yüt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain.
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»irrttljährlicher Bezugspreis: bet der ExpÄition 2 ML, bei allm Postämlem 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
ZnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Ptz.
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R Marburg
Sonntag, 28. Oktober 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Lug. »och, UmverfitätS-Buchdruckerei 41. Sfat)HL
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ” !
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
s Vom Deutschtum im Auslände.
: Der älteste unserer nationalen Schutzvereine, ser „Allg. Deutsche Schnlverein zur "7Mung ks Deutschtums im Anstande" hat < nie verbanden das Gehör der öffentlichen Meinung mit lauten Worten in Beschlag zu nehmen. Hat jer darüber vielleicht an populärer Weröekraft eingebüßt, so zeugt die rührige und unverdrossene Arbeit eines Merteljahrhunderts um so vernehmlicher und eindringlicher von dem, was ter Verein praktisch an den Ausländsdeutschen petan hat. Gleichsam die Summe seiner Erfahrungen hat er in seinem „Handbuch des Deutschtums im Auslande" vor den Kolksgenossen des Inlandes ausgebreitet. Schon vor zwei Jahren hat er uns zum ersten Mal diese Gabe beschert, jetzt liegt sie in zweiter Gründlich unbearbeiteter und von 260 auf 570 Seiten vermehrter Auflage vor (Berlin 1906, Dietrich Reimer (Ernst Vohsenj 5 -ll). Ein ^unvergleichliches und unschätzbares Buch, einzig #n unserer Literatur. Schon die erste Auflage war eine Tat und forderte Dank und Anerkennung heraus, aber bei dem ungeheuren und wett zersplitterten Material, was zu verarbeiten war, galt von ihr an mehr als einer Stelle ^noch das alte: in magnis voluisse sat est. Was jvir heute erhalten, ist ein ganz neues Werk, Licht mehr eine schnellfertige Komplikation, sondern auf der Grundlage vielfältiger fachmän- niskbcr Mitarbeit sich aufbauend ein« zuver- lässtge ZufainNi'msassung dessen, was wir über den nationalen B-st^stand des deutschen Volkes Äuf dem weiten Erdenrund reiften. Für jedes ■ßnnb gibt das „Handbuch" Auskunft auf die >Frage nach der Herkunft und der Geschichte seines deutschen Bevölkerungsanteils, nach seinem ^zahlenmäßigen Umfang, seinem Schulwesen, seiner Presse, seinem kirchlichen und Verclus- jeben. Uebe.all sind die deutschen Theater verzeichnet, die deutschen Konsulate ausgezählt, für die außereuropäischen Länder ist auch den deutschen Missionen, dem deutschen Handel und Schiffsverkehr ein entsprechender Raum zuge- Messen. Wer sich über die Geschichte der deutschen Besiedlung Böhmens unterrichten will, wer reissen will, wie sich die d-.-sche Einv - nste- runa nach Nordamerika seit Mitte de-; sechs- zehnten Jahrhunderts bis auf unsere Tage voll« zoi wer die Zahl und wirtschaftliche Stellung der Deutschen in Mexiko kennen lernen will, — er wird nicht vergeblich zum „Handbuch des Deutschtums im Auslande" greifen. Was wir bei anders an dem Buchs schätzen, ist, daß es den Rainchenden über seine eigenen Angaben hinaus weift und ihm durch kritisch gesichtete Literaturangaben die Möglichkeit bietet seinen Gewährsmann nicht bloß zu kontrollieren son-
Das Gespenst.
Grne wahre Erzählung aus dem holsteinischen Volksleben von Ferdinand Dieckmann.
(Schluß.)
Endlich, die elfte Stunde war eben vorüber, rüstete man sich zum Aufbruch. Die beiden Männer versahen sich mit einer kleinen Laterne und mit Stricken, und begleitet von dem Gutsbesitzer, brach die kleine Gesellschaft auf.
