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Deutsches Reich.

Berlin, 30. Oktober.

Seine Majestät der Kaiser hat sich eine leichte Erkältung zugezogen und deshalb wurde die für gestern geplante Reise nach Liebenberg zu dem Fürsten Eulenburg aufgeschoben. Der Kaiser verlieh dem russischen Minister des Aeußern Iswolsky das Eroßkreuz des Roten Adlerordens. Die Insignien wurden dem Mi­nister nach der Frühstückstafel am Sonntag vom Kaiser persönlich überreicht.

DerReichsanzeiger" meldet: An den Oberpräfidenten von Trott zu Solz in Potsdam erging unterm 24. Oktober folgende allerhöchste Order bezüglich Einführung de» Kronprinzen iw die Zivilverwaltung der Monarchie: Es ist mein Wille, daß mein Sohn, der Kronprinz, kaiserliche und königliche Hoheit, entsprechend seinem Wunsch und der hergebrachten Sitte meines Hauses gemäß während des bevorstehen­den Winterhalbjahres in die Kenntnis der Zivilverwaltung meiner Monarchie durch Sie eingeführt werde. Das von Ihnen entworfene Programm, womit der Kronprinz einverstanden ist, ist mir vorgelegt worden und hat meine volle Billigung gefunden. Ich beauftrage Sie, dem­gemäß das Weitere zu veranlassen.

Der Reichstag wird diesmal so zahlreich wie kaum vorher zusammentreten; nur ein Mandat ist zur Zett noch unbesetzt, nämlich 18. Hannover (Stade), wo kurz nach dem Zu» sammentritt des Reichstages eine Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Rattonallibera»

Marburg

. Mittwoch, 31. Oktober 1906

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Ioh. Ang. «och, UniverMEuchdruckerck

Marburg, Markt 2L Telephon 66.

Neueße Telegramme.

v Berlin, 29. Okt. Rach den bisher hier vor- iliegenden Nachrichten streiken zur Zeit etwa [40 000 polnische Schulkinder. Die größte Aus- Dehnung hat der Streik in den Regierungs­bezirken Posen und Bromberg genommen. Die «Schulkinder der Stadt Posen sind verhältnis- Mäßig wenig beteiligt.

Berlin, 29. Okt. Bis zum 1. Oktober haben jbie neuen Steuern folgende Erträge gebracht: Zigarettensteuer 4 835108 M, Frachturkunden» steuer 4 217190 'M, Personenfahrkartensteuer ?! 771346 M, Steuerkarten für Kraftfahrzeuge 960 700 'M, Steuer für Vergütungen an Auf- sichtsratsmitglieder 114115 M, Erbschaftssteuer 26 943 M. Hinter den Erwartungen des Reichs- 'tags und der Regierung bleiben diese Summen erheblich zurück.

Breslau, 29. Okt. Der Verband für berg­bauliche Interessen Niederschlefiens hat Ver­handlungen mit der Organisation der Berg­arbeiter ebenfalls abgelehnt. Die einzelnen Gruben könnten nur mit ihren eigenen Ar» Letterausschüssen über die Lohnerhöhung ver­handeln.

Paris, 29. Okt. Aus Toulon wird gerücht» weise gemeldet, daß ein Panzerschiff und ein Kreuzer, sowie eine Anzahl Torpedoboote, Welche gegenwärtig an den Hebungen des Mtt« itelmeergeschwaders bei Corsica teilnehmen, nach Toulon zurückkehren werden, um Lebensrnittel find Kriegsmittel aufzunehmen, um sich für die Abfahrt nach Marokko vorzubereiten.

Paris, 29. Okt. Jaurtzs hielt in Tours bei einem ihm zu Ehren gegebenen Bankett eine &ebc, in welcher er sagte: Wenn das neue Kabi­nett wirklich Reformabfichten hat, so wird es nicht durch unsere Schuld unterliegen. Es mag sich vielmehr vor der getäuschten Begehrlichkeit lind Eitelkeit einiger gekränkten Radikalen in ächt nehmen. Wir werden uns nicht zu Helfers­helfern bei den Intrigen gewisser Radikaler hergeben, wenn das Ministerium aber vor ge» Dissen Reformen zurückschreckt, werden wir es bekämpfen, ohne an irgend welchen Intrigen teilzunehmen.

