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mit dem Kreisölatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. >
Sonataasbeilaaer IMArMes
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei ott Expchitüm 2 Lik, bei allen Postämtern 2,25 M. (e$tL Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle vse- deren Raum 15 Pfg, Reclamcn: die Zeile 30 Pist.
Marburg
Sonntag, 4. November 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag: Joh. Äug. Koch, UniverfitätS-vuchdrucknek
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahr«.
Zweites Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt
3 Blätter.
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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch- - Sndwestafrika.
»e (Ein Buch von Theodor Leutwein.)
;■ Ein Werk, das nicht verfehlen wird, Aufehen und hohes Interesse zu erwecken, ist soeben Sei Mittler u. Sohn in Berlin erschienen: „Elf ghre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika" on Theodor Leutwein, Generalmajor und Gouverneur a. D. Ein Berufener, der bis vor tut« jer Zeit an der Spitze der afrikanischen Kolonie gestanden und die schwierigsten Situationen aus diesem Schmerzenposten durchgemacht hat, schildert hier die Entstehung, das Werden und die letzte kaum noch überwundene Krise des Schutzgebietes. Bezeichnend für die Auffassung Leutweins von der Kolonialpolitik, von den Endzielen der Kolonisationsarbeit und für seine persönliche Stellung zu all den augenblicklich lleider so „akuten" Fragen ist das Vorwort, das !er seiner umfangreichen Arbeit vorausschickt: l,Geh hinaus in die Welt, mein Buch, du Ergebnis vieler Arbeitsstunden, aber auch die Freude {meiner Musezeit. Du sollst meinen Mitbürgern feinen Einblick in elf Jahre deutscher Kolonial- ipolitik geben, vielfach von Erfolgen gekrönt, iaber auch von Rückschlägen begleitet, sowie mit Kehlern und Irrtümern durchsetzt. Mögen wir «us beiden lernen, in erster Linie, daß, unbe« schadet der höheren Stellung der kolonisierenden Rasse, das Ziel einer großzügigen Kolonial- Politik die Angliederung der in erworbenen .Ländern vorgefundenen Urbevölkerung sein iautz, und nicht deren gewaltsame Unterdrückung cher gar Vernichtung. Diese Lehre wird um so aehr einleuchten, wenn dir der Nachweis ge« ingt, daß eine solche Politik nicht bloß im Sinne der Humanität und des Christentums ge- egen ist, sondern vor allem im eigensten In« ereffe der kolonisierenden Macht. Denn eine ndere Kolonialpolitik lohnt die zu bringenden SDpfer nicht. Sie wird daher für das Mutter- and stets zu dem werden, was man ein „schieches Geschäft" nennt, und infolgedessen besser &---...................- ==------5
Medizinische Rundschau.
Diphtherieserum, Tetanusserum, Bovovakzin, Tulase.
Von E. v. B e h r i n g.
(Fortsetzung.)
Wie aber auch die Urgeschichte des isopathi- Hen Grundsatzes, der übrigens auch in dem Speer, „welcher die Wunden heilt, die er ge« schlagen", einen mythischen Ausdruck erhalten {hat, beschaffen sein mag, so viel scheint festzu« jstehen, daß zu seiner Entstehung am meisten bei- Detragen hat die im Kampf des Menschen mit giftigen Schlangen erworbene Kenntnis bet Mftimmunität nach glücklich überstandener Ver- tgiftung mit Schlangengift Erst später folgte dann die aus den Heilkünsten des Mithridates unzweideutig hervorgehende Bekanntschaft der am Schwarzen Meer wohnenden Völkerschaften smit der willkürlich zu erlangenden Immunität gegenüber vielen giftigen Pilzen und giftigen Dhanerogamischen Pflanzen, von welchen viele, ä. B. Kolchicum, Atropa Belladonna, Aconit, auch im modernen Arzneischatz eine wichtige 'Rolle spielen.
