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für den freundlichen Empfang. Später geleitete der Prinzregent den Kaiser persönlich in feine. Gemächer. Im Laufe des Tage» stattete der Kaiser den Prinzen und Herzögen Besuche ol, ebenso die Kaiserin den Prinzessinnen des königlichen und de» herzoglichen Hause». Nach, mittag» gegen Uhr fuhr der Kaiser mit dem Prinzen Ludwig und die Kaiserin mit der Prinzessin Ludwig vor da» alte Nationalmuseum vor, um die dort aufgestellten Gegenstände des neuen Deutschen Museums zu befichtigen. Nach %6 Uhr empfing der Kaiser eine Abordnung von Veteranen der 6. bayrischen Infanterie-Regiment». Die Kaiserin begab sich nach dem Besuch de» alten Nattonal-Museums nach dem Säuglingsheim und dem Noten Kreuz-Spital, Abends 6 Uhr fand im Palais des Prinzen 2ew pold zu Ehren des Kaiferpaaree Festtafel statt, Später war Festaufiührung im Hostheater.
— Heute nachmittag 2 Uhr wird der Reichs« tag »tebet zusammentreten, um seins vor sechs Monaten abgebrochenen Verhandlungen wieder, aufzunehmen. Von einer Eröffnung de» deutschen Reichsparlaments darf man diesmal nicht' sprechen, da die letzte Session nicht geschloffen, sondern nur vertagt wurde. Das Arbeitsprogramm des neuen Sitzungsabschnittes wird in- folgedeffen nicht, wie sonst üblich, schon in einer Thronrede umschrieben werden, aber der Regierung wird sich wohl bald Gelegenheit bieten, den Volksverttetern über ihre gesetzgeberischen Pläne und Abfichten Rede zu stehen. Die von sozialdemokratischer Seite bereits angekündigte Fleischnot-Jnterpellation wird ebenso wie der zu erwartende Nachtrag für Südwestafrika schon in den ersten Sitzungstagen reichen Stoff zu lebhaften politischen Debatten geben. Daneben soll aber auch da» au» dem Sommer unerledigt gebliebene Beratungsmaterial nicht vergeffen werden. Zunächst hat sich der Reichstag nur mit Petittonen zu befassen; das weitere Programm der Tagung bis zu den Weihnachtsferien wird der vom Präsidenten Grafen Ballestrem bereits einberufene Seniorenkonvent alsbald feststellen,
— Anläßlich des Rücktritts des Landwirtschaftsminister» dürfte die folgende Darstellung seines Lebenslaufs von Jntereffe fein: Viktor Adolf Theophil von Podbielski, Exzellenz, Kgl. Preuß. Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Kais. Wirkt. Geheimer Rat, Generalleutnant z. D. ä, la suite des Hufaren-Regiments von Zielen (Brandenburg) Nr. 3, Besitzer der Fideikommiß-Ritter« guter Dallmin -und Stresow, Kr. Westpriegnitz, R.-Bez. Potsdam, ist der Sohn eines Militär» und war nach preußischer Tradition schon von Jugend auf selbst für den Kriegsdienst bestimmt. Als Sohn eines in der Kriegsgeschichte berühmten Generals der Kavallerie und Eene- ralinspetteurs der Artillerie wurde er am 26, Februar 1844 in Frankfurt a. O. geboren. Gt i-----------------------------------
suchte die technische Hochschule in Charlotten« bürg, und deshalb hatte die Schwester sich im äußersten Westen eine kleine Wohnung gemittet^ da auch ihre Schule von dort in nicht zu weiter, Entfernung lag. Augenblicklich befand sich der junge Mann im Bauführer-Examen und war daher in letzter Zeit seltener zu Herrenburgs ge/ kommen, während seine Schwester fast täglich dort vorsprach, ttotz der Entfernung und trotz ihrer Arbeitslast. Denn ste liebte und verehrte die Rättn wie eine Mutter, und seit deren st geduldig getragenem schwer» Leiden wie eine Heilige. Auch Susi hatte sie von Herzen lieb, dagegen hatte sie zu Marga nie zu einem rech-, ten Verhältnis gelangen können. Ihre Naturen waren zu entgegengesetzt. Bei Elisabeth war, alles auf strenge Pflichterfüllung gestimmt, all« sorgfältig geregelt und geordnet innerlich und äußerlich. Marga sttebte in die Weite. Sie sprengte jede Fessel und ttachtete mit allen Fibern nach Glanz und Genuß, nach Verwirklichung ihrer ehrgeizigen Träume. Das erkannst Elisabeth unter der reizenden Oberfläche seh^ bald, und sie war darum innerlich tief bekümmert, daß ihr Bruder sich hatte von ihr ge« fangen nehmen lassen, sodaß er schon als Knabe zum Sklaven ihrer Launen geworden. Aber tu der weisen Erkenntnis, daß ihr Widerstand ihm noch anspornen würde, der Erfüllung seiner Wünsche nachzustreben, hatte sie nur warnend ihn gemahnt, nicht zu früh sich zu binden und namentlich nicht an ein Mädchen wie Marga, an der nichts Festes war. an das man sich halten könnte. Er hatte ihr lächelnd ungläubig zugehört und sich nur tiefer verstrickt. Sie ahnte freilich nicht, wie weit er schon gegangen, daß et schon heimliche Liebesschwüre mit Marga getauscht, heimlich sich ihr angelobt hatte, bevor sst noch nach München gegangen war.
