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MchM Mimg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
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276 <, allen Postämtern 2^2o Mr. ^ct. Bestellgeld). “ Druck imd Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchbruckerei 41,
<2,IV ZnserttonSgebuhr-.d,e gespalten- Zeüeoder deren Raum 15 Pfg. gomtfAfi 95. November 1906. Marburg, Markt 21. - Telephon 55. °
Neclanien: die Zeile 80 Pfg. wiunuy,
Erstes Blatt.
i Das Avoaneweut
Ulf die „Oberhessifche Zeitung", das grstzte, meistgelesenste «nd weitverbreitetste Blatt Marburgs «nd per Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.
Ein russisches Urteil über das , Ostseegebiet.
Einer in der Zeitung „Russk. Samlja" ab- gedruckien Korrespondenz eines nationalen Russen, der sich als „ein Wachsamer" unterzeichnet, entnehmen wir beherzigenswerte Auslassungen und Beurteilungeil. Er schreibt unter .anderem:
Ich Habs schon seit vielen Jahren Gelegenheit gehabt, von Zeit zu Zeit unsere reiche, auf hoher Kultur stehende, arbeitsame Grenzmark zu besuchen, durch welche wir ein weit geöffnetes Fenster für unsereHandelsverbindungen mitdem Westen Europas über die Häfen von Libau, Riga und Reval unterhalten. In letzter Zeit ihat sich hierbei der Hafen von Libau, weil er 'nie zufriert und infolgedessen von ihm aus eine 'große Menge Getreide auch im Winter ins jAusland verschifft wird, hervorgetan. Ich erinnere mich dieses Gebiets, wie es dort vor 15 Jahren aussah. Es war ein Land der Ordnung, der Ruhe und Arbeit bei allgemeinem Wolst- !sian.de aller Volksschichten, auch der Letten, 'welche man jetzt als arme, von den Deutschen geknechtete landlose Arbeiter zu bezeichnen pflegt. Wenn man früher in die Ostseeprovinzen reiste, glaubte man sich in einen anderen Staat versetzt zu sehen,' überall gut kultivierte Felder, gut genährtes Rindvieh, schön gebaute Gutsgebäude, auch dis Baulichkeiten der Bauern ■ — Letten in bester Ordnung.. Bei den letzteren -herrschte Ordnung und Reinlichkeit und sie waren satt und zufrieden, was sich auch im gesunken Aussehen und dem hohen Wüchse der östlichen Bevölkerung kundgab. Fuhr man in die Stadt, so sah man, wie auch da überall Leben und Arbeit und gute Ordnung herrschte. Und bei solchem Anblick der Ordnuilg innerhalb der Grenzen des russischen Reiches, welches dadurch bekannt, „daß es ein Land groß und reich ist, aber daß daselbst keine Ordnung herrscht", ruhte sich unsere Seele aus. Besuchte man die Hafenstädte Riga, Reval und Libau, so fiel einem wieder die überall daselbst herrschende Reinlichkeit, Ordnung, Wohleinrichtung und Tätigkeit auf. So sah es vor ca. 15 Jahren in unserem baltischen Gebiet aus, als es unter deutscher
11 (Nachdruck verboten.)
lieber alles die Kunst.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung).
„Aus dir spricht der Philister," sagte Marga unmutig, „der sich in der größeren Freiheit, in reicheren Verhältnisien nicht wohl zu fühlen vermag, weil er nicht daran gewöhnt ist." Alfred antwortete nicht, eine Weile herrschte Schweigen. Dann begann Marga von neuem: „Laß uns Frieden schließen, Alfred, die Minuten unseres Beisammenseins sind ja gezählt."
„Ich hoffe, du kommst bald einmal zu der Mutter heräus oder zu uns. Da sprichts sich doch jedenfalls angenehmer und freier noch als hier, die gräfliche Equipage im Rücken."
„Wenn ich kann, gewiß. Aber in den nächsten Tagen wird meine Zeit sehr in Anspruch genommen sein. Die Gräfin hat so viel vor während der Anwesenheit des Barons und seines Neffen und dabei darf ich nicht fehlen."
„Weißt du, daß mir dieser Baron Nemethy geradezu unheimlich vorkommt?"