Wir wissen jetzig daß die epidemisch auftre- itenden Volkskrankheiten gleichfalls der Gifu .Wirkung tierischer und pflanzlicher Lebewesen, ]hie aber nur mikroskopisch sichtbar sind, ihren Ursprung verdanken und daß die Zmmunisie« -rungsmethoden gegenüber den Pocken, der Cholera, der Pest, den tpyhösen Krankheiten, bet Diphtherie, betn Tetanus, bet Tuberkulose, ben Kokkenkrankheiten usw. ganz ebenso zu beurteilen sinb wie bie im Altertum schon bekannten Immunisierungen, bie in bet französischen Sprache unter bem Namen „Mithribatisme" zu- ^ammengefaßt werben. Wir wissen aber noch .mehr: wir wissen jetzt nämlich, daß jede erworbene Immunität bedingt wirb durch bie Produktion spezifischer Antikörper im leoenben Organismus. Bei einigen Infektionskrankheiten Haben wir es in ber Hand, durch eine systematisch gesteigerte Dosierung der Jnfektions- ftoffe im Blute bie Antikörper anzuhaufen, mit »em aus einem solchen Blut gewonnenen Serum »uf anb^re Individuen präventiv-therapeutische,
■ ganz unterlassen. Denn um ein schlechtes Geschäft zu machen, geht der Staat so wenig wie der Einzelne in bie Kolonien."
Es gibt kein Gebiet bet kolonisatorischen Aufgaben, bie in Leutweins bedeutsamem und in glänzender Darstellung geschriebenem Buche nicht einer eingehenden und bis in die kleinsten Details erschöpfenden Untersuchung unterzogen würde. Aus den zahlreichen Kapiteln ragen einzelne als besonders interessant über die allgemeinen Erörterungen politischen Inhaltes hervor. Fesselnd und anregend ist, was Leut- wein über die Häuptlinge des Schutzgebietes auf gründ seiner persönlichen Erfahrungen erzählt. Die Stellung des Gouverneurs im Schutzgebiete glich bisher in etwas derjenigen der alten römisch-deutschen Kaiser. Auch letztere hatten auf den guten Willen ihrer Vasallen, sowie mit Aufständen von deren Seite rechnen müssen, falls sie Grund zur Unzufriedenheit zu haben glaubten. Erst durch die Ereignisse getrieben, sind wir jetzt an eine Aenderung dieses Verhältnisses herangetreten. Aber welche Opfer es kostet, das sehen wir auch jetzt erst. Für das alte Vaterland würde es schon besser gewesen fein, wenn es gelungen wäre, ben Ausgleich zwischen bet weißen unb bet farbigen Rasse auf weniger gewaltsame Weife herbeizuführen. Vorbedingung des Verständnisses für die Verhältnisse im Schutzgebiet ist die Kenntnis von ben Persönlichkeiten bet mächtigsten eingeborenen Häuptlinge und ihrer politischen Stellung. Da sinb nun zunächst zwei Männer zu nennen, bie eine große Rolle in bet Geschichte bes Schutzgebiets gespielt haben: Henbrik Witboi und Samuel Maherero.
Hendrik Witboi war bereits als Kind getauft worden und bet Erundzug seines Charak- ters ist auch bie Neigung zur religiösen Mystik gewesen. In einem anbetthalbjährigen Kampfe bet beutschen Truppen gegen ihn hat et, als er seinerzeit gegen bie Hereros ben Vernichtungskrieg unternommen hatte, unseren Soldaten die Palme des Sieges streitig gemacht. Er betätigte sich damals als ein Meister in bet afrikanischen Kriegskunst. Beendigt wurde schließlich dieses Ringen nicht durch eine für ihn vernichtende Niederlage, sondern durch das Aufzwingen ber beutschen Schutzherrschaft unter ihn wenig brihfenben Vebingungen. Henbrik Witboi war von kleiner Statur unb daher äußerlich keine besonders imponierende Erscheinung, aber er machte bei näherer Bekanntschaft doch Eindruck durch seine auf unbeugsamer Willensstärke ge«
manchmal auch kurativ - therapeutische Erfolge zu erzielen und auf diese Weise Heilkünste auszuüben, die bis zu einem gewissen Grade mit der der Medea zugeschriebenen verjüngenden Bluttherapie verglichen werden können.
