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Marburg
Freitag, 9. November 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Lerlag: Joh. Aug. Koch, Umversitäts-Buchdruckerek Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahr,.'
Neueste Telegramme.
_ Darmstadt. 8. Nov. Die Großherzogin von ^Hessen wurde heute früh ya7 Uhr von einem Prinzen entbunden.
z Darmstadt, 8. Nov. Gestern Nachmittag wurde eine amtliche Erklärung veröffentlicht, di« folgende Mitteilung enthält: Das Ministerium Habe zu demissionieren beabsichtigt und dem ^Croßherzog ein dahingehendes Gesuch eingereicht; ider Eroßherzog habe aber dieses Gesuch ableh- 'nend beschieden.
i Rom, 7. Nov. Der vatikanische Korrespondent des „Corriere della Sera" meldet, die römische Kurie sei überzeugt, daß die demnächstige Nomreise der Kardinale Fischer und Kopp nicht Mit dem polnischen Schulstreik Zusammenhänge. Die Reise sei bereits vor dem Ausbruch des Streiks entschieden gewesen und die preußisch« Regierung wisse durch Herrn v. Tschirschky, daß her Vatikan nicht intervenieren werde. (Inner- preußische Angelegenheiten gehen den Vatikan tzuch gar nichts an; die Regierung wird hoffentlich über die widerspenstischen Polen aus eigener Macht fertig werden).
Paris, 7. Nov. Im Auftrag der beiden radikalen Kammerfraktionen begaben sich laut „Frkf. Ztg." die Deputierten Buision, Dumont und Puech zu den Ministern Clemenceau und Briand, um ihnen vorzustellen, daß die radikale Mehrheit der Meinung ist, jeder nach dem 11. Dezember 1906 gegründete Kultusverein besitze keinen Anspruch mehr auf Ueberlassung und Nutznießung der Kirchengüter, die sofort zur Verfügung der Gemeinden zu stellen seien. Briand stimmte der Auffassung zu, daß derartige nach Ablauf des Termins etwa ins Leben tretende Kultusvereine keinen Anspruch aus die Vorteile des Trennungsgesetzes haben, daß jedoch die Uebenoeifung der Güter an die Gemeinden nur von Fall zu Fall durch Dekret erfolgen solle.
Paris. 8. Nov. Die Vudgetkommisston der Kammer beendete die Prüfung der Budgetentwurfes für 1907; sie stellte zur Deckung der Defizite eine Erhöhung der Steuern auf Alkohole und Absinthe ein und führte eine Steuer von zehn Frcs. auf Klaviere und Pianos ein.
London. 7. Nov. Keir Hardie (Soz.) bracht« im Unterhaus eine Bill ein, durch die den Frauen das Wahlrecht gewährt wird. Hardie begründet die Bill und führt aus: 420 Mitglieder des Parlaments hätten bei den Wahlen versprochen, für die Erteilung des Wahlrechts an die Frauen zu stimmen, sie hätten aber keine Schritte getan, um die Erfüllung ihrer Versprechen zu sichern, deshalb falle die Verantwortlichkeit für die jüngste Agitation auf sie. Hardie fordert die Regierung auf, eine Erklärung in dieser Angelegenheit abzugeben. Eine Regierungserklärung wird jedoch nicht abgegeben. Die Bill hat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, in dieser Session angenommen zu werden.
8 (Nachdruck verboten.);
Fünfdreiviertel.
■ Humoreske von Sidonie Zudeich-Mierswa, (Fortsetzung).
, Es war schon spät, weit nach Mitternacht, und in ganz Wernowitz wachte wohl niemand mehr als die Sanitätsrätin, die ihren von der Breslauer „Spritze" heimkehrenden Gatten erwartete. Sie saß in ihrem marineblauen Schlafrocke in einen Sessel gelehnt, und die Hängelampe warf einen melancholischen Schein über das trauliche Zimmer.
