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Marburg
Donnerstag. 29. November 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Zoh. Slug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerek Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41« Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 28. Nov. Das Staatsministerium 'trat unter dem Vorsitz des Fürsten Bülow !gestern zu einer Sitzung zusammen.
: Berlin, 27. Nov. Zu vorläufigen Verwesern -der durch den Tod Stablewskis verwaisten Erzdiözese sollen voraussichtlich die Weihbischöfe Dr. Likowski (Posen) und Andrzejewicz (Gne- sen) gewählt werden. Weihbischof Likowski genießt (und nicht zu Unrecht) den Ruf eines fanatischen Polen. — Die Verhandlungen über Me Nachfolge werden sich dann wohl — das ist 'auch der Eindruck, den man in Rom hat — isehr schwierig gestalten. — Bei den Beisetzungs- jfeierlichkeiten sollen die Grabreden angeblich «nur in polnischer Sprache gehalten werden. '(Ließe sich diese überflüssige Demonstration nicht 'verbieten?)
Danzig, 27. Nov. Bei der hiesigen Staats- 'anwaltschaft laufen zahlreiche Anzeigen von ^hinterlistigen Ueberfällen seitens kasiubischer 'Polen auf deutsche Lehrer ein, vornehmlich in den Kreisen Karthaus und Berent. Die lleber- 1 fülle, die bis an die Grenze des versuchten Mordes schreiten, sollen von fanatisierten Elstern und Angehörigen aufsäsiiger polnischer Schulkinder ausgeführt werden.
Darmstadt, 27. Nov. Heute vormittag fand dn Gegenwart des Eroßherzogs, der Prinzessin , Ludwig von Battenberg, des Prinzen und der ! Prinzessin Franz Josef von Battenberg, von -'Mitgliedern beider Kammern, der Spitzen der ^Behörden sowie zahlreicher einheimischer und -ausländischer Vertreter von Kunst und Wissen« , schäft die feierliche Einweihung des neuerbauten .Landesmuseums statt.
, Rom, 27. Nov. Die Audienz des Kardinals ■ßopp beim Papst dauerte eine Halbs Stunde. !Der Kardinal äußerte sich sehr befriedigt über «ihren Verlauf. Er wird bis zum Konsistorium am 6. Dezember in Rom bleiben.
Genua, 27. Nov. Infolge der unerträglichen Zustände im Eisenbahnverkehr wurden heute in [ßienuu, Savona, Spezia, Livorno und Civita- -yecchia alle Arbeiten in den Häfen, den industriellen Etablisiements, Kontoren und Lagerräumen eingestellt. Nur Neapel scheint sich bis 'jetzt von dieser Bewegung ausschließen zu wollen. Doch genügt schon der Ausstand in Sa« ipona und in Genua, um den Transport von Rohmaterialien und Kohlen in den Jndustrie- ibezirken zu unterbinden. In Genua fehlen täg- 'lich 1200 Wagen, und die ausständige Handelswelt droht, zu schärferen Agitationsmitteln überzugehen, falls nicht Abhilfe geschaffen wird.
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;14 (Nachdruck verboten.),
Ueber alles d!e Kunst.
Roman von Clarifsa Lohde.
(Fortsetzung).
Alfred war sehr nachdenklich geworden, seit 1 er durch Marga in das gräfliche 5 ms eingeführt ! war und dort Verhältnisse kennet: gelernt hatte, 'die ihm vollständig fremd gewesen. Wie viel von dem Nimbus, den Vornehmheit und Reichtum für den Fernstehenden haben, war vor seinen Augen versunken! Wo war das Glück in'diesem Hause? Ein Glück des Augenblicks vielleicht, wenn man eben Genuß als ein Glück betrachten will, obgleich es doch wohl keines ist. Um aber das Glück dauernd an sich zu fesieln, unterliegen die Neichen und Vornehmen denselben Bedingungen wie die Armen. Auch sie müßen sich durch die Stürme des Lebens zum inneren Frieden, zur inneren Vollendung durchkämpfen.
