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»ortet ferner die Einführung einer vor allem die Riesenvermögen treffenden pro­gressiven Erbschaftssteuer und einer progressiven Einkommensteuer als Lundeseinnahmen und ferner die Schaffung von Schnelldampferlinien nach Südamerika. Bei Be­sprechung der äußeren Politik tadelt Roosevelt die in jüngster Zeit sporadisch aufge­tretene Feindseligkeit gegen die Japaner. Da Amerika eine beständig steigende Rolle im Stillen Ozean zu spielen hoffe, schlägt Roosevelt vor, allen Japanern die Naturalisierung in Amerika zu gestatten. Betreffs der politischen Stellung Kubas sagt die Botschaft:

In Kuba ist der Friede augenblicklich wieder- gekehrt. Wenn aber nach den Wahlen der Auf­ruhr wieder losbreche, könne nicht davon die Rede sein, daß die Insel unabhängig bleibe. Im Hinblick auf die eingeleiteten Verhandlun­gen zur 2. Friedenskonferenz im Haag sagte der Präsident u. a., es muffe immer im Äuge behal­ten werden, daß ein Krieg unter Umständen nicht nur zu rechtfertigen sei, sondern für ehren­hafte Männer und für jede ehrenhafte Nation zum Gebote werde. Ein gerechter Krieg sei auf die Dauer für die Seele einer Nation weit bester, als der blühendste Frieds, der durch das Dulden von Unbill oder Ungerechtigkeit erlangt fei. Die Flotte der Bereinigten Staaten sei der sicherste Bürge des Friedens, den das Land be­sitze. Sie brauche nicht vergrößert zu werden, aber ihre gegenwärtige Stärke muffe aufrecht erhalten werden. Ein entsprechendes Programm werde ausgestellt werden. Zum Schluffe spricht sich der Präsident, da das Land im Kriegsfälle haupt­sächlich auf Freiwillige angewiesen sei, für mög­lichste Ausbreitung des Schützenwesens nach Schweizer Muster aus.

♦ Ein humanes Krieaswcrkzeug? Aus Rew- 5Jort wird berichtet: Der Erfinder des Unter­seebootes John P. Holland erklärt, daß er gegen­wärtig an der Konstruktion eines Fahrzeuges arbeitet, von dem er behauptet, daß es das ganze Kriegswesen umwälzen werde. Dieses Boot ver­krüppelt die Kriegsschiffe, ohne sie zu zerstören. Holland sagte in einer Unterredung: „Mein Boot wird den Krieg beendigen, indem es Flot­ten unmöglich macht. Dabei wird es ohne Ver­lust an Menschen arbeite.'.. In den Händen von Sachverständigen wird eine Flotte meiner neuen Unterseeboote jeder Flotte der Welt mehr als gewachsen fein. Es wird ein unblutiger Krieg fein, bei dem bet Sieg für dis Unterseeboote gesichert ist." — Wie seinerzeit bei der Kunde von der staunenswerten Erfindung des spani- chen Seeoffiziers Perval, der jetzt bereits samt einer Erfindung vergessen ist, scheint es uns ehr angebracht zu sein» die Meldung mit Vor- icht zu genießen.

* Das vielumworbene Abessinien. Addis- Abeba, 5. Dezember. Der Negus Menelik hat den Regierungen von Großbritannien, Frank­reich und Italien über das Abessinien betref­fende Abkommen dieser Regierungen zugehen lassen. Es verlautet, der Negus bestätige in der Antwort den Empfang der Mitteilung der Mächte und danke ihnen für ihren Wunsch, die Unabhängkeit Abessiniens aufrecht zu erhalten­der Negus machte dabei den Borbehalt, daß das Abkomen in keiner Weise seine Souveränetäts- rechte beschränken soll.

* Japanische Rüstungen. Die japanische^ re­guläre Armee wird auf 750 000 Mann verstärkt.

... bild >.

