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mit dem . creisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain,

SonntaasbeilaaerIMrftrirtes Gonrr-säWsM.

M 256

Birrteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mk» bet allen Postämtern 2,25 M. <e?cL Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.

Reklamen: die Zelle 30 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 1. November 1906.

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Berlage Joh. Aug. Koch, UniverfitStS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahrg.

Erstes Blatt.

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Neueste Telegramme.

Berlin, 31. Okt. Die Hamburger Firma Wör- ättann versendet dieser Tage an den Bundesrat And den Reichstag eine ausführliche Darstellung Ihrer Geschäftsbeziehungen zum Reichskolonial- temt und über die Verträge, wegen der Frachten- »eförderung, um zu beweisen, daß alle Anschul- »igungen wegen übermäßiger Gewinne oder lllebervorteilungen unbegründet seien. Richt ge- Aeugnst wird, daß Gewinne erzielt find, doch jnicht annähernd in dargestelltem Umfangs. Klebrigens find die Gewinne wieder dem Schiff- Pau und den Kolonien durch Neubauten und An­lagen in den Kolonien zugute gekommen. Ver­träge über die !>iörderung von Reichsbeamten ^bestehen zwischen .c: Regierung und Wörmann «nicht.

\ Düsseldorf, 30. Okt. Der siebente Delegierten- i'tag der katholischen Arbeitervereine im Bezirk Düffeldorf, 8000 Arbeiter umfassend, beschloß ein- stimmig eine Resolution an die Wahlkreisver­treter, auf die möglichste Beseitigung der Fleisch­iteuerung durch Oeffnung der Grenzen hinzu­wirken.

Paris, 30. Okt. Wie dieFrance Militaire" Meldet, wird der Kriegsminister behufs Organi­sierung der französisch-marokkanischen Polizei die Korpskommandeure ersuchen, ihm für diesen Dienst geeignete Offiziere und Unteroffiziere )vorzuschlagen. Als unabweisbare Bedingung wird Kenntnis der arabischen Umgangssprache verlangt' ferner müßten diese Militärs eine aus- 'tzczeichnete Gesundheit, Takt und die nötige Ruhe besitzen, um ihre hohe Aufgabe erfüllen zu können.

Bukarest, 30. Okt. Profeffor Norden wurde Mach Sinaia berufen, um ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Königs von Rumänien abzugeben.

London, 30. Okt. DieTimes" melden aus Danger: An der Nachricht, dem Sultan sei von ideutscher Seite ein-Darlehen bewilligt worden, iift kein wahres Wort. Die deutsche Gesandtschaft teilt den Behörden mit, daß sie bereit ist, in die unverzügliche Beratung der aus dem Algeciras- Protokoll sich ergebenden Einzelheiten einzu­treten.

Japan und die Vereinigten Staaten von Amerika.

# Eine der notwendigen und möglicherweise /bedeutsamen Folgen des Kampfes um die Dor- Herschaft in Ostasten ist die Verschärfung der Ri- 'valität zwischen den Vereinigten Staaten von ^Amerika und Japan. Eine Art Vorposten- »F7". = ! ------- -------------- 1

*88 i (Nachvruck verboten.);

Zwei Freue«.

Roman von E. Borchart.

(Fortsetzung.) -

20. Kapitel.

_ Nora war hinausgegangen und Elisabeth barg ihr tränennaffes Antlitz in die Polster ihres Sofas. Scham über ihren unwürdigen Verdacht gegen den Gatten und die Freundin, und heiße Sehnsucht stritten in ihrem Innern um die Herrschaft. Jetzt erst erkannte sie, daß es wohl eine Liebe gibt, wie sie sich dieselbe vor­stellte unb an die sie noch nie geglaubt hatte. Freilich, ihr brachte diese Liebe vorläufig nur Leid und Schmerzen. Wenn es zu spät wäre? Und ihr Stolz sprach:Wenn ich mich umsonst demütigte?" Dann sah sie wieder Norae schönes liebes Antlitz vor sich und hörte sie spre­chen: Elisabeth bezwinge dein stolzes, trotziges Herz. Ja, ich will es bezwingen," rief sie end­lich und damit kehrten Ruhe und Frieden in ihre Seele ein.

