Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg unb Kirchhain.

SormiagSdeUa-er Müktrtrt-S

M 265

Vierteljährlicher Bezugspreis- bet ver Expedition 2 ML,«Li « ' *

5a allen Postämtern 2,25 W. (excl. Bestellgeld). MUt^Uiy Erscheint wöchentlich sieben mal.

Znserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg. w.....<ririA Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UniverfitStS-Buchdruckerel 41. JlÄktl.

Neclamen: die Zeile 30 Pfg. Domtag, 11. November 1906. Marburg, Mar» 21. Telephon 55. "

Zweites Blatt.

i ........

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Der Panama-Kanal.

Den Bau des Panama-Kanals, an dessen Ausführung sich zwei französische Gesellschaften Vergeblich versucht haben, wollte die Regierung der Vereinigten Staaten in eigene Leitung und Verwaltung übernehmen. Die leitenden Jn- genieure sollten Amerikaner sein, Pläne und Zeichnungen sollten von amerikanischen Be- yinten entworfen, Material und Maschinen, die beim Bau gebraucht würden, amerikanischen Ursprungs sein. Nunmehr hat die amerikanische Regierung auf Grund des von der staatlichen Kairalkommisston erstatteten Gutachtens von dieser Forderung Abstand genommen. Das Unternehmen soll öffentlich ausgeschrieben und dem Mindestfordernden übertragen werden. Die Bedingungen für die Erteilung der Konzession lauten zunächst dahin, daß der Hauptunterneh­mer sein Einverständnis erklärt, daß ihm andere Unternehmer bezw. Firmen unterstellt oder ver­tragsmäßig verpflichtet werden können, die sich in die verschiedenen, bei dem Unternehmen zu vergebenden Arbeiten zu teilen haben. So sollen beispielsweise die Aufträge für die Vornahme von Ba^er-, Erd- und eigentlichen Bauarbeiten an verschiedene Konzessionäre vergeben werden rönnen. Die Kanalkommission behält sich dabei das Recht vor, einen Nachweis hinreichender Vorbildung und Fähigkeit für die übernomme­nen Arbeits- bezw. Lieferungsaufträge zu ver­langen. Ebenso haben die Unternehmer der Kommission Anzeige zu machen von dem Arber« Lerpersonal, das sie beim Bau beschäftigen wol­len, und nur solches Personal, gegen welches die Kommission Einspruch nicht erhebt, darf einge­stellt werden. Der Hauptunternehmer muß Nach­weisen können, daß ihm ein Kapital von 20 Millionen Mark zur freien Verfügung steht; als Sicherheitsleistung für die schuldige Erfüllung des eingegangenen Kontraktes muß er eine Summe von bestimmter Höhe hinterlegen, die jedoch den Betrag von 12 Millionen Mark nicht übersteigen soll. Die an den Unternehmer zu zahlende Entschädigung soll nach Maßgabe der Gesamtkosten der Anlage bemessen werden. Diese rechnungsmäßig zu veranschlagen, ist Auf- Sabe eines Sachverständigen-Ausschuffes, der us Ingenieuren, die teils von dem Unterneh­mer, teils von der Regierung der Vereinigten Staaten vorgeschlagen werden, zusammenzu­fetzen ist. Eine Entschädigungshöhe von 6 pCt. der Gesamtkosten vorausgesetzt, würde der Hauptkonzessionär bei 400 Millionen Mark Ge­samtkosten ein Honorar von 24 Millionen Mark erhalten. Bleiben die wirklichen Kosten hinter der veranschlagten Summe zurück, so erhält der Unternehmer den dritten Teil der Differenz als Vergütung. Uebersteigen aber die Kosten den von dem Sachverständigen-Ausschuß veranschlag­ten Betrag, so soll für je 20 Millionen Mark mehr i/spCt. von der sonst an den Unternehmer zu zahlenden prozentualen Entschädigung in Abzug gebracht werden.

Schon aus dieser Bestimmung ergibt sich eine ernstliche Schwierigkeit insofern, als für die Aufstellung des Kostenanschlages alles auf die

Das höhere Schulwesen Preußens.

