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mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
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Aikrteljäbrlicher Bezugspreis; bet ver Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. («xcl. Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag, 18. November 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag: Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdmckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Erstes Blatt.
Arbeitgeber und Arbeiter.
Es ist eine weitverbreitete Auffassung, das; -alle Lohnfragen ausschließlich Machtfragen Heien, ixtR alle Lohnerhöhungen, die den Arbeitern zu teil geworden sind, den Unternehmern Lediglich abgenötigt worden seien. Die Sozialdemokratie wird deshalb auch nicht müde, ihren Leuten fort und fort zu sagen, daß sie eine Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage nur durch- tzusetzen vermögen, wenn sie sich auf ihre poli- jtische und gewerkschaftliche Macht stützen rön- ,nen, daß also im Grunde genommen jede Lohn- jftage eine Machtfrage sei. Das Einsehen der Arbeitgeber, ihr sozialpolitisches Verständnis, .ihre eigene Entschließung wird gleich null ge- -setzt. Dieser Anschauung gegenüber, die leider Luch von bürgerlichen „Sozialpolitikern" geteilt Wird, weist die „Deutsche Arbeitgeberzeitung" .mit Recht darauf hin, daß, wie sich leicht beweisen laße, zum mindesten der größere Teil aller Lohnerhöhungen dem freien Willen der Unternehmer entspringt; man wird ihr die Zustimmung nicht versagen können, wenn sie schreibt:
„Das Interesse, einen tüchtigen und brauchbaren Arbeiterstamm heranzuziehen, die Einsicht, das; nur ausreichend und gut bezahlte Ar- .beitskräfte eine ausreichende und gute Arbeit zu liefern vermögen, die natürliche Empfindung^ daß man einen tüchtigen Arbeiter gut bezahlen muß, wenn er nicht zur Konkurrenz übergehen soll, das etwa sind die wirklichen, in moralischer und wirtschaftlicher Beziehung durchaus gesunden Quellen, aus denen sich das steigende Einkommen der Arbeiterschaft herleitet. Wir stellen fest, daß die Dinge in .praxi wesentlich anders liegen, als sie die haarspaltende Gelehrsamkeit der sozialistischen Theoretiker und das agitatorische Geschrei der 'Streikführer darzustellen lieben. Wie gelehrt auch die „Lohnfondstheorie" eines Mac Culloch 'Hingen mag, wie laut auch die gewerkschaftliche Presse verkündet, daß „den Steinherzen der erbarmungslosen Unternehmer" auf gütlichem .Wege kein Pfennig abzuringen sei, die Wahr- cheit ist, daß die Lohnhöhe in weit stärkerem sGrade von der freien Entschließung der Arbeit- 'geber abhängt, als man in weiten Kreisen heute -anzunehmen pflegt. Natürlich ist der Lohnfest- ifetjung nach oben hin eine Grenze gezogen, die iaber auch durch alle Macht und Gewaltmittel iseitens der Arbeiterschaft nicht gebrochen werden -kann. Natürlich gibt es für die große Masse jder ungelernten Arbeiter gewisse Gesetze, nach denen sich aus Angebot und Nachfrage das Einkommen bestimmt, aber für diejenigen Arbeiter, die über bestimmte Kenntnisse verfügen oder gar als Spezialisten gelten können, für diese mehr und mehr anwachsende Schar regelt sich das
Lohneinkommen doch nach Gesichtspunkten, die in ein einfaches Schema nicht hineinpassen. Hier gelten streng individuelle Rücksichten, die mit der Klugheit und dem Wohlwollen des Arbeitgebers und mit der Tüchtigkeit und dem Fleiß des Arbeitnehmers etwas zu tun haben. Hier ist die Lohnfrage keine Machtfrage, und diejenigen, die das Gegenteil behaupten und den Streik als das einzige Mittel zur Erlangung besseren Einkommens proklamieren, machen sich einer schweren Entstellung der Tatsachen schuldig und schädigen das Interesse ihrer eigenen Klienten, indem sie diese auf einen grundfalschen Weg verweisen.