Graf Land egg faß noch auf der Terraffe, als stora Steinburg zurückkehrte.

Du (kommst allein?" fragte er befremdet.

Elisabeth hat Kopfschmerzen und möchte heute kn ihrem Zimmer bleiben. Sie läßt dir »ine gute Nacht wünschen!" erwiderte Nora. . Graf Landegg runzelte die Stirn und mur- Melte etwas vonLaunen" in sich hinein, was Nora jedvch nicht beachtete.

tUnd ich möchte dir auch jetzt Lebewohl Jagen," fuhr sie fort.

Du willst schon gehen?"

3<l und morgen reise ich für einige Zeit hach München, ich muß mir eine Wohnung mieten/

geplänkel, das gegenwärtig zwischen den Regier­ungen von Washington und Tokio entstanden ist, dürfte zwar durch diplomatische Verhandlungen im Wege der Verständigung beigelegt werden, verrät aber doch eine gewiffe Animosität der Be­teiligten. Einerseits hat der japanische Bot­schafter in Washington, Aoki, bei dem Staats­sekretär Root darüber Beschwerde geführt, daß japanische Kinder vom Schulbesuch in San Francisco ausgeschlossen worden seien. Der Botschafter erklärte, das Verbot habe in Japan große Erregung hervor­gerufen, und er berief sich, um die Aufhebung des Verbotes zu begründen, auf ein im Jahre 1894 zwischen der Union und Japan abgeschloffenes Abkommen, desien Artikel 1 bestimmt, daß An­gehörige des anderen Staates Anspruch an die­selben Rechte und Privilegien haben, al» di« einheimischen Bürger des anderen Staates. Die Vorstellungen des Botschafters scheinen nicht ganz den gewünschten Erfolg gehabt zu haben, denn, wie aus Tokio gemeldet wird, lautete die Antwort dahin, daß das Vorkommnis als eine lokale Angelegenheit anzusehen sei, für die die Staatsregierung nicht verantwortlich gemacht werden könnte. Immerhin hat der Staatssekre­tär-eine Vermittelung mit den kalifornischen Be­hörden nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern ver­anlaßt, daß sich Handelssekretär Metcalf nach San Francisco begibt, um an Ort und Stell« eine Untersuchung über die Berechtigung der vor­gebrachten Beschwerden anzustellen. Auch der amerikanische Botschafter in Tokio hat sich dahin geäußert, daß die Vereinigten Staaten in der schulmäßigen Behandlung keinen Unterschied machen würden zwischen japanischen und anderen Kindern fremder Nationalität. In den der Union wohlgesinnten Kreisen der Bevölkerung von Tokio wird das Vorkommnis als ein be­dauerlicher Zwischenfall empfunden und die Frage aufgeworfen, wie sich wohl die Amerikaner verhalten würden, wenn Japan in ähnlicher Weise gegen die in Japan tätigen amerikanischen Miffionare vorgehen wollte.

Andererseits ist der japanischen Regierung eine Beschwerde des Staatssekretärs Root zu­gegangen, in der die Verhaftung und Bestrafung der japanischen Wilddiebe verlangt wird, die vor kurzem auf amerikanischen, dem Alaska-Ter­ritorium benachbarten Inseln zu landen suchten, bei der Verfolgung der amerikanischen Küsten­wache aber entkamen, wobei einige getötet wur­den. Das Staatsdepartement des Auswärtigen hat diesen Landungsversuch der japanischen Rob­benschläge! und Pelzjäger als eine Invasion auf amerikanisches Gebiet bezeichnet. Eine Aeußer- ung der japanischen Negierung auf diese Be­schwerde ist bisher noch nicht erfolgt.