Eachsenberg, 3. Dez. Herr Kommerzienrat Brüggemann aus Dottmund kaufte von den Freiherren von Dalwigk eine etwa 200 Morgen oroße Waldfläche zwischen hier und Neukirchen, sog. Langenhelle, zu einem Sommerauf- rlt und zur Ausübung der Jagd. Die Vor­arbeiten zur Aufrichtung eines in der Nürnber­ger Ausstellung erstandenen Jagdhauses find be­reits in Angriff genommen.

23 ! Nachdruck verboten.)

lieber alles die Kumt.

Roman von Tlarissa Lohde.

(Fortsetzung).

Endlich war der Friseur mit seiner Arbeit fettig und empfahl sich mit tiefen Verbeugun­gen. Die Jungfer nahm den Friseurmantel ab und reichte der Herrin das seidene Morgenge­wand.

„Nun?" fragte die Gräfin, Marga winkend, ihr in das Boudoir folgend, wo sie sich, in die Kiffen der Chaiselongue werfend, behaglich ihre Zigarette anzündete. „Nun berichten Sie, was haben Sie erreicht? Sie kluge Vermittlerin!"

„Leider ist alle Klugheit hier gescheitert," iekannte Marga offen. „Die Komteß beharrt tuf ihrem Eigensinn."

Die Gräfin hatte sich jäh aufgerichtet:

„Gar nichts ausgerichtet?" wiederholte sie, oährend ihre Augen vor Erregung ganz dunkel jourben.

„Um Himmels willen, fassen Sie sich, Aglaja! Sie dürfen das nicht so tragisch nehmen. Der Eigensinn eines Kindes!"

„Sie ahnen ja nicht, was auf dem Spiele steht, Marga! Sie können's nicht ahnen. Das ist der Tod aller meiner Pläne, meiner Hoff­nungen !“

„Ich bitte Sie, Aglaja, wie wäre das mög­lich? Selbst wenn die Komteß ihre Absicht ausführte?"

A. wenn ich sprechen dürste, Marga!" Aber ich darf ja nicht," klagte die Gräfin faffungs- los. „Und fs drückt's mir fast das Herz ab." „Rein, gehen Sie," wehrte sie, als Mar^a, den Arm um sie legend, sie aufs neue zu trösten versuchte. „Lassen S' mich allein, ich bitt' Sie darum? Diesmal muß ich allein mit mir fettig werden, diesmal können S* mir nicht helfen."

Marga erfüllte kopfschüttelnd der Gräfin Wunsch. Welche Rätsel umgaben sie hier? Zum erstenmale, seit sie in diesem Hause war, tauchte die Frage in ihr auf, ob sie auch klug gehandelt,