Diese Feststellung war geboten, weil gerade die Streikbewegung der letzten Wochen dadurch begründet wird, daß eine Lohnerhöhung in Anbetracht der herrschenden Teuerung nötig sei, und daß eine solche Lohnerhöhung auf keine andere Weise als eben durch gewaltsame Entfaltung der zur Verfügung stehenden Machtmittel erreicht werden könne. Das ist Lug und Trug! Zn fast allen Gewerben hat man bereits mit der sinkenden Kaufkraft des Geldes gerechnet und hat aus freien Stücken die Löhne erhöht. Man ist auch überall bereit, in vernünftige Verhandlungen einzutreten und der Arbeiterschaft das zu gewähren, was recht und billig ist. Unter den Hunderten von Streikberichten, die uns vorliegen, gibt es kaum einen einzigen, der nicht davon erzählt daß die Arbeitgeber ohne alle Rücksicht aus Macht oder Ohnmacht der ihnen entgegentretenden Organisation bereit gewesen wären, weitgehende Zugeständnisse in Bezug auf Lohn und auch auf Arbeitszeit zu machen. Wenn es trotzdem in steigendem Maße wieder zu Arbeitskämpfen und Ausständen kommt, so hat die Lohnfrage hiermit nur in Ausnahmefällen zu tun. Es ist die Machtfrage, um die es sich handelt, denn die Lohnfrage wird tatsächlich in der Regel auf gütlichem Wege und durch freie Entschließung des Arbeitgebers gelöst. Dieses Verhältnis zwischen Lohnfrage und Machtfrage muß man im Auge behalten, wenn man die gegenwärtig von neuem anwachsende Arbeiterbewegung in ihren Ursachen richtig verstehen will."
Wohl in den meisten Fällen find die Arbeitgeber geneigt, den Arbeiterforderungen wenigstens stückweise entgegenzukommen; wenn sie nicht immer gleich alle Forderungen bewilligen, so ist zu berücksichtigen, daß sie nicht machen können, was sie wollen, sondern von der Ee- Eeschäftslage, von den Konkurrenzverhältnissen u. a. m. abhängig sind und dem Rahmen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Staates sich elnfügen müssen. Wenn durch übertriebene Forderungen der Arbeiter betr. Löhne und Arbeitszeit die Arbeitgeber konkurrenzunfähig werden, so haben auch die Arbeiter den Schaden davon. Würden die Arbeiter jeweils nehmen, Ms ihnen bewilligt werden will, so kämen sie mit Zeit jedenfalls weiter als durch die ruhelose Streikerei, die das Geschäftsleben unge
heuer schädigt. Wo ein Streik berechtigt war, beispielsweise im Bergarbeitergebiet, da war die öffentliche Meinung auf feiten der Arbeiter. — Daß der Staat eine gesunde, den modernen Verhältnissen angepaßte Wirtschafs- und Ver- kehrspolitik treiben sollte, wodurch das Wirtschaftsleben, das Nationaleinkommen und dessen Verteilung besser gefördert würden, ist allerdings zuzugeben.
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Umschau.
Helgolands strategische und taktische Bedeutung.
Major Brohm läßt gegenwärtig im Verlage von Rauschenplat, Cuxhaven-Helgoland, eine mit Benutzung dienstlicher Quellen verfaßte umfangreiche Studie über die vor 16 Jahren deutsch gewordene Nordsee-Insel erscheinen unter dem Titel „Helgoland in Geschichte und Soge, Seine nachweisbaren Landverluste und seine Erhaltung." Wir entnehmen dem einleitenden geschichtlichen Ueberblick folgenden Abschnitt: „1890 wurde die Insel an Deutschland gegen Sansibar und Witu, das heutige Vritisch- Ostafrika, eingetauscht. Diese Erwerbung ist vielfach ungünstig beurteilt worden, auch von ernst und patriotisch denkenden Männern. Man meint, die Insel habe strategisch nur geringe Bedeutung, und taktisch sei sie nicht zu halten, sie sei so groß, daß jeder Schutz das Oberland treffen müßte, und sie könne von allen Seiten derart unter Artilleriefeuer genommen werden, daß sie in kurzer Zeit kapitulieren müsse. Der Sandstein der Insel sei, wie Bismarck meint, so weich, daß er eine Beschießung nicht aushalte. In neuerer Zeit ist die Befürchtung laut geworden, daß der Felsen den Rückstoß