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ihm ganz elend zumute, und um seinen Kopf legte es sich wie ein eiserner Ring. Er konnte einfach nicht mehr nachdenken. — Dazu die Müdigkeit! — Endlich — draußen graute schon der Morgen — schlich er, bleich, fröstelnd und gequält vom greulichsten Katzenjammer, auf seine Chaiselongue im Sprechzimmer.
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„Nach reiflicher Ueberlegung bin ich, nach allem, was geschehen ist, zu der Ansicht gekommen, daß ich mich eigentlich von dir scheiden lassen müßte," kam es schneidend von den Lippen der Sanitätsrätin. „Aber unseres Kindes wegen bringe ich das namenlose Opfer und bleibe und gelte vor der Welt als deine Frau. Daß es aber in unserer Ehe anders wird als bisher, ist selbstverständlich."
Unter der Reisedecke kam ein Knurren hervor, das halb wie Entrüstung, halb wie Zustimmung klang, bei der Sanitätsrätin aber gänzlich unbeachtet blieb.
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Ausland.
Frankreich. Mehrere Bischöfe sowie zahlreichsonstige Geistliche Frankreichs werden sich im Laufe dieses Monats nach Rom begeben, um Weisungen über das vom 12. Dezember ab einzuschlagende Verhalten zu erbitten. — In katholischen Kreisen ist man dem „Eclair" zufolge sehr beunruhigt darüber, daß die Bischöfe bisher noch nichts unternommen haben, um die Ausübung des Gottesdienstes zu sichern. Man hatte gehofft, daß die Pfarrer unter den Gläubigen wenigstens eine Sammelliste für die Deckung der Kosten des Gottesdienstes zirkulieren lassen. Das sei bisher nicht geschehen. Die Bischöfe warten diesbezügliche Weisungen von Rom ab. Es sei aber sicher, daß der Papst keine weiteren Weisungen mehr erteilen werde. — Die Vertreter der radi- kalen Gruppen hatten mit Clemenceau und Vriand eine Unterredung, die zu einer Verständigung über den Zeitpunkt der Anwendung des Trennungsgesetzes führte. Briand erklärte, daß nur die bis zum 11. Dezember dieses Jahres gebildeten Kultusvereine des im Gesetze enthaltenen Vorrechtes betreffend den Heimfall der Kirchengüter teilhaftig sein werden. Bezüglich der nach dieser Frist gegründeten Kultusverein« werde die Regierung zu entscheiden haben, ob di« Kirchengüter ihnen oder den Gemeinde-Wohl- tätigkeitsanstalten zufallen sollen. Die Vertreter
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Neueste Telegramme.
Lerlin, 9. Rov. Wie hiesige Blätter melden, wurde der Major und Bataillons-Kommandeur !im Kaiser Alexander-Earde-Erenadier-Regiment >Nr. 1, Prinz Joachim Albrecht von Preußen, in die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Südwest- iAfrika versetzt und dürfte schon mit einem der ^nächsten Schiffe dorthin abgehen.
Berlin, 9. Nov. Im Befinden des Mi- nisterialdirektors Dr. Althoff ist eine Besserung Zu konstatieren.
. Berlin, 9. Nov. Wie der „Lokalanzeiger" 'meldet, soll die Entlassung des Land- Iwirtschaftsministers v. Podbielski '<tuf seinen Antrag nunmehr erfolgt sein.
j Berlin, 8. Nov. Nach dem vorliegenden Er- igebnis der Ersatzwahl im dritten Berliner Land- stagswahlkreife verfügen die Freisinnigen über '1288, die Sozialdemokraten über 1078 und die ^Konservativen über 166 Wahlmänner. Einige 170 Stichwahlen find noch zu erledigen. Bei der Hauptwahl waren es 1311 Freisinnige, 1100 So- -zialdemokraten und 180 konservative Wahl- Männer.
I Paris, 9. Nov. Der „Figaro" meldet, der .Papst habe einem in Rom weilenden Prälaten Erklärt, daß jedes Zugeständnis unnütz wäre, und daß der Regierungsantritt Clemenceaus die Er- eignisie beschleunigen werde, welche, so hoffe er, ein erfreuliches Ergebnis für die Kirche haben dürfte.
