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JVs. 269

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Druck imb Verlag- Joh. Aug. Koch, Universttätz-Buchdruckrrei 41. Jahrg» Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Marburg

Freitag, 16. November 1906.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SonntagsdeUa».:' SUuftrirttf

Neueste Telegramme.

/ Berlin. 11. Nov, Der österreich-ungarische Minister des Aeußern, v. Aehrenthal, ist heute früh hier eingetroffen.

Breslau, 14. Nov. Der polnische Zirkel am fürstbischöflichen Konvikt Hierselbst wurde nach dem PolenblattKatholik" vom Kardinal Kopp wegen Pflege grobpolnischer Gesinnung aufge­löst. (Kardinal Kopp scheint es mit der Be­tätigung seiner deutschen Gesinnung ernst zu nehmen.)

Essen, 15. Nov. Die Vorstände der fünf Bergarbeiterverbände haben nunmehr gemäß dem Vorschlag der Siebenerkommission an den Reichstag eine Eingabe wegen der Lebensmit- telteuerung gerichtet. In der Eingabe wird da­rauf hingewiesen, daß in den dichtbevölkerten Bergbaurevieren durchweg die Lebensmittel etwas höher inr Preise stehen, als selbst in gro­ßen Städten, und daß die Erhöhung der Lebens­mittelpreise so drückend ist, daß bei normaler Arbeitszeit und Schichtenzahl die Familie eines im Bergbau tätigen Arbeiters nicht mehr aus­kommen könne. Die Bergwerksbesitzer hätten durchweg auf die Lohnforderungen der Arbeiter erklärt, daß sie die Löhne nicht so steigern könn­ten, wie die Lebensmittel im Preise gestiegen seien.

Posen, 15. Nov. DerDziennik Poznanski" teilt mit, daß die Polenpetition an den Kaiser wegen des Religionsunterrichts nicht von den geistlichen Behörden ausgegangen ist, sondern von Privatpersonen.

München, 14. Nov. Auswärtige Zeitungen enthalten Mitteilungen über einen Attentats­versuch auf den Kaiser. Bei der Festfahrt über den Marienplatz soll danach ein Pistolenschuß gefallen sein. Alle diese Meldungen sind reine Erfindungen, an denen kein Wort wahr ist.

Baffermann c|a Bülow im Reichstage.

Ain gestrigen Mittwoch zeigte schon die dichte Besetzung von Haus und Tribüne im Reichstag, daß eingroßer Tag" bevorstand. Zur Be­sprechung gelangte die Interpellation des Abg. Bassermann über die Lage unserer auswärtigen Politik. Nach­dem sich Reichskanzler Fürst Bülow bereit er­klärt hatte, die Anfrage sofort zu beantworten, ierhielt erhielt zur Begründung der Jnterpel- jjation Abg. Bassermann (nl.) das Wort: i: Nach den Vorgängen der letzten Wochen kann itnan nicht bestreiten, daß sich überall Klagen er­heben über die tatsächliche und offizielle Leitung unserer auswärtigen Politik. Nach der Ver­öffentlichung der Hohenloheschen Denkwürdig- i leiten bedauern wir doppelt, daß Fürst Bismarck vorzeitig aus dem Amte schied. Der Ernst der Lags kann nicht verkannt werden, und das Ver­traue» zur Leitung unserer auswärtigen Poli-

* j (Nachdruck verboten.)

Neber alles die Kunst.

Roman von Elarissa Lohde.

(Fortsetzung).

Du hast ja recht, Marga, und doch aber nein, ich wist dir keine Vorwürfe machen, Du bist eben die kühlere Natur von uns beiden. Doch um eines möchte ich dich heute trotzdem bitten. Gestatte, daß ich mich den Eltern offenbare, des Vaters und der Mutter Segen für unseren Bund erflehe. Es drückt mich wie ein Unrecht, das ich begehe, diese Heimlichkeit vor den gütigen Eltern."

Sie richtete sich mit leicht gerunzelten Brauen 6» die Höhe.

Wo denkst du hin, Alfred? Jetzt, wo die Mutter so krank ist, mit einer Eröffnung zu kommen, die nicht ohne Aufregung an ihr vor- übergehen kann. Man würde uns egoistisch schelten, uns gar nicht verstehen. Nein, diesen Gedanken mußt du ganz fallen lasten, vorläufig wenigstens, bis bestere Zeiten kommen, die uns gestatten, an das eigene Glück zu denken." r Er war ein wenig blaß geworden, sein Aug« -haftete mit bangem Forschen auf ihr.

