mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SorrnLaas-etlaaer °tUuftriritd TorrrckmsLlM.
P=—
'm 285
Virrteljährlichcr Bezugspreis- btt ver Expchiüon 2 3Rt, btt allen Postämtern 2,25 Mk, (qcl, Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Psg.
Reclamen: die Zeile 30 Pfg.
Marburg
Donnerstag. 6. Dezember 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck «nd Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Vuchbruckerel 41« Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
darauf, daß man in Berlin den ritterlichen Madjaren wie immer korrekt entgegenkommen und als den eigentlichen Säulen des Dreibundes in Oderberg ein gutes wirtschaftliches Trinkgeld in Gestalt von Zoll- und Tariferleichterungen geben werde. Wer weiß?
Einstweilen handelt es sich um Oesterreich und Ungarn. Herr Kostuth hofft, das Mnze Erwerbsleben Ungarns mit dem Selbständigkeitsgedanken durchtränken zu können; und er kündigt zahlreiche Gesetzentwürfe an, um die fehlende Industrie aus dem Nichts heraufzuzaubern. Alles dies ist natürlich eine offene Kriegserklärung an Oesterreich und wird in Wien sicherlich auch als solche verstanden werden. Einstweilen scheint das nur bei den Deutschnationalrn der Fall zu sein.
Das „Wiener Deutsche Tagehlatt" schreibt:
„Den Erklärungen Koffuths mutz eins Erklärung der österreichischen Regierung gegenüber- gestellt werden, datz auch sie nur das eine Ziel, die wirtschaftliche Trennung,.verfolge und datzSe -demzufolge keine Vereinbarung über die Verlängerung irgendeiner bestehenden Gemeinsamkeit auf wirtschaftlichem Gebiets treffen werde. Vor allem aber ist es notwendig, datz in der entschiedensten Form die Aufhebung der Vankge- meinschaft als das nächste Ziel der Tätigkeit der österreichischen Regierung erklärt werde.....
Oesterreich kann nicht weniger für sich verlangen, als was Kostuth für Ungarn verlangt. Ungarn will nicht mehr mit uns leben, also trennen wir uns, aber, soweit es zulässig ist, sogleich. Mag es sich die österreichische Regierung gesagt sein lasten: angesichts dieses ungarischen Regierungsprogramms gibt es keinen österreichischen Reichsrat, der für eine neue Kapitulation vor ■ Ungarn zu haben ist. Die Magyaren mögen in wirtschaftlicher Freiheit schwelgen, aber nicht auf ilnsere Kosten, sie mögen sich mit den Balkanstaaten vermählen, aber ohne Rechnung auf die österreichische Aussteuer. Auch wir haben keine feindlichen Gefühle Ungarn gegenüber, um mit Kostuth zu reden, aber auch wir fordern unsere Rechte, vor allem aber das freie Verfügungsrecht über unsere Brieftasche."
Das ist so klar, datz man eigentlich an der Zustimmung aller Parteien und auch an der der Regierung nicht zweifeln sollte. Aber „um des lieben Friedens willen" wird wohl, wie so oft schon, auch jetzt wieder noch ein Weilchen fortge- wurstelt werden. Die Brieftasche der Deutschen ist ja noch gut gefüllt. Als der Minister v. Körber vor zwei Jahren dem Kaiser Franz Josef erklärte, es könne nun nicht länger mehr gehen, klopfte ihm der greise Herr gütig auf die Schulter: „Aber i bitt Eana, das hör i nun schon seit fünfzig Jahren. Es geht halt immer noch!"
Deutsches Reich.
' Berlin, 4. Dez.
— Der Kaiser ist gestern Mittag 12% Uhr, von der Jagd in Oberschlesten zurückkehrend, auf dem hiesigen Hauptbahnhof eingetrofsen und hat sich mit kleinem Gefolge trotz des Regenwetters in offener Equipage nach der Kleinbürger Kaserne begeben, um am Abschiedsesten des Obersten v. Vollard-Bockelberg, ehemaligen Kommandeurs des Leibkürassier-Regiments und jetzigen Brigadekommandeurs in Stettin teilzunehmen.