Die Sanitätsrätin seufzte. Sie hatte Friederike zu Bett geschickt. Warum sollte der Vater • bei seiner Heimkehr gleich ihre verweinten Augen sehen! Daß auch gerade dieser Unglücksmensch, dieser Kandidat, den ihr Mann nicht leiden konnte, in der Zwischenzeit bei ihr vorsprechen und sie um die Aussichten seiner Hoffnungen befragen mußte. Jetzt, wo ihr Mann die Breslauer Reise durchgesetzt hatte, fühlte sie sich gar nicht mehr so tatkräftig wie früher. Sie hatte den jungen Theologen auf eine briefliche Antwort vertrösten müßen.
Draußen schlug der Hund an. Die Sanitätsrätin fuhr auf. Von der Gartentür herauf klang ein Rütteln und Rasseln. Es werden doch keine Diebe sein! Sie blickte zum Fenster hinaus.
„Vertchen!"
„Gundelchen, mein Schnuteken, sei mir Se- fxiißt!" tönte es vergnügt herauf. „Ich, him ich inde das verfluchte Schlüsselloch nicht. Es ist so dunkel, so neblig! Halt, ich hab's!"
Frau Breitkopf eilte ihrem Gatten mit hocherhobenem Licht entgegen, um ihm die Treppe hinanfzuleuchten.
„Das ist hübsch, mein Miezelchen, daß du auf deinen. Alten aewartet hast." Damit stellte et
Bismarcks angebliche Staatsstreichs- plstne im Jahre 1890.
Professor H. Delbrück in Berlin, ein sehr verdienter Gelehrter, der nur den einen Fehler hat daß er manchmal midi ä quatorze heurea sucht, hat neuerlich die Entdeckung gemacht, daß Fürst Bismarck i. I. 1890 die Aufhebung des allgemeinen Wahlrechts durch einen Staatsstreich habe herbeiführen wollen und hierüber zu un- ferm Glücke gestürzt sei. Man kann sich denken, wie die ganze Meute derer, denen der große Mann immer zu groß war, über dieses gefundene Fressen mit gierigem Behagen herfällt, wird aber begreifen, wie auch solche, die in Bismarck immer ihren nationalen Leitstern gesehen haben, von der mit verblüffender Sicherheit vorgetragenen Beweisführung eines angesehenen Historikers beeinflußt in ihrem Urteil über den Mann unsicher werden.
Dem gegenüber sei darauf hingewiesen, daß die angebliche Entdeckung Delbrücks einstweilen — unkontrollierbar, wie sie ist — gar keinen positiven Wert beanspruchen kann. Delbrück findet in den Memoiren Hohenlohes eine unklare Stelle. Das wäre nun gerade die erste nicht, die ein aufmerksamer Leser in den Aufzeichnungen des dritten Kanzlers entdecken könnte. Aber gerade diese Stelle muß aus eine „offene Lücke" deuten. Hier muß etwas von dem Bismarckschen Staatsstreichplan gestanden haben, was Prinz Alexander und sein Adlatus Curtius bei der Herausgabe unterdrückt haben. Warum fie die Stelle unterdrückten, ob vielleicht aus zarter Rücksicht auf Bismarck, die ja ihr ganzes Werk in so hohem Grade charakterisiert, darüber ist uns Delbrück feine Antwort — hoffentlich nur einstweilen — schuldig geblieben. Jedenfalls, die offenbare Lücke steht ihm fest. Dann — „zwei verschiedene Persönlichkeiten" haben ihm unabhängig voneinander von jenem Plane erzählt. Und fie hatten es aus Bismarcks eigenem Munde. Schade, daß Delbrück die beiden Unbekannten nicht nennen kann, darf oder mag. Seine bona fides in allen Ehren, aber meint er denn, daß seine Unbekannten — so lange sie nämlich Unbekannte bleiben — für jeden Zeitgenossen ebensoviel Autorität haben wie für ihn, für den fie eben keine Unbekannten find? Glaubt er das, so ist er im Irrtum. Er nenne seine Gewährsmänner, damit jedermann beurteilen kann, welchen Glauben fie verdienen. Tut er es nicht, so macht er sich wider Willen zum Verbreiter und Mitschuldigen politischen Klatsches.