.(Fortsetzung folgt.)
mit dem Meisblatt für die Krerse Marburg und Kirckbain.
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Erffes Blatt.
Neueste Telegramme.
f" Berlin, 12. Nov. Zum Herrenmeister de» IJohanniterordens wurde der Sohn des verewig- Een Prinzen Albrecht von Preußen, Pttnz Fried- »ich Heinrich von Preußen, gewählt.
> Berlin, 12. Nov. Dem Vernehmen nach wurde das Abschiedsgesuch des Land« tzoirtschaftsministers Podbielski hinter Verleihung der Brillanten zum Grotzkreuz hes Noten Adlerordens gestern genehmigt. Mit der einstweiligen Wahrnehmung der Ee- ffchäfte des Landwirtschaftsministers ist der Minister des Innern v. Vethmann-Hollweg be- tzuftragt worden.
i Berlin, 13. Nov. Das Ergebnis der vom Reichskanzler angeordneten Erhebungen über itzie Ursachen der Fleischteuerung liegt seit etwa A4 Tagen vollständig vor. Wenn auch die sta- een Zusammenstellungen ein für die ngsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft ^verhältnismäßig günstiges Resultat geliefert !haben, so glaubt die Reichsregierung doch, dem augenblicklichen Notstände sofort Rechnung tragen zu sollen. Man darf also erwarten, daß die Regierung, nachdem sie sich mit dem Landwirtschaftsministerium geeinigt hat, Maßnahmen treffen wird. Ob diese in einer Herabsetzung der Tarife oder in anderweitigen Erleichterungen der Einfuhr bestehen sollen, muß abgewartet werden.
Berlin, 12. Nov. Bei den gestrigen Kirchen, Wechten in Berlin eroberten die Liberalen von tz« 'Positiven 4 Sitze und verloren 2. Sonst stlieb der Besitzstand unverändert. In der Mar- sfusgemeinde, in welcher Pastor Dr. Fischer gmtiert, siegten die Liberalen mit 1341 gegen $72 Stimmen, während bei der vorigen Wahl die Positiven mit 845 gegen 453 Stimmen gesiegt Hatten.
Merlin, 12. Nov. Die „Zeitung des Bundes beutscher Militäranwärter" hatte bei der Frage der Neugestaltung der Anstellungsgrundsötze für Militäranwärter dem Wunsch Ausdruck gegeben, baß eine Zentralstelle geschaffen werden solle, jbtc die Rechte der Militäranwärter aus Anstellung überwacht. Demgegenüber weist die „N. p. K." darauf hin, daß eine solche Zentralstelle ln der Versorgungsabteilung bet ittegsmini- steriums bereits besteht. Zum Jiislebenrufen meiner anderweitigen Zentralstelle hat sich ein Bedürfnis bisher nicht ergeben.
■= Petersburg, 12. Nov. Das Komitee der So- tzialrevolutionäre faßte den Beschluß, sich wäh- Wend der Wahlen zur Reichsduma sich aller ter« sroristischen Akte zu enthalten.