von schweren Geschützen nicht ertragen könne. Diese ungünstige taktische und strategische Beurteilung der Insel ist wohl in erster Linie als ein Rückschlag auszufassen gegen eine zu günstige Beurteilung, welche die Insel früher von mancher Seite erfahren hatte. Damals wurde die Sache so dargestellt, als ob Helgoland die ganze Nordseeküste allein verteidigte und diese durch den Besitz der Insel überhaupt unangreifbar geworden sei. Die Wahrheit wird, wie gewöhnlich, in der Mitte liegen. Für die Küstenverteidigung unmittelbar kommt die Insel üver- haupt nicht in Betracht, weil sie viel zu weit von der Küste entfernt liegt, aber sie ist von der größten Bedeutung als Stützpunkt für eine Flotte, welche die deutsche Küste verteidigen oder — angreifen will. Deshalb mutz sie auch in deutschem Besitz sein und bleiben, wir können es nicht dulden, daß womöglich schon im Frieden hier unmittelbar vor der Mündung unserer großen Ströme Vorbereitungen für die Blockade unserer Küste getroffen werden. Wie weit unser Admiralstab dis Hülfsmittel der Insel sonst noch ausnutzen wird, ist mir natürlich nicht bekannt, wohl aber, daß sie bei rich
tiger Armierung taktisch stark genug ist, um jeden Angriff einer Flotte abzuweisen. Ich glaube kaum, daß sich eine Flotte überhaupt t< einen Kampf mit der Insel einlassen wird, di« Chancen sind zu ungleich. Die feindliche Flott« setzt im günstigsten Falle das eine oder ander« Geschütz außer Gefecht, muß aber darauf gefaßt fein, bei diesem Kampfe eine ganze Reihe von Schiffen zu verlieren. Un canon sur terre vaut un vaisseau sur mer. Einen Versuch, den rund 20 Millionen Kubikmeter großen Felsblock entzwei zu schießen, würde sie wohl elf vergeblich sehr bald aufgeben. Die Sprengwirkung der Geschosse ist in dem unelastischen Gestein gering und beschränkt sich auf einen sehr kleinen Umkreis. Die Häuser kann sie natürlich in Brand schießen, durch dies Mittel hat sich aber ein energischer Kommandant noch nie zur Kapitulation zwingen lassen. Daß der Rückstoß auch des schwersten Geschützes den ganzen,' 40 Millionen Tonnen schweren unelastischen Felsblock nicht in Bewegung setzen kann, ist ja" von vornherein klar, aber auch die Bewegung, welche in dem Felsblock durch den Rückstoß entstehen könnte, ist nicht meßbar. Ein auf der Insel aufgestellter Seismograph, welcher die Erdbeben in Griechenland und San Franzisko genau angegeben hat, zeigt beim Schießen der schweren Geschütze nicht den geringsten Ausschlag. Das Klirren der Fenster und sonstig« Erscheinuilgen, welche der Laie für Anzeichen hält, daß der Felsen bebt, enstehen lediglich durch die Lufterschütterung und treten ein, wenn nicht scharf, sondern mit Salutkartusche» geschossen wird."
Deutsche Kolonie«.
Ostafrika. Die Eisenbahn-Gesellschaft jur Ostafrika kündigt an, daß die ganze Bahn nach Mrogoro schon im Jahre 1907 vollendet sein werde, während sie vertragsmäßig erst Mitte 1908 fertig gestellt sein soll. Künftig werde man monatlich 15—20 Kilometer mit tim Bau fortschrciten können. Diese Nachricht ist erfreulich, danach würde der Bau der Strecke von 280 Kilometer etwa 2y2 Jahre in Anspruch genommen haben. Wenn man dann die Bauzeit auf die weite Strecke beträgt, so würde die Fortsetzung der Linie bis zum> Tanganika im Ganzen 10 Jahre in Anspruch nehmen. Die Engländer haben die Ugandabahn von fast 1000 Kilometer in fünf Jahren gebaut! Wir bleiben also bedeutend zurück, da der Bau schon viel zu spät ange- fantzen ist und jetzt noch soviel Zeit in Anspruch nimmt. Schon 1894 wurden die ersten Anläufe zum Bau der Bahn durch Bildung eines Komitees genommen aber erst 1915 ist möglicherweise ihre Fertigstellung zu erwarten. Wir haben danach 20 Jahre verloren,' die wir kaum einholen können. Diese Erinnerung ist höchst lehrreich — die Tatsache aber beschämend.
