kam bald zum Kadettenkorps in Potsdam und Trotz-Lichterfelde. Im Jahre 1861 nahm er als Page an der Krönung Wilhelm I. teil und wurde am 6. Mai 1862 zum Sekonde-Leutnant hn 2. Brandenburgischen Manen-Regiment Nr. 11 befördert. Als solcher nahm Podbielski an dem Feldzug gegen Dänemark (1864) insbesondere an den Gefechten beim Uebergang über die Eider, bei der Kanonade bei Eckernförde, beim llebergang über die Schlei, an der Einnahme von Flensburg, bei der Büffelkoppel, bei Racke- büll und Wilker, bei Düppel, sowie beim Ueber- gang nach Alfen teil.
Vom 1. Oktober 1865 ab war Podbielski zur Kriegsakademie kommandiert. Podbielski machte den Feldzug von 1866 als zweiter Adjutant der 6. Infanterie-Division mit und nahm an den Schlachten bei Münchengrätz, Eitschin und Kö- uiggrätz teil. Im Oktober 1866 zum 1. Hannoverschen Dragoner-Regiment versetzt, wurde er 1869 dem großen Generalstab zur Dienstleistung überwiesen und am 18. Juli 1870 als Generalstabsoffizier dem mobilen Generalkommando des 10. Armeekorps zugeteilt. In dieser Eigenschaft machte er dann den Feldzug )870-71 mit, und nahm an den Schlachten von Bionville und Eraoelotte, der Zernierung von Metz, sowie an den Gefechten von Beaune la Rolande, bei Orleans, le Mans la Chartre sur la Loire und einer ganzen Anzahl weiterer teil. Am 15. Juli 1871 wurde Podbielski Hauptmann, 1885 zum großen Generalstab versetzt, ivurde er selbigen Jahres zum Kommandeur des Zieten-Husaren-Regiments Nr. 3 ernannt, 1886 lum Oberstleutnant, 1888 Mitglied der Kommission, die der oberste Kriegsherr zur Förder- rng der Interessen der Landespferdezucht berufen hatte, dann Oberst, 1890 Kommandeur der 54. Kavalleriebrigade, 1891 Generalmajor und im Juli desselben Jahres auf seinen Wunsch )ur Disposition gestellt. Seiner erfolgten Charakterisierung als Generalleutnant folgte 1900 die weitere hohe Ehrung, datz er ä. la suite des hufaren-Regiments von Zielen (Brandend.) Nr. 3 mit Uniform des Regiments gestellt ivurde.
Nach der an Erfolgen und Ehren reichen militärischen Laufbahn wurde er vom Kaiser am 1. Juli 1897 zum Staatssekretär des Reichspost- fmtes ausersehen. Am 4. Mai 1901 erfolgte auf seinen Antrag seine Entlastung aus dem Reichs- bienst mit der gesetzlichen Pension und am nachfolgenden Tage, am 5. Mai 1901, seine Ernennung zum preußischen Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Bon 1893 bis 1897 vertrat von Podbielski öen Kreis Westpriegnitz im Reichstag und zählte zur konservativen Fraktion. Von 1895 bis 1901 war er Mitglied des Vorstandes der Landwirt- fchaftskammer für die Provinz Brandenburg in Berlin.
Die Grundsteinlegung des Deutschen Museums in München.
j Dor der Ankunft des Kaisers von 8^4 Uhr an hatte die Sitzung des Ausschustes de« Deutschen Museums stattgefunden. Mitgeteilt wurde, Hatz der Reichskanzler Fürst von Bülow, der Staatssekretär des Innern Graf von Posa- bowsky-Wehner und der bayrische Staats- Minister des Aeutzern und des königlichen Hau- fes Dr. Freiherr von Podewils-Dürniz das Ehrenpräsidium inne haben. Die Regierungen von Preußen, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, die sächsischen Erotzherzogtümer und Herzogtümer, die Regierungen von Mecklenburg- Schwerin und Braunschweig, die Freien Städte Bremen, Hamburg und Lübeck, sowie der kaiser- ftche Statthalter von Elsaß-Lothringen haben
Wissenschaft, Kunst und Leben.
