Einzelbild herunterladen
 

ifnn

mit

«ni> Kirchhain.

Marburg

Freitag, 23. November 1906

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck irnb Verlag? Joh. Aug. Koch, UmvcrsitätS-Buchdrnckerel 41«

Marburg, Markt 21, Telephon 55. "

! Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expchition 2 M.,

: TB'J 3 bei allen Postämtern 2,25 M. (e$cl. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: dir gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg, Rcclamen: die Zeile 30 Pfg.

Das Abonuement

!auf dieOberheffifche Zettrrng", daS größte, meistgelesenste «nd «eit- verbreitetste Blatt Marburgs «nd -der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.

Neueste Telegramme.

Berlin. 20. Nov. DemStaatsanzeiger" zu­folge trat heute das Staatsministerium unter dem Vorsitze des Fürsten Bülow zu einer Sitzung zusammen.

Berlin. 20. Nov. Die Zentrumsfraktion des Reichstags wird sich der von den Polen einge­brachten Interpellation in Sachen des polnischen Schulstreiks nicht anschließen. Sie bereitet viel-

' mehr eine eigene, abweichende Interpellation ! vor.

1 Berlin, 20. Nov. Die Polen haben für ihre Interpellation, nachdem das Zentrum abgelehnt hat, durch die Abgeordneten Bargmann, Blell, Eickhoff, Hermes, Kämpf, Meier-Jobst, Mugdan und Träger von der Freisinnigen Volkspartei, die Abgg. Dove, v. Eerlach, Eothein, Hoeck, Hoff­meister und Schrader von der Freisinnigen Ver­einigung, und die Abgg. Blumenthal und Wag­ner von der Deutschen Volkspartei sowie den elsässischen Abg. Delsor doch noch die genügende Unterstützung gefunden.

Berlin, 21. Nov. Die norwegische Regierung hat in Berlin, Paris, Petersburg und London einleitende Schritte getan zum Abschluß eines Neutralitätsvertrages für Norwegen, der an die Stelle des älteren Vertrags treten soll, den Schweden und Norwegen mit Frankreich und England haben und der durch die inzwischen ein» getretenen Ereignisse hinfällig geworden ist.

Labiau, 20. Nov. Die 250. Wiederkehr des Tages, an dem in dem hiesigen Ordensschlosse der Vertrag von Labiau geschloffen und damit die Souveränität des Kurfürsten Friedrich Wilhelm über das Herzogtum Preußen von Schweden anerkannt wurde, wurde heute unter allgemei­ner Beteiligung aus Stadt und Kreis Labiau festlich begangen. Den Mittelpunkt der Feier bildete die Enthüllung eines Kriegerdenkmals mit den Bildniffen Kaiser Wilhelms des Großen und des Großen Kurfürsten.

Braunschweig, 21. Nov. Nach der hiesigen Landeszeitung" verlautet aus zuverlässiger Berliner Quelle, es habe eine unverbindliche Vorbesprechung wegen einer etwaigen Kandida­tur des Prinzen Eitel Friedrich für die Regent­schaft stattgefunden.

9 (Nachdruck verboten.^

Metier alles die Kunst

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung).

In gehobener Stimmung traten beide den Weg zum Grünewald an und auch Elisabeth sltchte ein freundlicheres Gesicht zu machen. Vielleicht war sie doch zu schroff gegen Marga gewesen. Man mußte mit ihrer Natur, mit der ehrgeizigen Künstlerin rechnen und der Ehrgeiz macht oft rücksichtslos. Sie fanden Susann« in großer Aufregung. Dr. Martin war gerade bet der Kranken, die ihm mit ihrer sanften, milden Stimme über den Zustand ihrer Augen be­richtete:

Schatten fliegen mir zuweilen über die Landschaft es ist, als wird es alle Tage dunk­ler um mich."

Dr. Martin, ein noch junger, sehr ernster Mann, nickte leise mit dem Kopf, dann suchte sein Äuge Susanne, die kaum ihrer Tränen Herr werden konnte.

Wir können vorläufig nichts dabei tun, liebe Rätin," antwortete er mit weicher, teil­nehmender Stimme,hier heißt es abwarten und auf Gott vertrauen. Aerztliche Kunst ver­mag hier nichts."