Diese Vermehrung unseres Wissens und Könnens verdanken wir ben im Gefolge bet Serum« therapieentbeckung (1890) ausgeführten Untersuchungen über bie Fähigkeit lebender Organismen, auf bie Einverleibung von Proteinkörpern verschiedener Art mit bet Probuktion von solchen Körpern zu antworten, bie ganz spezifische Beziehungen zu ben einverleibten Proteinen besitzen (Präzipitine, Agglutinine, Lysine, Antitoxine usw.). Infolge dieser neugewonnenen Erkenntnis können wir nunmehr einen Kompromiß Herstellen zwischen dem orthodoxen allopathischen und dem paradoxen isopathischen HeilprinziL indem wir annehmen, daß ein Jn- fekttonsstoff nicht als solcher, sondern nur, insofern er eine Antikörperproduktion veranlaßt, schutzbringend unb heilbringend sich betätigen kann.
Wie bet Mechanismus bet Antikörperpro- buktion beschaffen fein mag, darüber wissen wir nichts Bestimmtes. Wit können nut ganz im allgemeinen aussagen, daß allen Lebewesen die •. itafi innewohnt, Antikörper für solche Stoffe zt>. produziere!:, die sie dem Bestände ihrer individueller. Existenz hinzufiigen durch einen Prozeß, ben mau Assimilation nennt. Auch bei ber gewöhnlichen Nahrungsproteine werden Antikörper gebildet, aber die hierbei stattfin- dendo Äntskörperrroduktion (Fermentbildung) imz.on,--' -ins r.icht sonderlich, weil sie sich infolge vererbter Mhiakeiten und von Jugend auf stattfindender Hebung mit großer Leichtigkeit vollzieht. Ein durchgreifender Gegensatz zwischen nährenden und giftigen Proteinen ober Infektionsgiften existiert gar nicht. Jnfektions- stoffe nennen wir aber in bet Regel nut solche Proteine, bie bet lebenbe Organismus nicht zu assimilieren vermag, ohne eine mehr ober weniger lebhafte vitale Störung zu erleiden. Diese vitale Störung bwei&nen wir in ihren höheren Graden als Ktantzeit (Pathos).
Wenngleich alle bisherigen Erklärungsver- suche für das Phänomen der Nntikörperproduk«
gründete Ruhe und Festigkeit. Langsam und sicher war seine Rede, kein unüberlegtes Wort kam aus seinem Munde. Sein Auftreten war bescheiden. Aber es wat die Bescheidenheit des selbstbewußten Mannes. Ihm lag sowohl das Kriechende wie das protzenhaft sich Uebet- hebends des gewöhnlichen Hottentotten fern. Als Leutwein dem Kapitän einst seine Geschütze zeigte, und hinzufügte, solche besäße der deutsche Kaiser mehrere Tausend, erwiderte er, indem eine Art entsagungsvollen Zuges über sein Gesicht flog: „Ich weiß ja wohl, daß der deutsche Kaiser mächtiger ist als ich, aber Du brauchst es mir ja nicht immer zu sagen!"
In der Art, wie Witboi das Christentum auffaßte, lag zweifellos etwas von ber Selbstüberzeugung eines Mahdi, zumal da er es ganz gut verstand, die Verbindung von geistlicher und weltlicher Macht, wie sie sich feinen Leuten gegenüber in ihm verkörperte, politischen Zielen dienstbar zu machen. Für niemand hat mehr wie für ihn das Wort Bedeutung gehabt: „Man mutz Gott mehr gehorchen als den Menschen." Aber was Gott wünschte, das zu entscheiden, nahm er für sich allein in Anspruch. Schon während seiner Kriegszüge gegen die Hereros hatte ber Kapitän sich ben Weißen gegenüber immer von bet humansten Seite gezeigt. Ihr Eigentum wurde von ihm unb seinen Leuten stets auf bas peinlichste geschont.