vr Das Wesen des Byzantinismus.*)
,' Treitschke sagt, in der Schilderung der Ber- hältniste, welche die Thronbesteigung Fttedttch Wilhelms IV. begleiteten: „So ward jetzt in Berlin durch die mächtige Aufwallung wahrhaf- ktiger Königstreue auch der Bodensatz jener Be- dientengefinnung aufgewirbelt, welche selbst in edlen Monarchien niemals völlig fehll und bei Thronwechseln sich in ihrer ganzen Niedertracht iu zeigen pflegt/
t Wir werden in unseren Betrachtungen gezwungen sein, die heute als Byzanttnismus allgemein bezeichnete Volkskrankheit erheblich weiter zu fasten. Der im übttgen schlagende, von Treitschke gewählte Ausdruck „Bedientengefinn- jing* erschöpft den jetzt unter „Byzantinismus* verstandenen Begriff nicht, ja er gibt eigentlich nur die Voraussetzung dazu. Die Bedienten« gefinnung ist ein notwendiges Erfordernis für den Byzanttnismus, nicht aber identtsch mit ihm. Wenn Treitschke die Bedientengestnnung ferner im Rückblick auf die Zeiten Friedrich Wilhelms IV. als einen LÄmnfatz bezeichnet, der infolge der Aufwallung wahrhaftiger Königstreue aufgewirbelt wurde — also öffentlich in Erscheinung ttat—, fo trifft das auf unsere Zeit leider nicht mehr zu. Heute erfüllt sie di« Luft und bildet einen Bestandteil der Atmosphäre unseres öffentlichen Leben», ohne jede Neigung ihre frühere bescheidene Roll« al» Bodensatz wieder ernzunehmen. Um von vorne« herein Mißverständnisse auszuschlietzen, sei 6« tont, daß ich unter Byzantinismus einen Zustand, ein in unserem öffentlichen Leben bestehendes Verhältnis verstehe, nicht aber, wie
•) Aus Graf ®. Revenilow, Kaiser Wilhelm n. und die Byzantiner, ein demnächst im Verlage von I. F. Lchmann, München, erscheinendes Buch dem wir erst kürzlich ein inter- Kapitel entnommen haben. J ,
Vertreter in den Vorstandrat entsandt. Außer- dem haben da» Germanische Museum, der Verein deutscher Gas- und Wasserfachmänner, sowie die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft von dem ihnen einge- räumten Recht Gebrauch gemacht. Die Zahl der Mitglieder ist im abgelaufenen Geschäftsjahr von 1200 auf «t. 1400 gestiegen. Was die Erwerbung von Sammlungsgegenständen betrifft, so erfolgte die Auswahl der Gegenstände auf Grund der von dem Referenten in einzelnen Gruppen aufgestellten Listen, die jeweils an eine große Zahl von Mitarbeitern versandt und von diesen mit Zusätzen und Verbesserungen versehen worden find. Di« Zahl der neuuberwiesenen Sammlungsobjekte ist im heurigen Jahre eine außerordentlich große. Die große Anzahl der überwiesenen Museumsobjette machte es nöttg, einen Teil von ihnen im alten Rationalmuseum und einen Teil in der Jsarkaserne unterzubringen.
Kurz nach 2 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Prinzen und die Kaiserin mit der Prinzessin Ludwig in Begleitung ihres Ehrendienstes und dem persönlichen Dienst zur Besichtigung des provisorischen Deutschen Museums für Meisterwerke der Technik im alten Nationalmuseum. Im Vestibül waren die Mitglieder des Vorstandes und des Vorstandsrates des Deutschen Museums, Staatssekretär Graf Posrdowsky, Kultusminister Dr. v. Studt, der preußische Gesandte in München, Graf Poinkaltzs, und der bayrische Gesandte in Berlin, Graf Lerchenfeld, die bayrischen Staatsminister u. a. versammelt. Am Portal wurden die Fürstlichkeiten vom Vorstände des Museums empfangen. Baurat Oskar v. Miller begrüßte den Kaiser mit warmen Dankesworten für das allerhöchste Interesse für das Deutsche Museum, worauf der Kaiser mit den besten Wünschen für das Deutsche Museum erwiderte. Die Besichtigung des Museums, unter Führung des Vorstandes, nahm längere Zett in Anspruch.
Ausland.
