von den Tätern hat man bis jetzt noch keine Spur.

Ein Hochstapler, vor dem gewarnt werden muß, hat in Aachen eine erfolgreiche Gastrolle gegeben. Er ist ein etwa 25jähriger, feingeklei­deter und sehr gewandt auftretender Mann, der sich als von der spanischen Regierung zum An­kauf von Automobilen und Lokomotiven Le- vollmächtigter Regierungsbaumeister vorstellt und gefälschte amtliche Schriftstücke vorlegt. In Hannover find dem Gauner erhebliche Schwin­deleien gelungen. Er gab dort in einer Ma­schinenfabrik vor, von der spanischen Regierung mft dem Ankauf von 80 Lokomotiven beauftragt z« sein. Da er, wie er sagte, nur spanisches Geld

bei sich hatte, nahm man keinen Anstand, ihm ein Darlehn zu gewähren; auch im Hotel wurd« ihm Kredit eingeräumt. Darauf verschwand der Hochstapler, um weiterhin in Essen, Dortmund, Barmen, Hörde und anderen Orten ähnliche B« trügereien zu verüben. Kürzlich erschien er U Aachen und betrog einen Automobilfabrikanten. Der zuweilen in Begleitung einer Dame auf- tretende, geläufig französisch sprechende Schwind­ler soll ein aus Mecklenburg stammender Me­chaniker und Chauffeur sein, der auf seinen Reisen verschiedentlich auch Hoteldiebstähle aus­geführt hat.

Der verschwindende Tschadsee. Ein Mitglied der französisch-englischen Erenzregelungskom- Mission im Tschadgebiete, Kapitän Tilho, be­richtet, daß am Tschadsee, den man als den letz­ten Rest eines ungeheuren afrikanischen Bin­nenmeeres ansteht, sichere Anzeichen seines nahen Verschwindens zu beobachten find. Tilha hat festgestellt, daß die Wasserfläche seit den Aufnahmen von Barth und Nachtigall fich er­heblich verkleinert hat; die Abnahme in den letzten fünfzig Jahren muß auf mehr als ein« Million Hektar angesetzt werden. Im Osten haben Sandmassen das Wasser verdrängt,» Dünen sind immer mehr nach Westen voM» drungen und zu gleicher Zeit scheinen JnMra- tionen in der Tiefe des Sees die Waffermengen zu vermindern. Während der Trockenheit ster­ben die im Wasser erwachsenen und nun trocken liegenden Schilfpflanzen ab, der aus ihnen ge­bildete Humus wird nach und nach zu Inseln und Inselgruppen. Schon jetzt kann man den Tschadsee nur noch mit flachen Fahrzeugen und unter steter Verwendung des Senkbleies befah­ren; denn alle Augenblicke gerät man auf Schlammbänke, von denen man nur unter gro­ßen Anstrengungen wieder los kommt. Wenn auch bisweilen bei Sturmwinden der See durch feine gewaltige Ausdehnung den täuschenden Eindruck eines Meeres macht, so scheint sein Schipsal doch unabwendbar, als ein gewaltiger Sumpf zu enden.

Ein neuer Skandal. Im Ministerium de« Innern ist, wie derLok.-Anz." meldet, eine neue peinliche Affäre aufgedeckt worden. E« handelt sich um die Unterschlagung von mehre­ren 100 000 Rubel, die zum Unterhalte der in das Gouvernement Archangel verschickten politi­schen Gefangenen bestimmt waren und deren Verpflegung erbärmlich ist. Der Gouverneur von Mins Kurlow ist zur Untesuchung der An­gelegenheit wie der Angaben der dortigen poli- tischen Gefangenen mit mehreren Beamten nach Archangel entsandt worden und zwar auf Ini­tiative Stolvpins.

Ein teurer Salzhering. Eines Vormittags sah ein pensionierter Oberst im Berliner Tier­garten bei feinem Spaziergang, daß in der Nähe der Rousseauinsel ein Student ganz gemütlich angelte. Der Oberst fährt den Verbrecher an, ob er denn nicht wüßte, daß das Angeln im Tiergarten verboten sei.Gewiß, weiß ich es, war die gemütliche Antwort. Der Oberst hoft einen Parkwächter; der Student angelt noch und angelt trotz der Warnung vergnügt weiter. Da erscheint ein Schutzmann.Sofort hören Sie auf zu angeln," herrscht der Schutzmann den Studenten an.Das kann ich ja gar nicht, entgegnete dieser.Warum?" fragte der Schutz­mann verblüfft.Sehen Sie," antwortet bet Student,ich wässere mit nut einen Salz­hering!" An bet Schnur hing tatsächlich ein Hering. Die Folge wat ein Strafbefehl übet 10 Mk. wegen groben Unfugs.

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Verantwortlich für die Redaltien: Dr. Johannes Otto in Marburg.