pch immer wieder M Sammlungen pressen zu lassen. Die russischen Revolutionäre verstehen rs ja auch, durch Brandschatzungen, räuberische lleberfälle und andere „geniale" Unternehmungen sich „Mittel für den Wahlkampf" zu verschaffen.
— Das Deutsche Reich und die Insel Thasos. Das römische Blatt „Torriere della Leva" will ein Telegramm aus Konstantinopel erhalten haben, wonach „die Mittelmächte" mit England darin übereinstimmen, gegen die Konzesston einer Kohlenstation aus der Insel Thasos an das Deutsche Reich sowie gegen die Konzession eines deutschen Unterseekabels zwischen Thasos und Tenedos Einspruch zu erheben. — Diese schon früher in anderer «Form gebrachte Mitteilung kennzeichnet sich selbst als eine „dicke Ente", dazu bestimmt, den Orientalen Mißtrauen gegen den deutschen Michel einzuflößen.
— Boigtkvltus. Wie gemeldet wird, hat die Berliner „Welt am Montag", ein sozialdemokratisches Organ, eine Cubscription für den ver- utteilten Schuhmacher Voigt veranstaltet, um ihm einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen. Darin, daß die „W. a. M." dem Manne nach seiner Entlassung weiter zu helfen sucht, sehen auch wir nur ein edles, menschliches Motto, dazu wäre nach 4 Jahren ja auch noch Zeit, und übri- gens ist V. schon ein ätterer Mann. Wenn aber jetzt kurz nach dem Urteil die „W. a. M." in dieser Weise öffentlich Stimmung für den Verurteilten zu machen sucht, so ist das unbedingt zu verwerfen.
— Ein interessanter Feldpostbrief von einem bereits 2 Jahre in Südwestafrika im Felde stehenden Soldaten ist dem „Erfurter Allgem. Anzeiger" zugegangen. Der Schreiber wendet sich in seinem aus Uhabis-Lager datierten Briefe gegen die vom „Vorwärts" auf Grund ihm zugegangener Briefe ausgestellte Behauptung, die Truppe in Südwest trüge sich mit Meutergedanken. Er sagt, daß es allerdings auch im Schutzgebiete Leute gebe, die Soldaten nennten, und der hohen Löhnung halber oder aus sonst welchen Gründen nach Südwestafrika gegangen wären, und nun, da sie merkten, daß scharf geschoßen würde, Zeter und Mordio schrieen. Die Betreffenden hätten aber, als sie sich als Freiwillige meldeten, wißen müßen, daß sie nicht zum Spatz ins Schutzgebiet geschickt werden sollten. Die Kapitulationsverhandlung, die jeder unterschreibe, laute zwar nur auf ein Jahr, es sei aber ausdrücklich vermerkt worden, daß, wenn der Aufstand innerhalb dieser Zeit nicht beendet sei, der Vertrag bis zur Beendigung des Feldzuges gelte. Er, der Schreiber, und viele andere ständen schon über 2 Jahre im Felde und sie täten gern ihre Pflicht und Schuldigkeit, so lange sie gebraucht würden und nötig wären. Gemeutert würde in der deutschen Armee nicht, an den Spuk glaube kein Soldat. Wenn das der „Vorwärts" nicht wiße, dann sei er noch weit zurück und verdiene bester „Rückwätts" zu heitzen.