„Unheimlich?" Sie lächelte gezwungen. „Aus dem Hause der Gräfin scheint sich wirklich niemand deines Beifalles zu erfreuen."
„Dieser Baron wohl am wenigsten. In seinen Augen liegt ein Ausdruck, der mich geradezu abstößt. Ich könnte mir einbilden, daß ihm etwas auf dem Gewißen lastet, irgend eine Tat, die das Licht scheuen muß."
„Phantast!" rief sie. „Der Baron ist ein interessanter Mann, ein Mann, der etwas erlebt hat."
„Mehr jedenfalls, als du ahnst, Marga. Ich bitte dich, nimm dich vor ihm in acht!"
„Bist du etwa eifersüchtig?"
„Auf Baron Nemethy? Nein! Aber mir ist, als ob feine Annäherung allein schon ein reines Weih beflecken könnte,"
Administration und ihren örtlichen Gesetzen und bereit strenger Handhabung stand. Mögen auch diese Gesetze, vom Standpunkte der derzeitigen welken russischen Intelligenz betrachtet, bisweilen als nicht human genug und deren Handhabung als etwas zu streng erschienen sein,, so war doch das Ostseegebiet unter ihrer Aegide ein Land der Kultur, der Ordnung, der Ruhe und des Wohlstandes. Aber darauf erschienen wir Rusten mit unserer Kultur, mit unseren Prinzipien ergötzlicher russischer Freiheit, Humanität und Ordnung, führten unsere kanzlei- artige Russifizierung in dieses Gebiet ein und mit ihr unser „Auf gut Glück — und sei nicht bange!" Vor allem führten wir unser humanes Gericht ein.--Unsere Gerichte zeigten sich
allen gegenüber gnädig und barmherzig uno wir begannen unverzüglich, die eine Hälfte der Bösewichter in alle vier Windrichtungen mit größter Nachsicht zu entlasten und die andere Hälfte unseren humanen Strafen, welche im Vergleich zu den früheren — vielen als ein Scherz erschienen, — zu unterziehen. Wir führten hier unsere ordnungslose russische Schule ein. Man schickte hierher nach und nach als Lehrer: Seminaristen und solches „Unkraut", das sich russischer Beamter und Intelligenter nennt. Es waren dies in überwiegender Mehrzahl Leute, die mit Diplomen der höchsten Lehranstalten versehen, aber unerzogen, und schon vom herrschenden russischen Zeitgeiste infiziert waren — nämlich Ko mopolitismus, Gottlosigkeit, llnzusriedenheit mit dem eigenen Lose und damit unzertrennlich verbunden Streben, ihre Theorien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verwirklichen. - Diese Leute, die selbst nut „irgendwas und irgendwie" gelernt hatten, dabei völlig undiszipliniert und unerzogen, was konnten die dem baltischen Schulleben bieten, wo bisher Zucht und Ordnung geherrscht und vor allem eine religiöse Grundlage und Achtung vor den Eltern, vor dem Altar, der Obrigkeit, dem Gesetze gelehrt worden war? Selbstverständlich konnten sie nur alles, was in der alten Schule Festes und Gutes gewesen, paralysieren und zerstören. Und sie vollfLhrten ihr Zerstörungswerk vollkommen, wie wir dessen jetzt Augenzeugen sind. Ich will hier nicht weiter erörtern, wie und auf welchem Wege die „Russisfizierung" des Publikums betrieben worden, sondern mich nur aus den Hinweis beschränken, wohin eine 15jährige uferlose russische Wirtschaft das einst blühende Gebiet der Ord- nund, Arbeit und Ruhe geführt hat! Es möge genügen, hier der an einem einzigen Tage in Libau allein stattgehabten 4 schweren Verbrechen von Raub und Mord zu erwähnen. Es ist kein Wunder, wenn jeder nur etwas vermögende Mensch daran denkt, sobald als möglich sein Geschäft zu liquidieren. Die Bevölkerung befindet sich vollständig unter dem Drück eines solchen Terrors und jeder der aus seinem Hause auf die Straße geht, ist oesten nicht sicher, ob er auch unversehrt heimkehren werde. Auf den Straßen schlendern halbwüchsige Jünglinge mit frecher Hooligan-Physiognomie umher, sammeln sich zu
Marga sah den Geliebten ganz erstaunt an. Wie et ihr nut in diesem Augenblick vorkam, so gar nicht zugehörig zu der Welt, in der sie jetzt lebte, sich heimisch zu machen suchte! Welche seltsame Vorurteile, welche Kleinbürgerlichkeit! Um so bester daher/ wenn er sich in dem Hause der Gräfin etwas freier bewegen, freier denken lernte.