Washington, 8. Nov. Sekretär Metcalf, wel- cher den Ausschluß der Japaner aus den Schulen jSan Franciscos untersuchte, dürfte berichten, daß ibie Pacificküste einhellig gegen die Japaner ist |unb daß die Bundesregierung vorausstchlich ^nichts ausrichten kann. (Verfassungsrechtlich Isteht der Bundesregierung auch nicht die Befugnis zu, in die inneren (Schul) Verhältniffe des »Staates Californien einzugreifen.)
I zen! Ja, ein wenig über das Maß hatte er ge- I trunken, aber — Mit einem zornigen Murmel« I hüllte er sich fröstelnd wieder in seine Decke. Er I fühlte sich am ganzen Körper wie zerschlagen, il und müde, müde. Bald »erkündete rin laute»
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und Charakter vertraulich erkundigt. Es liegt auf der Hand, daß dieser Brauch Willkür und Rachsucht geradezu züchten muß. Richt bloß in den „Times", sondern auch in dem radikalen ,Daily Chronicle" wird deshalb die Einführung von Zeugnisbüchern nach — deutschem Muster empfohlen. Auch hier haben wir Deutschen also keinen Anlaß, eine bewährte Einrichtung preiszugeben, bevor wir uns nicht überzeugen können, daß überhaupt etwas besieres an ihre Stelle gesetzt werden kann. Alle Möglichkeiten, das Los unserer Dienstmädchen auch weiterhin zu verbessern, sollen nach wie vor ernsthaft erwogen und erörtert werden. Aber gerade wer ein Herz für unsere Dienstboten hat und bedenkt, daß der ihnen anerzogene Geist später vielfach ganze Familien beeinflussen wird, kann nicht dulden, daß die Dienstmädchen zu Gegenständen launischer Reuerungssucht gemacht werden.
tunb glich, erten tgen. arisch am will chaft kein« be.
Bitte Br- kost- und SB asche agS- Uhr rächt auS- 5986
stand, daß auch di« Dienstmädchen nicht durchweg Engel find. Am erträglichsten werden die Verhältnisse immer da sein, wo die Herrin ihr erstes Vorrecht nicht mit einem herrischen Auftreten sieht, sondern dem Dienstmädchen, wenn seine Eigenarten es einigermaßen zulassen, zugleich als Mutter gegenübertreten möchte, und dieses harmonische Verhältnis ist zum Aerger derer, die ihre geistige Befähigung nur zu gern auf dem Altar bet Verhetzung niederlegen, insbesondere in den breiten Schichten des Mittelstandes noch heute die Regel.
Durch übertriebene oder undurchführbare Forderungen wird auch hier kein Nutzen gestiftet. Man kann sehr wohl darüber reden, ob nicht dic Ausdehnung der Krankenversicherung auf dic Dienstboten in den Städten — das platte Land mit seiner meist recht langen Kündigungsfrist würde hier wenig in Frage kommen — wünschenswett erscheint, und man darf erwarten, daß diese Forderung, die im Reichsamt des Innern schon geraume Zeit erwogen wird, spätestens bei der bevorstehenden Vereinheitlichung der Arbeiterverficherungsgesetzc berück- stchttgt wird. Wenn man aber zugleich die Einbeziehung der Dienstboten in das Unfallversicherungsgesetz befürwortet, dann vergißt man doch, daß hier nur Unfälle in Frage kommen, denen im bürgerlichen Leber schließlich jeder mehr oder weniger ausgesetzt ist, daß es für anständige Herrschaften nicht erst einet- Gesetzes bedarf, um zur Verhütung von Unfällen ihrer Dienstboten das Menschenmögliche zu tun, und daß die Unverständigen oder sträflich Leichtsinnigen, die ihre einfachsten Nächstenpflichten ver- - säumen, schon heute leicht belangt werden können. Unerfüllbar aber ist. btr* Forderung der Abschaffung der Gesindeordnung un'> der Einrichtung vonHaushaltgerichter. Den Wunsch, auch das Gesinde und die ländlichen Arbeiter unter die Reichsgewerbeordnung zu stellen, kann keine ihrer Verantwortung bewußte Regierung erfüllen, und anderseits geht es nicht an, für jeden einzelnen Beruf besondere Standesgerichtc zu schaffen; überdies ist ja aueft I>e* der Beratung des Gesetzes über die Kaufmannsgerichte vom Regierungstische klar und deutlich gesagt worden: in der Frage der Standesgerichte, bis hierher und nicht weiter!
