ächt sagen. Italien befand sich auf der Kon- erenz in Algeciras in schwieriger Frage. Zwi- hen Italien und Frankreich bestanden hiuficht- ich Marokkos gewisse Verabredungen, von «nen wir »Wen, daß sie nicht im Widerspruche irit dem Dreibundvertrage standen. Als «m äe Art und Werfe, wie unsere Rechte und Za- eressen in Marokko verletzt wurden, aas Pim Zorgehen zwang und stch daraus die Konferenz n Algeciras entwickelt, kam Italien in eine nffizile Situation. Zn dieser Lage Hai die damalige italienische Regierung korrekt gehandelt, dicht nur, indem sie uns rechtzeitig hinsichtlich der Begrenzung der ihr in Algeciras möglichen lnterstützung orientierte, sondern auch, indem ie innerhalb dieser Grenzen die »o« uns vrr- retenen Grundsätze und Ziele nach Möglichkeit örderte. Bei diesem Anlatz will ich übrigens gleich sagen, daß alles, was behauptet wird, von lmtrieben deutscher Agenten in Tripoli» oder >on einer von deutscher Sette nach dem Hinterhände von Tripolis vorbereiteten ExpÄftion, terfinbtingeti sind, die lttriglich bezwecke«, Zta- jKen gegen uns mißtrauisch zu machen, üm dann auch in Wien gegen uns Stimmung zu machen. Hat man weiter sogar behauptet, wir beabpch- ngten eine direkte Verbindung von Kamerun )ber Tripolis nach Trieft herzustellen. (Große Heiterkeit.) Alle ernste« italienischen Politiker znd aber zu einsichtig und.zu patriotisch, als Hatz sie Lust haben sollten, de« italienischen Staat aus dem Hafen des Dreibund« hinauszu- ühren in die stürmisch« See neuer Gruppierun- en und abenteuerlicher Kombinationen. So ange Italien fest und loyal zum Dreibunde ieht, trägt es schon dadurch zur Ausrechterhalt- mg des Friedens bei. Der Dreibund hat noch richt sich praktisch betätigen können. Diese Ge- egenheit ist ihm aber hauptsächlich d«halb er- part geblieben, weil er eben bestand, weil das Bündnis der mitteleuropäischen Reiche vorhanden war. Das hat wesentlich dazu beigetragen, Gefahre» für die Sicherheit und die Unabhängigkeit der verbündeten Reiche und damit ein« Nauptgefahr für den europäischen Frieden fern- »«hatten. Es ist auch mir ein Bedürfnis, hier »uszusprechen, wie verläßlich die Unterstützung zoar, die uns Oesterreich-Ungar« in Algeciras gewährt hat, und ich brauche nicht hiuzuzufügen, vatz wir «intretenden Falles Oesterreich-Ungarn dieselbe Treue halten würden, getragen von der Zustimmung dies« hohen Haus« und der rangen Ration. (Lebh. Beifall.)
Hinfichtlich Rußlands muß ich von vsrn- jherei« mein Bedauern darüber aussprechen, daß immer wieder versucht wird, uns die Absicht Unterzuschieben, daß wir uns in innere rusiische Verhältnisse einmischen. Wir intervenieren Auch in Russisch-Polen nicht. Sollte der Brand Lber unsere Grenzen greifen, so «erden wir ihn löschen. Wir wünschen, daß es der russischen Regierung und dem russische« Bolke gelingen möge, leinen Ausweg aus ihren gegenwärtigen inneren Schwierigkeiten zu finden.
Unsere Beziehungen zu Japan pflege ich auch zoeiter auf das sorgsamste. Wir wollen keine Austeilung d« chinesische« Reich«. Wir hatten und wir habe« i« Ostasien nur wirtschaftliche Ziele, deren Erreichung im wesentliche« abhängig ist von der Aufrechterhaltung des Friedens, der Integrität von China und des Prin- gips der offenen Tür.