Hochschule und Proletariat.
Ein Aufsatz des Professors Conrad in Halle im Oktoberhest der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik", überschrieben „einige Ergebnisse bet beutschen Univerfitätsstattstik", hat bei ben Leitern bet Hochschule bet politischen Verdrehungskunst, d. h. bei bet Redaktion des sozialdemokratischen „Vorwärts", starken Unmut wachgerufen. Prof. Conrad stellt in seinem Aufsatz fest, daß bet Eesamtzudrang zu ben Universitäten und sonstigen akademischen Hochschulen ein so bedeutender ist, daß et in besorgniserregendem Mißverhältnis zum Bedarf steht, wodurch mehr und mehr Unzufttedenheit in ben wichtigsten Kreisen unserer Bevölkerung entstehen mutz. So stubierten im Jahre 1905/06 an ben beutschen Universitäten 7050 Preußen Jura, während zur Deckung des Bedarfs der preußischen Justiz an Referendaren 4000 Studenten genügend gewesen wären. Ebenso ungünstig liegen die Verhältnisse bei den Philologen und Mathematikern; günstiger find sie bei ben Medizinern, wo Nachfrage und Angebot sich ungefähr decken, und nur bei den Theologen fehlen 800 bis ßOO Studierende zur Deckung des Bedarfs.
Zu diesen dankenswerten Feststellungen bemerken die „Vorwärts"-Jntelligenzen: '
„Was bereitet nun dem Hallenser Professor so viel Sorgen? Wenn man die Verhältnisse vom Standpuntte der allgemeinen Bildung aus betrachtet, so sollte man vielmehr von einer erfreulichen Gestaltung derselben sprechen. Das Bedürfnis nach akademischer Bildung steigt von Jahr zu Jahr, die Hörsäle füllen sich, und die Zahl bet gebildeten staatlichen und kommunalen Funktionäre wttd von Jahr zu Jahr größer: es wächst qualitativ und quantitativ dis intellektuelle Kraft bet Nation. Aber für einen preußischen Professor ist es schwer, wenn nicht unmöglich, bieten Standpunkt zu vertreten, et ist durch und durch Klassenmensch und prüft als solcher jede Erscheinung und Entwicklung auf das Vorhandensein des „proletarische»' Geistes". Er wittert ihn auch in der Ueberfiil- lung der deutschen Universitäten, weil daraus Unzufriedenheit und demokratisch-oppositionelle Gesinnung entspringt. Anstatt als Mann bet Wissenschaft für bie Oeffnung ber Tore bet Universitäten für jeben Wissensbedürftigen einzu- treten, rät er: schließt bie Stätten ber akademischen Bildung, die proletarische Gefahr ist im Anzuge! Damit das geschehe, forbert Herr Conrad bedeutenbe Erhöhung ber Jmmatriku- lationsgebühren für Deutsche und Verdoppelung des Satzes für Ausländer, Erhöhung des Schulgeldes für Gymnasien und Publizierung der Frequenzverhältnisse der Hochschulen als Abschreckungsmittel. Alle diese Abhilfsmaßreg ln sollen ab:r nach Conrad bloße Palliativmittel fein, die Wurzel des Uebels sind die'mittelalter«
2 lRachvruck verboten.)
lieber alles die Kunst.
Roman von Clatifla Lohde.
(Fottschung».
' „Ja, ja, ich begreife, Sust. Die Gräfin Palfy jst, wie man in Paris sagen würde, eine Mon- daine, und das berührt dich fremdartig, weil du solchen Damen noch nie begegnet bist. Aber, wenn du sie siehst, das kann ich dir versichern, wirst du bezaubert von ihr sein. Denn sie bezaubert alles, Männer und Frauen, und auch ich bin ganz verliebt in sie. Außerdem ist sie ieich und vornehm und hat ein ganz besonderes Interesse für mich gewonnen, sodaß ich viel von ihr erwarte. Durch diesen Einfluß, ihre Bekanntschaft in ber vornehmen Welt kann sie mich sehr lanzieren, und sie wirb es tun, barauf kann ich wich verlassen."
