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Erstes Blatt
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die Sozialdemokratie als solche aus einer Be- stimmung einer Vorlage Nutzen ziehen, dann würden unsere konservativen Freunde im Reichstag einer solchen Vorlage ein unweiger« liches „Nein" zurufen müssen. Wird die Macht der Sozialdemokratie aber dadurch bekämpf^ dann mögen sie getrost Mitarbeiten! (Bravo!) e
willfahrt ihrem Verlangen. So bleibt sie noch mehrere Jahre in der Pension, aber auch hier fühlt sie sich einsam, denn das sckrecklicke Geheimnis, das sie mit sich herumträgt, steht wi« eine Scheidewand zwischen ihr und allem, was jung, froh und hoffnungsvoll ist.
Bald nach dem Tode des Gatten hat ihr« Mutter ihren Wohnsitz in Ungarn verlassen, ebenso wie Nemethy, da Löse Gerüchte, die selbst ihr zu Ohren gedrungen sind, in seiner Heimat austauchten unb ihm den Aufenthalt dort verleideten. Auf Verlangen dieser beiden bat sie sich endlich doch entschlichen müssen, nach Berlin in das Haus der Mutter zurückzukehren. Si« hat es dulden müssen, daß der Verbaßte sie abholte, sie persönlich zur Mutter geleitete. Viel- leicht hat man gehofft, die neue llurgebun-, werde günstig auf sie wirken, würde sie den Plänen des Vormundes gefügig machen. Aber Im Gegenteil! Jetzt im Rausche des Gesellschaft», lebens, in das man sie drängt, fühlt sie doppelt, daß sie in diese Welt nicht hinein gehöre. Und nun mutet man ihr gar noch zu, den Neffen des Mannes zu heiraten, der all dieses Unheil über sie gebracht hat.
Und wäre Graf Kaminski das Ideal eines Mannes, das jedes Mädchenherz entzückte, und nicht der leichtsinnige, unbedeutende Mann, der er in Wirklichkeit ist, sie wiese seine Bewerbung zurück, eben weil er Nemethys Neffe lit Man hat falsch gerechnet. Sie wird sich den Wünschen dieses Mannes niemals freiwillig fügen, dazu ist sie fest entschlossen, niemals! Und sollte sie daran zu gründe gehen. Lieber sterben, als sich so herabwurdigen, eine Beute dieses verschuld^ ten polnischen Grafen zu werden.
(Fortsetzung folgt.)
schäftigkeit arbeitender Menschen in Hof und Garten.
Einer »aber fehlt, der sonst alle Morgen vor der Tür seines Zimmers ihrer harrte, um mit ihr vor dem Frübsiück, das der Mutter wegen, die lange zu schlafen pflegt, erst später genommen wird, einen Spaziergang durch die Felder zu machen.
Man sagt ihr auf ihre Frage, der Graf sei schon in aller Eriche fortgeganaen. So muß sie alleinvruf der Veranda das Fräbstück einnebmen, denn auch die Mutter läßt sich nicht blicken. Eine innere Unruhe erfasst sie. Wohin nur der Vater so früh gegangen sein mag?
Langsam verrinnen die Stunden. Da jagt einer der Förster auf den Hof. Ein Rauen, ein ^lüstern entsteht unter den Leuten, der aste Kammerdiener macht ein tief bekümmertes Gesicht und nickt mit dem Kopfe, als wolle er sagen: Ich wußte es ja, so mußte es kommen!
Nun wird auch die Mutter sichtbar mit lang herabwallendem Morgengewande. das Haar nur leicht aufaesteckt, mit angsterfüllten Zügen.
Und dann nimmt der Verwalter, ein wü-- diaer, lanaaedienter Beamter, der sie hat aufwachsen seben, sie, Gisela, zur Seite, und teilt ibr schonend mit. ein Unglück sei geschehen, ße wusse es als Gottes Fügung hinnehmen. Ihr Vater sei mit ttner Kugel in der Brust tot im Wast>e gefunden worden.