+ Eassel, 8. Dez. ®er Hessische Bienen- zllchterverein hielt heute nachmittag im Hotel Schloß Weißenstein (Bahnhof Wilhelmshöhe) eine Eesamtvorstandssitzung ab. Vertreten waren die Bezirksvereine Cassel, Wolfhagen, Bebra, Marburg, Homberg, Kaufungen, Sontra, Efchwege, Malsfeld, Ziegenhain, Karlshafen, Oberweser, Guxhagen, Hofgeismar und Som­born. Die Landwirljcha^s^ammer hatte als Vertreter Oekonomierat Estland entsandt. Zu­nächst referierte Postfekretär Ritter über die Haftpflichtversicherung. Am 1. Januar n. I. tritt dieselbe bei dem bienenmirtschaftlichen Zentralverein in Kraft. Die Mitglieder des Hessischen Dienenzüchtervereins werden dort ohne Erhöbung des Jahresbeitrages gegen Haft­pflicht versichert. Der Kassierer machte aber daraus aufmerksam, daß die Jahresbeiträge rechtzeitig gezahlt werden müssen, damit bei eventuellen Schäden die Haft'sslichtversickerung nicht Schwierigkeiten machen kann, denn bet habe nur Anspruch auf Schadenersatz, der seine Beiträge gezahlt habe. Es wird alsdann über § 12 der Satzungen verhandelt und beschlossen, Jmkerkursusse zu beschicken, speziell den in Or­tenberg. 400 dl sind hierfür in den Etat des Hauptveteins eingestellt. Der Bezirksverein Wolfhagen erhält eine Unterstützung von 30 dH zur Abhaltung einer Freiverloosung zu Weih­nachten, die dort seither immer stattgefunden hat. Zu Abs. 6 wird beschlossen, die in Marbach erscheinende „Nene Bicncnzeitung" nicht mehr zu bestellen, es soll den Dezirksvereinen über­lassen bleiben, von irgend mner Bienenzeitung je ein Exemplar aus Kosten des Hauptvereins zu bestellen, ausgeschlossen hiervon ist jedoch die ,Mue Bienenzeitung". Förster Kaufmann stellt den Anttag, in Marburg eine Honiaverkaufs- stelle des Hessischen Bienenzüchtervereins zu er­richten, wo unter Garantie reiner Blutenhonig verkauft werden soll, man ist damit einverstan­den und stellt, wenn nötig, eine Unterstützung hierzu in Aussicht. Auch der Vertteter der Land­wirtschaftskammer beliirvortet solche Einrichtun­gen und hält auch eine solche Verkaufsstelle in Cassel für zweckmäßig. Zum Schlüsse ladet bet Oekonomierat im Namen des landwirtschaft- wirtschaftlichen Kreisvereins Cassel zu dessen 60- jäbriget Jubelfeier den Hessischen $ienen?.üAter= verein mit Hauvtversammlnng und Ausstellung für das Jahr 1909 nach Cassel rin, worauf die Versammlung nach Erledigung einiget internen Angelegenheiten geschlossen wird.

Hersfeld, 5. Dez. Da die bisherigen Heraus­geber des Hetsfelder Adreßbuches wegen mini­malen Verdienstes von eines weiteren Ausgabe absehen wollten, ein Adreßbuch für unsere f^tabt aber unbedingt notwendig ist, batte der Magi­strat beschlossen, den Herausoebern eine Summe von 100 dl für die jedesmalige Neuanfertigung zukommen zu lassen.

Friedberg, 5. Dez. Als heute vormittag zwi­schen 10 und 11 Uhr die Frau eines in Frank­furt a. M. stationierten Bahnbeamten, von biet nach ihrem Heimatsort Ober-Wöllstadt ging, wurde sie in der Nähe der Galgenbrücke von einem ihr begegnenden Stromer überfallen, ge­würgt und vergewaltigt. Auf die Hilferufe der Frau eilten zwei Knechte der Brauerei Stein- häußer von hier, die etwa 800 Meter non der Stelle entfernt beschäftigt waren, herbei. Oer Verbrecher wäre iedoch im letzten Augenblicke noch entwischt, wenn er nicht dem hinzukommen- ben Metzgermeister Reichen berg von hier, der die Stelle mit seinem Wagen passierte, hätte aus- weichen wollen, und so den beiden handfesten Knechten Peter Haas und Franz Morler in die Arme gelaufen wäre. Als man den Attentäter zu der Frau zurückführte, leugnete er standhaft. Nachdem er durch feine beidenTransporteure dem hiesigen Amtsgericht vor geführt worden war, verweigerte er jede Auskunft, sowohl bezüolich der Tat, als auch seiner Personalien. Man hofft aber bald zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Auf dem Weg nach Friedberg ging es nicht ohne Prüael ab. Die Frau, dis erst vor vier Wochen geboren hat, ist schwer verhetzt, und infolge der Aufregung ernstlich erkrankt. Sie

sich in Verhältnisse zu begeben, die sie so wenig kannte. Aber sie tröstete sich damit, daß es ihr ja in jedem Augenblick frei stehe, ins Eltern­haus zurückzukehren. Was hier auch für Unheil drohte, sie konnte ja nickt davon berührt werden, ihr stand immer der Weg zur Rettung offen.

XI.

