mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntaasbeUaaer Illustrirtes Gorrntschsbratt, -
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vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver Expedition 2 WL, bei allen Postämtern 2,25 Mk. Bestellgeld).
Reklamen: die ?>elle 30 Pf, deren Raum 15 Pfg. Sonnabend, 3. November 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrfitätS-Buchdruckerek 41. SXü6T(l.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. U1
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Berlin. 1. Nov. Dem unter dem Protektorate foer Kaiserin stehenden Komitee für die Errichtung einer Musteranstalt zur Bekämpfung der ^Säuglingssterblichkeit haben der Kaiser und die 'Kaiserin von neuem erhebliche Beiträge, und ijWtti von je 10 000 eil, gespendet.
; Berlin. 1. Nov. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Die Nachricht, daß der 'Kultusminister Studt sich in den nächsten Tagen jnach Posen begeben werde, ist irrtümlich. Eine solche Absicht hat nicht bestanden.
> Geestemünde. 2. Nov. Bei der gestrigen Reichstags st ichwahl im 18. hannoverschen Wahlkreise wurde der Senator Adolf Reese (Stade) (natl.) mit großer Majorität gegen den Arbeitersekretär Fritz Ebert (Sozd) gewählt.
Hamburg, 1. Nov. Bezüglich eines von Mitgliedern der Bürgerschaft gestellten Antrages, den Senat um eine dahingehende Anordnung zu ersuchen, daß Abiturienten des Realgymnasiums und der Oberrealschule auch das Recht zum juristischen Studium zustehen soll, teilte der Senat her Bürgerschaft einen schon vor längerer Zeit gefaßten Beschluß des Senats mit, durch den das mit jenem Antrag verfolgte Ziel allerdings auf etwas anderem Wege erreicht werden solle. Der Senat sei nicht in der Lage, Vorschriften über die Zulassung zum Universitätsstudium zu erlassen, da derartige Vorschriften nur von denjenigen Staaten, die eigene Universitäten besitzen, in Bezug auf diese Universitäten getroffen werden können. Dagegen habe der Senat entschieden, rocgen Zulassung der Abiturienten des Realgymnasiums Und der Oberrealschule zur ersten juristischen Prüfung das Erforderliche zu veranlassen, sobald nach Abschluß der darüber schwebenden Verhandlungen feststehen werde, daß jetzt solche Abiturienten jedenfalls in der Mehrzahl der deutschen Universitäten zum Rechtsstudium zugelassen werden.
Bielefeld, 1. Nov. Die Arbeiter der hiesigen großen Nähmaschinenfabriken, etwa 8000, sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Cie fordern die Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden, einen Aufschlag für Ueberstunden am Tage von 25 Proz., für Nachtarbeit von 50 Proz. und für Sonntagsarbeit von 100 Proz. Ueber eine Allgemeine Lohnerhöhung soll von Zeit zu Zeit verhandelt werden. Die Forderungen sind heute den Fabrikanten mit einer achttägigen Bedenkzeit eingereicht worden.
Bukarest, 1. Nov. Professor v. Noorden diagnostizierte beim König von Rumänien Magenkaiarrh.
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(Nachdruck verboten.)
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
l Fortsetzung.)
Schreckensbleich blickte Elisabeth zu ihm auf: .Du willst auf den See bei diesem Unwetter?" „Es gilt ein Menschenleben." „Ich verginge vor Angst," stöhnte sie auf. „Dazu ist keine Ursache," erwiderte er, ihre tingst nicht verstehend. „Oder fürchtest du dich allein?"
„Ich fürchte mich nicht," stößt sie bebend hervor, „aber du sagst selbst, daß es eine Tollkühnheit ist und — du —"
„Elisabeth!" rief er dazwischen, ihre letzten 43orte nicht mehr hörend, sondern von neuem durch das Fernglas blickend, „Elisabeth — sollte
möglich sein? Sieh her und sage mir, daß meine Augen mich täuschen."
Seine Stimme zitterte wie seine Hand, mit der er ihr das Glas hinreichte.
Nur einen Blick warf Elisabeth hindurch, inxnn ließ sie es finken und ein furchtbares Ent- etzen malte sich in ihren Zügen:
„Es ist Klaus Roden!" schrie sie auf; „was »rieb ihn auf den See, bei diesem Wetter? O #toro, Nora!"