Karlanik'ntarMes.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag ehrte am Montag zunächst das Andenken des verstorbenen Abgeordneten Breuer (3tt.) in der üblichen Weise und setzte dann die erste Lesung des R a ch t r a g s e t a t s für ELdwestafrika fort. Der stellvertretende Kolonialdirettor Dernburg teilte mit, datz entgegen den Mitteilungen des Abg. Bebel der Geh. Legitationsrat Hellwig lediglich pen- sioniert worden ist, weil er den steigenden Anforderungen seines Amtes nicht mehr gewachsen war. Der Beamte Pöplau sei mehrfach disziplinarisch vorbestraft und schließlich seien Bedenken gegen seinen Geisteszustand entstanden; im Falle Pöplau liege lediglich ein sehr mildes Vorgehen vor. Darauf trug Abg. Roer«« (Ztr.) eine lange Reihe von Fällen vor, in denen Eingeborene in unmenschlicher Weise körperlich gezüchtigt worden sind. Eine Bemerkung des Redners veranlaßte den Präsidenten Grafen Balle- stren» zu der Feststellung, datz im verfloßenen Sommerhalbjahr eine Haussuchung im Reichstage nicht stattgefunden habe, sondern datz dem Untersuchungsrichter vom Abg. Erzberger freiwillig Einsicht in sein Reichstagspult gestattet worden sei; an den Türen des Parlamentsgebäudes ende die Macht der Exekutive. Kolonialdirettor Dernburg bedauerte, datz ihm die vom Abg. Roeren vorgetragenen einzelnen Fäll« nicht vorher mitgeteilt worden seien, machte »ber dem Abg. Roeren zum Dorwurfe, datz er versucht haben, in das Verfahren der Gerichte einzugreifen. Das Streben der Kolonialverwaltung sei, alle schuldigen Beamten zu bestrafen, aber auch unschuldigeBeamte zu schützen. Die
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Kraft, mit der sie das eigne Leid in dem Gedanken an die anderen unterdrückte und froh mit mit den Frohen war, scheuchte die Sorgen und Zweifel auch aus seiner Seele. Sollte ein Glied dieser braven Familie so anders geartet sein, dcch es, ob auch von stürmischem Jugendverlan- gen hinausgetrieben in die Welt, nicht doch zuletzt den Weg zu diesem Frieden zurückfände?
„Es war ein schöner Abend," sagte er, als er mit der Schwester heimging.
„Ja," bestätigte diese, „und möge der Himmel geben, daß es nicht der letzte sei, an dem vir das Glück haben, ihn in jenem Hause vereint su feiern." „ „ , ,
„Und mit Marga," fügte er hinzu. „Es hat Mir selbst so leid getan, datz sie nicht mit uns zusammen bleiben bannte." ,
„Konnte?" wiederholte Elisabeth bitter. Ich glaube nicht, datz die Gräfin es ihr verwehrt hätte, wenn sie ernstlich gewollt."
„Still!" bat Alfred. „Bringe kein«, Mitzton in diese» fünften Ausklang unseres heiligen Abends. Ich hoffe, es wird noch alles gut werben. Raube mir ine Hoffnung nicht.
Eie sagte nicht, mehr.
’ - ____■<_ (Fortsetzung folgt.)
Kolonialverwaltung habe auch ein ernstes Stte- ben zum Wohle der Missionen, das schließe aber nicht aus, daß sich auch unter den Missionaren ausnahmsweise einmal schwarze Schafe finden. Abg.Arendt (Rp.)hoffte, es werde demKolonial- direktor gelingen, den Ausschreitungen der Kolonialbeamten ein Ende zu machen, und wandte sich dann gegen zahlreiche Aeußerungen des Abg. Bebel und nahm Dr. Peters gegen Bebels An- gttffe in Schutz, es fei ein Unding, hinsichtlich der Entlaßung des Geheimrats Hellwig von einem Mißbrauch des parlamentattschen Mandats zu reden. Abg. Eickhoff (freis. Vp.) meinte, selbst die teilweise Begnadigung Dr. Peters sei zu bedauern. Abg. Roeren (Ztt.) legte Verwahrung ein gegen die Art, wie Herr Dernburg ihm gegenübergetreten sei. Dieser dürfe nicht hoffen, den Ton von Börsenjobbern im Reichstage heimisch zu machen. Nach seiner ganzen Vergangenheit könne Herr Dernburg ihn (den Redner) nicht bloßstellen. Der Kolonialdirektor habe nicht einen einzigen der von ihm angeführten Fälle als unwahr zurückweisen können. Kolonial- direktor Dernburg betonte nochmals sein ernstes Streben, alle Mißstände zu untersuchen, aber es sei nicht jede Anschuldigung Tatsache.