Grotzbritannien. Deutschland verbraucht jährlich für weit über 100 Millionen Mark englische Kohlen. Im Jahre 1902 betrug die Einfuhr englischer Kohlen in das deutsche Zollgebiet 74 Millionen Mark, sie stieg 1903 auf 77, 1904 auf 81 und 1905 auf 109 Millionen Mark. Hierbei ist der Verbrauch der deutschen Seeschiffe in der Haupffache nicht mitgerechnet, weil diese ihren Kohlenbedarf zumeist in Freihäfen oder im Auslande einnehmen. Mit Einschluß des Schiffsbedarfs wird daher der Verbrauch aut mindestens 150 bis 200 Millionen Mark zu schätzen fein. Dabei nimmt, wie schon die obigen Ziffern erkennen lassen, die Einfuhr von Jahr zu Jahr zu. Sie ist im laufenden Jahre grötzer als je zuvor und dürste, nachdem am 1. d. M. der englisch« Kohlenausfuhrzoll fortgefallen ist, künftig in noch stärkerem Matze als bisher zunrhmen. Die Erwartung. datz der Wegfall dieses Zolles billigere Preise bringen werde, hat sich allerdings bis jetzt nicht bestätigt. (Was sagen die Herren Freihändler dazu?!) In den 5sch Jahren, seit der Zoll bestanden hat, haben vis englischen Zecheneigner und Arbeiter nie auch nur «inen Penny zu dem Zoll hergsgeben. Trotzdem wird jetzt von ihnen nicht nur der eine SHMng reklamiert, sondern vielfach noch ein zweiter Shilling, also im ganzen 2 Shilling Ausschlag pro Tonne für 1907 gefordert. Bei der industriellen Hochkonjunktur, die zurzeit herrscht, werden diese Preise auch meist anstandslos gezahlt. In Hamburg stnnd bereits im September d. I. der Preis für Sunderland Nutzkohle auf 17,65 Ml. gegen 16,60 Mark im September 1905 unb 1M0 Mark im September 1904.
vritifch-SS-afrika. Aus London wird über den Einfall des Buren Ferreira in die Kapkolonie weiter gemeldet: Aus Kap« ftobt wird telegraphiert, daß Ferreira und seine
es in gesprochenem und geschriebenem Wort bei uns vielfach geschieht, die Gesinnung oder Aeußerung einer solchen.
Die Entstehung des Wortes Byzanttnismus darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden, und ich brauche ste hier nicht ausführlich abzuleiten. Die deutsche Sprache besitzt kein Wort, welches ihn erschöpfend bezeichnen oder treffend umschreiben könnte. Man möchte darauf stolz fein, wenn die Sprache heute noch im selben Maße den Spiegel von Wesen und Tharatter eines Volkes abgäbe, wie früher. Andrerseits kann es ihr leider nicht zur Last gelegt werden, daß dem nicht mehr so sst, sondern man mutz es vielmehr dem Eindringen von Elementen und Momenten zuschreiben, die im Laufe der Zett unser inneres und äußeres Leben erfüllt haben. Freilich schließt dieser äußerlich rein sprachliche Vorgang etwas in sich, was, wenn nicht erfreu« lich, so doch ttöstlich ist: Das byzanttnische Kaiserreich hatte sicher für das, was wir Byzantt- ni»mus nennen, keinen Ausdruck, weil er aus feinem eigen«: Wesen herauswuchs und durch es bedingt wurde. Wir Deutschen besitzen zwar für bestimmte und als typisch für den Charakter angesehene Eigenschaften wohl Bezeichnungen, tot deren Gegenteil, sofern wir es als verabscheuungswürdig oder nicht angemessen erachten, aber meist keine gleichwerttge, sondern vielmehr die Negation, so z. B. Treue und deren Gegenteil, die Untteue. Byzanttnismus schließt von vorneherein seine Kritik als etwas Negattves und damit VerabfcheuungswLrdiges ein; als etwas dem deutschen Eharatter Fremdes haben wir Wort und Begriff unasfimiliert in die Sprache einstellen müssen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß das Vorhandensein und öffentlich« Austreten der BedientengesinnuNtz aus dem Auslande stamme, von dort einge- fchleppt fei. Ebenso sicher, wie es nie möglich gewesen ist und fein wird, nur Charattere zu züchten, ist st«, wie Treitschke sagt, auch in edlen Monarchien pochanden gM.qen« M her Jlnfe..
