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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaiu.^

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Znserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

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Marburg

Freitag, 30. November 1906.

Erscheint wScheutlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfttätS-Buchdruckerei 41.

Marburg, Markt 21. - Telephon 55. y

Das ASonuement

,puf dieOberhessische Zeitung", das größte, meistgelesenste und weit­verbreitetste Blatt Marburgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.

Neueste Telegramme.

/ Berlin, 29. Nov. Professor Dr. Bergmann pmrde anläßlich seines demnächst bevorstehenden 70. Geburtstages von der Berliner Medizini- ifdjert Gesellschaft zum Ehrenpräsidenten gewählt.

Berlin. 28. Nov. Die Wahlpriifungskom- jmission des Reichstages erklärte die Wahl des .Abg. Raab (wirtsch. Bgg.), 4. Wahlkreis Cassel, für ungültig, weil sich herausgestellt hat, daß der sozialdemokratische Gegenkandidat Hugo die öffentliche Armenunterstützung in Anspruch ge­nommen hat.

Lemberg, 28. Nov. Das hier weilende preu­ßische Herrenhausmitglied v. Koszcielski äußerte gesprächsweise: Es sei begründete Aussicht vor­handen, daß die römische Kurie sich der Ernen­nung eines Deutschen zum Erzbischof von Gne- sen und Posen widersetzen werde, weshalb man auf eine Verschleppung der Lösung dieser Frage gefaßt sein müsse. Die preußische Regierung werde gegen die polnischen Kinder nichts aus- richten. Sie werde zwar jetzt nicht nachgeben, weil dies einer capitis biminutio gleichkäme, über die Repressivmaßregeln, die sich allmählich erschöpfen müssen, doch bald fallen lassen.

Petersburg, 28. Nov. Schweden und Nor­wegen wollen gleichzeitig Spitzbergen besetzen, über das Rußland eine Kontrolle ausübt. Ruß­lands Antwort steht noch aus. (Die Inselgruppe wurde bisher von Schweden-Norwegen wie von Rußland in Anspruch genommen, doch ist über das Besttzrecht nichts entschieden.)

Washington, 28. Nov. Der Friede auf Kuba ist vollständig wiederhergestellt. Amtlich wird bekannt gegeben, daß eine Kommission, welcher zwei hervorragende amerikanische Juristen an­gehören, ernannt werden soll behufs Revision aller Gesetze betr. das Eigentumsrecht. Die zur Prüfung der Ersatzansprüche aus den jüngsten Anruhen eingesetzte Kommission hat die Höhe derselben auf weniger als 200 000 Pfd. Sterling geschätzt.

Tokio, 28. Nov. Ein starkes japanisches Ge­schwader wird im nächsten Jahr unter Führung des Prinzen Fuschimi nach England gehen, um den vom Herzog von Connaught mit dem eng­lischen Geschwader in Japan abgestatteten Ve­rsuch zu erwidern.

15 lNachdruck verboten.),

lieber alles die Kunst.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung).

Ab und zu kamen Baron Nemethy und Graf Kaminski in das Zimmer, das zum Atelier für Marga eingerichtet war, um das Fortschreiten der beiden Porträts zu beobachten. Marga glaubte dann zu bemerken, daß die Komteß je­desmal unruhig und gereizt wurde, sobald einer der beiden Herren sich im Atelier zeigte.

Eines Tages hob sie sogar sogleich nach dem Weggang des Barons die Sitzung auf.

Wenn Sie nicht verhindern können, daß diese Herren ins Atelier kommen und mich und das Bild begaffen," sagte sie in hochmütigem Tone, werbe ich mich veranlaßt sehen, ganz fortzubleiben."

Aber ich bitte Sie Komteß," rief Marga er­schreckt,wie kann ich das verhindern? Der Herr Baron, Ihr Vormund, und dessen Neffe stehen doch Ihrer Frau Mutter so nahe."

Aber mir nicht," unterbrach die Komteß sie rasch.Es ist schon genug, wenn ich die Gegen­wart dieser beiden Herren bei Tisch und in der Gesellschaft ertragen muß: auch hier noch damit belästigt zu werden, heißt mir zu viel zumuten."

