mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain»
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Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.
, , _ m . Druck tmb Verlag' Joh. Aug. Koch, UmvcrsttLtS-Buchdmckerei 41. Jabra.
Mittwoch, 7. November 1906. Marburg, M 21. - Telephon 55. 4 x)uyiü*
Zweites Blatt.
Deutschlands Kohlenvorrat.
Wer sich ganz in die Tatsache versenkt, in wie riesenhafter Weise unser Verkehr, unsere Industrie von Jahr zu Jahr wächst, und dann bedenkt, welche ungeheuren Mengen von Kohlen deren wir noch in den meisten Fällen zur Erzeugung der enormen Kräfte bedürfen — nötig ifind, um diese Fortschritte in Verkehr und Industrie zu ermöglichen, den ergreift bisweilen so eine Art Furcht und Besorgnis bei der Vorstellung, „was soll werden, wenn die Kohlen einmal alle sind?" Ganz unberechtigt ist es nicht, diese Frage zu stellen, denn unerschöpflich sind die Vorräte an Steinkohlen nicht. Aber zur Besorgnis ist zunächst wirklich noch kein Grund vorhanden. Gewiß, der Verbrauch wächst von Jahr zu Jahr, er wird auch künftig immer weiter wachsen, aber zugleich wächst auch die Größe der Erschürfung, der Prozeß der Gewinnung wird immer intensiver, das Heizungsmaterial wird immer mehr ausgenutzt, die Maschinen arbeiten immer sparsamer. And die Hauptsache: der Kohlenvorrat ist vom menschlichen Standpunkt aus wirklich noch ungeheuer. Gerade wir in Deutschland sind da in einer recht günstigen Lage gegenüber anderen Ländern. — Die deutsche Kohlenproduktion und der Kohlenverbrauch sind in den letzten Jahren ganz enorm gewachsen. Die Steinkohlenproduktion betrug in 1000 Tonnen: 1882 : 52 119, 1885 : 58 320, 1890 : 70 238, 1895: <79169, 1899: 101640; allein int Jahre 1899 hatte sie einen Wert von 789 449 000 M. Trotz dieser hohen Zahlen reichen bei uns die Steinkohlen aber schon lanffe nicht mehr zur Deckung des Bedarfes. Schon 1899 war eine Einfuhr fremder Kohlen von 6 220 489 Tonnen nötig, und doch: diese Zahlen sind noch außerordentlich günstig im Vergleich zu anderen Ländern. In Frankreich, das selbst über großen Steinkohlsn- reichtum verfügt, war im Jahre 1900 eine Ein« fuhr von 14 599 950 Tonnen nötig, und noch viel chlechter steht es in den anderen europäischen Ländern, von denen Italien überhaupt keine Steinkohlen besitzt. Nur Großbritannien ist noch günstiger daran wie Deutschland, aber trotzdem liegt für uns kein Grund vor, auf Großbritan- niens Kohlenreichtum neidisch zu sein. Unsere Kohlenflöze stellen sich von Jahr zu Jahr als -mächtiger heraus. Der oberschlesische Kohlenbezirk z. B. enthält bis zu 1000 Meter Tiefe Steinkohlen, was schätzungsweise einem Vorrat von za. 43 847 Millionen Tonnen entspricht. Allein diese Kohlenschätze sind größer als die in den noch unverritzten, nicht in Abbau gezogenen Kohlenfeldern Englands ruhenden, die von der Königlichen Kohlenkommission (wahrscheinlich
Medizinische Rundschau.
Diphtherieserum, Tetanusserum, Bovovakzin,
Tulase.
Von E. v. Behring. lFortsetzuug.)
Tatsächlich traten jedoch nach dem Bekannt- werden der Wunderwirkung von Jenners iso- pathischer (oder vielmehr homöopathischer*) Pockenbekämpfung theoretisierende Bekenner des isopathischen Heilprinzips auf, die einen jeder Logik hohnsprechenden Sinn, nach Miinch- hausenschem Muster, diesem Prinzip mit großer Dreistigkeit zugesprochen haben. Gegenüber derartigen Theoretikern, deren medizinisches Können auf gleicher Stufe stand mit ihrer Logik, war Bretonneau — einer der genialsten Äerzte aller Zeiten, der Schöpfer unseres heutigen Diphtheriebegriffs — durchaus int Recht, wenn er sagte: „Dans l’interdt de l’art medical mieux vaut qn’un fait majeiir soit ottblid que perverti.“ In diesem Bretonneaufchen Sinne habe ich vor vierzehn Jahren einen historisch-kritischen Artikel, in dem von R. Virchow berichtete, daß er den Glauben an die Existenz isopathischer Heilwirkung als „geistige Verirrung" mit einem Bannspruche belegt und als gar nicht diskussionsfähig bezeichnet habe, mit folgendem versöhnlichen Satze geschlossen: „In der Tat, bester war es für die Medizin, daß jene Lehre von den spezifischen (und isopathiichen) Heilmitteln unter Virchows Einfluß zeitweise vergessen wurde, als daß sie in der von den Homöopathen entstellten Form fortvegetierte."