— Beileidstelegramm des Kaisers. Se. Maj. der Kaiser hat, wie die „Rordd. Allg. Ztg." berichtet, an den ältesten Sohn des verstorbenen früheren Oberpräsidenten der Rheinprovinz von Nasse, Landrat von Raste, das folgende Beileidstelegramm gerichtet: Schloß Slawentzitz, 1. Dez. 1906; Ich habe die Meldung von dem Ableben Ihres Herrn Vaters mit aufrichtiger Teilnahme erhalten und spreche Ihnen und den Ihrigen Mein wärmstes Mitgefühl an diesem schweren Verluste aus. Der großen Verdienste des Heimgegangenen in seiner langen amtlichen Tätigkeit werde Ich stets dankbar gedenken. Wilhelm, B.
— Die Taufe des hessischen Thronfolgers. Im Neuen Palais zu Darmstadt fand gestern die Taufe des Erbgroßherzogs statt, der die Namen Georg, Donatus, Wilhelm, Nikolaus Eduard, Heinrich, Karl erhielt. Sein Rufname ist Georg.
— Zur braunschweigischen Frage. Braunschweig, 4. Dez. Die „Braunschw. Landesztg." schreibt: „Auf Grund von Nachrichten, welche durch absolut vertrauenswürdige. Privatpersonen nach mündlicher Besprechung mit dem Herzog von Cumberland hierher gelangt fiild,, kann es als unzweifelhaft angesehen werde«, daß der Herzog einen Verzicht auf Hannover endgiltig auf das entschiedenste ablehnt. Ob trotzdem die Thronfolge eines seiner beiden Söhne noch als möglich zu erachten sein würde, läßt sich im Augenblick nicht übersehen."
— Die Wahlprüsungskommission des Reichstages erklärte gestern die Wahl des Abg. Varbeck (frf. Vpt. 2. Mittelfranken) für giltig.
- Der Marinetat für 1907 wird, wie die „D. Tgsztg." aus gut unterrichteter Quelle erfährt über den Rahmen des Flottengesetzes von 1900 und der Novelle zum Flottengesetz von 1906 nicht hinausgehen. Er enthält aber die Forderung von fünf neuen Unterseebooten (in der deutschen Kriegsmarine ist bisher nut eins „U 1" im Dienst), ferner sollen bei einem im Jahre 1907 zu erbauenden neuen großen Kreuzer Turbinen in Anwendung kommen, nachdem der mit Turbinen ausgerüstete kleine Kreuzer „Lübeck" sich gut bewährt hat.
— Zur Fleischnot. Die „Köln. Ztg." meldet: Berlin, 4. Dez. Nachdem das preußische Staatsministerium am letzten Samstag zu der Fleischnot und den Mitteln, ihr abzuhelfen, Stellung
Das freie Ungarn.
Den Augenblickserfolg, den die österreichische Regierung mit der Durchsetzung ihrer Wahl- teform errungen hat, dürfte sich nur als ein schwacher Sonnenstrahl angesichts des düsteren Gewölbes des Nationalitätenhaders in Oester- jeich erweisen. Schon jetzt schütteln viele einächtige österreichische Politiker und Freunde des Deutschtums in den habsburgischen Landen be- forgt das Haupt; denn die Besorgnis erscheint mir allzusehr begründet, daß auch bei diesem knnerpolitischen Experimente wieder einmal auf Kosten des Deutschtums experimentiert worden »st. Zugleich aber richten sich sorgenvolle Blicke snach Ofen-Pest, denn immer unverhüllter treten Die Pläne der Madjaren auf Loslösung von Oesterreich zu Tage. In einer der letzten Sitzung des ungarischen Reichstages hat der Handelsminister Franz Kosiuth mit einer geradezu hohn- vollen Offenherzigkeit und ohne sich im geringsten durch die schwebenden „Ausgleich"-Verhand- lungen stören zu lassen, dargelegt, daß von einem Ausgleichs mit Oesterreich gar keine Rede sein könne. Die ungarische Regierung verhandle wegen eines solchen gar nicht, sondern nur wegen tines österreichisch-ungarischen Handelsvertrages auf der Grundlage des selbständigen ungarischen Zollgebietes. Für ewige Zeiten soll nach dem Willen des derzeitigen ungarischen Handels- Lminifters die wirtschaftliche Selbständigkeit Ungarns gesichert und es soll namentlich dafür Sorge getragen werden, daß im Jahre 1917 beim Ablauf der Handelsverträge diese Selbständig- keit unbedingt zur Geltung komme, ohne Rücksicht auf die politische Partei, die sich bann etwa am Ruder befände.