Gisela war in ihrem Zimmer auch nickt mehr die Gelassene, Entschiedene, wie vorher im Atelier Margas. Die aanze beiße Leidenschaft­lichkeit der Mutter brach bei ihr aus, als sie sich allein wußte. Sie hatte die Tür hinter sich ver­schlossen und warf sich nun in einer Verzweif­lung, die man ihr nach ihrem ruhigen Aeußeren nicht zugetraut hätte, mit ausgebreiteten Armen aufs Sofa, in heftige Tränen ausbrechend. Kramvfhaftes Schluchzen erschütterte ihren gan­zen Körper.

„Das alles tragen zu müssen," klagte es in ihrer Seele, „und niemand zu haben, niemand, dem ich mich anvertrauen kann, niemand!"

Sie fühlte sich wie eine Fremde hier, trotz­dem es das Haus der Mutter war, in dem sie lebte, trotzdem ihr Vormund hier weilte, bet ihr vom Gesetz gegebene Beschützer.

„Beschützer?" klang es voll Wehs in ihr.

Ack, wenn sie einen Menschen haßte, so war es dieser Vormund. Nein! Haß war noch zu we­nig. Widerwillen, Verachtung, das waten die Gefühle, die sie beim Gedanken an diesen Mann empfand, den der Mutter Wille ihr zum Vor­mund gegeben. Er ihr Vormund? Der Mann, den sie, solange sie denken konnte, gefürchtet hatte seiner wilden Heftigkeit, seiner heißen Augen wegen, die einen Ausdruck hatten, der ihr unwillkürlich Schauder erregte.

Js, wenn sie die Vergangenheit vergessen könnte? So etwas aber vergißt sich nicht, nie, solange man lest. Wie hatte sie gekämpft, ge­litten, und immer noch befand sie sich inmitten des furchtbaren inneren Zwiespalts. Nirgends eine Hoffnung, sich jemals daraus zu befreien. Das entsetzliche Geheimnis lastete ja wie ein

mußte mittelst Wagen nach Haufe gebracht werden. (Gieß. Anz.)

Limburg, 5. Dej. Die in Oberbrechen erbaute Wasserleitung funktioniert nicht, sie bringt das Wasser nicht bis in die höchsten Röhren. Der verantwottliche Bauführer der unternehmenden Firma soll infolgedessen geflohen sein und 1200 Mark Lohngelder, sowie 900 Mark persönliche Darlehen mitgenommen haben. (Kl. Pt.)

Mainz, 5. Dez. Die katholischen Pfatter bet Stadt Mainz haben gemeinsam einen Protest gegen die Entfernung bet Kruzifixe aus ben Volksschulen erlassen, ba bles eine Maßregel fei, wodurch das Gefühl bet Katholiken auf bas tiefste verletzt werden müsse. Die Entfernung der Kruzifixe geschah auf Beschluß des hiesigen Schulvorstandes.

Mücke, 4. Dez. Heute Nacht wurde hier bei dem Gastwirt Reitz ein Einbruch ausgeführt. Der Dieb hatte seinen Weg von einem in oet Nähe befindlichen Neubau aus genommen; et hatte eine Fensterscheibe ausgebleit, das Fenster geöffnet und ist in das Gastzimmer eingedrun- gen. Aus bet Tageskasse entnahm er sechs Mark unb hieß demnach zwei Paar Schuhe und Eß­waren mitgehen. Die Polizei von Ruvvertenrod wurde telephonisch benachrichtigt. Möglicher­weise steht der Diebstahl mit einem Fund zusam­men, der dieser Tage unter einer Brücke bei Weickartshain gemacht wurde. Dott fand man ein Bündel ganz neuer Weißwaren, bestehend aus Bettbezüge, Taschentücher ic. versteckt vor.

(Gieß. Anz.)

Marburg nnd llmgraend.

(Nachdruck aller Origmalartitel ist gemäß $ 18 de? Urheberrechts nur m-t der deutlichen Quellenangabe .Obrrheff. Ztg" gestattetl

TSflthttrfl, 7. Dezbr.

* Marburger Freie Studentenschaft. Am Sonnabend, den 8. b. M., findet im „Fronhof" (Tunnel) die erste Generalversammlung in die­sem Semester statt. Da besonders die jeden freien Stundenten interessierende Ausschußfrage ver­handelt werden wird, ist zahlteickes Erscheinen dringend erwünscht.