i Sie mochten ungefähr eine gute Viertelstunde gegangen sein, — das Dorf lag schon weit hinter ihnen, — als man beim Scheine des eben Ausgehenden Mondes etwa 100 Schritte vor sick eine schwarze Masse auftauchen sah. Es war der Meierhof. Langsam wandte man sich auf einem schmalen Wiesenpfad dem kleinen Garten zu, den man durch eine morsche Gartentür betrat. Der hellleuchtende Mond trat soeben hinter eine dunkel aufsteigende Wolkenwand und in der tiefen Finsternis, die jetzt herrschte, sah die Ee- tzend noch unheimlcher aus. Das Wohnhaus, umgeben von einigen niedrigen Wirtschaftsgebäuden, lag jetzt gerade vor ihnen. Es war ein düsteres, einstöckiges, mit Stroh bedecktes Bauernhaus, wie man es noch oft auf dem flachen Lande in Holstein antrifft. Einige alte, vom Sturm zersanste Fichten und Kiefern streckten ihre dürren, langen Aeste in die Luft, die, vom Schnee entblößt, durch ihr dunkles Grün die Umgebung nur noch unheimlicher erscheinen ließen. Hinter dem Gehöft unterschied man deutlich eine große schwarze Fläche, das Teufelsmoor, reo die Nebel allmählich aufstiegen und phantastische Gestalten am Horizonte schufen. Eine tiefe Stille lag über der ganzen Landschaft, von Zeit zu Zeit unterbrochen durch das .heisere Geschrei eines einsamen Nachtvogels.
dern sich auch über die ihn interessierenden Etn- zelfragen anderweitig genauer zu informieren.
Dank dem „Allg. Deutschen Schulverein" für diese Leistung, die ihm und dem geistigen Urheber des Werkes, Prof. A. Brandl, alle Ehre macht. Wie unermüdlich an der weiteren Vertiefung und Ausgestaltung des „Handbuchs" gearbeitet wird, zeigt die Ankündigung, daß man schon jetzt die Vorbereitung der dritten Auflage ins Auge faßt. Wir geben gern die Aufforderung weiter, die der genannte Herausgeber am Schluffe seines Vorwortes an die Oeffentlichkeit richtet ihn und seine Mitarbeiter durch positive Kritik im Interesse der Sache unterstützen und etwaige Mitteilungen an die Kanzlei des Allg. Deutschen Schulvereins (Berlin W 62, Landgrafenstr. 7) richten zu wollen. In der Tat kann das „Handbuch" seine Aufgabe eine umfassende Orientierung über den Umfang der deutschen Kulturroelt" zu geben nur dann ganz erfüllen, wenn seine Aufgaben immer verläßlich sind und dem neuesten Stande der Dinge auf Schritt und Tritt folgen. Hieran mitzuarüeiten ist jeder berufen, der die Brauchbarkeit und Unentbehrlichkeit dieses nationalen Ratgebers selber dankbar verspürt hat. B.
Das Ende der Köpenicker Tragi- Komödie.
Ueber die Festnahme des Kaffenräubers wird uns weiter gemeldet: Mehr als 2000 Anzeigen über verdächtige Personen waren eingelaufen. Die Berliner Kriminalpolizei, die von vornherein vermutete, es sei ein alter Verbrecher, hatte das Signalement besonders in Zuchthäusern verbreiten lassen. Daraufhin meldete sich das
Znchthaus in Rawitsch ' 7
und nannte Voigt, der im Februar dort entlassen war, als in Betracht kommend. Die Polizei besaß jedoch kein Bild von ihm. Voigt hatte Berlin stets gemieden und war erst kürzlich hierherge- kommen. Nach Verbüßung seiner letzten Strafe hatte Voigt in Wismar bei einem Hofschuh- machcrmeister gearbeitet und sich dort, trotz der Polizeiaufsicht eine Art Vertrauensstellung erworben, da er ein sehr geschickter Arbeiter war. Aber die mecklenburgische Landesverwaltung wies ihn aus, und so kam er im Juli d. I. nach Rixdorf, reo seine verheiratete Schwester, eine Frau Menz, Kopfstraße 27 eine kleine Seifenhandlung besitzt. Mit seiner Schwester ließ er sich einmal photographieren. Ein Bild sandte er
„in dankbarer Erinnerung"