Nichts," wiederholte die Rätin leise,das heißt, ich werde blind werden?"

Das wolle Gott verhüten! Bei ihm allein liegt die Hilfe."

Die Rätin seufzte tief auf, einen Augenblick zuckte es schmerzlich in ihrem bleichen, abgezehr­ten Antlitz, die zitternden Finger falteten sich wie zum Gebet.

Ja, bei ihm allein," kam es nun tonlos über ihre Lippen. Dann reichte sie dem Arzte die Hand hin.

Ich danke Ihnen, daß Sie mir keine uner­füllbaren Hoffnungen machen, daß Sie mich für stark genug halten, auf alles gefaßt zu sein."

Madrid, 20. Nov. Den heutigen Ministerrat beschäftigte die Marokkofrage. Die Minister be­wahren eine große Reserve über die Details, sie erklären, die Entsendung des KreuzersPelayo" bezwecke lediglich den Ersatz der reparaturbedürf­tigenPrincesa de Asturias" zwecks Wahrung der spezifisch spanischen Interessen und gestehen zu, daß nach ihrer eigenen Information die Lage der Europäer kritisch sei.

Petersburg, 19. Nov. Aus Ochta wird ge­meldet, dort wurde eine Diebesbande von sieben Köpfen in dem Augenblick aufgehoben, als sie gerade neue mit bewaffneter Hand auszufüh­rende Anschläge vorbereitete.

Mitau, 19. Nov. Hier wurden drei zum Tode verurteilte Führer der Unruhen in Tukkum und ein gleichfalls wegen Aufruhrs zum Tode verurteilter Einwohner der Stadt Windau hin­gerichtet.

Deutscher Reichstag.

122. Sitzung vom 20. November, 1 Uhr.

Die Beratung der Novelle zur Gewerbeord­nung (Beseitigung von Mißständen im Bauge­werbe) wird fortgesetzt. Erster Redner ist

Abg. Malkewitz (kons.): Wir haben es mit drei verschiedenen Arten des Befähigungsnach­weises zu tun: 1. mit dem allgemeinen Be­fähigungsnachweis für das deutsche Handwerk auf Grund der Petition, deren Beratung mit diesem Gegenstände verbunden ist; 2. mit dem Befähigungsnachweis für das Baugewerbe, der Gegenstand der Regierungsvorlage ist und 3. mit dem kleinen Befähigungsnachweis auf Grund der Resolution, die Ihnen die Kommission zu­gleich mit der Vorlage unterbreitet hat. Was di« Petition für den allgemeinen Befähigungs­nachweis betrifft, so werden meine Freunde dem Antrag auf Ueberweisung als Material zustim­men. Schon bei der ersten Lesung der Vorlage habe ich die Stellung gekennzeichnet, die meine Freunde in dieser Frage einnehmen. Der all­gemeine Befähigungsnachweis ist ein Pro­grammpunkt der konservativen Partei und wird es so lange bleiben, bis nicht auf anderem Wege, wenn auch Schritt für Schritt, dasselbe Ziel er­reicht ist, das das deutsche Handwerk im allge­meinen Befähigungsnachweis erreichen will. So fassen meine Freunde den Kölner Beschluß des deutschen Handwerkertages auf, und in diesem Sinne werden sie die Ausführung dieses Be­schlusses zu ermöglichen suchen. Auf den Be­fähigungsnachweis für das Baugewerbe will ich eingehen, wenn ich auf die einzelnen Para­graphen der Vorlage zu sprechen komme. Was den kleinen Befähigungsnachweis anlangt, so hat die gestrige Erklärung des Staatssekretärs

Er drückte ihre Hand fest in der seinen.Ja, Sie haben ein starkes Herz. Möge es Ihnen er­halten bleiben."

Susanne hielt sich nicht mehr, sie mußte in das Nebenzimmer treten, um ihre Tränen zu verbergen.

Doktor Martin folgte ihr und suchte sie zu beruhigen.Danken Sie dem Himmel, daß Ihre Mutter ihr trauriges Los so tapfer trägt. Es würde für die Kranke, für Sie und die Ihren viel schwerer sein, wenn sie klagte und jammerte und wenn man ihr doch nicht helfen könnte. Solch ein Duldermut muß ja erheben, daß ist in Wahrheit eine göttliche Kraft, die aus solchen Kranken spricht."

