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Erftes Blatt

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Stärkung ihr« Kaufkraft und damit einer ge­steigerten Teilnahme an den Gütern der Kultur zugute kommt.

Würdest du dich fürchten, mit ihm allein zu

-leiben, mein Lieb?" wendet *" ~ '

.an Elisabeth.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Ioh. Nag. «och, UntvrrsttSts-Buchdruckerei 41. Jabra.

Matturg, Markt 21. - Telephon 55.

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Marburg

Sonntag, 4. November 1906

lNachdruck verboten.)'

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

l Forst ehung.)

sich Graf Landegg .an Elisabeth.Ich will ins Schloß zurückeilen, den Wagen holen und trockene Kleid« mit- Jbringen.

mich doch noch ein Glück. Und auch Sie sind glücklich, Gräfin Elisabeth?" ,

Ein sonniges, halbverträumtes Lächeln flog' über die Züge der jungen Frau:

Ich bin es, und Sie sollen es werden. Doch nun legen Sie sich gehorsam und ruhig gutiü£ damit die nassen Kleider Ihnen keine Erkältung bringen. Herbert hat es mir auf die Seele g« bunden, daß Sie sich ruhig verhalten sollen, nn¥ er mutz nun bald mit dem Wagen zurück« kommen."

Gehorsam legte sich Klaus Roden nieder und schloß die Augen. In seinen Zügen lag eia verklärtes Lächeln, und er hielt noch immer Elisabeths Hand in der seinen. Da rollt« draußen ein Wagen heran, und gleich darauf trat Graf Landegg über die Schwelle.

Während Klaus Roden trockene Kleider an« legte, saß Elisabeth in eine Ecke des Wagens g« lehnt und -lickte träumerisch hinaus ins Frei«, Es hat aufgehört zu regnen, und die Wolken teilen sich. Die Fluten des Sees haben sich ge« glättet, nur ab und zu steigt am Ufer noch ein weißer Gischt auf, und sein Schaum bespritzt das Schilf. Die letzten Ausläufer des Kampfes mft den Elementen sind.es. Hinter den Bergen kommt jetzt ein Stück blauen Himmels zum Vor­schein, und die Sonne bricht durch die Wolken, glückverheißend.

Still lächelnd lehnt Elisabeth sich in die weichen Polster zurück und harrt der beiden, Männer. Endlich treten sie zur Türe hinaus und sie empfängt sie mit vor Freude leuchtenden Augen. Schnell geht es nun heimwärts. !

Auf Landegg angekommen, geleitet Herbert' feinen Gast in die bereits für ihn hergerichtete«! Fremdenzimmer, und während die Jugend-; freunde eine lange, lange Aussprache haben, ists Elisabeth nach Steinburg geeilt. 1

Wenige Worte haben genügt, Nora zu in* formieren, dann kehren die Freundinnen zu­sammen nach Landegg zurück.

.(Schluß folgt.)

:Und es ist auch die höchste Zeit, daß du dich ^umziehst, Herbert, du hast ja keinen trockenen gaben mehr an dir," wirft sie besorgt ein.

Er küßte ihr glückselig die Hand.Ja, mein Liebling, aber achte unterdes auf deinen Schütz« Aing, er soll sich nicht rühren und gib ihm, wenn eg not tut, noch einmal von dem Cognac auf . Wiedersehen, mein Herzensweib."

Er war hinausgegangen, und Elisabeth setzte sich zu Klaus Roden auf einen kleinen Holz» K, nahm seine noch imm« kalte Hand in :e und wärmte sie darin. Eine selige .Stimmung, die sehr wenig zu der ganzen Situa­tion zu paffen schien, war üb« sie gekommen. Ihre Augen leuchteten in wunderbarem Glanze. - Da zuckte Rodens Hand in der ihren; fi« wandte sich ihm zu und blickte in seine schönen dunklen Augen:

tGräfin Ihr Gatte hat mich dem Tode ent­rissen. Warum? Er haßt mich ja," entringt es sich schwer seinen Lippen.

'Rein, nein, Sie irren, « haßt Sie nicht. Er hat etwas gut zu machen an Ihnen."

So wiffen Sie. . . .?"

-Ich weiß alles, auch, daß Sie mir damals die Geschichte meines eigenen Gatten erzählten."

Frau Gräfin, können Sie mir vergeben?"

Was soll ich vergeben?"