Schluß des Berichts 614 Uhr.
Ausland.
• Die Annahme der Wahlreform in Oester» reich. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, ist die österreichische Wahlreform am Sonnabend in dritter Lesung angenommen worden. Die Annahme erfolgte mit einer Mehrheit von 194 gegen 63 Stimmen, die aus beiden Gruppen der Großgrundbesitzer, den Alldeutschen und einem Teil der Deutschtterikalen bestanden. Die tschechischen Radikalen und freien Alldeutschen, sowie viele andere Mißvergnügte oder solche, denen der Mut fehlte, ihre Gegnerschaft offen zu bekennen, hatten sich gedrückt. Die Freude über den endlichen Schluß dieser Debatte, die mehr als ein Jahr lang die Oeffentlichkeit beschäftigt und die Arbeitskraft des Hauses beinahe ganz verschlungen hat, machte sich in lebhaftem Beifall der Reformfreunde Luft. Ob freilich das allgemeine Wahlrecht die Hoffnungen erfüllen wird, die Krone und Volk auf sie für Oesterreich gesetzt haben, das ist eine andere Frage, die heute bejahen oder verneinen zu wollen Vermeßenheit wäre. Besonders das Schicksal des österreichischen Deutschtums ist vollständig in Wolken gehüllt.
• Regentschaft in Persien. Der Kronpttnz von Persien hat für den erkrantten Schah die Regentschaft übernommen.
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Hessen-Na-jan trr.d NschbarftMte.
Casiel, 2. Dez. In der mechanischen Werkstätte eines im Stadtteil Bettenhausen gelegenen Fabrikgeschästes war am Sonnabend nachmittag unbemerkt von den Arbeitern ein klei- nes, etwa Kjähriges Mädchen durch die offen- stehende Tür eingetreten und sofort an eine der in Bewegung befindlichen Maschinen geeilt. Epielend und neugierig legte das Kind sein Händchen auf die Platte des Apparates, als gerade das Messer der Maschine herabging und der Kleinen den Zeigefinger der einen Hand am Knöchel abschnitt. Durch einen Arbeiter wurde das jammernde Kind nach der in der Nähe der Fabttk gelegenen Wohnung seiner Eltern gebracht.
Fulda, 30. Nov. Nach vierjähriger Bauzeit ist endlich das Bindeglied zwischen der Frank- surt-Bebraer- und Werrabahn, die Linie Hün- feld-Geisa-Vacha-Eerstungen, hergestellt und heute die letzte, 26,44 km lange Teilstrecke Wenigentaft-Mansbach-Hünfeld dem öffentlichen Verkehr übergeben worden.
Gießen, 3. Dez. Die am 2. Dezember 1906 im Hotel Großherzog in Gießen tagende, vom Kreise III des Deutschen Buchdrucker-Vereins cinberufene Allgemeine Versammlung der Zeitungsverleger (Mittlere Gruppe, umfaßend Oberheßen, Regierungsbezirk Wiesbaden, den üblichen Teil des Regierungsbezirks Eaßel, sowie vom Regierungsbezirk Koblenz die Städte Braunfels und Wetzlar) erklärt in Uebereinstimmung mit der vom Verein deutscher Zeitungsverleger gefaßten Entschließung einmütig, daß infolge der am 1. Januar 1907 in Kraft tretenden, bedeutenden, tarifmäßigen Erhöhungen der Arbeitslöhne, der fortgesetzt bÄeutendenSteigerung der Preise für alle Materialien und der unausgesetzt erhöhten Anforderungen an die redaktionelle Ausgestaltung der Zeitungen die große Mehrzahl der Verleger vor die Notwendigkeit gestellt ist, die M e h r k 0 st e n a u f d i e g e e i g ne t st e Weise wieder einzbringen.