< „Du kennst die traurige Geschichte? Nora hat sie dir erzählt?" fragte er hastig.
..Ja!"
„Und du weißt, daß ich ihn um sein Lebens- glück betrog?"
„Nein, Herbert, dich trifft keine Schuld."
„Doch, sie trifft mich, und jetzt will ich sie Lthnen, endlich, nachdem ich jahrelang schwer an Ihr getragen habe. Willst du mich jetzt noch zurückhalten von meiner Pflicht? Keine Minute »st zu verlieren — lebe wohl!"
* Er stand schon an der Tür und hielt den Drücker gefaßt. Da stürzte Elisabeth mit einem
Arbeitslohn und Lebenshaltung der Rnhrbergarbeiter.
i.
Von bergbaulicher Seite wird uns ge- ’ schrieben:
°Jn allen deutschen Bergbaubezirken sind Zeitungsmeldungen zufolge, in diesen Tagen die in der Siebenerkommission vereinigten sozialdemokratischen, christlichen, Hirsch-Dunkerschen und polnischen Bergarbeiter-Gewerkvereine an die Organisation der Werksbesttzer mit der Forderung einer 15%igen Lohnerhöhung herangetreten.
Wer den gegenwärtigen, außerordentlich hohen Stand der Lebensmittclpreise und die günstige Geschäftslage aus dem Ruhrkohlenmarkt ins Auge faßt, wird vielleicht ohne weiteres geneigt sein, diese Forderung, soweit sie dem rheinisch-westfälischen Bergbau gegenüber erhoben wird, für durchaus gerechtfertigt zu erklären. Dabei läßt er aber völlig außer Acht, daß sich die Löhne der Ruhrbergarbeiter bereits seit drei Jahren in steigender Richtung bewegen und jetzt das Niveau des Jahres 1900, das den Höhepunkt der bisherigen Entwicklung darstellt, bereits überschritten haben. Es betrug der Hauerlohn pro Schicht im Oberbergamtsbezirk ' . rtmund (der Schichtlohn ist hier angeführt, ...;i dem etwaigen Einwande, die Lohnsteigerung entspringe einer Vermehrung der Schichtenzahl, beruhe also auf Mehrarbeit, als unzutreffend zu kennzeichnen), 1900 5,16 M, 1901 4,98 eil, 1902 4,57 eU. Damit hat er nach dem Konjunktnrumschwung seinen tiefsten Stand erreicht. Er stieg von da ab wieder und betrug 1903 4,64 eil, 1904 4,78 eil, 1905 4,84
Im ersten Vierteljahr 1906 stellt er sich auf 5,02 eU, im zweiten Vierteljahr auf 5,14 eil, womit, wie gesagt, der Stand von 1900 fast erreicht ist. Für die-iüesamtbeiegschäft ist dieser sogar mit einem Schichtlohn von 4,26 im zweiten Quartal 1906 gegen 4,18 im Durchschnitt des Jahres 1900 bereits überschritten. Für das dritte Quartal liegen die amtlichen Nachweisungen noch nicht vor, es darf aber auf Grund privater Meldungen angenommen werden, daß der Schichtlohn jetzt wesentlich höher steht als im Durchschnitt von 1900.
Daraus erhellt, daß auch der Arbeiterschaft die steigende Konjunktur in beträchtlichem Umfange zugute gekommen ist. Diese Tatsache sucht nun die Arbeiterpresse mit der Behauptung abzuschwächen, die Kaufkraft des Geldes habe in den letzten 10 Jahren dermaßen abgenommen, daß bei aller Steigerung des Nominallohnes doch nicht von einer solchen des Reallohnes gesprochen werden könne. Für den größeren Geldbetrag, den der Arbeiter jetzt bei der Lohnzahlung bekomme, erhalte er darum noch lange nicht mehr Ware. Gerade zur rechten Zeit veröffentlicht Dr. Jüngst in Esten in der Zeitschrift „Glückauf" eine Reihe von Artikeln „Arbeitslohn und Untergewinn im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau" betitelt, worin auch über
Angstschrei auf ihn zu und umklammerte seinen Arm.
