Einzelbild herunterladen
 

eitun

Birrteljätzrlicher Bezugspreis: faa der Expedition 2 Sölt, bei allen Postämtern 2,25 Ml. (excl. Bestellgeld).

ZnscrtionSgebühr: die gespaltme Zeile oder deren Raum 15 Pfg, Reclmnen: die Zeile 80 Pfg.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Mardurg und Kirchkain.

_____________ 2 onntaLSbeUaar: Allüftrirtes ®ennSe'/">,ati; '

Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.

r Druck und Verlag: Joh>Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 41. Jabraj Sonnabend, 1. Dezember 1906. Murg, »t 21. - sei* ss. j

NeueAe Telegramme.

Breslau, 29. Nov. DieBreslauer Ztg." Meldet: Die in Berlin tagende Jahresversamm- Mng des deutschen Viehhändlerbundes erklärte in ihrer Resolution, daß eine wesentliche Herab- -setzung der Fleischpreise auch ohne Erenzöffnung Möglich sei durch Fortfall der enormen Spesen, Momit die Regierung den Viehhandel unnötig belaste und durch Ermäßigung der Bahnfrachten. '! Posen, 29. Rov. Ein Breslauer Blatt hatte Aweifel an dem natürlichen Tode Stablewskis geäußert. Die Zweifel find völlig unbegründet. Es ist sicher, daß ein Herzschlag die Todesursache war.

' Braunschweig, 30. Nov. Gegenüber ander­weitigen Meldungen, dem Regentschaftsrat liege bereits ein Verzicht des Herzogs von Cumber­land für sich und fein Haus auf Hannover vor, erfährt dieBraunschw. Landesztg." von maß­gebendster Stelle, daß bis jetzt ein solcher Ver­zicht nicht vorliegt.

Stockholm, 29. Rov. DasSoenska Dag- bladet" meldet aus Paris, daß der Nobelpreis für Chemie dem Pariser Professor Moisson, der Nobelpreis für Physik Professor Thomson in Cambridge zuerteilt werde. Das Blatt bestätigt das Gerücht, daß der Nobelpreis für Medizin an die Professoren Eolgi in Pavia und Ramoenyca- jah in Madrid und der Nobelpreis für Literatur an Carducci in Bologna verliehen werden soll.

Das soziale Programm des Gesamt- Verbandes der evang. Arbeitervereine wurde in der zu Cassel erfolgten Ausschußsitzung des Eesamtoerbandes in folgender neuen Fas­sung festgestellt:Wir stehen auf dem Grunde des evangelischen Christentums. Wir bekämpfen darum die materialistesche Weltanschauung, wie darum die materialistische Weltanschauung, wie sie sowohl zu den Ausgangspunkten, als zu den aber auch die Ansicht, daß das Christentum es ausschließlich mit dem Jenseits zu tun habe. Das Ziel unserer sozialen Arbeit ist die Ent­faltung der welterneuernden Kräfte des evan­gelischen Christentums in dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Gegenwart. Wir bekämpfen darum: 1. den Standpunkt, welcher die schrankenlose Freiheit des Einzelnen ein­seitig betont und alles Heil von der freien Kon­kurrenz der Kräfte erwartet; 2. die Lehre, welche Alle Produktions- (Eütererzeugungs-) mittel dem privaten Besitz entziehen und den Einzelnen in eine sklavische Abhängigkeit von der alles allein bestimmenden Gesellschaft bringen will; 3. alle unsoziale, Gesinnung, wo immer sie in unseren

heutigen Parteien und Gesellschaftsschichten zur Erscheinung kommt. Die Ueberwindung der ge­sellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden un­seres heutigen Volkslebens erwarten wir nur von einer geschichtlich vermittelten Umgestaltung unserer Verhältnisse gemäß den sittlichen Ideen des evangelischen Christentums. Diese Ideen geben uns den sicheren Maßstab zu rückhaltloser Kritik an den heutigen Zuständen, wie auch den Antrieb zur Forderung neuer Ordnungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben. Als Aufgabe dieser Neuordnungen erkennen wir in erster Linie die volle Anerkennung des Men­schenrechtes und der Menschenwürde jedes, auch des geringsten Berufsgenossen; sodann die größt­möglichste Steigerung seiner Leistungsfähigkeit, wie auch seines Anteils an den geistigen und sittlichen Gütern der Nation, endlich die denkbar beste Förderung seiner materiellen Lebensinter­essen zur Durchführung dieser Aufgaben er­achten wir vor allem die vollständige und vorurteilslose Aufklärung des Volkes über die schwebenden wirtschaftlichen Fragen für notwen­dig, ebenso aber auch die tatkräftige Unter­stützung aller auf die Hebung und Veredlung der arbeitenden Kleben gerichteten Bestrebun­gen und Maßregeln. Unsere Forderungen wer­den wir von Fall zu Fall nach dem Fortschritt des wirtschaftlichen Lebens formulieren."