Wie das zu machen sei? Nichts leichter als dies! Man verwandelt Ungarn ganz einfach in einen Industriestaat. Zwar werden die ungarischen Bauern davon ebensowenig entzückt sein, als die alten landgesesienen reinblütigen mad- jarischen Geschlechter. Aber was tut das? Wenn nur die Madjaren in Pest auf ihre politische Rechnung kommen. Sie haben Eile damit. Denn bis 1917 muß der Industriestaat fix und fertig sein. Dann soll Ungarn auch aus den geographischen Fesseln gelöst werden, die es noch an Oesterreich schmieden. Alle Masiengüter, die es aus« führt, sollen über Fiume und Galatz geleitet werden. Dann erst wird man in Pest mit dem ganzen Stolze der neugebackenen Madjaren vorn „madjarischen Globus" sprechen können.
Herr Kosiuth weiß natürlich, datz Oesterreich 1917 die Sperre der ungarischen Grenze für seine Jndustrieerzeugnisie mit einer Sperre für die ungarische Vieh- und Getreideausfuhr beantworten wird. Und die Spuren Serbien» könnten schrecken, das jetzt infolge einer ähnlichen Politik durch Oesterreich in eine recht dicke Tinte gesetzt ist. Aber Herr Kosiuth ist klug genug, um seine Habsburger zu kennen, und er rechnet offenbar
2Q lNachdruck verboten.)
Ueber alles die Kunst.
Roman von Clarisia Lohde.
(Fortsetzung).
Alfred aber saß daheim noch lange vor dem Bildnisse Margas, das er auf Anordnung bet ilbfenberin in feinem Zimmer aufgestellt fanb, und vertiefte sich in die feinen Züge, die sie mit Meisterschaft wiedergegeben hatte. Dann aber drehte er das Bild leise um, ihm war es plötzlich gewesen, als blicke es ihn kalt und seelenlos an. Rein, das Spiegelbild, nach dem sie sich gemalt, hatte den Ausdruck dieser schönen Augen doch nicht richtig wiedergegeben. Er wollte ja doch glauben und hoffen, und mit diesem Gedanken, dieser Hoffnung, schlief er. ein.
Marga hatte im gräflichen Hause sehr reichliche Geschenke unter dem prachtvollen, bis zur Decke reichenden Weihnachtsbaume gefunden, die fierrin des Hauses aber schien mißgestimmt, und auch auf den Gesichtern der anderen Anwesenden malte sich alles andere als eine weihnachtliche Stimmung.
Das Mahl wurde trotz der exquisiten Speisen und Getränke ziemlich schweigend eingenommen und nur die gleichgültigsten Dinge berührt. Gisela sah verweint aus und verhielt sich noch ablehnender als sonst gegen ihres Vetters Zuvorkommenheiten. Baron Nemethy blickte finster, und selbst' die Artigkeiten, mit denen er Marga bei jeder Begegnung feit dem letzten Balle zu überschütten beliebte, klangen heute kalt und gezwungen.
Sehr früh empfahlen sich -schon die Herrschaften, und auch Gisela zog sich in ihr Zimmer laiwt Ihre Geschenke unter dem Thristbaume
ETä.:wr. ' •• s .....-.w ■—st
lagen unberührt. Sie hatte sie vielleicht gar nicht angesehen.
„Das muß ein Ende nehmen, ich halt'» nicht länger aus," rief die Gräfin, sobald sie mit Marga allein war. „Dem Himmel sei Dank, daß Sie bet mir und nicht, wie Sie zuerst wollten, die Nacht bei den Eltern geblieben sind. Ich muß mich doch zu einem wenigstens aussprechen, sonst ersticke ich."
„Was ist denn nur geschehen?" rief Marga erschreckt, und zog die Gräfin an ihre Seite auf das Sofa, ihre Hand ergreifend und leise streichelnd.