Bombenlaboratorium, Feuerwaffen und Pläne von bereits aufgeführten und beabsichtigten lleberfällen gefunden wurden. Dis Zahl der bisher Verhafteten beträgt nach derRowoje Wremja" 21. Darunter befindet sich eine Per­son, die mehrere Wohnungen besitzt. Es soll be» reits festgestellt fein, daß diese Person der bei dem Bombenanschlag beteiligten Frau mit

Ausland.

Frankreich. Der Minister des Auswärtige». Pichon gab in einem Interview mit einem Mitarbeiter desPetit Paristen" unter an­derem folgende Erklärungen ab: Es ist wider, sinnig, zu glauben, daß ein Minister von einem Tage zu anderen die auswärttge Polittk der Republik ändern könnte. In einer Demokratie wie der unserigen herrscht die öffentliche Mei­nung. Frankreich wird der Allianz mit Ruß­land, sowie der herzlichen und freundschaftlichen Entente mit England und Italien treu blei­ben. Was die übrigen Nationen anlangt, s» wollen wir mit allen sympathische und kour- toisievolle Beziehungen unterhalten. Wir wollen niemanden bedrohen und behindern. Ich habe

Danke Gott, Elisabeth, daß dir ein Mann wie Herbert zum Gatten beschert wurde. Ein anderer wäre schwerlich so duldsam und nach­sichtig gewesen. Er fiat dich viel zu lieb, um anders zu handeln, u '

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 29. Okt. In der Universität fand eine Versammlung von etwa 4000 Stu­denten, die durch das Absingen der Marseillaise eingeleitet wurde, statt. Es gelangte eine in schroffen Ausdrücken verfaßte, von der sozial» demokrattschen Gruppe vorgeschlagene, Resolu­tion zur Annahme, in der es heißt: Die selbst­herrliche Negierung unterdrückt durch Pogroms, Feldgerichte und andere grausame Maßregeln die Freiheit. Das letzte Jahr nahm die Hoff­nung auf einen friedlichen Ausgang. Prole­tariat und Bauern müßten mit vereinten Kräf­ten eine konstituierende Versammlung anstre-

Perversität der Gesinnung.

Man schreibt uns: Die Köpenicker Affäre, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus Aufsehen erregt hat und durch das inter­nationale Sensationsbedürfnis zu einem welt- erschütternden Ereignis erhoben wurde, bat einen schnellen und, wenn man ehrlich sein will, .einen ernüchternden Abschluß gefunden. Der Käuber, derkühne Räuberhauptmann", wie er bereits im Volksmunde hieß, hat sich als ein Älter Zuchthäusler entpuppt und ist, wie irgend ein anderer Verbrecher durch die Kriminalpoli­zei ermittelt und verhaftet worden. Die Sensa­tion ist verpufft, alle Romantik zerstoben, übrig Lleibt nur der schale Rest des Ewig-Gestrigen, die Tat des gewohnheitsmäßigen Verbrechers.

Wie es aber bei dem Unternehmen des fal-

Sewastopol, 28. Ott. Der Chef der politischen Polizei Michailow ist gestern Abend einem Morde zum Opfer gefallen. Der Mörder wurde ergriffen, sofort standrechtlich zum Tode ver­urteilt und nachts hingerichtet.

schen Hauptmannes weniger auf die Tat selbst als auf die begleitenden Umstände anlam, so wird auch die ganze Angelegenhett vor allem wegen des Eindrucks, den sie hervorgerufen hat, beurteilt und deshalb weniger vom kriminal» polizeilichen als vielmehr vom psychologischen Standpunkte betrachtet werden müssen. Als der unter außergewöhnlichen Umständen geglückte Gaunerstreich bekannt geworden war, waren nicht wenige Leute sogleich mit dem Urteil bei der Hand, daß hier ein Genie eine von erstaun­licher Menschen- und Sachkenntnis zeugende und deshalb bewundernswerte Tat vollbracht habe. Man empfand es als einen Mangel der aus­gleichenden Eerechttgkeit, daß der schlaue Patton nur 4000 Mark erbeutet habe, für die gehabte Mühe und Aufregung also gewissermaßen nicht genügend entschädigt worden sei. Ebenso konnte man das Bedauern vernehmen, daßeine so tüchtige Kraft", der es doch auch bei anderer Betätigung an Erfolgsicherlich" nicht gefehlt hätte, auf dieBahn des Verbrechens gedrängt fei und nunmehr, kraft Gesetzes, auf lange Zeit tahmgelegt werden könnte, und von diesem Be­dauern bis zu dem Wunsche, daß es der Polizei nicht gelingen möge, des Täters habhaft zu wer­den, war nur ein Schritt.

