mit dem Kreisblatt für die Krerse Marburg und Kirchhain.
SonutaaSbeilnae: AUrrttrirtes
।
M 288
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 ML ^txcL Bestellgeld).
InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: die Zelle 80 Pfg.
Marburg
Somitag, 9. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieden maL
Druck und Berlage Joh. Aug. «och, UntversitätS-vuchdruckerel 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon oö.
Viertes Blatt.
Neues Bauernland im Osten.
Wiederholt hat die nationale Presse die klei- jueir und mittleren Landwirte auf jene wichtige ^Kulturarbeit hingewiesen, welche die Königliche Klnsiedelungskommission in den Provinzen Posen zünd Westpreuhen verrichtet. Obgleich nun bei ;ber Königlichen Ansiedelungskommiffion die ^Nachfrage nach Land stetig steigt, findet man trielfach in bäuerlichen Kreisen nach ganz falsche Anschauungen über das Los der in Posen seßhaft gemachten Ansiedler. Vor allem ist die Meinung vorherrschend, daß man im Osten das Land erst .urbar machen müsse. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß der fast überall fruchtbare Boden vollständig kultiviert ist und die einzelnen Stellen stets mit voller Ernte vergeben werden. Auch der Einwand, daß man dort im Osten einsam und unter lauter Polen wohne, und um die persönliche Sicherheit besorgt sein müsse, ist hinfällig. Es werden stets rein deutsche Dörfer gebildet, in welchen 40, 50 und auch mehr Vauern- familien wohnen. Die Dörfer gewähren mit .ihren neu errichteten Gehöften einen recht 'schmucken Eindruck.
Während des Aufbaues der Gehöfte erhalten bie Ansiedler freie Unterkunft und Mundvorrat für sich und ihre Familien. Zum Aufbau werden den Ansiedlern die Baufuhren unentgeltlich .gestellt und das Material zum Selbstkostenpreis abgegeben. Zieht man noch in Berücksichtigung, chaß im Osten die Arbeiterlöhne wesentlich niedriger sind, als im Westen, so wird jeder leicht einsehen, daß sich im Ansiedlungsgebiet der Aufbau eines Gehöftes bedeutend billiger stellen würde, als im westlichen Deutschland. 5—6000 .Mark würden vollständig ausreichen, um dort ein mittelgroßes Bauerngehöft zu errichten. Sollte der Ansiedler während des Baues mit "seinem Gelbe nicht ausreichen, so ist die Königl. Wnsiedlungskommission sofort bereit, gegen mäßigen Zins ein Ergänzungs-Darlehen zu ge- wührsn. Da das Land selbst nicht gegen bar, .sondern gegen eine jährliche Rente verkauft wird, so genügen 5—6000 Mark vollkommen zur Errichtung einer mittleren bäuerlichen Existenz, einer Besitzung von ca. 60 Morgen (1 Morgen = 25,60 Ar). Hat einer weniger Kapital, so muß er entsprechend weniger Land übernehmen, oder eine Stelle nur zum Teil als Eigentum, zum andern Teil zur Pacht übernehmen.
Für die religiösen Bedürfnisse unserer Ansiedler wird in hinreichendem Maße Sorge getragen. Die Königl. Ansiedlungskommission hat schon eine Anzahl Kirchen erbaut, welche einen recht stattlichen Eindruck gewähren.
Zu den Kirchenbauten haben die Ansiedler keine Kostenbeiträge zu leisten, ebenso wenig wie zu den Schulbauten. Die Baukosten werden vielmehr von der Königl. Anfiedlungskommission allein getragen.
Ebenso ist es mit der Besoldung der Pfarrer 'und Lehrer. Dem Obstbau wird eine rege Aufmerksamkeit gewidmet. Auch hierbei kommt die Ansiedlungskommission den Ansiedlern sehr weit entgegen, indem sie % der Kosten zur Anlage von Obstbaumpflanzungen trägt. Bei der stetig wachsenden Nachfrage nach Obst wird das auf diese Weise angewandte Kapital später einmal reichliche Zinsen tragen.
Schließlich sei auch noch erwähnt, daß das ländliche Genossenschaftswesen im Ansiedlunas- gebiet int regen Aufschwung begriffen ist. Es gibt dort Kornhaus-,Molkerei- und Brennereigenossenschaften, welchen die Ansiedler beitreten können, um einen leichteren Absatz ihrer Produkte zu erzielen.