Homburg v. d. tz., 2. Dez. Gestern abend traf ein Student aus Freiburg hier ein und übernachtete hier. Heute mittag hat nun der Student im Hartwald seine Geliebte erschoßen und dann die Waffe gegen sich selbst geridtfet. Der schwerverletzte Student wurde in das hiesige allgemeine Krankenhaus gebracht.
Ems, 2. Dez. Bekanntlich wird mit Genehmigung des Provinzialschulkollegiums vom 1. April k. I. ab der hiesigen Realschule ein Reform-Realgymnasium angegliedert und erwartet man von dieser Neuerung noch eine weitere Steigerung der Frequenz dieserAnstalt. Das Ku- ratottum ist nun in seiner letzten Sitzung dem ihm unterbreiteten Vorschläge, hier ein Schülerheim (Alumnat) zu gründen, insofern näher getreten, als es den Plan in nähere Erwägung ziehen will.
Mühlhausen, 2. Dez. Ein Stadtverordneten- Streit bereitete der für gestern anberaumten Sitzung des Stadtparlaments ein jähes Ende. Im Verlauf einer hefttgen, persönlichen Polemik zwischen dem Vorsteher und einem Mitglieds der Versammlung verließ die Hälfte der Anwesenden ostentativ den Saal, so daß die Versammlung beschlußunfähig wurde und geschloßen werden mußte.
Rordhausen, 1. Dez. Der Dachdeckermeister Gustav Marhold hier hatte nachts, nachdem er wahrscheinlich dem Alkohol in übermäßiger.
Weise zugesprochen hatte, feine Frau nach vor- aufgegangenem Streite aus der Wohnung gewiesen. Hierauf bestrich er, nachdem er sämtliche Türen der Wohnung verschlossen hatte, seinen Körper und seine Kleider mit Petroleum, steckte die Kleider in Brand und legte sich ins Bett. Als auf seine Schmerzensrufe Anwohner herbeieilten und die Türen der Wohnung sprengten, war Marhold fast bewußtlos. Nachmittags 2 Uhr ist er den Wunden erlegen.
Heiligenstadt, 1. Dez. Nach der „Seil. Ztg." wird beabsichtigt, die Höhen des Eichsseldes aufzuforsten.
Kreuzthal, 3. Dez. Das acht Monate alte Kind eines hier arbeitenden ausländischen Arbeiters verletzte sich vor einiger Zeit ganz unbedeutend mit einem Nagel. Die zunächst nicht beachtete Wunde verschlimmerte sich, so daß das Kind dem Amts-Krankenhaus in Weidenau zugeführt werden mußte, in dem es nun infolge Blutvergiftung unter großen Schmerzen gestorben ist.
Koblenz. 2. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung hat den verheirateten städtischen Beamten mit weniger als 1800 M Gehalt eine Teuerungszulage von je 60 J£, den städtischen Arbeitern eine Lohnzulage von 15 pro Tag bewilligt.
Marbursi vud Uütgrgcsd.
(Nachdruck aller Oriqmalarttkel ist gemäß § 18 bei Urheberrecht! nur nvt der deutlichen Quellenangabe
.LLerheff. Ztg.' gestattet)
Votü«: ■», 4. Dezbr.
* Exzellenz Prof, von Behring wird am 11. Dezember in Stuttgart zu Gunsten des Würt- tembergifchen Landesoereins für Krankenpflege in den Kolonien einen Vortrag halten, in welchem et zum ersten Male sein Protz ramm bezüglich der Tuberkulose-Bekämpfung authentisch in gemeinverständlicher Weise darlegen wird.
* Juristisches. Dem Staatsanwaltschaftsrat von Jbell von bet Staatsanwaltschaft in Eaßel ist die nachgesuchte Dienstentlaßung mit Pension etteilt.