Aus dem soeben erschienenen Kunze-Kalen­der für das höhere Schulwesen Preußens (Bres­lau, Trewendt und Eranier), der den Stand vom 1. Mai 1906 angibt, ist ersichtlich, daß der Mangel an Lehrkräften für unsere höheren Schulen noch immer zunimmt. Während am 1. Mai 1905 noch 152 anstellungsfähige Kandida­ten vorhanden waren (am 1. Mai 1904: 173, 1903 : 204), führt der neue Kalender nur noch 139 (124 + 15) auf. Von diesen haben 31 die Lehrbefähigung für Religion und Hebräisch, 20 für Latein, 31 für Französisch und Englisch, 25 für Mathematik und Physik, 6 für Chemie und beschreibende Naturwissenschaften, 26 für Deutsch, Geschichte und Erdkunde. Neu angestellt wurden aber vom 1. Mai 1905 bis 1. Mai 1906 572 Professoren und Oberlehrer. Von diesen sind offenbar mittlerweile einige wieder ausgeschie­den. Wir finden nämlich im Kalender selbst nur noch Angaben über 564 neuangestellte Her­ren (106, 66 167, 112, 33; 80); im vorhergehen­den Schuljahre hatte die Zahl der Neuanstel­lungen 494 betragen (101, 72, 174, 80, 28, 66), 1903/4 : 417 (173, 75, 98, 58, 18, 65). Wie man sieht, hat sich der Bedarf an Oberlehrern von Jahr zu Jahr vergrößert, was sich aus den zahl­reichen Schulneugründungen der letzten Jahre erklärt. Neubegriindet sind in diesem Jahre 16 Anstalten (1 königliches Reformgymnasium, 2 Progymnasien. 2 Neformrealgymnasien. 5 Real­

Zusammensetzung des Sachverständigen - Aus- schusies ankommt. Da in diesem die Regierung voraussichtlich die Mehrheit auf ihrer Seite haben wird, liegt mindestens die Möglichkeit vor, daß der Kostenanschlag zu niedrig gegriffen, der Unternehmer also geschädigt wird. Auch fonst dürften mancherlei Bedenken gegen die Kon­zessionsbedingungen geltend gemacht werden. Die größte Schwierigkeit aber bereitet die Ar­beiterfrage. Die Kanalkommtsfion hat nach­einander mit Bewohnern der Landenge, mit Negern aus den Südstaaten der Union, mit Negern von Jamaica, endlich mit chinesischen Kulis Versuche gemacht. Die letzteren wären wohl brauchbar gewesen, aber einerseits machte die chinesische Regierung Schwierigkeiten, andererseits erhoben die Arbeitergenoffenschaf« ten den Einwand, daß durch das Zuströmen chi­nesischer Arbeiter, die eine so viel niedrigere Lebenshaltung und niedrigere Ansprüche haben, die Interessen der amerikanischen Arbeiter ge­schädigt werden würden. Diefe selbst find aber nicht einmal für sehr hohen Lohn zu bewegen, nach dem Isthmus überzusiedeln, da sie das Klima und den Zwang eines Arbeitsverhält­nisses im fremden Lande fürchten. Jeder Unter­nehmer, der auf das Angebot der amerikanischen Regierung eingehen wollte, würde sich also zu­nächst mit der Arbeiterfrage abzuftnden haben.

Deutsche Kolouieu.

SÜdwestaftila.Aus ganz zuverlässiger Quelle" erfährt dieKöln. Ztg." einen Vorfall, den sie, wie sie sagt, für unglaublich halten würde, wenn eben nicht die Quelle so gut wäre. Es handelt sich um folgendes:Einer unserer ältesten und tüchtigsten siidwAafrikanischen Offiziere, der für seine hervorragende Tapferkeit und Umsicht während des Aufstandes vom Kai­ser besonders ausgezeichnet worden ist, hat sich hier während des Urlaubs verlobt und war um die Erlaubnis eingekommen, demnächst mit seiner jungen Frau in Deutfch-Südwestafrika seinen Dienst wieder antreten zu dürfen. Die Geneh­migung hierzu wurde ihm aber, obwohl angeb­lich der Gouverneur nichts dagegen einzuwendsn gehabt hat, militärischerseits rundweg aus prin­zipiellen Gründen abgeschlagen. Der Offizier hat daraus für sich die Folgerungen gezogen und seinen Abschied eingereicht. Das Schutzgebiet Deutsch - Südwestafrika verliert dadurch einen Mann, der als erprobter Kenner von Land und Leuten der Verwaltung von Südwestafrika noch in mancher Hinsicht sehr nützlich hätte werden können." (Es scheint sich um den Hauptmann Volkmann, den wackeren Verteidiger von Eroot- fontein, zu handeln. D. Red.) Man kann der K. Z." nur beipflichten, wenn sie zu diesem Tatbestand bemerkt:Wir können es verstehen, wenn man vorläufig noch mit Rücksicht auf die großen Ueberfiedlungskosten und die Schwierig­keit der Unterbringung verheirateter Offiziers­und Beamtenfamilien grundsätzlich verheiratete Offiziere nicht neu in die Schutztruppe einftellt. Auch mag es im allgemeinen aus diesem Grunde noch nötig sein, schon im Dienst befindliche Be­amte und Offiziere darauf hinzuwxisen, daß ihnen als Verheirateten besondere Vorteile in Hinsicht auf Wohnungsverhältnisie nicht zuge- billigt werden können. Hier aber, wo es sich um einen Offizier handelt, der dreizehn Jahre mit

