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mit dem Krersblatt für die Kreise Mardmg Md Kirchkain

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vierteljährlicher Bezugspreis; btt der Expedition 2 3)11, Tfä 9*?n bei allen Postämtern 2,25 M. .exct. Bestellgeld).

*'* *" InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg,

Aeclamen: die Zeile 30 Pfg.

Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.

Sonnabend, 17. November 1906. $n,,"b 3*.

Neueste Telegramme.

Berlin, 15. Nov. Das Zentrum hat im Zchstag einen Antrag eingebracht, der zur ichcrung und Erweiterung der Immunität der Reichstagsabgeordneten eine Aenderung des Artikels 30 der Reichsverfassung vorsieht. Außerdem beantragt das Zentrum, alle hierzu von den verschiedenen Fraktionen gestellten An­träge einer besonderen Kommission zur Vor­beratung tzu überweisen.

Posen, 15. Nov. Wie dasPosener Tage­blatt" meldet, wurde im Dorfe Studziniec bei Rogasen das katholische Schulhaus gestern abend mit Steinen bombardiert. Später wurde in der Nacht die Wohnung des Lehrers beschossen, sodaß die Fensterscheiben zertrümmert sind.

Nom, 16. Nov. Erst gestern abend äußerte sich die römische Presse über Bülows Rede, die allgemein gefallen hat. Es genügt, dieTri- Luna" anzuführen. Sie sagt, die Rede beweise des Kanzlers Lebenskraft, und freue sich über die Anerkennung der loyalen Haltung Italiens in Algeciras. Das Blatt warnt das Publikum vor der Annahme, daß Bülows Wärme für Ita­lien die Folge des Besuches Tschirschkys in Rom wäre, da dieser an dem Verhältnis der beider Staaten zu einander ttichts geändert habe. Schließlich lobt dieTribuna" Bülows Freimut in der Kennzeichnung der Stellung Deutschlands zu Frankreich und England, welch' letzterem Staate er zurnfe, daß Platz für alle in der Welt sei.

London, 15. Nov.Daily Telegraph" meldet aus Tokio vom 14. ds. Mts.: Der Stapellauf des neuen SchlachtschiffesSatsuma" findet morgen in Yokusuka statt. Der Kaiser und der Kron­prinz werden anwesend sein. Das Schiff ist mit vier zwölfzölligen und zehn zehnzölligen Ge­schützen und zwölf Schnellfeuergeschützen ausge­stattet und stellt eine Verkörperung aller Lehren des Krieges dar. Nach den neuesten Informa­tionen folgtSatsuma" im großen Ganzen in den Einzelheiten dem Vorbild des englischen SchlachtschiffesDreadnought". Es liegt Grund zu bent Glauben vor, daß die britische und die japanische Admiralität ihre Pläne und Ideen ausgetauscht haben.

Deutscher Reichstag.

4» Berlin, 15. Nov.

, Am Vundesratstisch: v. Tschirschky, Frhr. », Stengel.

' Die Besprechung der Interpellation über die Internationale Lage wird fortgesetzt.

Staatstsekretär v. Tschirschky entschuldigt sich wegen seines Fernbleibens von der gestrigen Sitzung. Ich muß aber der Aeußerung des Äbg. Wiemer entgegentreten, ich lege mehr Wert auf

5 lNachdruck verboten.),

Uebe? alles d!e Kunst.

Roinan von Clarista Lohde.

(Fortsetzung).

Auch der alte Rat schmunzelte geschmeichelt zn der Auszeichnung, die seiner TiMer zuteil wurde, denn dem in kleinen Verhältnissen leben- ben Subalternbeamten imponierte schon allein der Rang der Gräfin, und alles, was ihm Marga von der Dame erzählt, hatte dazu bei- lgetragsn, ihm einen hohen Begriff von ihrer Vornehmheit und ihrem Reichtum zu geben. Marga entschuldigte sich für den anderen Tag sbei der Mutter, die, obwohl ihr das Fehlen der vergötterten Tochter ein Entbehren bedeutete, .ihr doch lächelnd zunickte.

»Du wirst uns am nächsten Abend berichten, was du bei der Gräfin alles erlebt hast."

!Gewiß, Mama, und ganz genau sollst du Falles erfahren. Die Gräfin hat eine Villa in fder Nähe des Tiergartens für mehrere Monate ^gemietet, Equipage und Dienerschaft bringt sie unit. Ihr könnt Euch danach denken, über welche Reichtümer sie gebieten muß."