Jit beiden Fällen handelt es sich um Ver­fehlungen, an denen die Regierungen als solche unschuldig und unbeteiligt find. Deshalb dürste sich auch ein Einvernehmen unschwer erzielen

lasten. An Reibungen und Mißverständnisten zwischen den Vereinigten Staaten und Japan wird es freilich auch in Zukunft um so weniger fehlen, je mehr beide Staaten durch ihre vielfach parallel laufenden Expansionsbestrebungen in Ostasien in eine wirtschaftliche Rivali­tät hineingedrängt werden.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 30. Okt. Der heutige Tag, der Jahrestag des kaiserlichen Manifestes, ist ohne Ruhestörungen verlaufen. Die Fabriken arbei­teten fast ausnahmslos. Die Läden sind geöffnet, der Straßenverkehr bot das alltägliche Bild und auch aus dem Innern des Reiches sind keine Mel­dungen über Kundgebungen eingelaufen.

Warschau, 30. Okt. Alle öffentlichen Gärten sind heute, am Jahrestage des Oktobermant- festes, polizeilich geschlossen, die Häuser auf Po­lizeibefehl beflaggt. Durch die Straßen ziehen zahlreiche starke Patrouillen, die Militärposten find vervielfacht, doch ist der Straßenverkehr nor­mal und die Ruhe bisher ungestört.

Odesta, 30. Okt. Sämtlichen Geschäften, Banken, Redaktionen und Theatern wurde unter Strafe befohlen, arbeiten zu lasten. Die Univer- fität ist geschlossen und von Militär umzingelt. Auf den Straßen bewegen sich verstärkte Pa­trouillen.

Warschau, 31. Okt. Der gestrige Tag ist ruhig verlaufen.

Wilna, 30. Ott. In voriger Nacht verhaftete die Polizei 24 Personen, unter ihnen einen Gym­nasiasten, wegen Zugehörigkeit zur revolutio­nären Organisation. M

Bjelostok, 30. Okt. Die Meldung über eine starke Auswanderung aus Bjelostok, sowie über Liquidierung von jüdischen Unternehmungen und über den Niedergang des Handels und Ge­werbes entbehrt jeder Begründung.

Deutsches Reich.

M Berlin, 31. Ottober.

Seine Majestät der Kaiser hörte gestern die Vorträge des Admirals v. Müller und des Korvetten-Kapitäns Karpff.

Wie aus B o n n gemeldet wird, fand dort am gestrigen Dienstag mittag die Immatriku­lation des Prinzen August Wilhelm von Preu­ßen im Senatssaale der Universität statt. Dort hatten sich der Rektor, der Prorektor und der Ku­rator der Universität, v. Rottenburg, sowie der Senat eingefunden. Der Rettor hielt eine kurze Ansprache, in der er den Wunsch aussprach, daß sich der Prinz am Rheine heimisch fühlen möge und daß die Lehrer ihren Stolz darein setzen möchten, ihn in die Tiefen der Wistenschast ein­zuführen. Dann trug sich der Prinz in das Album ein, und es wurde ihm die Matrikel und das Testierbuch überreicht.

Man sah es seinen düsteren Blicken an, daß diese Nachricht ihn nicht angenehm berühtte.

Hat es denn solche Eile, Nora? Elisabeth wird dich sehr vermisten."

Und du mich hoffentlich auch," versuchte fie zu scherzen.

Er lachte jetzt auch:Das bedarf keines Zweifels. Du gestattest, daß ich dich nach Stein­burg begleite."

Nein, Herbett, ich danke dir; heute nicht."

Wie du befiehlst." Er küßte ihr die Hand: Wann kommst du wieder, Nora?"

»In zwei bis drei Wochen."

So lange willst du fortbleiben?" fragte er enttäuscht.

Ja, und nun lebe wohl, Herbett, ich will eilen, um das Nötige zur Reise vorzubereiten."

Graf Landegg seufzte leise, während er Nora die Treppe hinunter bis an das Schlosttor begleitete. Hier küßte er ihr noch einmal die Hand.Vergiß uns nicht, Nora."

Nie!" rief sie auf halbem Wege noch einmal stehen bleibend, zurück. Dann konnte er sie nicht mehr sehen, und mit trübem' Gesichtsausdruck ging er wieder ins Schloß.