Das Herz kramvst sich ihr zusammen, ein leises Stöhnen, und sie liegt ohnmächttg am Boden. Als sie erwacht, neigt sich der Mutter bleiches Antlitz über sie. Sie wendet sich schaudernd von ibr ab. sagt ihr doch ein Abnen, wie das (5tou< siA geschehen. Ibr Vater hat stch mit Nemethy geschossen, ist gefallen. Zwar bekundet ein versiegeltes Schreiben, d»» zmn auf des Vaters
1er wird zwischen beiden auch jetzt nicht erwähnt, und als sie stch gute Nacht sagen, küßt er sie wie sonst auf Stirn und Mund: aber sie merkt ihm eine innere Bewegung an. Seine Augen ruhen sanft auf ihr, und um seinen Mund zuckt es schmerzlich. Sie denkt dabei vorwurfsvoll an die Mutter. Nemethy hat sie ganz aus ihren Gedanken verbannt, denn er wird ja hoffentlich nicht mehr wiederkommen.
So geht sie beruhigt hinauf in ihr Zimmer, snd die Erregungen der letzten Stunden bringen ihr Müdigkeit und langen, traumlosen Schlaf.
„O, wäre sie aus diesem Schlafe nie mehr er« zachi! Wie oft hat sie sich das später gewünscht,
-wie oft ihr Lager mit Tränen benetzt, in Gedanken an das Furchtbare, das dieser nächste Tag ihr brachte.
Draußen wieder die Helle Sonne am Sternen- .himme^ wie am Tage vorher. Dieselbe Ge
lange Tätigkeit erreicht, oder ob er durch seine Arbeitsleistung selbst dazu beiträgt, künftig mehr zu erhalten. Darin liegt doch gerade die sozialpolitische Bedeutung des Sparens, wodurch auch ein Proletarier zum Privateigentümer wird und dadurch, wie einmal Eugen Richter in seiner interessanten, vor etwa 15 Jahren verfaßten Broschüre gegen die Sozialdemokratie ausführt, zu einem fundamentalen Gegner der Bestrebungen der Sozialdemokratie werden müßte.
In derselben Rede vom 2. März 1905 hat Graf Posadowsky die Aeußerung jenes berühmten Nervenarztes angeführt, der sagte: es zeigten sich jetzt infolge der sozialpolitischen Gesetzgebung ganz neue Erkrankungsformen: früher habe man nur „hysterische Frauen" gekannt, jetzt kenne man auch „hysterische Männer", Männer, die krank würden wegen irgend eines kleinen Hebels, das aber sonst eine Arbeitsunfähigkeit nie verursachen würde, und das sich dann tatsächlich verschlimmere aus dem Wunsche, bald die Rente zu erhalten. Wenn erst 10 weitere Jahre um seien, würde man große Anstalten bauen müssen für die neuen, durch die Versicherungsgesetze selbst verursachten Krankheitserscheinungen.
Bei dieser Sachlage muß man, wenn sich das jetzige Nentenprinzip nicht mehr ändern läßt, doch wenigstens nach den Vorschlägen des früheren Präsidenten des Reichsversicherungsamtes, Geh. Rat Bödicker, dazu kommen, dis Grundrenten und die Zuschüsse nach Arbeitsdauer und Arbeitsleistung abzustufen und dadurch einen Anreiz zu geben, zur Verhinderung der bezeichneten Hysterie und der im Interesse der nationalen Produktion bedauerlichen, zu frühen E i n st e l l u n g der Arbeitsleistung.
Dann das Klebesystem! Mit den Bedenken darüber könnte man ja allein ein Referat ausfüllen. Und weiter die großen sogenannten Klebepaläste, mit den Hestare bedeckenden Kartenschränken, ferner die Thesaurierung! Bald 1200 Millionen Mark sind jetzt schon aufgespeichert! Denken Sie nur an die Gefahr eines Krieges? Wird das Geld den Arbeitern dann erhalten bleiben? Weiter die Lastenverteilung, worüber die Handwerker jetzt mit Recht so klagen: sie müsskn die großen Lasten der Versicherunxsgesetzgebung mit tragen, ohne dabei selbst auf Fürsorge in gleichem Umfang rechnen zu können. Wc»s zahl ein Rentner, ter Millionär ist, dazu, und was ein Handwerker mit einigen Gehilfen und Gesellen? Und endlich, welch' verhängnisvolle Fehler sind zu revidieren mit Bezug auf die Entwicklung, die die Krankenkassen genommen haben, nicht nur, daß in den cis. 2 3 0 0 0 Krankenkassen die Leistungen sehr verschieden sind, daß auch viele kleine Kassen nicht leistungsfäbig und die Anforderungen und Krankengelder, sondern daß die Krankenkassen, wie neulich der Ab
geordnete Dr. Arendt auf dem Breslauer frei- konservativen Parteitag mit Recht ausgesprochen hat, geradezu zu staatlichen Organisationen der Sozialdemokratie geworden sind! (Sehr richtig!)
