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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntaasbeilaae: Allustrtrtes SonutaäSblM

Jil 275

Bicrteljährlicher Bezugspreis; bet sei Expedition 2 MH, . bet allen Postämtern 2,25 Mk. ;e$cL Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Neclamcn: die Zeile 80 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 24. November 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag: Joh. Lug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerek Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41» Jahrg.

Zweites Blatt.

Lage des deutschen Arbeitsmarktes.

! Die Zunahme des Andranges am Arbeits­markt, die der Monat Oktober in jedem Jahre bringt, blieb auch im laufenden Jahre nicht aus; sie war sogar etwas stärker als 1905, und zwar erklärt sich dies daraus, daß einmal der Monat September eine ganz seltene Gunst des Arbeitsmarktes aufwies, deshalb auch eine stär­kere Reaktion erklärlich ist, sodann der mit dem Beginn des Oktober gewöhnlich einsetzende Ab­strom der landwirtschaftlichen Arbeiter und Reservisten in Gewerbe und Handel diesmal in Anbetracht der günstigen Lage des gewerblichen Arbeitsmarktes besonders groß war. Daß aber trotz dieser Abschwächung die Gunst des Arbeits- marktes noch immer groß war, geht daraus her­vor, daß die Zahl der offenen Stellen bei 94 Arbeitsnachweisen um 20 000 größer war, als im Oktober 1905, damit aber die Arbeitsgelegen­heit, an der Zahl der offenen Stellen gemessen, um 23 Prozent um die vorjährige hinausging. Das Angebot von Arbeitskräften hat nur rund um 11000 zugenommen. So hat das laufende Jahr noch immer einen bedeutenden Vorsprung vor dem Jahre 1905 und erst recht vor früheren Jahren. Auf 100 offene Stellen kamen näm­lich an den öffentlichen Arbeitsnachweisen int Oktober 1906 108,2 Arbeitsuchende gegen 119,6 im Vergleichsmonat 1905. Die diesjährige Septemberzahl war 87,9. Am weiblichen Ar- deitsmarkt spitzen sich die Verhältnisse immer zu. Die lebhafte allgemeine Klage über die Dienstbotennot findet in der Bewegung von Angebot und Nachfrage am gewerblichen Ar- heitsmarkt ihre Bestätigung. Die Arbeitsge­legenheit für weibliche Arbeiter hat in diesem Jahre so bedeutend zugenommen, daß der Be­darf immer weniger zu decken ist. Im Oktober blieb das Angebot um 13,6 Prozent hinter der Nachfrage zurück, was eine Spannung bedeutet, wie sie noch nie ein Oktober aufwies. Für den Männlichen Nrbeitsmarkt war die Knappheit an Berg- und Eiscnarbeitern bezeichnend. Ganz besonders stark war der Bedarf der Eisenindu­strie, von den großen Betrieben der ! .'oheisen- iindustrie angefangen bis hinunter zu den Werk­stätten der Kleinindustrie. Im Verlauf der letzten Monate ist eine Anzahl neuer Hochöfen iin Betrieb genommen worden, um der Knapp­heit an Roheisen zu steuern, was gleichfalls Neueinstellungen bedingte. Auch in der Halb- zeugindnstrie, im Maschinenbau und in der 'Kleineisenindustrie bildete der Arbeitermangel den Anlaß zu lebhafter Klage. Ungelernte Ar­beiter wären wohl angesichts der günstigen Ver- bienstchance gerade int Eisengewerbe zu bekom­men gewesen, aber an geübten tüchtigen Ar-

Wissenschaft, Kunst und Leben.

Das Wesen des Byzantinismus von Graf Reventlow.