Und es gibt wirklich keine Hilfe?"

Keine menschliche wenigstens. Die Läh­mung hat sich aus die Augen geworfen, sie hätte sich ebenso auf einen andern Teil des Körpers werfen können. Es ist nichts zu machen, absolut nichts! Verschriebe ich ein Mittel, so wäre es nur, um die Kranke zu täuschen, das ist hier aber nicht nötig, wie Sie sehen! Ihre Mutter hat eine große Seele, um die man sie beneiden könnte trotz ihres Leidens."

Susanne trocknete sich die Augen.

Ja, die hat sie," sagte sie,und doch, es ist schwer, so sehr schwer, das alles mit anzusehen und dabei heiter zu scheinen, denn sie kann's nicht ertragen, wenn ich traurig bin, dann wird sie auch traurig, sagt sie immer."

Das dürfen Sie auch nicht, liebes Fräulein. Bleiben Sie Ihrer Mutter der Sonnenschein, der Sie ihr bis jetzt waren. Das ist das einzige, das beste, was Sie neben der körperlichen Pflege für sie tun können. Mut, teures Fräulein, Mut!" Sein Auge ruhte voll Teilnahme auf ihrem schmerzdurchzuckten Antlitz.

Sie sah mit einem Dankesblick zu ihm auf. Ohne Sie, Herr Doktor, ohne Ihren freund­lichen Zuspruch vermöchte ich das Schwere nicht zu ertragen. Wie kann ich Ihnen je lohnen für

hier im Hause bei der Mehrheit lebhafte Be­friedigung hervorgerufen. Auch meine Freunde find von dieser Befriedigung erfüllt. Die Er­klärung des Staatssekretärs fällt zeitlich ziemlich zusammen mit der sehr erfreulichen Kundgebung des Kaisers, mit der sog. Jubiläumsbotschaft vom vergangenen Sonnabend, welche den Ar­beitern die Fortführung der Sozialpolitik in Aussicht stellt, und den schwachen und bedräng­ten Elementen die Fürsorge des Reiches ver­heißt. Meine politischen Freunde legen auf den letzten Punkt einen besonderen Wert, sie haben den Begriff der Sozialpolitik nie so eng gefaßt, als ob "diese Sozialpolitik nur bestehen solle in Fürsorge für den Arbeiter. Wir glauben, daß die sozialpolitische Gesetzgebung auch die vielen Tau­sende von Schwachen im Handwerk und Klein­gewerbe schützen muß, die durch die wirtschaftliche Entwickelung der neueren Zeit vielfach in bittere Not geraten sind. (Lebh. Zustimmung rechts.) Es scheint, als ob jetzt die verbündeten Regierun­gen einen kräftigen Schritt nach vorwärts zur Besserung der Lage dieser Teile des Volkes tun wollen. Neben dem vorliegenden Entwurf liegt uns bereits vor der Gesetzentwurf zur Sicherung der Bauforderungen, der im ganzen Bauhand- werke lebhafte Zustimmung gefunden hat. Dann soll dem Bundesrate der Gesetzentwurf zugehen, der die Ausbildung der Lehrlinge den Meistern vorbehält. Nach der gestrigen Erklärung des Staatssekretärs sollen in der angekündigten Vor­lage zum kleinen Befähigungsnachweis auch noch einige andere Wünsche erfüllt werden. Der Staatssekretär hat angeführt, daß dem Titel Baugewerksmeister in gewisser Beziehung ein Schutz gegen Ausbeutung dieses Titels durch un­gelernte Personen zuerkannt werden foll. Das ist ein erfreuliches Vorgehen der verbündeten Regierungen und erfüllt diejenigen Wünsche, die der diesjährige Handwerks- und Gewerbe- kammertag in Nürnberg ausgesprochen hat. Da­neben bleiben freilich noch manche Wünsche offen. (Sehr wahr! rechts.) Wie wäre es z. B. mit der Beseitigung der Schwierigkeiten, die es jetzt einem Vater fast unmöglich macht, seinen Sohn in seiner eigenen Werkstatt als Lehrling auszu­bilden? Heute muß der Vater das Vormund­schaftsgericht anrufen, und dieses muß einen Pfleger bestellen, der die Interessen des Sohnes gegen den Vater wahrnimmt. Wie wäre es fer­ner mit der festen Umschreibung des Begriffes Handwerk in der Gewerbeordnung? Das ist ein dringlicher Wunsch und hier ist den Handwerker­kammern fast unmöglich gemacht, ihre Aufgaben zu erfüllen. Wie wäre es weiter mit dem Schutze des Gesellentitels? Es bleibt eben noch ein gro­ßer Teil von Wünschen übrig und ich möchte den Herrn Staatssekretär bitten, daß er sich bei der Vorlegung des Gesetzentwurfs über den kleinen