Was unser Verhältnis zu Amerika angeht, [o wird mir die Mehrheit des Haus« Recht ge« E, wenn ich sage, daß Deutschland und Ame-
i zu bea Völkern gehören, die au« naiür- tn wie aus historischen Gründen auf ein aut« gegenseitiges Verhältnis angewiesen sind. Mr haben Amerika danKar zu sein für seine Haltung auf der Konferenz zu Algeciras, wo « wesentlich dazu beigetrage« hat, die bestehenden Gegensätze auszugleichen. Bei dieser Gelegenheit will ich auch die Behauptung zurückweisen, Mj sei durch den russisch-japanischen Krieg überrascht worden. Ich habe vielmehr der russischen Regierung keinen Zweifel gelassen, daß Japan zum Kriege entschlossen und zum Kriege hervorragend gerüstet sei. (Hört? hört!) Run hält man mir häufig und namentlich vonseiten des
bald sich einer bedeutsameren Arbeit, als sie ihr unter den gegenwärtigen Umständen möglich sei, zuzuwenden vermöge. Mit Sehnsucht erwartete sie die Nachricht von dem Eintrefsen ihrer Pro- tektorin, der Gräfin Palsy, von deren Porträt, wenn « ihr gelungen, soviel erhoffte, denn die Gräfin hatte hier große und vornehme Verbindungen und würde sie, wie sie ihr versprochen, sicher weiter empfehlen, was ihr, der noch unbekannten Künstlerin, von unberechenbarem Werte sti. Alfred lächelte ein wenig zu ihren überschwenglichen Erwartungen, freute sich aber doch mit ihr, als sie ihm eines Abend» bei der Mutter mitteilen konnte, daß die Gräfin wirklich angekammen sei und sie auf den folgende« Taq zu Tisch geladen habe.
(Fortsetzung folgt.)
Musik.
Marburger Abonnementsksnzerte.
Das erste Abonnementskonzeri ider Musikalienhandlung Braun fand fgestern vor gut besetztem Hause unter großem Weifall der Erschienene« statt. Der bekannte Violinvirtuose Carl Flesch, der seit Ende 1903 Lehrer am Konservatorium zu Amsterdam ist, hatte sich mit einem jungen in Frankfurt »usgebildeten Klavierspieler Noah Stein- ®erg verbündet, dem hiesigen kunstsrohen Publikum einen hocherfreulichen künstlerischen Genuß zu bereiten.
s Prof. Carl Flesch, der 1873 in Angarn geborene, in Wien und Paris ausgebildete Gei- •ser. hat. seitdem er in Frankreich, Deutschland
Alldeutschen Verband« die Kürassierstiefel Seil vor
nicht mit allem und jedem in seiner Auffassung pastoral anmutenden Romanze _G duc von
Fürsten Bismarck vor. Dem Alldeutschen Verbände aber muß ich erwidern, es kommt in der auswärtigen Politik mehr auf die Klarheit be» Kopses ots auf die Wärme des Hebens an. (Sehr gut? links.) Unsere Politik soll korrekt fehl, aber nicht überschwenglich. Das Recht, der öffentliche« Kritik soll auch in der auswärtige« Politik nicht bestritten werden, aber die Klagen ■ dürfen sich nicht in phantastischen Uebertreibun- gen bewegen. Deutschland braucht sich vor einet Isolierung nicht zu fürchte«. Wären wir wirk* lich isoliert, so brauchten wir nicht zu flennen wie das einsame Kind im Walde. Ein Volk wie da» deutsche mit seinem starken Heere ist niemals isoliert, so lange « sich nicht selbst aufgibt. Die Vergangenheit kennt Zeiten, in denen Deutschland der Isolierung näher war als jetzt. Unsere Situation würde heute eine leichtere sein, wenn wir nicht die überseeische Polttik In-. auguriert hätten. Wir wissen aber, welche elementaren Triebkräfto uns in die Weltpolitik hineingeführt habe«. Wir hönne« in schwierige Situationen kommen, aber wir habe« keinen Grund zu »erjagen. Gewiß sind hier und da Anruhen vorhanden, die uns zur Vorficht und Amficht mahnen. Sorgen wir dafür, daß unsere Machtmittel zu Wasser und zu Lande für unsere V°tteibigung ausreiche«, vergesse« wir aber über unseren wirtschaftlichen, konfessionelle < und politischen Streitigkeiten nicht das Jnteressa des Ganzen. Dann wird das deutsche Voll seine Stellung in der Welt zn behaupte« wissen. (Lebhafter Beifall.)
Das Haus beschlicht die Besprechung der Interpellation.
Aög. ». Bollmar (Coz.) findet die Gesamtlage de» Reich« so schlecht, wie sie schlechter gar nicht gebaut werben könne. Zm Auslande glaube man, Deutschland wolle die innere Unzufriedenheit durch ausländische Abenteuer ablenken.