II.
Am dem Leser von dem überaus komplizierten Inhalt der modernen Jmmunitätslehre eine möglichst anschauliche Vorstellung zu verschaffen, will ich im vorliegenden Abschnitt die Diphtherie-Immunisierung in den Mittelpunkt stellen und in meinen weiteren Auseinandersetzungen bloß noch die Anwendbarkeit der bei
•) Vgk. meinen Jmrnunitätsartikel im Ja- Huar-Heft der Deutschen Revue vom Jahre 1vd3,
zu hoch) auf 39 483 Millionen Tonnen geschätzt sind. (Zeitschrift für praktische Geologie, 13. Jahrg. 1905, Heft 2 und 6/7.) — Wir haben also wahrhaftig keinen Grund zur Besorgnis. Für 700—1000 Jahre haben wir noch Kohlen genug. And wer kann wisten, ob man dann noch der Kohle zur Energieerzeugung bedarf!
Ausland.
Spanien. Den Gedanken der westrnächtlichen Entente sucht England gegenwärtig dem König von Spanien plausibel zu machen. Das ist offenbar der Zweck des Erscheinenss desselben englischen Geschwaders in Malaga; das, unter dem Oberbefehl des Prinzen Louis von Battenberg stehend, im Laufe dieses Jahres in zahlreichen Häfen der Vereinigten Staaten und des Dominion of Canada die englische Flagge gezeigt hat. An Bord des Admiralschiffes, dem König Alfonso und seine Gemahlin Viktoria Eugenie Besuche abgestattet haben, befindet sich auch Prinz Moritz von Battenberg, der Bruder der Königin. Aus Loitdon wird gemeldet, daß das spanische Königspaar auch Gibraltar besuchen wirb. So wird die englisch-spanische Annäherung, deren Charakter bereits bei der Vermählung des Königs Alfonso genügend deutlich wurde, mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt.
Großbritannien. Die „Abrüstungs"-Politik der liberalen Regierung hat doch ein etwas anderes Aussehen, als „Standard" und „Daily Expreß" in ihrer Kassandra-Rolle prophezeit hatten. Die Veröffentlichung der Admiralität läßt vielmehr erkennnen, daß Sir John Fischer, der die Reorganisation und Neuverteilung der Flotte vom Dezember 1904 ins Werk gesetzt hatte, auch heute noch den bestimmenden Einfluß auf die Admiralftätspolitik besitzt. Auch bei dem Programm von 1904 wurden beträchtliche Ersparnisse gemacht, indem über 100 Schiffe, die sich mehr in den Reparaturdocks als auf See befanden, ausrangiert wurden; und doch war das Ergebnis eine unbestrittene Verstärkung der britischen Seemacht. Vielleicht gelingt es auch bei dem jetzigen Programm, neue Ersparnisse zu erzielen; aber das treibende Motiv, das ihm zu Grunde liegt, ist keine Sparsamkeit um jeden Preis, sondern ein Motiv rein strategischer Natur. Wie die Neuverteilung der Flotte von 1904 das Ziel verfolgte, den Schwerpunkt der maritimen Streitmacht nach Norden zu verlegen, so wird jetzt dieser Plan weiter verfolgt. Das Mittelmeergeschwader erfährt eine neue Schwächung; denn seitdem die Entente mit Frankreich besteht, hat das Mittelmeer an politisch-strategischer Bedeutung für England wesentlich verloren. Die Hauptstreitmacht ist jetzt die Kanal- flotte, die vor 1904 die Heimatflotte hieß und aus sieben alten Schiffen bestand, dann aber 13 s»—...ar - „.4_________ =
der Diphtheriebekämpfung gewonnenen Erfahrungen auf die immunisierende Tuberkulosetherapie besprechen.
