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Marburg

Sonntag, 18. November 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Soch, UmversitätS-Buchdruckerel

Marburg, ME 2L Telephon 55.

\ Ins Schwarze getroffen!

Zur Erwiderung des mit der schönen Ueber- ischrrstFeiglinge" versehenen Artikels der st,Hessischen Landeszeitung", der höchstwahrschein- slich von Herrn n. Eerlach selbst herrührte (ex [sngue leonem"!), wird UNS geschrieben: ! Der Wutausbruch derHessischen Landes­zeitung" in ihrer Dienstagnummer über den Ar­tikelDie Maske herunter,, beweist am besten, wie sehr die nationalsoziale Partei ausklürende Ausführungen über ihren eigent­lichen Eharakter zu fürchten hat, wie sie be­müht ist, die Wähler darüber hinweg;n- tänschen, das; selbst linksliberale Zeitungen die Nationalsozialen als Werbeosfiziere des Sozialismus bezeichnet haben. Wenn sich da­her das nationalsoziale Blatt darüber beklagt, daß wir seine Parteigenosien Hörige der Sozial­demokratie genannt haben, so muß es zunächst sich darum bemühen, daß die den National- sozialen nahestehenden linksliberalen Kreise eine bessere Meinung von der Partei des Herrn v. Eerlach gewinnen. Gerade aus links­liberalen Kreisen sind die denkbar schärfsten A u s s p r ü ch e über die Natio- nalsozialen in die Osffentlichkeit gedrungen. Wenn z. B. der l i n k s l i b e r a l eLauen­burger Anzeiger" schreibt:Die National- sozialen sind in den Wahlverein der Liberalen zum großen Teil eingetreten. Für solche Bun­desgenossen, wie die nationalsozialeHilfe", danken wir bestens. Wir haben nicht Lust, uns unseren -.ehr en werten Parteischild durch unreife Burschen beschmutzen zu lassen, die offenbar keine Ahnung davon haben, was politisches Taktgefühl und poli­tische Ehrlichkeit bedeuten," so ist dieses Urteil erheblich schärfer als alles, was von uns IN Nr. 265 derOberhessischen Zeitung" aus- gefiihrt worden ist. Sogar im Parlament haben freisinnige Abgeordnete, wie der Führer der Freisinnigen Vereinigung im !Abgeordnetenhause, Brömel, die demagogi­sche Hetze der Nationalsozialen aufs schärf sie verurteilt: Gelegentlich der Veröffentlichung des bekannten Fabri- kantrnlicdes in derHilfe" durch Pfarrer Nau- |.mann, äußerte sich Äbg. Brömel über seinen eigenen Parteigenossen in folgender Weise: Die Empörung des Abg. Gamp über das H e tz - gedicht kann nicht größer sein als meine. Gleich ihm beklage ich es tief, daß die Mischung von fanatischem Klassenhaß und dema­gogischer Rhetorik, welche dieses Lied aufweist, in dem Blatte eines Mannes veröffentlicht word-n ist, der sich gedrungen gefühlt hat, Mitglied der Freisinnigen Vereinigung zu wer­den, obwohl ihm bekannt fein mußte, daß diese Art Hetzerei gerade in der Freisinnigen Vereinigung stets bekämpft worden ist und im­mer bekämpft werden wird."

r Also, verehrte Landeszeitung, sorgen Sie zu­nächst nur dafür, daß die eigenen neuen Partei- Nenossen über dis nationalsozialen Ueberläufer anders denken. Wenn schließlich über den Ton unseres Artikels geklagt wird, so mag disHes­sische L«ü^eszeitung" ihre Bemühungen eben­falls an eine andere Adresse richten, nämlich an die ihres Herausgebers, des Herrn v. Eerlach. Gelegentlich feiner Anwesenheit itt Jena hat Herr v. Eerlach nämlich nicht nur den

Wissenschaft, Kürzst und Leben.

Das Wesen des Byzantinismus. ' , (Fortsetzung.)