seinem früheren Arbeitgeber in Wismar. Auf diesem Wege erhielt es auch die Kriminalpolizei, die es den Hauptzeugen vorlegte. Alle erkannten sofort den Räuberhauptmann. Er trug auf dem Bilds noch Vollbart und den Anzug, in welchem er in Potsdam seine Einkäufe gemacht hatte. Nun wurde die Kopfstraße von Beamten Tag und Nacht unauffällig beobachtet, besonders das
Vorsichtig hatte man einige verwahrloste Wege des Gartens durchschritten, der mit wildem Gebüsch über und über bedeckt war, als der Führer, wenige Schritte vom Hause entfernt, plötzlich vor einem alten Gemäuer anhielt, das mit einer schweren Eisentür verschlossen war. Rasch räumten die derben Fäuste der Männer den Schutt vor derselben fort und nun schob der Gutsbesitzer einen vorher verborgenen Riegel zur Seite, der nach einigem Widerstreben nachgab. Kreischend drehte sich die alte Tür in den Angeln, aber nichts regte sich, als ein kleines Käuzchen, das erschreckt davonflog und von einem nahegelegenen Baume seine unheimlich gellenden Schreie durch die Nacht hallen ließ. Ein paar mit Moos bewachsene Stufen führten hinab in einen kleinen Keller. In besseren Zeiten mochte er wohl als Aufbewahrungsort für Milch und dergleichen gedient haben, aber jetzt huschten nur einige Ratten durch den sonst vollständig leeren Raum. Lautlos stiegen sie hinab. Anfangs schien es, als ob der Keller ohne Ausgang wäre, aber beim Scheine der angezündeten Blendlaterne bemerkte man in einer Ecke eine schmalen Gang, eben breit genug, um einen Menschen hindurch zu lassen. Durch ihn gelangten sie bald in einen etwas größeren Raum, der mit allerhand Wintervorräten angefüllt war, und, wie der Führer erklärte, der Keller des Wohnhauses war. An seiner Seite befanden sich einige ausgetretene Steinstufen, die sie hinaufstiegen, bis sie vor einer dünnen Holztüre an- kamen. Diese öffnete der Gutsbesitzer und nun stand man mit wenigen Schritten auf der großen Diele des Hauses. Vorsichtig weiter weiter tastend, fühlten sie bald zur Rechten eine kleine Tür, durch welche sie in eine mit attyn Gerümpel gefüllte Kammer traten. Bis hierhin waren sie nun glücklich und von Niemandem -»merkt
Haus Nr. 27 und das Nachbarhaus Nr. 26, in welchem die Braut Voigts, eine Arbeiterin Riemer, wohnte. Heute früh hatten die Beamten schon um 4 Ahr die Häuser besetzt und betraten sie, sobald das Gesetz ihnen das Betreten erlaubte. Sie sanden aber den Räuber nicht. Voigt war seit 14 Tagen nach Berlin verzogen, reo er in einem Hause der Langenstraße im vierten Stock als Schlafbursche wohnte. Mehr wußten die Eheleute Menz nicht auszusagen. Auch seine Braut Riemer, die in einer Mesfingfabrik arbeitete, wußte nicht mehr. Die Beamten fuhren nun in einem Automobil nach Berlin, um die Wohnung Voigts zu suchen. Gemeldet war er nicht. Schließlich aber fanden sie ihn int Hause Nr. 22, reo er bei den Eheleuten Karpeles in Schlafstelle wohnte. Voigt war beim Morgenkaffee. Er wußte gleich, um was es sich handelte, und bat nut, seinen Kaffee zu Ende trinken zu dürfen. Das erlaubte man ihm. Nach dem Frühstück legte er ein
Geständnis "
ab. Bei seiner Durchsuchung fand man 2000 Mk. und den zerrissenen 50-Markschein. Gleich nach der Verhaftung des falschen Hauptmannes wurden Bürgermeister Dr. Langerhans und der Rendant v. Wiltberg aus Köpenick auf das Polizeipräsidium berufen, um dem Verhafteten gegenübergestellt zu werden. Die „B. Z. a. M." hat einen Mitarbeiter zu der Schwester des Voigt aesandt. Frau Menz wird von den Nachbarn und der ganzen Umreohnerschaft als eine sehr anständige Frau geschildert, die von den Straftaten ihres Bruders überhaupt nichts gewußt haben