Die Erünbe, bie ben alten 8üjährigen Mann an seinem Lebensende bewogen haben, sein eigenes Werk zu zerstören und von der deutschen Schutzherrschaft abzufallen, werden jetzt nach seinem Tode wohl nie völlig aufgeklärt werden können. Man ist daher nur auf Vermutungen angewiesen. Von langer Hand vorbereitet war der Aufstand sicher nicht, andernfalls wäre es für ben Kapitän günstiger gewesen, bie unsichere Lage der deutschen Truppen zu Beginn des Hereroaufstandes auszunutzen, statt den Truppen^ .sogar noch Hnterstühung zu senden, wie es Hendrik Witboi tatsächlich getan hat. Mißtrauisch allerdings war der Kapitän anscheinend bereits seit einiger Zeit geworden. Der bei ber Truppe inzwischen erfolgte Kommandowechsel mag wohl dieselben Gefühle erregt haben, die ihn seinerzeit im Jahre 1895 nach Eintreffen des neuernannten Truppenkomman- beurs Major Müller zu seiner Flucht über bie englische Grenze bewogen hatten. Die Eingeborenen sinb nun einmal nicht für eine Sache, sondern nur für die Person zu haben, ein Gefühl, das freilich in den Kolonien die Gründung
tion unzulänglich geblieben ist, so können wir doch das Verständnis dieses geheimnisvollen Vorganges uns etwas näher rücken durch allerlei Hypothesen. In der wissenschaftlichen Welt ist in dieser Beziehung das Ehrlichsche Hypo- thesensysten: („Seitenkettentheorie") sehr viel diskutiert worden. Im Gegensatz zu bei auf chemischen Vorstellungen fußenden Settenketten- theorie Ehrlichs habe ich selbst mir eine Vorstellung von dem Wesen der Antikörperproduktion zurechtgemacht, bie von einer physikalischen Hypothese ausgeht.
Ich stelle mir bie molekulare Struktur bet zur Antikörperproduktion befähigten Agentien als dissoziationsfähig im Sinne einer Polarisation vor, unb ich nehme an, baß unter bem Einfluß vitaler Kräfte ber polarisierbare Jn- fektionskörper in zwei antagonistische Teile gespalten wirb, von welchem ber eine im infizierten Organismus assimiliert und benaturiert wird, während der andere in polarisiertem unb deswegen mit besonderen Kräften begabtem Zustande in der extrazellulären Körperflüssigkeit gelöst wird und nach außen befördert werden kann.
Ein solcher Vorgang läßt sich am besten veranschaulichen, wenn man sich der berühmten Versuche Pasteurs erinnert über die Fähigkeit mancher Lebewesen, von dem optisch inaktiven Traubensäuremolekül einen ben polarisierten Lichtstrahl linksdrehenden Anteil abzuspalten. Man nennt diesen linksdrehenden Anteil Links- Weinsäure. Die Links-Weinsäure verdankt ihre auf den polarisierten Lichtstrahl einwirkende Kraft der besonderen Art ihrer Kristallisationsform (Hemiedrie), durch bie sie ihrerseits als polarisierter Körper gekennzeichnet wirb. Man kennt auch eine Rechts-Weinsäure, und ein Rechts-Weinsäurekristall verhält sich zum Links- Weinsäurekristall wie bie Gestalt eines wirklichen Körpers zu bem Scheinkörper in seinem Spiegelbild ober wie bie Form der rechten Hanb zur Form ber linken Hand. Aeguivalente Mengen der beiden Kristallformen geben nach ihrer Mischung in einem geeigneten Lösungsmittel bie optisch indifferente Traubensäure, so daß wir es hier mit wahren Antikörpern zu jfun Haben, deren Wirkung auf unser Auge sich
dauernder Verhältnisse erschwert, aber nicht aus der Welt zu schaffen ist. Und Fehler in der Be Handlung der mit ben Deutschen verbündeten Witbois mögen seitens der damals neu ins Land gekommenen Offiziere, und Mannschaften gewiß auch gemacht worden fein.
Im übrigen mutz man dem alten Witboi gewiß Milderungsgründe zubilligen, wenn er de« auf ihn einstürmenden, häufig auf Mißverständnissen beruhenden Eindrücken erlegen ist und sich schließlich die Heberzeugung bei ihm festgesetzt hat, die deutsche Regierung hätte nichts Gutes mit ihm im Sinn. Das einzige was nach General Leutweins Ansicht den Kapitän von seinem Beginnen hätte abhalten können, wäre des Gouverneurs Reise zu Hen-, drik gewesen, wie sie bereits von bet Hebergabe^ bes Truppenkommandos an den Generalleutnant v. Trotha ab geplant war. Bedauerlicherweise jedoch hatten die Verhältnisse auf bem Hererokriegsschauplatze es nicht gestattet, bie vom Gouverneur Leutwein als erforderlich erachtete Vegleitkompagnie vor Ende September frei zu machen, unb bann war es zu spät, da der Aufstand ber Witbois schon Anfang Oktober ausbrach.