Damit verließ sie das Gemach.

Marga sank ganz fassungslos in ihren Stuhl. Was sollte das nun heißen? Was sollte sie an­fangen, wie sich zu dieser Eröffnung der Komteß stellen? Sie wußte keinen andern Rat, als sofort zu der Gräfin zu gehen und ihr das Erlebte mit­zuteilen.

i Diese geriet in eine Aufregung, die Marga sich kaum zu erklären vermochte.

Aber das geht zu weit," rief sie ein über das inbere Mal,bas geht wirklich zu weit? Dem Mädchen muß ernstlich der Kopf zurecht gesetzt 1

Aus dem Reichstage.

Seit Wiederbeginn der Reichstagsver­handlungen hätte, von ganz seltenen Aus­nahmefällen abgesehen, jederzeit auf dem Wege einer namentlichen Abstimmung die Beschluß­fähigkeit des Hauses sestgestellt werden können. Es ist zwar vereinbart worden, daß namentliche Abstimmungen immer vierundzwanzig Stunden zuvor angekündigt werden müssen, damit nie­mand unerwartet der auch für unsere Reichs­boten fühlbare Verlust von 20 M entsteht, und so könnte man sagen, wenn bisher bei nament­lichen Abstimmungen alles geklappt habe, so be­weise das im Grunde genommen gar nichts. Allein man wird sich erinnern, daß, als am 23. November bei der Abstimmung über die Reso­lution auf Einführung der Pflichtfortbildungs­schulen für Lehrlinge und jugendliche Arbeiter Auszählung, der sogenannte Hammelsprung, notwendig wurde, was naturgemäß niemand voraussehen konnte, im Wallotbau gleichfalls ein beschlußfähiges Haus festzustellen war. Nach den bisherigen Beobachtungen scheint es also, als ob die Gewährung von Diäten die dauernde Beschlußfähigkeit des Reichstages in der Tat günstig beeinflusse. Hoffentlich bleibt es so.

Von den Diäten allein kann aber kein Mensch leben und so werden die Abgeordneten, so ernst sie es auch mit der Ausübung des Man­dates nehmen mögen, von Zeit zu Zeit das Be­dürfnis empfinden, in der Heimat wenigstens einige der allerdringlichsten beruflichen Arbeiten zu erledigen. Der Seniorenkonvent hat Recht daran getan, daß er dieses Bedürfnis von vorn­herein in Rechnung stellte und beschloß, von Ja­nuar ab alle vierzehn Tage zwei Werktage, Sonnabend und Montag, sitzungsfrei zu lassen. Damit hat ein Wunsch zahlreicher, namentlich süddeutscher Abgeordneter, Erfüllung gefunden. Wenn man freilich auf der anderen Seite be­denkt, daß der Etat dem Reichstage diesmal so spät zugehen wird, daß die erste Etatsberatung erst nach den Weihnachtsferien beginnen kann, so ergibt sich von selbst, daß die Etatsberatung erheblich verkürzt werden muß, was freilich in­sofern nicht bedauerlich erscheinen kann, als in früheren Jahren gerade durch die uferlose Viel­rederei das Ansehen unserer ersten parlamen­tarischen Körperschaft merklich geschwächt wurde. Das preußische Abgeordnetenhaus hat aber den Weg gewiesen, wie die Etatsberatung ohne Un­terdrückung der Minderheitsparteien verkürzt werden kann; der Reichstag wird diesem Bei­spiel folgen und durch Kontingentierung der Etatsberatung (d. h. vorherige Festsetzung der Beratungszeit für die Einzeletats) die recht­zeitige Fertigstellung des Etats zu sichern wissen.

Wenn aber etwas in letzter Zeit sympathisch berühren mußte, so die Tatsache, daß die Be-

werden. Lassen S' mich nur machen, sie soll Ihnen sitzen, bis das Bild fertig ist. Ich will doch einmal sehen, wer hier zu befehlen hat, ich oder sie!" Und in einem Anfall von Wut, wie sie Marga der sonst so heiteren, frohgelaunten Frau gar nicht zugetraut, stampfte sie mit dem Fuße auf den Boden und rannte wie eine Ra­sende in dem Gemache auf und nieder.