Bei diesen über 23 000 Krankenkassen ist durch das Zweidrittelsystem in bet Vertretung es nicht nur bazu gekommen, baj dir Sozialdemokratie in den Krankenkassen-Verwaltungen, bei den Schiedsgerichten und in den Versicherungsämtern die Majorität haben, sondern daß sie dadurch auch einen gewaltigen Einfluß bekommen haben. Meine Herren, wir wissen aus dem Munde des freisinnigen Reichstagsabgeord- neten Mugdan, daß 4000 bis 5 000 Sozialdemokraten als Beamte in diesen Kassen angestellt find, und der Sozialdemokrat Bern st ein hat vor einiger Zeit selbst gesagt: das müsse man zugeben, „die Bis- marckschsn Versicherungsgesetze, die dem Arbeiter hätten den Lebensnerv ausziehen sollen, hätten den Anlaß zur Schulung und Ausbildung einer sozialdemokratischen Beamtenschaft gegeben, wie dies besser nicht durch andere Mittel zu erzielen gewesen wäre. Gerade hier wird man den Hebel ansetzen müssen! Und es ist vom Grafen Udo Stollberg mit Recht beantragt, ausdrücklich zu Nr. II, 2 einen Zusatz zu den von mir vorgeschlagenen Thesen dahingehend anzunehmen, daß durch die zukünftige Gesetzgebung die „sozialdemokratische Uebermacht in den Krankenkassen verhindert werden mutz." (Sehr richtig!)
Graf Posadowsky hat in der mehrfach erwähnten Rede gesagt, man solle einen neuen Bau schaffen, einen Unterbau in den Kreisämtern unter beruflicher Leitung, darüber die Schiedsgerichte und das Reichsversicherungsamt an der Spitze, das jetzt in der Lust schwebe, ohne den erforderlichen gemeinsamen Unt-rb^n. Aber woran gliedert man diesen Unterbau an? Die Sozialdemokraten wollen selbstverständlich den Unterbau an die Krankenkassen angliedern.
Ich aber warne dringend davor, neue sozialpolitische Kreisämter, losgelöst von den Land- ratsämtern, auszubilden.
Wie vor kurzem erst Präsident von Heyde- brand in Breslau und wie auch Geh. Rat Bö- dicker ausgeführt hat, muß eine prinzipielle Anlehnung an die Land-
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlage Joh. Kng. Koch, UnivcrsitätS-vuchdruckerel 41. Jllhkg«
Marburg, Markt 2t. — Telephon 55.
Städten an die Magistrate, billiger sein unb ohne Zweifel im Interesse bet Bevölkerung selbst liegen. Jebenfalls mutz bei bet künftigen Gesetzgebung bet Grundsatz lauten: „Gegen bte Macht bet Sozialbemo- kratie!" Wir dürfen nicht sozialpolitischen Maßnahmen zur Annahme verhelfen, wenn dadurch die Macht der Sozialdemokratie gefördert wird. — Das gibt auch der Regierungsrat Freund in seiner eben bekannt gewordenen Korrespondenz mit den Gewerkschaften zu. Kann
in den größeren
Von der Mutter spricht der Graf nicht.
