x mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
M 254
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Marburg
Dienstag, 30. Oktober 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Iah. Ang. Koch, Univcrsttäts-Buchbruckerel Marburg, Markt 2t. — Telephon 55.
41. Jahrg.
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Reucße Telegramme.
f Berlin, 27. Okt. In Anwesenheit des Kronprinzen, mehrerer Minister und Staatssekretäre fand heute mittag unter zahlreicher Beteiligung pon Vertretern der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, der Universität, hiesiger und duswärtiger Hochschulen, sowie des Handels und wer Industrie die feierliche Eröffnung der neuen Handelshochschule statt.
! Berlin, 27. Okt. Das Staatsministerium ^irat heute unter dem Vorsitz des Fürsten Bülow <|U einer Sitzung zusammen.
, Köln, 28. Okt. Zur Behebung der Fleischteuerung hat der Vorstand der rheinischen Land- svirtschaftskammer es für angängig erklärt, daß ^wöchentlich 1000 bis 1500 Schweine aus Holland eingeführt werden. Die Kammer hält es aber ,füt nötig, daß die Städte sich der eingeführten Schweine bemächtigen, damit sie nicht in die Hände der Händler fallen.
Posen, 27. Okt. Der „Dziennik" meldet, daß auf Befehl des Kaisers dem Kultusminister täg- jlich telegraphischer Bericht über den Schulstreik ^erstattet werde.
Sonderbnrg, 27. Okt. (Amtliches Wahlergebnis.) Bei der am 23. Oktober stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Hadersleben-Sonderburg wurden insgesamt 16 20) Stimmen abgegeben, davon für Redakteur Hansen in Apenrade (Däne) 10 315 und für Amtsrichter Dr. Hahn in Sonderburg (Freik.) 5115. Hansen ist som gewählt.
Dresden, 27. Okt. Für die gesamte Arbeiterschaft der sächsischen Staatsbahnen sollen 22 Arbeiterausschüsse gebildet werden.
' Bern, 28. Okt. Das nationale Friedens- -urea« erfährt, daß die zweite Haager Friedenskonferenz in der ersten Hälfte des Jahres 1907 stattfinden werde und nicht erst im Jahre 1908.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 28. Okt. Ein Bombenanschlag gegen einen Wagen, der eine große Geldsumme enthielt, wurde gestern in Petersburg verübt. Aus Petersburg wird darüber telegraphiert: Heute vormittag 11% Uhr wurde im Zentrum der Stadt in der Nähe der Wosnesenski-Brücke auf einen geschloffenen Wagen mit Geldsummen der Eouvernementsrentei ein Bombenattentat äusgeführt. Es wurden mehrere Bomben geschleudert, selbst auf weite Entfernung wurden zwei Detonationen 'gehört. Zwei Gendarmen, eine Paffantin und die Pferde wurden verwundet, in mehreren Häusern die Scheiben zertrümmert. Die den Wagen begleitenden Gendarmen gaben einige Salven ab. Der Uebeltäter wurde von Gendarmen verfolgt, doch entkam et;
•56 (Nachdruck verboten.)
Zwei Frauen.
Roman von E. Borchart.
(Fortsetzung.)
.^.Zdschdem ich noch ein Jahr bei der Viardot in Paris studiert hatte, trat ich öffentlich auf, Und zwar mit solchem Erfolge, daß mein Ruf sich schnell verbreitete. So kam ich an die Oper nach Berlin und lernte dich kennen und lieben, Elisabeth. In dir hoffte ich mein zweites Ich, eine wahre, echte Künstlerin zu erziehen, doch es sollte ganz anders kommen, wunderbar sollten sich unsere Schicksale verketten.