Eine solche Auffassung und Beurteilung des Vorganges ist keineswegs belanglos ober nichts- fagenb. In ihr offenbart sich eine Verkennung des Natürlichen, eine Perversität der Gesinnung, wie sie auf den verschiedensten Gebieten unseres öffentlichen Lebens, neuerdings auch in der ?Politik, Boden gewonnen hat. Oder ist es etwa eine politische Perversität, daß diejenige Partei, die auf den Umsturz hinarbeitet, die keinen anderen Rechts- und Machtanspruch als ihren eigenen achten will, nachgerade auch aus solchen Kreisen Zulauf erhält, die, vermöge ihrer Stel­lung oder ihrer privaten Verhältnisse, unbe­dingt dort gesunde» werden sollten, wo der Kampf gegn die revolutionäre Sozialbemokratie mit der gebotenen Energie geführt wird? Frei­lich, wenn ein Vorgang, wie der Köpenicker Kassenraub, Empfindungen, sei es auch nur vom humoristischen Standpunkte, laut werden lassen, kann, die jeder ruhigen lleberlegung entbehren und ein gedankenlos-gleichgültiges Bekenntnis zu dem Grundsätze des laisser faire laisser aller verraten, darf man sich sozusagen über nichts mehr wundern. Auch darüber nicht, daß die Styialdemokratie selbst da sich einnisten kann, wo ihr nach menschlicher Vernunft der Stuhl mit einem Krach vor die Tür gesetzt wer-

für die Kreise Wmrburg mrd Kirchhain.

SomUagS-eUaaer^Srl«strrrteSS«MaKMst^

Mein Herzblut gäbe ich darum."

Dein Herzblut, aber nicht deinen Stolz, Daran ist schon so manches Lebensglück geschei- tert, Elisabeth. Du wußtest längst, was Du an> seiner Liebe verloren hattest, aber du wolltest­blind sein und unterdrückest deine eigene, er­wachende Liebe zu ihm gewaltsam. Und nun' wunderst du dich, daß er nicht mehr an deine Liebe glaubt. Belehre ihn eines besseren, be­zwinge dein stolzes, trotziges Herz, zeige ihm, daß du ihn liebst."

O Nora, wie soll ich es anfangen? Siehe du mir bei."

Nein, auch die allerbeste, treueste Freundin muß hier fern bleiben. Elisabeth. Ihr wart auf dem besten Wege, euch zu verlieren, nun müßt ihr euch allein wiederfinden. Im übrigen reise ich morgen nach München, um eine Wohnung zu mieten; es ist die höchste Zeit."

Du willst mich jetzt verlassen, gerade jetzt, wo ich deinen Zuspruch, deinen Trost so nötig habe?"

,Züt wenige Wochen nur, mein Liebling, . und wenn ich wiederkehre; hoffe ich nur Glück und Sonnenschein auf euren Gesichtern zu lesen. Wer weiß, ob du dann noch nach mir ver­langst?"

Noras"

Weinend hing Elisabeth an Noras Hals»:

Ich wollte, ich wäre wie bu-j---"

Still, sprich nicht weiter! Du darfst nicht vergessen, daß du mich heute durch die Nächtig über Klaus Roden namenlos glücklich gemacht hast. Und nun lebe wohl, Gott segne dich!" >

(Fortsetzung folgt)

tungen und Kombinationen ließen mich bald ein klares Bild über euer Leben gewinnen. Ich werde dir dieses Bild jetzt malen mit rücksichts­loser Offenheit, und bann sollst du urteilen, ob es mit der Wirklichkeit übereinstimmt:---