will. Auf die Mitteilung des Reporters, daß Voigt der Räuberhauptmann von Köpenick sei, gab Frau Menz lachend zur Antwort: „Der, der war ja überhaupt nie beim Militär." (!!) Auch die Braut des Hauptmanns soll eine durchaus anständige Verson sein, eine Frau Riemer, die etwa 40—50 Jahrs alt ist, und die von den Nachbarn als fleißige Person bezeichnet wird. Auch die Anwohner der Kovlstraße haben nach den Bekundungen desselben Reporters nicht glauben wollen, daß der gesuchte Kasscnräuber sei Zweifelnd batten die Leute die Köpfe geschüttelt und erklärt: Re wat der, der olle,
ruhige bescheidene Mann
der soll et sinn? Set is junz ausjeschloften." Voigt erklärte bei seiner Vernehmung, nach seinen Grundsätzen brächte er es nicht über sich, einer Privatperson auch nur einen Pfennig wegzunehmen, und auf die Frage, wie er dazu gekommen sei, die Köpenicker Stadtkaffe zu berauben, antwortete et, wie eine Lokalkorrespondenz berichtet, folgendes: Er habe die Absicht gehabt, in Wismar redlich weiterzuarbeiten und dann vielleicht einmal in Bernau ein Zweiggeschäft des Wismarer Hoflieferanten einzurichten. Durch diese Rechnung habe ihm die Mecklenburger Lan-
gelangt und von hier wollten sie das Erscheinen des Gespenstes abwarten, das ja, wie gewöhnlich, von dem oberen Teil des Hauses die an der Kammertür vorbeiführende Treppe seinen Weg ins Freie nahm. — „
Es mochte mittlermeile %12 Uhr geworden sein und abwartend ließen sie sich auf den umherliegenden Sachen nieder. Minute auf Minute verrann. Nichts regte sich; nur hin und wieder wurde das Nagen der Ratten und Mäuse und das schauerlich einförmige Schlagen einer Toten- uhr hörbar. In dieser Einsamkeit dehnten sich die Minuten zu Stunden aus, und in höchster Spannung wartete man auf das, was kommen sollte. Sie waren gewiß alle drei beherzte Männer, aber in diesen Minuten wünschten sie sich doch lieber meilenweit entfernt, als an diesem unheimlichen Orte. —
Fliehet! Fliehet! Ihr guten Geister dieses Hauses, Ihr kleinen Kobolde, die Ihr ruht unter dem alten Hausrat und die Ihr sitzet in den Ecken und Winkeln dieses Hauses, die Ihr bei Nachtzeit geheimnisvoll huscht von Stube zu Stube, von Kammer zu Kammer; ja, die Ihr teilnehmet an dem Gedeihen dieses Hauses, bte Ihr Euch betrübet in schweren Zeiten und Euch mitfreuet in ben guten: Eilet! Eilet! zurückzu- kehren in Eure Schlupfwinkel, denn der Böse treibt sein Spiel. Die verwunschene Stunde der Mitternacht ist nahe und alles weicht erschrocken zurück, um ihm, dem Beherrscher des Bösen nicht auf seinem Wege, zu begegnen. Denn verloren ist jeder, der ihm in der Geisterstunde naht. Und stille wurde es in dem großen, alten Hause, bis die Mitternachtstunde vorüber ist, und der Böse wieder hinabsteigt in das Reich der Verdammten, aus das Menschenruhe und Menschenrechte durch fein finsteres Treiben nicht mehr gestört werden mögen, —,
desverwaltung durch seine Au.. ..,,arg einen Strich gemacht. Er sei nur mit der Absicht nach Berlin gekommen, um mit Unterstützung seiner Verwandten und unter Anlehnung an sie einen neuen Lebenserwerb zu suchen. Es sei ihm aber nicht gelungen, festen Fuß zu fassen, da habe er den alten Plan, sich auf andere Weise Geld zu verschaffen, wieder ausgenommen. Daß eine große Sache mit Soldaten am leichtesten zu machen sei, daran habe er nie gezweifelt. Mit einer Uniform ausgerüstet und auf die militärische Macht gestützt, hätte er es auch noch mit ganz anderen Leuten als mit dem Oberbürgermeister von Köpenick und > Kaffenrendanten ausgenommen. Im übrige.', habe er Köpenick nie vorher in seinem Leden ge- sehen.