Wie leicht man bei uns geeignet ist, die heimischen Verhältnisse aus parteipolitischen Erwägungen planlos herunterzureißen, auch dafür kann die von den. Sozialdemokraten erstrebto Dienstbotenbewegung als abschreckende? Beispiel angeführt werden. In Mannheim forder ten die „roten" Frauen die Abschaffung der Ee- sindedienstbücher, da diese freier Menschen unwürdig seien. Im freien England aber, wo man Gesindedienstbücher nicht kennt, wird deren Einführung von bett Dienstboten selbst empfohlen, eben weil biese zu menschenwürbigen Verhältnissen gelangen möchten. Dort ist es jetzt Brauch, baß sich bie Herrschaft, bie ein Dienst- mäbchen annehmen will, bei den früheren Arbeitgebern des Mädchens über dessen Leistungen
Nagt und gettchtliche Sühne verlangt. In erster Instanz (vor dem Schöffengericht) wird die Am geklagte auch zu einer Geldstrafe von 50 «It veu urteilt. Sie legt Berufung ein und ihr Verteidiger bemüht sich nicht ohne Erfolg, die Be^ letdrgungen in etwas milderem Lichte erscheine» zu lassen. Die Strafkammer hält infolgedessen eine Geldstrafe von 30 M für ausreichend und legt die Hälfte der Kosten der Berufungsinstanz — der Klägerin auf, denn das Gericht kann, wenn den Anträgen des Privatklägers nur zum Teil entsprochen ist, die Kosten angemessen veri teilen (§ 503, Abs. 3 der Strafprozessordnung): Nun hat die Klägerin, die doch nichts dafür kann, daß das Schöffengericht die Strafe etwas zu hoch bemessen hat, auch noch Kosten zu tragen die womöglich höher sind, als die Strafe bei Angeklagten. Eine Praxis muß naturgemäß als verfehlt bezeichnet werden. Das Gericht sollt« von der Möglichkeit, die Kosten zu verteilen, nur dann Gebrauch machen, wenn die Sachdar, stellungen des Klägers weit übertrieben waren' oder wenn neues Beweismaterial vorgebracht wird und sich dadurch die Sachlage erheblich zu Gunsten der Angeklagten verschiebt. In jede« Sache jedoch, wo nach Ansicht des Berufungsgerichts der erste Richter in der Bewertung der einzelnen Beleidigungen etwas zu scharf vorgegangen ist, dem Kläger dies durch Auferlegung eines Teiles der Kosten entgelten zu lassen, entt spricht nicht dem natürlichen Rechtsempfinden.
Schon stand die Sonne hoch am Himmel, da öffnete sich vorsichtig die Tür des Zimmers, in dem bei Sanitätsrat in schwerem Schlummer von ben Strapazen seiner Reise und den Schrek- ken der Heimkehr ausruhte, und herein kam mit feierlichsten Schritten die Sanitätsrättn. Sie ging nach der Chaiselongue, wo ihr Gatte, völlig eingehüllt in seine Reisedecke, noch immer laut schnarchend schlummerte.
„Dagobert, erwache!" gellte es ihm wie die Posaunen des jüngsten Gerichts entgegen. ,^ch habe mit dir zu reden!"
„Ja, ja, mein Schnuteken." Schlaftrunken hob der Sanitätsrat den Kopf und rieb sich die Äugen. Als er aber in das Gesicht seiner Frau blickte, die sich zu ihm niederbeugte, durchfuhr ihm ein jäher Schreck, und die gestrige schreckliche Szene stand, wenn auch etwas verschwommen, in ihren Hauptakten deutlich vor seinen Augen. Mein Gott, das konnte jetzt gut werden, und instinktiv kroch er tiefer unter seine Reisedecke.
„Und wie sic riechen! Nach Millefleurs — das sagt genug. Und die Nummer! Keine anständige Frau hat solche Hände. — Dagobert!"
„Was denn Gundelchen?"
„Schweige?"
„Ich bin ja schon still!"