Daß ich Sie zum Werkzeug meiner unedlen Rache machen wollte."

Sanft drückte Elisabeth den Aufgeregten Zurück.Legen Sie sich ruhig nieder und rüh-

und sich daher auch im Rahmen dieser allge­meinen V«ficherung halten müssen. Es ist in­folgedessen eine trügerische Erwartung, wenn in den Kreisen der Privatangestellten noch viel­fach geglaubt wird, die staatliche Penfions- und Hinterbliebenen-Verficherung werde ihnen Renten in der Höhe der Pensionen der Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten bringen. Das ist bei den versicherungstechnischen Grundlagen auf denen die staatliche Versicherung aufgebaut ist, ganz ausgeschlossen. Auch die Ersparung an Verwaltungskosten, die man von der Verein­heitlichung der Arbeiterverficherung «hoffe« darf, wird daran nichts wesentliches ändern, sondern nur eine graduelle Steigerung d« Leb ftungen ermöglichen. Der organisierten Selbst­hilfe wird also nach wir vor ein reiches Feld zn ersprießlicher Tätigkeit offen bleiben. Alsdann werden erst Zuschußkaffen von Berufsvereinen als Ergänzung zu d« staatlichen Versicherung einen sozialen Wert erhalten, den die heutigen Penfionskaffen der verschiedenen Privatbeamten« »«eine, die die staatliche Versicherung ersetzen wollen, ihr« hohen Beiträge wegen aber nur einem geringen Bruchteile zugute kommen und somit nur die Bedeutung von Wohlfahrtsein« richtungen haben, nicht für sich beanspruchet können.

ren sich nicht, bik H«bert wiederkehrt. Sie grollen meinem Gatten nicht mehr?"

Wie sollte ich? Auch wenn er nicht mein Lebensretter wäre; seit jener Stunde, wo Sie zu mir sprachen, schwand jeglicher Groll gegen ihn aus Meinem Herzen."

Run sagen Sie mir, welcher'unselige Geist Sie bei diesem Wetter auf den Landegger See trieb und wie Sie überhaupt in diese Gegend kommen," fragte Elisabeth jetzt.

Kennen Sie das Bild ,Die Jagd nach dem Glück", das im vorigen Jahre in der Berlin« Kunstausstellung so viel Aufsehen machte?"

Ja, ich kenne es."

Sehen Sie, einer von den Unglücklichen, die an dem Fels zerschellen und in die Tiefe sinken, bin ich. Auch ich jagte dem Glück nach, einem unhaltbaren Trugbilde"

Wie soll ich das verstehen?"

Nun, kurz und bündig, ein Zufall führte mich gestern nach München. Da sprach man von der b«ühmten Sängerin Nora Stein. Man er­zählte sich dasselbe, wie sie mir schon einmal sagten, daß sie mit der Münchener Hofoper einen Kontrakt abgeschloffen habe und diesen Winter dort auftreten wolle, auf derselben Bühne, auf der ich einst meine Triumphe feierte, aus d« sie so gern mit mir zusammen hatte fingen wollen. Ich war deshalb wahnsinnig vor Erregung, ich warf alle meine Bedenken über Bord, ich mußte hin, ste sehen und sprechen. Als ich in dem Hotel, das man mir als ihr Absteigequartter bezeichnete, ankam, mußte ich die niederschmet­ternde Kunde vernehmen, daß sie bereits mit dem Morgenzug nach Steinburg abgereist war. Ohne Besinnen wählte ich den nächsten Zug und Kr ihr nach. Heute nachmittag gegen 2 Uhr

t ich in Rotweiler an, ein Wagen war in dem Dörfchen nicht aufzutreiben, und zu Fuß konnte ich nicht gehen. Man bezeichnete mir als den einzigen nächsten W«l eine Kahnfahrt über den Landegger See. So mietete ich ein

bei längerem Andauern dieser nicht ausgeschlos­sen, daß der Ruhrbergarbeiter, wie er bereits sein bisher höchstes Lohneinkommen von 1900 überschritten hat, auch trotz der allgemeinen Teuerung seinen damaligen Standard of life wieder erreichen wird.