Mein Ruhm, meine Lorbeeren, die ich auch in Berlin reichlich erntete, befriedigten mich nicht sonderlich. Eine stete Unruhe und Unrast war in mir. Ich fühlte mich nicht glücklich, die ^Vergangenheit lastete wie ein schwerer Druck auf mir, und daß ich noch immer nichts von dem weiteren Geschick Dorns wußte, machte mich krank vor Sehnsucht. Ich hatte alles aufgeboten, um seinen Aufenthalt auszukundschaften, und meine Reise nach Amerika war auch nur ein Suchen und Forschen nach dem Geliebten. Hoffnungsärmer denn je kehrte ich zurück. Der Gedanke, ihn als einen Toten beweinen zu müffen, den schönen stolzen, und so heißgeliebten Mann, Elisabeth, der martert, der quält mich--"
Wie Schluchzen ging es durch ihre Stimme, «nd tief aufseufzend hielt sie inne.---—Da
konnte Elisabeth sich nicht mehr halten. Schon längst hatte sie eine Entdeckung gemacht; wie eine Erleuchtung war es über sie gekommen. Vergeffen ist das eigne Leid, und in ihrenAugen leuchtete es froh. Sie haschte nach Noras Hand und drückte sie:
„Nora, Geliebte, er ist nicht tot, er lebt!"
„Wer lebt?" Nora erwacht aus ihrem Sinnen und steht Elisabeth verständnislos an.
^laus Roden "
einer der Helfershelfer aber wurde erschoffen, ein zweiter verwundet und gefangen. Das Haus, aus dem vermutlich die Bombe geworfen wurde, wurde von Militär umstellt. Der Wagen ist unbeschädigt.
Petersburg, 28. Okt. Aus der amtlichen Darstellung über den gestrigen Bombenanschlag geht hervor, daß derjenige Uebeltäter, der festgenommen wurde, ein junger Mann ist, der in Studentenuniform gekleidet war. Er raubte, als er sich mit seinen Eenoffen sofort nach der Explosion auf den Wagen stürzte, eine Geldtasche mit Wertpapieren und flüchtete gleich den anderen Räubern. Als er sich verfolgt sah, schleuderte er eine Bombe, durch deren Explosion er selbst verwundet wurde und warf dann, als ihm die Polizei dicht auf den Fersen war, die Tasche, die alsbald aufgefunden wurde, weg. Außer ihm wurden noch vier Personen festgenommen. Bei dem Vorfälle wurden, wie gemeldet, zwei Verbrecher getötet. Eine Frau wurde schwer verwundet; zwei Gendarmen wurden leicht durch Bombensplitter, ein dritter ebenfalls leicht durch einen Schuß verletzt. Auch ein Franzose, dessen Persönlichkeit nicht festgestellt wurde, ein Zollbeamter und ein Hausdiener wurden leicht verwundet. Unweit vom Tatorte wurde eine nicht explodierte Bombe aufgefunden, die jetzt untersucht wird.
Petersburg, 28. Okt. Im Auslande verbreitete Gerüchte von einem Attentat auf den Kaiser beruhen auf Erfindung; wahrscheinlich verdanken sie ihre Entstehung der Nachricht von dem Bombenanschlag an der Wosnesenkibrücke.
Petersburg, 27. Okt. Die sozialistischen Parteien sahen von Streiks und Demonstrationen am 30. Oktober ab; sie beabsichtigen, wo möglich, die Veranstaltung von Meetings.
Die Arbeitsgruppe beschloß auf ihrem Kongreß, mit den anderen sozialistischen Parteien zusammenzuwirken. Die Sozialdemokraten übernehmen nicht die Initiative in der Frage der Rekrutenverweigerung.
Wegen aktiver Beteiligung an der Verbreitung des Wiborger Ausrufs wurden neun Abgeordnete vor Gericht gestellt.
Im Gouvernement Kasan brachen infolge des Notstandes ernste Vauernunruhen aus, die sich auszubreiten drohen.
Kaulbars berichtet aus Odessa, daß im Süden vielfach politische Ausstände in der Eisen- bahnwerkstätten ausbrachen.
Die Hauptpostdirektion erfährt, daß der Posttelegraphenverband mit einem weit ausgebrei- teteren Wirkungskreis als früher tätig zu sein beginnt.
Da das Zentrum des Reichstags sich gegen eine Aendsrung des Wahlgesetzes aussprach, mit dem Stolypin positiv rechnete, erfährt die
„Klaus Roden?" schreit Nora jetzt auf, Elisabeths Arm mit beiden Händen umklammernd. „Du weißt? — du kennst ihn? — Du hast ihn gesehen? Rede, Elisabeth, spanne mich nicht auf die Folter."