progymnasien, 1 Oberrealschule (in Berlin), 5 Realschulen, darunter 2 in der Nähe von Berlin, in Spandau und Tegel); in der Entwicklung be­griffen sind noch 85 höhere Schulen (5 Gym­nasien, 2 Progymnasien, 9 Realgymnasien, 12 Neformrealgymnasien, 7 Realprogymnasten, 4 Reformrealprogymnasien, 18 Oberrealschulen, darunter 1 königliche und 28 Realschulen). Wenn an diesen Anstalten jährlich auch nur eine Klasse hinzutritt, was bei den Neugründungen in den Großstädten nicht ausreicht, so würden allein zum Unterricht in diesen Klaffen unge­fähr 150 Oberlehrer erforderlich sein. Unge­fähr 250 Professoren und Oberlehrer scheiden alljährlich aus, so daß allein zur Deckung des Bedarfs an den höheren Knabenschulen mehr als 400 Oberlehrer gebraucht werden.

In den letzten Jahren ist aber, wie wir be­reits erwähnt, diese Zahl weit übertroffen wor­den. Wenn man nun bedenft, daß am 1. Mai 1906 494 Probanden vorhanden waren (59 mit der Lehrbefähigung für Religion und Hebräisch, 67 für Latem und Griechisch, 138 für Englisch und Französisch, 117 für Mathematik und Physik, 42 für Chemie und beschreibende Naturwissen- schaften, 71 für Deutsch, Geschichte und Erd­kunde), außerdem 38, die wegen ihrer militäri­schen Verpflichtungen das Probejahr nicht voll­enden konnten oder noch gar nicht angetreten haben (4, 5, 10, 9, 2/8) und 591 Seminarmit­glieder (62, 75, 141, 140, 69, 104), so ergibt sich, wenn sich die Zahl der Neuanstellungen unge­

dem größten Erfolge in der Kolonie tätig ge­wesen ist, der Anforderungen bezüglich seiner Unterkunft an den Staat auch als Verheirateter nicht stellen will, dessen Wiedereintritt dem Gou­vernement erwünscht ist, erscheint die Ablchnung seines Antrages völlig unbegreiflich. Liegen wirklich prinzipielle militärische Gründe vor, so müßte in einem solchen Falle im Interesse des Schutzgebietes eine Ausnahme gemacht werden. Nach unserer Ansicht sollte ein Offizier, der für die Kolonie von dem Gouvernement für wert­voll erachtet wird, wenn es nur irgendwie mög­lich ist, dem Schutzgebiet erhalten bleiben."

Ausland.

Frankreich. Die Ankündigung eines Einkom­mensteuerprojettes durch den neuen Finanz­minister Caillaux hat die Börse sehr beunruhigt, weil Caillaux von jeher für die Besteuerung der französischen Rente eingetreten ist. Der ohnehin schon ttefe Kurs der Rente sank plötzlich noch mehr, und so sah sich der Minister selbst genötigt, folgende Rote der Agentur Havas zu übergeben: Alle Nachrichten über die Einkommensteuer und die Frage, wie die französische Rente davon be­rührt würde, sind erfunden. Die Wahrheit ist die, daß der Finanzminister bis jetzt nur di» großen Umriffe eines neuen Projekts studiert hat, und daß mehrere Wochen und vielleicht mehrere Monate vergehen werden, bevor dieses Pro­jett in allen Teilen ausgearbeitet sein wird und der Kammer vorgelegt werden kann." Diese Erklärung hat im radikalen Lager einige Enttäuschung hervorgerufen. DieLanterne" bezeichnet sie mit Bitterkeit als einen schlechten Witz und fügt hinzu:Wir ersuchen den Mi­nister, seine Arbeit etwas zu beschleunigen. Er hat sein Projekt in großen Zügen seinen Kolle­gen bereits vorgelegt. Wenige Tage würden sicherlich genügen, es auszugestalten. Für diese Arbeit mehrere Monate zu verlangen,würde be­deuten, daß man die Steuerreform auf die grie­chischen Kalender vettagen will, und damtt würde sich die republikanische Mehrheit kaum ein­verstanden erklären."