Ganz wie der Vater!" rief sie,der volle Gegensatz zu mir. Es gibt nur ein Rettungs­mittel für uns beide und das ist, sie so schnell wie möglich zu verheiraten. Sie mutz aus dem Hause, [ unter die Gewalt eines Mannes, Ich vermag nichts mit ihr anzufangen, sie verbittert mir jede Freude, das ganze Leben, alles, alles!"

Sie sank in einen Stuhl, Marga eilte zu ihr, sie zu beruhigen, zu trösten.

Am Abend war Ball, auch Alfred war ge­laden. Scheinbar begegnete Marga ihm wie sonst, aber innerlich empfanden doch beide, daß es nicht mehr so war wie früher. Man hatte des Zerwürfnisses nicht wieder erwähnt, jeder glaubte, der andere müsse das versöhnende Wort zuerst sprechen. So wurde es gar nicht gespro­chen. Marga vermied augenscheinlich ein Allein­sein mit ihm und er suchte es nicht.

Gleichwohl folgte er fast immer den Ein­ladungen der Gräfin, die in bet Saison etwas seltener geworden waren als vordem. Aber wenn er kam, besonders zum Ball, war es im­mer die Komteß, mit der er am meisten tanzte, mit der er sich am liebsten unterhielt. Das junge Mädchen interessierte ihn und auch die Komteß schien ihm gegenüber etwas aus ihrer Reserve herauszutreten. Die Gräfin ließ es geschehen, ba es ihr angenehm war, wenn ihre Tochter einmal ein anderes Gesicht zeigte als gewöhnlich und überdies war ja der junge Bauführer, wie sie schon gegen Marga geäußert, völlig ohne Ge­fahr für sie, zudem Margas Verehrer, obwohl sie nicht ganz den Geschmack der künstlerischen

Ziehungen zwischen den Mehrheitsparteien sich immer freundlicher gestalten. Kein Zweifel, daß dies zur Förderung der Reichstagsarbeiten zu einem guten Teile beitragen wird. Leider fehlt es aber auch nicht an Vorgängen, die dieses Einvernehmen empfindlich stören müssen, und da ist in erster Linie die ebenso törichte wie takt­lose Aeutzerung des neugebackenen Zentrums­abgeordneten Eiesborts anzuführen, Preußen lade das Odium auf sich, der reaktionärste Staat zu fein, und draußen in der Welt müsse man sich nachgerade schämen, ein Preuße zu fein. Ver­mutlich gibt es eine größere Zahl vonman", die sich schämen, daß ein Preuße von der Tri­büne des Reichstags solchen Unsinn reden kann. Eiesberts Aeußerung mutz aber noch auffälliger erscheinen, wenn man bedenkt, datz in der Frage des Koalitionsrechts der Landarbeiter ein guter Teil des Zentrums mit der Rechten durchaus eines Sinnes ist. Die Zentrumsfraktion wird wohl nicht umhin können, ihre in letzter Zeit mehrfach sich unliebsam bemerkbar machenden enfants terribles besser zu beaufsichtigen.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Novvember.

Seine Majestät der Kaiser ist gestern zum Jagdaufenthalte nach Schlesien abgereist. Nach­mittags 5 Uhr traf der Kaiser in Hammer ein, wo er von dem Herzog von Ratibor empfangen wurde. Die Fahrt nach Räuden zur Jagd er­folgte im Automobil. Es schließt sich ein Jagd­aufenthalt In Slawentzig vom Nachmittag des 30. November bis 1. Dezember, ein solcher in Neudeck bis zum 3. Dezember und nach einem kurzen Aufenthalt bei dem Offizierkorps des Leib-Kürassier-Regiments in Breslau am 4. De­zember, ein Jagdaufenthalt in Kttr-cyendorf bis zum 6. Dezember an.