Parlamentarisches.

Deutscher Reichstag.

V" Berlin, 29. Nov.

Im Reichstage wurde am Donnerstag die erste Lesung der Nachtragsetats für Südweft- afrika fortgesetzt. Die Beratung eröffnete Abg. Semler (natl.), der eindringlich vor der Preis­gabe des Südens der Kolonie warnte, weil sie das Aufgeben der ganzen Kolonie zur Folge haben müsse, und für einen lebhaften Vahnbau eiutrat, wobei er sich zugunsten eines Program­mes aussprach, das die in den kommenden Jah­ren zu fordernden Bahnbauten umfasse. Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) dankte dem Reichs­kanzler, daß er mit solcher Energie für das An­sehen unserer Beamten gesprochen habe. Im Bahnbau sei vor uferlosen Projekten zu warnen. Die konservative Partei wolle die baldige Pazi­fizierung der Kolonie und ihre dem Deutschen Reiche würdige Entwicklung. Darauf nahm der stellvertretende Kolonialdirektor Dernburg noch­mals das Wort:

Ich möchte schon jetzt einige Anfragen beant­worten. Den Denkschriften wird eine zu große Bedeutung beigemessen. (Hört! Hört! links.) Der Vorredner hatte Recht: die Denkschriften sind nur als Bausteine zu einem Kolonialpro­gramm gedacht. Sie sollen zeigen, wie weit sich unsere Kolonien der administrativen Selbst­ständigkeit schon genähert haben. Was unsere

Kolonien an Militärlasten notwendig gemacht haben, weiß jeder in diesem Hause; wenn es je­mand nicht wissen sollte, möge er sich melden. (Heiterkeit.) So lange wir nur bewilligen und die Kolonien nicht selbst Steuern zahlen und Verantwortung haben, wird es nicht besser wer­den. (Sehr richtig!) Wir haben auch nicht ver­sucht, den gesamten Kapitalwert der Kolonien zu berechnen. Wir wissen nicht, wieviel die Eingeborenen besitzen; wohl aber wissen wir, wieviel sie exportiert haben, und das haben wir berechnet und kapitalisiert. Abgeordneter Lede- bour ist gestern mit den Nullen sehr freimütig umgesprungen. Bei den von ihm genannten Milliarden hatte er eine Null zu viel. Ji« Vorwärts" freilich hat er sie herausgestrichen. (Heiterkeit.) Hätte er übrigens richtig multi­pliziert, dann wäre er auf 167 Milliarden für das deutsche Nationalvermögen gekommen und das würde ungefähr stimmen; aber es ist der reine Zufall. (Heiterkeit.) Die Eingeborenen­frage halte ich für eine der wichtigsten; ich werde ihr große Sorgfalt widmen. (Bravo!) Früher war die Regelung im Kolonialamt in der Tat so, daß dem Leiter nur die wichtigsten Sachen unterbreitet wurden. Ich habe versucht, alles zu lesen und alles selbst zu unterschreiben. Das letzte ist mir geglückt, aber es hat mich 13 Stun­den täglich auf dem Sessel festgehalten. (Hort! Hört!) Ein Amt, das vierteljährlich über 60 000 Eingänge hat, kann von enem allein nicht übersehen werden. (Lebhafte Zustimmung.) Jetzt habe ich nun die Ehre, täglich hier 45 Stun­den zu sitzen (Heiterkeit) und mehr als 24 Stun­den täglich kann man doch nicht arbeiten. (Hei­terkeit.) Ein Plan über Eisenbahnbauten kann erst reifen, wenn sich die Kosten übersehen lass». Ich meine aber, daß wir zur Zeit schon genügend Bahnen bauen. (Zustimmung.) Abg. Ledebour meinte gestern, wir wollen die Eingeborenen ab- hetzen. Davon steht in der Denkschrift nichts. (Abg. Pauli-Potsdam: Also wieder nicht wahr! Heiterkeit.) Den Farmern werden wir weiter zu Hilfe kommen. (Beifall.) Es ist für mich ge­radezu rührend zu sehen, wie alle, die einmal in der Kolonie gewesen sind, sich dorthin zurück- sehncn. Was die Heranziehung von Handwer­kern zu unseren Lieferungen betrifft, so sollen künftig auch die Kleinen berücksichtigt werden (Beifall.) In der Eingeborenenfrage haben wir bisher viel zu wenig beobachtet, was unsere Nachbarn tun, und so haben wir hohes Lehrgeld zu zahlen. (Beifall.) Was die Heranziehung des Privatkapitals betrifft, so wolle man be­denken, daß dieses Kapital bisher viel zu sehr in der Heimat in Anspruch genommen wurde. Wir werden es auch in die Kolonien zu ziehen suchen, können ihm aber nicht zumuten, daß es dort jahrzehntelang brach liegt. (Lebhafter, wieder­holter Beifall.)