Uebrigens wird, wie der Verfasser mit Recht hervorhebt, die Bedeutung der Steigerung der Lebensmittelpreise für die Belegschaft unj«es Bezirks vielfach übertrieben, da der Ruhrberg­arbeiter in nickt zu unterschätzendem Umfange Produzent von Lebensmitteln in eigener Wirt­schaft ist. Viele Belegschaftsmitglieder besitzen Eigentum an Garten, Feld und Wiesen oder haben soviel Land in Pacht, daß ste darauf auch ein Stück Vieh halten können. Bis zu einem gewissen Grade besteht eine Unabhängikeit aller dies« Wirtschaften von dem Marktpreise wich­tiger Lebensmittel. Für eine Reihe weiterer Ausgabearten, für Milch, Butter, Branntwein, Zucker, Kleider, Schuhe, Beleuchtung und Hei­zung, für die keine amtlichen Preisermittlungen vorltegen, hat Dr. Jüngst durch Umfragen einen Anhaltspuntt zur Beurteilung der Preisver­änderungen in den letzten 20 Jahren zu erlan­gen gesucht. Danach ergibt sich für alle diese Ausgabearten keine, oder doch nur eine gering­fügige Steigerung, die allerdings teilweise mit diesem Jahre stärker geworden ist. Sehr erheb­lich ist dagegen der Mietsaufwand gewachsen. Doch wird auch die Bedeutung des Einflusses der gestiegenen Mieten auf die Lebenshaltung der Belegschaft häufig überschätzt, da meist außer acht gelassen wird, daß ein großer Teil dieser, wie die Hausbesitzer, die Haushaltungsvorstände in Zechenwohnungen, die im Bergbau tätigen Söhne dieser beiden Kategorien, die sonst noch bei ihren Eltern wohnenden Bergleute und zum Teil auch die Einlieger in Zechenhäusern rund 50 Proz. der Gesamtbelegschaft von d« Erhöhung der Mieten überhaupt nicht oder doch nicht in vollem Umfange betroffen worden find. Auch ist sicherlich in den Landbezirken des Re­viers keine so starke Mietsteigerung eingetretcn, wie in den Städten, da dort die umfangreiche Errichtung von Zechenwohnungen mit ihren niedrigen Sätzen der Erhöhung des Miets­niveaus entgegengeroirtt hat. Entgegen der landläufigen Meinung sind auch die Ausgaben für Steuern nicht gestiegen. Einmal brachte die Miquelsche Steuerreform von 1891 den unteren Steuerstufen eine erhebliche Entlastung, sodann stellen sich auch die Gemeindesteuerzu- schläge zur Einkommensteuer in den meisten Ge­meinden des Bezirks im Durchschnitt des letzten Dezenniums wesentlich niebriger als in dem vorhergehenden Jahrzehnt.

Die aus dem Gesagten abzuleitende erhebliche Verbesserung der Lebenshaltung bet Ruhrberg­arbeiterschaft stellt sich als ein sehr erfreuliches Ergebnis bar, denn es ich im höchsten Maße wünschenswert, daß die Vermehrung des Wohl­standes, welche die aufsteigende Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft uns«em Volke ge­bracht hat, auch den breiten Massen in einer

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

SonutagSbttlages Jllustrtrtes Ssnntäa-brM»

Ein amerikanische» Urteil über Tsingtau.

Der amerikanische Konsul in Dalny hat üb« einen Besuch in Tsingtau einen Bericht erstatte^ der für die deutsche Tättgkeit daselbst recht schmeichelhaft erscheint. Aus seinen Aeuß«un« gen sind beachtenswert die Bemerkungen üb« vis deutsche Forstkultur, die es in wenigen Iah. ren dahin gebracht hat, daß die vorher kahled Hügel in der Umgegend Tsingtaus mit de» Grün der jungen Anpflanzungen bedeckt sind. Was wichtiger erscheint, ist der Umstand, dotz die rationelle deutsche Forstkultur ihre Wirkung auf die Chinesen nicht verfehlt hat, daß diesel­ben vielmehr jetzt selbst meist unter deutscher Leitung oder Aufsicht ihre Oedländereien auf«, forsten. Vor den Toren von Tsingtau hat da» deutsche Gouvernement eine Chinesenanstedlung geschaffen, welche nach dem Urteil des Am«i« kaners geradezu ein Muster in ihrer Art ge­nannt werden muß. Die breiten Straßen find von praktischen Ziegelhäusern eingefaßt, Polizei« bestimmungen sorgen für die Reinhaltung der Straßen und werden auch, entgegen sonstiger chinesischer Gepflogenheit, befolgt. Der Verkehr spielt sich ohne Behinderung und Gedränge ab. Die sonst in chinesischen Städten durch Menschen­anhäufung und Raumenge geschaffenen Erkran­kungsherde gibt es nicht. Ein besonderer Markt­platz wird von den chinesischen Bauern der Um­gegend täglich besucht. Der Gesundheitszustand von Tsingtau und Umgegend ist dank der streng durchgeführten Gesundheitspflege ein sehr guter. Ausgezeichnete Fahrwege umgeben Tsingtau und alles trägt den Charatter der sorgfältigsten Verwaltung. Ueber den Handel spricht sich bet