* * *

Beinahe drei Wochen waren vergangen. Auf Landegg hatte sich trotz Noras Segenswünschen und Elisabeths guten Vorsätzen nichts geändert. Das Verhältnis zwischen den beiden Gaten war noch immer dasselbe, ja es schien fast, als ob mit Noras Abreise auch das einzige Band zwischen ihnen zerschnitten wäre. Es mattete jetzt ein anderer Geist im Schlosse; Nora Frische und Laune fehlten, und Elisabeth hatte fein« Ge­legenheit, sie zu ersetzen. Es hatte fast den An­schein, als ob Graf Landegg absichtlich die Ge­sellschaft keines Weibes miede, io wenia blieb er

im Schlöffe. Vom frühen Morgen an war er draußen auf den Feldern, im Walde oder in Eutsangelegenheiten unterwegs; nur zu den Mahlzeiten mittags und abends kam er heim, und das Mahl verlief dann ziemlich einsilbig. Die Gegenwart der Dienerschaft legte Elisabeth Zwang auf, aber fie kam kaum über alltägliche Redensarten hinaus. Sie verzagte fast, und Mut und Hoffnung schwanden ihr mehr und mehr. Wo und wann sollte sie ihm denn ihre Liebe zeigen? Er entzog sich ihr ja fast voll­ständig, und die Zeit beim Esten war so kurz. Mit jedem Worte, mit jedem Blicke möchte sie um seine Liebe werben, aber er sieht an ihr vor­über und spricht von gleichgülttgen Dingen.

Sie wünschte manchmal, er möchte sich über etwas erregen und heftig werden. Wie leichter hatte sie das ertragen als diese stets gleich­mäßige Ruhe und Höflichkeit. Sie kam sogar in Versuchung, ihn zu reizen, seinen Zorn durch eine trotzige Antwort herauszusordern, aber ihr fehlte der Mut, und so erstarb der Wunsch im Keim.

In der Einsamkeit ihres Zimmers kam Eli­sabeth das Trostlose ihrer Lage stets zum vollen Bewußtsein, und siebrach darunter fast zusam­men. Der alte Stolz erwachte dann wieder und sprach in ihr:Laß ab, es ist zu spät; er liebt dich nicht. Du hast einst an der Liebe ge­sündigt, jetzt folgt die Strafe, denn alle Schuld rächt sich auf Erden."

In solchen Augenblicken des seelischen Ver­zagtseins und der Reue sehnte sie sich brennend Nach Aora, nach ihrem Zuspruch und ihrem Trost, und doch fürchtete sie sich auch vor dem Augenblicke, wo fie ihr wieder gegenüberstehen und dem traurigen vorwurfsvollen Blick aus- weichen und bekennen mußte:(Es ist noch alles -beim Alten."

DieNorddeutsche Allg. Ztg." meldet: In Sachen des Posener Schulstreiks haben du Reichstagsabgeordneten v. Erabski und Gras Mielzynstt gestern nachstehendes Telegramm ar den Kultusminister abgesandt:

Die polnischen Schulkinder werden mii Arrest, täglich eine oder mehr Stunden, für di« Befolgung des Verbot» seitens ihrer Eltern be­treffs ihrer Teilnahme an dem deutschen Kett- gionsunterttcht bestraft. Wir Väter nehmen die ganze Verantwottlichkeit für unser Verbot aus uns. Wir beantragen die soforttge Veseittgunz der kulturwidrigen Arreststrafen aus mensch­lichen und pädagogischen Gründen. Im Austragi der in Enesen heute tagenden Familienväter, di< Reichstagsabgeordneten v. Erabski und Cra Mielzynstt.

Die Antwott des Ministers lautet folgender maßen:

An den Reichstagsabgeordneten v. Erastt i« Enesen:Die Aufhebung der Arreststrafen gege» Schulttnder, welche die bestehende Schulordnun; verletzen, lehne ich ab. Kulturwidrig ist die Hetz­arbeit, welche die Väter der Schulttnder daz« verführt, den letzteren den Ungehorsam gegen di« Anordnungen der Behörde zur Pflicht zu machen. Diese Anordnungen werden mit allen gesetzlich zulästigen Mitteln durchgeführt werden. Kultus­minister v. Studt."