1 Dis einzige, die in die allgemeine Freude snicht mit einzustimmen vermochte, war wieder Susann«. Ein inneres Ahnen sagte ihr, daß jder Verkehr Margas in diesem reichen Hause sie

Ihren noch mehr entfremden würde, als es ähr künstlerischer Beruf schon tat. Sie kam da­durch in eine andere Welt, eine Welt, die sie, iCusanna, nicht kannte und die nach dem Ein­druck des Porträts der Gräfin ihr wenig sym- jpathisch erschien. Susann« war eine stille, jschlichte Natur, die ganz in ihren Pflichten auf­ding. ein so liebevolles nur im Wirken für Andere Befriedigung findendes Geschöpf, daß sie fräs Streben und den Ehrgeiz ihrer Schwester Kar nicht verstand, ja oft traurig darüber war, paß diese so den Aeußerlichkeiten des Lebens pachjagte.

die Teilnahme an höfischen Festen als auf die Anwesenheit im Reichstage. Ich war in dienst­licher Eigenschaft in München, habe dabei aber pflichtgemäß Gelegenheit genommen, mich dem Prinzregenten vorzustellen und mit dem dorti­gen Ministerpräsidenten persönlich Fühlung zu nehmen. Sie wollen meiner Versicherung Glau­ben schenken, daß ich keinen anderen Ehrgeiz habe, als dem Reichskanzler ein treuer Mit­arbeiter zu sein zum Wohle des Vaterlandes und des deutschen Volkes. (Beifall.)

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.): Die inneren Verhältniffe der national« liberalen Partei machen die jetzige Exkursion in das Gebiet des Männerstolzes vor Königs­thronen verständlich. Der verstorbene Abg. Dr. Sattler meinte einmal, zur auswärtigen Politik spreche er nicht; es laste sich ja doch nichts Ge­scheites darüber sagen. Herr Basiermann hat gestern aber manches Gescheite darüber gesagt. So ändern sich die Zeiten. Der Reichskanzler hat den Beweis erbracht, daß er zu schweigen versteht. Ebenso wie vor dem russisch-japani­schen Kriegs kann auch heute manch schwarzer Puiikt am politischen Horizonte sein. Trotz der Kanzlerrede sind wir in Europa isoliert. In der Frage des Besuchs der Stadt- und Prestevertre- ter in London teile ich den Optimismus des Kanzlers nicht. Solche Schützenfeststimmung hat in der Weltgeschichte blutwenig Bedeutung. Ich würde mich freuen, wenn unsere jetzigen besteren Beziehungen zu England praktische Folgen hät­ten und das Handelsprovisorium durch ein De- finitivum ersetzten. Dasselbe gilt von Amerika. Der Reichskanzler hat unfern Diplomaten den Alubiades als Muster hingestellt. Hoffentlich richtet sichSpecky" danach. Wir sind isoliert, aber der Starke ist ja am mächtigsten allein. Streben wir, unser starkes Heer zu erhalten und geordnete Finanzen und Zufriedenheit im In­nern zu schaffen. Auf die Liebe des Auslandes können wir verzichten; geachtet wollen wir sein. Der Reichskanzler hat den alldeutschen Verband erwähnt. Ich danke ihm für die Anerkennung, daß die Vaterlandsliebe die Erundstimmung des Verbandes sei. Handeln wir nach dem Grundsätze: Das Volksherz erkannt, die Byzan­tiner verbannt, das Schwert in der Hand! Dann wird Deutschland, wie die Germania auf dem Niederwalddenkmal auf das Schwert gestützt, zum Frieden beitragen. (Lebh. Beifall.)

Slüg. Gothein (freis. Vgg.) glaubt, die Völker seien viel weniger kriegerisch gesinnt als die Monarchen und Kabinette.

Zur Verschlechterung der Beziehungen zu Rußland hat Fürst Bismarck erheblich beigetra­gen, indem er russische Papiere an der deutschen Börse nicht mehr zuließ. Ist denn unsere Han­delspolitik mit ihren Absperrungen geeignet, uns Freunde im Auslande zu erwerben? Die fchutzzöllnerische Mehrheit ist schuld an der chlechten Stimmung des Auslandes gegen uns. Das Sichverstehenlernen zwischen der deutschen und englischen Presie wird nicht bester werden, so lange es in unserer Preste noch Elemente gibt,

Auf dem Heimweg benutzte Marga einen günstigen Augenblick, als der Rat mit Elisabeth voranging, um ein vertrautes Wirt mit Alfred zu tauschen.