Abg. Graf Limburg-Stiru« (Kons.) bleibt auf der Tribüne unverständlich.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.) warnt vor einer allzu pessimistische« Beutteilung unserer Lage. Er empfiehlt, den Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten öfter zu berufen und dem Reichstag öfter als bisher über die auswärtige Lage Mitteilung zu machen.
Log. D:. Wiemer (frf. Dp.) glaubt, der Dreibund habe nicht mehr die frühere Kraft und empfiehlt sorgsame Auswahl in der Persönlich- tett unserer Diplomatie.
Reichskanzler Fürst Bülow wenbet sich gegen de« Vorwurf, al» seien unsere Diplomaten be- r-chttgten Anforderungen nicht gewachsen.
Schluß d« Bettchts 6 Ahr.
Hessen-Nassau und Nachbarsiebrete.
Lasse!, 14. Nov. Heute begeht hierselbst ein aller, verdienter Kriegsmann, Oberstleutnant z. D. Friedrich Wilhelm Eunkel, den Tag, da er
Deutsck'eS Resch.
Berlin, 15. November.
Seine Majestät der Kaiser traf gestern, von München kommend, vormittag» 8^ Ahr in Donaueschingen ein und wurde am Bahnhof vom Fürste« von Fürstenberg empfan- ge«. Der Kaiser wird bis zum Samstag dott verweile« und voraussichtlich über Baden-Baden dann «ach Potsdam zurückkehren.
— Dem Reichstage wird heute ein Rach- tragsetat für ELdwestafttka zugehen, der am Montag nächster Woche .zur Beratung gestellt wird. Bei dieser Gelegenheit wird Kolonial- direttor Dernburg sein Programm entwickeln.
— Der gestern in Berlin eingetroffene öfter- reichische neue Minister d« Auswärttge« Frhr. v. Aehrenthal wirb heute mit dem Reichskanzler Fürste« Bülow wichttge Besprechungen habe« an denen auch der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin teilnimmt. Zweifellos werden, zumal Herr v. Aehrenthal eben erst von Pttersburg kommt, polttisch wichtige Unterhaltungen gepflogen werden, die dem Besuche besonder« Interesse verleihen.
75 Jahren in den Dienst hat. Mit dem Jubilar feiern ht der Familie den Ehren- und Freudentag feine ihn pflegende Tochter urkd zwei Söhne. Beide find vreußische Offiziere, »er eine Major z. D. sm Kriegsministettum. der j andere Oberst und Kommandeur des 8. Lothringischen Infanterieregiments Rr. 135.
wert darzustellen.
Der noch junge Klaviervirtuose Roah Steinberg hat sich trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit fein« Auftreten sowohl in eignen Konzerten als auch i« seiner Eigenschaft als taktvoller Begleiter anderer Künstler einen guten Namen erworben: So rühmten die Kritiken über feinen letzten Klavierabend in Frankfurt vorzüglich seine blendende Technik. Drese fand denn auch hier volle Bewunderung des Publikums in Liszts farbenfrohem „Venezia be Napoli." Steinberg Sauberkeit und Wucht des Anschlags, die Kraft der Durchführung des gewählten Stimmungsgehalt« fanden gerade In diesem Stück ihren eminenten Ausdruck. Die technische Seite dabtt ist großen Lob« wett; daß Steinberg tatsächlich versuchte, auch dem i n n e re n Gehalt gerecht zu werden, zeigte ebenfalls seine Ausführung von Mendelssohns Präludium und Fuge in E moll op. 35, und es kann kein Tadel fein, wenn wir uns da
und Ausführung einverstanden erklären. Ganz sympathisch berührte uns der in seiner Einfachheit große Schlußsatz. Unverkennbar aber zeigt die Kraft des rythmischen Gefühls, die Eigenart der Auffassung und der Durchführung feiner Aufgabe in Steinberg eine eminente Begabung, die aus ihm den vollendeten Künstler schaffen wird.