Die Droschke hielt vor der Gedächtniskirche. Der Gottesdienst nahte sich seinem Ende. Der Baron und Graf Kaminski stiegen aus. Sie wollten den Augenblick noch benutzen und das Innere der Kirche sehen. Alfred geleitete sie, während die Damen im Wagen blieben. Nach wenigen Minuten schon kehrten die Herren inmitten des Schwarmes der aus der Kirche strömenden Andächtigen zu dem Wagen zurück. Alfred sprach noch mit einer Dame, sie grüßte zu Marga herüber, ohne jedoch an sie heranzutreten. Es wat Elisabeth.
„Warum kam sie nicht zu mit heran?" fragte Marga, als Alfred wieder neben ihr im Wagen saß.
„Wie konnte sie? Sie hätte sich doch dann der Gräfin vorstellen lasten müsten."
„Das hätte ja geschehen können."
„Nein, nein,“ versetzte er, „es ist bester so. Eine Gräfin und eine Volksschullehrerin passen nicht zusammen."
Marga antwortete nicht. Im Grunde mußte sie Alfred ja recht geben, seine Schwester paßte nicht in diese Kreise. Damit wurde sie sich aber von neuem bewußt, daß sie selbst mit dem Schritt, den sie getan, den Kreisen, in denen sie ausgewachsen, sich entfremdet, daß sie auch nicht mehr in dieselben passen würde, wenn sie erst, wie sie es ersehnte, eine große Künstlerin geworden.
Und er, Alfred?
Sie warf einen forschenden Blick auf ihn, wurde er mit ihr Schritt halten können? Denn
Haufen und rempeln die Einzelpastanten an. Dem Ansehen nach sind es alles Zöglinge der ersten Klassen der örtlichen Lehranstalten — Früchte der Aufklärung der jetzt vollständig russisizierten örtlichen Schule.... Das alles sind die Resultate einet falschen russischen Humanität bezüglich der Verwaltung dieses Gebietes. In 15 Iahten einer bureaukratischen Russifizierung des baltischen Gebiets haben wir in der Tat unseren Zweck erreicht, indem wir ein Gebiet der Ordnung und Ruhe in ein Gebiet russischer Unordnung und Unruhe verwandelt haben, wie sich das in dem doch jetzt herrschenden Chaos zeigt. Wenn man alles, was jetzt dort vor sich geht, in Betracht zieht und sein eigenes Gewissen fragt, so kommt man unwillkürlich zu dem Schluß, daß es unumgänglich geboten erscheint, aufs neue dieses Gebiet durch zuverlässige landeseingesessene Personen, wo sie auch sein mögen, verwalten zu lasten und ihnen die dazu unumgänglich erforderlichen Rechte und Vollmachten zu erteilen, ohne welche ein Leben daselbst zur Unmöglichkeit wird, andernfalls aber dieses Gebiet, das einst blühte und in hoher Kultur stand, mit raschen Schritten seinem völligen Verfall und totaler Verwilderung entgegengeht.
Umschau.
Eine neue Berufszählung.