Marburg vud Uurgrgend.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet)

Marburg, 10. Novbr.

* Deutsche Kolonialgesellschaft. Gestern Abend veranstaltete die hiesige Abteilung der deutschen Kolonialgesellschaft ihren ersten zahlreich besuch­ten Vortragsabend im Museum. Rechtsanwalt Dr. Krug sprach über die Deportations­frage. Nach einer kurzen Darlegung, wie stch die Deportation bei den einzelnen Kulturnatio­nen geschichtlich entwickelt hat, ging der Redner näher auf die Frage ein, welche Bedeutung un­sere deutschen Kolonien für die Kriminalpolittk haben. Eine zeitweilige Beschäftigung von Sträflingen bei öffentlichen Arbeiten in den Ko­lonien, wie Eisenbahnen, Wegen, Hafen- und Stauanlagen, hielt er im Jntereffe einer Ent­wicklung der Kolonien für wünschenswert, soweit nicht die Kostenfrage int Wege stehe. Eine solche

fähr auf der Höhe der letzten Jahre hält, die Unmöglichkeit, den Bedarf aus den zur Ver- fügug stehenden Kandidaten zu decken. Man wird also noch weiter die Seminarkandidaten sofort nach der Prüfung zum vollen Unterricht heranziehen müssen, worunter notgedrungen ihre pädogogische Ausbildung leiden muß; man wird außerdem Oberlehrer aus anderen deut­schen Ländern heranziehen, in denen die Be­soldung schlechter ist als in Preußen. So kamen im Schuljahr 1905/6 27 preußische Oberlehrer aus demAuslande" (darunter aus dem König­reich Sachsen 6, aus dem Elsaß 4, aus Anhalt, Hessen, den thüringischen Staaten und den Hansastädten je 3).

Die 7820 etatsmäßigen Oberlehrsrstellen, die der letzte .Kunze" auffühtt, verteilen sich auf 651 Anstalten, das heißt nur etwas über 8 v. H. der Oberlehrer hat Aussicht, in Direktorenstellen einzurücken, deren Verwalter im Höchstfälle in Berlin zum Beispiel 7200 <* Gehalt beziehen und einen Wohnungsgeldzuschuß von 1500 Jt. Bei den Provinzialschulkollegien wird nur ein Teil der Ratstellen mit philologischen Fach­männern besetzt der andere Teil bleibt den all­wissenden Juristen vorbehalten; noch ungün­stiger liegt das Verhältnis im Kultusministe­rium. Einen philologisch vorgebildeten Kul­tusminister hat zwar das befreundete Oester­reich vor nicht langer Zeit gehabt, in Preußen reichen, wie es scheint, nach Ansicht der leitenden Stellen die Zähigkeiten eines Philologen nicht

Beschäftigung würde zugleich im Interesse de* Strafvollzugsfreunde zu begrüßen sein, da sie de» Sträflingen Gelegenheit bietet, ihre Strafe hei gleichzeitiger Beschäfttgung im Freien zu ver­büßen, statt hinter Zuchthausmauern siech zn werden. Dagegen sprach sich der Redner gegen die Strafverbannung, d. h. die Strafverschickun^ mit der Absicht späterer Ansiedlung der Sträft linge, aus. Das Klima und die lokalen Veu hältnisse der Kolonien widerrieten ein« solche auch sei ein starker Widerstand der in den Ko­lonien bereits ansässigen freien Kolonisten z« erwarten. Nur mit der Ansiedlung von unver­besserlichen Verbrechern auf einer unserer Jnsel< der Südsee sei vielleicht ein Versuch zu machen, Eine solche Ansiedlung habe aber nur den Zweck, die Unverbesserlichen aus dem Mutterlande weg( zuschaffen, nicht aber eine zukunftsreiche Kolonbs zu gründen. An den Vortrag schloß stch ctiU längere Diskussion, in der u. a. auch die Herrei Professoren Träger, Generalmajor von PenH General d. Ins von Bartenwerffer und Ober­lehrer Dr. Schmidt das Wort zum Teil für, zu« Teil gegen die Deportation ergriffen.