„Herbert —" eine wilde Verzweiflung hatte sie gepackt, mutz es denn sein, so versprich mir wenigstens eins: Schütze dich, dein Leben, für mich," ihre Stimme erstickte fast in Tränen, „verlaß mich nicht!"
„Elisabeth!" rief er erschüttert, schlang seinen Arm um sie und preßte sie an sich, „du ängstigst dich um mich?--So hast du mich doch ein
wenig lieb?"
„Ueber alles in der Welt."
Da umfaßt er sie stürmisch und preßt seine Lippen auf die ihren, heiß und leidenschaftlich.
„Mein Gott — endlich — endlich!" murmelt er dazwischen, immer von neuem ihre Lippen suchend. „Mein Weib — mein Lieb — träume ich auch nicht? — Du bist endlich mein!"
„Immer und ewig, Herbert."
Er bedeckte seine Augen mit der Hand, als könne er so viel Glück aus einmal nicht fassen. Dann rafft er sich gewaltsam auf. Er darf jetzt nicht an sein eigenes Glück denken. Draußen kämpft einer um sein Leben, besten Glück et zerstört hat.
Noch einmal preßte er sie an sich und küßte fie. —
„Laß mich dich an das Ufer begleiten," bat sie.
„Nein, wenn du mich lieb hast, so bleibe hier im Schutze des Hauses."
Da schlang Elisabeth die Arme um seinen Hals, küßte ihn und gab ihn dann frei. „So gehe mit Gott, Geliebter, ich bleibe hier."
Während sie an das Fenster trat, eilte Graf Landegg, des Regens und Unwetters nicht achtend, dem Ufer zu, machte den Kahn los und ruderte in den See hinein.
Mit weit geöffneten Augen, bleich und tränenlos, stand Elisabeth am Fenster des Bootshauses und beobachtete durch das Fern-
die Entwicklung der Lebenshaltung der Ruhrbergarbeiterschaft in den letzten 20 Jahren ein reiches Material enthalten ist. Wir müssen uns versagen, auf die von dem Verfasser bei seinen Feststellungen angewendete Methode einzugehen — wer sich dafür interessiert, sei auf die Aufsätze selbst hingewiesen, die als Sonderdruck von dem Verlag der Zeitschrift „Glückauf", Essen- Ruhr, Friedrichstraße 2, an Interessenten abgegeben werden — es kann hier vielmehr nur das Ergebnis wiedergegeben werden.
Dieses ist außerordentlich bemerkenswert; es stellt eine schlagende Widerlegung der sozialdemokratischen Verelendungstheorie dar. Während sich der Aufwand für Lebensmittel im letzten Jahre, das den höchsten Preisstand in der zwanzigjährigen Periode aufweist, im Durchschnitt des Ruhrbezirks (gewonnen aus den entsprechenden Zahlen für Dortmund, Bochum, Essen, Witten) nur 15,90 Proz. höher stellt als in 1886, ist der Jahreslohn des Hauers in diesem Zeitraum um 61,56 Proz. gewachsen und dabei ist er im letzten Jahre durch den Streik gewissermaßen künstlich herabgedrückt worden. Zieht man den Schichtverdienst für 1905 heran, so ergibt sich sogar eine Steigerung um 65% Proz. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre ist der Lebensmittelaufwand int Vergleich mit dem vorhergegangenen Dezennium nur um 3,2 Proz. gestiegen, der Jahresverdienst eines Hauers dagegen um 32,70 Proz., mithin hat sich in dieser Zeit seine Lebenshaltung um fast ein Drittel verbessert. Am günstigsten war feine wirtschaftliche Lage im Jahre 1900, wo fein Jahreslohn 87,74 Proz. über dem Niveau von 1886 stand, während seine Nahrung nur einen Mehraufwand von 9,83 Proz. erforderte. Die Steigerung des Aufwandes setzte sich auch in den Jahren 1901 und 1902 fort, welche int Zeichen des wirtschaftlichen Niederganges standen und daher den Arbeitern sehr beträchtliche Lohnherabsetzungen brachten. Dagegen waren ihnen die Jahre 1903 und 1904 wieder günstig, insofern sie bei einer Zunahme des Lohnes um 11,14 und 0,47 Proz. eine um 1,74 Proz. und 4,31 Proz. geringere Ausgabe für Lebensmittel erforderten. Das letzte Jahr zeigt dann ganz ungewöhnliche Preisverhältnisse, infolge bereit die Aufwandzahl (1886=100 gesetzt) von 107,16 auf 115,90 stieg. Da gleichzeitig der Jahreslohn eines Hauers um 3,18 Proz. zurückging (der Schichtlohn stieg jedoch um 1,26 Proz.), fo mußte dies eine erhebliche Verschlechterung in der Lage der Ruhrbelegschaft bedeuten, die sie sich, soweit sie aus dem durch den Streik verursachten Lohnausfall herrührt, allerdings selbst zuzuschreiben hat.