Gisel kann ihren Namen nicht über die Lippen Dringen. Still setzt sie sich in den Lehnstuhl am Fenster, wo sie öfters schon gesessen, wenn bet Pater bei der Arbeit war, und schaut hinaus in den dunklen Abend. Ihre erregten Nerven beginnen sich zu beruhigen, es ist ja alles so wie sonst. Nach einer Weile steht der Vater aus und tritt mit ihr auf die Veranda, wo an heißen Tagen der Tee genommen zu werden pflegt. Dort spricht er mit ihr, wie er es gewöhnlich getan, nur ein gewisser, weicher Ton fällt ihr auf. Dann promenierten sie noch eine Stunde Arm in Arm im Karten. Der Name der Mut-
Schreibtisch findet, es möge niemand wegen seines Todes verdächtigt werden: er scheide freiwillig aus dem Leben. Sie aber weiß es besser, sie versteht ihn nut zu gut. In seiner Güte, seiner Rücksicht für die Frau, deren Schuld ihn in den Tod getrieben, für sein unschuldiges Kind, dem et verhehlen möchte, was es doch schon weiß, verbirgt er, was seinem Tode vorhergegangen. Sie aber durchschaut jetzt alles, und dieses Wissen ist die Qual ihres Lebens, vergällt ihr jede Freude, macht sie heimatlos im Haufe bet eigenen Mutter.
Kalt unb teilnahmslos gegen ben mit elementarer Gewalt hervorbrechenden Schmerz der Mutter kniet sie neben ihr an bet Bahre des Geopferten. Sie hat jetzt nut noch ben einen Wunsch: fort aus dem Angesicht bet Mutter, aus der Nähe des verräterischen Freunbes, bet in heuchlerischem Mitgefühl der gebeugten Witwe zur Seite steht! Sie bittet, in ihre Pension zurückkehren zu dürfen, alles andere ist ihr vorläufig gleichgültig.
Vergeblich ist der Mutter Bemühen, die stummen Lippen ihres Kindes zu öffnen. Sie hält den Schmerz um ben Tob des Vaters für den Erunb des verwandelten Mesens ihres Kindes und ahnt nicht, baß bieses eine ungesehene Zeugin jenes furchtbaren Vorfalles gewesen, bet dem Vater bas Leben gekostet hat. In Pietät schweigt sie, Gisela weil sie weiß, batz es so bes Dersttrbenen Wunsch gewesen, bet seinen Namen nicht in ben Staub ziehen lassen mag. Ohne Abwehr nimmt sie in dumpfer Niedergeschlagenheit die Mitteilung auf, die ihr nach einiger Zeit, als sie schon in die Pension zurückgekehtt ist, die Vorsteherin macht, daß Nemethy, der verhaßte Mörder ihres Vaters, ihr Vormund geworden ist. Nur das eine verlangt sie: nicht webt nach Hause rutückkehren zu müssen. Man
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Dezember.
— Der Kaiser hotte am Sonnabend Notmid tag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, des Chefs des Marinekabinetts unb des Ministers bes Königlichen Hauses. — Gestern Nachmittag besichtigte das Kaiserpaar mit dem Prinzen Oskar die von dem russischen Künstler Diagelew bei Eduard Schulte oetanc stattete russische Kunstausstellung. Infolge plötzlicher Erkrankung des russischen Botschafters wurden die Majestäten von dem ersten Botschaftssekretär empfangen. Die Ausstellung er- regte das besondere Interesse der Majestäten.
— Aus der Budgetkommisfion. In der Freitagssitzung der Budgetkommission ist es btt den Kolonialverhandlungen zu einem Zusammenstoß zwischen dem Zentrumsmann Erzberger unb dem Nationalliberalen Dr. Semler gekommmen. Der Abg. Erzbe^get warnte nämlich vor gewissen abenteuerlichen Kolonialplänen unb erzählte, es sei ihm mitgeteilt worden, baß bet Abg. Semler einem Hamburger Kaufmann namens Eoerne ben Vorschlag gemacht hätte, einen großen Farmbetrieb auf der den Spaniern gehörigen Insel Fernando Po zu eröffnen. Den Wett dieser „staunenswerten" Enthüllung kennzeichnete ein Zwischenruf des stellvertretenden Kolonialbirektors Dernburg, der die Sache al« einen Apttlscherz hinstellte. Der an unb für sich belanglose Zwischenfall ist aber wieder recht be> zeichnend für die Kampfesweife des Zentrums unbewiesenes Bierbankgeschwätz als Tatsachen zu behandeln. Bei Weiterüer^tung des Nachtragsetats für Südwestafttka frondierte das Zentrum, indem es den dringenden militärischen Forderungen entgegen den Antrag stellte, bafr man bis zum 31. März 1907 neben der Heim- sendung weiteret 4000 Mann die Vorbereitung treffe, die Gesamtstärke bet Schutztruppe auf 2500 Mann herabzusetzen. Infolge dieser Haltung des Zentrums waren die Beratungen auf einen toten Punkt geraten, sodaß die Verhandlungen auf Dienstag vertagt werden mutzten. — Das ist die Antwort des Zentrums auf Den» burgs Triumph!