Das Beispiel für einen solchen modernen Herrscher gibt Kaiser Wilhelm I. Bismarck sagt in denGedanken und Erinnerungen" von ihm:Niemand hätte gewagt, ihm eine platte Schmeichelei zu sagen. In dem Gefühl könig- sicher Würde würde er gedacht haben:Wenn seiner das Recht hätte, mich ins Gesicht zu loben, so hätte er auch das Recht, mich ins Gesicht zu stadeln." Beides gab er nicht zu." Vielleicht ließe sich noch hinzufügen, daß auch die Ein­fachheit und Klarheit seines Wesens, diekönig­liche Vornehmheit", wie Bismarck an anderer Stelle sagt, byzantinische Annäherung ausschloß. Er war ein Charakter im höchsten Sinne des Worts, von allen Eigenschaften frei, welche seine hochausgebildete Menschenkenntnis hätten ver­dunkeln können und so konnte die Charakter­losigkeit keine Brücke zu ihm hinüberschlagen. Menn man nun trotzdem sagen muß, daß die «für den Byzantinismus grundlegende Eigen­schaft der Bedientengesinnung auch damals int Deutschen Reich keineswegs fehlte, es auch nicht an immerwährenden Versuchen fehlen ließ, auf Männliche und weibliche Personen des könig­lichen Hauses und einflußreiche Persönlichkeiten zu wirken, so läßt sich daraus nur die Bestätig­ung unserer Voraussetzung entnehmen, daß der byzantinische Bazillus in unserer Zeit wohl durch eine empfängliche Persönlichkeit auf deut Throne, die Bedingung zu verderblicher Aus­breitung findet, nicht aber dort seinen ursprüng­lichen Sitz hat. Mag der Monarch auch noch so Unempfänglich sein, so verfügt er doch nicht über die Mittel, seine Person immer direkt wirken tzu lasten. Dazu ist ein moderner Körper wie jber preußische Staat oder das Deutsche Reich zu tzroß, zu kompliziert und zu künstlich aufgebaut. Er hat die Form einer Pyramide und in der strengen Scheidung des Niedrigen und Höheren liegt eo ipso ein byzantinischer Charakter, der

beitskräften fehlte es durchweg. Es gab im Be­richtsmonat keine größere Stadt, in der nicht Mangel an Schlößern, Schmieden, Formern, Drehern ufw. bestand. Dabei ist es auch be­merkenswert, daß das Angebot von Lehrlingen vielfach als unzureichend bezeichnet wird; es dürfte nicht fernliegen, daß angesichts der Kappheit an erwachsenen Arbeitern wieder in größerem Umfange zur Lehrlingshaltung ge­schritten wird. Neben den schweren Industrien litt vornehmlich das Bekleidungsgewerbe unter empfindlichen Arbeitermangel. Die starke Nach­frage nach Arbeitskräften int Oktober ist zwar zumeist noch weniger auf tatsächlichen Bedarf zurückzuführen, da die Saison erst langsam be­gann, als auf die Erfahrungen int letzten Früh­jahr, wo die Knappheit an Schneidern weite Kreise des Bekleidungsgewerbes betroffen hatte. Ueberstundenarbeit in größerem Umfange wie im Bergbau und Eisengewerbe war demnach hier noch nicht erforderlich. Die Rückwirrung der allgemein lebhaften Tätigkeit in Industrie und Handwerk auf das Verkehrsgewerbe war auch int Oktober äußerst günstig. Soweit noch Streiks eine geregelte Tätigkeit unterbau' en, waren die in Stellung befindlichen Arbeiter vollauf in Anspruch genommen. Für Hafen-, Kai-, Speicher- und Lagerhausarbeiter war so umfangreiche Arbeitsgelegenheit vorhanden, daß der Bedarf nicht gedeckt werden konnte. Während die Bautätigkeit in früheren Jahren im Oktober schon vielfach unter der Witterung zu leiden hatte, wurde sie in diesem Jahre vom Wetter außerordentlich begünstigt. Diese Tat­sache glich denn auch den ungünstigen Einfluß, den die Spannung am Geldmarkt auszuüben drohte, fast vollständig wieder aus.

Marburg und Umgrgend.

(Nachdruck aller Origmalartilel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberhefl. Zig." gestaltet)

ÜSjetfeurn, 23. Novbr.

* 90 Jahre sind seit der Einführung des Totenfestes als feststehende Einrichtung der evangelische Kirche verfloßen., Durch Kabinetts­ordre vom 17. November 1816 führte Friedrich Wilhelm III. das Totenfest in Preußen ein. Durch die ungeheuren Menschenopfer, die der Krieg mit Napoleon I. 1813 gefordert hatte, wurde in diesem Jahre eine allgemeine Gedächt­nisfeier für dieVerstorbenen in den evangelischen Kirchen des preußischen Staates angeordnet und diese Feier in den beiden folgenden Jahren wiederholt. Da diese Gedächtnisfeier für die Verstorbenen allgemeinen Anklang fand, so machte sich der Wunsch nach einer dauernden Einführung geltend. Nachdem sich die kirchlichen Behörden ebenfalls in einem bejahenden Sinne geäußert hatten, führte Friedrich Wilhelm III. das Totenfest für ganz Preußen dauernd durch

