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Marburg

Sonnabend, 27. Oktober 1906.

^Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei 41* Marburg, Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg rrnd Kirchhain.

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AeueAe Telegramme.

Berlin, 25. Ott. Landesökonomierat Ring lst heute Vormittag 6 Uhr am Herzschlag gestor­ben. (Ring war ein eifriger Vertreter agrari­scher Interessen und der Gründer der Zentrale für Viehverwertung, ebenso der Berliner Milch- ventrale. Bis 1901 war Ring auch Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.)

Berlin, 25. Okt. Eine von Beamten stark be- !uchte Versammlung beschloß gestern, dem links- iberalen Kandidaten für dieNeuwahl im 3. Ber- iner Landtagswahlkreise, Reichstagsabgeordne- en Dr. Müller-Sagan, die Stimme zu versagen, jweil er in einer Wählerversammlung abgelehnt schabe, einzelnen Veamtenkategorien bindende Er­klärungen über seine Tätigkeit im Abgeordneten- Muse zu geben. Die Beamtenschaft wird auf- mefordert, für den konservativen Kandidaten Ulrich einzutreten. (Daß vom Freisinn nichts M erwarten ist, kann doch eigentlich niemand smehr zweifelhaft sein).

' Berlin, 25. Okt. In der heutigen Sitzung des Mundesrats wurde die Vorlage betreffend ein zweites Zusatzübereinkommen zu dem internatio­nalen llebereinkommen über den Eisenbahn­frachtverkehr vom 14. Oktober 1890 den zustän­digen Ausschüssen überwiesen. Dem Ausschußan­trag betreffend das Abkommen über die Ein­führung einer Zigarettensteuergemeinschaft zwi­schen dem Deutschen Reiche und dem Troßherzog- tum Luxemburg wurde zugestimmt.

Colmar i. Els., 25. Okt. Der Kaiser versetzte den Bezirkspräsidenten Prinzen Alexander von Hohenlohe auf seinen Antrag einstweilen in den Ruhestand.

Paris, 26. Ott. Präsident Fallieres empfing gestern Nachmittag sämtliche Minister mit einer sehr herzlichen Ansprache. Fallieres unterzeich­nete die Ernennungsdekrete. Nach dem Empfang im Elys^e hielt Clemenceau einen Kabinettsrat ab zur Fortsetzung der Besprechung des Pro­gramms. Briand hielt einen langen Vortrag f6ber die zur Durchführung der Trennung von »Staat und Kirche notwendigen Maßregeln. Der Kabinettsrat stimmte ohne Vorbehalt dem Pro­gramm Vriands zu. Finanzminister Caillaux Md der Marineminister Thomson haben sich ge­einigt, entgegen den Beschlüssen der Budgetkom- mission auf den Neubau von sechs Panzerschiffen »im Jahre 1907 zu bestehen. Die Minister setzen -ihre Beratungen morgen fort.

1 London, 25. Okt.Daily Ehronicle" meldet aus Newyork, daß dem Staate Pennsylvania ein großer politischer Skandal drohe. Nach der Mel­dung gab der Schatzmeister des Staates öffentlich bekannt, daß bei der Rechnungsprüfung seines Departements ein Fehlbetrag von sechs Millio- men Dollars festgestellt wurde. Der Betrag müsse 'in die Taschen einiger republikanischer Politiker

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Zwei Frauen.

Roman von E. Borchart.

(Fortsetzung.)

Da zogen die ersten Wolken an unserem Horizonte auf. Sie kamen von Landegg her mit dem Besuch Beates. Meine Schwiegereltern wollten, daß Beate, die außer der Penfionszeit nte von Hause fortgekommen war, sich einige Wochen bei uns in München amüsieren sollte Beate war mir nie sonderlich sympathisch ge­wesen: ihr hochmütig kaltes Wesen hatte mich stets zurückgestoßen, auch war sie beinahe acht ^ahre älter als ich, und unsere Interessen wa­ren stets weit auseinander gegangen. Jetzt war schon siebenundzwanzig Jahre, also zwei Jahre alter als Herbert und Dorn, und beinahe verblüht das heißt, ich habe überhaupt nie gefunden daß sie jung ausgesehen hätte. Trotz- dem hatte sich manch einer um die reiche Kom­tesse Landegg beworben. Sie waren alle kalt und in dem Glauben, man habe es nur auf ihren Reichtum abgesehen, abgewiesen worden So war Beate unoermählt geblieben und ging auf rn ihren wirtschaftlichen Pflichten; sie war da­mals schon eine mächtige Stütze für ihre Eltern.