Eine neue Berufszählung in Deutschland soll im Jahre 1907, wahrscheinlich im Juni, stattsinden. Anfangs war geplant, sie schon im Jahre 1905 zu veranstalten, man kam aber damals davon ab, weil am 1. Dezember 1905 eine Volkszählung bevorstand und man meinte, das doppelte Riesenmaterial nicht bewältigen zu können. Nun hat der Reichskanzler dem Bundesrat eine Vorlage gemacht und diese ist am 18. Oktober an die Ausschüsse überwiesen worden. Dir durch die Erhebungsformulare und durch die Bearbeitung des Urmaterials erwachsenden Kosten trägt das Reich. Die Fragen dürfen sich, abgesehen von dem Personen- und Familienstand, nur auf die Berufsverhältniste und auf die sonstige regelmäßige Erwerbstätigkeit beziehen. Jedes Eindringen in die Vermögens- und Eiiikommensverhältniste ist ausgeschlosten. In der Begründung der Vorlage ist ausgeführt, daß der Entwicklungsgang, ben bie deutsche Volkswirtschaft in dem letzten Jahrzehnt genommen bat, die Annahme recht- fertige, daß seit der Berufs- und Cewerbezäh- iung vom Jahre 1895 in der Erwerbstätigkeit der Neichsbevölkerung wesentliche Verschiebungen stattgefunden haben. Im Interesse der Gesetzgebung und Verwaltung müsse deshalb auf eine Wiederholung der Zählung Bedacht genommen werden. Für alle auf diesem Gebiete zu lösenden Aufgaben sei die genaue Kenntnis der Veränderungen in den Erwerbs- und Ve- rufsverhältnisten der Bevölkerung so notwendig, daß die Beschaffung neuer zuverlässiger Zahlen- nachweise über die Gestaltung unseres Erwerbs-
das fühlte sie, wieder herabzusteigen, und wäre es auch um seinetwillen, das wäre eine Unmöglichkeit für sie, das wollte, das konnte sie nicht mehr. Es kam also auf ihn an, ganz allein auf ihn, ob sie ihm Treue halten könne oder nicht. Dieser Schluß, zu dem sie gekommen, befriedigte ihr Gewissen vollständig. Was auch geschehen würde, sie absolvierte sich schon immer im voraus.
Man fuhr nun noch durch die um die Kirche sich reihenden Straßen des Westens und kehrte dann zu der Villa zurück, wo ein Imbiß auf der Terrasse serviert wurde.
„Wahrhaftig, ich bin überrascht," wandte sich "Baron Nemethy artig zu Alfred, „Berlin ist, seitdem ich es nicht gesehen, das werden allerdings fast zwanzig Jahre (ein, kaum wieder zu erkennen. Es ist eine Großstadt geworden, die Paris nachzueifern strebt."
„Die Paris vielleicht schon erreicht hat," meinte Alfred, für sein Vaterland und seine Vaterstadt eintretend.
Der Baron lächelte fein.
„Paris? Nein, mein junger Herr, das erreicht sich nicht so leicht, das behält seine alte Tradition und seine ewig neue Anziehungskraft. Zu leben versteht man nur in Paris!"
Alfred dachte: Gott sei gedankt, daß man in Berlin noch nicht so zu leben versteht, wie in Paris, hielt es jedoch für besser, sich mit diesem vornehmen Fremden in keine Diskussion einzu- laisen.
„Wir haben nicht so alte Monumente wie Paris," entgegnete er, „und nicht die Fülle der Kunstschätze, die sich dort im Lause der Jahrhunderte angehäuft haben."
„Und noch vieles andere nicht," fiel der Baron mit einem überlegenen Lächeln ein. „Sind Sie schon in Pari» gewesen, Herr Berger?."
lebens einen Aufschub nicht verträgt. E» komme namentlich auch in Betracht, daß für di« zum 31. Dezember 1910 zu bewirkende Prüfung der Zulänglichkeit der Beiträge zur Invaliden« Versicherung berufsstatistische Erhebungen erfor« derlich sind, aus denen die bisher nur schätzungsweise ermittelte Zahl der invalidenversiche« rungspflichiigen Personen durch Zählung feft< gestellt werden könne, und daß auch für die Regelung der Witwen- und Waisenfürsorge statistische Unterlagen vorhanden sein müssen. 6» wäre zu wünschen, daß die Berufszählung eine ständige Einrichtung wird, wie die Volkszäh« lung, wenn die einzelnen Zählungen sich auch in größeren Abständen, etwa nur alle zehn oder zwölf Jahre, zu folgen brauchten.
Ausland.