«and« sich auf einer 14 englische Meilen von dort entfeinten Farm befinden und daß sie meh- rere Gefangene und eine Anzahl Gewehre mit fortgenommen haben. Sie gehen aus den Oranje« stutz zu. Es heißt, Ferreira erwarte, daß sich ihm noch zwei Banden von Freibeutern, welche über die deutsche Grenze kommen sollen, anschlietzen werden. Inspektor White mit 40 Mann wurde mit einem Truppenzug zur Verfolgung abge- schickt. Er soll alle Polizeiabteilungen zwischen de Aar und Vrieska mit sich nehmen. Gestern Morgen soll eine bedeutende Abteilung Polizeitruppen unter Oberst Luken in der Gegend des Raubzugs konzentriert fein. Ferreira soll 13 Mann bei sich haben. Ein Vertreter der Tribüne interviewte General Botha in Standerton und General Smuts in Pretoria. Beide meinten, es fei ein Wunder, daß die Raufbolde in Damara- land einen derartigen Putsch nicht schon früher unternommen hätten. Ferreira könne wegen der Kalahari-Wüste nicht in Transvaal einfallen. Er müßte daher nach Norden gehen, in welchem Falle er auf Klamas-Eebiet stoßen würde, oder nach Lüden, um unvermeidlich von der Kap- polizei aufgefangen zu werden.
China. Der deutsche Schiffsverkehr mit China zeigt im Jahre 1905 wiederum ein sehr erhebliches Anwachsen gegen das Vorjahr. Im ganzen verkehrten im gedachten Jahre 7337 deutsche Schiffe mit einem Gehalt von 8 188 000 Tonnen in den chinesischen Häfen. Die Zunahme gegen da» Jahr 1901 beträgt 600 000 Tonnen, gegen das Jahr 1896 dagegen 6 Millionen Tonnen. Der Gefamtanteil der deutschen Schiffahrt am Verkehr mit China ist von 5,81 pCt. tm Jahre 1896 auf 11,25 pCt. im Jahre 1905 gestiegen.
Hesseu-Nassau uird NachbargeLIete.
Geismar, 10. Nov. Die „Eichsf.* schreibt: Den Reifenden des Personenzuges der Kanonenbahn, welcher gegen 3.20 Uhr in Efchwege ein« treffen soll, bot sich dieser Tage ein wohl einzig dastehendes Schauspiel. Sobald das „Abfahren* des Stationsbeamten ertönte, sah man das Zugbegleitungspersonal, mit Brecheisen und Hebeln bewaffnet, auf die allem Anschein nach altersschwache Maschine zustürzen, um die „Widerspenstige* zuerst rüdtoärts zu bewegen, damit sie dann in Gang kommen könnte. Wenn auch fast alle Beteiligten gute Miene zum bösen Spiel machten, so konnte man doch auch viele kummervolle Gesichter sehen, in welchen sich die Gedanken, heute Abend nicht Bei Muttern zu sein, deutlich widerfpiegeln, denn bei 35 Minuten Verspätung dürsten die meisten Anschlüsse nicht erreicht worden sein.
Au» der Wetterau, 11. Rov. Ein schweres Unglück trug sich in dem Mangan-Bergwerk bei Rosbach zu. Dort stürzte der ledige Arbeiter Rühl in einen Schacht und wurde als Leiche heraufgebracht. Er ist aus Köppern. — Dem Kriegerverein zu Ober-Mörlen wurde durch Kreisamtmann Werner die Kaiferfchleife überreicht. — Bei Heldenbergen fand man im Walde die stark verweste und ongefreffene Leiche eines Mannes. Der Kopf hing noch in einer Schlinge am Akt. (Gieß. Anz.)
Rennerode (Westerwald), 11. Nov. Eine Versammlung, an der Vertreter von zirka 50 Orten des Westerwaldes teilnahmen, beschloß, erneut vorstellig zu werden, daß endlich die seit Jahrzehnten geforderte Bahnlinie Rennerod-Burbach gebaut werde, da die jetzt fertiggestellte Strecke Rennerod-Herborn eine Besserung des Verkehrs nach Rheinland-Westfalen nicht herbeigeführt habe.
Mainz, 11. Rov. Der Gelderheber Leonhardt der Ersparungsanstalt der Städtischen Sparkasse, welcher feit Freitag vermißt wurde, erschoß sich heute morgen 10 Uhr auf dem Friedhof; 500 Mark wurden bei ihm vorgefunden.
Scherfede, 10. Nov. Ein Bahnwärter auf der Nachbarstatton Bredelar wurde plötzlich von Tobfucht befallen und mutzte vom Dienst weg in eine Jrrenbeilanstalt überführt werden.