Wir nahmen Beate freundlich auf und such­ten ihr alles Mögliche zu bieten. Es war natür­lich, daß sie auch Dorn kennen lernte, in unserem Hause sowohl, als in der Oper, und was ich ihrer kalten Natur nie zugetraut hätte: sie zeigte sich gerade begeistert für ihn und brachte ihm ein Interesse entgegen, das über eine ge­wöhnliche Hochachtung vor der Kunst hinaus- ging und fast einen persönlichen Charatter trug.

Dorn begegnete der Schwester seines Freun­des höflich und artig. Er war so an Frauen- Hunst gewöhnt, daß ihn Beates Entgegenkom­men nicht sonderlich berührte. Anderseits war et jtfjer auch sehr verwöhnt, und wenn etwas

von Pennsylvanien geflossen sein. Der Schatz­meister erklärte, er kenne die in Betracht kom­menden Persönlichkeiten und werde die gesetz­lichen Schritte tun, um sie zur Wiederheraus­gabe des Geldes zu veranlassen.

Rewyork, 25. Okt. Der japanische Botschafter erhob Vorstellungen, weil die Kinder von Ja­panern von den Schulen der Weißen in Ealifor- nien ausgeschlossen und den Chinesen-Schulen überwiesen wurden. Der Staatssekretär wird deshalb bei der Lokalschulbehörde anfragen.

Wafhington, 25. Okt. Außer einem kurzen Brief des amerikanischen Botschafters in Totto mit Zeitungsausschnitten, aus welchem hervor­geht, daß im japanischen Volke Mißstimmung über die antijapanische Agitation unter den Ar­beitern Kaliforniens herrscht, besitzt das Staats­departement keine Bestätigung von dem Vor­handensein einer solchen Stimmung. Man macht hier kein Hehl daraus, daß die Regierung den ernsten Wunsch hat, sich die Freundschaft Japans zu erhalten. Es soll das Aeußerste geschehen, Japan dies wissen zu lassen.

Die radikale Frauenbewegung.

K. Vor kurzem erregte es in weiten Kreisen peinliches Aufsehen, daß der Bund deutscher Frauenvereine auf seiner Tagung in Nürnberg in einer Resolution denjenigen russischen Frauen, diean dem gewaltigen Ringen ihres Volkes um persönliche und bürgerliche Freiheiten so helden­haft teilnahmen," seinehohe Bewunderung" ausdrückte. Aus dem Wortlaute der Entschlie­ßung ging zwar nicht mit unzweifelhafter Klar­heit hervor, welchen russischen Frauen nun eigentlich diese Bewunderung gezollt wurde. Man merkte aber so viel, daß die rühmende An­erkennung des Bundes deutscher Frauenvereine denjenigen russischen Frauen gelten sollte, die persönlich und mit der Tat an den revolutio­nären Ereignissen teilgenommen hatten. Der Bund deutscher Frauenvereine hatte sich also eine Huldigung für die Gewalttaten der weiblichen russischen Revolutionäre geleistet, und sich dadurch, vielleicht unbewußt, auf den Boden der Revolution gestellt. Die Annahme der Entschließung fand in der bürgerlichen Presse verschiedene Beurteilung. Während man auf der einen Seite nur von einer bedauerlichen Entgleisung sprechen wollte, sah man auf der an­dern Seite diese Auffassung dürste die stär­kere Berechtigung in sich tragen in der An­nahme der Resolution lediglich ein neues Zei­chen dafür, daß der Bund deutscher Frauenver­eine auf dem Wege des Radikalismus immer weiter schreitet.