Ach, wie glücklich ich bin, Alfred! Nun wer­den andere Tage für uns kommen, ja, schüttle nicht den Kopf dazu. Auch für dich! Ich habe viel Einfluß bei der Gräfin, und es wird mir schon gelingen, dich auch bei ihr einzusühren."

Er wehrte etwas zweifelnd ab:Wo denkst du hin, Marga? Und dann, wenn es dir ge­länge, du weißt, wie ich jede Minute fast meiner Arbeit zuwenden muß."

Nun, die Abends hast du doch frei, und es wird dir sicher auch angnehm sein, mit mir auf diese Weise öfter zusammenzutreffen, denn zu der Mutter werde ich jetzt seltener kommen kön­nen. Ich weiß, die Gräfin wird mich sehr in Anspruch nehmen."

Aber zu sehr darfst du dich der Mutter doch nicht entziehen," warf Alfred mahnend ein. Das würde sie betrüben, und wer weiß, wie lange Ihr sie noch habt."

Warum denn gleich das Schlimmste voraus­sehen," unterbrach Marga ihn unmutig.Gönne mir doch die Freude ungetrübt." ,

Alles alles gönne ich dir," stieß er lei­denschaftlich hervor, und sie im Schutze der abendlichen Dunkelheit an sich ziehend, preßte er plötzlich einen heißen Kuß auf ihre Lippen:

Marga, wirst ou mir denn auch die alte, liebe Marga bleiben, meine süße Braut?"

Welch törichte Frage!"

Liebst du mich denn wirklich, Marga, wirk­lich und wahrhaftig für Zeit und Ewigkeit? Ach, wenn du mir in jener Zeit des Schimmers und Glanzes, in die du nun eintrittst, nur nicht verloren gehst! Mir ginge ja das Beste dahin, das ich besitze, die Hoffnung, der Inhalt meines Lebens, so lange ich denken kann."

Sie zog seinen Kopf zu sich hernieder und sah ihm tief in die Augen:

die & la Schmock z. B. über unsere Beziehungen zu England in dem einen Blatt links, in dem andern rechts schreiben. (Bravo! bei den Freis.)

Abg. Zimmermann (D. Refpt.): Unsere Wirtschaftspolitik muß bestimmt werden aus­schließlich durch die Rücksicht auf die deutsche Arbeit in Stadt und Land. Unsere Preste steht hinter der ausländischen zurück, weil ein großer Teil unserer Blätter verjudet ist (Lärm bei den Soz.) Der Reichskanzler ist der erste verant­wortliche Leiter der Politik; daß er aber in Wirklichkeit nicht regiert, ist offenes Geheimnis. Nervosität ist in unserer Politik von oben ge­kommen. Sind wir nicht schon oft anderen Län­dern nachgelaufen? Die Worte des Kanzlers wir haben cs nicht nötig, anderen nachzulau­fen" sollten an einer bestimmten Stelle gehört und beachtet werden. (Bravo!)

Die Besprechung schließt.

Es folgen Wahlprüfungen.

Die Wahl des Äbg. Büsing (natl.) wird für gültig erklärt. Bei der Wahl des Abg. Held (natl.) beschließt das Haus Beweiserhebung. Für giltig erklärt wird noch die Wahl der Abgg. Dr. Becker (natl.), Holtz (Rp.) und v. ®tod> hausen (kons.)

Die Wahl des Abg. Schlüter (Rp.) wird nach längerer Erörterung entgegen dem Antrag des Abg. Dr. Müller-Sagan (frf. Vp.), der Rück­verweisung an die Kommission verlangt, gleich­falls für gültig erklärt, ebenso die Wahl des Abg. Dr. v. Jaunez (Lothr.).

Die Wahl des Abg. Dietrich- (kons.) bean­tragt die Kommission für gültig zu erklären.

Abg. Gothein (frs. Vgg.) beantragt Un­gültigkeitserklärung und zugleich namentliche Abstimmung über diesen Antrag.