„Das freut mich für bich," meint Susi, „und Icirb auch die Eltern erfreuen, und sie bedürfen so sehr der Freude. Ach, Marga, zu schwere Zeiten liegen hinter uns und noch schwerere stehen uns vielleicht bevor. Unser Arzt ist sehr besorgt um die Mutter, ich glaube, wenn er e» äuch dem Vater verschweigt, daß er im Grunde wenig Hoffnung hat."
„Wirklich, so schlimnu steht es mit der Mutter?" fragt Marga nun auch sichtlich erschrocken. „Das habe ich nicht gedacht. Alfred schrieb mit immer so hoffnungsvoll."
wollte mir das Herz nicht schwer machen, Marga. Warum dich in ber Ferne mit solchen Sorgen belasten, da, du doch nichts Helsen konntest ! Nun du aber wieder hier bist, toStß es ulk» recht, es dir zu verhehlen, daß wir einer trait* rigen Zukunft entgegensehen."
„Ich verstehe, Mama wird ben Gebrauch ihrer Mieder nidjt wiedererhalten."
„Ach, schlimmer noch," fügt Sust mit ernstem Kopfnicken hinzu. „Es können noch neue Lähmungen hinzutreten. Doktor Martin ist seit einiger Zeit sehr unruhig, weil Mama über ihre Augen klagt. Deshalb hat er angeordnet, daß wir mit ihr ins Grüne ziehen sollen, bet Vater hat bereits im Erunewalb einige Zimmer für sie gemietet.“
„Im Erunewalb? D, bas ist hübsch! Natürlich gehst bu mit ihr, benn auch bir tut Erholung not."
„Ja, Doktor Marrin will es so, ich und bas MäbLen werben ste begleiten. Für ben Vater wirst du hier sorgen müssen, Marga, ich habe bereits eine Bedienung für Euch beide vorgesehen. Des Abends kommt Ihr bann, so ost es angeht, hinaus zu uns. Elisabeth und Alfred wohnen ja auch nicht zu fern, so werden wir nicht einsam sein und die Mutter wird doch die Ruhe und frisch« Luft haben, der ste bedarf."
„Sehr gut," sagte Marga, „ihr konntet das nicht besser einttchten, auch für mich, denn ich werde recht Muße hrer finden zum Arbeiten. Das ist alles, was ich vorläufig brauche."
Aus den Vorderzrmmern ertönte die Glocke. „Es ist die Mutter," ruft Sufi, „ste wird meiner bedürfen. Und nun Noch eine Bitte, Marga! Laß dir nichts merken von dem, was ich dir gesagt habe, weder gegen Mamcu noch Papa. Ihnen soll, solange es angeht, btt Hoffnung erhalten bleiben."
Marga nickte der Fortgehendeir nut leicht beistimmend zu, dann läßt sie sich in einen Stuhl am Fenster gleiten und schaut lange hinaus auf Ae vom Abendschein sich rötlich färbenden Mauer» der Hintsrhäuse^ bie den Hof einfassen. Wie eine innere Beklemmung erfaßt es sie, ein schmerzliches Sehnen nach Luft und Licht. Alles beengt ste hier, der Blick auf den Hof, das niedere Zimmer, die quälendevorgK um die Mut-
lichen Reminiszenzen der Klassengegensätze innerhalb des deutschen Voiles."
Niemand hat sich bisher darüber geärgert, daß die intellektuelle Kraft des deutschen Volke» qualitativ und quantitativ zunimmt. Es bedurfte auch nicht der Gründung des sozialdemokratischen Zenttalorgans oder auch nur der Verdrängung bes früheren Redaktionsstabes de» „Vorwärts" durch die dort jetzt amtierenden zielbewußteren, aber geistig minder bedeutenden „Genossen", um zu entdecken, daß der Bedarf z. B. an Juristen sich nicht auf bloße Rechtspflege beschränkt. Und doch waren sicherlich Hinweise auf die Tatsache nicht überflüssig, daß dar Angebot an Juristen und Philologen zurzeit die Nachfrage ganz erheblich übersteigt. Es gibt noch immer weite Kreise, bei denen die ungerechte und unberechtigte Geringschätzung der körperlichen Arbeit ebenso stark ausgedehnt ist, wie die irrige Annahme, man brauche nur die Univerfität zu besuchen, um dann einer festen und lohnenden Stellung sicher zu sein. Diese Kreise auf das starke Anschwellen des akademisch gebildeten Proletariats nachdrücklich aufmerksam zu machen, ist geradezu patriotische Pflicht.