'Und das ist der einzige Grund," fragte er mit verhaltener Stimme, ,)>er dich an dem Ge­heimnis fefthalten läßt?"

!> Sie hob den Kopf mit einer energischen Be­wegung noch höher.

Nein, nicht der einzige. Ich halte es auch in Rücksicht auf unsere eigene Zukunft, das heißt auf unsere künstlerische Zukunft, für bester, von einer öffentlichen Verlobung vorläufig abzu­sehen" und, als er eine abwehrende Be­wegung machte, fügte sie mit leichtem Vorwurf hinzu:Für dich freilich würde es nicht viel zu .sagen haben, ob du verlobst bist oder nicht. 'Männer können.ohne Nachteil tun, was.Wir

tik ist nicht mehr dasselbe wie zu Bismarcks Zeit. Fast scheint es, als würden die exponierten Aemter nicht nach dem Maße der Tüchtigkeit be­setzt. (Sehr wahr! links.) Unsere Zustände er­innern vielfach an Byzanz. Man spricht immer wieder von der Isolierung Deutschlands. Dis Erbschaft Bismarcks war eine glänzende. (Zu­stimmung rechts, Lachen bei den Soz.) Damals wurde Deutschland geliebt und geachtet. (Lachen bet den Soz.) Heute besteht Bismarcks Werk zum großen Teil nicht mehr. Wir sind einge­treten in eine Periode der Reisen und Reden und liebenswürdigen Telegramme, in eine Pe­riode der Unstetigkeit. Der Dreibund hat heute kaum noch praktischen Wert. Preste und Bevöl­kerung Italiens neigen immer mehr zu Frank­reich. Wird Italien im Falle eines Krieges seiner Bundespflicht genügen? Können wir diese Frage nicht bejahen, dann hat der Drei­bund keinen Zweck mehr. Auch die Freundschaft Italiens zu Oesterreich erkaltet. Oesterreichs korrekte Haltung auf der Konferenz zu Alge­ciras haben wir anerkannt; es war freilich nicht der brillante Sekundant, sondern der unpar­teiische Richter. Vielen von uns ist der Drei­bund kein deutsches Machtmittel mehr. Frank­reich spinnt die alten Fäden gegen uns weiter. Einen Eingriff Deutschlands in die inneren rus­sischen Wirren halte ich für ausgeschlossen. Der Angelpunkt der Politik ist heute England, das unsere Isolierung erstrebt. Wir begrüßen, daß die Kriegsgefahr mit England geringer gewor­den ist. Dazu mag die Fahrt der Bürgermeister und der Journalisten beigetragen haben. (Zu­ruf bei den Soz.: Mumpitz!) Neue Freundschaft bildet sich in aller Welt; wir aber sind nicht da­ran beteiligt. Wir geraten immer mehr in die Isolierung das denken viele Patrioten.

Heute haben wir den Eindruck, als ob unsere Politik vielfach der Ruhe und Stetigkeit ent­behrt. Auch fit unsere Diplomatie nicht an allen Stellen der Welt der ausländischen ge­wachsen. Diese Ausführungen sind nicht diktiert von Schwarzseherei oder Angst. Wir vertrauen auf unser Heer und auf unsere Flotte. Diese Bemerkungen sind diktiert von ernster patrioti­scher Sorge. Uns tut jetzt nichts so not wie die Wahrheit. (Lebh. Beifall.)

Reichskanzler Fürst von Bülow: Bevor ich mich sachlichen Ausführungen zuwende, möchte ich auch von dieser Stelle meinem Dank Aus­druck geben für die vielen freundlichen Beweise von persönlichem Wohlwollen und persönlicher Sympathie, die mir während meiner Erkrank­ung von Mitgliedern dieses hohen Hauses zuteil geworden sind.

Was nun zunächst unser Verhältnis zu Frankreich angeht, so glaube ich, wir mästen unterscheiden zwischen dem, was vielleicht an und für sich wünschenswert und dem, was nach Lage der Verhältniste möglich ist.