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^5 Spfsprintzend, Nahm ftq, Mrgas gim MS Hvd ich putzte vor'Anfang AuM schon? hie;
die und
„Die Sorgen?" Morga sah ganz erstaunt auf. Diese schöne, vornehme Frau sprach von Sorgen.
sein, und wenn man sogar bei der Einrichtung mithelfen mutz, ist solch eine griechische Gewandung sehr licht und bequem."
Sie aßen allein bei der Tafel, und doch war
es ein vollständiges Diner, das währte, aber die Unterhaltung anwesenden Dieners wegen nur Dinge. Erst als sie wieder im zierliches Rauchtischchen zwischen
(Nachdruck verboten.), Ueber alles die Kunst. Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung).
eine Stunde berührte des gleichgültige Boudoir, ein sich, in be-
1 »ÄG ja," Uchefte die Gräfin, „schaun's mich Nur nicht so verwundert tut. Ick hab' Sorgen, wirkliche Sorgen. Die srSM fkKttch ist. die, daß rch anfange, alt zu werden."
* Und mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit wie-
trat mit ihr vor den Spiegel, dessen goldum- rahmtes Glas bis zum Fußboden reichte. Mit der feinen, mit blitzenden Ringen bedeckten Hand deutete sie auf einige weiße Fäden, die sich durch ihr schwarzes Haar zogen. Aber das Bild, das ihr der Spiegel zurückwarf, war doch noch immer schön genug, um trotzdem ein Lächeln der Befriedigung auf ihre Lippen zu rufen. Ja, sie war schön, von einer anderen Schönheit als die Margas, ein pikantes Gesicht von fremdartigem Reize, heiße Leidenschaft in den dunklen Augen, über denen es wie ein Schleier ruhte. Die blonde Marga bildete mit ihrem weißen, rosigen Antlitz und ihrer schlanken Gestalt den auffallendsten Gegensatz zu dieser üppigen Erscheinung, deren volle Formen durch das leichte, seidene Gewand lockend hervorschimmerten, mehr, als es der bescheiden bürgerlich erzogenen Marga erlaubt schien. Die strenge Moral, die sie im Elternhaufe eingesogen, wehrte sich in ihr gegen die laszive Freiheit, in der die vornehme Dame sich gefiel. Und doch, diese Vornehmheit ließ ihr alles wieder entschuldbar erscheinen. War die Gräfin doch eine Repräsentantin jener Welt, in die eingeführt zu werden alle Künstler streben, weil sie dort alle die Gelegenheit finden, sich aus der Schar der Kleinen, die sich in der Mittelmäßigkeit verlieren, emporzuringen. Marga hatte in München wohl gehört, daß man der Gräfin ^Palfy einen leichten Sinn nachsagte und dieser und jener von einem dunklen Punkte in ihrer Vergangenheit etwas wissen wollte. Aber niemand hatte sich daran gestoßen, sie war reich, unabhängig, Witwe, konnte ihr Leben sich daher einrichten, wie sie wollte. Keiner hatte ihr etwas zu sagen, nach keinem hatte sie zu fragen.
-»Sie gestatten, Schatz," fuhr die Gräfin fort, Marga unter den Arm fassend, „daß ich Sie, ohne mich in full dress zu werfen, zu Tische führe. Aber bei bet Sommersitze hier, ridj. man empfindet sie doppelt, wenn man von ■ ®e luftigen Höhen des Hochgebirges kommt,
quemen Sesseln einander gegenüber faßen und der Kaffee gereicht war, wurde das Gespräch von neuem intimer. Margas Blick schweifte jetzt erst aufmerksamer über die Gemälde hin, die sich von der lichtblauen Stofftapete beim Licht der Sonne leicht abhoben. Es schienen meist Familienporträts zu sein, unter denen das Brustbild eines jungen, fast noch kindlichen Mädchens ihr auffiel. Ein blasses, fuzmales Gesichtchen, dunkel, zigeunerhaft, wie das der Gräfin, aber trotzdem durchaus recht hübsch. Etwas Finsteres lag zwischen den dunklen, dichten Brauen und ein herber, schmerzlicher Zug umspielte die festgeschlossenen Sippen.
Margas Blick richtete sich fragend auf die Gräfin. Nein, so konnte diese nie ausgesehen haben, selbst in der frühesten Jugend nicht, so vermochte sich ein Menschenantlitz nicht zu wandeln, hier die trotzige Abwehr von der Welt, dott das nach Genuß verlangende, im Genuß schwelgende Leben.