In ihren Augen blitzt und flammt es vor Erregung. So hat Elisabeth die Ruhige, Maßvolle noch nie gesehen, aber jetzt versteht sie es nur zu gut, und sie beeilt sich, ihr von ihrer Begegnung mit Klaus Roden zu erzählen. Noras Blicke hängen an ihren Lippen, als möchten sie die Worte ablesen, noch ehe sie gesprochen sind.
Elisabeth spricht von Klaus Roden, von seinem Vertrauen zu ihr, und wie sie bei Noras Erzählung, obgleich diese den Namen geändert hatte, die Wahrheit erraten habe.
„Nun erst begreife ich, warum er gerade mir sein Vertrauen geschenkt hat," schließt sie ihren Bericht; „nun weiß ich erst, wo ich sein Bild schon einmal gesehen hatte, und daß er mir deshalb wie ein alter, lieber Bekannter vorkam. Auf deinem Schreibtisch in Berlin sah ich das Bild stehen, am letzten Tage, den wir dort zusammen verlebten."
„Und warum meinst du, daß er gerade dir Vertrauen schenkte?" fragt Nora 'bebend dazwischen.
„Einmal, weil ich eine Gräfin Landegg bin. Mit Hatz- und Rachegedanken war er hergekommen, wie er mir sagte. Er wollte sich an Herbert rächen für das, was dieser ihm unabsichtlich zu- gefügt hatte; wie und auf welche Weise, verriet er mir nicht. Ich sollt« nur urteilen, ob sein Hatz gerecht sei, und so satz ich, ohne daß ich es ahnte, über meinen eigenen Gatten zu Gericht."
„Und wie lautete dein Urteil?"
„Die Rache ist mein, spricht der Herr —" erwiderte ich ihm. Sie rönnen den Freund nicht für ein Verhängnis verantwortlich machen, das ju lenken nicht in seiner Macht laa. Der Äbein
Strana", daß die Stellung des Premierministers zum ersten Mal erschüttert sei.
Charkow, 27. Ott. Zur Erinnerung an die Ereigniffe des vorigen Jahres traten die Arbeiter einiger Fabriken in einen eintägigen Ausstand. Sie versuchten heute früh, den Stra- tzenbahnverkehr zu verhindern und Schlietzung der Läden zu erzwingen. Der Friedhof, auf welchem die Opfer der vorjährigen Unruhen beerdigt sind, wurde von der Polizei und von Militär besetzt, um Kundgebungen zu verhi:- dern. Im allgemeinen ist die Stadt ruhig. In den Straßen herrscht der gewöhnliche Verkehr.
Odessa, 28. Ott. Der Eeneralgouverneur hat mit Rücksicht auf die bevorstehende Rekrutierung proklamiert, daß die Verbreitung des Wyborger Aufrufs unter den Rekruten mit dem Tode bestraft werden soll. Die Rekruten weroen bis zur Entsendung in ihren Truppenteil festgehalt n.
Petersburg, 27. Okt. Zu dem Ueberfall, der mittags bei der Wosnesinski-Brücke gegen den staatlichen Geldtransport ausgeführt wurde, wird noch gemeldet, daß die ganze Summe, um die es sich dabei handelte, 600 000 Rubel betrug, und daß es den Räubern gelungen fei, drei Pakete mit 386 000 Rubeln mit Hilfe einer Frauensperson, der die Pakete zugesteckt wurden, beiseite zu bringen. Auch die Zahl der durch Bomben oder Schüffe getöteten oder verwundeten Personen sei größer als zuerst gemeldet.
Petersburg, 28. Okt. Das Marineministerium beabsichtigt in nächster Zeit den Bau von zwei Panzerschiffen von über 20 000 Tonnen. Der Marineminister beantragte dazu die erforderlichen Kredite im Ministerrat. Der Bau der Schiffe soll von einer russischen Werft ausge- führt und der Kredit soll auf vier Jahre verteilt werden. Der Finanzminister und der Reichskontrolleur erklärten sich bereit, den Kredit zu bewilligen.
Das Ende der Kövenicker Tragi- Komödie.