Mit Bewunderung blickte er auf die Kranke, auf Susanne, die in ihrem Liebesdienst ganz äufzugehen schielt und ebenso wie die arme Mutter ein immer heiteres Gesicht zeigte. Beide hatten offenbar den Frieden, der aus dem Innern kommt. Wie weit war er noch entfernt davon! Wie stürmte es noch oft schmerzvoll in seiner Brust! Er liebte Marga und doch war es ihm, als schöbe sich etwas Fremdes zwischen ihn und sie, das ihr Bild ihm verschleierte. War er denn nervös geworden? Arbeitet er zu viel, wie Dkarga ihm oft mahnend vorhielt?
„Du vergräbst dich zu sehr in deinen Büchern, verlierst zu sehr die Gegenwart aus den Augen," hatte sie ihn während des letzten Alleinseins bei der Gräfin gescholten. „Das darf doch nicht sein! Wir sind nur einmal jung und die verlorenen Jugendtage lassen sich nie mehr zurückbringen. . Du erreichst dein Ziel auch, wenn du Arbeit mit Genuß abwechseln läßt. Die Gräfin liebt eine fröhliche Jugend und ich möchte nicht, daß sie dich lauaweilia finde."
Besserstellung der deutschen Unter» offiziere.
Die Heeresverwaltung hat jetzt begonnen, die im letztjährigen Heeresetat für die Besserstellung der Unteroffiziere ausgeworfenen Mittel zu verwenden und die im Etat ausgesprochenen Leitsätze in die Tat umzusetzen. Nach dem Etat sollte vom 1. Oktober 1906 ab die finan- zielle Aufbesserung der Unteroffiziere einsetzen. Es war vorgesehen, daß nach 9 Dienstjahren alle Unteroffiziere das Diensteinkommen des Vizefeldwebel, nach 5ya Jahren dasjenige eines Sergeanten erhalten, auch wenn zu diesem Zeitpunkte etatsmäßige Stellen nicht frei sind. Diese Zugeständnisse hat man erst nach langen Kämpfen gemacht, als man wahrnahm, daß der Ersatz an Kapitulanten immer geringer ausfiel und tüchttge Unteroffiziere vorzeitig ausschieden, um in anderen Berufen ein angemessenes Auskommen zu finden. Diese Aufbesserung genügt aber immer noch nicht, um ein dienstfreudiges Unteroffizierkorps zu schaffen. Der Sergeant, meistens ein Mann von 26—28 Jahren, erhält neben freier Station und Wohnung (die Stube teilt er mit drei, vier Kameraden) monatlich durchschnittlich 34 M Löhnung. Essen und Wohnung ist monatlich mit 40 JUL in Anschlag zu bringen, so daß er rund 75 <M als Entgelt erhält. Mit 34 M kann er, wenn er heiraten will, keine Familie erhalten, auch wenn er freie Kasernenwohnung erhält, l>te meistens nur aus Stube, Kammer und Küche besteht. Will er also heiraten, so muß er entweder eine Frau mit Geld heiraten oder den Dienst quittieren. Erhält er auch nut eine Stellung als Schutzmann, so steht er sich mit 120 M monatlich doch besser, namentlich, wenn er berücksichtigt, daß nach 12jähriger Dienstzeit er eine bedeutend besser dotierte Stellung auch nicht erhält. Aus diesem Grunde ist die Flucht der Unteroffiziere aus dem Militärdienst zu verstehen. Die Heeresverwaltung sieht diese Mängel auch ein, kann aber aus Mangel an Mitteln nicht helfen. Sie greift jetzt zu dem Auswege, daß sie die Verbesserung der Unterkunftsverhältnisse ins Auge gefaßt hat, aber auch dies dürfte nicht allzu viel helfen, wenn die Gehälter nicht steigen. Es sind in Aussicht genommen die Vermehrung und Vergrößerung der Familienwohnungen, die Unterbringung sämtlicher Unteroffiziere auf besonderen Stuben (nicht mehr in Verschlügen in den Mannschaftsstuben), die Vergrößerung der Unteroffizierspeiseanstalten und der Erhöhung der Gebühr an Feuerungsmaterialien für die Familienwohnungen. Dies alles ist gut, aber nicht genügend. Während man heutzutage für
„Das wäre nicht mein größter Kummer," hatte er lächelnd erwidert. „Wenn ich dir nut nicht langweilig werde, Marga!"