DieRordd. Allg. Ztg." fügt hinzu: Wir ver- öffentlichen diese Antwott, um zu zeigen, daß die Unterrichtsverwaltung nicht daran dentt, ben polnischen Forderungen auch nur in einem Punkte nachzugeben. Die Staatsregierung roiti ruhig, aber mit Nachdruck der polnischen Bevöl­kerung zum Bewußtsein bringen, daß in bei beutschen Volksschule nicht leidenschaftliche Agi­tatoren bas entscheidende Wort führen, baß viel- mehr Iiejenigen wohlerwogenen Anordnungen, welche im Jntereste der Bevölkerung und der Staatswohles notwendig find, ohne Schwankun» gen durchgeführt werden.

DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin un> term 30. Oktober: Es ist als eine unabweisbar« Forderung von allen Seifen anerkannt, daß, nachdem nunmehr die Penfionsbestimmungen für die Angehörigen des Heeres und der Marin« günstiger geworden sind, auch den übrige» Reichsbeamten entsprechende Vergünstigungen zuteil werden möchten. Wie wir hören, beschäf­tigt sich die Reichsregierung mit der Lösung der Frage schon seit geraumer Zeit. Es scheint nicht unmöglich, daß dem Reichstage schon in bet be- vorstehenden Tagung eine dahingehende Gesetzes- Vorlage, vermutlich als Novelle zum Reichs­beamtengesetz, gemacht werden wird. Wenn man der Verbesserung der Pensionsbestimmungcn keine rückwirkende Kraft gibt, ein Verlangen, an dem nur zu leicht derartige Pensions­verbesserungen von vornherein scheitern, werden zunächst keine großen Summen in An­spruch genommen werden. Es wird dann auch

Es war ein heißer Tag Ende August. Di« Sonne strahlte vom tiefblauen Himmel herab; ihre Strahlen versengten fast alles, was sich nicht vor ihnen verbergen konnte. Um die Mittags­stunde steigerte sich die Hitze bis zur Unerträg­lichkeit. Der Dunstkreis über den Bergen ver­dichtete sich, die Lust war schwül und drückend und dunkle Wolken türmten sich am Horizont. Die Blumen und Gräser neigten sich erscklasst zur Erde, nur langsam bewegten sich die Käfer vorwärts, und die Schmetterlinge umkreisten müde die halbverdorrten Blumen, das Lied der Vögel war verstummt. Und wie den Pflanzen und Tieren, so ging es auch den Menschen. Lust und Nitze drückten auf Gemüt und Nerven und nahmen jede Lust zu fröhlichem Schaffen.

Das Mittageffen war wie immer wortkarg und ohne Zwischenfall verlaufen. Elisabeth wai schon längst in ihre Zimmer zurü'ckgekehtt, doch auch in dem sonst so kühlen Raum benschte heute eine dumpfe Schule; sie zog es deshalb vor, auf den Balkon zu gehen. Die Rosen waren fast verblüht, aber kleine Knöspchen zeigten an, daß noch ein zweites Blühen zu erhoffen stand.

Träumend lehnte sich Elisabeth in den be­quemen Rohrsessel zurück. Sie dachte an die erste Zeit ihrer Ehe, wo ihr Gatte sie noch mit Liebe und Zärtlichkeit, der sie jedoch aus dem Wege ging, überschüttete sie dachte an die gemeinsamen Spaziergänge nach Tisch, die ach, wie lange schon unterblieben waren. Wie viel sich doch feit jener Zeit geändert hatte? Wa» half ihr alle Sehnsucht nach dieser Vergangen­heit, an die fie jetzt mit schmerzlich-süßer Er­innerung dachte? Sie kehtte wohl niemals wieder. -

(Fortsetzung folgt.)