Fürst Bismarck hat sich nicht ganz selten über das allgemeine Wahlrecht geäußert. Er war sich über seine Schwächen klar und hat es nicht vergöttert. Aber gegen den ihm oft nahe gelegten oder imputierten Gedanken es abzuschaffen hat
seine Reisetasche mit hörbarem Ruck auf die Erde und drückte mit einem Arm seine Frau an sich, als hätte er sie jahrelang nicht gesehen. In dem anderen hielt er einen in Papier gehüllten Gegenstand, den er auch, als er seinen Ueber- zieher ausgezogen hatte und mit etwas schwan- enden Schritten seiner Frau ins Wohnzimmer olgte, zärtlich umklammert hielt. Dann ließ er ich, da ihm offenbar ein fester Stützpunkt für ein Körpergewicht willkommen war, schwer in den Sessel fallen.
„Mein Gott, auch das noch!" seufzte Frau Adelgunde, die ihren Mann noch niemals in solch einem Zustande gesehen hatte.
„Sieh hier!" damit riß der Sanitätsrat die Papierhüllen auseinander. „Dieses Seidel hat mir das Korps dediziert," und dabei schwang er, beinahe wie ein Keulenkünstler, das Glas über seinem Haupte, bis es ihm seine erschreckte Frau aus der Hand nahm, um es mit entsetzten Augen sogleich wieder hinzustellen. Das Bild darauf war — o — furchtbar!
Ein flotter Student hielt ein Schenkmädel auf dem Schoß. Darüber standen die Worte: „Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust."
„Ich sage dir, Schnuteken," fuhr der Sanitätsrat inzwischen unbekümmert fort, „ich habe Triumphe gefeiert, jawohl Triumphe, mit meiner Rede und dann beim Sau — Trinken. Alle hab ich untergekriegt, die jüngsten Füchse. Es ist eben was einziges, so ein feuchtfröhlich durch- zechtes Stiftungsfest. „Ca ca geschmauset laßt uns nicht rappelköpfig sein!" Sogar mit Blumen haben sie mich beim Abschied dekoriert wie'« Pfingstochsen." Dabei wies er auf ein Veilchenbukett, das völlig welk feine ordengeschmückte Brust zierte. „Rein toll sind se gewesen. Die Kerls haben mich in corpore nach dem Bahnhof gebracht und ein donnerndes „auf Wiedersehen, After Herr" gebrüllt, als ich zur Halle hinaus-
er sich immer lebhaft gewehrt. So sagte er am 14. Februar 1885 im Reichstage:
„Solang« ich Einfluß auf unsere Geschäfte • habe, wird es nicht anders werden, denn ich weiß die Sache nicht anders zu machen. Aber es ist sehr leicht möglich, daß die Art, wie das Wahlrecht heute ausgeübt und ausgebeutet wird, ihm selbst mit der Zeit Schaden bringt." Er würde das, so fügte er hinzu, bedauern, aber kaum in dir Lage kommen sich den Kopf darüber zu zerbrechen: — „er wird mir dann nicht mehr wehe tun."
Ebenso unzweideutig erklärte er am 24. Januar 1887 im preußischen Landtage auf eine Anzapfung Windthorsts:
„Ich bekenne mich vor der Nation als den schuldigen Urheber dieses Wahlrechts und habe es als mein Kind zu vertreten. Ich gebe deshalb dem Abgeordneten voll und unumwunden die Versicherung: im Schoße der verbündeten Regierungen ist von einer Anfechtung des gültigen Wahlrechts in keiner Weise die Rede . . Jeder verfassungsfeindliche Mann sagt, ich will die Verfassung ändern, allerdings auf gesetzlichem Wege. Wir aber wollen sie gar nicht ändern, auch auf gesetzmäßigem Wege nicht, sondern wir wollen fie halten und ausbilden." Wer uns glauben machen will, daß der Mann, der diese Wort« sprach, wenige Jahre später das allgemeine Wahlrecht durch einen Staatsstreich habe beseittgen wollen, dem liegt die Aufgabe ob, uns den grundlegenden Wechsel der Anschauungen, der in einem solchen Plane liegen würde, begreiflich zu machen. Weshalb wollte Bismarck das allgemeine Wahlrecht antasten und wenn er es wollte, warum wollte er sofort zum letzten Mittel, dem Staatsstreich greifen? Wenn er auch nach seiner Entlassung noch an diesem Gedanken hing, warum hat der in der erzwungenen Muße so redselig Gewordene nie ein Sterbenswörtchen von diesem Gedanken verraten? Und ferner, lag ihm so gar nichts an seiner Popularität und seinem Nachruf, daß er seine Laufbahn mit einem Staatsstreich abzuschließen den Wunsch hatte? Delbrück weiß uns auf alle diese Fragen keine Antwort zu geben. Er speist uns mit einer seltsamen Theorie von der Tragik des Heroen- tums ab: der Riese, alt, unproduktiv und ideenlos geworden, weiß schließlich nicht anderes mehr zu unternehmen als sein eigenes Lebenswerk wieder zu zerstören. In der Tat, wen diese Verlegenheitsauskunft befriedigt, der wird sich vielleicht auch mit den beiden Unbekannten abfinden, die die Sache aus Bismarcks eigenem Munde haben. Wir andern wollen ruhig warten, bis wir die Gewährsmänner kennen lernen, denen Delbrück so große Autorität beimitzt. Vielleicht daß auch uns dann das Unwahrscheinliche Ereignis wird.