Erfahrungsgemäß kann man Individuen, die für die Vretonneausche Diphtherie empfänglich sind, auf vielfach verschiedene Art immunisieren. Ich will hier aber nur die drei Jmmu- nisierungsmethoden aufzählen, die ich vor ungefähr sechzehn Jahren wirksam gefunden und veröffentlicht habe.
1. Die erste Jmmunisierungsmethode ist die von Jenner vor hundertundzwanzig Jahren entdeckte Vakzinationsmethode. Ich habe die Methode der Schutzimpfung mit abgeschächten Jen- nerschen, später durch Pasteur verallgemeinerten Virusarten (Vakzins) auf die Diphtherie übertragen, indem ich die Virulenz — ober krankmachende Energie — der Löfflerschcn Bazillen durch Jodpräparate abschwächte. Meerschweinchen, Kaninchen, Schafe, Rinder und Pferde tnb mit Erfolg von mir immunisiert wollen bei der Benutzung von jodtrichloridabge- chwächten Diphtheriekulturen. Diese Methode jabe ich zehn Jahre später für die Bekämpfung der Rindertuberkulose verwertet, indem ich die anthropogenen Kochschen Tuberkelbazillen verwendete, die sich für Rinder in der Regel wie ein schwaches Virus verhalten und in ähnlichem Verhältnis zu dem stark virulenten taurogenen Virus stehen wie der Kuhpockenvirus (Vakzine) zum volloirulenten Vario- laoirus. Das zur Perlsuchtbekämpfung bestimmte Jmmunifierungsverfahren ist demnach ein Jennerifierungsverfahren; ich habe es am 12. Dezember 1901 in Stockholm anläßlich der ersten Nobel-Feier veröffentlicht. Zwei Jahre später hat R. Koch die Richttgkeit und Wichtigkeit dieser von mir entdeckten Tuberkuloseschutzimpfungsmethode bestätigt.
2. Die zweite Methode benutzt zur Immunisierung nicht bas lebende Virus, sondern bas vom lebenden Virus produzierte Gift. Um beispielsweise ein Pferd gegen Diphtherie zu immunisieren, spritzt man zuerst eine sehr geringe Dosis Diphtheriegist unter die Haut und verdoppelt dann täglich die Dosis. Oei unserM
Schiffe neuester Konstruktion erhielt. Ihr zur Seite steht die Atlantische Flotte, die ihre stän- dinge Station in Berehaven in Irland hat. Nun soll in der Nordsee eine neue Heimatflotte gebildet werden, auf der Basis in Sheerneß, etwas unterhalb der Themsemündung. Der seemännische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" weiß mitzuteilen, daß sie die neun Schlachtschiffe der „Majestic"-Klasse erhalten würde. Einen Teil der Schiffe werden die drei anderen europäischen Geschwader (Mittelmeer-, Kanal- und Atlantisches Geschwader) abgeben; der Rest wird aus der 1904 geschaffenen Reserve entnommen werden. Die Reserve wird also zunächst eine Schwächung erfahren, doch werden zugleich Vorkehrungen getroffen, um ihren künftigen Bestand zu sichern. Auch dieses neue Programm bedeutet eine beträchtliche Verstärkung der britischen Streitmacht. In der Presie gibt es freilich immer noch einige Schwarzseher, die von der liberalen Regierung die gefährlichsten' Abrüstungspläne besorgen. Aber die ganze Abrüstung scheint darauf hinaus- zulaufen, daß Etatsabstriche in der Weise ermöglicht werden, daß man eine beträchtliche Summe unnützer Ausgaben vermeidet und durch bessere Verwertung und Konzentrierung der vorhandenen Mittel eine größere Schlagfertigerreicht, als England je vorher besaß.
Vermischtes.