Dem Zusammenwirken der beiden Virtuosen wirtte zuerst ein wenig ihr Gegensatz zwischen der Auffassung und der Betonung d« ryth- mischen Elements entgegen. Es trat dies in Brahms Sonate Nr. 8 Dmoll am merklichsten zu Tage; Prof. Flesch, dem seine glänzende, geradezu unfehlbare Technik « gestattet, das ganze Gewicht seiner Kunst auf die Echtheit und Größe des Ton« und zugleich auf die innerste Erfassung der gestellten Aufgabe zu legen, konnte sich natürlich an die unbedingte Taktkorrettheit seines Begleiters nicht binden, damit aber war der Grund zu einer, wenn auch nur geringen Schädigung der Ausführung des Btahmsschen Opus gegeben. Daher kam es denn wohl auch, daß eher für das „Presto ngitato“ der Zusatz „con sentimento,, gelten konnte, als für das „Un poco presto". Gleichwohl versprach schon dies erste Zusammenspiel so Gutes, daß das Publikum von Anfang an nicht mit dem Beifall kargte. Dieser steigerte sich außerordentlich wahrend des Solospiels von Prof. Flesch. Seine Wiedergabe von Ioh. Seb. Vachs Sonate Nr. 1 G-moll war eine ganz hervorragende Leistung; vorzüglich besonders das meisterliche Spiel der F u g a und die Charakteristik des Siciliano. Auch in der
unb Oesterreich öffentlich auftrat alle Anerkennung gefunden. Doch steigerte sich diese erst bis zum Enthusiasmus als Flesch im Winter 1902/3 in drei Konzerten zu Berlin, stch als einer der ersten unter den jüngeren Geigern auswies. Hatte et von 1897—1902 als Lehret am Konservatorium zu Bukarest und als Leiter d« bärtigen Hofquattetts gewirkt, so ward ihm nun die Berufung nach Amsterdam zu Teil. Und noch jetzt ist er dott als Lehret am Äonfetcatoti um ebenso geschätzt, wie alsVetanstaltet vonViclin- abenben. In diesen pflegt et dem Amsterdamer Publikum die Entwicklung der Geigenliteratur von ihren frühesten Anfängen an bis zur Segen«
Cassel, 14. Nov. I« arge Verlegenheit setzte laut „Lass. Allg. Ztg." ein hiesiger junger Mann seine Braut unb deren Angehörigen. Als bet Termin des Hochzeitstages heranrückte, hiegte es der Bräutigam mit der Angst ju tun und et hielt es für das beste, umzukehren und als Junggeselle noch in der Freiheit weiter zu leben. Der Bruch war natürlich et« vollständiger unb bie beiden junge« Leute, die sonst an Zärtlichkeiten sich nicht gütlich genug tun konnten, hatten jetzt nur noch Blicke tiefster Berachtung für sich Übrig. „6t" ging sogar so weit, „Eie" in einem Lokal öffentlich zu verleumden, fodaß schließlich ein Prozeß die Folge warb. Vor Gericht traf sich das ehemalige Liebespaar feit langem jetzt zum erstenmal. Infolge der Schwere bet Beleidigung wurde der Ex-Bräutigam zu dreihundert Mark Geldbuße verurteilt. Ihm dürste vorerst die Lust zum Heiraten auf lange Zttt hinaus verleidet worden fein.
Fulda, 12. Rov. Der Würgengel Tod hält zurzeit in hiesiger Stadt, besonders unter den Kindern, eine sehr große Ernte. So find in der ' abgelaufenen Woche nicht weniger als 15 Kleine, einige Wochen bis zu 3 Iahten alt, an Diphtetttts, Scharlach, Masern ufw. dahingerafft worden.
Hanau, 14. Roo. Bor einigen Wochen wurde in Fulda bei einer nächtlichen Streitigkeit ein Italiener erstochen. Unter dem Verdacht, diese Tat begangen z« haben, würbe heute in bas hiesige Landgerichtsgefängnis ein etwa 2-jähriger Schirmflicker namens Delis tingeüefe-t. Der junge Mensch, bet im Bayrische« verhaftet worden ist, befreitet, b-t Tätet zu fein.
Höchst a. M., 12. Rov. In Anbetracht der hohen Lebensmittelpreise hat die Maschine«, fabrik W. Albach ihre« Arbeitern eine Sproz. Lohnerhöhung bewilligt.
Herborn, 13. Rov. Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß der Jagdpächter Brühl auf der Straße nach Struthütten ein Reh geschossen habe, das von rohen Leuten verfolgt wurde, dann eine Mauer abstützte und mit drei gebrochenen Läufen liegen blieb; außerdem hatte « noch verschiedene andere Wunden. Ts wat der reinste All der Menschlichkeit, daß bas Tier durch einen Schuß von seinen Qualen befreit wurde. Aber es war Schonzeit, und fo hatte pch Brühl euf eine Anzeige hin vor dem Ge- ttchie wegen Jagdvergehens zu verantworten. Und stehe da, es erfolgte eine Geldstrafe von 5 «X. Diese Anwendung haben stch bie Gesetzgeber wohl nicht träumen lassen. Der Richter meinte denn auch, der Angeklagte sei ein Opfer der Moral geworden.