Frauen klüglich meiden müsten. Uns pflegt man aber, sobald wir in den Brautstand eintreten, in unserem Berufe nicht mehr recht ernst zu neh­men. Das ist eine Tatsache, gegen die man sich nicht verschließen darf. Man zuckt lächelnd die Achseln und fertigt unsere Leistungen als Dilet­tantismus ab. Sieh, Alfred, und das könnte ich nicht ertragen. Wir wollen uns doch nicht täu­schen, sondern wahr gegeneinander sein, und des­halb sage ich offen:Ueber alles die Kunst!"

Eine Wolke breitete sich über seine Stirn, wie verhaltener Schmerz zuckte es um seine Lippen.

Verstehe mich recht," fuhr sie mit ihrer süßen Stimme nun schmeichelnd fort,das tut meiner Liebe zu dir ja durchaus keinen Abbruch. Ich Habs der Kunst, wie du weißt, meine Jugend, mein Leben geweiht. Du ahnst vielleicht gar nicht, wie fleißig ich in München gewesen bin, wie ich ganz und allein nur meinem Studium gelebt habe. Und nun sollte ich plötzlich alles wieder aufgeben, ohne erreicht zu haben, was mir solange als das Ziel meines Lebens vorge­schwebt hat, mir einen Namen in der Kunst­welt zu machen? Du bist ja selbst Künstler und wirst mich daher recht verstehen. Bedenke, daß ich nicht zu den gewöhnlichen Frauen gehöre, denen Liebe und Ehe alles ist. Ich will nicht allein deine Frau, nein, deine Kameradin auf dem Wege des Lebens werden. Laß uns beide vereint vorwärts streben, dem Ruhm entgegen. Und sind wir etwas geworden, haben wir uns durchgerungen zu einem Können, zu dem andere neidisch emporblicken, dann laß uns einander die Hand reichen zum dauernden Bunde. Dann werden wir für unser Glück nicht mehr zu zittern brauchen. Dann haben wir es uns er­rungen durch unsere eigene Kraft."

Alfred hörte ihr mit tiefgesenktem Haupte -u. In ihm bäumte sich etwas auf gegen diese Morte kluger Vor- und'Einsicht Ach, wenn sie

Der Gedanke eines engeren Anschlustes oder eines Bündnistes mit Frankreich, wie er ja hier und da in der Preste auftaucht, ist, wie die Stimmung in Frankreich noch ist, nicht realisier­bar. Der Grund hierfür liegt in den Ereig- nisten der Vergangenheit, die von uns und un­seren französischen Nachbarn verschiedenartig be­urteilt werden. Er liegt auch in der Lebhafttg- keit des französischen Patriotismus, den man je nach dem übertriebene Eigenliebe oder nach- ahmungswürd'rgcn Nationalftolz nennen kann. Ich vergeste niemals das Wort, das mir einmal ein prachtvoller französischer Diplomat und Historiker sagte: Der westfälische Frieden, der Frankreich gebar und Deutschland aufgelöst Hai. Ich überlaste es jedem, hieraus die nötigen Schlüsse zu ziehen. Frankreich war ein in sich gefestigtes und geschlostenes Reich, als Deutsch­land und Italien noch geographische Begriffe waren. Die Lenker der französischen Politik sind sich auch nie im Zweifel gewesen, über den kausalen Zusammenhang der zwischen diesem politischen Uebergewicht Frankreichs und der Zerrissenheit seine: Nachbarn bestand. Aber auch Italien ist heute kein lose gefügtes Mosaik. Im Innern als einheitlicher Nationalstaat und an den Dreibund gelehnt kann es sich heute Frankreich nähern, ohne Besorgnis, von seinem mächtigen Nachbarn abhängig zu werden. Wir hoffen alle, daß die Zahl der einsichtigen Fran­zosen, die einen Angriff auf Deutschland grund­sätzlich verwerfen, immer mehr zunimmt. Was weiter möglich erscheint, ist, daß beide Völker sich auf wirtschaftlichem Gebiet begegnen, vielleicht auch hier und da einmal sich über eine koloniale Frage verständigen. Dabei bemerke ich aus­drücklich, daß wir nicht daran denken, uns zwi­schen Frankreich und Rußland einzuschieben. Insbesondere denken wir nicht daran, die Stör­ung der französisch-englischen Freundschaft zum Gegenstand unserer offenen oder versteckten Be­mühungen zu machen. Die französisch-russische Allianz ist bis jetzt keine Gefahr für den Frie­den gewesen, sie hat sich im Gegenteil als ein Gewicht bewährt, das auch zum gleichmäßigei Gange der Weltuhr beiträgt. Wir hoffen, daß man von der englisch-französischen Allianz das­selbe wird sagen können. Die westmächtige En­tente cordiale ohne gute Beziehungen beider Westmächte zu Deutschland wäre eine Gefahr für den Frieden. Eine Politik, die darauf aus­ginge, Deutschland einzukreisen, uns zu iso­lieren und lahm zu legen, wäre eine für beu europäischen Frieden sehr bedenkliche Politik.