„Siehst du, du kannst dich auch nicht verteidigen, nicht rein waschen. Diese Beweise sprechen zu deutlich. Mir das anzutun! O, ich armes, verratenes Weib! O, o, mir ahnt Fürchterliches!" —
Was der Frau Adelgunde ahnte, erfuhr der arme Sanitätsrat überhaupt nicht; denn laut weinend verließ feine empörte Gattin das Zimmer. An bei Schwelle wandte sie sich noch einmal um und rief ihm, von Schluchzen unterbrochen, die dunkeln Worte zu:
„Morgen werden Sie das weitere von mir hören, Herr Sanitätsrat Breitkopf»"
Darauf flog mit einem Krach die nach dem Schlafzimmer führende Tür zu, und hörbar wurde der Schlüssel umgedreht.
Völlig ratlos saß der Sanitätsrat am Tisch. Ja, mein Gott, war et denn verrückt oder betrunken, äffte ihn ein Traum, oder zum Teufel, was war das. Wie waren die verfluchten Dinger von Handschuhen, die auf sein schuldloses Haupt einen solch gräßlichen Verdacht heraufhe- schworen hatten, in seine Manteltasche gekommen? Er hatte während seines ganzen Breslauer Aufenthaltes kein Weibsbild angesehen, geschweige denn gesprochen. Was half ihm aber das?
Frau Adelgundens Eifersucht war schon, auch wenn sie keinen Grund hatte, furchtbar. Und nun, was würde nun kommen, wo sie sich zu den schrecklichsten Annahmen berechtigt glaubte! Ihm graute, unb er zersann sich ben Kops, wie er die Beweise seiner Schuldlosigkeit bringen sollte. Es war ihm, als kröche aus ben zusammengeballten Hanbschuhen, bis mitten auf ber roten Plüschdecke lagen, eine gräßliche Teufelsfratze hervor, bie ihn höhnisch angrinste. Es wurde
Deutj'chrs Reich.
Berlin, 9. Nov.
— Seine Majestät der Kaiser ist vorgestern Abend in Liebenberg angekomm?n, wo er mehrere Tage als East bei dem Fürsten Eulenburg verweilen wird.
— Ueber bie politische Lage schreibt die „Na- tionallib. Korr.": „Am 12. November begibt sich das Kaiserpaar zur Grundsteinlegung des Deutschen Museums nach München. Der Reichskanzler wird den Kaiser nach München nicht begleiten. Das stand indes schon seit langer Zeit fest und kann den leidigen Krisengerüchten kaum neue Nahrung geben. Zudem ist es auch notwendig, den ersten Beamten des Deutschen Reiches von zeitraubenden Repräsentationspflichten so viel als möglich zu entlasten. Daß der Reichskanzler gleich an den ersten Tagen im Parlament erscheint, ist kaum anzunehmen, denn die Tagesordnung der ersten Sitzung enthält keine Fragen von politischer Bedeutung. Auch Staatssekretär Graf Posadowsky wird am 13. November im Reichstage nicht anwesend sein können, da er jenem Fest der Grundsteinlegung in München beiwohnt. Wenn am Donnerstag — der Mittwoch soll einer Schwerinssitzung vorbehalten sein — die Interpellation zur Fleischteuerung zur Besprechung gelangt, so wird vielleicht der Reichs- lanzler zum ersten Male seit seinem Unfall am 5. April im Reichstage wieder erscheinen."
— Es ist bekannt, daß die Scheu vor den meist beträchtlichen Kosten eines Gerichtsverfahrens manchen von der Erhebung einer Klage zurückhält. Das ist nicht ganz unberechtigt, denn häufig wird in der Auferlegung der Kosten in Beleidigungsprozessen von Seiten des Gerichts etwas hart verfahren, wie folgender, oft wiederkehrender Fall lehren mag: Eine Frau belegt eine andere ohne die geringste Veranlassung mit Ausdrücken, die teils dem Tierreich entnommen, teils so schwerer Art sind, daß die Beleidigte
Fünfdreiviertel.
; Humoreske von Sidonie Jnbeich-Mierswa. (Fortsetzung).
i Hxtz-Schweig," zischte ihm seine Gattin entgegen, „8W komm mir nicht mit solch elenden Ausflüchten ! Also, wenn die Nähte schwarz geworden sind, wie kommt es, daß du, der du sonst Mit Mühe in die Nummer acht kommst, auf einmal die Handschuhnummer fünfdreiviertel hast?" < „Fünfdreiviertel?" murmelte der Sanitäts- rät, der überhaupt nicht verstand, was das ganze Manöver feinet Gattin bedeuten sollte.
i „Jawohl, fünfdreiviertel! Ich will dir etwas sagen," schrie immer erregter Frau Breitkopf, . „das Knd — Damen-Handschuhe!"
| C „Nee, mein Gundelchen; da täuschste dich. Das find meine Handschuhe. Ich hab sie selber in meine Paletottasche gesteckt," sagte gutmütig Mchölnb bet Sanitätsrat.