Wetzlar-Medergirm«, 13. Roo. Infolge Explodierens einer brennenden Lampe wurde das drei Iahte alte Kind eines hiesigen Einwohners gestern Abend detatt verbrannt, daß man « sofort nach Gießen in bie Klinik »erbringen mußte. . ?
Langsdorf, 13. Rov. Durch die Amnestie des Großherzogs geht u. a. auch der frühere Bürgermeister von Langsdorf, Üandtagsabgeordneier Köhler, der wegen Beamtenbeleidigung zu mehrmonatlicher Gefängnisstrafe verutteitt worden war, straffrei aus.
Schlangenbad, 14. Rov. Freiherr v. Kraus- kopf auf Schloß Hohenbuchau schenkte der hiesigen Gemeinde 20 000 <* zum Neubau einer evangelischen Kirche.
Mainz 14. Nov. Die Bürgermeisterei hat beschlossen, angesichts der Preissteigerung aller Lebensmittel sämtlichen städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage zu bewilligen.
Göttingen, 12. Nov. Bei dem Kriegetfest in Meensen am 10. Juli d. I. erstach der Stein, bruchsarbeiter Heinrich Busch aus Oberschelden den Vorsitzenden des festgebenden Kriegerveteins nach kurzem Wortwechsel. Das Schwurgericht verutteilte heute den Busch unter Annahme mildernder Umstande zu drei Iahten Gefängnis.
Biebrich, 14. Nov. Ein hiesiger Gastwirt der feinen Gästen gegen vollwertiges Geld mitt« b<*-wertiges Biet, fog. „Tröpfelbiet", vorgesetzt hatte, wurde vom Schöffengericht wegen Ver-
ßefjatf g-gen das Rahrungsmittelgefetz zq 206 Mark Geldstrafe verurteilt. **
Salzungen, 13. Nov. Den Tod in den Wel-' len bes Burgfe« hat in früher Morgenstunde ein Fräulein Theodore R. Die Leiche bet Un* glücklichen, bie in den besten Bethöltnissen lebt« und die Tat in hochgradiger Nervofuät began-' gen z« haben scheint, wurde im Laufe des Vor»' mittags unterhalb d« Felsens geborgen. ,
Bochum, 14. Rov. Im Iahte 1901 erlitt bet Bergmann Michallak von Röhlinghausen auf. der Zeche Königsgrube einen Unfall, bei dem et, sich den Fuß schwer verletzte. Damals wurde die' Arbeitsunfähigkeit des Michallak von der Be- rufsaenossenfchaft auf 13% pEt. festgesetzt. Um; die Renten noch weiter zu beziehen, oder sie; noch zu erhöhen, wirtte M. äußerlich durch straffes Anziehen der Binden auf den Fuß.^ Heute hatte er sich wegen Betrugs vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragte zehn Monate' Gefängnis. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf das raffinierte Vorgehen des M. auf ein Zahl Gefängnis und fünf Zähre Ehrverlust. M wurde sofott verhaftet.
MarLurg und Umgrgeud.
(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nut mit der deutlichen OuellenangabT
.Oberheff. Mg.' gestattet) #
Marburg, 15. Novbr.
-B- Ober hessischer Lehr rtund. Gestern sand' im großen Saale des „Hotel Freidhof" hier die diesjuhrige Herbstverf-'mmlung d« „Oberheff. Lehrerbund«" statt. Die Beteiligung wat recht- gut. Professor Dr. Schmeil sprach über „den ge»! genwättigen Stand der Methodik im natur- geschichtlichen Uniettit". Der Redner charakterisierte die fottschreftende Entwicklung Naturwissenschaften seit LinnZ bi» auf unseres Zeit unb zeigte, inwieweit die Schulmethodik gefolgt fei. 1 ie Ausführungen Pros. Schmerle,! des erfolgreichen Reformators auf dem Gebiete« des natu-geschichtlichen Unterrichts, fanden tri»} chen Beifall. Mit der Netfammlung war eine Abstellung zahlreicher, von Pros. Schmeil her-1 cusgegebcner zoologischer und botanischer la»' fein, die gegenwärtig al» die besten ihrer 8rt, gelten, verbunden.