Auf alle Fälle kann man jedem Bauernsohn, welcher sich eine selbständige Existenz gründen, jedem kleinen Besitzer, welcher sich vergrößern, jedem nicht selbständigen Landwirt, welcher sich seßhaft machen will, sehr empfehlen, sich zunächst einmal an die Königliche Anfiedlungskommission zu wenden. Nähere kostenlose Auskunft für die Bewohner der Provinz Hessen-Nassau erteilt der Vertrauensmann der Königlichen Ansiedlungs- kommisiion, Herr W. Schaumburg, Cassel, Frie- denitrok--' <Rr. 11.
Statistik der revolutionären Mordtaten in den russischen Ostseeprovinzen.
vom 1. Januar bis zum 1. Oktober d. I.
In der folgenden Tabelle find nut die Morde auf dem flachen Lande berücksichtigt und Morde rein kriminellen Charakters ausgeschlossen worden.
Im Januar
29 Morde
„ Februar
4 „ W
„ März
3 „
„ April
4 „
„ Mai
17
„ Juni
H „
Juli
14 „
„ August
30 „
„ September
18 „
Zusammen 130 Morde
Es entfallen auf den Kreis: IX
Riga
43 Morde
Erodin-Hafenpoth
19 „
Dohlen
16 „
Wenden
15 „
Windau
9 „
Friedrichstadt
5 „
Tuckum
5 n
Volmar
4 „
Banske
2 „
Talsen
2 „
Walk
1 „
Esthnische Kreise
9 „
Die auffallende Ungleichmäßigkeit der Mordtaten in den einzelnen Monaten findet ihre Erklärung, wenn man die äußeren Zeitumstände in Betracht zieht, unter denen sie stattfastden. Die Ziffer für den Januar ist hoch, denn die Strafexpeditionen beginnen jetzt erst ihre eigentliche Tätigkeit, doch haben sie noch nicht das ganze Land durchzogen. Es bestehen noch viels Exekutiv-Komitees. Die Revolutionäre fühlen sich an vielen Orten als Herren der Situation. Die Strafexpeditionen bringen unerbittlich vor bis in bie fernsten Winkel bes Landes und wo das Standrecht herrscht, da verstummt die Revolution, da flieht sie über die Grenze oder hält sich still verborgen in sicheren Schlupfwinkeln. Zu Anfang Februar kann die blutige Arbeit der Strafexpeditionen als erledigt gelten. In den ersten Tagen dieses Monats meldet General Orlow nach Petersburg bie Pazifikation Süb- livlanbs und berichtet über feine Tätigkeit (257 Hinrichtungen). Eine weit schwerere Arbeit aber steht bevor: Die Ausrottung des zahllosen Raubgesindels, das in den Zeiten der Anarchie sich allerorts ungestört und massenweise entwickelt hatte. Es wird auch anfangs eifrige Nachlese gehalten. Standrechtliche Exekutionen füllen den ganzen Februar. Auch im März und April werden noch 36 Personen standrechtlich erschossen. Die Morde gehen daher in diesen Monaten auf ein Minimum zurück und treffen zudem fast ausschließlich Amtspersonen (8 von 11 Morden). Mit dem 24. April hören die standrechtlichen Hinrichtungen auf. Das Kriegsgericht schweigt gänzlich. Der Geist, der die höheren Administrationen in dieser Zeit beseelt, wird durch die Begnadigung von 5 Mördern des Herrn Dasanoff-Tennigh charakterisiert. Der Reichstag ist eröffnet; vollständige Amnestie aller politischen Verbrecher und Aufhebung der Todesstrafe wird stürmisch verlangt und es kommt dazu, daß auf einer Versammlung