* Die nächste Feldpost. Die nächste Feldpost nach Afrika geht von Europa wieder am 8. Dez. ab. Sie benutzt den an diesem Tage von Southampton in See gehenden Dampfet bet Union-Castle Mail Steamsbiv Comvany bis Kapstabt. Dort trifft sie am Weihnachtstage ein. Die Weiterbeförderung ins Schutzgebiet steht noch nicht fest. Eine sichere Gelegenheit bietet sich wieder am 2. Januar. An diesem Tage geht der deutsche Küstendarnpfer von Kapstadt nach Norden in See. Der Dampfer ist am 6. Januar in Lüderitzbucht und am 9. in Swakopmund. Diese Feldpost, die ausländische Bahnen und Schiffe benutzen muß, befördert nur Briefsen- bunaen. Sie verläßt bas Marine-Bureau in Berlin am 7. Dezember vormittags 11 Uhr. Feld-wstbrieff-mdungen müssen allo spätestens am ß., in entfernteren Orten am. 5. aufgegeben werben.

* Erledigte Stelle. Die coang. Schulstelle zu Falkenberg wirb infolge Versetzung des Stellen­inhabers vom 1. Dezember b. I. ab vakant.

* Verjährung. Mit bem 31. Dezember b. I. verjähren: 1. die im Jahrs 1902 entstandenen Forderungen bet Kaufleute, Fabrikanten, Hand­werker k. gegenüber bem Geschäftsbetriebe eines anderen: 2. die im Jahre 1904 entstande­nen Forderungen der Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker ic. für Lieferung von Waren, Aus­führung von Arbeiten rc. für ben Prioatbedarf ihrer Kunden.

§ Invalidenversicherung. Gegenwärtig fin­det eine Revision bet Karten durch einen Be­amten bet Invalidenversicherung aus Cassel statt. Es empfiehlt sich also, die Katten in Ordnung zu halten.

* Hessische Branbversicherung. Die Inter­essenten der Hessischen Brandversickerunasanstalt werben bauen in Kenntnis gesetzt, baß die Branbsteuet für das Jahr 1907 durch Beschluß

Zentnergewicht auf ihrer jungen Seele, erstickte jede freie Regung schon im Keime.

Ach, es hatte ja eine Zeit gegeben, wo sie mit einer fast leidenschaftlichen Liebe unb Zärt lichkeit an dieser schönen Mutter gehangen, bis zu dem Moment, als ihr so jäh der Schleier von den Augen gerissen wurde unb der kaum Fünf­zehnjährigen eine lange Geschichte ~>on Trug und Verrat mit ihren verhängnisvollen Fol­gen sich offenbarte.

O, jener unheilvolle Tag, der sckmerzlickste ihres Lebens, noch immer schwebt et ihr deutlich vor, immer durchlebt sie ihn aufs neue, mit allen seinen Schrecken, 'einer Angst und Qual! Es ist ein Mitsommertag in den Ferien, die sie immer auf dem Gute bei ben Eltern zubringt. Eine heiße, drückende Schwüle lastet auf bet Natur. Der Vater ist abwesenb, in Geschäften nach bet nahen Stabt gefahren. Sie ist lange im Garten unb Park umbergelaufen, benn sie liebt leiden­schaftlich die Natur, sie liebt jeden Baum, jede Blume ihrer heimatlichen Flut. Nun ruht sie müde von der erschlaffenden Hitze in ihrem Schaukelstuhl auf dem Balkon ihres Stübchens, das hoch oben in einem der runden Türme liegt, die das alte, mächtige Schloß von beiden Seiten flankieren. Sie bat um dieses Turm,zimmer ge­beten, ihre kindliche Phantasie hat es mit aller Romantik vergangener Zeiten ausgestattet. Weit weit kann sie von dort ins Land hinaus« Miauen, wo die Pußta sick breitet bis zu dem in der Ferne blauenden Gebirgszug der hohen Tatta.