Berlin, 4. Nov. Die Untersuchung gegen den „Hauptmann von Köpenick", Wilhelm Voigt, führt der Untersuchungsrichter Dr. Nouhardt vom Landgericht II. In dessen Gegenwart hielten die Rechtsanwälte Dr. Schwindt und Bahn im Sprechzimmer des Untersuchungsgefängnisses mit dem Angeklagten die erste ein- ftündige Konferenz ab, nachdem die Direktion des Untersuchungsgefängnisses erklärt hatte, daß der gegenwärtige Gesundheitszustand des Voigt dies zulasse. Voigt ist geistig recht rege und drückt sich in einer so gewandten Weise aus, wie man sie seiner zumeist in Strafanstalten verbrachten Vergangenheit kaum für möglich halten sollte. Allerdings hat er in seiner Jugend die höhere Bürgerschule in Tilsit bis zur Tertia besucht und dadurch wohl eine gewisse Gewandtheit im Gebrauch der Sprache erlangt. Körperlich macht er den Eindruck eines stark mitgenommenen Mannes, dessen eingefallene Wangen und gelbliche Gesichtsfarbe auf das Vorhandensein eines leidenden Zustandes schließen lassen. Als Kuriosum und zum Beweise, welches Interesse alle Schichten der Bevölkerung dem „Hauptmann" entgegenbringen, sei registriert, daß den Verteidigern von verschiedenen Stellen kleine Geldbeträge, von mehreren Damen bei einer int Admiralsbade veranstalteten Sammlung aber sogar 47 M zur besseren Verpflegung zugewendet worden seien. Die Vot-
Diphtheriegift, das sehr stark ist. Beginnen wir mit einem Zehntausendstel Kubikzentimeter, um bann nach vier bis sechs Wochen bis zu einem Liter, also bis einer zehnmillionenmal stärkeren Dosis emporzusteigen.
Nach Plinius war biefe Giftimmunisierungsmethode bereits dem König Mithridates im Prinzip bekannt. Mithridates hat aber die Gifte, gegen die er sich selbst immun machte, nicht unter die Haut eingespritzt, sondern dem Magen zugeführt. Wir können nachweisen, daß die stomachale Jmmunisierungsme-Hode des Mithridates auch für einige baktettelle Gifte anwendbar ist, und ich habe Schafe und andere Tiere mit Erfolg gegen dieTuberkulose stornachal immunisiert. Demgemäß können wir die Immunisierung gegen die krankmachende Wirkung von Giften als „Mithridatisation" bezeichnen. In moderner Zeit ist die Mithridatisation durch R. Koch im Jahre 1890 in die medizinische Wissenschaft eingeführt worden. Koch hat nämlich tuberkulöse Menschen gegen sein Tuberkulin zu immunisieren gelehtt. Ehrlich hat gleich darauf für einige Pflanzengifte die Mithridatisation mit Erfolg angewendet.
Von größter Wichtigkeit ist, daß die nach der Methode des Mithridates gegen das Diphtheriegist immunisierten Tiere gleichzeitig gegen die krankmachende Wirkung der lebenden Diphtheriebazillen immun gemacht werden; dagegen werden die gegen das Tuberkulin immunisierten Individuen nicht gegen die durch Kochsche Bazillen erzeugte Tuberkulose immun gemacht. Mir selber aber ist es gelungen,' aus den Tuberkelbazillen in meiner Tulase ein von dem Kochschen Tuberkulin verschiedenes Toxin herzustellen, und ich habe gefunden, daß man verschiedene Tierarten auch gegen die krankmachende Wirkung der lebenden Tuberkelbazillen durch meine Tulase immun machen kann.
3. Die dritte von mit im Jahre 1890 öffentlichte Jmmunisierunosn,Sthöde ist die ferumtherapeuthischs Immunisierung. Die Ent- seckung dieser Metode steht im engsten Zusammenhang einerseits mit meinen vor fflnfun’W zwanzig Zähren veröffentlichten Jodoform
Untersuchung dürste voraussichtlich längere Zett nicht in Anspruch nehmen. Hauptsächlich wirb es sich um die Prüfung der Frage handeln, ob Voigts Aburteilung vor der Strafkammer oder vor dem int Dezember zusammentretenden Schwurgericht stattfinden soll.
Kreuznach, 4. Nov. Die Weinlese ist beendet. Sie nahm nur ein paar Tage Zeit in Anspruch, da Menge und Güte der Traube» nur gering war. Der Ertrag war in den meisten Naheweingegenden so gering, daß eine Lese nicht lohnte. Der Most hat ein Gewicht von 60—90° nach Oechsle. Die Stimmung in dep Winzerkreisen ist infolgedessen sehr gebrückt.
M ü n ch e n, 5. Nov. Das freisprechenbe Urteil bes Schwurgerichts im Prozeß Heusler ist nunmehr rechtskräftig geworben. Jetzt hat bet Gerichtshof (bet Berufsrichtertisch bes Schwur- Serichts) beschlossen, beim Kultusministerium zu eantragen, es möge Elise v. Heusler eine Entschäbigung für bte unschuldig erlittene Untersuchungshaft unb für bie infolge ihrer früheren Verurteilung verbüßte Zuchthausstrafe erhalten. Ein solcher Beschluß kann nur gefaßt werben, wenn die Berufsrichter von der Unschuld eines Freigesprochenen überzeugt Die Höhe der Entschädigung bestimmt das Justizministerium.