Boot unb fuhr hinaus, selbst nicht wissend, was ich eigentlich in Steinburg von ihr wollte. Ich achtete weder auf das heraufziehende Wetter, noch darauf, daß ich des Ruderns völlig un­kundig war. Mitten auf dem See überraschte mich das Unwetter. Ein Sturm «hob sich, d« die Wellen peitschte und mein Boot hin und her warf. Noch verlor ich nicht den Mut, bis der Sturm mir ein Ruder entriß. Ich rief um Hilfe, aber wer sollte mich bei dem Toben des Wetters hören? Man konnte mich nicht einmal sehen, falls sich wirklich jemand am Uf« befinden sollte. Der Regen prasselte hernieder, und es wurde immer finster«. Schon gab ich mich ver- loren, denn ich konnte nicht ahnen, daß ein Paar Falkenaugen, Gott weiß, wie sehr ich diese Augen einst geliebt habe, mich dennoch «- spähten, unb daß mir durch ste Rettung kommen sollte. Was nun folgte, war das W«k eines Augenblicks. Ich sah ein. Boot auf mich zu» kommen, da, im letzten Augenblick schlug mein Boot um, und ich versank in die Tiefe. Hier erst erwachte ich, ich sah Herbert neben mit stehen, und da wurde mir alles klar. Ihm und Ihnen, Frau Gräfin, danke ich mein 2e6en, und vielleicht kann ich. ste Nora doch noch ein­mal Wiedersehen."

Wiedersehen und sprechen und

Und was? Sagen Sie es mir, Gräfin, seien Sie barmherzig, sprach sie zu Ihnen von mit?"

Wieder hatte er sich aufgerichtet; fein Körper zitterte vor Frost, aber in feinen Augen leuch­tete ein heißes Feuer. Elisabeth flüsterte ihm etwas zu. Da faßte « stürmisch nach ihr« Hand und preßte sie an seine Brust.

Ist es möglich? Soll mit wirklich noch dieses Glück blühen? Ich glaube ja kaum mehr daran."

Glauben Sie nur, noch heute werden Sie meine Worte bestätigt finden."

>5«, ich will daran glauben I Es gibt für

Bestellungen

güt die Monate November und Dezember i auf die *

^berheff ifche 3ei tung" nebst ihren (Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch-. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von fallen Postanstalten und Landbriefträgern ent» ^egengenommen.

Arbeitslohn und Lebenshaltung der Rnhrbergarbeiter.

TW- II.

. Die Erwartung, daß der hohe Stand der Lebensmittelpreise des letzten Jahres nicht von langer Dauer sein werde, hat sich leider nicht er­füllt. Unter Zugrundelegung der b«eits ver- pffentlichten Preise für die ersten 6 Monate des laufenden Jahres ergibt sich für diesen Zeit­raum ein 21 Proz. höherer Aufwand für Lebens­rnittel als in 1886, was gegenüber dem Vor» jahr eine Steigerung um 4,5 Proz. bedeutet, i Aber auch der Lohn ist in dem ersten Semester des laufenden Jahres gestiegen. Es stellte sich bet Schichtlohn des Hauers im ersten Halbjahr 1906 auf 5,08 M gegen 4,84 M im Durchschnitt des Vorjahres. Die Steigerung beträgt 4,96 Mroz, unb übertrifft die Zunahme des Lebens» mittelaufwandes um fast % Proz. Im dritten Quartal ds.^Js. sind allerdings, soweit die bis jetzt veröffentlichten Nachweisungen für Juli Unb August ein Urteil ermöglichen, dic Lebens­mittelpreise weiter gestiegen. Diese Steigerung ist aber burch die gleichzeitige beträchtliche Zu­nahme bes Schichtverdienstes, die überernstirn» menb von allen Zechen gemeldet wird, mehr als aufgewogen worden.