Dazu bemerkt Friedrich der Große in feinem Antimacchiavell u. a., daß man beinahe lleber- menschliches und sich Widersprechendes von den Fürsten verlange. Einmal sollten sie den Ruhm lieben und große Taten vollbringen, emderer- seits mbSr gleichgültig genug sein, um aus eige­nen; Antrieb auf den Lohn ihrer Arbeit zu ver- sichten. Man sieht übrigens, daß der junge Friedrich in seinem Eifer, Macchiavelli zu wider­legen, ihm etwas unterlegt, was er gar nicht gesagt hat. Gleich nachher kommt er aber zu der folgenden Ansicht hinsichtlich der Fürsten, die nicht zu denlasterhaften" zu rechnen sind, und diese Worte verdienen gerade heute, der .Vergessenheit entrissen zu werden.

rFiH die Fürsten von Verdienst ist die Schmeichelei wie ein Rost, der sich an ihren Ruhm fetzt und dessen Glanz verdunkelt. Ein MaM van Geist empört sich gegen die plumpe Schmeichelei, stößt den ungeschickten Schmeichler zurück. Eine andere Art von Schmeichelei be- ibandelt die Fehler des Fürsten sophistisch, sis i liefert seinen Leidenschaften scheinbare Rechffer- . ttßunff, gibt der Strenge den Charakter der .Gerechtigkeit, macht Liberalität der Verschwen­dung [o ähnlich, daß man sie verwechselt,,,,

Sozialdemokraten öffentlich ver­sprochen, daß er seine Parteifreunde auffor­dern werde, in der Stichwahl für den Genossen gegen den National­liberalen einzutreten, er hat viel­mehr auch in denkbar unfeiner Weise die Tätigkeit des nationalliberalen Abg. Lehmann kritisiert. Bei ber Abstim­mungen über die Steuervorlage habe sich bei Lehmann das Gewissen nicht geregt.Wo nichts ist, kann sich nichts regen." So wurde dem politischen Gegner sogar das gute Gewissen abgesprochen! Also zunächst vor der eigenen Tür; kehren, wer im Elashause sitzt, soll nicht mft Steinen werfen, zumol wenn er, wie dieHes­sische Landeszeitung", sachliche Ausführungen lediglich durch Schimpfworte und Entstellungen zu beantworten weiß und nicht durch sachliche Widerlegung. Ist es wahr oder nicht, daß die Nationalsozialen in den Kreisen Frank­furt a. d. O., Schmalkalden, Erlan­gen, Eisenach, Rinteln, Darm- stadt, Essen für die Sozialdemokraten ein- getretei: sind, daß sie sich über den Sieg der Sozialdemokraten in Hannover gefreut haben? Wir verlangen, daß "dieHessische Landeszeitung" auch nur eine dieser von uns mitgeteilten Tatsachen als unrichtig n a ch - weist und wir wollen ihr dann zugestehsn, das; sie behaupten durste, der Artikel sei voll von direkten Lügen. Erfolgt keine Antwort, so müssen wir umgekehrt feststellen, daß wir es mit einem Eegner zu tun haben, der absichtlich die Wähler des Marburger Kreises täuscht, der nicht mehr darauf Anspruch machen kann, als anständiger Gegner behandelt zu werden. Wir sind auch außerordentlich neugierig, wie die von dem nationalsozialen Zentralorgan in den ge­nannten Füllen ausgegebenen Stichwahlparolen anders gedeutet werden könnten. Wir werden, wenn es notig sein sollte, den Wortlaut der Ausführungen des nationalsozialen Organs in jedem einzelnen Fall den Wählern zur eigenen Beurteilung unterbreiten. Wir glauben ober, daß dieHessische Landeszeitung" in der Vor­sicht den besseren Teil der Tapferkeit erblicken und auf unsere Ausführungen entweder mit einer neuen Flut von Schimpfworten oder gar nicht antworten wird. Das wird uns natürlich nicht daran hindern, an unserer gründlichen Aufkläru.ngarbeit weiter fort zu arbeiten, mögen sich die Wutausbrüche derWeröeoffi- ziere des Sozialismus" auch noch so häufig wiederholen. Wir wollen die National- o z i a l e n in die Notwendigkeit versetzen, ihre Bündnisbestrebungen mit den Sozialdemokraten, nicht nur in den Großstädten, sondern auch in unseren: Kreise offen e i n z u g c st e h e n. Wir wünschen mit Gegnern zu tun zu haben, die offen Farbe be­kennen, die tapfer genug sind, es offen zu sagen, daß sie in den Sozialdemokraten ihre nächsten Verbündeten sehen, wir werden sie dann scharf bekämpfen, aber wir werden sie per­sönlich mehr achten, als wir das jetzt vermögen.