Dieser Tage fand in Berlin unter dem Vorsitz des Eeneralanwalts des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossen­schaften, Geh. Regierungsrat Haas aus Darm­stadt, eine Sitzung der vor kurzem vom Reichs- verband eingesetzten Wohlfahrtspflegekomm"- sion statt. Aufgabe dieser Kommistion soll fein, die Mitarbeit der ländlichen Genossenschaften auf dem Gebiete der ländlichen Wohlfahrts­pflege anzuregen und zu fördern. Es ist in keiner Weife beabsichtigt, in das Arbeitsgebiet der bisher schon bestehenden Spezialorgani­sationen, insbesondere des Vereins für ländliche Wohlfahrtspflege, beeinträchtigend einzugreif n. Die Kommission beschloß, ein eingehendes Ar­beitsprogramm für die Förderung der länd­lichen Wohlfahrtspflege aufzustellen. Vorerst soll namentlich durch die genossenschaftliche Fach­presse, sowie bürd' V-rträge auf ben Verband tagen und in ben Generalversammlungen bet

Freundin begriff. Freilich war et ein hübschet Mensch, aber doch mit Weltanschauungen, die ihr geradezu lachhaft vorkamen, so kindlich und kleinlich. Eben nur ein Kind wie ihre Eisel konnte an solcher Unterhaltung Gefallen finden.

Niemand bet zahlreichen Anwesenden hätte der Gräfin angemerkt, daß sie am heutigen Vor­mittag einen solchen Aerger gehabt hatte. Sie übertraf im Gegenteil sich selbst an Munterkeit und Liebenswürdigkeit, darüber waren ihre zahlreichen Verehrer einig, denn die schöne, ele­gante, interessante Witwe hatte selbstverständ­lich an Verehrern keinen Mangel. Sie hätte nur zu wählen brauchen unter den vornehmsten Na­men, jeder hätte sich glücklich geschätzt, die Hand der schonen Witwe zu erhalten. Aber sie mochte keinen Deutschen nehmen, das hatte sie Marga schon oftmals versichert. Die Deutschen waren ihr zu kühl von Natur, sie liebte mehr das Feuer ihrer Nation oder die frohe Lebenslust der Oest- reicher. Ueberdies wollte sie sich vorläufig noch gar nicht verheiraten, die Freiheit sei so süß und sie habe sie erst so wenig ausgekostet, da sie erst seit drei Jahren Witwe sei, das Trauerjahr abgerechnet. Sie sei fast noch ein Kind gewesen, als sie geheiratet, sollte sie sich da sogleich wieder Fesseln anlegen lassen? Aber das Kurmachen, das ließ sie sich trotz alledem von den deutschen Herren gefallen.

Sie war daher immer von einer Schar von Verehrern in Uniformen und nach neuester Pariser Mode gekleideten Kavalieren umgeben, die sich ihr zur Verfügung stellten.

Marga bewunderte aufrichtig, wie sie es j verstand, gegen alle freundlich zu fein, ohne auch nur einen zu ermutigen. Und trotz der freien Art, mit der sie sich bewegt und über die deut­schen Damen ihrer Bekanntschaft zuweilen die Achseln zuckte, wußte sie doch alle ihre Bewun­derer sich fern zu halten, sodaß sie nie über die I ihnen von ihr gesetzten Schranken hinausgingen. I

Genossenschaften eine belehrende und anregende Propaganda erfolgen.