Abg. Kopsch (frets. Vp.) meinte, die Kolonie sei zum größten Teile lediglich Wüstengebiet. Optimismus sei in der Kolonialpolitik nicht am Platze. Die Freisinnigen bringen dem Kauf­mann Dernburg Vertrauen entgegen, aber nicht

dem Zukunftsmusiker. Abg. Dr. Arendt (Rp.jf mißbilligt, daß in der Debatte auf Herrn 0. Pod» bielski, der sich gegen die Angriff- nicht verteidi- gen könne, Steine geworfen seien. Die Auf-tz gäbe des Südens der Kolonie müsse den Einge­borenenaufstand verewigen. Nach den Erkläe rungen des neuen Kolontaldirektors besteht bi< beste Aussicht, daß künftig nur die besten prüfte nach den Kolonien gezogen werden. ,

Die Weiterberatung wurde auf FreitaL 1 Uhr vertagt. Schluß 6 Uhr. ?'

Deutsches Reich. .

Berlin, 30. November, j

Seine Majestät der Kaiser begabk si^f gestern, wie aus Schloß Räuden gemeldet wird^. um 9Ya Uhr vormittags mit Gefolge ins Jagd« gelände. Das Wetter war anfangs günstig^ wurde jedoch später regnerisch. |

In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurden die Mitteilungen des Präsidenten deH Reichstages a) vom 13. November 190$ zu deck Petition betreffend die Rechtsverhältnisse der itz die häusliche Gemeinschaft aufgenornmeneit Dienstverpflichteten; b) vom 13. November 190® zu den Petitionen des Deutschen Apothekerver? eins usw. wegen Regelung des Apothekenwefens dem Reichskanzler überwiesen, s Ferner wurde« die Vorlagen über a) den Entwurf eines Eee setzes zur Aenderung des Gesetzes betreffend dick Abwehr und Unterdrückung der Viehhseychen und b) den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Feststellung des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1907 deW zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Ver­ordnung betreffend die Abänderung der Aus- fuhrungsbestimmungen zu dem Gesetz über Kriegsleistungen wurde genehmigt. -Dem Ge­setzentwurf vom 20. August 1906 betreffend bett Verebelungsverkehr mit Kaffee zum Röste« würbe zugestininrt. Die Anzahl der Etats für das Rechnungsjahr 1907 fand Zustimmung.

Vom Bureau des Reichstages ist foebe« das neue Mitglieder-Berzeichnis des Reichstags herausgegsben. Es konnte noch den Reichstag als vollzählig bezeichnen; denn alle Mandate waren bis Sonntag besetzt. Am Sonntag erlag aber der seit längerer Zeit leidende sozialdemo« kratische Abg. Dreesbach einem Herzschläge. Eine Uebersicht über die seit dem Jahre 190$ erfolgten Personalveränderungen ergibt, daß: der Reichstag seit jener Zeit 25 Abgeordnete^ durch den Tod verloren hat (einschließlich deck, Abg. Dreesbach); 24 legten ihre Mandate niet der und 7 Mandate wurden für ungiltig erklärt^ von den Inhabern dieser letzteren 31 Mandats wurden wiedergewählt die Abg. Barbeck (freis. Vp.), Blumenthal (Vp.), Korfanty (Pole),

16 (Nachdruck verboten.);

Ueber alles bie Kunst.

Roman von Clarissa Lahde. 'TTT-r

(Fortsetzung).