nur dann vermieden werden könnte, wenn die Vertreter aller einzelnen zur Spitze emporfüh- renden Stufen von Eitelkeit, Streberei und Lüge völlig freie Charaktere wären. Je klarer andererseits der die Spitze darstellende Monarch sieht, in desto höherem Grade wird er, allein durch sein Wesen schon, gegen den Byzantinis­mus wirken. Wie ungeheuer dieser Einfluß sein kann, davon hat uns Wilhelm i. durch fein Verhältnis zu Bismarck ein unvergängliches Beispiel gegeben. Bismarck, Moltke und Roon waren Ratgeber in dem Sinne, wie Macchia- velli sie für notwendig hält. Ilebrigsns kann ja selbstverständlich ein Vergleich mit seinen Anforderungen nur mutatis mutandis gelten. Denn die Verhältnisse sind insofern anders ge­worden, als Macchiavelli im wesentlichen nur die der damaligen Kleinstaaten in Italien im Auge hat und sein Fürst sich lediglich durch denkbar absolutes Regiment zu halten vermag.

Heute ist vor allem die Verfasiung vorhan­den; die Größe des Reichs macht eine unendlich viel weitergehende Arbeitsteilung nötig und auch der bedeutendste Monarch kann de facto, d. h. wenn er im Sinne der allgemeinen Wohl­fahrt handelt, nicht der Mitwirkung von Män­nern entbehren, die als Ratgeber auch die Initiative ergreifen, welche Macchiavelli ver­wirft. Diese Initiative gehört jetzt vielmehr zu den selbstverständlichen Pflichten des Ratgebers und wenn er sie aus Besorgnis um seine Stel­lung oder die Gunst des Herrschers nicht er­greift, dann muß er unter die Leute gerechnet werden, von denen Friedrich der Große sagt, daß sie den Fürsten feindlich genug gesinnt seien, ihnen die Wahrheit zu verhüllen.

Daß Bismarck, ganz abgesehen von seiner staatsmännischen Genialität, ein idealer Be­rater seines Fürsten war, ist bekannt genug. Ich kann mich aber nicht enthalten, den Schluß- pasius des schönen 32. Kapitels derGedanken und Erinnerungen" hierherzusetzen:

Diese Beziehungen und meine Anhänglich­keit hatten ihre prinzipielle Begründung in einem überzeugungstreuen Royalismus: Aber

die Kabinettsordre vorn 17. November 1816 ein. Der dem Andenken der Verstorbenen geweihte Totenfestsonntag beschließt das Kirchenjahr; et fällt diesmal auf den 25. November. Das Totenfest der evangelischen Kirche entspricht etwa dem katholischen Allerseelentage.

* Der Aerztetag 1907 wird in der zweiten Hälfte des Juni zu Münster i. W. stattfinden. Auf die Tagesordnung sind vorläufig folgende Gegenstände gesetzt: 1. Die von der Kranken- kasienkommisfion zu erwartende und vorzuberei­tende Vorlage; 2. der Bericht der Kommission über die von Prof. Dr. A. Hartmann (Berlin) aufgestellten Leitsätze über Unterweisung uno Erziehung der Schuljugend zur Gesundheits­pflege, sowie über die hierzu gestellten An­träge; 3. event. der bis dahin fertiggestellte Entwurf der revidierten Vereinbarungen zwi­schen dem Deutschen Vereinsbunde und den Lebens- und Unfallversicherungsverbänden. Dagegen hat der Eeschäftsausschuß zur Zeit noch davon abgesehen, die sogenannte Spezialisten­frage auf dem Aerztetage zur Erörterung zu stellen, zumal diese Angelegenheit im Dezember d. I. zunächst innerhalb der preußischen Wißen- schaftlichen Deputation für das Medizinalwesen behandelt werden wird.

* Zum bevorstehenden Weihnachtspaketver­kehr sei auf zwei Irrtümer hingewiesen, die ganz allgemein anzutreffen sind. Die Ver­merkeVorsicht" undEigenhändig" werden so­wohl im geschäftlichen wie im privaten Verkehr bei Postsendungen vielfach angewendet, ohne daß damit die erstrebte Wirkung erzielt wird, denn nach de» geltenden postalischen Bestimmungen erfahren derartige Sendungen keinerlei Bevor­zugung und verpflichten die Post zu gar nichts. Bei der ungeheuren Menge der zu befördernden Sendungen ist dies ja auch kaum durchzuführen. Man kann jedoch indirekt den gewünschten Ef­fekt erreichen, wenn man die Sendungen unter Eingeschrieben" oder Wertangabe aufliefert, weil nämlich diese schon an sich vorzugsweise behandelt, genau gebucht und einzeln aufbe­wahrt werden. Auch bei dem VermerkEigen­händig" sind die Briefträger an keinerlei Pflicht gebunden. Wer einen Brief oder ein Paket sicher in die Hände des Adressaten gelangen lassen will, muß die Sendungeinschreiben" las­sen, weil dann eben nur der Adressat über den Empfang quittieren darf.