Zwischen Deutschland und England steht kein unnützes Erinnern, keine tieferen politischen Ge­gensätze. Gewiß ist zwischen. Deutschland und England im internationalen Handelsverkehr auch Konkurrenz und Rivalität vorhanden. Ri­valität und Konkurrenz braucht aber keine po­litischen Gegensätze, geschweige denn einen Krieg

ihn liebte, wahrhaft liebte, wie er es tat, mit der Hingabe seines ganzen Seins, dann würde sie diese kühle Ueberlegung nicht haben. Und vennoch konnte er ihr im Grunde nicht Unrecht geben. War es denn nicht richtig, was sie sagte? Was konnte er ihr bieten? Was war er in die­sem Augenblick? Ein Anfänger in seiner Kunst, einer unter vielen, der erst zu beweisen hatte, daß er etwas leisten könne. Sie aber hatte schon Erfolge aufzuweisen, ihr Talent war beachtet, ihr Name in München mit Auszeichnung ge­nannt worden. Freilich war er sich bewußt, daß er ihr zu bieten hatte, was höheren Wert be­sitzt, als Ruhm und Erfolg, den sie so hoch ein­schätzte, ein treues und warm empfindendes Herz und ein ehrliches Streben. Und diese Er­kenntnis der Verschiedenheit ihres Empfindens drückte ihn nieder, ein Gefühl des Zweifels be­schlich ihn, das er nicht so schnell überwinden konnte, ja, das ihn noch mit heimbegleitete nach Hause. Das klare Auge der treuen Schwester be­merkte sogleich die Wolken auf seiner Stirn, doch auf ihre besorgte Frage antwortete er auswei­chend. Elisabeth drang nicht weiter in ihn, ahnte sie doch, daß Marga die Ursache seiner Ver­stimmung sei. .

Armer Alfred," ging es durch ihren Sinn. Sie ist nicht das ideale Wesen, als das sie dir scheint, nicht die Traumgestalt, die in deinem Herzen lebt. Ich fürchte, ich fürchte, du wirst noch schmerzliche Enttäuschungen erfahren."

Der Frühling mit seinem wechselnden Wet- 'ter war lange vorüber, der Juli nahte sich be­reits seinem Ende. Heiße Tage kamen, die der Kranken wohl taten. Sie ließ sich von Susi durch die schattigen Waldwege, des Erunewal- dss schieben hinter dem Häuschen, in dessen Pärterrezimmer sie wohnte, und freute sich am Waldesgrün und Vogelgezwitscher, obwohl es seit einiger Zeit schon wie Nebel über ihren