Sonderbare Neigung der guten Gräfin," be­merkte die Baronin.Da sieht man doch, daß sie nicht zu uns gehört, das ungarische Blut setzt sie über manches fort, was uns unmöglich dünkt. Für die Palfv scheint es gar keine Standesunter- fchiede zu geben, das heißt, verstehen Sie mich .recht, liebe Eehsimrätin, ich meine nur gefell- ifchaftlich. Denn einem dieser Herren Künstler ihre Tochter zu geben, so weit würde st» doch schwerlich gehen. Was man hier alles für Leute sieht diese Herrenburgs! es ist mir ganz unbegreiflich. Sie paßt doch gar nicht hierher. Und eine Freundschaft herrscht zwischen den bei­den Damen, sie nennen sich beim Vornamen, wie ich neulich hörte!"

Das Porträt der Gräfin soll doch sehr schön werden, die Herrenbnrg muß eine talentvolle Person sein."

Talentvoll, mag fein! Sie können das jeden­falls besser beurteilen als ich, da Ihr Fräulein Tochter ja auch so eine Art von Künstlerin und deshalb wohl eine Bewunderin der Herrenburg ist. Aber sie soll sehr gewöhnlicher Herkunft sein."

Ihr Vater ist Subalternbeamter,Rechnungs- rat in irgend einem Ministerium," entgegnete die Geheimrätin,Meine Tochter hat mit der Herrenburg eine Zeitlang in demselben Atelier gearbeitet. Uebrigens sehr achtbare Leute, die Herrenburgs, wie man sagt."

Baronin von Felseck zuckte, statt weiter auf das Gespräch einzugehen, nur abermals die | Achseln.

Dis Gräfin tanzte nicht. Sie saß in einem Nebenraum, wo ein Büffet aufgestellt war, um­geben von einem heiteren Kreise, zu dem auch Marga zählte. Die junge Künstlerin, ganz in Rloerfchillernder Seide, rote Rosen im Haar und

am Ausschnitt des Kleides, sah ungemein hübsch und jugendlich aus. Ihre lichte Erscheinung bildete zu der dunklen Schönheit der Dame des Hauses einen interessanten Gegensatz. Obgleich sehr reich und kostbar gekleidet, war an dieser doch nichts Auffallendes, wie es Marga bis­weilen in München beobachtet hatte. Sie schien sich vollständig den Gewohnheiten des vornehmen Kreises, in dem sie verkehrte, angepaßt zu haben und das schwere Seidenkleid mit dem kostbaren Spitzenbesatz und dem Cranatblütenstrautz am Busen stimmte vorzüglich zu dem Diadem von unschätzbarem Werte, das in der üppigen Fülle ihres nachtschwarzen Haares funkelte.

Baron Nemethys Augen richteten sich bis­weilen, wenn er sich unbemertt glaubte, mit eigentümlich finsterem Ausdruck auf die schone Frau, obwohl er scheinbar in angelegentlicher Unterhaltung mit Marga begriffen war und ihr stark den Hof machte.

Sie sehen heute wirklich bezaubernd aus," flüsterte er ihr zu, den eben von einem Diener gereichten Champagnerkelch ergreifend und ihn mit einem Zuge leerend.Auf Ihre schönen Augen, Gnädigste!"

Marga hatte stets ein eigenes Gefühl, wenn der ungarische Baron neben ihr saß, einen gehei­men Schauer vor seinen brennenden Äugen, dem Lächeln, mit dem er ihre Gestalt überflog.

Wissen Sie, daß ich mich heute viel mit Ihnen beschäftigt habe?" fuhr er fort, ihr näher rückend.

Mit mir?" scherzte sie verwundert.

,Ja, die gnädigste Kusine," er nannte die Gräfin, mit der er auch in der Tat weitläufig verwandt war, niemals anders,hat mir heute erlaubt, nach längerer Zeit wieder einmal ihr Porträt zu sehen, das jetzt schon seiner Vollen­dung nahe ist. Und ich mache Ihnen mein Kompliment. Sie sind eine Künstlerin, eine große Künstlerin!"

Marga war nicht gerade angenehm durch diese Mitteilung überrascht. Sie liebte es nicht, daß

man ihr Atelier in ihrer Abwesenheit besuchte, und sie hatte auf Wunsch der Gräfin Komteß Gisela heute in die Stadt begleitet, da diese einige Einkäufe für ihre Toilette besorgen sollte. Das sah ja beinahe wie Absicht aus.