Marienborn b. Siegen, 12. Nov. Hier ist ein Hund verendet, an dem tierärztlich festgestellt ist, daß er an Tollwut eingegangen ist. Das Tier, eine Dobermann-Hündin, war von hier nach Weidenau verkauft worden. Hier biß es einen
schied von den unedlen besteht nur darin, daß erstere sie als krankhaften Zustand empfinden, der unmittelbar eine Reaktion gegen ste hervor- rust. Stirbt diese Reaktion allmählich ab, fo wird aus der edlen Monarchie eine unedle. Mit dem Begriff der Monarchie ist aber der Byzantinismus immer untrennbar verknüpft und so können wir ihn jetzt näher definieren als ein krankhaftes Verhältnis zwischen Fürst und Volk. Wollen wir auf seine Wurzeln zurückgeben, ko müssen die Beziehungen zwischen byzanttnischen Erscheinungen des öffentlichen Lebens und der Persönlichkeit des Fürsten vor allem erörtert werden.
Als eigentlicher Krankheitsträger sind die von altersher „berufenen* und verrufenen
„Schmeichler* anzusehen. Sie hat es immer gegeben in jedem Volk und ehe' es gelingt, Ueber- menfchen zu zöchten, wird man sie als ein notwendiges Uebel ansehen müssen. Ein öffentliches Uebel aber kann aus ihrem Vorhandensein nur dann erwachsen, wenn sie am Herrscher oder an den durch ihn hervorgerufenen Zuständen einen Nährboden finden für ihre Gewerbe. Dann wächst die Ansteckung wie bei der tnfettiösen Krankheit ins ungeheure, das Uebel greift zum Schaden des staatlichen Lebens rapide um sich. In Deutschland ist das seit einiger Zeit der Fall und als Zweck der folgenden Betrachtungen sehe ich an, sowohl den Erscheinungsformen der Krankheit als auch ihren einzelnen Herden nach
zugehen.
Was ein Schmeichler ist, bedarf keiner Erklärung. Ueber die Gefahr, welche er im Verkehr mit dem Fürsten darstellt, find auch heute noch die Bemenungen des mit Unrecht so verlästerten Macchiavelli — den sich nur die heurigen ^Realpolitiker" zum Beispiel nehmen sollten — klassisch und interessant. Im 23. Kapitel seines Buches vom Fürsten sagt er:
„Die Fürsten haben tatsächlich nur ein gutes Mittel, um sich gegen die Schmeichler zu schützen: keinen Zweffel darüber zu lassen^ dtzß man ihnen
Bäckerlehrling, der nach Berlin ins Pasteuw Institut gesandt werden wird.
Marburg inb Umgegend.
(Nachdruck aller Vrigmalartittl ist Gemäß ß 18 deß Urheberrecht« nur mit der deutlichen Quellenangabe .Qberhess. Ztg.' gestattet)
Marburg, 18. Rovbr.
* Universität. Der „Reichsanzeiger* meldet; Die Königliche Akademie der Wissenschaften Hai den Professor der Kirchengeschichte an der Unü versität Marburg D. Dr. Adolf Jülicher und bett Professor der klassischen Philologie an der Universität Eötttngen, Geheimen Regierungsrat! Dr. Friedrich Leo zu korrespondierenden Mitgliedern der philosophisch-historischen Klassen aet wählt.
Dem praktischen Arzt Dr. Heinrich Carl Knatz in Schmalkalden, früher in Cassel, wurde aus Anlaß seines 50jährigen Doktor-Jubiläum«! von der hiesigen Universität das Diplom erJ neuert.