Was geschehen ist? Die Bombe ift gevlatzl ESza," sie sagte in der Erregung nicht einmal Baron E^za, „hat die Sache überstürzt. Er wünschte die Verlobung zu Weihnachten, freilich, er hat gute Gründe dazu, Stanislaus braucht Geld, und ehe die Gisel nicht seine Frau ist, darf niemand an ihr Vermögen rühren, so be- stimmt's das Testament. Nun ist'- gekommen, wie ich geahnt, sie sagte ein entschiedenes Nein und erklärte mir, hören Sie diesen Wahnsinn, Marga! — die Komteß Palfy, die Erbin von Millionen, erklärte mir, daß ste Medizin studieren und ihr Vermögen dazu anwenden wolle, ein großes Krankenhaus zu errichten für die Armen und Elenden. Sie selbst wollle es als Vorsteherin leiten. Und das soll man ruhig anhören und nicht rafenb dabei werden. Die Galle ging mir denn auch über. Ich hab's ihr gesagt, wie ich über den Unsinn denke. Daß ich sie für verrückt halte und ihr die Dummheiten aus- treiben werde."
„Das; hätten Sie nicht tun sollen, Aglaja," warf Marga kopfschüttelnd ein, „so erwecken Sie nur noch mehr den Trotz des Mädchens."
„Der Trotz soll gebrochen werden, er soll! Denken Sie, Marga, datz ich gesonnen bin, mit
das ganze Leben durch solch ein unbändiges Kind verbittern zu lasien?"
„Aber Sie können sie doch nicht zwingen!" warf Marga ein.
„Rein, das kann ich eben nicht. Aber es liegt mir eben so viel an dieser Heirat. Warum soll das ganze große Vermögen an fremde Leute kommen? Und dann, Stanislaus brennts auf den Nägeln, er kann nicht mehr lange warten."
„Wäre es denn nicht Ihnen oder dem Baron Nemethy möglich, dem Grafen übet feine Schwierigkeiten hinwegzuhelfen?"
Die Gräfin schütz?^ den Kopf.
„G^za ist augenblicklich selbst ein wenig in der Klemme. Wiffen's, die ungarischen Herren sind gewöhnt, viel zu verbrauchen. Und ich? Soll ich mich etwa dem Stanislaus zuliebe ruinieren? Ich verliere sowieso die Hälfte mei- ner Einnahme, wenn Gisel ihr Kapital, dessen Nießbrauch mir bis zu ihrer Mündigkeit zusteht, aus meinem Vermögen herauszieht."
„Dann weiß ich wirklich keinen Rat."
„Aber helfen könnens mir, Marga, ich bitt Sie darum."
Dabei faßte sie Margas beide Hande und sah ihr flehend in die Augen.
„Ja, wie könnte ich helfen?"
„O Sie sind ein so kluges Weib, das sagte auch EOza. Reden Sie der Gisel einmal ins Gewissen! Sie hat Respekt vor Ihnen, vor Ihrem künstlerischen Können. Was Sie ihr sagen, hat Gewicht bei ihr, glauben S' mir! Stellen S' ihr vor, daß es mit dem Studieren nichts ist, daß man in ihrem Stande heiraten nütz, daß es kindisch und unrecht gegen mich ist, wenn sie sich meinen Wünschen nicht fügt."
Marga fühlte sich durch das Vertrauen bet Gräfin seht geschmeichelt, nur wußte sie nicht recht, wie sie die Sache ausfühten sollte.
Jahrg.