* Verjährung von Forderungen. W'e uns von zuständiger Seite mtijx teilt wird, häufen sich gegen Ende des Jahres ott Gericht die Anträge auf Erlaß von Zahlungsbefehlen derart, daß ihre prompte Erledigung vielfach unmöglich ist. Viele Geschäftsleute senfen gar erst am 31. Dezember daran, die Verjährung ihrer Forderungen durch schleunige Zustellung von Zahlungsbefehlen zu unterbrechen. In vielen Fällen ist dieser Zweck trotz der größten Beschleunigung nicht erreicht worden, da sowohl das Gericht wie die Gerichtsvollzieher bei der am Jahresschlüße einttetenden Arbeitsüberhäufung die Ausfertigung und Zustellung der Zahlungsbefehle am 31. Dezember nicht mehr besorgen konnten. Es wird deshalb allen Gläubigern empfohlen, Anträge auf Erlaß von Zahlungsbefehlen schon jetzt bei Gericht zu stellen und nicht erst Ibis zum letzten Augenblick damit zu warten. — Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß es sehr ratsam ist, sich bei den Anttägen der in allen Buchhandlungen und Druckereien käuflichen Zahlungsbefehlformulare zu bedienen, da diese, wenn sie ordnungsmäßig ausgefüllt sind, eine rasche Behandlung erfahren.
* Zahlungsfähige Kranke in Polikliniken. Man schreibt uns: Hebet die Inanspruchnahme der Polikliniken durch zahlungsfähige Kranke äußert sich der Rechtsanwalt Dr. jur. F. Thiersch in Leipzig dahin, daß seines Erachtens in jedem Falle einer durch Täuschung erlangten unentgeltlichen ärztlichen Behandlung strafrechtlicher Bettug vorlieot. Wenn ein zahlungsfähiger Kranker in der Poliklinik unentgeltlich ärztliche Hilfe beansprucht, trotzdem er weiß, daß solche Hilfe nur Unbemittelten gewährt wird, so erweckt er durch sein Auftreten bei dem ihn behandelnden Arzt den irrtümlichen Glauben, daß er zahlungsunfähig sei. Er spiegelt ihm damit durch konkludente Handlung eine falsche Tatsache vor. Er tut dies in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, denn er wünscht, ohne hierzu berechtigt zu fein, eine für ihn notwendige Ausgabe zu ersvaren. Durch die Jrrttlmserregung bestimmt er den Arzt zur Eingehung eines Vertrags, auf Grund deßen der Arzt Dienste ohne Gegenleistung gewährt, während er ohne die Täuschung die Dienste nur gegen eine entsprechende Gegenleistung, d. h. gegen angemessenes Honorar geleistet haben würde. Hierin ist die dem Arzt zugefügte Vermögensbeschädigung zu erblicken. Dem Arzte entgeht ein Gewinn, welchen er ohne die Täuschung gehabt haben würde. Wenn der Arzt nach Entdeckung der Täuschung sein Honorar von dem Kranken einzieht, also eine entsprechende Gegenleistung für seine Leistung erhält, so ändert diese nachträgliche Ausgleichung des Vermögensnachteils nichts an dem vorher bereits vollendet gewesenen Vettug. Die hier vertretene Auffassung entspricht den vom Reichsaerickt hierzu entwickelten Grundsätzen (vergl. Entsch. des Reichsgerichts in Strai>achen, Bd. 16. S. 10.)