In diesen Tagen haben nun die radikalen Frauen wiederum von sich reden gemacht. Eine Versammlung desVereins Frauenwohl" hat

ober jemand seine Pläne durchkreuzte, konnte er rücksichtslos offen und schroff fein. So kompli­mentierte erBeate einfach hinaus aus demMusik- zimmer, wenn die Zeit meines Unterrichts, die er gewissenhaft innehtelt, gekommen war, und Beate fühlte sich dadurch stets tief verletzt: Sie zeigte er klugerweise nicht, aber sie verfolgte uns mit Argwohn und brennender Eifersucht und wußte es immer geschickt so einzurichten, daß sie anscheinend zufällig oder nichtsahnend im Musikzimmer zu tun hatte und also unsere Stunde störte.

Nur mit Mühe beherrschte Dorn, der viel­leicht den wahren Sachverhalt ahnte, seinen Un­mut. Beate war eben die Schwester seines Freundes, und Herbert hielt sehr viel von dieser einzigen Schwester. Darum ertrugen wir ge­duldig und freundlich ihre drückende Gegen­wart, die unserem frohen Kreise alle Harmlosig­keit genommen hatte. Wir atmeten auf, als sie endlich nach wochenlangem Aufenthalt nach Landegg zurückkehrte.

Die alte schöne Zeit schien damit wiederge­kommen zu sein. Ich studierte eifrig, und meine Stimme entfaltete sich mehr und mehr.

Einmal es war gewiß nicht Dorns Ab­sicht, unmögliche Wünsche in mir zu erwecken brach er in den Ausruf aus:Es ist ewig schade, daß diese Stimme der Welt verloren geht, daß sie ungehört und unbewundert in der Ein­samkeit verklingen soll."

Er hatte damit nur meinem eigenen Emp­finden Ausdruck gegeben. Ich geizte nicht nach eitlem Ruhm, aber meine Kunst konnte sich nur auf der Bühne zu ihrem vollen Glanze entfal­ten, das fühlte ich.

Warum muß sie denn in der Einsamkeit verklingen?" fragte ich kühn.Ich will meine Stimme in den Dienst der Kunst stellen, ich will ihr den Platz weisen, auf den sie gehört: auf die Bühne. Sie erschrecken? Sie meinen, als Tät­

lich aufs neue für das politische Stimmrecht der Frauen begeistert, und in dieser Versammlung entschlüpfte dem Munde der bekannten Frau Tauer die fürchterliche Drohung, die sicherlich allen Männern, insbesondere aber den Reichs­tagsabgeordneten gar entsetzlich in die Glieder fahren dürfte:Wenn es nicht anders geht, müs­sen wir Frauen vor den Reichstag ziehen, wie es in Norwegen geschehen ist, um den Reichstag 3U zwingen, uns das Stimmrecht zu geben." Es scheint, vom Radikalismus zur Lächerlichkeit ist unter Umständen nur ein Schritt. Die radika­len Frauen find jedenfalls auf dem besten Wege, sich lächerlich zu machen, und wenn sie ihre fürch­terliche Drohung ausführen, dann wird ihnen das Gelächter wohl noch lange in den Ohren klingen, unter dem sie dank der Tätigkeit des BerlinerMädchen für alles", das auch erhitzte Köpfe abzukühlen weiß, der Feuerwehr, nach Hause geschickt werden.

In der bereits erwähnten Versammlung meinte Frau Cauer zu der sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Mannheim:

Trotz mancher Ausfälle gegen die bürgerliche Frauenbewegung habe sie sich nach Mannheim vorgenommen, niemals nach links zu schlagen, aber desto schärfer nach rechts. Wenn nut die bürgerlichen Frauen ebenso großen Opfermut aufwenden würden, wie es die proletarischen Frauen tun, die vornehmlich auch das Wohl ihrer Partei im Auge haben! Aber da entsteht die Frage:Welche Partei sollen wir stärken? Welche steht so zu uns?" Die bürgerliche Frauenbewegung hat gegenüber bet Arbeiter­schaft dieselben Fehlet begangen, wie der bür­gerliche Liberalismus.Aber wenn wir noch so sehr und ungerecht angegriffen werden, wir dür­fen diese Frauen nicht bekämpfen."

Was trennt diese radikalen bürgerlichen Frauen überhaupt noch von bet imVorwärts" tätigenFrau" Rosalie Lübeck alias Rosa Luxemburg? Sollte eine Vereinigung bet radi­kalen Frauenrechtlerinnen mit der Sozialdemo­kratie nicht am Platze fein? Jedenfalls würde die Frauenbewegung, soweit ein berechtigter Kern in ihr steckt, durch diese Scheidung nur ge­winnen. Die Mitarbeit turbulenter und extre­mer Damen, denen es doch nut darauf ankommt alsFührerinnen" eine Rolle zu spielen, kann der g n t e n S a ch e nur schaden.