। ^'.Kannst b» leugnen, daß in diesem Handschuh „6?4* steht?" Und mit rascher Bewegung hielt p» ihrem Gatten einen der kleinen allerliebste« Kandschuhe vor die Augen.
k । Der Sanitätsrat zwinkerte und zwinkerte. Ihm kam e» wt, gls ständen in dem Handschuh lauterRingel. die sich drehten, und keine Zahlen.
„’s ist „3", Gundelchen." sagte er.
. Ein verächtlicher Vlia traf ihn.
„So, nun ist's genug!" rief die empörte Sa- fnitätsrätin. „Jetzt ist es mir klar, warum diese | 'Fahrt «ach Breslau gemacht werden mußte, i 'Amüsieren hast du dich wollen, dich in den Stru- ; ;del der grHen Stadt mit all ihren Lastern untz -Versuchungen stürzen, und hier diese Handschuhe I »erraten mir, daß du ihnen erlegen bist. Pfui, I dreimal pfui über einen solchen Mann!"
Der arme Sanitätsrat senkte den Kopf und Zermarterte fein Gehirn, wie diese vermaledeiten »andschuhe in seine Tasche gekommen sein soll- i len ; aber er fand keine Erklärung dafür.
„Ich verlange von dir jetzt in allen Stückest bedingungslos Gehorsam." '
Das Knurren verstärtte sich.
„Und zwar habe ich soeben an den Herrn Kandidaten Herder geschrieben, daß er sich heut« Mittag dein Jawort holen könnte, um das et gestern bei seinem Besuche gebeten hat. Es ist am besten," schloß sie, das Taschentuch sich vor dii Augen haltend, „wenn nach allem, was vorget fallen ist, das Kind sobald als möglich aus dem Hause kommt und ein anständiger Mann ei heiratet."
In den Reisedeckenknäuel auf dem Sofa kam jetzt auf einmal Leben, und mit hochrotem Ee* sicht fuhr der Sanitätsrat daraus hervor.
„Nein und zehnmal nein!" schrie er. ..Ich empfange ihn nicht, und mein Jawort kriegt der Kerl erst recht nicht." ,
„Dagobert!"
„Ich schmeiß ihn raus, wenn er kommt."
„Du wirst dein Jawort geben, verstanden?"
„Adelgunde, ich platze vor Wut," kreischte der Sanitätsrat.
„Da müßte ich längst geplatzt sein, mein Freund," höhnte seine Frau. „Denk an bie Handschuhe!" Langsam mit majestätischen Schritten rauschte Frau Adelgunde hinaus.
Ja, er dacht an die Handschuhe, der arme Sanitätsrat, und verfluchte sie und die ganz« Breslauer Reise.
Aber so ein Blödfinnn» Nein unb tausendmal nein, es mußte sich doch aufklären lasse«, wie und woher bie Handschuhe in seine Tasche gekommen waren. Er wußte sich frei von jeder Schuld und war ratlos in ber Sache.
Aufgeregt drohte er mit beiden Händen nach der Tür, hinter ber die zürnende Gattin verschwunden war. Und dabei diese Kopfschmer-
Dienstbotenfragen.
□ Die sozialdemokratische Agitation zur Verhetzung auch der weiblichen Dienstboten hat in hiesenr Jahre wieder lebhaft eingesetzt. Daß sie nennenswerte Erfolge bisher nicht aufzuweisen hat, ist ein erfreuliches Zeugnis für das gute Einvernehmen, das in den weitaus meisten Fällen noch immer zwischen Herrschaft und Dienstmädchen besteht. Die demokratische Presse ift krampfhaft bemüht, alle Einzelheiten, in denen sich Dienstboten über eine ungerechte Behandlung mit Fug beklagen können, zusammenzutragen und sie bei der ihr üblichen unlogischen Verallgemeinerung gegen die Arbeitgeber auszubeuten. In Wahrheit wird die Tatsache, daß auf Seiten der Herrschaften Mißgriffe Vorkommen, ebenso wenig bestritten wie der Um
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Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.
Sonnabend. 10. November 1906. *"*- 3*««