der Reichstagsabgeordneten bie Nachricht vom Attentat auf ben AbmiralTschuchnin mit Händeklatschen aufgenommen wird. Die Zahl der Morde im Mai illustriert dieses in nicht miß- zuoerstehender Weise. In der ersten Hälfte des Monats allein 12 Morde, darunter Pastor Eruhn, auch Pastor Fuchs wirb in diesen Tagen beschossen und verwundet. Das Kriegsgericht erwacht Mitte des Monats aus seiner Lethargie. Es wurden in Dünamünde an einem Tage acht Terroristen erhängt, Ende Mai sieben weitere Mitglieder einer Kampforganisation zum Strange verurteilt, zugleich erfolgt die Auflösung bes Reichstags unb die Zahl der Morde sinkt. In diesem und dem folgenden Monate aber erschlafft die Kraft der Regierungsgewalt im Kampfe mit ben revolutionären Banben gänzlich. Von Verhaftungen Höri man äußerst selten, bestomehr von Freilassung richtiger Verbrecher burch gewisse Untersuchungsrichter. Hier unb da Bei gelegentlichem Begegnen mit Land- wächtern ober Dragonern fallen zwar ein paar Buschklepper, bie Kampforganisation dagegen wird begnadigt, die verschiedenen Kriegsgerichte in den baltischen Provinzen fällen drei Todesurteile. Attentate und Ueberfälle auf offener Landstraße werden daher wieder zur Tagesordnung, sogar Eutsbrände find möglich. Die Zahl der Morde wächst von Halbmonat zu Halbmonat (Juli I: 6, Juli H; 8, August I: 10) und schnellt im Monat August zu bisher nicht dagewesener Höhe an. Wieder wird ein Pastor ermordet, ein zweiter verwundet, ein dritter überfallen. Da wird Ende August das Feldgericht prokla
miert und die Zahl der Morde im September geht rapid zurück. Einem weiteren Rückgang ist das gleichzeitige schlappe Verfahren der Kriegsgerichte wenig förderlich, doch das Feldgericht, das in den ersten sieben Wochen feines Bestehens 71 Todesurteile vollstreckt, ist ein zu machtvoller Faktor, um dadurch paralysiert zu werden. Es bewirkt, daß für die erste Hälfte bes Oktobers vom Lande bis jetzt nur ein Mord gemeldet wurde. Man sieht also, wie nur unnachsichtliche Ahndung der Verbrechen eine Besserung der Zustände verspricht. Wenn man betrachtet, wie die Morde sich auf die einzelnen Kreise verteilen, so fällt auf, daß die schlimmsten diejenigen sind, in denen die drei größten Städte des revolutionierenden Gebietes liegen: Riga, Libau, Mitau. Als einen der schlimmsten bezeichnen den Kreis Wenden die in obiger Zahl enthaltenen 5 ermordeten Frauen. Darin kommt ihm nur bet Kreis Riga gleich mit ebenfalls 5 ermordeten Frauen, doch bei fast dreifach größerer Mordzahl.
Von den Ermordeten waren: vierzehn Frauen (darunter 1 Pastorin, 1 Lehrersfrau tiriK 8 Frauen von Baueruwirten), 2 Pastoren, 1 Küster, 1 Lehrer, 2 Studenten, 16 Polizei- und Militärchargen, 7 Gutsbesitzer und Eutsbeamte, 10 Vuschwächter und deren Söhne, 55 Bauernwirte und deren Söhne (darunter 17 Gemeinde- Beamte), 8 Krüger, Kaufleute usw., 4 Eisenbahn- und Postbeamte, 5 Handwerker und Knechte, 5 unbekannten Standes.
Vermischtes.