Deutsches Reich.

Berlin. 26. Oktober.

Seine Majestät der Kaiser hötte gestern Vormittag die Vorträge des Kriegsministets, des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts. Um 12% Uhr empfing der Kaiser in Abschiedsaudienz den Großherzoglich Mecklenburgischen Gesandten v. Oertzen.

tin eines Grasen Landegg wäre das nicht mög­lich?"

Herbert wird nie seine Zusttmmung geben," erwiderte er ernst.

Auch nicht, wenn ich unter anderem Namen sänge? Würde es Ihnen schwer sein, mit ein Gastspiel an der hiesigen Oper auszuwirken?"

Nichts leichter als das, aber Herbert wird auch das nicht gestatten."

Sie sind ein Pessimist. Haben Sie denn nicht gesehen, daß er mich mit der Erfüllung meiner Wünsche bisher unverantwortlich ver­wöhnt hat? Nein, nein, sagen Sie nichts, ich setze es durch. Ich sehne mich danach, mit Ihnen zu fingen und zu spielen, wenn Sie mich Ihrer Partnerschaft für würdig halten."

So suchte ich noch eine Weile seine Bedenken zu zerstreuen, und seine Einwendungen zu wi­derlegen.

Schließlich nahm er mir das Versprechen ab, vorläufig noch nichts von meinen Wünschen ge­gen Herbert laut werden zu lassen, und eine günstige Gelegenheit abzupassen. Meine Stu­dien betrieb ich jedoch eifriger denn je, bis der Frühling ihnen ein Ziel setzte, oder doch wenig­stens einen Stillstand gebot.

Meine Schwiegermutter war schon lange ernstlich leidend, und der Arzt wünschte für sie dringend einen längeren Aufenthalt im Süden. Mein Schwiegervater schrieb daher an meinen Gatten, er möge sich Urlaub erwirken, und für einige Zeit nach Landegg kommen, um die Lei­tung des Gutes während seiner Abwesenheit zu übernehmen; er selbst wolle seine kranke Ge­mahlin begleiten und ihr für einige Wochen Gesellschaft leisten. Herbett kam sofott diesem Wunsche nach, ich aber war unglücklich, von München fort zu müssen. Herbert tröstete mich bald. Er ließ den herrlichen Bechstein-Flügel nach Landegg transportieren und lud Dorn zum Besuch ein.

DieNationallib. Korr." bringt an der Spitze ihrer heutigen Ausgabe eine sichtlich parteioffiziöse Darlegung zur gegenwärtigen Bergarbeiterbewegung. In ihr wird zunächst' darauf hingewiesen, was die heutige Bewegung von der vor iy2 Jahren unterscheide. Heute seien die Unternehmer bereit, mit den durch bi<* Berggesetznovelle geschaffenen Organisationen der Bergarbeiter, nämlich den Arbeiteraus­schüssen, zu verhandeln. Es liege auch diesmali lediglich ein Lohnkampf vor, der ideale Zug von 1905 fehle der jetzigen Bewe­gung. Der Arttkel schließt: Sollte eine friedliche Verständigung nicht zu erreichen sein, und sollte es wirklich zum Streik kommen, so darf man wohl mit einiger Sicherheit Vorhersagen, daß ihm gegenüber sowohl die Stellung des Publi­kums als die der Staatsregierung eine wesent­lich andere sein wird, als im Jahre 1905. Was die Staatsregierung betrifft, so wird, sie, nachdem die Bergwerksbesttzer sich auf den loyalen Regierungsstandpunkt gestellt habens indem sie mit den Arbeiterausschüssen unter­handeln, es sicherlich vermeiden, sich wieder in die undankbare Vermittlerrolle hineindrängen' zu lassen. Sie wird bei allem Interesse, bas sie notwendig der Beilegung des Streiks entgegen« bringt, nach beiden Setten Gerechtigkeit üben und zunächst den Beteiligten selbst die Aus­tragung des Kampfes überlassen müssen.