§ Stiftungsfest. Die Gesangsriege des hisste gen Turnvereins begeht heute Abend im Turnerr gatten das lOfahttge Bestehen durch einen Kom­mers. Morgen schließt stch ein Familienabend an.

Liebedienerei vor dem Ausland und ver­wandtes. In einigen großen deutschen Städte» ^itg kürzlich ein englischer Gesangverein.

anche Zeitung brachte darüber die ausführ-, ltchsten Berichte, als wenn es sich um ein welt­erschütterndes Begebnis gehandelt hätte. An der Spitze eines solchen Berichtes stand gar ei» Absatz, der ganz in englischer Sprache geschrieben war. Müssen wir denn immer vor dem Ausland« solche Liebedienerei treiben? Geht es denn nicht an, in würdigeren Formen, ohne diese krank­hafte Schweifwedelet, dem Auslände und seinen Leistungen gerecht zu werden? Müssen wir uns immer vor ihm lächerlich machen? Und ist er nicht traurig im höchsten Maße, wenn stch ein« deutsche Frau mit echt deutschem Vor- und Fa­miliennamen auf ihrem Schilde alsCorse* tifcre de Paris" bezeichnet? Und ebenfalls f« traurig, wenn große deutsche Gasthöfe Ver­zeihung? Hotels Anzeigeheftchen zum Mit­nehmen auflegen, auf denen in großen Gold- buchstaben Souvenir steht, obgleich Andenken dasselbe sagte? Waren wir dieses Wort, vom französischen se Souvenir => sich erinnern, eigentlich sich selbst beistehen, zu Hilfe kom- ,* men, nicht schon glücklich los? und nun wird es wieder ausgegraben? Und wie wimmelt es in solchem Hefte von Fremdwörtern! Souter­rain, Parterre, Garderobe, Konfitüren, Par- fums, Kollettion, Dekoration pp., Vestibül, kor­rekt, Exklusivität, Projett, Costume, Kataloge, Fontäne, Balustrade, Billett, Linzenz, Etablisse­ment, komplet, Pincenez, gratts, franko, L und per und Spezialitäten aller Art. Und nun bittet gar ein Geschäftsmannden Inhabern von Souvenir-Büchern" Rabatt an? Ja, wenn man die fremden Wörter nur richttg schreibe» könnte? Ein anderer hat neben einer deutschen Anzeige eine französische und eine englische wörtliche Uebersetzung stehen, aber er läßt en fäce statt en face und english, french und german statt English, French und German drucken. Wann doch, wann erscheint die Stunde, daß unsere Geschäftsleute endlich einmal auf­

einmal zur Verwaltung der Stelle eines Ab­teilungsdirektors im Kultusmiitisterium.

Die Regierung kann übrigens auch mehr Oberlehrer in höhere Stellen rücken lassen, wenn' sie die Bildung der sogenanntenElefanten­schulen" verbietet. Mehr als 400 Schüler sollte eine Anstalt nicht besitzen; es gibt aber sehr viele, die deren weit mehr als 600 zählen. Ja, das mit einer Realschule verbundene Gymna­sium in Mülheim an der Ruhr hatte am 1. Mai 1906 in 23 Klaffen 766 Schüler, wozu noch die 4 Klaffen der Vorschule mit 142 Schülern treten. Die meisten Schüler find aber unter einem Di- rettorat in Rixdorf vereint. Das dortige Kaiser Friedrichs-Realgymnasium das ebenfalls mit einer Realschule verbuiü>en ist, hat in seinen 26 Klaffen 351 Schüler, so daß ein Mann über 1000 Schüler zu regieren hat. Es wäre doch in beiden Fällen nicht schwer, die Realschulen los­zulösen. Von den Berliner höheren Schulen weist das königliche Luisengymnasium den größ­ten Besuch auf; es hat nämlich in 19 Klassen 628 Schüler, außerdem eine Vorschule von 6 Klaffen mit 295 Schülern. Etwas günstiger steht es in den städtischen höheren Schulen Ber­lins. Am meisten besucht ist die Friedrich-Wer- dersche Oberrealschule, die in 19 Klassen 603 Schüler hat. Sie hat keine Vorschule. Dann kommt das Falk-Realgymnasium mit 587 Schü­lern in 16 Klassen, das aber noch eine Vorschule von 156 Schülern hat, die aus 3 Klaffen verteilt sind. (Nach einem Bericht desS. $.**) J