„Nicht war," nickte die Gräfin, „es ist nicht hübsch, das arme Geschöpf! Es ist meine Tochter, die Gisel."
Und als sie Margas erstauntes Gesicht sah, di« noch nie von einer Tochter der Gräfin gehört hatte, lachte sie hell auf:
„Ja, ja, meine Liebe, ich habe eine Tochter, eine junge Dame, die in die Welt geführt werden muß, eine Erbin, für die ich die Aufgabe habe, sobald als möglich eine passende Partie zu finden."
„Und wo war Ihre Tochter bis jetzt?" fragte Marga, die sich noch immer nicht von ihrem Erstaunen erholen konnte.
„Willkommen, Schatz!" . rief sie, sofort__,
Marga zueilend und sie stürmisch umarmend. „Wie reizend, daß sie kommen, ich fühle mich ja so'grausam allein hier in der Fremde!"
Damit zog sie ihren Gast mit sich in ein anstoßendes Boudoir und ließ sich dort mit ihr auf der weichen und mit^ schimmernder Seide be- deckteil Chaiselongue nieder, ihr prüfend in oie Augen blickend. , ’
'• »Witz frisch und reizend Sie wieder aus- sehen! Ach, Ihre Jugend, Mkrga!" ' fügte sie mit einem leisen Seufzer hinzu. „Ihre Jugend — wenn tck jung wäre wie Sie, ich gäbe alle meine Reichtümer hin, Und was steht Ihnen noch alles bevor, welch eine Zukunft! Und daß ich dabei ein wenig die Hand im Spiel haben darf, schaWi's, das freut mich, das macht mir den Aufenthalt hier, schön, das soll mit die Sorgen vertreiben!"
Als Marga zur bestimmten Zeit sich am anderen Tage in der gräflichen Villa einfand, 'waren Diener und Mädchen noch mit dem Anhängen von Bildern, dem Aufstellen von Kunstsachen und Nippes beschäftigt, welche die Gräfin mitgebracht hatte. Im lose herabfallenden wand» von kremefarbener Seide, das ihre pigeii Glieder faltenreich umwallte, stand Herrin selbst mitten unter ihnen, ordnend überwachend.
„In einem Pensionat selbstverständlich in Ungarn, nicht weit von Pest. Sie wundern sich, daß ich nie von ihr gesprochen habe? Nun, begreifen Sie's denn nicht, daß ich zögerte, mich vor der Welt zu dieser erwachsenen Tochter zu bekennen? Was tümmerte es denn auch di« Münchner, und besonders die Münchner Künstler, die meine Schönheit anschwärmten, zu erfahren, daß ich eigentlich eine alte Frau bin?"
Dabei warf sie sich, aufseufzend, in di« schwellende Seide ihres Kissens zurück. Dann schob sic Marga ein vor ihr stehendes Kästchen' mit Zigaretten hin, nahm sich selbst eine :nd, zündete sie an dem vor ihr stehenden goldenen Rauchservice an.
„So, nun lassen's uns gemütlich miteinander plaudern, wie man in Wien sagt," rief sie, die Füße hochziehend und es sich bequem machend. „Ich habe ja niemand hier in Berlin, mit dem ich so vertraut plaudern konnte, wie mit Ihnen, Fräulein Marga. Sie sind aber auch die rechte Person dazu, mich zu verstehen!" Sie richtete ihre dunklen, flammenden Augen auf das hübsche, helle Gesicht der jungen Malerin, die stets ein liebenswürdiges Lächeln um die Lippen hatte. Denn Marga' wollte gewinnen und hatte sich völlig in der Gewalt, wo sie es für nötig erachtete, wie auch hier sich von der liebenswürdigsten Seite zu zeigen. Und so innerlich befremdend ihr auch in diesem Augenblicke das Gebaren der Gräfin erschien, entgegnete sie doch zuvorkommend: '
„Sie ehren mich doch durch Ihr Vertrauen, Frau Gräfin!" |
„Ach was, Frau Gräfin," wehrte diese, Me: Asche ihrer Zigarette in den kunstvoll ziselierten^ Aschbecher abstreichend, auf bem ein kleiner. Amor mit gebeugtem Köpfchen seinen Bogest spannte.
-U.LL '(Fortsetzung Mat)