alles, was Sie meiner Mutter und mir Gutes erweisen!"

Wie?" Er drückte noch inniger ihre Hand. Ihre Mutter und Sie > zu sehen, Liebe emp­fangend und Liebe gebend, das ist mir Lohn ge­nug. Das lehrt den Arzt, der so ost trübe Er­fahrungen in seinem Berufe macht, sich an Ihrem Beispiel aufzurichten, an das Gute im Menschen zu glauben, das gibt ihm Kraft, an sich selbst zu arbeiten und Teilnahme und Ge­duld auch da zu erweisen, wo sie nicht verdient werden." Rasch empfahl er sich, Susanne suchte sich zu sammeln. Ja, die teure Kranke sollte nicht merken, wie sehr sie um ihretwillen litt. Als sie wieder hinaus in die Veranda trat, fand sie die Mutter bereits in angeregter Unterhal­tung. Es war, als wenn nichts geschehen sei, und doch erkannte Susannas durch die Liebe ge­schärftes Auge, wie sehr sie sich zusammennahm. Marga hatte ihr bereits mitgeteilt, welch ein Glück ihr zuteil geworden, und die Kranke ver­gaß ihr eigenes Leid in der Freude ihres Kin­des. Marga aber hatte richtig vorausgesehen, daß ihre Schwester die Annahme der gräflichen Einladung ihr sehr verdenken würde.

Als es kühler wurde und die Rättn sich ins Zimmer zurückzog, sprach sie denn auch Marga unverhohlen ihre Mißbilligung aus.

Gerade jetzt, da ein neues Unglück über unsere arme Mutter hereinbricht, hättest du ihr alle Zeit, die die Arbeit dir läßt, widmen sollen."

Aber es ist ja die Arbeit," widersprach Marga,allein die Arbeit, die mich dazu zwingt, der Gräfin Wunsch zu erfüllen. Du ver­gißt, daß ich es übernommen habe, ihr Bild zu malen."

Das vergesse ich nicht, aber ich kann mir nicht denken, daß die Gräfin dich zu sich einge­laden hätte, wenn sie wüßte, wie es bei uns steht."

Da irrst du, im Gegenteil, die Gräfin ver­langte von mir geradezu diesen Beweis meiner

