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mit 'Km. Mcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk^ bet allen Postämtern 2,25 M. (e$cl, Bestellgeld).

JnsertionSgebiihr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg, Neclamen: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 3. November 1906.

Erscheint wöchmtlich sieben mal.

Druck und Verlag: Jo h. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerci

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Zweites Blatt.

Bestellungen

fik die Monate November und Dezember j auf die

p,Oberhessische Zei tuns ncbst ihren Beilagen werden von unserer Expedition ^(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- pain, Neustadt und Wetter, sowie von ballen Postanstalten und Landbricfträgern ent- xegengenommen.

Chauffeen in Preußen.

, Das 2. Heft des laufenden Jahrgangs der Zeitchrift des Königlich Preußischen Statist. Landesamtes" enthält eine Arbeit von Dr. E. Petersilie über die Entwickelung der preußischen Chausseen unter der Herrschaft der Selbstver­waltung. Der Untersuchung sind die Jahre 11876, 1891, 1895 und 1900 zu Grunde gelegt. In diesen Jahren wurden insgesmnt folgende Kilomcterlängen ermittelt:

in den Provinzen

1876

1891

1895

1900

Ostpreußen

3,815

5,263

5 773

6,291

Mestpreußen

2,759

4,033

4 481

4,980

Brandenburg

3,884

6,167

6,804

7,581

Pommern

3,099

4,195

4.647

5,221

Posen

3,656

3,737

3,975

4,180

Schlesien

5,579

9,746

19,689

12,008

Sachsen

4,767

6,36-'

6,670

8,585

Schleswig-Holstein

1,429

3 551

3,739

4,223

Hannover

9,044

12,698

14,147

15,924

Westfalen

5,298

6,845

7,579

8.468

Hessen-Nassau

7,223

7,837

7,934

8.033

Rheinland

7,664

8,386

8,471

10,117

Hohenzollern

816

883

899

890

im Staate

59,021

79,713

85,743

96,510

Wenn man diese Kilometerlängen in Be­ziehung setzt zu der Fläche de^ platten Landes einerseits und zu dessen Bevölkerungszahl an­derseits, danach die so gewonnenen Verhältnis­ziffern miteinander vervielfältigt und aus dem Ergebnisse die Quadratwurzel zieht, so erhält inan eins Ziffer, die ein zwar abstraktes, aber völlig scharfes Bild der mehr oder minder reichen Ausstattung der einzelnen Provinzen mit Chausseen liefert (Ausstattungsziffer). Um irrigen Schlüssen vorzubeugen, sei erwähnt, dass diese Ziffer lediglich für das platte Land gilt; die Städte durften nicht mit einbezogen werden, einmal, weil die innerhalb ihres Weich­bildes liegenden Chausseestrsckeu von vornherein außer Ansatz blieben, dann aber auch, weil die Berechnung der Chausseelängen auf die ge-

Medizinische Rundschau, chsphiherieseruin, Tetanusserum, Bovovakzin, ; Tnlase.

p ' ? Don E. v. Behrin g.*)

, Ein am 15. August 1906 von mir in fran­zösischer Sprache gehaltener und später in der von Professor Pannwitz herausgegebenen Monatsschrift Tuberkulosis (August-Heft Nr. 8) veröffentlichter Vortrag über meine im Laufe von zwanzig Jahren ausgearbeiteten und in die ärztliche Praxis zum Zweck der Verhütung und Heilung einiger Infektionskrankheiten einge- ,führten Jmmunisierungstnethoden ist auch in ?der politischen Tagespresse viel besprochen wor­den. Die meisten deutschen Berichterstatter ha­ben eine recht mangelhafte Uebersetzung meines Mortrages in einer Wiener Zeitung ihren re- iferierenden und kritisierenden Besprechungen zu Grunde gelegt und sind infolgedessen mancherlei Mißverständnissen zum Opfer gefallen. Ich bin ^deswegen gern eingegangen auf den vom Her­ausgeber dieser Zeitschrift mir ausgesprochenen Wunsch, Sinn und Zweck meiner Jmmuni- sierungsarbeiten im allgemeinen und meiner zur Bekämpfung der menschlichen Tuberkulose ibestimmten Tulasetherapie im besonderen einem grösseren Leserkreise ausführlich auseinander- ' zusetzen. Das soll in der Weise geschehen, dass ich iim ersten Abschnitt die Geschichte und Bedeutung ,des isopathischen Heilprinzips auseinander setze, i im zweiten den wesentlichen Inhalt meines fran- -zösischen Vortrags vom 15.Aug. 1906 hier in deut­