Wenn schließlich dieHessische Landeszei- iung" sich darüber beklagt, daß der Schreiber des vorigem Artikels nicht in der von Herrn von Eerlach veranstalteten Versammlung aufge­treten ist, so möchten wir daran erinnern, daß etwa acht Tage vor der nationalsozialen Ver- . sammlung eine deutschsoziale Versammlung in Marburg mit dem ThemaDas Zusammen­gehen der Nationalfozialen mit den Sozial­demokraten" stattfand, der fernzubleiben die Herren Nationalsozialen für klüger erachteten.

Sie vergrößert hauptsächlich Fehler und Laster der andern, um aus ihnen ihrem Helden ein Denkmal zu entrichten. Die meisten Menschen geben sich dieser Schmeichelei hin, weil sie ihre Geschmacksrichtung rechtfertigt und nur zum Teil lügt. Sie bringen es nicht über sich, den zurückzuftoßen, der ihnen da schmeichelt, wo sie selbst überzeugt sind. Die Schmeichelei, die sich so auf eine feste Basis gründet, ist die feinste von allen, es gehört ein sehr feines Unterscheidungsvermögen dazu, um die Nuance wahrzunehmen, welche diese Schmeichelei von der Warheit unterscheidet. Sie wird den König nicht durch Poeten begleiten lassen, die Ge­schichtsschreiber sein sollen, sie wird 'keine Opern- xroloae voll von Uebertreibungen abfassen, keine faden Vorreden, keine kriechenden Briefe. . . . Sie wird freimütig und. naiv scheinen. . . . Die Fürsten, welche früher etwas anderes waren, können sich dessen erinnern und gewöhnen sich nicht so leicht am die Nahrung der Schmeichelei. Diejenigen aber, die ihr ganzes Leben regiert haben und stets mit Weihrauch genährt wurden, wie die Götter, würden an der Auszehrung ster­be p., wenn es ihnen an Lobeserhebungen man­gelte. Es würde also doch gerechter sein, scheint mir» die Königs z» beklagen, als sie zu ver­dammen. Drtz Schmeichler sind es vielmehr und in noch höherem Grads dis Verleumder, welche Verdammung unb Haß seitens der öffentlichen Meinung verdienen. Ebenso auch Me tzie.

Wäre es ihnen um eine Diskussion in dieser Frage zu tun gewesen, so hätten sie also Ge­legenheit dazu gehabt. Sie blieben aber fern, und deshalb paßt der AusdruckFeiglinge" in dem Artikel in derLandeszeitung" auf die Nationalsozialen in Marburg und nicht mr den Schreiber des Artikels in Nr. 265 der Oberhessischen Zeitung", der an dem Abend der Eerlachschen Versammlung gar nicht in Marburg war, da ihn eine bereits drei Wochen vorher für diesen Abend festgelegte Versamm­lung fern hielt.

Wir raten daher derHessischen Landeszei­tung", mit Ausdrücken, wieFeiglinge" usw. in Zukunft vorsichtiger zu fein, sie wird sich sonst noch häufig in der Lage befinden, sich derartige Abfuhren zu holen.

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Deutsches Reich.

'S ' Berlin, 17. November.

Seine Majestät der Kaiser beendet heule seinen Jagdaufenthalt bei dem Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen und kehrt über Baden-Baden, wo er dem Eroßherzogspaar einen zweistündigen Besuch al stattet, nach Potsdam zu­rück. Dorthin ist bereits gestern abend die Kai­serin von Bonn ans abgereist. Das dänische Königspaar wird cm Montag in Berlin ein­treffen und feierlich empfangen werden.

Der engere Ausschuß der deutsch-konser­vativen Partei hat in seiner am 12. November stattgehabten Sitzung beschlossen, an dem Partei­programm vorn Dezember 1892 einige Abänder­ungen herbeizuführen. Zu diesem Zwecke ist eine besondere Kommission niedergesetzt worden, die ihre Arbeiten derart beschleunigen wird, daß auf dem bevorstehenden Delegiertentage in die Erörterung der betreffenden Vorschläge einge­treten werden kann.