Ueber das Verhör des falschen Hauptmanns ist noch verschiedenes Interessante nachzutragen: Er scheint sich in der Rolle, die er gespielt hat, so sehr zu gefallen, daß es ihm auf einige Ueber- treibungen und falsche Schilderungen nicht anzukommen scheint. Mit seiner Köpenicker Heldentat ist er sehr zufrieden. Er nimmt für sich in Anspruch, „seine Leute" (damit meinte er die aufgebotenen Soldaten) und auch die Köpenicker gut behandelt zu haben. Er rechnete, wie er sagte, mit der Lage seiner Leute. Diese hatten Wachdienst gehabt und mußten daher etwas aufgemuntert werden. Der eine oder der andere mußte wohl schon einen Schnaps getrunken haben. Um jedoch alle in die sogenannte „kleine Königsstimmung" zu versetzen, wandte er auf
war gegen Sie, und seine Eifersucht war erregt worden."
„So glaubte er auch an Beates Schuld?"
„Ja, aber er nannte weder sie noch Herbert. Ach, hätte ich doch schon damals den Zusammenhang geahnt! Wie danke ich dir, Nora, daß mir durch dich nun Aufklärung wird. Wie viel bester verstehe ich jetzt meinen Gatten."
„Und Rodens anderer Grund?" forschte Nora ungestüm weiter.
„Meine Bekanntschaft mit dir. Ich hatte seiner Bitte, ihm etwas vorzusingen, nachgegeben, und darauf fragte er mich begeistert, wer mich so singen gelehrt habe. Ich erzählte ihm instinktiv alles von dir, was ich wußte, und er konnte nicht müde werden, von dir zu hören. Ich wußte ja nicht, daß du identisch bist, mit der, die er heiß unv innig liebte."
„Was — sagte er von dieser?" Nora schloß die Augen und bedeckte sie mit der Hand. Ihr war es, als sollte sie jetzt ihr Todesurteil vernehmen.
„Von dieser?" fragte Elisabeth zurück, und die alte Liebe zu Nora strahlte aus ihren Augen. „Er sagte mir von dieser Dame alles das, was jeder in ihrer Nähe bei dem Anblick ihrer Schönheit und Hoheit empfinden kann und muß."
„Elisabeth — er — liebt mich?" entrang es sich schwer und zagend Noras Lippen.
„Mit der ganzen Glut des Künstlers und mit unwandelbarer Treue."
„Ah!" Ein Ton nur war es, aber er wirkte aus dieser Brust überwälttgend. Elisabeth schwieg sekundenlang, ehe sie fortfuhr:
„Warum ist er aber nicht gekommen, als er erfuhr, daß ich frei war? Warum ließ er mich vor Sehnsucht vergehen?"
„Er wußte nicht, ob er deiner Gegenliebe stcher war, und dann wollte er dich nicht an sein Unglück ketten."
„Sein Unglück? Ist sein Unglück nicht das meine? Habe ich es nicht Verschuldet? ■—
dem Bahnhof Köpenick noch zwei Mark an. Dar Esten und den Kaffee bezahlte er gern, weil ihm die Leute so leid taten. Die Gewehre ließ ei zusammenstellen, weil sich das so gehörte. Hättt er die Leute, so sagte er, weiter mit der Wafft kneipen lasten, so hätte das jedem Offizier, bei etwa gekommen wäre, und auch jedem, der nut gedient hat, auffallen müssen. Nun aber war alles in Ordnung, kein Mann habe sich über ihn als Kommandeur beschweren können. Auch die Herren von Köpenick müßten, wenn sie gerecht sein wollten, zugeben, daß er sich wie ein Eentlemann benommen habe. Er selbst aber habe sich über einiges zu beschweren. Vor allem meinte der „Hauptmann" hiermit die Geschichte, daß er dem Bürgermeister den Nachmittagskaffee ausgetrunken hätte. Hätte er diese Dummheit gemacht, so müßte man ihn doch sofort als Schwindler erkannt haben.
Als Hauptmann müsse er doch gar kein« schlechte Figur gemacht haben, denn es feien ihm auf seinem Wege Offiziere genug begegnet, und alle hätten gegrüßt und sich gar nicht erstaunt gezeigt über seine Figur. Die Offiziere hätten ihn wohl wegen seines Alters meist zuerst gegrüßt. Von einigen sei er . allerdings mit erstaunten Blicken gemustett worden. In der Bahn habe ein echter Hauptmann, nachdem er ihn salutiert, ihm gegenüber Platz genommen und zu ihm, als ein eigenartig gekleideter Herr vorübergegangen sei, gesagt: „Komischer Kerl". Natürlich hätte er sogleich erwidert: jawohl, Herr Kamerad".