Mit bald geschlossenen Libern träumte sie vor sich hin. Da brinnt ein rascher Hufichlag an ihr Dbr. Sie richtet sich auf, sieht hinab in den Hof. Der Reiter, der sich eben vom Pferde schwingt unb dem herbeieilenden Reitknecht ben Zügel zuwirst, ist G.'-^a Nemethy, der Freund ihres Vaters, ein weitläufiger Vetter der Mut­ter. Es ist nichts Ungewöhnliches, baß er kommt, benn er ist fast täglich Gast im Hause der Eltern. Seins Güter liegen dicht neben denen des Va­ters; ihr aber ist er kein angenehmer East. So aufmerksam und mit so chevaleresker Art er sie.

der Lrmbesausschusses vom 28. d. M. ans ben gegnilber des Vorjahres veränderten Betrag von 16 L für je 100 dl des Umlagekapitals festgeletzt worden ist. Die Brandsteuer beträgt hiernach für je 1000 dl der Versicherungssumme in Bauartflaffe I 80 4, II 1 dl 20 4, IH 1 dl 44 4, IV 1 dl 76 4, V 2 M 24 4.

* Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. Die zweite Versammlung des Winterhalbjahres findet am Montag ben 10. Dezember, abends 8% Uhr, im Auditorium des physiologischen In­stituts statt mit einem Vortrage des Korvetten­kapitäns Glaue über „Korea, Land unb Leute" (mit Lichtbildern). Alle Freunde der deutschen Alpen, die sich für dis Bestrebungen des Vereins interessieren, sind dazu freundlichst eingelaben. Der Zweck des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins ist, bis Kenntnis bet Alpen Deutschlands und Oesterreichs zu erweitern und zu verbreiten, sowie ihrs Bereisung zu erleich­tern. Die Sf Marburg erstrebt dieses Ziel durch Unterste -ung von alpinen Wege- und Hüttenbauten, durch ihre den Mitgliedern zur Verfügung stehende Sammlung alpiner Schrif­ten und Karten unb durch dis im Winter monat­lich stattfinbenben Sektionsversammlungen, in denen in der Regel ein Vortrag gehalten wird unb den Mitgliedern in zwanglosem Beisam­mensein die Gelegenheit zur Besprechung ihrer alpinen Reiseerlebnisse geboten ist. Diese Ve- sttebungen werden auch alle Marburger, die im vergangenen Sommer in den Alpen Naturgenutz und Erholung gesucht und gesunden haben, gern । zu unterstützen bereit sein, wie schon der zahl­reiche Besuch des ersten Vortrages am 12. Noo. von Herrn Privadozenten Dr. Lorenz über den prähistorischen Menschen in seinen Beziehungen zur alpinen Eiszeit bewiesen hat.

* Zur Fleischteuerung. Der Bund der Land­wirte hat ein Flugblatt, die Fless-tzteuerung be­treffend herausgegeben. Wir teilen hierzu mit, daß Interessenten von der Verwaltung des Bun­des der Landwirts „Berlin SW. 11, Dessauer Straße 7", beliebig viele Exemplare dieses Flugblattes gratis und franko erhalten können.

* Som Winter. Nun scheint es doch bald Winter werden zu wollen! In den letzten Näch­ten hat man mehrmals in den Lüften das Ge­schrei südwärts ziehender Schneegänse hören können. Das war bis jetzt immer ein vielbeach­tetes Zeichen des Eintritts einer rauheren Wit­terung. Heute vormittag ist bereits etwas Schnee gefallen.

* Der Schwindel mit Losen treibt immer neue Blüten. Die Firma Ch. Merkelbach u. Ca. in Utrecht bietet Lose der königlich preußischen Klaffenlotterie im Gesellschaftsspiel an mit der Verheißung, bah fein anderes Lotteriespiel gleich große Chancen biete. Eine auswärtige Staats­anwaltschaft erkundigte sich bei der Utrechter Polizei nach der genannten Firma. In ihrem Antwortschreiben teilte die Behörde mit, daß bis „sogenannte" Firma CH. Merkelsbach u. Co. in einem unansehnlichen Gebäude der Spoorshat Nr. 19 ein ebenso unansehnliches Kontor inne hat. Dis Geschäftsinhaber seien gewöhnlich abwesend und zeigten sich nur, wenn Briefe unb Postanwei­sungen für sie eingegangen seien. Wie weiter bekannt wurde, befindet sich die Firma — und das ist der Gipfel des Schwindels — überhaupt nicht im Besitz der Lose, die offeriert werden.

* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit foloende Ortschaften »erFcr**: Toll­wut: Landkreis Hanau: Bergen (Verdacht). Kreis Hofgeismar: Hofgeismar (Verdacht). Kreis Hersfeld: Hersfeld (Verdacht). Kreis Schlücktern: Altengronau, Schlüchtern. Kreis Witzenhausen: Hubenrode, Rommerode, Witzen- baufet». ^chwess"^euche ISckweinepesil: Stadt­kreis Cassel: Ca'ssl. Land^eis Cassel: Voll- marshausen, Heckershausen, Veroshoissen, Dörn­hagen, Ochshausen, Ihringshausen. Kreis Efchwege: Frieda, Wanfried. Kreis Fritzlar: Obervorschütz. Fritzlar. Zennern, Jesbern, Kirch­berg. Kreis Fulda: Margretenhaun, Maberzell- Kreis Gelnhausen: Orb, Mernes, Schloßgut!

bas halbe Kind, behandelt, hegt sie doch in in» nerster Seele eine unbefieabare Abneigung ge-- gen ihn. Des Grundes dieser Abneigung ist sih sich nicht bewußt, aber sie empfindet instinktiv,: daß der Blick seiner dunklen, zuweilen so bren» nenb auf der Mutter ruhenden Augen sie ab-i stößt. Die Mutter, ja. sie ist zu gütig, zu auf», mertiam zu dem Freunde, ben sie oft mit große» rer Wärme emnfängt ,als selbll den Vater. Da», verletzt ihr kindliches Empfinden. Und was ifü dieser Eöza Nemethn gegen ihren Vater, bem stolzen, vornehmen Grafen Palfv, ben höchstgeq achteten Mann im ganzen Komitat, nmbrenbf Baron Nemethy — sie hat bas wohl bemerft —-j sich keines besonberen Ansehens erfreut. Er fft- ein Sportsmann, ein kühner Reiter und Säger,- nichts weiter. Und für diesen Mann hat ihr-j schöne von dem Vater so heiß geliebte Mutter- ein süßeres Lächeln als für ihren Gatten. Sir grollt seit einiger Zeit deshalb mit der Mutter, und zeigt sich aegen Nemethy abweisend unb- widerspenstig. Sie will ihm zu erkennen geben,' daß sie ihn nicht mag. Wozu kommt er so oft hierher, auch wenn der Vater nicht zu Hause ift?| Dann hat die Mutter nur für ihn Augen unb; Ohren, dann rückt ihr Kind in zweite Linie. Sie mag gar nickt mehr zugegen sein, wenn et bei der Mutter ist, das ist so langweilig für sie, unerträglich langweilig, und die Mutter ver-: mißt sie gar nicht mehr, wenn sie während seiner, Anwesenheit sich auf ihr Zimmer zurückzieht. '

Auch jetzt läßt sie sich wieder in den Schaukel-' stuhl sinken und greift zu einem Buche. Mit bem; Träumen ist es nun doch vorbei, sie horcht nur,: ob der Lästige nicht bald wieder fort reitet, benn: in der letzten Zeit bat er sich gewöhnlich nicht! gar zu lange aufgehalten, wohl weil sie, die Eisel, so unartig gegen ihn gewesen: so hat we­nigstens die Mutter zürnend gesagt, ihr unge­zogenes Betragen scheuche ihn fort, warum sitz sich benn so häßlich gegen den liebenswürdiges Neffen benähme? "

„Ich mag ihn nicht!" war iljre trotzige Ant* wort gewesen. A

, (Fortsetzung folgt.),