Der Reichshanzhalts-Etatentwurf für 1967 wird den Bundesrat recht bald beschäfttgen kön­nen. Man hatte ursprünglich angenommen, daß es möglich sein würde, dem Reichstage den nächstjährigen Etat bei oder kurz nach seinem Wiederzusammentritt vorzulegen. Es hat sich herausgestellt, daß dies unmöglich ist. Im übri­gen hat sich die Einbringung des Etats beim Bundesrate der Regel nach erst um die Mitte November vollzogen. Der Bundesrat dürste nun, wie gewöhnlich, einige Wochen auf dir Durchberatung verwenden, indessen ist man In Regierungskreisen der Ansicht, daß die Vorlage des Etats beim Reichstage sich im Dezember frühzeitig genug wird vollziehen lassen können, um hier die erste Lesung noch vor den Weih­nachtsferien glatt zu beenden. Es wird auf die Ermöglichung einer solchen Eeschästsdispofition umsomehr hingestrebt werden, als im nächster Jahre das Osterfest auf einen verhältnismäßig frühen Termin fällt, also nach der Beendigung der Weibnachtsferien nicht so viele Sitzungstage wie sonst zur Verfügung stehen, um den Etat rechtzeitig fertig zu stellen.

Das Zentralkomitee vom Roten Kreuz er­stattet in seiner unter dem Vorsitz des Vizeober- zeremonienmeisters und Kammerherrn B. von dem Knesebeck abgehaltenen Sitzung nach Vor­nahme einiger Neuwahlen weitere Berichte über seine Hilfstätigkeit zugunsten unserer Truppen in Südwestafrika. Seit Juli d. I. ist eine reich- r"1"- ....... a

welche den Fürsten feindlich genug gesinnt sind, um ihnen die Wahrheit zu verhüllen. Unter­scheiden soll man aber zwischen Schmeichelei und Lob. Trajan wurde durch den Panegyrikus des Plinius zu lobenswerten Handlungen er­mutigt, Trberius im Laster bestärkt durch die Schmeicheleien der Senatoren."

Das sagte ein junger Fürst mit einem für seine Zeit und seine Stellung beispiellosen Frei­mut. Ein Fürst, dessen lange und selten ruhm­reiche Regierung gezeigt hat, daß auf seine Handlungen und Unterlassungen die Schmeiche­lei niemals den geringsten Einfluß gehabt hat. Friedrich war voll von brennendem Ehrgeiz' daß er den Ruhm suchte und liebte, hat er ost genug selbst gesagt. Schmeicheleien der geist­reichsten Leute seiner Zeit sind ihm überschwäng­lich dargebracht worden . Nie ließ er sich durch sie beeinflußen, auch dann nicht, wenn sie im Verhältnis zu seinem hohen Geist und seinen großen Taten als verdientes Lob erscheinen konnten. Im Alter würde er sich wahrscheinlich mit weit weniger Schonung und mit weit grö­ßerer Menschenverachtung über das Thema aus­gesprochen haben, das er als Jüngling mit edlem Idealismus behandelt hatte. Da gibt er eigentlich keine Widerlegung zu Macchiavelli, gndsrn eine Ergänzung nach der menschlichen eite zu den auf Erfahrung und nüchternem Urteil beruhenden Feststellungen des praktischen (Staatsmanns. . »