. Als ihm die Aussagen der Grenadiere vorgehalten wurden, wonach er sie nach dem neuen Exerzierreglement kommandiert habe, bestritt er dies mit dem Hinweis, daß seine nach der Entlastung aus dem Zuchthaus ausgeführten Studien ihn doch nicht so genau mit allen Einzelheiten vertraut gemacht hätten. Er habe z. B. vor der Wache nur im scharfen Kommandoton befohlen: „Folgen Sie mir!" Das übrige sei von ihm dem Gefreiten überlasten worden. Aus Auseinandersetzungen habe et sich in Köpenick mit niemandem eingelassen, dann wate er nirgends zum Ziele gekommen. Die Mütze habe er so getragen, wie sie ihm der Verkäufer geliefert habe. Auf die Kokarde habe er gar nicht geachtet. In den letzten 15 Jahren, die et im Zuchthaus gesessen habe, seien ja manche Aende- rungen an den Uniformen eingeführt worden. Seit seiner Entlastung habe er aber Zeit und Gelegenheit genug gehabt, sich alles anzusehen, um nicht in den für seinen Plan wichtigsten Dingen erst noch fremde Leute fragen zu müssen. Er habe auch oft genug Soldaten und Offiziere beim Dienst beobachtet. Ihre guten Umgangsformen habe er in Konzerten und Theatern studiert, die er zu diesem Zwecke besuchte. Auch die strafrechtlichen Folgen seiner Tat hat sich Voigt vorher wohl überlegt. Er bestreitet, daß es sich um Kaffenraub handele. Es liege nur Diebstahl vor, denn das Geld habe er sich erst angeeignet, nachdem der Rendant fortgeführt worden war. Auch von einer Urkundenfälschung könne keine Rede sein, denn die sogenannte
Aber sage, Elisabeth, ist es so schlimm, wie es geschildert wurde, und trägt er schwer an feinem: Geschick?"
„Jetzt denkt er ruhig und ergeben darüber, aber anfangs sei er dem Wahnsinn nahe ge-, wesen, gestand er mir. Doch es ist entschieden' übertrieben, wenn er sich einen Krüppel nennt. Man merkt sein Leiden hur beim Gehen, wobei er das linke Bein etwas nachschleppt."
„Du sagst, er besäße ein kleines Gut und sei Landwirt geworden?"
„Ja — ich weiß den Namen nicht, doch wenn Boyneburgs zurückkommen, werde ich ihn erfahren und---dann —“
„Was bann?"
„Laß mich ein wenig Vorsehung spielen; bu brauchst nicht zu fürchten, daß dein Stolz darunter leiden wird."
Nora mußte unwillkürlich lächeln. Wollte doch auch sie Vorsehung bei Elisabeth spielen, und hatte sie über ihrem eigenen Herzeleid und ihrer Herzensfreude fast ihre Aufgabe vergessen.
Jetzt zog sie Elisabeth an sich und küßte sie: „Elisabeth, du weißt nicht, was du mir heute gegeben hast! Mein halbes Leben hast du mir geschenkt, es der Freude, dem Glück erschlossen. Gott segne dich tausendfach dafür! — Aber du hast mich vorher unterbrochen, ich war mit meiner Geschichte noch nicht zu Ende, und ich wollte noch von dir sprechen."
„Von mir?" Ein trüber Schatten flog über Elisabeths bis dahin sonnige Züge. „So sprich?" sagte sie tonlos.
„Ich kehrte für einige Tage nach Steinburg zurück," begann Nora von neuem, „und da mußte es der Zufall treffen, daß ich dich wieder- fand als — Gräfin Landegg. Was ich bei dieser Nachricht empfand, vermag ich nicht zu be-. §;reiben. Ich forschte nut immer in deinen.
Ligen, deinem Wesen: Ist sie glücklich? — War ich sah, befriedigte mich nicht.
jlForffetzung folgt.)