Militärisches. Für das nächstjährige Heeres- ersatzgcschäft wird denjenigen jungen Männern, welche in dem Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 1887 geboren sind, in Erinnerung ge­bracht, daß sie zur Vermeidung von Nachteilen und Weiterungen sich mit Geburtsscheinen, welche von den Standesämtern kostenfrei ausge­fertigt werden, zu versehen haben. Der Zeit­punkt für die Anmeldung zur Rekrutierungs­stammrolle wird in der ersten Hälfte des Mo­nats Januar k. I. bekannt gemacht werden.

in der Spezialität, wie er vorhanden war, ist er doch nur möglich unter der Wirkung einer ge­wißen Gegenseitigkeit des Wohlwollens zwi­schen Herrn und Diener, wie unserLehnsrecht die Treue auf beiden Seiten zur Voraussetzung hatte. Solche Beziehungen, wie ich sie zum Kaiser Wilhelm hatte, sind nicht ausschließlich staatsrechtlicher und lehnsrechtlicher Natur; sie sind persönlich und sie wollen von dem Herrn, sowie von dem Diener, wenn sie wirksam sein sollen, erworben sein; sie übertragen sich mehr persönlich als logisch leicht auf eine Generation. Aber ihnen einen dauernden Charakter beizu­legen, entspricht im heutigen politischen Leben nicht mehr den germanischen, sondern eher den romanischen Anschauungen;, der portugiesische portenr du coton ist in die deutsche Begriffe nicht übertragbar."

Bismarck hält diese Betrachtung im Anfang ganz persönlich, zum Schluß bemerkt man die Andeutung einer Verallgemeinerung. Jenes Verhältnis zwischen Herr und Diener war ein­zigartig, wie die beiden Persönlichkeiten, welche es verband, da kann man nicht verallgemeinern; eher schon hinsichtlich der Schlußsätze. In Deutsch­land sind die Beziehungen zwischen Volk und Landesherrn, zwischen Volk und Kaiser, auch in gewißem Sinne persönliche. Zwischen Volk und Kaiser sogar in sehr hohem Maße, während das römische Kaisertum deutscher Nation solche nicht kannte. Der Grund ist nicht nur, daß wir ein nationales Kaisertum haben, sondern liegt zumal auch in den weitgehenden Rechten und Befugnissen, welche die Neichsverfaßung dem deutschen Kaiser übertragen hat und vor allem in der lang ersehnten und unter Einsetzung der besten Eigenschaften des Volkes erstrittenen Ver­körperung des Reichsgedankens. Eine nur sym­bolische Auffassung des Kaisertums in Deutsch­land würde sein Tod fein. Deshalb bestand ja auch Bismarck trotz dem Widerstand Wilhelms L gegen denCharaktermajor" auf dem Kaiser­titel und sagte ihm, et könne doch nicht immer ein Neutrum bleiben: das Präsidium. In dem AusdruckPräsidium" läge eine Abstraktion, in

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Cassel, 22. Nov. Der Feuerbestattungsvetetn zu Cassel hatte bei der Friedhofsverwaltung den Antrag gestellt, auf dem städtischen Friedhof einen Platz zur Errichtung eines Urnengrab­mals zu überlaßen. Das Königliche Konsisto­rium versagte jedoch die Genehmigung, weil auf einem der kirchlichen Aufsicht unterstehen­den Fiedhofe keine bleibende Vorrichtung ge­stattet werden könne, die die gesetzliche Zulässig­keit der Leichenverbrennung zur Voraussetzung habe." Der genannte Verein hpt nun an den Magistrat eine Eingabe gerichierj in welcher es als schwer verständlich bezeichnet wird, daß dem Konsistorium die Entscheidung über die Errich­tung eines Utnengrabmals auf dem städtischen Friedhöfe zustehen solle, ferner darauf hinge­wiesen wird, daß es doch auch auf den Kom­munalfriedhöfen anderer preußischer Städte, wie' Stettin, Berlin, Magdeburg, Bonn, Frankfurt! a. M., Wiesbaden, Hannover, bereits Urnen­haine oder Urnengrabmälet gebe, und schließ­lich beantragt wird, der Magistrat möge die Friedhofsverwaltung zur Ueberlaßung eine» Platzes anweisen oder doch bei etwaiger Ver­größerung des Friedhofs darauf Bedacht neh­men, daß die Kirchenbehörde gegen die Errich­tung des Grabmals auf dem neuen Teile we­nigstens nicht mehr Einspruch erheben könne. Der Magistrat hat diesem Ersuchen zwar nicht entsprechen zu können geglaubt, weil darin eine Überschreitung seiner Befugnisse gegenüber der. Friedhofsverwaltung liegen würde, hat aber iir einem Schreiben an die letztere das Gesuch des Vereins lebhaft unterstützt und mit seiner Sympathie für die Bestrebungen der Feuerbe­stattungsvereine nicht zurückgehalten. <