Der Antrag auf namentliche Abstimmung findet die hinreichende Unterstützung, das Haus vereinbart jedoch, die Abstimmung erst morgen vorzunehmen.

Auch die Wahl des Abg. Malkewitz (kons.) beantragt die Kommission für gültig zu er­klären.

Aba. Hoffmeister (frs. Vgg.) empfiehlt Un­gültigkeitserklärung.

Abg. Wellstei« (Ztr.) unterstützt den Kom­missionsantrag.

Abg. Schickert (kons.) bittet gleichfalls um Gültigkeitserklärung.

Abg. Gothein (frs. Vgg.) findet es bedenk­lich, daß hier der Regierungspräsident vor seinen Beamten über die Wahl gesprochen hat. Ich habe hier die eigenhändige Aussage des Herrn. (Schallende Heiterkeit.) Am Ende seiner Rede hat er gesagt: Ich wähle Malkewitz. An dar Gerücht, Dr. Barth sei der Regierungskandidat, hat kein Mensch geglaubt. Der Regierungs­präsident brauchte ihm also auch nicht entpegen- zutreten. Die Konservativen können an jene Wahl nicht zurückdenken, ohne zu erröten. (Un­ruhe rechts.) Was im Flugblatt unmittelbar vor der Wahl von Dr. Barth behauptet wurde, war eine Lüge und Schurkigkeit. Schon aus Reinlichkeitsgefühl sollte die Rechte sagen: mit gy \=ss=! 1

Zweifler! Aber dir soll verziehen sein, weil es doch nut allein deine große Liebe zu mir ist, die dich so sprechen läßt. Und nun komm, wir müssen den Vorangehenden nach­eilen. Sie werden sich schon ihre Gedanken machen."

Und wenn? O Marga, laß doch endlich ab von deinem Eigensinn! Lange können wir die Wahrheit doch nicht mehr verbergen."

Ich fürchte es auch fast," lächelte sie nun, als er sie noch immer nicht loslasien wollte, und seine Lippen immer von neuem ihren Mund suchten.Aber für eine Zeit bitte ich doch um Geduld, wenn du mich nicht ernstlich erzürnen willst . Du weißt, ich habe meine gewichtigen Gründe."

Denen ich nicht beistimme."

Deren Richtigkeit du aber erkennen wirst, wen wir erst am Ziele sein werden."

Das will ich hoffen." I

Marga," ertönte jetzt rufend die Stimme I des Vaters, der jetzt erst bemertte, daß Marga I und Alfred nicht mehr hinter ihnen waren. Mit I hastenden Schritten holten sie die Vorangehen- I den ein. I

Wir hatten Euch in der Dunkelheit ver- I koren und einen anderen Weg eingeschlagcn," I entschuldigte sie sich.Gut, daß du riefst, Papa, I sonst hätten wir Euch beinahe nicht gefunden." I

Wie leicht sich eine Ausrede findet, dachte I Elisabeth, die den wahren Grund des Zurück- I bleibens der'beiden scharfsichtiger als der alte I Rat sogleich erraten hatte, und ein unbehag- I liches Gefühl zog durch ihre Seele. Sie war eine j so eifrige Anhängerin der Wahrheit und Wahr- I Hastigkeit, daß ihr auch die sogenannten Not- | lügen zuwider waren, und noch dazu mit solch I unbefangener Sicherheit vorgetragen, das flößte I ihr wenig Vertrauen in den Charakter Margas I ein. Und wieder durchzog es sie wie ein bit- I lerer Schmerz, daß gerade ihr prächtiger Bruder I sich diese Gefährtin für das Leben erwählt

einer Wahl, die auf diese Weise zustande glom­men ist, wollen wir nichts zu tun haben. Wird die Wahl für gültig erklärt, so muß das Volk glauben, es gebe keinen Schutz mehr gegen amt­liche Wahlbeeinflustung. (Beifall links.)

Abg. Geyer (Soz.): Der ganze Kreis bat ge­wußt, daß das Kösliner Landratsamt für den konservativen Bundeskandidaten agitierte. Schon deshalb muß die Wahl des Abg. Malkewitz für ungültig erklärt werden.

Abg. v. Eerlach (natsoz.) und Merten (frs. Vp.) meinen gleichfalls, hier liege unerlaubte Wahlbeeinflussung vor.