* Vaterländische Festspiele im Museumssaal, Der Zudrang zu den Werningschen Festspielen: „Barbarossas Erwachen, Deutschlands Erhebung und Einigung* ist ein ganz gewaltiger. Am Sonntag waren beide Aufführungen von etwa. 1500 Personen besucht, die mit Aufmerksamkeit den fa benprächtigen Darbietungen folgten, Ps liegen bei dem Festausschuß über 2000 Anmeldungen von Besuchern von Schulen und $et< einen vor, welche den nächsten Vorstellungen beiwohnen werden. Der Mtttwoch-Nachmittag ist schon ausverkauft. Es ist zu empfehlen, inan» betracht des überaus starken Andranges sich die Einttittskarten im voran» zu besorgen oder wenigstens zu bestellen. Nachdem die Darsteller sich eingespielt haben, ist es möglich, die Auf-, führung in 2% Stunden zu bewältigen. Die Darsteller aber werden durch diese sichtlich grotz^ Anerkennung gewiß ermutigt «erden, bis zum Schluß auszuhalten. Allgemein wird anerkannt^ welche Summe an Zeit, Kraft und auch ®eU>‘ die Darsteller mit den Proben und den 14 Vor»' Stellungen dem Unternehmen und der patriotischen Sache opfern. Der ganze Apparat ist abetz zu groß, als datz hier die gebührende Anerkenn nung jedem Einzelnen namentlich grollt werden könnte. Mögen alle ihren Dank in den; Bewußtsein finden, daß jeder zum guten Ge» lingen des Werkes und zu dem günstigen Er» folge redlich beigetragen hat. Wenn nun bi< Darsteller so mannigfache große Opfer bringen, so kann wohl mit Bestimmtheit erwartet wer» den, datz jeder Einzelne sich verpflichtet fühle« wird, durch den Besuch der Vorstellungen btt gute Sache zu unterstützen und so bis zum Schluß ein gutbesuchtes Haus mitfchaffen zu Hessen. Di« nächsten allgemeinen Vorstellungen finde« heute abenb 7-Uhr und Mittwoch nady. mittag 3 Uhr statt; bann erst wieder Freitag, Samstag unb Sonntag je 2 Vorstellungen. ,
§ Barbarossas Erwachen. Für bie morgig» Vorstellung sind 800 Kriegervereinsmitglieber und außerdem noch die Zögling« der Franken-, berget Seminars angemeldet. Es durste sich empfehlen, bie Karten rechtzeitig z« lösen, das schon jetzt bis zum Freitag hin viele Plätze bei legt sind. ;
* Aus dem Stadttheater. Wie nicht anders zu erwarten, zeigt sich für das am Donnerstag, den 15. d. M., ftattfinbenbe „Sappho* - Ga ft- spiel der Berliner Künstler eine überaus rege Beteiligung. Diese Eesamtgastspiele erfreuen* sich aber auch überall ber größten Beliebtheit bei, Presse unb Publikum, denn sie bringen uns Koryphäen deutscher Schaufpielkunst nicht als „Stars" im Einzellicht, sondern innerhalb eine» eingespielten Ensembles namhafter Berliner Künstler unb innerhalb einer einheitlich unb stilgerecht gestalteten Aufführung. Gerade biefe, Vorzüge des Ensembles erklären den großen Erfolg der Eesamtgastspiele. 1
nicht mißfallen kann, wenn man die Wahrheit, sagt. Freilich, wenn jeder dem Fürsten frei big Wahrheit sagen kann, b. h. was er für «ahn' hält, bann wirb ber Fürst bald die öffentlich^ Achtung verlieren. Was kann er also tun, umj bas zu vermeiden? Er mutz, wenn er klug ist, einige weiße Männer wählen und ihnen, aber ihnen allein, volle Freiheit geben, ihm big Wahrheit zu sagen. Aber auch nur in den Dinl gen, über welche er sie fragt. Natürlich mutz en sich über alles mit ihnen beraten ober ihre Anz sichten hören, ben Entschluß aber selbst fassen- Er mutz sich so verhalten, datz sie überzeugt sind! ihm um so mehr zu gefallen, je freimütiger fies sind. . . . Sobald fein Entschluß gefaßt ist, mutz er mit Festigkeit dabei bleiben. Ein Fürst, deck anders verfährt, wird entweder durch dies Schmeichler ruiniert oder sieht sich gezwungen^ durch bie Verschiebenheit ber ihm gewordenen! Ratschläge beständig zu schwanken, und das be-s einträchtigt sein öffentliches Ansehen erheblich.*, — Macchiavelli zitiert bann als Beispiel benl deutschen Kaiser Maximilian nach den Schilde-^ rungen eines diesem vertrauten Priesters: „Der Kaiser nimmt niemals von irgend jemand Rat an und doch führt er niemals etwas nach eige-l nem Willen aus. Er ist ein sehr verschwiegene^ Mann, ber sich niemanb anvertraut unb nie«’ manb um Rat fragt. Sobald aber seine Pläne bekannt werden und ihre Ausführung beginnt, widerspricht ihm sofort feine Umgebung unb er ist schwach genug, sich dadurch beeinflussen zu, lassen. So kommt es, daß er heute ungeschehen- macht, was er gestern ins Werk fetzte, daß matt niemals weiß, was er will und sich vorfetzt, unb? daß man nie auf irgend eine feiner Entschließ-? ungen zählen kann. ;
Der Fürst mutz also zwar immer Rat anneh-H men, aber er muß handeln wann «r will wt® nicht wann bie andern wollen.*
’ — "" ' -- , (Fortsetzung folgt.)