Gustav Adolfs Leiche. Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: Anläßlich der am 6. November erfolgten Grundsteinlegung zur „Gustav Adolf- Gedächtniskirche" auf dem Schlachffelde von Lützen erschienen in der Presse zahlreiche Artikel über die Todesstätte des Königs, das Schlachtfelddenkmal usw., die zum Teil Unrichtigkeiten enthielten. Eine Darstellung der Sache nach zuverlässigen Berichten und der an Ort und Stelle gemachten Untersuchungen dürfte deshalb von allgemeinem Interesse sein. Die Leiche des Schwedenkönigs wurde von dem finnischen Reiterregiment unter Oberst Stalhandske in Besitz genommen. Man fand sie, bis zum Hemd entblößt, von Pferdehufen zertreten, durch Blut und Wunden entstellt. Auf einem Munitions wagen brachte man sie in die Kirche des von dem Schlachffelde 3 Kilometer weit entfernten Dorfes Meuchen. Noch am Abende des Schlachttages veranstalteten dort die Offiziere eine Trauerfeier mit Gedächtnisrede. Die Leiche hatte fünf Schuß-, drei Hiebwunden und eine Stichwunde. Da unter diesen Umständen an eine Weiterbeförderung der Leiche nicht zu denken war, wurde sie geöffnet. Die Eingeweide fanden ihre Ruhestätte in der Kirche. Noch heute erblickt bei Besuchet auf bet Decke, unter ber sie ruhen, die Inschrift: „Hier sind bie Eingeweide bes Helben Gustav Adolf begraben." Die Leiche wurde sodann in das an der Kirchhofsmauer an- gebaute Schulhaus getragen. Weil aber das Schulhaus sehr klein war, brachte man sie in den Hof des Nachbars Burghard, wo man sie in der Waschstube auf einen mit Angeln an der Wand befestigten Tisch legte, wusch und notdürftig ein« balsamierte. Inzwischen hatte der Lehrer Laue von Meuchen, ber gleichzeitig Schreiner war, einen einfachen Sarg angefertigt. In diesem wurde Gustav Adolfs Leiche am 7. November nach Weißenfels gefahren, wo ste Herzog Bernhard von Weimar durch den Apotheker Kaspar König richtig einbalsamioren lieft. Von Weißenfels wurde sie über Wittenberg, wo sie eine Nacht in ber burch Luther berühmt gewordenen Schlosskirche stand, nach Wollgast in Pommern und von hier aus nach Nykoping in Schweden übergesiihrt, wo sie eine vorläufige Ruhe'd^ sand, bis sie am 21. Juni 1634 in der Riddar- holmskirche zu Stockholm 6eic"'"''f'f wurde. Der Klapptisch, aus dem Gustav Adolfs Leiche int Waschhause bes Gutsbesitzers Burghard in Meuchen gelegen hat, ist jetzt noch vorhanden, aber bis auf drei Bretter erneuert worden. Er ist unangestrichen, überhaupt fehr einfach; die drei alten Bretter sind sehr wurmstig. Im !>abre 1903 schenkte der damalige Besitzer des Tisches, Gutsbesitzer Kanold in Meuchen, die ehrwürdige Reliquie ber dortigen Kirche. Dort steht sie noch, und zwar in ber Bahrenhalle hinter dem Altar. Ein Reitknecht Gustav Adolfs, Jakob Erichson, der bei dem Tode des Schwedenkönigs zugegen war. lag längere Zeit an feinen Wunden in dem Dorfe Meuchen schwer krank darnieder. Als et wieder b er gestellt war, zeigte er auf Verlangen die Stelle, wo bet Echwedenkönig fiel. Dreizehn Bauern aus Meuchen faßten daraufhin den Entschluß, einen skandinavischen erratischen Block zum ewigen Angedenken an die bezeichnete Stelle zu wälzen. Doch gelang es ihnen nur, ben Stein an die Stelle zu bringen, wo er heute noch liegt. Die eigentliche Todesstätte Gustav Adolfs ist etwa 40 Meter weiter nach ber Stadt zu. .Aus diesem Grunde wurde im Jahre 1837 bet ganze Platz um ben „SLwedenstein" herum
angekauft und zu einem Park umgestaltet. Zahl« reiche Gemeinden des In- unb Auslandes liex fetten Bäume hierzu. Der unregelmäßig breieckige Stein trägt bie Inschrift: „G. A. 1632.* Im Jahre 1837 wurde über dem Stein das jetzige gotische eiserne Denkmal errichtet. Erwähnt fei noch, baß bie „Gustav Adolf-Eedächt- niskirche", zu bet nunmehr ber Grundstein gelegt worden ist, am 275. Jahrestage der Lützener Schlacht, am 6. November 1907, eingeweiht werben wird. Sie ist eine Stiftung bes Kommerzienrats Ekmann zu Stockholm unb wird rund 70 000 dl Kosten verursachen.