Abg. Wellstein (Ztr.) wendet sich ge- gen die Aeußerung des Abg. v. Eer­lach. Die Angelegenheit sei in der Kommis­sion verschleppt worden. Herr v. Eerlach selbst ist Mitglied der Kommission. Er erschien aber nur zweimal. (Hört! hört! und Heiterkeit.) (Es ist auffallend, daß in manchen ausführlichen Berichten großer Zeh tungen diese Episode ans der gestrigen Sitzung nicht erwähnt ist. Es mag sein, daß abge­sehen von linksliberalen Blättern, die ein ge- wistes Interests haben die Bemerkung grö­ßeren Zeitungen unwesentlich erschien, für Mar­burg ist sie jedoch sehr beachtenswert. Red.)

Nach weiterer Debatte vereinbart das Haus, auch hier die namentliche Abstimmung morgen vorzunehmen und vertagt sich dann auf Freitag 1 Uhr.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 15. Nov. Die polnischen Guts­besitzer in den nordwestlichen und südwestlichen Gebieten vereinigten sich mit dem Führer der Partei vom 30. Oktober", Gutschkow, um mög­lichst viel Kandidaten durch gemeinsames Vor­gehen in die Reichsduma hineinzubringen, Zwischen der Gruppe der polnischen Gutsbesitzer des Gouvernements Mohilew und derPatte! vom 30. Oktober" hat bereits eine Vereinbar'^.- stattgesunden.

Moskau, 15. Nov. Durch die gestern erfolgt» Verhaftung von 20 Personen bei Gelegenheit der Entdeckung einer Bomben- und Waffen­niederlage ist eine gefährliche Anarchistengrupp» aufgelöst worden, welche im engen Zusammen­hang mit dem Attentatsversuch auf den Stadt­hauptmann General Reinbot stand.

Moskau, 15. Nov. Der Unbekannte, welcher das Attentat auf den General Reinbot verübte, wurde heute hingerichtet.

i Lodz, 15. Nov. Heute vormittag überfielen zwei bewaffnete Uebeltäter den Kastierer der Schanter Maschinenfabrik von Arkuschevsky und raubten ihm Wechsel über 11000 Rubel und 250 Rubel Bargeld.

Wilna, 15. Nov. In Kowno wurde die ge­samte dottige aus 57 Personen bestehend» Kampforganisation verhaftet.

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hatte. Denn wenn Alfred auch, beu Willen Margas ehrend, selbst ihren Eltern gegenüber sein Schweigen bewahrte, so hatte er sich der geliebten Schwester doch anvertraut. Ihr hatte er sein volles Herz ausgeschüttet, alles Hoffen und Zweifeln, das seit Margas Heimkehr nicht mehr von ihm weichen wollte. Seitdem litt und bangte sie mit ihm und noch forschender suchte sie das innere Wesen Margas zu er­gründen. Aber nichts Tröstliches hatte sie bis­her gefunden, und je länger sie beobachtete, desto fester war sie überzeugt, daß die Liebe Margas zu ihrem Bruder nicht eine solche sei, auf dek sich ein Zukunftsglück mit Sicherheit bauen laste. Er aber hoffte und vertraute. Wie durfte fit ihm durch den Ausdruck ihrer Zweifel Hoffnung und Vertrauen nehmen? Und konnte sie sich nicht auch täuschen, nicht dönnoch mehr in Mar­gas Seele wohnen, als sie jetzt zu erkenneil glaubte?

Ihr blieb nichts als abzuwarten, und auf Alfreds Einsicht zu bauen, die schließlich doch das Richtige finden mußte.

IV.

Die Gräfin Alaja Palfy war Witwe, stand noch in den besten Jahren und galt für enorm reich. Sie besaß Güter in Ungarn, ein Palais in Wien und ein reizendes Haus in der Avenue Viktor Hugo in Paris. Doch gelüstete es sie, eine Saison in der deutschen Hauptstadtzu ver­leben. Den Winter vorher war sie in München gewesen und hatte dort viel in Künstlerkreisen verkehrt. Lenbach hatte vor Jahren sie und ihren Gemahl porträtiert. Ihr Bild war später^ als sie Witwe geworden, auch in Berlin ausge, stellt gewesen, wo man ihre Schönheit viel be> wundert hatte. In den KLnstlerkreisen MüN-' chens hatte sie auch Marga kennen gelernt und sich sofort für deren junges, aufstrebendes Ta­lent lebrmft interessiert.

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