Die deutsche Wehrordnung hat einige Aenderungen erfahren. Zunächst ist ihr einge-! fügt, daß eine Prüfungskommission für Ein­jährig-Freiwillige auch in Tsingtau im Schutz­gebiet Kiautschou für die in Ostasien wohn­haften Deutschen besteht, und daß sie der Auf­sicht des Gouverneurs untersteht. Sodann ist bestimmt, daß die beurlaubten Rekruten im dienstlichen Verkehr mit ihren Vorgesetzten der militärischen Disziplin unterworfen sind. Die zum Lehramt von Volksschulen befähigenden Zeugnisse machen die Beibringung eines beson­deren wissenschaftlichen Zeugnisses für Ein­jährig-Freiwillige unnötig. Der Reichskanzler ist ermächtigt, in besonderen Fällen ausnahms­weise dem die bedingungslose Versetzung aus der Unter- in die Obersekunda bekundeten Zeug­nisse, das von einer berechtigten Lehranstalt ausgestellt ist, die Bedeutung eines gültigen Zeugnisses über die wissenschaftliche Befähigung für ben einjährig-freiwilligen Dienst auch bann beizulegen, wenn bet Inhaber bie Untersekunda nicht ein volles Jahr hindurch besucht hat. Bis­her war bet einjährige erfolgreiche Besuch bei Untersekunda vorgeschrieben. Des weiteren ist bestimmt, daß als Vorgesetzte ber Personen bes Beurlaubtenstandes alle Militärpersonen anzu­sehen sinb, bie im aktiven Dienst ihre Vorgesetz­ten sein würben. Konsularische Beamte, bie ihren dienstlichen Aufenthalt im Auslände haben, sind für bie Dauer ihrer Tätigkeit da­selbst von ber Einberufung zu ben Truppen bis auf weiteres befreit. Schließlich sind noch Aen- derungen in ben Bestimmungen über bie Ein- berufung von Eisenbahnbebiensteten im Mobil machungsfalle vorgekommen.

parlamentarisches.

Deutscher Reichstag.

4< Berlin, 28. Nov.

Bei starkem Besuche von Haus und Tribünen begann am Mittwoch die erste Lesung des Nach­ttagsetats für Südwestafrika. Die Beratung eröffnete Reichskanzler Fürst Bülow, der betonte trotz der großen Opfer, welche uns der Aufstand in Südwest gekostet habe, werde sich kein Reichs­tag und kein Reichskanzler finden, der unsere Kolonien aus dem Soll und Haben unseres Vol­kes ausschaltcn mochte. Die in ber Kolonial­verwaltung gemachten Fehler sollen nicht wieder- holt, bie aufgedeckten Mißstände sollen beseitigt werden. Für diese schwerwiegenden Fragen fei in Herrn Dernburg der richtige Mann gefunden, und es sei jetzt ber alte Wunsch bes Reichskanz­lers erfüllt, unserer Kolonialabteilung auch her- vorragenb kaufmännische Kräfte untertan zu machen. Bei der Besprechung ber Kolonial« skandale seien bie Mißstänbe leider häufig über­trieben worden; ber deutsche Veamtenstand

Sprach sie auch zuweilen Grundsätze aus, über ! die selbst die Herren heimlich lächelten, fo hielt sie ihr Leben doch scheinbar ganz rein und niej mand konnte ihr etwas Nachteiliges nachsagenj

Jedenfalls ist sie liebenswürdiger und anges nehmet als die Tochter," meinte die Baronin! Felseck zu ihrer Nachbarin, der Geheimen Lega, tionsrätin v. Wallenberg, deren hübsche, roctul auch nicht mehr ganz junge Tochter soeben mi1| dem Grafen Kaminski an ihnen vorbei walzte, Ich würde mich gar nicht wundern, wenn der angenehme junge Graf, von dem man sagt, et bewerbe sich um die Komteß, sich bald einer an­dern zuwendete."

O bitte," wehrte bie Dame,was meine Tochter betrifft, so liegt es mir sehr fern, einen solchen Wunsch zu hegen. Einen Polen würbe ich mir nicht zum Schwiegersohn wählen, wir haben ja genug angenehme junge Männer der eigenen Nation."

Freilich, freilich, Frau Geheimrätin, und das reizende Fräulein v. Wallenberg hat gewiß die Auswahl."

Dabei lächelte die Baronin etwas maHtiös; wußte sie doch, daß die Wallenbergs sehr wenig vermögend waren und daß es ber im Ballsaal vielfach gefeierten jungen Dame trotz ihres an­genehmen Acußeren buch an ernsten, ihren An­sprüchen genügenden Bewerbern fehle.

Wer ist denn ber junge Mann dort," fugte sie nach einer Pause hinztt,ber mit der Tochter des Hauses tanzt? Tas Gesicht habe ich in un» serm Kreise noch niemals gesehen."

Ach, das ist ein junger Bauführer, ben Na­men habe ich vergessen," entgegnete die Er« heimrätin etwas obenhin.Einet ber fünft» hetischen ftreunbe bet Gräfin Palfy."

(Fortsetzuna ^rat.)