genommen hat, wird nunmehr, da es sich hier im wesentlichen um Maßnahmen handelt, die Reichssache find, der Bundesrat im Laufe dieser Woche über diese Frage beraten. In der nächsten Woche wird alsdann im Reichstage die Beantwortung der Fleischnot-Jnterpellation erfolgen
— Die rückgängige Bewegung der Schweinepreise dauern fort. Schon jetzt find diese bei de« Produzenten auf einen Stand gesunken, bet die normale Höhe nicht mehr erheblich übersteigt. Wenn gegen die Bedeutung dieser Preisbewegung für die Fleischpreise im ganzen angeführt wird, daß es stch dabei lediglich um eine alljährlich sich wiederholende Preisbewegung handle, so wird übersehen, daß während der früheren Jahre es sich um verhältnismäßig geringe Ermäßigungen der Preise in dem dritten Quartal handelte, die Preisermäßigung jetzt dagegen außerordentlich stark ist. Alle Nachrichten au« den Kreisen der Produktton stimmen darin überein, daß, wenn auch naturgemäß die Lücken in dem Rindviehbestande noch nicht wieder ausgefüllt sein können, dies doch betreffend bes Schwarzviehbestandes jetzt in vollem Umfange, der Fall ist, und daß demzufolge auf eine ausreichende Versorgung des heimischen Konsums mit Schweinefleisch zu nicht mehr übermätzigen Preisen zu rechnen sein wird. Den zahlenmäßigen Beweis, in welchem Umfange der deutsche Bestand an Vieh sich in diesem Jahre gehoben hat, wird die am 1. Dezember vorgenommene Viehzählung erbringen. Ihre Ergebnisse sind daher auch für die Beurteilung der Frage der Fleichteuerung und der dieserhalb zu ergreifenden Maßnahmen von erheblicher Bedeutung.
— Zur Grenzsperre. Trier, 4. Dez. Wege« des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche im Eroßherzogtum Luxemburg ordnete bet hiesige Regierungspräsident für einzuführendes Vieh eine tierärztliche Untersuchung an der Grenze an.
MrlamentarMes.
Deutscher Reichstag.
* Berlin, 4. Dez.
Auch noch die Dienstagssttzung des Reichstages war der ersten Lesung der Nachtragsetatr für Südwestafrika gewidmet. Vor Eintritt t« die Tagesordnung nahm Präsident Graf Balle« fitem Gelegenheit, sich zu bet erregten Montag- Rede bes Abg. Roeren noch nachträglich zu äußern. Er rügte, daß Abg. Roeren dem Kolonialdirektorplumpe und rohe Beleidigungen zum Vorwurf gemacht habe und rief ihn zur Ordnung wegen der Aeußerung, Herr Dernburg habe versucht, den Vörsenjobberton in den Reichstag ein« zufühten. Gleichfalls vor (Eintritt in die Tagesordnung erklärte Abg. Roeren, et habe die Angelegenheit Wistuba nicht im Namen der Fraktion, sondern nut in seinem eigenen Namen zu» Sprache gebracht und trage auch allein die Net-
„Versuchen will ichs schon, Aglaja," sagte sie bann, „Ihnen zuliebe, aber lasten Sie mit Zett, den geeigneten Augenblick abzupasten. Denn redete ich jetzt gleich auf die Komteß ein, fe würde sie mir den Rücken zukehren. So viel kenne ich sie doch schon."
,Mn wohl, morgen brauchts ja noch nicht zu sein; aber tun Sie alles, was Sie können, Marga, ich bitte Sie darum! Es hängt so viel für mich von Eisels Willfährigkeit ab, ich werde Ihnen dankbar sein, verkästen Sie sich darauf. Sie sollens sehen, für meine Freunde gehe ich durchs Feuer. Ich bin wirklich eine gutmütig« Person, aber dieses Kind, diese Gisela, kann mich zur Verzweiflung bringen.“
Sie stand auf und fuhr sich mit dem Taschentuch über das Gesicht. Marga war froh, datz sie so weit beruhigt wat. Noch ging die Gräfin einigemal im Zimmer auf und ab, bann geleitete Marga sie bis zu ihrem Schlafgemach.
Hier fiel ihr bie Gräfin nochmals um ben Hals:
„Sie find mein Schutzengel! Ach, ich wußte es ja gleich, als ich Sie das erste Mal sah, was mit werden könnten, und ich habe mich 7,'zcht getäuscht. Sie müsten mich aus bi^n Fegefeuer erlösen, und Sie werden's! <5te gehören zu den Menschen, denen alles Dringt!"
Marga lächelt-. Wurde ihr hier doch dasselbe zum zweit-^ale gesagt. Und warum sollte sie nickt Rauben, daß es wirklich so sei?
Jedenfalls legte sie sich mit Siegeshoffnungen ins Bett. Es konnte doch nicht so schwer fein, die kleine eigensinnige Komteß zur Vernunft zu bringen. Und daß die Ideen, die diese hatte, unvernünftig und überspannt waren, darin stimmte sie der Gräfin vollständig zu.
(Fortsetzung folgt)