Dagegen hat die ganz ungewöhnliche Er­höhung der Lebensmittelpreise im Vorjahrs um mehr als 8 Prozent damals keinen Ausgleich durch eine entsprechende Lohnsteigerung gefun­den mit der Folge, daß die materielle Sage bet -Ruhrbergarbeiterschaft gegenwärtig bei minde- stens gleichem Eelblohn wie 1900 boch relativ tzicht so gut ist, wie in dem genannten Jahre. Hier liegt allerdings eine Ungunst d« Verhält­nisse »or die sich keineswegs auf den Rubrbezirk beschränkt, unter der vielmehr die weitesten Kreise der Bevölkerung im ganzen Reiche zu leiden haben. Da jedoch die Löhne int Ruhr« -Pirk ihre stark steigende Richtung fortsetzen, und noch keinerlei Anzeichen für ein baldiges Abflauen der Konjunktur vorltegen, so ist es

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet Der Expckitio» 2 SU, */ n»Q bet allen Postämtern 2,25 M. kqA. Bestellgeld).

mvv ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 15 Pfg.

Reclamm: die Zeile 80 Pfg.

Umschau.

Z«r Penfionsversicheruus »»« Privatbeamten.

Mit Spannung sehen die deutschen Privett- beamten dem Erscheinen der amtlichen Denk­schrift entgegen, in der zum ersten Male im Deutschen Reiche ein Bild von der Lage dieses neuen Mittelstandes entworfen werden soll. An­gesichts dies« Tatsache gewinnt die Stellung der Berufsvereine zu den Vorschlägen, wie die Pen« sionsverstcherung praktisch durchaeführt werden soll, ein aktuelles Interesse. Dte Organisatio­nen, die im Hauptausschusse zur Herbeiführung einer staatlichen Penstons- und Hinterbliebenen- Versicherung der Privatbeamten vereinigt sind, wünschen die Einrichtung einer besonderen Kaffeneinrichtung für die Privatangestellten auf Grund des § 10 des Jnvalidenversicherungsge- setzes. And«e Vereine, wie der Verein für Handlungskommis von 1858, der Deutsche Werk­meisterverband, der Bund der technisch-industri­ellen Beamten und der Deutsche Apotheker­verein haben sich für den Ausbau des Invaliden» Versicherungsgesetzes zugunsten der Privatbeam­ten durch Aufbau höherer Versicherungsklaffen ausgesprochen. Auf diesen Standpunkt haben sich erst jüngst auch die im sozialen Ausschüsse von Vereinen technisch« Privatangestellten zu­sammengeschloffenen Berufsorganisationen ge­stellt, während der Verband kaufmännischer Vereine, der früher wegen der angeblich gerin­geren Jnvaliditätsgefahr der kaufmännischen Angestellten eine besondere Kaffe für Hand- lungsgehilfen gefordert hatte, vor kurzem seine grundsätzliche Haltung zugunsten der Leitsätze des Hauptausschuffes geändert hat. Die Ver­eine, die sich für den Ausbau des Invaliden» verstcherungsgesetzes erklärt haben, sind in Uebereinftimmung mit Sachverständigen wie den Vorsitzenden der Versicherungsanstalten für Rheinland und Oldenburg der Meinung, daß § 10 des Jnvalidenverficherungsgesetzes auf die Errichtung einer besonderen Kasseneinrichtung für die Privatbeamten nicht angewandt wer­den könne, da dieser Paragraph sich nur auf Kaffeneinrichtungen beziehe, die wie die Knapp- chaftskassen auf Grund landesrechtlicher Be- timmungen errichtet sind. Die Errichtung einer besondere Kaffe für Privatangestellte würde außerdem die Verwaltungskosten erhöhen, wäh­rend man doch sonst bemüht ist, sie zwecks Er­höhung der Leistungen der Versicherungsanstal­ten herabzudrücken und gerade aus diesem Grunde mit eine Vereinheitlichung der gesamten Arbeiterverficherung anstrebt. Die Pensions» und Hinterbliebenen-Versicherung der Privatbe­amten wird überhaupt nur im Zusammen­hänge mit der Vereinheitlichung der Ar» -eiterversicherung durchgeführt werden können