§ Eine größere Sanitätsübung für Eisen- bahnnnfälle veranstaltete vorgestern nachmittag die Gießener Eisenbahn-Sanitätsabteilung gemeinschaftlich mit der freiwilligen Santtäts- kolonne des Zweiqvereins vom Roten Kreuz. Der Hebung lag folgende Idee zu Grunde: „Auf der Strecke Grünberg-Lollar (Lumdaltalbabn) ist zwischen Daubringen und Lollar bei Kilometer 25 ein Personenzug entgleist, mehrere Personenwagen wurden zertrümmert und eine Anzahl Passagiere schwer verletzt." Von Gießen aus fuhr ein Exttazug nach Lollar und setzte dann direkt auf die Lumdatalbahn über. Hier stiegen auch Kolonnenführer Quell und 4 Mitglieder der Marburger Sanitätskolonne ein, um der Hebung, die in allen Teilen vorzüglich gelang, beizuwohnen.
* Museumstzesellschaft. Wegen eingetretenen Hindernissen mußte der für Freitag, den 7. Dezember, angezeigte Theater- und Konzertabend auf Mittwoch, den 12. Dezember 1906, abends 8 Hhr verlegt werden, (s. Anzeige) ~ <
* OSerrealschuke. Wie immer, so hatte amff die diesjährige Abendunterhaltung sich eine» recht zahlreichen Besuchs zu erfreuen. Und wirk» lich verlohnte sich der Weg in unsere blühende Oberrealschule. Gestern zeigte sich in schönster Weise, daß an der Anstalt auch die Kunst, speziell die Musik, warm gepflegt wird. Zunächst wurde von drei Primanern und zwei Tettianern Jos. Haydns Symphonie Nr. 2, eingerichtet für Kla» vier und 4 Violinen, in recht ansprechender Weise zu Gehör gebracht. Nach einer kurzen Pause folgte dann die Einleitung zur Loreley von Max Bruch, eingerichtet für Klavier zu 4 Händen, Violinen und Violoncell, in der neun Oberrealschüler eine sehr anerkennenswerte Beherrschung ihrer Instrumente an den Tag legten. Den Höhepunkt bildete aber der Vortrag von Hermann Müllers Nixe Loreley für Soli und gemischten Chor mit Klavierbegleitung. Hier zeigte sich, was die Schule selbst leistete. Es war eine Freude, die frischen wohlgeübten Stimmen zu hören, die Genauigkeit und Bestimmtheit der Einsätze zu beobachten. So war der Chor völlig in der Hand des Dirigenten. Aber auch die vier Solisten verdienen volles Lob, namentlich hat uns die Sopranstimme gefallen. Endlich seien noch die Sprecher des verbindenden Textes erwähnt, die ihre Sache ebenfalls recht wacker machten. Die Oberrealschule kann wieder mit, Stolz und Freude auf ihre Veranstaltung zurückblicken; der reiche Beifall bewies die allgemeines große Befriedigung über das Dargebotene.
* Stadttheater. Gestern abend ging „Onkel Bräsig", nach Fritz Reuters Roman bearbeitet von Gaßmann und Krüger, hier zum zweiten Male in Szene und zwar diesmal als Volksvorstellung. Das Haus war wie immer bei Volksvorsrellungen ausverkauft. Die Vorstellung hielt sich auf der gleichen Höhe wie die erste und fand ein dankbares Publikum.
* Stadttheater. Die neunte Abonnementsvorstellung bringt ein Gastspiel der rühmlichst bekannten Darstellerin Fräulein Poldi Sangara vom Frankfurter Schauspielhaus und zugleich ein abwechslungsreiches Programm Den Abend eröffnet ein musikalisches Genrebild „Das ^Wetterhäuschen", in dem Herr Reimer-Schlegel und Fräulein Lutter auftreten. Zu diesem Stuck ist eigens eine neue Dekoration angefertrgt moiben. In „Jugendliebe" liegen die Hauptrollen in Händen des Fräulein Sangora und des Herr» Direktor Steingoetter. Den Schluß des Abends bildet Baumanns bekanntes „Versprechen hrn- term Herd", in dem Fräulein Sangora als East ebenfalls austritt. Es sei besonders darauf aufmerk am gemacht, daß die Vorstellung rm Abonnement stattfindet und keinerlei Prerserhohung Platz greift. Hoffentlich dantt ein volles Haus der Direktion die Anstrengungen und Opfer.