Fulda, 22. Nov. Der 27jährige Sohn des Zug­führers Becker von hier verunglückte gestern Nachmittag auf dem Frankfurter Bahnhofe, wo' et beim Rangierpersonal beschäftigt war, da­durch daß er beim Ueberschreiten eines Geleise» mit dem Absatz in einer Weiche hängen blieb, als gerade ein Zug herankam. Dem unglück­lichen jungen Mann wurde ein Bein glatt vont Leibe abgeschnitten. (Fuld. Zta.)

Tiefenort, 20. Nov. Die sogenannte Aue« mühle Hierselbst ist für den Kaufpreis von 135 000 M ohne jegliches Inventar verkauft worden. Der seitherige Besitzer Oskar Franke hat hierbei ein nettes Geschäft gemacht, da er die Mühle vor etwa 2 Jahren für 50 000 <Ä erstanden und somit fast den dreifachen Preis erzielt hat.

Frankfurt a. M., 20. Nov. Auch der Loko- motivbeamten-Verein hat beschloßen, wegen der herrschenden Teuerung von jeglicher Winter- Festlichkeit Abstand zu nehmen. Heute Mor­gen wurde ein Schutzmann, welcher in der Franken-Allee Einbrecher bei der Tat über­raschte, von diesen durch drei Revolverschüße schwer verletzt. Die Einbrecher entkamen.

dem WorteKaiser" eine große Schwungkraft. Man kann vielleicht bedauern, daß es nicht mög­lich war, einen andern Titel zu finden, etwa wie den eines Königs der Deutschen. Dieser konnte natürlich, da es schon eine Reihe deut­scher Könige gab, nicht in Betracht kommen und das Verlangen des damaligen deutschen Kron­prinzen, daß diese deutschen Fürsten wieder de» Herzogstitel annehmen sollten, wurde als un­ausführbar von Bismarck zurückgewiesen. Wäre es aber möglich gewesen, so hätte man, jeden Anklang an das alte, schmählich geendete rö­mische Kaisertum deutscher Nation vermieden, und auch eine Anzahl damit verbundener Auf­faßungen, die auch heute, ebensowohl beim Fürsten, wie beim Volke bestehen und beider Verhältnis durch persönliche Trugschlüße ver­dunkeln. Der Kaisertitel ist ohne jeden Zweifel heutzutage mit eine Quelle des Byzantinismus geworden und ein Mittel, um den deutschen Kaiser Anschauungen zu suggerieren, welche die klar zutage liegenden Aufgaben des auf natio­naler Grundlage beruhenden Reiches verkennen. Selbstverständlich hängt die Auffaßung des Kaisertitels von der Person ab. Es scheint heute, als ob unter seinem Einfluß die Distanz zwi­schen Herrscher und Volk vom Herrscher aus ge­sehen, erheblich größer ist als mit der ursprüng­lichen deutschen Auffaßung des Verhältnisses von freien Männern zu ihren Fürsten verein­bart werden kann. Ich muß hier einschaltcn, um Einwürfen zu begegnen, daß die Verhält- niffe in den kleineren Bundesstaaten bei unserer Betrachtung füglich als unerheblich übergangen werde» können. Kaiser Wilhelm II. ist König des weitaus größten Bundesstaates, in dem nur zum Teil Bande überlieferter Anhänglichkeit an das Haus Hohenzollern vorhanden sind. Als deutscher Kaiser ferner steht seine Person auch für das öffentliche Leben in andern Einzel- ftaaten derart im Vordergrund, daß, wenn auch hier und da Byzantinismus vorhanden fein mag, er für das öffentliche Interesse des Reichs nur verschwindend in Betracht kommt.

(Schluß folgt.)