• Solche Hinweise aber nach dem Muster de, •'* „Vorwärts" als Ausfluß von „Vildungsfeind- i lichkeit" hinzustellen wäre unverständlich, wüßte man nicht, daß unserer Sozialdemokratie alle Dinge zur Verhetzung des Volkes dienen müssen.
Deutsches Reich.
W)"" Berlin, 13. November.
— Seine Majestät der Kaiser und Ihre Maj. die Kaiserin trafen, wie schon gemeldet, gestern vormittag 10 Uhr 50 Min. in München ein. Auf dem festlich geschmückten Bahnhofe empfing sie ber Prinzregent mit ben Prinzen und den obersten militärischen Chargen, während bie vom 6. Infanterieregiment gestellte Ehrenkompagnie (Amberg) präsentierte unb bie Regimentsmusik ben Präsenttermarsch spielte. Der Kaiser trug bayrische Uniform mit bem preußischen Helm mit Federn, ber seit einigen Jahren auch für bie bayrischen Generäle eingeführt ist und zuerst vom Kaiser beim Jubiläum bes Germanischen Museums in Nürnberg ge- tragen würbe. Der Prinzregent war in preußischer Uniform. Bei ber Abfahrt zur Residenz hallten die von dichtgedrängten Menschenmassen besetzten reich geschmückten Sttaßen von anhaltenden Hoch- und Hurrarufen wider. Nach der; Ankunft im Schlosse begab sich das kaiserliche Paar und der Prinzregent alsdann unt^Vor« antritt des großen Dienstes nach dem im ersten Stock gelegenen Thronsaal, wo sich sämtlich« Prinzessinnen des königlichen Hauses und Erzherzogin Adelgunde von Modena eingefunden hatten. Kaiser und Kaisettn begrüßten di« Prinzessinnen auf bas herzlichste und dankten
ter. Ach, wenn ste die engen Schranken durchbrechen könnte, die sie hier halten, wenn sie leben könnte, leben, wie ste es träumt, frei in Kunst unb Schönheit, ohne Zwang unb Not!
Ganz unwillkürlich sucht ihr Blick bie Potträt- skizze ber Gräfin Palfy, bie noch immer auf bet Staffelei steht. Auf ihr allein, ber gütigen Pro» tektorin, die sie sich in München gewonnen, ruht noch ihre Hoffnung — sie allein kann sie befreien aus all ber Misere, bie sie umgibt, in Regionen heben, die ihr als Künstlerin förderlich sein können, und sie ist entschlossen, diesen Hoffnungsanker festzuhalten trotz allem, ja selbst der Liebe zum Trotz, bie ihrer sehnsüchtig hier wartet. Denn auch diese Liebe, was vermag sie ihr zu bieten? Wie bie Verhältnisse nun einmal liegen, winkt ihr Erlösung erst in weiter Ferne. Unb ste mag nicht länger harren unb warten, Ihr brennender Lebensdrang treibt sie vorwärts, dem Ruhm unb Erfolg entgegen, und ste hat sich gelobt alle Kräfte einzusetzen, um das lockende Ziel sobald als möglich zu erreichen, jedes Hindernis, das sich ihr entgegenstellen sollte, aus dem Wege zu räumen, und innerlich wiederholt sie sich die vorhin gegen Susanna geäußerten Motte: Rur nicht weichrnütig unb ängstlich. Wer sich durchsetzen will, darf weder rechts noch links, sondern nut vorwärts sehen.
II.
Die erwarteten Gäste hatten sich abends ein» gefunden. Es waren die nächsten Freunde der Familie, Elisabeth und Alfred Berger, ein früh verwaistes Eeschwistervaar, das im Hause bes Rechnungsrates unb seiner gütigen Frau seit lange eine zweite Heimat gefunden. Elisabtth bekleidete die Stelle einer Lehrerin an einet Volksschule, was sie in den Stand setzte, mit ihrem Bruder, an dem sie, die um mehrere Jahr« ältere, schon seit lange Mutterstelle vertrat, »inen eigenen Haushalt zu führen. Alfred be-