— Bundesrat. In bet Plenarsitzung bei Bundesrates, die am letzten Donnerstag unter Vorfitz des Staatssekretärs des Innern, Grafen v. Posadowsky stattfand, wurden die Vorlagen bctr. Rechnungen über ven Haushalt bet afrikanischen Schutzgebiete für basEtatsjahr 1896/97 unb bett, ben Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung bet Eewerbeorbnung, ben zuständige» Ausschüssen überwiesen. Zustimmung fanden die Berichte bes IV. unb VI. Ausschusses wegen Verleihung ber Mündelsicherheit an die Schuldverschreibungen der Emscher Genossenschaft, ferner die Ausschußberichte über die Etats auf das
Konservative Vorschläge zum Ausbau der sozialen Gesetzgebung.
' Auf dem schon mehrfach erwähnten dies- pihrigen konservativen Delegiertentage behan- tzelteFrhr. v. Richthofen -Merkschütz in ausführlichen Darlegungen auf Grund eingehender Studien die Frage der Sozialpolitik. Aus >em stenographischen Berichte über diesen Vortag geben wir die beachtenswerten Vorschläge >es konservativen Führers zur Revision der ozialpolitischen Gesetze in gekürzter Form Mieder.
1 Frhr. v. Richthofen bezeichnete es in Ueber- ttnstimmung mit dem Grafen Kanitz als die ^wichtigste Aufgabe bei Weiterführung der sozialen Gesetzgebung, daß, nachdem wir jetzt fin das Jubeljahr 25 der Kaiserlichen Botschaft ‘eingetreten sind, die sozialpolitischen Gesetze einer sorgfältigen Revision unterzogen werden, ,nicht etwa nach der Richtung hin, daß wir den Arbeitern etwas nehmen wollen von dem, was ’bie Versicherungsgesetze ihnen gegeben, ober daß wir gar es ihnen mißgönnen. Wit wollen vielmehr vereinfachen, verbilligen, verbessern, und zwar gerade auch im Interesse der Lohnarbeiter selbst. (Bravo!)
Graf Posadowsky hat am 2. März 1905 im Reichstage gerade darüber sehr bedeutsame Ausführungen gemacht, wobei er die Notwendigkeit der gründlichen Revision ber Verfichetungs- gefetze uneingeschränkt anerkannt hat. Schon die vielen verschiedenartigen Instanzen, Gesetze und Verordnungen führen in ihrer großen Kompliziertheit dazu, daß nur wenige in den drei Versicherungszweigen, Krankheit, Unfall und Invalidität, noch genau Bescheid wissen unb daß erst gar die Arbeiter zu Rechtskonsulenten und Ärbeitersekretären laufen müssen, um sich den Rat — sehr oft nicht den richtigen Rat — über die ersten Elemente der Arbeiter- Versicherung zu holen.
Wenn man nun vereinfachen kann, wird man auch verbilligen, das ist selbstverständlich. Man würde auch dazu kommen, d-s völlig überlastete Reichsversicherungsamt von all den Rekursen zu befreien unb es nur zur Auffichts- und Revisionsinstanz zu machen.
Aber man wird nicht nut verbilligen und vereinfachen, sondern auch verbessern müssen, und es gibt in der Tat viele Punkte, die verbesserungsbedürftig sind. Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß ich frage: ist denn das ganze System der Rentenbewilligung ein richtiges? Ich gebe zu, das jetzt zu ändern, würde mit enormen Schwierigkeiten verbunden sein. Aber man weiß doch: es ist etwas ganz anderes, ob jemand Staatspensionär zu werden erwartet, gleichviel, ob er dies durch wenig ober
25 lRackvruck verboten.),
Heber alles die Kunst.
Roman von Llarissa Lohbe.
(Fortsetzung'.
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet Der ExpHition 2 8RL,
Ty» non bet allen Postämtern 2,25 M. <e$a. Bestellgeld). VHvy
r“ “““‘''''tiÄÄX““““* Dienstag, 11. Dezember 1906