Du brachtest ein Opfer der Kindesliebe, als bu deinem Gatten die Hand zum Bunde für das Leben reichtest. Du liebtest ihn nicht und warst auch zu ehrlich, ihn zu täuschen. Du achtetest ihn jedoch hoch und das dünkte dir genug für die Ehe. Wie sehr du dich darin täuschtest, mußtest du bald erfahren. In der Ehe wird nicht nut empfangen, sondern auch gegeben. Du gabst nichts, auch nicht das Geringste. Du duldetest nicht einmal die kleinste Liebkosut^ von deinem Gatten. Trotzdem drückte dich die Dankesschuld deinem Gatten gegenüber, dein Stolz wollte ihm nichts zu verdanken haben, und du erttugst es nicht, immer wieder neuen Anlaß dazu zu haben. Obgleich seine Eigenschaften, seine Güte dich zu ihm hingezogen, umpanzertest du dein Herz mit eisernen Rinden, du wehrtest der Liebe den Eintritt, du redetest vir vor, ihn nie lieben zu können. Du hattest dich so an den Gedanken eines Opfers deinerseits gewöhnt, daß du nicht von ihm los konntest. Dein geistiger Hochmut, deine Selbstherrlichkeit, dein Märtyrertum er­hob dich in deinen Augen, du hieltest dich für z» stolz und hoch, seine Liebe entgegenzunehmen"

Nora, Nora!" rief Elisabeth bleich und ent­setzt, und wie abwehrend dazwischen, aber Nora ließ sich nicht beirren.

Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(Forilehung.)

Schon lange hatte ich den Wunsch nach einer Aussprache mit Herbert gehabt. Im Lause der Jahre sah sich so manches anders an. es stiegen in mir so manche Zweifel und Bedenken und namentlich der Argwohn an eine Schuld Beates auf. Ich fehnte mich nach Aufklärung und Ver­söhnung. Run ich dich als seine Gattin sah, ge­wann dieser Wunsch feste Gestalt. Du. selbst be­wirktest mir eine Aussprache mit Herbert, und was wir dabei erfuhren, hat uns beide nicht allein tief erschüttert, sondern auch jeden Haß aus unserer Seele getilgt. Wir erkannten, daß wir das Opfer einer Eifersüchtigen geworden waren, die durch aussichtslose, unerwiderte Liebe zu einem Manne auf falsche Wege geraten war. Wir vergaben ihr beide, aber Herbert litt unter dem Bewußtsein, seine eigne Schwester anklagen zu müssen, und ich bot alles auf, die Wolken von seiner Stirn, die Schatten von fei« ter Seele zu bannen. Gottlob weilt Beate fern, und die Wunde, die sie geschlagen, wird heilen. Aber sie würde schneller heilen, wenn rin liebend Weib ihn trösten, ihn in ihrer hin- gebenden Liebe--

Nora!"

Still, Elisabeth, laß mich ausreden offen sind ehrlich, wie eine Muter zu ihrem Kinde, vieh, das Leben hat mich fast vorzeitig zu einet Menschenkennerin gemacht, ich las in deiner Seele wie in einem offenem Buche. Zuerst einige Andeutungen deinerseits, dann meine Beobach­

ten stattfinden wird. Als bet Reichstag im Mai b. I. auseinander ging, waren 3 Mandate er­ledigt: 4. Arnsberg (Hagen) durch den Tod Eugen Richters, 3. Arnsberg (Jserlovn-Altena) durch den Tod Lenzmanns, 1. Cassel (Hofgeis- mar-Rinttln) durch den Tod des Grafen Re- ventlow. Als Ersatzmänner find hierzu gewählt worden: im 4. Arnsberg Cuno (das Mandat blieb im fteifinnigen Besitz), im 8. Arnsberg Haberland (das Mandat ging von freisinnigen in sozialdemkratischen Besitz über), in Cassel Herzog (das Mandat blieb im Besitz der wirt­schaftlichen Vereinigung). Während der Ver­tagung wurden zwei Mandate verwaist, im Kreise 1 Schleswig-Holstein (Hadersleben- Sondetburg) starb Jessen (Däne); für ihn wurde der Däne Hansen gewühlt. Im Wahl­kreise 10 Sachsen (Döbeln) starb Grünberg (Soz.), der durch Pinkau (Soz.) ersetzt wurde, im Kreise 18 Hannover (Stabe) starb Dt. Satt­ler (nationallib.), ber einen Nachfolger zur Zeit noch nicht gefunden hat. Der Reichstag wird infolgedessen wird am 13. Novemb-r vorausgesetzt, daß bas Stichwahlrefultat für 18. Hannover noch nicht feststeht 396 Mitglieder zählen. Die Parteien werden in folgender Stärke aufmarschieren: Zentrum 103 Sozial­demokraten 78, Konservative 52, Nationallibe­rale 50, Reichspartei 22, Deutsch-Freisinnige Volkspartci 20, Polen 16, Wirtschaftliche Ver­einigung 15, Freisinnige Vereinigung 10. Deutsche Volkspartei 6, Deutsche Reformpartei 6, keiner Fraktion angehörig 17 Mitglieder.