Wohltätigkeit Beginnt zu Haufe. „Sie kommen doch zu unserem Basar morgen, Herr Schulze," bat das reizende Fräulein Rotbarth, „und bringen Sie ja recht viel Geld mit!“ Unb dabei sah sie ihn mit einem so bezaubernden Blick an, daß er feine Schüchternheit überwand unb enblich tat, was er schon so lange vorhatte, nämlich sie um ihre Hand bat. Unb bet Glückliche wurde erhört. Ein paar Minuten späte« erklärte die liebliche Braut: „Unb weißt bu< Liebster, nun ist es doch besser, wenn du morgen nicht zum Basar kommst; denn jetzt brauchen wir unser Geld selbst, und du kannst dir nicht denken, wie man bei solchen Wohtätigkeitsfesten ausgeplündert wirb!"
Die „alte Liebe." Eine niedliche Aufklärung aus Cuxhaven finden wir in der Monatsschrift „Homburg" (2. Heft), einer neuen, sich recht ansprechend einführenden Zeitschrift für Heimat und Fremde. (Verlag F. W. Thaden, Hamburg. Es heißt da: Das Auge konnte nicht davon los» kommen, wenn wir westwärts segelten. Immer wieder kehrten die Blicke zu ihr zurück. Die alte Liebe — das klang so traut und klang so deutsch und wob feine Fäden zur Linde und zu de« blauen Augen. Die grauen Fischer wissen freilich nichts davon: sie sagen nicht „ol Leef", sondern „Ol Liew". Das macht, sie sind dabei gewesen, als als er auf Groß Vogelsand gestrandet war, der Hamburger Schunet „Olive". Sie machten ihn leer, takelten ihn ab unb schleppten das Wrack bei springender Tide ab. Es traf sich, daß der Cuxhaven gerade einen Anleger brauchte, weil ber alte vermorscht war — so verankerten sie bie „Olive" am Bollwerk unb sprachen von ber „Oliv"! Sprachen auch noch bavon, als das Namensbrett lange abgefallen war. Dann kam irgend einer, horte „ol Liew" und übertrug in sein geliebtes Deutsch: „alte Liebe".
Seltene Familienfeier. Gestern vor 50 Jahren feierte im alten Familienbefitz zu Kehmstedt bet Schulze Gottfried Eenzel mit seiner Frau bie goldene Hochzeit, deren Schwiegersohn Ferdinand Ropte die silberne, und dessen Schwiegersohn Hermann Schmidt die grüne. 1881 feierten die Ropteschen Eheleute die goldene, bie Schmibtschen die silberne Hochzeit und heute feiern im Kreise ihrer fünf Kinder und 13 Enkel nebst vielen Verwandten bie Schmibtschen Eheleute ihre goldene Hochzeit. Beide in geistiger und körperlicher Frische.
Ein modernes Raubritterpaar macht zurzeit die Städte Westfalens bis ins Rbeinland hinein unsicher. In Hamm, Camen, Dortmund, Iserlohn, Witten usw. haben sie bisher, ohne von bet Polizei erwischt zu werben. Gastrollen! Gegeben. Es hanbelt sich um eine ältere Frau und beten 22jährigen Sohn. Sie „arbeiten" überall in bet gleichen Weile, indem sie ein Zimmer mieten und sich dorthin die vorher Bet ben Kaufleuten bestellte Auswahl von Waren jeberlri Art bringen lassen, mit denen sie dann verschwinden. Die erstaunliche Sicherheit mit bet bie beiden Gauner — der junge Mann ist meistens Aktuar — auftreten, läßt ben Trick jedesmal gelingen. Der von ihnen betrogene Kaufmann Loewenthal in Hamm, so erzählt die ..Rh. W. Z." stellte sie vor kurzem zufällig in Dortmund, ihre Bitten bewogen ihn, von einer sofortigen Verhaftung abzulehen, zumal er zu Hause sofort Bezahlung erhalten solle. Er ging mit, unterwegs verduftete die Fran unter irgend einem Vorwand. Im Flur angelangt, ließ bet Gauner den Kaufmann zuerst ins Zimmer treten, schloß hinter ihn ab und verschwand gleichfalls auf Nimmerwiedersehen. Der so gefoppte Kaufmann bekommt nun fortgesetzt aus den verschiedensten Orten von den frechen Schwindlern Hohn- und Spottkarten, fingierte Cheks mit Order usw.
ßüchbmd rei u. Einrahmung v. Ihhlera ♦♦ Barfüsser strasse 21 ♦♦ J. Schulz.
Rotationsdruck.
Verantwortlich für die Re" 'on: Dr. Johannes Otto in Marburg,