hervorzurufen. In diesem Zusammenhangs möchte ich doch meine Befriedigung aussprechen über dix freundschaftliche Aufnahme, welche dir Bürgermeister und Stadtverordneten deutscher Kommunen in England gefunden haben (Bravo!) und über die Worte, die bei dieser Gelegenheit in London gefallen sind. (Bravo?) Ich glaube, daß ein solches Sichnähertreten von Volk zu Volk, von Mensch zu Mensch nützlich und notwendig ist. (Sehr wahr!) Auch von dem Besuche unserer Journalisten in England erwarte ich nützlich Folgen. Ich hoffe, daß die Publizisten beider Länder sich nicht nur 'als Menschen, sondern auch als Gentlemen kenne» gelernt haben. Ich habe oft dargelegt, daß de« Gedanke, als ob der Ausbau der deutschen Flotte sich gegen England richte, einfach töricht ist. Wir denken nicht daran, eine Flotte zu bauen, die so stark wie die englische wäre; aber wir haben das Recht und die Pflicht, uns eine Flotte zu halten, die dem Umfange unserer Handelsinten essen entspricht. (Sehr wahr!) Das deutsch« Volk und der Deutsche Kaiser haben keine krie­gerischen Gelüste. Friedensstörungen und An­griffe werden nicht von uns ausgehen. Das deutsche Reich ist seit seiner Errichtung in un­unterbrochenem Frieden mit allen anderen Län­dern geblieben; das gleiche läßt sich wohl nur von wenigen anderen Staaten sagen. Durch diese unsere Haltung während nun 35^ Jahre« ist der unwiderlegliche Beweis erbracht wordem daß Deutschland eine eminent friedliche Politik verfolgt. Wir erkennen auch ohne Hinter­gedanken die Stellung an, die sich England feil langem und in weitem Umfange in der Welt ge­macht hat. Fürst Bismarck pflegte zu sagen'. Wir sind in Serbien österreichisch, in Bulgarien russisch, in Egypten englisch. Wir haben Eng-, land in Egypten keine Steine in den Weg ge-, legt, selbst, wenn wir ein formales Anrecht dazu gehabt hätten. Wenn die Beziehungen zwischen Deutschland und England freundschaftlich und vertrauensvoll werden sollen, so ist vor aller», Zeit und Geduld notwendig, denn eine lange,' Periode der Mißverständnisse und Verstimmung' liegt hinter uns. Man hat von angeblichen Ver, sttmmungen zwischen den beiden Souveränen' die an der Spitze des deutschen und des eng­lischen Volkes stehen, gesprochen und ihnen, eine große Bedeutung beigelegt. Ich sage dem­gegenüber, weder König Eduard noch Kaiser, Wilhelm werden persönlichen Empfindlichkeiten- Einfluß auf die sachliche Wahrnehmung der po­litischen Verhältnisse ihrer Länder ctnräumeiL

Der Abg. Bassermcnn hat gemeint, daß di« Haltung Italiens in Algeciras unseren Erwart-- ungen nicht entsprochen hat. Die Haltung bet} italienischen Presse entsprach allerdings nicht« den deutschen Wünschen; von der Haltung bee italienischen Regierung aber und namentliH ihres Vertreters auf der Konferenz kann ich das"

Augen lag. Fast alle Abend kamen der altck Rat und Marga hinaus, um eine Stunde mit der Mutter in der kleinen Veranda vor deni Haufe zu sitzen und ihr ländliches Mahl bei ihu einzunehmen. Ab und zu fanden sich auch Elisas beth und Alfred ein, bann wurde heiter sujanw men geplaudert, die Kranke durfte nur Frohem vernehmen, alle kleinen und auch großen Unan4 nehmlichkeiten des Lebens wurden ihr sorgliq verhehlt. Dennoch entging es ihr nicht, daß au^ Margas Zügen der Ausdruck innerer Veft'.edi- gung den sie bei ihrer Ankunft aus MiincheH gehabt, gewichen sei, daß etwas Gespanntes/ Verdrosienes an dessen Stelle getreten, was Marga selbst als eine Folge ihrer allzu fleißi­gen Arbeit bei der zunehmenden Hitze erklärte. In Wahrheit war es aber die Eintönigkeit ihrer, augenblicklichen Lebensweise, die auf ihr lastet«.! Sie hatte daheim noch für den Vater zu sorgen,' und wenn ihr auch eine Aufwärterin dabei half,' blieb ihr doch wenig Zeit zum Ausgehen, da sie einige Stunden täglich im Atelier arbeitete unb abends zu der Mutter hinausfahren mußte. Die' wenigen Lichtpunkte, die sich ihr boten, waren in Begegnungen mit Alfred bei der Mutter, bei welchen die Liebenden Gelegenheit fanden,^ einen heimlichen Händedruck zu tauschen, ein. vertrautes Wort zu wechseln. Alfred hatte sich in Margas Wunsch, ihren Bund geheim zu hal­ten, wenn auch nicht ohne Schmerz gefügt, unb trachtete nun durch verdoppelten Fleiß vor-: wärts zu kommen. Er hatte sein Examen mit Auszeichnung bestanden und beteiligte sich jetzt,! von seinen Professoren dazu ermutigt, an der Bewerbung für den Schinkelpreis, der alljähr­lich zu Studienreisen ausgeteilt wird. Die Ar­beit nahm ihn ganz in Anspruch, aber obwohl- Marga ihn dadurch weniger sah, zeigte sie fich- doch völlig einverstanden damit, daß ja nur rhr beiderseitiger Fleiß die Wartezeit für sie ab» kürzen könne. Sie wünschte nur, daß auch sie