Die beabsichtigte Angliederung des Ober­kommandos der Schutztruppen an das preußische Kriegsministerium ist nach einer Meldung an der runden Weigerung des Kriegsministers ge­scheitert, ein weiteres Departement in sein stark überlastetes Ressort aufzunehmen. Ein Gegen­vorschlag, der anscheinend Aussicht auf Annahme hat, resümiert dahin, daß eine Art von kolo­nialem Kriegsministerium innerhalb des von Reichstag wieder anzufordernden Reichskalo- nialamt geschaffen werden soll. Das Muster fftt diese neue Reichsbehörde würden die Einrich­tungen des preußischen Kriegsministerium bil­den. Mit der Schaffung einer solchen kolo­nialen militärischen Zentralbehörde würde die Gründung eines Kolonialheeres einen erheb­lichen Schritt ihrer Verwirklichung näher kommen.

Petersburg, 30. Ott. Für heute wird .... kaiserlicher Ukas erwartet, der den Altgläubigen und anderen Setten der orthodoxen Kirchen volle Glaubensfreiheit gewühtt.

Petersburg, 29. Ott. In bet Nacht auf ben 28. Oktober, sowie auch gestern fanden sowohl im Zentrum oer Stadt wie auch in entfernten Stadtteilen Haussuchungen statt, wobei ein

sich die Liebe zu erbetteln und zu nehmen, die ihm nicht freiwillig geboten wird. Deine Kälte kühlte auch ihn äußerlich ab; im Herzen mochte er wohl die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, bis zu dem Tage, wo ein Zufall ihn in deinem Tagebuch lesen ließ. Ich weiß nicht, was es gewesen ist, aber ich kann es mir denken: bu hast den Blattern anvertraut, daß bu ben Gra­fen Lanbegg, deinen zukünftigen Gatten nicht liebst und daß bu nur ein Opfer für bie Dei­nigen brachtest. Ist es nicht so, Elisabeth?"

Nora, wer gab bir bie Macht, in anbeten Herzen zu lesen, ihre Geheimnisse zu erforschen?" schluchzte Elisabeth ganz gebrochen auf.

Das war nicht gerade schwer, Kind. Dein reines Gemüt, deine reine Seele kennt noch kein Heucheln und kein Verbergen."

Du ahnst aber nicht, was ich seit jenem Tage gelitten habe, wie Reue und Gram mich ver­zehrten."

Doch, auch das ahne ich. Du wünschtest jetzt, du hättest nie dergleichen geschrieben,_ oder doch wenigstens, daß et es nicht gelesen hätte?"

Ja, Nora, ich muß mich jetzt verachten! Sein Verhalten spricht nicht dafür.

So? Behandelt er mich nicht wie eine Fremde, mit dieser eisigen, unerträglichen Höf­lichkeit?"

Hast bu es anders gewollt?"

Nora, du bist grausam!"

Das Messer bes Arztes ist scharf, aber es will nicht verwunden, sondern heilen."

Es ist zu spät. Keine Reue bringt mtt seine verlorene Liebe zurück."

Du kannst sie zurückerobern, wen« du nut

Vierteljährlicher Bezugspreis- btt der Expedition 2 DL, ORR bet allen Postämtern 2,25 M. (exct. Bestellgeld).

/,Ä InserttonSgebührr die gespaltene Zeüe oder deren Raum 15 Ptz.

Reclamen: die Zeile 80 Via.

ben; bei bet revolutionären Studentenschaft würben sie Unterstützung finden. B«üglich bes morgigen Tages wurde beschlossen, sich i Kundgebungen zu enthalten, um nicht Schergen in die Hand zu arbeiten. Die wesenden Studenten bilden nicht weniger die Hälfte der Gesamtzahl der Studenten Petersburger Universität.

geraubten Eeldsäcken zur Flucht verhalf.

Petersburg, 29. Ott. Nach Meldungen aus verschiedenen Teilen bes Reiches geht bie Re- kruten-Aushebung in vollster Örbnung vor

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