Nachdem Leutwein bann bis zum Gintreffe» des für das Kommando im Süden bestimmtes Obersten Deimling den Befehl gegen die Witbois übernommen hatte, war fein erstes, daß er feinet Gewohnheit gemäß unter bet Firma „Bote" einen Spion an ben Kapitän sandte mit einem Brief, in dem et ihn um Angabe der Gründe für seinen Abfall ersuchte. In seiner Antwort beschränkte sich der Kapitän auf allgemeine Phrasen. Et beruft sich in dieser Antwort darauf, daß „Gott aus dem Himmel jetzt ben Vertrag gebrochen hat".
In der Tat, Hendrik Witboi hatte anscheinend zwei Seelen in ber Brust. Die eine war bie christliche unb anständige, die et während seiner zehnjährigen Friedenszeit unter unserer Herrschaft gezeigt hatte. Die zweite Seele war die grausame, fanatische Hottentottenseele, bi< nur geschlummert hatte und während des letztes Aufftandes wieder erwacht ist. Der Kapitä< verfuhr jetzt nicht anders als die von ihm ftet( als blutdürstig und grausam verachteten Hereros. Er ließ zu, daß die in seinem Lande unter seinem Schutz wohnenden Weißen, wo mau ihrer habhaft werden konnte, ermordet wurden, unter ihnen der von ihm so hochgeschätzte Be- zirksamtmann gesehen hat, und wer endlich auch die Beziehungen zwischen ihm und dem !— . ".!---------------- 1 1 ■' = " ......4
nach ihrer Vereinigung zu Null addiert — entsprechend der paradoxen Formel: 14-1=0], welche Formel bekanntlich auch Gültigkeit besitzt für die Addition äquivalenter Mengen bei in einem positiv und einem negativ elektrist geladenen Körper enthaltenen Kräfte.
Die von Pasteur entdeckte Fähigkeit mancher Lebewesen (u. a. eines sehr verbreiteten Schimmelpilzes, des Penicillium glaucum), aus bem optisch neutralen Traubensäuremolekül eia linksbrehendes Weinsäuremolekül abzuspalten, wirb nun in einer Art unb Weise verwirklicht, bie mich lebhaft erinnert an die Vorstellung, die ich mir vom Zustandekommen mancher Jm- munisierungsvorgänge gemacht habe. Speziell bei meinen Versuchen über die Tuberkulose- Immunisierung von Rindern, Schafen und anderen Tieren habe ich erkannt, daß bie Tuberkelbazillen aus solchen Molekülen zusammengesetzt sinb, bie man im originalen und genuinen Zustande kaum als giftig ansehen kann. Aber diese toxisch indifferenten Moleküle lassen sich in zweS antagonistische Substanzen zerlegen, 1 von welchen jede für sich einen mächtigen Einfluß aus« übt auf ben Ablauf bet Lebensprozesse im Organismus tuberkuloseempfänglicher Individuen.
Ich habe diese beiden nach meiner Vorstellung polarisierten und deswegen antagonistisch roirfc fernen Anteile der Tuberkulosevirus in meinem Pariser Vortrag vorn 7. Oktober 1905 als TV« Substanz und als TOSubstanz bezeichnet. Nur bie TO-Substanz ist nach meinen Hntersuchungeu für animalische Individuen assimilationsfähig und kann Anteil nehmen am Leben der zellularen Elementarorganismen, während die in ihrer Wirkung dem Kochschen Tuberkulin entsprechende TV-Substanz intrazellular nicht existenzfähig ist. Meine nach bem Pariser Vortrag fortgesetzten Stubien haben immer mehr Material geliefert zur Stütze der Annahme, daß eine intrazellulare TO-Assimilation Voraussetzung und Hrsache der bekannten Tuberkulin- überempfindlichkeit ist. Das in bie Körpersäfte gelangte Tuberkulin (bezw. meine TV- Substanz) übt nämlich eine Attraktion aus auf bas interzellualare TO-Derivat (TX), wodurch «ine Störung hxr zellularen Tätigkeit eintritt, < .(Fortsetzung folgt.} -