*) Dieser Aufsatz ist dem interessanten und «.reichhaltigen Novemberheft der von Richard Fleischer herausgegebenen Deutschen Revue (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart und Leipzig) entnommen. Das Heft enthält noch teincn zweiten Artikel Behrings, worin sich der »Forscher überwissenschaftliche Vorurteile, ins- ,besondere in Tuberkrtlosesachen" mit seinen Geg­nern auseinandersetzt. Bekanntlich war diese Auseinandersetzung für Anfang November an­gekündigt. ? ,

samte Bevölkerung, also einschließlich der Städte, bei dem raschen Wachstums der städti­schen Bevölkerung gegenüber der ländlichen das Bild der Entwicklung des preußischen Chaussee­netzes verdunkelt hätte. Es hätte sich dabei ver­schiedentlich eine rückläufige Bewegung gezeigt, während die Chausseelängen tatsächlich in allen Provinzen zugenommen haben.

Die Chaussee-Ausstattungsziffer des platten Landes beträgt demnach

in den Provinzen

1876

1891

1895

1900

Ostpreußen

16,7

23,.

25,o

27,,

Westpreußen

17,7

25,.

27,

30,7

Brandenburg

17,,

25,.

27.,

30.,

Pommern

18.«

LS,.

28.i

31,7

Posen

20,5

20,

21,i

22.4

Schlesien

16,

28.7

31,o

84,,

Sachsen

27,»

35.4

36.«

46 7

Schleswig-Holstein

22,

30.,

31.

85o

Hannover

39.»

53,

58.,

65,o

Westfalen

33,,

40,i

42.

44,,

Hessen-Nassau

61,.

65,.

65,.

66,o

Rheinland

32.1

33,,

32.

37,,

Hohenzollern

106,»

lll.i

112,,

111,.

im Staate

25.i

32.7

34.,

38,t

Obenan steht nach der Dichtigkeit, seines Chausseenetzes das kleine Hohenzollern in allen 4 Jahren. Es folgt 190 Hessen-Nassau, wo die Entwicklung sehr langsam war, da diese Provinz schon 1876 reich mit Chausseen ausge­stattet war. An dritter Stelle steht 1900 Han­nover, wo das Chaussenetz einen außerordentlich raschen Aufschwung genommen hat. In weitem Abstande folgt die Provinz Sachsen, wo die Entwicklung aber ebenfalls eine ziemlich rasche gewesen ist. Daran schließt sich Westfalen mit schon langsamerem Wachstums seines Chauffse- nstzes. Alle übrigen Provinzen stehen unter dem Staatsdurchschnitte, zuerst die Rheinprovinz, dann Schleswig-Holstein, weiter Schlesien, die beiden letzteren mit immerhin noch ziemlich rascher Entwicklung. Etwas tiefer steht Pom­mern, dann Westpreutzen und Brandenburg, diese beiden mit fast gleicher Dichtigkeit des Chausseenetzes. Daran schließt sich Ostpreußen und endlich Posen; diese Provinz ist in dem Ausbau ihres an sich sehr weitmaschigen Chausseeentzes gegenüber den anderen Provin­zen auffällig zurückgeblieben.

Nusland.

Spanien. König Alfons XIII. besuchte ge­legentlich das Schloß in Pau. Vor einem Ge­mälde, das den Tod Heinrichs IV. darstellte, frug er, offenbar über die Geschichte der Bourbonen schlecht unterrichtet: Wie? Der König Hein­rich IV. ist ermordet worden? Allerdings, Em. Majestät. Ja, wo denn? In Paris. Und von wem? Von Revaillac. Was war denn, dieser Revaillac für ein Mensch? Ein Schule : der Jesuiten, Ew. Majestät!--

Diejenigen, welche Zeugen der seltsamen Fragen

des Fürsten waren, und in seinen ehrlichen und eifrigen Gesichtszügen die tiefe Beschämung be­merkten, die er über seine Unwissenheit emp­fand, konnten sich des Gedankens nicht erwehren so sagt derSiede, dem wir diese Erzäh­lung entnehmen daß sein Gemüt sich lebhaft mit den Ereignissen beschäftigte, die sich jetzt in seinem Königreiche zutrügen: dem beginnenden Kampfe zwischen Kirche und Staat. Ist viel­leicht in diesem Augenblicke eine nachhaltige Erleuchtung über seinen Geist gekommen? Hat er begriffen, in welch' engem Gesichtskreise seine Jugendzeit sich bewegt hatte und wie geflissent­lich sein Wissen beschränkt wurde? Vielleicht wird es ein Morgen geben, das uns darauf die Antwort gibt.