Sie hatte sich schmollend abgewandt.
„Vielleicht auch mir, wenn du fortfährst, ein so trübseliges Gesicht zu machen."
Da hatte er sie von rückwärts umfaßt und ihr Antlitz und Mund mit heißen Küssen bedeckt. „Du bist mein Leben, mein Glück, meine Zukunft," hatte er ihr zärtlich ins Ohr geflüstert. „Für dich, um dick zu besitzen, arbeite und ringe ich ja. Da darfst du nicht zürnen, darfst es nicht, sondern mußt mir helfend zur Seite stehen, mich ermutigen, wie es des liebenden Weibes Pflicht ist." —
„Pflicht? Verschone mich mit diesem Wort, Alfred, davon mag ich nichts hören. Zwischen Liebenden muß alles freiwillige Gabe sein. Wo die Pflicht anfängt, hört die Liebe auf."
„Um Gotteswillen, was für seltsame Ansichten! Haft du die von der Gräfin?"
„Ich habe sie aus mir selbst. Traust du mir denn keine eigenen Gedanken zu?"
„Gewiß, doch nur schöne und gute Gedanken und diese Gedanken waren nicht schön."
Sie hatte ihn zur Strafe mit dem Fächer auf den Mund geschlagen und war aus dem Zimmer geeilt, das die Gräfin ihr als Ateljer eingerichtet und wo sie dem Geliebten das von ihr begonnene Porträt gezeigt hatte.
Die Gräfin liebte es, während bis Gesellschaftstrubels Marga und Alfred solche stille Augenblicke des Alleinseins zu verschaffen, eine Liebenswürdigkeit, die ihr Marga um so mehr dankte, da sie sonst kaum Gelegenheit fand, Alfred allein zu sprechen.
Heute nun, bR der Heimkehr von der Mutter, wußte es Marga jedoch einzurichten, daß sie eine Strecke dem mit Elisabeth hinter ihm schreitenden Vater voraus und außer Hörweite kamen.
„Ich muß dich bitten, Alfred," sagte sie hart, ybaf? du über das Haus, in dem ich lebe, und über die Gräfin, der ich so viel Gutes verdanke, der Mama gegenüber nichts llebles sprichst. Es
die Arbeiter sich betreffs Besserstellung derselben in finanzieller Hinsicht, betreffs Unfallfürsorgevorschriften überbietet, tut man für das Unteroffizierkorps, auf dem die ganze Stärke des Heeres basiert, nur wenig und fördert damit die Unzufriedenheit in diesem immer mehr. Die Wünsche, die man in deutschen Unterofsizier- k^rps hegt, sind sehr bescheiden. Man will nicht Einführung achtstündiger Arbeitszeit, die jetzt bis 16 Stunden währt, man will nut Entlastung von gewissen Dienstzweigen, denen auch ein Gefreiter obliegen kann, sodaß der Unter« offizier für seine Weiterbildung 3 bis 4 Stunden täglich frei ist, dazu gehört das Führen einer Korporalschaft durch ältere Unteroffiziere, die dadurch den ganzen Tag beschäftigt werden. Man wünscht weiter auskömmliche freie Station (nicht aus Kaffee und Mittagessen, sondern auch Frühstück und Abendbrot, die jetzt von bet Löhnung bestritten werden müssen und so schon ein Drittel derselben aufzehren), man wünscht schließlich ein monatliches Gehalt von mindestens 30 <M. beim Unteroffizier, bis 100 JL beim etatsmäßigen Feldwebel, sodaß dem jungen Unteroffizier bei vollständiger freier Verpflegung täglich eine Mark zur Verfügung steht. Schließlich wäre es auch angebracht, statt der Familienwohnungen lieber Wohnungsentschä- digungen in ausreichender Weife zu zahlen für verheiratete Unteroffiziere, die dann außerhalb der Kaserne wohnen könnten. Erfüllt man diese Wünsche nur zur Hälfte, wird man nicht über abnehmende Dienstfreudigkeit und Mangel an Ersah mehr klagen hören.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. November.