Deutsches Reich.
Berlin. 2. November.
— Seine Majestät der Kaiser hörte am gestrigen Donnerstag vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Wirklichen Geheimen Rats Dr. v. Lucanus und nachmittags den Vor
glas jede seiner Bewegungen. Ein stummes, aber um so heißeres Gebet für den Geliebten stieg zum Himmel auf, der noch immer seine Schleusen geöffnet hielt und Blitz und Donner auf die Erde sandte.
Graf Landegg teilte mit kräftigen Ruderschlägen die Fluten, sein starker Arm bekämpfte die Gewalt der Wogen.
Nur wenige Meter noch trennten ihn von Klaus Roden. Da stößt Elisabeth einen markerschütternden Schrei aus, das Glas entsinkt ihren Händen, vor ihren Augen wird es dunkel, sie taumelt und fällt ohnmächtig zu Boden. Das Entschliche, das sich soeben im Zeitraum einer Sekunde vor ihren Augen zugetragen hat, hat sie der Besinnung beraubt: ein jäher Windstoß packte Rodens Kahn, wie ein Wirbel drehte sich dieser einigemale um sich selbst, schlug um und versank mit seinem Insassen in die Tiefe, noch ehe Graf Landegg nahe genug zur Hilfe war.
Was weiter geschehen war, wußte Elisabeth nicht, auch nicht, wie lange sie ohnmächtig gelegen hatte. Als ihr endlich wieder die Besinnung kam, sie sich aufrichtete und zagend, als fürchte sie, noch Entsetzlicheres wahrzunehmen, zum Fenster hinausblickte, jubelte sie befreit und erlöst von ihrer Herzensangst laut auf. Da ruderte ihr Gatte dem Ufer zu, und in dem Boote lang ausgeftreckt lag Klaus Rodens Gestalt.
Sie fragte nicht danach, wie es Herbert möglich gewesen war, den schweren Körper Rodens in fein Boot zu ziehen, ihn den Fluten zu entreißen — sie fragte nicht, ob noch Leben in ihm ober ob er tot sei, sie sah nur ben geliebten Gatten heil und gesund, und das erfüllte fie mit heißem Dank. Es hielt fie nicht länger im Hause, sie mußte ihm entgegeneilen, und fie kam gerade ans Ufer, als Herbert ans Land stößt und aus dem Kahn springt. Ihre helle Freude verstummte aber vor seinem ernsten Blick, ... .....*2ebt er noch?" fragte sie bebend.
trag des Chefs des Eeneralstabes der Arme« Generals v. Moltke. Das Befinden de« Kaisers hat sich erfreulicherweise weiter ge» bessert. Der Monarch erledigt wie bisher die Regierungsgeschäfte und hütet nur auf den Ra» des Arztes noch bas Zimmer. Aus biefea Erunbe ließ sich auch bet Kaiser bei bet gestrige« Eröffnung bet Automobil-Ausstellung burch ben Kronprinzen vertreten.