China. DieMorningpost" meldet aus Schanghai, der englische Gesandte in Peking habe dem chinesischen Auswärtigen Amte mitge­teilt, daß England bereit sei, die Oberzollkon­trollbeamten anzuerkennen unter der Voraus­setzung, daß diese sich auf eine Prüfung der Ab­rechnungen der Zollverwaltung beschränkten, aber keinerlei Kontrolle über sie ausübten und die Ernennung und Entlassung von Beamten Sir Robert Hart überließen. Das chinesische Auswärtige Amt habe es abgelehnt, solchen Beschränkungen zuzustimmen, habe aber erklärt, daß der Zolldienst der gleiche bleiben werde, wie er vor Ernennung der Kontrolleure war. Diese letzteren würden nicht selbständig Ernennungen, Entlassungen oder Versetzungen von Beamten vornehmen.

Marburg und UumrMd.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangab« .Oberheff. Zig.' gestatteti

Mardnrg, 2. Novbr.

W. Das Frauenturnen, ein in langsamem, aber stetig fortschreitendem Wachstum befind­licher Zweig am mächtigen Baume der Deutschen Turnerschaft, bietet in den verschiedenen Gegen­den Deutschlands noch ein sehr verschieden­artiges Bild seiner Entwicklung dar. Am höch­sten steht das Königreich Sachsen mit über 10 000 Mitgliedern in 33 Vereinen. Beinahe der dritte Teil aller Vereine besitzt dort Frauen­abteilungen. Gut bestellt ist es weiter noch im Norden und Osten mit dem Frauenturnen, am schlechtesten im Süden und Westen. Der Mittel- rheinkrcis, einer der größten der Deutschen Tur­nerschaft, zählt nur 1405 Mitglieder, die sich auf 42 Vereine verteilen, das ist kaum der 20. Teil aller, so daß ihn Sachsen um das mehr als Sechsfache übertrifft. Nur ein Kreis, der Ober­rhein, steht noch tiefer. Dabei sind die Abtei­lungen in Nord- und Mitteldeutschland bedeu­tend stärker und zeichnen sich durch fleißigeren Besuch aus. Viel ist daher noch bei uns zu tun, um dein Frauenturnen die ihm gebührende Ver-

scher Sprache wiedergebe, im dritten die vielfach verschlungenen Vcrbindungsfäden zwischen den von mir selbst experimentell geprüften Gedanken­gängen und den Studien meiner Vorgängen auf dem Gebiete der Jmmunitätslehre klarznlegen versuche; der vierte Abschnitt soll einige Skizzen aus meiner experimentell-therapeutischen Werk­statt bringen unter Hinzufügung der Analyse von journalistischen Kritiken meiner Arbeiten und Arbeitszielc; im fünstcnAbschnitt soll mein tuberkulose-therapeutisches Programm entwickelt werden.

I.

Im Gegensatz zu dem bis vor wenigen Jahr­zehnten in der offiziell anerkannten Schul­medizin alleinherrschenden allopathischen Heil­prinzip rechnet man gegenwärtig die medika­mentöse Therapie derjenigen Krankheiten, welche durch tnikroparasitäre Jnfeltionsstoffe erzeugt werden, und welche man deswegen als Infek­tionskrankheiten bezeichnet, vorwiegend mit dem isopathischen Heilprinzip. Nach dem Grund­satz des allopathischen Heilprinzips hat man die zur Bekämpfung einer Infektionskrankheit die­nenden Medikamente unter solchen Stoffen zu suchen, die in ihrem Wesen und Wirken voll­kommen verschieden sind von dem krankmachen­den Agens, während der auf den ersten Blick sehr paradoxe Grundsatz des isopathischen Hcil- prinzips lautet:

Schutzwirkung und Heilwirkung gegenüber einer Infektionskrankheit haben wir in erster Linie in demjenigen Stoff zu suchen, welcher als heterogene (b. h. von außen stammende) Ur­sache ebenderselben Infektionskrankheit erkannt worden ist."