Altona, 5. Nov. Auf dem seewärts fahrenden Dampfet „Elbe" erklärten zwei Matrox sen, sie wollten zu dem neuen Tarife nicht arbeiten, und da der Kapitän auf Verlangen der anderen die Bezahlung ablehnte, forderten di« Matrosen die sofortige Rückkehr des Dampfers nach Altona und drohten den Kapitän übet Bord zu werfen. Der Dampfer kehrte nach Altona zurück, wo die Matrosen nach einem vergeblichen Versuche, Über Bord zu springen, verhaftet wurden.
Humor in Siidwest. Daß unseren Truppen bei allen Anstrengungen der Humor nicht ausgeht, zeigen ein paar Geschichten, die bet „lägt. Rdsch." aus dem Briefe eines Offiziers zur Verfügung gestellt werden und die zum mindestens — gut erfunden sind. Es heißt da:
... Mein Bursche hatte an das Fleisch so viel Salz, Pfeffer und dergleichen gemacht, daß die Sache sehr wenig schön schmeckte. Da er nämlich nichts umkommen lassen wollte, teilte er die Menge Gewürz, die er empfangen hatte, durch die Zahl der Tage, die es reichen sollte, und gab ohne weiteres den errechneten Teil daran. Dabei fällt mir noch ein wahres Eeschichtchen ein: Eine Station hatte so wenig Proviant erhalten, daß der Hunger zu herrschen anfing. Leutnant X. telegraphierte also ans Proviantamt und erhält auch richtig einen Wagen. Er telegraphiert darauf folgende Quittung: „Mit Lorbeeren find wir für 150 Jahre, mit Pfeffer für 100, mit Salz für 50 Jahre versehen. Im übrigen sind wir dem Hungertode nahe." Er hatte nämlich einen Eewürzwagen erhalten. Der ■EL!™ J . ---------- ■■ 1 JSJIS1 ■■3
studien unb anderseits mit meinen bei Binz in Bonn (1888) ausgeführten Serumstudien. Di« Jodoformstudien hatten mich zu dem Ergebnis geführt, datz die desinfizierende und antiseptische Wirksamkeit des Jodoforms nicht auf feiner antitoxischen Wirkung beruht; denn nicht die Bakterien, sondern die Vakterientoxine im Eiter und in anderen infektiösen Sekretionen werden durch das Jodoform, wenn es unter dem Einfluß der bakteriellen Produkte dissoziiert wird, unschädlich gemacht. Später habe ich die antibakterielle Wirksamkeit des Blutserums studiert und ich bin schließlich (1889/90) auf diesem Wege zu der Idee gelangt, daß im Blute bet infizierten Organismen antibakterielle Körper entstehen, welche die Ursache der Heilung unb der die Heilung bedingenden Immunität sein könnten. Diese Idee, die übrigens vor mir schon von dem Münchener Forscher Emmerich experimentell auf ihre Richtigkeit geprüft wurde, ist in der Folgezeit sehr fruchtbar geworden, aber bei einer genaueren Untersuchung bet gegen die Diphtherie immunisierten Tiere vermochte ich anfangs antibazillare Kräfte weder im Blute noch in dem aus dem Blute ausgefchiedenen Serum zu finden; hingegen fand ich einen Desinfektionsmodus, der dem antt- toxischen Desinfekttonsmodus des Jodoforms entspricht. Das von E. Rout entdeckte lösliche Diphtheriegist wird nämlich durch das Blutserum mithridattsierter Tiere entgiftet, ohne daß die Lebensfähigkeit der giftproduzierenden Diphtheriebazillen durch das antitoxische Serum aufgehoben wird.
Die Analogie zwischen der Wirkungsweise antitoxischen Serums und antiseptisch wirksamen Jodoforms hat mich im Jahre 1890 auf die Id« gebracht, das antitoxische Agens des iss munisierter Tier» üls Heilmittel anzuwenden, unjb die praktisch bedeutsame Folge dieser Id« war dann schließlich bie serumthrrapeuttsche Bekämpfung bet Diphtherie und anderer Jnfck tiaoskrankheite».
Fortsetzung. folM^