Dr. G. Buchholz, Prof, an der Kgl. Akademie Posen.
dampfte. Aber weißte, ehe wir eins ins andere reden, kann mir Fritzel ein paar Flaschen Bier jawohl Bier," betonte er, „bringen. Ich habe einen Brand, einen Brand, daß ich Meere austrinken könnte. „Bon der Wiege bis zur Bahre" —"
„Ich habe Friederike zu Bett geschickt."
„Auch gut, aber das ist eben, weil fie so pieprig ist und kein Bier trinkt. — Prost, Alte!" rief der Sanitätsrat seiner Frau zu, als diese ihm, seinem Wunsche gemäß, eine Fasche Bier selbst geholt hatte. Ja, er verschmähte es sogar, erst ein Glas zu beanspruchen, und ttank seiner entsetzten Gattin aus der Flasche zu.
„Bist doch ein lieber Fratz! „Mädel, schenk ein, schenk ein," sang er dazu urvergnügt. „Dein Wohl, mein Gundelchen!"
Die Sanitätsrätin wußte nicht, was sie sagen sollte. Immer gewitterdrohender zogen sich die Wolken auf ihrer Stirn zusammen, und ihre Nase wurde spitz und weiß.
„Dagobert —“
„Nee, nee, wenn doch der Fritz ein Junge wäre — Na, beruhige dich man, Mattel sie ist mir auch so lieb. Also, was ich sagen wollte, Triumphe habe ich gefeiert, Triumphe —“
„Das sagtest du schon, Dagobert."
„Nee, sieh mal an, ja, ja Triumphe! Du, Gundelchen, mach mal nicht so'n eigen Gesicht, sonst laß ich dich in die Kanne steigen! Nee. Und das Wiedersehen mit den ollen Bonzen! Ordentlich rührend war's. Aber alt find die Kerle geworden; ich kam mir ordentlich wie 'n Jüngling dagegen vor. Bloß der Gang allein."
Augenscheinlich hatte er die Absicht, seiner Gattin eine Extravorstellung seines elastischen Ganges zu geben; aber der Versuch erstickte im Keime, es war, als habe er Blei in seinen Beinen. Darum stand er nur auf und setzte sich mit großer Vehemenz wieder nieder. Plötzlich schlug
Deutsches Reich.
Berlin. 8. Nov-
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag die Votträge der Chefs des Zivil- und des Militärkabinetts. Nachmittags 2y> Uhr begab sich der Kaiser im Automobil nach Liebenberg zu mehrtägigem Besuch bei dem Fürsten Eulenburg-Hertefeld. Der Kaiser fuhr über Nauen und besuchte dort die Station für Funkentelegraphie. Die Kaiserin begab sich abends nach Ploen. Die für heute und morgen angesetzte Hofjagd in Letzlingen findet unter Beteiligung des Kronprinzen und der übrigen geladenen Jagdgäste statt.