S verhaftet wurde hier ein von bei Braunschweiger Staatsanwaltsschaft wegen Körperver» letzung steckbrieflich verfolgter Mann. !
§ Freiwillige Feuerwehr.
abend int Restaurant Schultz abgehaltenen Monatsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr besprach man u. a. auch die Bestimmungen des neuen Feuerlöfch-Eesetzes. Es wurde auch et»i wähnt, daß in den Ortschaften schon auf Grund dieses Gesetzes die neuen Ortsstatuten zur Einführung gelangt sind; hier in Marburg ser davon noch nichts bekannt. Bei der Erwähnung der Fälle, in denen Feuerwehrleute durch eiet* tische Starkstromleitungen an Leben und Gesundheit geschädigt wurden, erwähnte man sttr vorkommende Fälle, sich möglichst von bet Berührung mit den Drähten in Acht zu nehmen. Da bie Besprechungen sich sehr lange ausdehnten, konnte man sich mit den bei der Explosion in Annen zu Tage getretenen Umstanden mcht mehr befaßen. Es soll dies in einer spateren Versammlung geschehen, weil dann auch mehr Material vorliegt.
* Ein milder Winter in Sicht? Aus dem Leben und Treiben der Tiere, wie überhaupt aus der Natur wird auf dem Lande bekanntlrch viel auf die kommenden Witterungsverhaltnrsfo geschloßen. Beim Pflügen wird nun Heuer-beobachtet, daß bie Regenwürmer sehr hoch sitzen und öfter sich an der Oberfläche zeigen. Wahrend sonst um die jetzige Jahreszeit die Baume rhrets Vlätterschmucks beraubt sind, hangt dreser Heuers trotzdem das Quecksilber des Thermometers bet reits bis 5° unter Null gesunken war, namentt lich bei den Eichen, noch merkwürdig fest; auch einzelne Kiebitze werden noch auf ihrem Zug« nach bett Winterquartieren angetroffen. Hier, aus folgert man, baß vorläufig strengere Fro st- erscheinungen nicht zu erwarten sind und ett. milder Winter in Aussicht ist. Ob sich diese Annahme verwirtticht, bleibt allerdings abzu warten.
4- Bellnhausen, 2. Nov. Eine gestern abend von dem Landeszeitungredakteur Nuschle abgef haltene Versammlung war von 13 Persone,( besucht davon waren 6 Auswärtrge und oben« drein Gegner. Einen guten Eindruck wird Herl Puschte jedenfalls von Bellichausen nicht mitga nommen haben.
□ Treisbach b. Marburg, 1. Dez. Rach de« heutigen Viehzählung hat unser Dorf folgendes Viehbestand aufzuweisen: Pferde 34, Rindviel 596, Schafe 620, Schweine 499. Die Zählunf vom 1. Dezember 1904 hatte folgendes Ergebnisi Pferde 35, Rindvieh 591, Schafe 697, Schweitck 416. Der Pferde- und Rindviehbeftand ist alst fast derselbe geblieben. Während sich aber dii Zahl der Schafe um 77 veringett hat, ist die bei Schweine um 83 gestiegen. 1
§§ Kirchhain, 3. Dez. Ein Einwohner eine< Nachbarortes machte, wie man uns mitteilt, dii Beobachtuna. daß ihm zur Nachtzeit die Kühq gemolken und Heu gestohlen wurde. Er legte sich auf die Lauer und hatte bett Erfolg, den lute^ zu erwischen. I
$ Rauschenberg, 3. Dez. In dem benachbart len Albshausen machte sich kürzlich ein durch/ ziehender Handwerksbursche das Vergnügen, be( einigen Bauern Schweine auszukaufen und biet ftn auch den gewünschten Preis zu verheißen^