Befähigungsnachweis auch dieser Wünsch« freundlich erinnere. (Sehr richtig! rechts). Was den vorliegenden Gesetzentwurf betrifft, so haben sich ursprünglich gegen seine Form und Fassung lebhafte Bedenken geltend gemacht. Das Hand­werk fordert den Befähigungsnachweis für das Baugewerbe. Die verbündeten Regierungen aber waren nicht geneigt, die Wünsche des Handwerks in dieser Form zu bewilligen. Wir waren vor die Frage gestellt, ob wir diesen ganzen Entwurf prüfen und annehmen oder ihn einfach ablehnen und damit die PolittkAlles oder Nichts!" be­treiben sollten, von der ich mir auch für die vor-j liegende Angelegenheit einen besonderen Erfolg' nicht versprechen kann. Wir mußten die Frage, ob wir die Vorlage prüfen und verbessern sollten," bejahen, zumal hier noch ein Gesichtspunkt in Frage kam, der Gesichtspunkt des öffentlichen! und allgemeinen Interesses. (Sehr wahr!" rechts.) Eine weitere Frage war, ob die ver­bündeten Regierungen mit der Einbringung des Entwurfs ihre Handwerksfreundlichkeit völlig, bewiesen zu haben glaubten, oder ob sie uns nichts noch mit weiteren Vorlagen zum Besten der" Handwerks kommen würde«. Wir wollten de«' Rahmen der Vorlage erweitern und einige wei»' tere Paragraphen der Gewerbeordnung hinein­beziehen, z. B. den kleinen Befähigungsnachweis. Es wurde aber beschlossen, daß wir diese Frage der besonderen Regelung überlassen sollten, und" so begnügten wir uns mit der Resolution, die ich Ihnen zur Annahme empfehlen möchte. Was die Vorlage selbst betrifft, so werden sie meine" Freunde einmütig annehmen. Die Vorlage hat in der Kommission eine sehr erhebliche Verbesse­rung erfahren. Die erste Verbesserung liegt in der Anhörung von Sachverständigen vor Unter­sagung des Betriebs. Ein zweiter Vorzug ist die Einfügung des Steinmetzgewerbes in die" Vorlage. Ein dritter Vorzug betrifft die ge­nauere Bezeichnung der Vorbedingungen für die Untersagung eines Betriebs. Dann ist mit de« Bestimmungen des § 35 a ein indirekter Be­fähigungsnachweis für Maurer, Zimmerer und Steinmetzmeister herbeigeführt, denn nur gegen diese kann keinerlei Einwendung auf Grund die­ses Paragraphen erhoben werden. Ein weiterer Vorzug liegt in der Erweiterung der Rechts­mittel gegen die Untersagung; gegen allzu große polizeiliche Befugnisse wollen wir das Handwerk schützen. Was den Geltungsbereich der Vorlage betrifft, so meine ich, daß die Untersagung eines Betriebes für das ganze deutsche Reich gelten soll. Ich meine auch, daß die Vorlage auch für juristische Personen gilt, und bitte darüber um eine Aufklärung. Wir stimmen der Vorlage zu, obwohl das Baugewerbe vielfach weitergehende Wünsche hat. Wenn wir das Gesetz ablehnen^ dann würden wir die Verantwortung zu tragen

13".

Dankbarkeit, und es hieße alle Hoffnungen, di» ich auf ihre Protektion setze, zerstören, wenn ich ihrem Wunsch nicht nachkommen wollte. D« siehst doch, wie die Mutter selbst sich über di» Aussichten, die sich mit eröffnen, freute. Es ist wirklich nicht hübsch von dir, daß du mir das Herz so schwer machst."

Sie wandte sich, die Schwester stehen lassend, und ging der Mutter nach ins Zimmer. Balo darauf kam der Vater. Er fragte Susanns so» gleich, was der Arzt zu dem Augenleiden deq Mutter gesagt habe, und war aufs tiefste er­schüttert, als er dessen Aussprache vernahnu Man brach heute früher auf als sonst, da die Rätin sich angegriffen fühlte und zeitig zur Ruhe gehen wollte. Auf allen lastete der Druck des Traurigen, das sie erfahren, wie ein Alp.' Der Rat war müde und wollte die Straßenbahn benutzen, Marga begleitete ihn. Sie wechselte einen raschen Händedruck mit Alfred, der mit seiner Schwester zu Fuß nach Hause ging. Auch er konnte über das Schmerzliche der letzten Stunde nicht hinwegkommen. Ueber alle Ge­fühle des Glückes, mit denen er den Hinweg ein- geschlagen, hatte es sich wie ein Schatten ge­breitet. Er litt mit der schwer Geprüften, der das Geschick so Bitteres zu tragen auferlegte, und die doch ihr Leben lang nur Liebe geübt, nur zum Segen für andere geworden war! Die ewige Frage: Warum gerade der dieses Geschick? marterte ihn, weil seine Jugend noch nicht zu. faffen vermochte, daß auch im Leiden ein Segen liegt.

Marga suchte den Vater als sie nach Hause gekommen, durch heiteres Geplauder von den trüben Gedanken abzubringen, aber es wollte ihr nicht recht gelingen.

Eines noch möchte ich dich bitten," wandte er sich ernster zu ihr, als es sonst seine Gewohn­heit war. Laß dich in dem vornehmen Hause, in das du jetzt gehst, nicht zu sehr in den Strudel des Genusses ziehen, gewöhne dich nicht an i>en! Luxus, damit unsere Einfachheit, wenn du zu