— Aus Berlin wird dem „Prager Tageblatt" aus angeblich informierter Quelle gemeldet, baj der Plan eines neuen Dreikaiserbündnisses recht greifbar auftaucht. Iswolsky soll in Berlin mit bem fertigen Vorschlag zu einem ernstlichen Zusammenschluß Deutschlanbs, Oesterreichs und Rußlands aufgetreten fein. Baron Aehrenihal soll bissen Plan schon aus Petersburg nach Wien mitgebracht unb bereits telegraphisch in bie Beratungen eingegriffen haben. Er wirb iiberbies in nächster Zeit in Berlin erwartet. Die neue Konstellation würbe bie Isolierung Deutschlands aufheben und die alten Traditionen erneuern. Die Mär klingt nicht übet, aber der rechte Glaub« an ihre Verwirklichung fehlt. So sympathisch der Gedanke ist, das frühere Dreikaiserbündnir wieder aufleben zu lassen, unter den gegenwärtigen Verhältnissen versprechen wir uns nicht viel davon. Oesterreich-Ungarns innerpolitische Lag« macht den Wert seiner Bundesgenossenschaft sehr problematisch und Rußland kommt gegenwärtig ernstlich nicht in Betracht.
— Als im vergangenen Jahre in Russisch- Polen der Schulstreik ausgebrochen war, machte bet wegen seiner vorsichtigen, korrekten Haltung bei ben nationalen Heißspornen verhaßte Erzbischof Popiel in Warschau ben Versuch, ben Brand zu ersticken, indem er in einem Hirtenbriefe auf das Entschiedenste den Pennälerstreil verurteilte und auf dessen unheilvolle Folgen hinwies. Ein Exemplar seines Hirtenbriefes hat er damals seinem Amtsbruder, Herrn Florian v. Stablewski in Posen zugehen lassen. In seinem Antwortschreiben sagte damals bet Posener Erzbischof:
Mit tiefer Rührung habe ich diesen Hirtenbrief gelesen. Es sind das wahrhaft begeisternde Worte der Beschwörung und Mahnung. Es ist unmöglich, daß sie nicht in di« Elternherzen bringen unb sie nicht anregen sollten, ernst unb energisch gegen bie Versäumung bes Unterrichts burch bie Jugend, sowie gegen die Drohungen versteckter Agitatoren aufzutreten, unter denen sich vielleicht viele ohne christliche Grundsätze und ohne Glauben befinden. Der Umstand, daß di« verderblichen Folgen, welche das Einstellen des Unterrichtsbesuches für die Kinder unb für die gesamte Gesellschaft haben muß, vor den Augen der Eltern so klargelegt sind, sollte diesen die Augen öffnen .
Und heute predigt Florian akkurat das Gegenteil. Jenseits der Grenze will er di<
Er nahm ihre Hand und drückte sie eine« Augenblick an sein klopfendes Herz.
„Wir wollen es hoffen, Elisabeth."
Dann hob er Klaus Rodens regungslosen Körper auf seine starken Arme und trug im, keuchend unter der schweren Last, ins Boo s» haus, wo er ihn auf die Bank niederlegte.
Elisabeth bekämpfte tapfer ein Gefühl des Schauderns unb folgte bem Gatten. Sie leistete ihm bei seinen Wieberbelebungsversuchen tatkräftige Hilfe, aber in Klaus Rodens bleiche, starre Züge kam kein Zeichen wiederkehrendev Lebens, trotz aller ihrer Bemühungen.
Da stieg Noras liebes, schönes Antlitz »oi Elisabeth auf, sie sah ihre schmerz- und gramerfüllten Züge, und da packte sie ein verzehrendes Mitleid. „Er darf nicht sterben — er muß leben für fie! Nora soll glücklich werden, so wie ich jetzt bin!“ schrie es in ihr auf.
Plötzlich — Elisabeth erschrickt, weil fie es nicht kennt, aber Herbert beruhigt fie durch einen Blick — kommt aus Rodens Nase, Augen, Mund und Ohren Wasser, das gurgelnd aus der Tiefe aufzusteigen scheint. Eine Weile hält dieser Zustand an, dann flößt der Graf Roden. etwas Cognac ein, und nun kommt endlich Bewegung in die starren Züge; die Brust hebt fich^ er atmet wieder.
Wortlos halten fich die beiden Gatten einen* Augenblick umschlungen, dann tritt Graf Landegg zu dem Schiffbrüchigen zurück und beugt' sich tief über ihn: I
„Klaus--wir find quitt." t
Klaus Roden schlägt die Augen auf. Roch verständnislos irren sie zuerst umher, bann blei» ben fie auf feinem Retter haften.
„Herbert!" entringt es sich fast lautlos seinen Lippen, bann schließen sich seine Augen von neuem.
(Fortsetzung folg! )