— Eine Berliner Korrespondenz weiß zu berichten, gewisse Kreise hätten den Vorschlag gemacht, dem Fürsten Bülow einen Bizekanzlee zur Seite zu stellen, der ihm das Schwerste abnehmen könne und ihn dann als Reichskanzler des Innern" ersetzen solle, wenn er einmal amtsmüde werden sollte: für die Stelle dieses jetzigen Vizekanzlers und künftigen „Reichskanzlers des Innern" soll der Träger eines Namens in Aussicht genommen fein, der in der Kriegsgeschichte Preußens bei der Neugründung des Reiches als erster genannt wurde. Die „Deutsche Tages- Zeitung" sagt dazu: „Auf wen diese Umschreibung hindeutet, ist klar. Es ist aber müßig, sich mit der ganzen Erzählung ernstlich zu befassen, da in maßgebenden Kreisen niemand an die Verwirklichung eines solchen Gedankens ernstlich gedacht hat. Bekanntlich sollte auch Fürst Bismarck einmal während seiner Krankheit einen Vizekanzler bekommen, und als solcher war vom Eroßherzoge von Baden Fürst Chlodwig zu Hohenlohe ins Auge gefaßt worden. Die Sache zerschlug sich damals, weil Fürst Bismarck er- fteulicherweise bald gesund wurde; fie würde aber auch trotzdem nicht perfett geworden sein, da Fürst Bismarck niemals seine Einwilligung dazu gegeben hätte. Es ist möglich, daß jetzt in den Kreisen, die dem Fürsten Bülow nicht ganz günstig gestimmt find, ein ähnlicher Plan erwogen worden ist; aber um etwas anderes als um bedeutungslose Plaudereien handelt es sich tatsächlich nicht."
— Dem Abgeordneten Basserrnann, dessen scharfe Kritik der gegenwärtigen politischen Lage wir vor einigen Tagen Wiedergaben, ist der Abg. Beumer gefolgt, der in einer in Duisburg gehaltenen Rede gleichfalls seiner Mißbilligung, dir von vielen geteilt wird, Ausdruck verlieh. Er sagte u. a.:
Die beiden größten Feinde unserer deutschen Weiterentwicklung seien der Byzantinismus und die Bureaukratie; gegen beide sich mit aller Entschiedenheit zu wenden, sei deshalb nicht allein die Pflicht des Abgeordneten, sondern jedes einzelnen, der sein Vaterland wirklich lieb habe. . . Das Ministerium Studt sei das unbeliebteste Mi-
er sich vor den Kopf. „Nee, wie ich das auch vergessen konnte! Geh mal, mein Gundelchen, in meiner linken lleberziehertasche steckt ein Ca- deauchen für dich und den Fritz. Siehste, ich denke immer an euch," und dabei faltete er die Hände über seinem rundlichen Bäuchlein, lehnte sich in den Sessel zurück und schaute mit behaglichem Gesicht, auf dem sich die innere Selbstbefriedigung deutlich widerspiegelte, mit zwin. kernden Augen nach der Lampe. Wie es ihm schien, machte sie die Bewegungen der Erde mit, denn sie bewegte sich sichtbar hin und her. Das machte den Sanitätsrat unruhig; er beugte sich vor, um die interessante Tatsache zu untersuchen. Da ließ ein Heller Schreckensschrei seiner Gattin draußen ihn jäh emporfahren.
Mit einem wahren Medusenangesicht rauschte fie ins Zimmer. In ihrer Rechten hielt sie einen Gegenstand hoch den der Sanitätsrat mit dem besten Willen nicht erkennen konnte.
„Dagobert — es ist entsetzlich — ich weiß alles!" stöhnte sie.
Ganz verwirrt starrte der Sanitätsrat seine Gattin an, et hätte so gern erfahren, was sie „wußte."
„Hier" — damit stellte sie mit nachdrücklichem Ruck das Schächtelchen mit der Brosch^ die er ihr mitgebracht hatte, auf den Tisch. „Ich verzichte darauf, schenke sie derjenigen, der" —1 hier versagte ihre Stimme — „der diese Handschuhe gehören."
„Handschuhe? Gundelchen? Meine find'» doch!"
„So, deine Handschuhe? Seit wann trägst tot weiße Handschuhe mit schwarzen Nähten?"
„Wieso?" fragte der Sanitätsrat interessiert. „Schwarze Nähte? Sie werden eben auf dem Komme. > schwarz geworden sein."
(Fortsetzung felgt.)
b ।11 .