Nach dem vom Kaiserl. Statistischen Amte herausgegebenen Septemberhefte der monat­lichen Nachweise über den auswärtigen Handel betrug:

1. Die Einfuhr im September: 5,362,401 Tonnen, 2,307,880 Stück, 132,415 Faß, 180 Stock; in den 7 Monaten März bis September: 31,304,429 Tonnen, 8,400,807 Stück, 441,629 Faß, 5976 Stock.

2. Die Ausfuhr im September: 3,993,640 Tonnen, 533,095 Stück, 264 Faß, 110 Stock, 56,875 Hektoliter und 85,448 Flaschen; in den 7 Monaten März bis September: 24,711,191 Tonnen, 3,415,322 Stück, 1379 Faß, 471 Stock, 3447,077 Hektoliter und 697,292 Flaschen. Im Vergleich zum Monat August hat im Septem­ber dis Einfuhr in der Gewichtsmenge bedeu­tend zu-, in den anderen Mengen meist ange­nommen, während die Ausfuhr das umgekehrte Verhältnis zeigt. Die Zunahme der Gewichts­menge in der Einfuhr entfällt in der Haupt­sache auf Erze, Schlacken und Asche, die über 600,000 Tonnen Mehreinfuhr haben, alsdann auf chemische. Grundstoffe, Säuren, Salze tifmj mit über 20,000 Tonnen Mehreinsuhr. Abge­nommen hat die Einfuhr bei den Erzeugnissen der Land- und Forstwirtschaft je um rund 60,000 Tonnen, unter den ersteren insbesondere' die Einfuhr von Tieren und tierischen Erzeug­nissen und den Erzeugnissen landwirtschaftlicher Nebengewerbe. Bei den tierischen und pflanz! lichen Spinnstoffen und Waren daraus nfmj steht der Abnahme der Einfuhr von Baumwolle; eine Zunahme der Hüteeinfuhr gegenüber. Se«' merkenswert ist die Abnahme der Einfuhr voix Waren aus Steinen oder anderen mineralische!!

Die Ferien in der Oper begannen bald, tinij Dorn kam mit Beginn derselben zu uns. EH war eine herrliche, leider nur kurze Zeit, big wir zusammen verbrachten, mehr denn fer.iiibi in der Kunst aufgehend. ]

Wir sahen nicht die Schlange, die unser Paradies umlauerte, wir genossen, was bet Augenblick uns bot, nicht fragend nach lichen Rücksichten, unsere Worte und Gedanlet nicht wägend, unser Tun nicht verschleiernd. .;

Wir sahen nicht oder wollten es nicht seheiü daß Beate uns mit Argwohn auf Schritt un- Tritt nachging, daß sie unsere Worte und Miel neu studierte. Wir wußten ferner nicht, daß fii den Stachel des Argwohns langsam aber sicher iii Herberts bis dahin argloses Herz gesenkt Halis! und daß er darin wucherte und gedieh. 1

Einer Schuld muß ich mich zeihen, die schon heiß und bitter bereut habe: Ich vernach­lässigte meinen Gatten, ich fragte nicht viel nach ihm in dieser Zeit und ging nur auf iii meiner Kunst. Er hatte so viel mit Gutsanacl legenhetten zu tun, war so viel außerhalb bes' Schlosses, daß mir mein Versäumnis nickt f» bewußt wurde. Für ihn war es ein Grund' mehr, zu seiner bereits aufgestachelten Eifer-' sucht. i

Unser Aufenthalt auf Landegg neigte sich' bald dem Ende zu, und ich hielt cs nun end-ich an der Zeit, Herbert von meinen Wünschen zu sprechen; ich ahnte ja nichts von seinen Gefüh­len. Um so mehr befremdete mich sein heftiger' Widerstand, ja er erwiderte sogar strenge, daß, er einen ferneren Unterricht bei Dorn nicht mehr dulden würde.

Verletzt zog ich mich in mein Zimmmer zu­rück, und als ich nach einer Stunde den Park! betrat, um frische Luft zu schöpfen und meine' Nerven zu beruhigen, fand ich an einer ein«, famen Stelle Dorn in tiefen Gedanken an i>en! Stant einer Eiche lehnend. f

(Fortsetzung folatl |