— Seine Majestät der Kaiser begab sich gestern mittag 12 Uhr, wie aus Kiel gemeldet wird, vom Linienschiff „Deutschland" nach dem königlichen Schloß, wo er von dem Prinzen Heinrich empfangen wurde. Der Kaiser nahm hier die militärische Feier bet Einstellung bes Prinzen Sigismund von Preußen, des jüngsten Sohnes des Prinzen Heinrich von Preußen, als Offizier des 1. Garde-Regiments zu Fuß und Stellung desselben & la suite der Marine vor. Um 2 Uhr 30 Min. erfolgte die Abreise des Kaisers nach Berlin. Nach der Ankunft nahm der Kaiser an einem Diner beim Reichskanzler teil. Am heutigen Mittwoch früh trat der Kaiser seine Jagdreise nach Schlesien an.
— Bei bet gestrigen Landtagswahl im Wahlkreise Berlin 3 würben 2442 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Müller-Sagan (ftf. Vp.) 1117, auf Lebebour (Sozialdemokrat) 1112, auf Ulrich (konservativ) 211 Stimmen.
könnte mich ernstlich erzürnen, wenn es so weiter ginge."
Alfred machte «in erstauntes Eficht. Er verstand nicht gleich.
„Was meinst du?" fragte er auch ein wenig scharf.
„Du hast dich gegen die Mutter nicht sehr achtungsvoll gegen die Gräfin geäußert," fuhr sie hastig fort. „Wie kannst, wie darfst du das? Und über das Verhältnis der Tochter zur Mutter! Das sind intime Dinge, über die Freunde des Hauses schweigen sollen."
In Alfreds Stirn stieg es heiß. Diesen herrischen Ton hatte er bisher noch nicht von Marga gehört. Ich glaube im Gegenteil, daß deine Eltern ein volles Recht haben, über die Verhältnisse des Hauses, in dem ihre Tochter lebt, wahrheitsgetreu unterrichtet zu werden. Das zu tun, wäre eigentlich deine Pflicht gewesen. Uebrigens habe ich deiner Mutter nichts gesagt, was man nicht überall sagt und worüber die Gäste des Hauses sich öffentlich unterhalten."
„So, tun sie das?" fragte Marga aufhorchend. „Dann vergelten sie eben so schlecht wie du die gewährte Gastfreundschaft. Ich begreife übrigens nicht, was man zu reden hat. Ist es denn so wunderlich, wenn Mutter und Tochter sich nicht verstehen?"
„Wenn auch nicht wunderlich, so doch zum Glück etwas Seltenes, und ich meine, als Haus- genossin müßte dir der Grund nicht unbekannt fein, warum die allgemeine Stimme sich gegen die Mutter ausspricht."
„Was nennst du die allgemeine Stimme? Etwa die wenigen Künstler, die du dort getroffen? Denn von der Aristokratie, die die Gräfin um sich sieht, wird wohl keiner sich gerade gegen dich über die Verhältnisse des Hauses ausgesprochen haben."
„Allerdings nicht. Aber dennoch glaube ich aus einzelnen Steuerungen, die ich vernommen, doch schließen zu müssen, daß auch diese Gäste der Gräfin ähnlich denken, wie die anderen. Du darfst dich durch das chevalereske, zuvorkommende
Zwei Stimmen waren zersplittert. Die engere Wahl findet am 4. Dezember zwischen Müller- Sagan und Ledebour statt. Der Freisinn ist als« vollständig auf die konservative Wahlhilfe angewiesen und wird sie zweifellos auch erhalten — ohne natürlich auf Dank zu rechnen.