Diese uralte, immer von neuem in das Ge­biet des Aberglaubens von der wissenschaftlichen Medizin verwiesene, aber immer von neuem mit ungeschwächter Kraft das Denken einzelner Forscher beherrschende isopathische Grundsatz scheint zuerst bei solchen Völkern zum Glaubens­artikel erhoben worden zu sein, welche durch giftige Schlangen geplagt und in Schrecken ver­setzt wurden. In der antiken Griechenwelt ist.

überall die Schlange symbolisch verknüpft mit dem Attribut göttlicher Heilkraft. Man braucht bloß an Aeskulap, an die Hygiea, an die Schutz- götiin Athene im Parthenon zu denken, um gleichzeitig auch des Schlangenmotivs sich zu er­innern. Woher mag nun wohl diese Assoziation der Heilkraft mit dem Schlangensymbol kommen?

Nach Herodot hat die Furcht Götter erzeugt; so mag auch die Furcht vor Schlangen im Alter­tum dazu geführt haben, daß diesen Tieren gött­liche Verehrung erwiesen worden ist. Finden wir doch sogar in der Bibel eine Erzählung, wo­nach Moses den Kindern Israels das aus Erz gefertigte Abbild einer Schlange aufstellte, zu dem man beten sollte, um geschützt zu sein vor den verderblichen Folgen der Schlangenvergif­tung. Plinius nennt solche Abbilder wirklicher und vermuteter Träger von Krankheiten amuleta, und wir wissen, daß auch heute noch frommer Kirchenglaube mit dein Glauben an die Schutzwirkung von Amuletten ganz gut ver­träglich sein kann.

Die alten Aegypter erwiesen nicht den Schlangen selbst göttliche Verehrung, sondern sol­chen Tieren, welche gegen die Kiftwirkung des Schlangenbisses geschützt waren und als Ver­tilger der Schlangenplage galten, z. B. dem Ichneumon, dem krokodilähnlichen Scincos, dem Vogel Ibis. Es scheint mir überhaupt ein Charakterzug der alten Aegypter gewesen zu sein, daß nicht ihr Furchtgefühl, sondern ihr Dankbarkeitsgefühl als Quelle ihres Gottes- bcgrifs anzusehen ist. Dafür spricht ihr Son- nenkultus, ihre Rinderverehrung und vieles andere, wovon manches nach Griechenland im­portiert worden ist, z. B. die mit der Verehrung der segenspendenden Eetreidegottheit in Zu­sammenhang stehenden eleusinischen Mysterien.

Aus der altgriechischen Sagengeschichte und Kunstgeschichte,. aus der Erzählung von den Taten des Herkules, der Laokoongruppe, den Abbildungen der Medusa und der Hadesgestal- ten scheint hervorzugehen, daß der Schlangen­kultus nach Griechenland aus solchen Ländern importiert worden ist, wo man sich gegen das

breitung und Wertschätzung zu sichern. Zu die fern Zwecke werden in Zukunft alljährlich be­sondere Zusammenkünfte im Mittelrheinkreis abgehalten werden.

* Nichtraucherwagen der 4. Klasse sind in. verschiedene Züge der Bahnstrecken im Direk­tionsbezirk Altona, Hannover und Cassel eingestellt worden; sie werden durch gelbe Schil­der mit schwarzer Aufschrift gekennzeichnet. Sie sollen bei dem Publikum großen Anklang ge­funden haben und werden nicht nur von Frauen, sondern vielfach auch von Männern benutzt.

- Schwefelhölzerverbot. Alle Gastwirte und sonstigen Interessenten seien darauf aufmerk­sam gemacht, daß am 1 .Januar 1907 das Schwefelhölzerverbot" in Kraft tritt. Es emp­fiehlt sich, den etwaigen Vorrat andeutschen noch vor diesem Termin aufzubrauchen.

§ Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zurzeit folgend» Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Hersfeld: Hersfeld (Verdacht), Kreis Hof­geismar: Hofgeismar (Verdacht), Kreis Witzsn- hausen: Hubenrode, Rommerode, Witzenhausen. Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cas­sel: Cassel, Landkreis Cassel: Vollmarshausen, Heckershausen, Wellerode, Weimar, Nieder­zwehren, Ihringshausen, Nieste, Kreis Esch- wege: Frieda, Wanfried, Kreis Fritzlar: Wer­kel, Großenenglis, Fritzlar, Gudensberg, Lohns. Kreis Fulda: Harmerz, Margretenhaun, Kreis Gelnhausen: Schlierbach, Landkreis Hanau: Langenselbold, Großauheim, Erbstadt, Langen­diebach, Kreis Hersfeld: Asbach, Kreis Hofgeis- mar: Stammen, Veckerhagen, Lippoldsberg, Vaake, Veberbeck, Deisel, Kreis Hünfeld: Ober- rombach, Kreis Grafschaft Schaumburg: Hessen­dorf, Kreis Schmalkalden: Steinbach-Hallen­berg, Mittelschmalkalden, Kreis Witzsnhausen: Unterrieden, Kreis Wolfhagen: Rittergut Ho­henborn. Influenza der Pferde (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel, Kreis Hofgeismar; Rittergut Meimbressn. >

Vrrmischies.

Mannheim, 30. Okt. Der Rhein und der Neckar, die in den letzten Wochen stets im Fallen begriffen waren, haben heute ihren niedrigsten Wasserstand seit 40 Jahren erreicht. Die Schiff- fahrt ist stark behindert.

Halle a. d. S., 31. Okt. Auf dem Land­wirtschaftlichen Institute, wo zu Versuchszwecken Wölfe und Schakale gehalten wurden, fraß ein Wolf einem dreijährigen Kinds beide Arme ab, Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos.

Leipzig, 30. Okt. Das Reichsgericht ver­warf heute die Revision der Schutzmänner Pet- schak und Wolf, die am 30. Mai 1906 vom Land-

Schlangengift durch stomachale Einverleibung von Bestandteilen des Schlangenkörpers oder durch Schlangengifteinimpfung unter die Haut zu schützen wußte. Das letztere Verfahren, di« subkutane Schutzimpfung, wird noch jetzt bei wil- den Völkerschaften vielfach mittelst eines Eift- zahnes ausgeführt und ist zweifellos als eine Nachahmung des Schlangenbisses anzusehcn, welcher erfahrungsgemäß die danach krank wer­denden, aber zu vollständiger Heilung gelan­genden Menschen und Tiere gegen die verderb­liche Wirkung späterer Schlangenbisse in ähn­licher Weise immun macht, wie die Bienen­stiche den Bienenzüchter, gegen das Bienengift immun machen. 1

Wo zuerst die Erfahrung gemacht worden sein mag, daß Menschen, die von Schlangen ge­bissen waren, ohne dadurch zu sterben, sich int späteren Leben eines Eiftschutzes erfreuen und sich ungestraft weiteren Schlangenbissen aus«' setzen können eine Erfahrung, die sich afrika- Nische und asiatische Völker noch immerfort zu­nutze machen, wird schwer festzustellen sein.- Cato hat in seinen afrikanischen Feldzügen, wie, Lucanus in dem GedichtPharsalia" erzählt, bei dem Volksstamme der Psyller Methoden zur: willkürlichen Schlangengiftimmunisierung in: hohem Grade ausgebildet vorgefunden. Nach Plinius wurden auch im alten Kolchis, einer Landschaft am Schwarzen Meer, sehr raffinierte' Jmmunisierungskünste betrieben. Von dorther^ übertrug Mithridates diese Künste zur Zeit be» Pompejus nach Rom. Aber auch schon in vor­geschichtlicher Zeit gelangte burch die Argonauten nach Eriechenlanb die Sage von einem heilkun­digen Fürstengeschlecht in Kolchis; und von bet. kolchischen Mebea wird berichtet, daß sie sogar durch Blutübertragungen altersschwachen Men, schon Gesundheit und jugendliche Frische zu ver­leihen gewußt habe. Möglicherweise ist sowohl; von Afrika wie von Asien Bet die Kunst der Eiftimmunisierung zu den Griechen gelangt, wo­mit die empirische Grundlage für das i' - o Zische' Dogma geschaffen war, 1

(Fortsetzung