Sie sehen mich so fragend an, Gnädigste," fuhr der Baron fort,als möchten sie aus mei­nem Gesicht ablesen, was wir da gesprochen haben über Sie, Ihre Arbeiten."

Marga machte eine abwehrende Bewegung.

Ich habe in der letzten Zeit sehr selten an dem Bilde der Gräfin gearbeitet, da ich die wenigen Stunden, die mir der Eesellschaftstrubel läßt, dem Porträt der Komteß widme, deren guten Willen, mir zu sitzen, ich benutzen mutz."

Gleichviel, die Meisterhand verrät sich schott in den beiden Bildern."

Marga konnte doch nicht verhindern, daß ein Lächeln der Befriedigung auf ihre Lippen trat. Das Lob des Barons schmeichelte ihr.

Ein Zug der Genugtuung zeigte sich auf dem Gesicht des Barons, bei seinen dunklen Kopf noch tiefer zu ihr neigte.

Mehr aber noch als die Künstlerin," flü­sterte er ihr leise ins Ohr,bewundere ich das schöne Weib, und ich bedauere

Was? stieß sie erregt hervor.

Daß Sie sich nicht daran genügen lassen, nur ein Weib, ein schönes, bezauberndes Weib zu sein."

Sie machte eine unwillige Bewegung.

Sie mögen das nicht hören," fuhr er fort, und doch, ein Weib, das eine solche Macht über Männerherzen ausiibt wie Sie, sollte des kleinen Ruhmes, nach dem sie ringt, nicht entbehren können?"

Des kleinen Ruhmes? Ja, wenn man sich an einem kleinen Ruhm genügen läßt!"

Sie trachten also nach mehr, nach weltbe­wegendem Ruhm? Ach, wie jung sind Sie noch! Was bedeutet heute Ruhm, ebenso rasch ent­facht, wie rasch verglommen. Seien Sie jung, genießen Sie Ihr Leben und wenn nichts anders.

so suchen Sie wenigstens Ruhm und Liebe z« vereinigen. Sie können's! Sie gehören zu de« auserwählten Naturen, die alles können." |

Marga errötete vor Vergnügen und gehe!« ment Stolz. Der vornehme Kavalier, der wel« erfahrene Mann hatte ausgesprochen, was sick sich schon lange im geheimen gesagt. Sie gehörte zu den auserwählten Naturen. Ihr leuchtendes Blick glitt über den um die Gräfin sich reihende« Damenkreis hin. Was waren diese im GlanF der Toiletten strahlenden, durch die Geburt schott über die Menge erhobenen Frauen gegen sie, dick auserwählte Natur, der alles gelingt? !

Ueber Baron Nemethys dunkles Antlitz flog' ein ironisches Lächeln. Es gelang ihm also noch immer, die Weiber sich zu gewinnen, weliyer Art sie auch seien. Von dieser Kunst hatte er noch nichts eingebüßt, trotz seines Alters, trotz der inneren Gebrochenheit, deren er sich bewußt war. Wieder suchte sein Auge die schöne Herrin, des Hauses und ein finsterer, fast haßerfüNter Blick streifte sie; dann erhob er sich, um in de«? Saal zurückzukehren. In der Tür begegnete' ihm Alfred mit der Komteß am Arm. :

Der Baron trat galant zurück. !;

Der Jugend und Schönheit den Vortritt!' Wie amüsieren Sie sich, Komteß?"

Sie neigte wie mechanisch den Kopf. Abek über das feine Kindergesicht glitt es wie ein lei«,' fet Schauder, als Habe ste eine Schlange berührt. Alfred fühlte, wie die kleine, auf seinem Arm, ruhende Hand leise bebte. Und wieder zog es- wie warmes Mitleid durch seine Seele. Das junge Mädchen litt, litt offenbar unter ihreH Umgebung. Fühlte doch auch er eine starke Ab­neigung gegen diesen Baron, in dessen Antlitz; das Leben so tiefe Linien gezogen, daß ein klares; Auge über des Mannes Wesen nicht im Zweifel, sein konnte. Und welche Rolle spielte Nemeth«, in diesem Hause? Warum hatte die Gräfin ge­rade ihn zum Vormund ihrer Tochter, der Erblnr eines fo großen Vermögens, erwählt?

(Fortsetzung folgt.H