— In der Debatte über das persönliche Regiment wendet sich jetzt auch das führende Blatt der konservativen Partei gegen die Heranziehung der Schule und der Schüler zur Mitwirkung bei Akten der dekorativen Politik. Di« „Kreuzzeitung" schreibt dazu: „Wir sprach:« wiederholt von scheinbar unpolitischen Mißgriffen, die leicht vermieden werden könnten, die aber in ihrer häufigen Wiederkehr auch die politische Stimmung ungünstig beeinflussen. So kleinlich es erscheinen mag, wir müssen doch auf eine solche verstimmende Maßregel aus dieser Woche als auf ein bezeichnendes Beispiel Hinweisen. Zur feierlichen Einholung des Königs von Dänemark, dem auch wir einen überzeugenden Eindruck von der freudigen Teilnahme der Bevölkerung an feinem sehr willkommenen Besuche unseres Hofes von Herzen wünschten, sind zahlreiche Schulkinder zur Spalierbildung herangezogen worden. Das Novemberwetter hat es mit den Kindern noch gut gemeint, worauf aber vorher nicht mit Sicherheit zu rechnen war. Man kennt die Freude des Kaisers an der Jugend, man weiß, wie gern er den Kindern ein Vergnügen macht, und da er sie bei allen Reisen in Scharen herbeieilen steht, ihm zuzujubeln und die Pracht der Uniformen, der Wagen und Pferde zu bewundern, hat er gewiß auch jetzt nur daran gedacht, die Berliner Schulkinder zu erfreuen. War denn aber niemand da, der dem Kaiser zu sagen wagte, daß ein solches höfisches Fest kein geeigneter Anlaß sei, um den Schulunterricht zwischen Sonntag und Bußtag zu unterbrechen? Wenn ein solcher Ferientag nur einmal im Jahre gewährt würde, brauchte man kein Wort darüber zu verlieren. Aber die Berliner Schulen werden auch an den beiden Paradetagen geschlossen, und wenn die Paraden wegen ungünstigen Wetters verschoben werden, wiederholen sich die Paradeferien. Der Widerspruch in der Presse gegen diese Aeußerung eines „persönlichen Regimentes" in Angelegenheiten der Schulverwaltung sollte nicht ignoriert werden. Viele solcher kleiner Ursachen haben schließlich eine große Wirkung."
— Ein außerordentlicher Gewerkschaftskongreß soll, wie in der sozialdemokratischen Press« mitgeteilt wird, dem nächst von der General- kommission einberufen werden. Der Zweck dieser Tagung ist die Stellungnahme der organisierten Arbeiter zu dem Gesetzentwurf betreffend
Wesen der Herren nicht täuschen lassen. Sie meinen es nicht immer so. wie sie sprechen. Und überdies, was gehfs denn auch die meisten an? So lange sie ihre Unterhaltung und eine gute Aufnahme bei der Gräfin finden, fragen sie nach weiter nichts."
„Das sollst du auch tun."
Er blieb stehen und blickte ihr ernst ins Auge. „Nein, das darf, das werde ich nicht tun, weil du dort weilst, Marga, und weil ich dich liebe, deshalb darf und will ich kein Auge zudrücken, sondern meine Augen recht offen halten, eben aus Liebe zu dir."
„Eine Liebe, die zur Aufpasserin wird, kann leicht unbequem werden," entgegnete sie mit trotzig aufgeworfenen Lippen und blieb stehen, die'Nachkommenden zu erwarten. Auch Alfred schwieg jetzt. Es war das erste Mal, daß sie, ohne sich versöhnt zu haben, auseinandergingen.
VIII.
Der Winter war gekommen, mit ihm Daran Nemethy und der junge Graf Kaminski, die nun hier in Berlin Wohnung nahmen.
Die Gräfin hielt jetzt ein offenes Haus. Eine Gesellschaft jagte die andere. Diners, Routs, Bälle — man kam gar nicht mehr zur Besinnung. Marga mußte sich die Stunde fast abstehlen, um das Porträt der Gräfin tu vollenden. Endlich war es ihr auch gelungen, die Erlaubnis zu erhalten, die Komteß zu malen. Eiielas ernster Mädchenkopf interessierte die Künstlerin lebhaft. Gerade diese beiden so entgegengesetzten Bildnisse auszustellen, die dennoch als Mutter und Tochter einige Aehnlichkeit besaßen, erschien ihr von Wert.
Die junge Komteß unterwarf sich de« Sitzungen, die man von ihr wünschte, mit derselben gleichgültigen Ergebung, wie es bei allem der Fall war, was man in gesellschaftlicher Beziehung von ihr verlangte. Aber auch während der Sitzungen blieb sie für Marga die Fremde, die sich im Gegensatz zu ihrer Mutter in vornehmer Zurückhaltung verfloß.
^•stttekuna folgst! i