Belustigende Szenen
spielten sich im Polizeipräsidium bei der Ankunft des Verhafteten ab. Die Beamten kamen zunächst aus dem Lachen gar nicht heraus. Sie konnten es sich nicht erklären, wie eine solche wahre Jammergestalt die Köpenicker Bürger und vor allem deren Obersten so düpiere» konnte. Und in der Tat, wenn man das in den Zeitungen veröffentlichte Bild sieht, kann man das Lachen verstehen und lacht selbst herzlich mit Der Gauner hat ein verwittertes Gesicht mit einer Hautfarbe, die darauf schließen läßt, daß er mit Wasser selten, oder nie, wenigstens nicht freiwillig, in Berührung gekommen ist. Geradezu verunstaltet find die klobigen Hände (die sog. feinen, zarten Hände, wie es in Berichten vor seiner Verhaftung hieß.) Der Kopf weist von der Stirn bis zum Hinterkopf eine einzige Platte auf, die nur mit einem spärlichen Haarkranz umgeben ist. Die Nase macht den Eindruck, als ob ihr aus der rechten Seite ein Stück fehle. Die Nasenlöcher sind stark hochgezogen. Soviel stebt fest, auf das Signalement hin wäre der Schuhmacher Voigt niemals abgefaßt worden. „Ich hätte in der Stadtbahn ihm gegenüber sitzen können und würde ihn nicht erkannt haben", so er- fiätte ein bekannter Kriminalist. Bei seiner ersten Vernehmung wollte der Gauner nicht so recht mit der Sprache heraus. Da hals die he» benswürdige Polizei etwas dadurch nach, daß
sie ihm „ , ,
eine halbe Flasche Portwein
spendierte, um so seine Lebensgeister zu wecken. Nun wurde er redselig. Er erklärte dem Kom- missar Wehn, daß man dem Bürgermeister Dr. Langerhans doch Unrecht tue. Wär er (Kommissar Wehn) ihm im Köpenicker Rathaus ent» aeaengetreren, würde er genau so mit ihm verfahren haben. Auf irgend eine Auseinander- Lng hätte er sich mit ihm keinesfalls emge- lassen, sondern gegebenenfalls „seine Soldaten aufgefordert, von der Waffe Gebrauch zu machen. Auf die Frage, warum er gerade als Hauptmann aufgetreten sei, da es doch Hauptleute in einem Alter von 60 Jahren gar nicht gäbe, erklärte er selbstzufrieden: „Daran habe ich auch gedacht.
Da holte langsam und bedächtig die alle Standuhr des Hauses aus, um mit dumpfem Schlage die Geisterstunde zu verkünden. Droh, nend verklang der letzte Ton, und mit au.s höchste gespannten Sinnen lauschten alle drei tn bic Stille der Nacht hinaus. Und plötzlich begao sich das Furchtbare. Ein Windstoß faustedurch- Haus und ein entsetzlicher Schrei ertönte wc.. bin vernehmbar. Gleich darauf horten st« über sich schwere, mühsame Schritte und das Klirr-.n von Ketten, die langsam auf dem Boden nackqe- schleift wurden. Oben an der Treppe machten die Schritte Halt und wieder ertönte ern lang- 'änbaltendes Stöhnen und ein gräulicher Schrei. Mit einem Male stiegen die Schritte die Stu;en der Treppe hinab. Sie kamen naher und naher, noch ein paar Stufen und das Gespenst war un-, ten angelangt und befand sich gerade vor bet Kammertür. — . ,
Manches hatten bie drei Manner tn bet Kammer schon miterlebt, aber jetzt standen sie s'iy doch wortlos gegenüber, bleich wie Tote und an allen Gliedern zitternd. Aber jetzt oder nie' war der Augenblick gekommen, die Geheimnisse des Hauses aufzudecken. Und seinen ganzen Mut zusammenfassend, sprang der Gutsbesitzer, seinen Stock als Waffe in der einen Hand, bje Laterne in der anderen, vor und stieß die Tür' auf. Jedoch, waren sie schon vorher wankend geworden, bei dem Anblick beften, was sich ihrem' Auge jetzt bot, sanken sie wie erstarrt zurück: Eine hohe, bürre Gestalt, nur in weiße Erab- tücher gehüllt, staub vor ihnen, ein lotentopf ohne Haut unb Fleisch starrte sie mit blühenden Augen an. „Der Satan! Der leibhaftige Tod!", war alles, was der Gutsbesitzer hervorstoßen konnte, dann sank er erschöpft in bie Arme de» hinter ihm Stehenden zurück.
In diesem entscheidenden Augenblicke sprangj