Britisch - Südafrika. Das Parlament von Natal wird den Antrag einbringen, eine Konferenz zur Herbeiführung einer Föderation zwischen Natal und Transvaal einzuberufen, Man glaubt, daß die Gelegenheit dazu günstig ist. Die holländische Bevölkerung soll bereit (ein, die Bewegung zu unterstützen, und man hat auf einer Privatkonferenz bereits einige Punkte, wie z. B. die Politik ben Eingeborenen gegenüber, die Eisenbahnverwaltung, die Landesverteidigung und bie Volksvertretung et« örtert. Die JL’anbesnerteibigung soll gemeinsam organisiert sein. Die Farbigen würden kein Stimmrecht erhalten und bie bestehenden Bestimmungen über bie Eingeborenen hätten für eine bestimmte Periobe in Kraft zu bleiben. Es werben neutrale Zonen eingerichtet werden, die eine gleiche Steuer zu zahlen hätten. Di« Delagoa-Bai würde dazu gehören. (Die gehört aber doch vorläufig noch den Portugiesen!) Der ganze Plan soll später dem Parlament vorgelegt werden.
Japan. Das japanische Kriegsministerium hat das neue Heeresbudget fertiggestellt. Es werden 95 300 000 Yen gefordert werden, nämlich 46 000 000 für außerordentliche u. 49 300 000 Pen für außerordentliche Ausgaben. Die ordentlichen Ausgaben sind gegen das lausende Jahr um 1 Million gestiegen. Die außerordentlichen setzen sich aus folgenden Summen zusammen: 20 Millionen Pen für bie 4 Divisionen in Korea und ber Manbschurei, 25 Millionei für bie Wieberherstellung bes Kriegsmaterials, 700 000 9)en für bie Unterbringung ber Garni-' fonen von Sachalin und anbere militärische Einrichtungen in dem neuen Besitz, und endlich 3 600 000 Pen für die Herabsetzung der Dienst-^ zeit von drei Jahren auf zwei. Aus dem neuen Budget geht ferner hervor, daß das Kriegsministerium sich entschlossen hat, die koreanischen und mandschurischen Divisonen, nämlich die 13., 14., 15. und 16., durch gemischte zu ersetzen, welche aus Abgaben sämtlicher übrigen Divisionen gebildet werden sollen. Das dürfte der Anfang zu einer weiteren Erhöhung der Friedensstärke um 4 Divisionen sein. Die koreanischen und mandschurischen Divisionen
„Nein, noch nicht. Doch hoffe ich dort in nicht zu ferner Zeit meines Studiums halber, für einige Wochen Aufenthalt zu nehmen." <
„Ah, dann haben Sie ja auch noch gar kein Urteil darüber. Leben Sie erst einige Monats in Paris und Sie werden den Zauber dieser Weltstadt kennen lernen. Nicht wahr, Stanislaus, wir kennen ihn?"
Dabei wechselte er einen raschen Blick mit dem jungen Polen, der Alfred das Blut in bie Wangen jagte. Er verstaub, was bie Blicke der beiden sagen wollten, und sah sich nach Marga um, ob sie vielleicht auch verstanden hätte. Aber sie plauderte unbefangen mit der Gräfin. Nur ein Blick von Komteß Gisela streifte ihn und ihm war es, als zuckte es wie Verachtung um ihre Lippen. Sollte das eben erst erwachsene junge Mädchen etwa schon wissen, was dieser so rasch gewechselte Männerblick zu bedeuten hatte?
Armes Kind! Wenn sie es wußte, litt sie darunter. Das sagte ihm der schwermütige Ausdruck ihrer Augen. Er konnte ein gewißes Unbehagen nicht mehr los werden und erst als er zu Hause bei seiner Schwester in dem traulich einfachen Stübchen saß, atmete er erleichtert auf.
Auf Elisabeths Frage, ob es ihm bei ber Gräfin gefallen habe, antwortete er mit einem Kopfschütteln:
„Nein, es hat mir dort nicht gefallen, bie' ganze Atmosphäre beijagt mir nicht, ober um Margas willen werde ich dort wieder hingehen. Cie bedarf dort vielleicht eines Schutzes in ihrer Unbefangenheit."
„Unbefangenheit," dachte Elisabeth. Stein, Marga war nicht unbefangen. Sie war mit offenen Augen in jenes Haus gegangen unb; hatte gewußt, was dort ihrer wartete, aber' sollte sie Alfred den Glauben an Marga nehmen? Stein, besser war es, sie schwieg.
(Fortsetzung folgt.)