liche Menge von Materialgaben dorthin abge­sandt worden. Namentlich wurden zum Weih«, nachtsfeste umfangreiche Sendungen zweckdien« kicher Gegenstände hinausbefördert. Unter die­sen sind Notizbücher zu erwähnen, welche das Bildnis der Kaiserin tragen und mit der Wid­mungDen tapferen Truppen in Deutsch-Süd« westafrika, Weihnachten 1906, A. Viktoria L B* versehen sind. Im ganzen hat das Zentral­komitee, abgesehen von den aus der deutschen Vereinsorganisation vom Roten Kreuz direkt übermittelten Gaben, nahezu an 700 000 Mark, teils zur Beschaffung von Krankenpflegeartikel», Zelten, Baracken, Etzwaren, Getränken, Obst, Wäsche und Bekleidungsstücken und dergleichen, teils zur Gewährung von Beihilfen, freien Brunnen- und Badekuren, Zivilkleidern und ähnlichem verausgabt. 498 Angehörigen des Expeditionskorps wurden bisher freie Brunnen« und Badekuren bewilligt oder vermittelt. Durch Errichtung eines Jnvalidenheims in Wiesbaden ist neuerdings Vorsorge getroffen, daß dort auch im Winter diese Wohltaten geboten werden kön­nen. Jrn weiteren Verlaufe der Verhandlungen beschloß die Versammlung u. a., die bisherigen Normativbestimmungen für die Ueberlassung von Baracken an Krankenhäuser einer Neube­arbeitung zu unterziehen. Die Darlegung bet geschäftlichen Beziehungen des Zentralkomitees zu der Firma v. Tippelskirch ergab, daß von fei­ten des Roten Kreuzes wiederholt Konkurrenz« firmen zur Lieferung herangezogen worden sind, daß aber keine von ihnen besser und billiger lie­ferte, und überdies keine von ihnen in der Lag« war, die zum Teil recht eiligen Aufträge so rasch auszuführen. Ueber die erforderlichen Schritte zur Sicherstellung der Familien des bei der frei­willigen Krankenpflege im Mobilmachungsfall« verwendeten Personals sollen die Verhandlun­gen fortgesetzt werden.

Die Kriegskasse der Sozialdemokratie hat sich im Oktober wieder um rund 62 000 Mark ge­füllt, davon haben die geschäftlichen Unternehm mungen ber Partei ihrer Kasse über 51 000 Mk. zugeführt,' berVorwärts" weist einen Ueber« schuß von 26 300 Mark, berWahre Jakob" und dieGleichheit" einen Reingewinn von 15 000 Mark auf. Die Organisation von Groß-Berlin brachte im Oktober 10 000 Mark auf. Aus den kleineren Beträgen von unter 100 Mark ist überall ersichtlich, daß die Mitglieder ber sozial­demokratischen Partei bei ihren geselligen und festlichen Veranstaltungen stets der Patteikass« gedenken.

Varlamentarisches.

Deutscher Reichstag.

* Berlin, 16. Nov

Am Bundesratstisch: Zunächst niemand.

Die Tagesordnung bringt vorerst Wahlprü­fungen. Dabei sind zunächst die gestern be­schlossenen namentlichen Abstimmungen über bi« Wahl bes Abg. Dietrich (kons.) und Malkewitz (kons.j vorzunehmen. Die Wahl des Abg. Diet­rich wird mit 202 gegen 117 Stimmen bei einet Stimmenthaltung für gültig erklärt. Die Wahl des Abg. Malkewitz wird mit 177 gegen 135 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen gleichfalls für gültig erklärt. Die Linke nimmt dieses

Die Anführung dieser beiden Männer war hier deswegen richtig, weil sie die Wechselwir­kung zwischen dem Charakter des Fürsten einer­seits und ber Bedientengesinnung seiner engeren ober weiteren Umgebung andrerseits klar aus« drücken. Wir leben heute in einer anderen Zeit. Ihr charakteristischer Unterschied für di« uns interessierende Frage liegt hauptsächlich da­rin, daß nicht nur das Verhältnis zwischen Fürst und Volk ein ganz anderes, sondern auch der Abstand zwischen ihnen tatsächlich ein geringerer geworden ist. Davon wird in der Folge noch zu reden sein; hier mögen jene Wandlung nut die Worte: Nationalstaat und Verfassungsstaat onbeuteft.

Es haben auch genug Herrscher gelebt, die wenig zu geben hatten. Dann verliert naturge­mäß die Bedientengesinnung ihren Nährboden, und wenn während der Regierung dieser Für­sten vorn Byzantinismus im öffentlichen Leben wenig zu bemerken ist, so kann das weder ihnen noch ihren Völkern gutgeschrieben werden. An­dere bewahrte ihre Menschenkenntnis, ihr Man­gel an persönlicher Eitelkeit und ihr königlicher Takt vor ber Gegenseitigkeit, welche die Blüte bes Byzantinismus bedingt. Die Gegenseitig­keit soll selbstverständlich ein aktives Eingehen des Herrschers nicht besagen, denn das halte ich heute in einem modernen Staat für ebenso un­wahrscheinlich wie bas: oderint dum metnant»

.(Fortsetzung folgt.)