* Vaterländische Festspiele. Für die ungc», wöhnliche Anziehungskraft, welche diese eigen«, artige Darbietung auf alle Bevölketungskreise in Stadt und Land ausübt, spricht deutlich die Tatsache, daß der Besuch mit jeder Vorstellung ganz eryeblich steigt. Gab es am Sonnabend,, Sonntag und Montag schon gut besetzte Häuser/ so herrschte in bet gestrigen Vorstellung Ueber- füllung und nur der umsichtigen Verteilung gelang es, allen Ansprüchen gerecht zu werben. Bei der gestrigen Nachmittag-Vorstellung wollte es bes Jubels und Beifalls schier kein Ende nehmen; denn ein herzerauickender Anblick ist «,, ben besonders die frische, ftöhliche Menge der Kinderschar Bietet, wie sie, bald ernst, bald froh' erregt, immer aber mit gespanntestem^ Interesse ben einzelnen Vorführungen folgt. Die Oberrealschule z. B. mar mit der Lehrerschaft fast' vollzählig erschienen. Von auswärts war eine, sehr große Anzahl mit ihren Schulen anwefenb,, ferner auch das Lehrerseminar Frankenberg mit 100 Personen. Großer, stürmischer Beifall wurde' ben Darstellungen zu Teil und alle Besucher verließen hochbefriedigt die Aufführung. — 3«i ben weitere« Vorstellungen ist schon eine große Anzahl Karten im Vorverkauf abgegeben. Wer sich daher noch Plätze sichern will, muß sich beeilen.
L. Frauenbildung — FrauenstudiuM. Man schreibt uns: Wer — sei es als Gast, sei es als' Mitglied des Vereins Frauenbildung — Frauen- ftubium — die gestrige Abendversammlung besucht hat, wird einen gewaltigen und darum dauernden Eindruck von dem hohen sittlichen' Ernste bekommen haben, mit dem die Rednerin,' Fräulein Westerkamp, ihren Beruf als Juristin auffaßt. „Warumbrauchenwir weibliche Juristen?" lautete das Thema, das Frl. W. auf Wunsch bes Vorstandes auf der 8. Generalversammlung am 27. Mai d. I. in Freiburg in einem öffentlichen, Vortrage behandelt hatte, den sie bann wies schon in Göttingen unb Wiesbaden auf dringende Bitten bet hiesigen Abteilung auch hier
Beethoven und in Dvoraks Slavifchem! Tanz Nr. IV bewies Flesch, wie tief er in bie; Eigenart sein« Instruments eingebrungen ist.. Die Doppelseele, bie in so vielen Schöpfungen Dvoraks sich barstellt, tiefes Ringen zwr-, schon einem männlichen unb einem rocip=; lichen Element im flavischen Gefühlsleben sprach, aus leichten und aus träumerischen Kadenzen, warm an. Voll innersten Lebens war auch bie Ausführung von Paganinis Fantasie über« ein Thema aus Moses (auf der <3-Saite), an« Stück das nur die besten unter ben Meistern auf der Geige mitvollemErfolgzu Gehör bringen vermögen. Unb Flesch konnte mit' dem seinen zufrieden sein.
Hatte schon vorher Steinberg nach feiner Interpretierung Liszts durch einen volksfüm-, lichen, gefühlswarmen Chopin sich betonten; dürfen für ben großen Beifall bes Publikums,; so sahen sich am Schluß des Konzerts die beiten; Künstler geradezu gezwungen, als letzten Dank Schuberts Ave Maria der andächtig lauschenden Zuhörerschaft zum Abschied darzubie- ten; unb als schon der Saal weit über bie Halste, sich geleert hatte, spendeten sie noch eine zweite Beigabe voll süßer Melodei; und auch bann noch; hätten sich einige Begeisterte am liebsten gar; nicht mehr von den Künstlern getrennt. Aber' die Lichter erloschen, der Saal warb leer. Nur draußen ging ein Gemurmel, aus dem echte; Freute und das Glück eines wahren Genusses hervorklang: wohl bet schönste Dank, den dick! beiben Künstler auf ihre weitere Fahrt mitneh»; men können. -*•"*'*' > ö f
_ Marburg, 15, November 1906,^